Compliance Prüfung für Instant Payments – 3 Sekunden sind zu langsam

Bei allen grösseren Schweizer Banken laufen zurzeit Projekte für die Umsetzung der Anforderung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bezüglich der Erreichbarkeit für den Empfang von Instant Payments. Das zentrale Schweizerische Interbanken Clearing System von SIX wird hierfür um den Service Instant Payments erweitert (SIC5). Zahlungen müssen neu nicht nur rund um die Uhr möglich (7*24*365), sondern auch noch schnell Ende-zu-Ende abgewickelt sein. Der Erhalt der Eingangsbestätigung der Empfängerbank muss nach spätestens 10 Sekunden bei der Senderbank eingehen. 

 

Analog dem aktuell gültigen Europäischen Instant Payments Verfahren (SCT Inst) sieht der Regulator in der Schweiz (noch) keine vereinfachten Compliance Prüfungen im Zahlungsverkehr vor. Konkret gelten dieselben Anforderungen wie im heutigen Zahlungsverkehr. Eine Zahlungsverkehrs-Transaktion muss demnach sehr schnell durch ein Compliance-Checksystem automatisiert geprüft werden. Theoretisch stehen hierfür gegen 3 Sekunden zur Verfügung. Manuelle Eingriffe sind in diesem Anwendungsfall nicht möglich. Erste Tests haben gezeigt, dass diese Prüfung im Verhältnis zu allen anderen Prüfungen beim Zahlungseingang den Löwenanteil in Anspruch nimmt. 

 

Seitens der Hersteller von Compliance Prüfsystemen sind also neue Ansätze gefragt, da die bisherige System-Architektur nicht für eine solche Performance ausgelegt ist. Der Weg über fachliche Optimierungen ist begrenzt und von den Compliance-Verantwortlichen der Banken auch nicht erwünscht (z.B. Reduktion der Prüflisten, Weglassen von Auftragsattributen für die Prüfung, Anwendung von Betragsgrenzen, etc.). Was in der aktuellen Diskussion erstaunt, ist die Fokussierung auf die maximale Transaktionszeit von 10 Sekunden. Ein Blick nach Europa zeigt, dass in unseren Nachbarländern eine Instant Payments Zahlung Ende-zu-Ende im Schnitt in 2,5 Sekunden abgewickelt ist. 

 

Mit der Zielsetzung, dass sich auch für den Bankkunden eine Instant Payments Zahlung instant anfühlt, geht der Europäische Regulator aktuell einen weiteren Schritt zu einer noch schnelleren Transaktionsabwicklung. Gemäss der sich aktuell in der Vernehmlassung befindlichen EU-Verordnung «COM (2022) 546» soll die Prüfung auf den einzelnen Transaktionen wegfallen und durch eine tägliche Überprüfung der Kunden bezüglich sanktionierte Personen ersetzt werden. Dieses Modell wird in den Niederlanden bereits angewendet, wo Transaktionszeiten von 1,5 Sekunden Ende-zu-Ende im nationalen Zahlungsverkehr gemessen werden. Für EU-Länder wird eine verpflichtende Anwendung der neuen Regeln per Ende 2024 erwartet. 

 

Zurückkommend auf den Finanzplatz Schweiz stellt sich die Frage, wie solche Zeiten auch in unserem System erreicht werden können? Denn aus Sicht des Kunden ist eine Wartezeit von 10 Sekunden heute eine Ewigkeit, insbesondere am Point of Sale, welcher ja als «Gamechanger» für Instant Payments immer wieder erwähnt wird. Darauf zu spekulieren, dass solch ein schlechter Service Instant Payments an sich den Garaus machen wird, ist zu kurz gesprungen, denn das Bedürfnis danach ist in der Zwischenzeit nicht mehr wegzudiskutieren. Es gilt also genauso gut oder noch besser als die bereits heute weltweit produktiven Instant Payments Services zu werden. Anders gesagt: 3 Sekunden für eine Zahlungsauftrags-Prüfung sind zu langsam. 


Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling verfasst. 

Die nächste grosse Regulierungswelle im Zahlungsverkehr rollt auf Europa zu

Die Europäische Kommission macht sich aktuell Gedanken mit welchen Massnahmen sie die Verfügbarkeit und die Nutzung von Instant Payments (IP) fördern kann. Wie üblich soll dies mit der Verabschiedung einer EU-Verordnung (COM2022 - 546) passieren, welche die groben Anforderungen formuliert und die Details werden in der Folge vom European Payments Council (EPC) in der Form von Rulebooks und Implementation Guidelines beschrieben. Neben der auch im Schweizer IP bekannten Verpflichtung der Banken den IP-Empfang anbieten zu müssen und der Vorgabe, dass IP-Zahlungen gleich teurer sein sollen, wie «normale» Zahlungsaufträge sticht in der aktuellen Diskussion nebst dem Wechsel der Compliance-Prüfung auf Basis täglicher Stammdaten-Scans anstelle einer Transaktionsprüfung die sog. «Confirmation of Payee» (PoC), hierzulande auch als Namensabgleich bezeichnet, heraus.

Die meisten hiesigen Banken führen aktuell den Namensabgleich beim Zahlungseingang durch (oder planen dies in naher Zukunft zu tun). Die EU-Regulation fokussiert den Namensabgleich des Begünstigten beim Zahlungsausgang, also beim Sender-Finanzinstitut. Dieses muss in Zukunft überprüfen, ob die IBAN des Zahlungsempfängers, grösstenteils nicht mit einem Konto im eigenen Haus, mit dem Namen des Zahlungsempfängers übereinstimmt und über jede Diskrepanz den Zahler informieren, bevor dieser den IP-Zahlungsauftrag abschliesst. Ein Entwurf, wie dies umgesetzt werden soll, ist vom EPC per Juli 2023 angekündigt, inklusive dreimonatiger öffentlichen Konsultation nach erfolgter Publikation. Der Vorschlag sieht interessanterweise vor, dass auch bei einer benachrichtigten Unstimmigkeit der Zahler den IP-Auftrag trotzdem ausführen lassen kann.

Selbstverständlich machen sich die relevanten Akteure, u.a. auch PPI, bereits jetzt Gedanken, wie die Regulation in der Praxis umgesetzt werden könnte. Wie so oft hilft da ein Blick auf bereits produktive Lösungen oder Projekte in der Umsetzung. Exemplarisch könnten nachfolgende Beispiele für eine hiesige Umsetzung dienen:
  • pay.uk (GB): sog. «Overlay Service”, welcher als Input der zu überprüfenden Transaktionsdaten die Stati «match», «close match», «no match» oder «unavailable» retourniert
  • SurePay (NL): ähnliches Konzept wie pay.uk mit API und selbstentwickelten Algorithmus zur Bestimmung, ob «close match» oder «no match»
  • Nordic Payments Council (NPC): zentraler Standardisierungs-Ansatz für die Länder Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark und Island
  • SEPAMail (FR): dezentraler Service, welche sowohl Überweisungen als auch Lastschriften prüft und als Resultat «cmatch» oder «no match» retourniert
Inwiefern ist der Finanzplatz Schweiz wiederum gezwungen die EU-Verordnung im sog. «autonomen Nachvollzug» ebenfalls umzusetzen? Für EU-Länder gilt für Verordnungen, dass diese sofort und unmittelbar für alle Mitgliedstaaten gelten (i.d.R. mit einer Übergangsfrist von 12 Monaten). Nach Rückfrage bei unseren Partnern soll für Länder ausserhalb der EU eine Frist von 36 Monaten angesetzt werden, falls ein Institut via SEPA Adherence Agreement am SCTInst-Verfahren teilnimmt. Die vereinfachte Möglichkeit am SCTInst-Verfahren teilzunehmen, wird aktuell auch unter dem Vorhaben «One-Leg-Out Arrangements» vorangetrieben. Mit Blick auf die Erreichbarkeit von IP-Teilnehmern in ganz Europa können Schweizer Banken und Zahlungsdienste-Anbieter diese Entwicklungen nicht ignorieren. Es ist auch denkbar, dass eine zukünftige Schweizer Regulierung einen PoC für den nationalen IP-Zahlungsverkehr vorsieht. Wir bleiben seitens PPI Schweiz am Thema dran und werden es ganz nach Schweizer Manier weiter «aktiv Beobachten».

Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling gepostet.


Der Buchgeld-Token (BGT) – eine Einschätzung von PPI Schweiz

Es ist etwas ruhig geworden auf dem Finanzplatz Schweiz, wenn es um das Thema «Central Bank Digital Currencies» (CBDCs) geht. Nach einem Zwischenhype aufgrund der Projekte Helvetia, Jura, etc. der Schweizerischen Nationalbank mit Fokus «Wholesale CBDC», folgte längere Zeit nichts mehr. Der Bundesrat hat zudem erklärt, dass vorerst kein Bedarf für die Einführung einer «Retail CBDC» besteht. 

Das kürzlich publizierte Whitepaper der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) vom März 2023 «Der Buchgeld-Token - Neues Geld für die digitale Schweiz» könnte die Diskussion allerdings wiederbeleben. 

Um was geht es?

Die SBVg beschreibt in ihrem Dokument das Konzept einer digitalen Währung in Form von «tokenisiertem» und auf der Distributed Ledger Technologie (DLT) basierendem Buchgeld: dem «Buchgeld-Token» (BGT). Solch ein «Stablecoin», entsprechend konzipiert, soll eine Vielzahl neuartiger Anwendungen ermöglichen, Risiken reduzieren, Effizienz erhöhen und neue Geschäftsfelder erschliessen. Anders formuliert geht es um die Beantwortung der Frage, welche Grundkonzeption die Schweizer Wirtschaft optimal bei der Abwicklung von Transaktionen mit digitalen Vermögenswerten und Zahlungen in einer digitalisierten Wirtschaft unterstützen könnte. Die Idee des BGT wurde in ökonomischer, rechtlicher und technischer Hinsicht mit Experten der Mitgliederbanken für drei Varianten analysiert.

Der BGT ist gemäss der Idee «programmierbares Geld», das heisst eine rein digitale und mit programmierbarer Funktion erweiterbare Form des Schweizer Frankens. Der BGT soll auf zugangsoffener Blockchain-Technologie, dem Schlüsselkonzept der D¨¨¨¨LT, gekoppelt mit Smart-Contract-Fähigkeiten, basieren. PPI hat bereits im Sommer 2021 in seinem publizierten Whitepaper einen auf IoT-Payments (Internet of Things) optimierten Zahlungsprozess beschrieben, welcher die Idee des BGT widerspiegelt. Bei dem, auch als Machine-to-Machine-Payment (M2M) bezeichneten Zahlungsvorgang, geht es darum, bestimmte Logiken definieren zu können, welche es erlauben eine Zahlung automatisiert und ohne menschliches Zutun abzuwickeln.

Die SBVg beschreibt in ihrem Dokument drei ausgewählte Anwendungsbereiche: 
  1. Der BGT als «Cash Leg» für Transaktionen mit digitalen Vermögenswerten
  2. Der BGT als Zahlungsmittel der Zukunft
  3. Der BGT als Enabler in einem CHF-DLT-Finanz-Ökosystem
Wie bereits erwähnt, sehen wir von PPI im zweiten Bereich, dem Einsatz als neues Zahlungsinstrument im Internet of Things, z.B. für die Abbildung von «Pay-per-Use»-Verträge in Kombination mit Smart Contracts das grösste Potential. Kommt hinzu, dass bei diesem auf Schweizer Franken basierenden Stable Coin Modell die Werthaltigkeit jederzeit gewährleistet wird, d.h. eine Umwandlung in herkömmliches Buchgeld jederzeit möglich sein soll. Zitat «Ein Schweizer Franken bleibt beim BGT unabhängig von seiner Herkunft ein Schweizer Franken».

Das Whitepaper beschreibt in der Folge drei Varianten für die Emission des BGT, wobei die Ausprägung als «Joint Token» aus Sicht der Autoren die vielversprechendste ist. Hierbei ist vorgesehen, dass ein von den teilnehmenden Geschäftsbanken gemeinsam gehaltenes Special Purpose Vehicle (SPV) den BGT emittiert, der zu 100% oder weniger mit sicheren und hochliquiden Reserven unterlegt ist. Die technologische Umsetzung ist mit bestehenden Verfahren möglich.

Ob es gelingt, ein Äquivalent zu herkömmlichem Buchgeld in Schweizer Franken zu schaffen, ist aus heutiger Sicht offen. Dass sich die Akteure im Zahlungsverkehr Schweiz dazu wieder mehr Gedanken machen, ist auf jeden Fall begrüssenswert. Denn nach der Einführung von Instant Payments ist noch offen, welches der nächste grössere Innovationsschritt sein soll. 

Seitens PPI werden wir solche Initiativen wie immer von Anfang an genau verfolgen und den Weg einer allfälligen zukünftigen Umsetzung gemeinsam mit unseren Bankkunden gehen.

Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling verfasst. 

ChatGPT: Die Zukunft der Banken?



Aktuell kommt man an der Thematik ChatGPT nicht mehr vorbei. Genau deshalb hat sich PPI Schweiz in einem Workshop mit der Technologie genauer auseinandergesetzt und überprüft, welchen Nutzen Banken im Bereich Payments daraus ziehen können und an welchen Stellen sich die Technologie noch weiterentwickeln muss. Doch zuerst, was ist ChatGPT überhaupt?

ChatGPT ist ein öffentlich zugängliches und auf künstlicher Intelligenz basiertes Sprachmodell, das von OpenAI entwickelt wurde. Es ist darauf spezialisiert, menschenähnliche Antworten auf eine Vielzahl von Fragen zu geben und Texte zu generieren, indem es aus großen Datensätzen im Internet lernt. 

Die Anzahl der möglichen Usecases scheint auf den ersten Blick nahezu unbegrenzt. Neben dem einfachen Abfragen von Wissen können Artikel geschrieben, Texte übersetzt, Code verbessert und Zusammenfassungen von Studien erstellt werden. Mittels SWOT-Analyse sind wir noch einen Schritt weiter gegangen. Das Ziel war, die Frage zu beantworten, ob und wie ChatGPT einen Vorteil für Banken liefern kann.

Stärken:
  • Leistungsstarker KI-Chatbot, der in der Lage ist, eine Vielzahl von Kundenanfragen schnell und effektiv zu beantworten, ohne dass menschliche Unterstützung erforderlich ist.
  • Kundenerfahrung können verbessert werden, indem es schnelle Antworten auf häufig gestellte Fragen liefert.
  • Geringere Arbeitsbelastung der Kundendienstmitarbeiter und Entlastung von Routineaufgaben, sodass sie sich auf komplexere Probleme konzentrieren können.
  • Automatisierung von Prozessen, was zu Kosteneinsparungen und einer höheren Effizienz führen kann.
Schwächen:
  • Datenbasis ist enorm gross, in welcher auch falsche Informationen abgelegt sind 
  • Aufgrund von Konfigurationsfehlern kann es zu fehlerhaften oder unangemessenen Antworten kommen, was das Vertrauen der Kunden in die Bank beeinträchtigen kann. 
  • Es besteht die Möglichkeit, dass Kunden aufgrund der Verwendung von Chatbots das Gefühl haben, dass ihre Anfragen nicht ausreichend beantwortet werden und menschliche Unterstützung benötigen.
Chancen:
  • Die Verwendung von ChatGPT in Banken kann zu einer schnelleren und effizienteren Kundendienstleistung führen, was zu einer höheren Kundenzufriedenheit führen kann.
  • Kann innerhalb von Banken zu Kosteneinsparungen führen, indem die Arbeitsbelastung der Bankmitarbeiter verringert wird.
  • Die innovative und fortschrittliche Technologie kann helfen Wettbewerbsvorteile zu erlangen.
Risiken:
  • Die Implementierung von ChatGPT in Banken kann von einigen Kunden als unpersönlich oder kalt wahrgenommen werden, was zu einer geringeren Kundenbindung und einem möglichen Verlust von Kunden führen kann.
  • Verlust der persönlichen Kunde – Bank Schnittstelle, da es zu weniger persönlicher Interaktionen kommt.
  • Wenn der Chatbot nicht korrekt implementiert oder gewartet wird, kann dies zu Sicherheitsproblemen führen, die die Vertrauenswürdigkeit der Bank beeinträchtigen können.
  • Erhöhte Skepsis aufgrund von Datenschutzbedenken gegenüber der Verwendung von Chatbots in Banken.
  • Generationen, mit fehlendem technischem Know-how könnten sich ausgegrenzt fühlen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ChatGPT das Potenzial hat, der Bankenbranche einen erheblichen Mehrwert zu liefern, indem es die Kundenerfahrung verbessert, die Arbeitsbelastung der Kundendienstmitarbeiter verringert und zur Automatisierung von Prozessen beiträgt. Allerdings müssen noch einige rechtliche Fragen geklärt werden, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz und Haftung, bevor ChatGPT breitflächig in Banken eingesetzt werden kann. Außerdem muss sich ChatGPT noch weiterentwickeln, um komplexe Finanzfragen zu beantworten und menschenähnliche Gespräche zu führen.

Dieser Blog wurde von Jonas Löhr publiziert.

Instant Payments Teil 3: Herausforderungen und Erfolgsfaktoren

Vor welchen Herausforderungen stehen die Schweizer Banken betreffend der Einführung von Instant Payments? Und welche Faktoren bestimmen den Erfolg? Lesen Sie hier den Teil 3 unserer Blogserie zu Instant Payments in der Schweiz. In den ersten beiden Artikeln haben wir zunächst die Vorteile der Nutzer dargestellt und den möglichen Einfluss auf andere Zahlungsmethoden beschrieben. Anschliessend haben wir uns die Entwicklung von SCT Inst im SEPA Raum angeschaut und zusätzlich das Vorgehen einzelner Länder betrachtet. Im abschliessenden Artikel dieser Serie werden wir den Schwerpunkt auf die bankspezifischen Herausforderungen legen und wir betrachten welche kritischen Erfolgsfaktoren zu berücksichtigen sind.

Herausforderungen Banken

Die Einführung der Schweizer Instant Payment Lösung bringt eine Reihe von Herausforderungen mit sich. Zum einen ist hier die Komplexität des Projekts anzuführen, welche vor allem auf die Neugestaltung der IT-Infrastruktur und die vielen Beteiligten Parteien zurückzuführen ist. Neben dem Core-Banking-System und den Umsystemen innerhalb der Bank werden in erster Linie die IT, Produktmanagement, der Vertrieb und der Kundenservice beansprucht. Hinzu kommt die Abstimmung mit externen Dienstleistern, Software-Lieferanten und Payment Service Providern hinzu. 

Die Banken müssen ihre Zahlungsprozesse und die IT-Architektur so anpassen, dass alle ein- und ausgehenden Zahlungen sofort verarbeitetet werden können. Konkret heisst das, sämtliche Compliance-Prüfungen, wie Anti-Money-Laundary, Fraud oder Sanction Screening, die Abstimmung mit den Umsystemen sowie die Anpassung der Kunden-Salden müssen innerhalb von wenigen Sekunden durchgeführt werden. Bei der Neugestaltung der Prozesse und der IT-Landschaft ist die Kreativität und das Know-How der Banken gefragt, denn bisher gibt es kein Best Practice für SIC5 an dem sie sich orientieren könnten. Banken, welche SCT Inst eingeführt haben, respektive Berater und Produkt-Lieferanten aus dem SEPA-Raum wie PPI können jedoch durchaus auf Erfahrungen bei den europäische Einführungsprojekten zurückgreifen. Bei der Eingabe der Überweisung in die Überweisungsmaske durch den Kunden, könnten gewisse Prüfungen bereits durchgeführt werden bevor der Kunde die Zahlung einreicht. Durch dieses Vorgehen können Banken zumindest beim Zahlungsausgang wichtige Sekunden einsparen. Heute tendieren Banken dazu ihre Risk-Filter lieber etwas strenger einzustellen. Werden Zahlungen ausgesteuert, können diese manuell durch Mitarbeiter freigegeben werden. Auf den Kunden hat das in der Regel keinen Einfluss, da er von den Prozessen im Hintergrund nichts mitbekommt. Bei einer Instant Payment Zahlung sieht das anders aus. Denn eine manuelle Nachbearbeitung der Zahlung innerhalb von Sekunden ist nicht realisierbar. Der Kunde merkt also, wenn seine Zahlung ausgesteuert wird. Sollte dies bei ein und dem gleichen Kunden mehrmals vorkommen, führt es zu einem negativen Kundenerlebnis, was es definitiv zu vermeiden gilt. Banken sollten also prüfen, ob sie ihre Checks an die neue Situation anpassen können. Denkbar wäre Zahlungen bis zu einem gewissen Betrag (z.B. CHF 1.000) nur in Ausnahmefällen auszusteuern.

Auch die Liquiditätsbereitstellung gegenüber der SNB verändert sich. Neben dem RTGS-Verrechnungskonto müssen die Banken zukünftig ein zweites separates IP-Verrechnungskonto führen, über die alle ein- und ausgehenden IP-Zahlungen verrechnet werden. Um einen reibungslosungen Ablauf gewährleisten zu können, müssen ebenfalls 24/7/365 genügend Geldmittel vorhanden sein. Die Besonderheit hier ist, dass das IP-Konto nur mit dem RTGS-Konto, aber nicht direkt mit der SNB verbunden ist. Mittels camt.003 / camt.004 kann der Saldo des IP-Konto abgefragt werden. Diese camt Meldungen sollten am besten automatisch versendet und von den Banken-System eingelesen werden. Sobald die Liquidität einen bestimmten Betrag unterschreitet, muss die Bank handeln, ansonsten wird der IP-Service gestoppt.

Ab August 2024 wird Instant Payments für die ersten Banken verpflichtend. Viel Zeit zur Umsetzung bleibt also nicht.


Erfolgsfaktoren

Damit Instant Payments in der Schweiz ein Erfolg wird, sind zwei Parameter entscheidend. Zum einen müssen Banken die Vorgaben korrekt umsetzen. Hier gilt die Devise rechtzeitig mit dem Projekt starten. Es muss ein Zielbild der IT-Architektur entwickelt und eine umfassende Umsystemanalyse durchgeführt werden. Um den Anforderungen gerecht zu werden, müssen die Systeme performant und hochverfügbar sein. Ausserdem kann es Systeme geben, welche nicht direkt in den IP-Prozess eingebunden, aber trotzdem beeinflusst werden (Repair, Investigation, Archiv, etc.). Anschliessend muss der für die jeweilige Bank beste Anbieter für die Umsetzung identifiziert werden. Dies ist besonders schwierig, da es noch keine Schweizer Lösung im Einsatz gibt und viel auf Versprechungen basiert. Schon vor der Umsetzung muss sich jede Bank die Frage stellen, welche IP-Services sie später anbieten möchte. Soll hier nur die Möglichkeit von Überweisungen innerhalb weniger Sekunden geschaffen werden oder soll das Kundenangebot durch weitere Produkte erweitert werden? Wie sollen die Kunden informiert werden und für welches Kundensegment gelten welche Preismodelle?

Zum anderen ist der Erfolg von der Marktdurchdringung & -akzeptanz abhängig. Die Marktdurchdringung wird in der Schweiz recht einfach erreicht, da der Service auf der Eingangsseite ab August 2024 bzw. 2026 für die meisten Banken verpflichtend ist. Die Marktakzeptanz ist von mehreren Aspekten abhängig. Damit Verbraucher Instant Payments nutzen, ist es wichtig, dass sie über den Service informiert und über die Vorteile aufgeklärt werden. Ausserdem dürfen sie nicht mit hohen Zusatzgebühren belastet werden. Sollten sie für einen Service zur Kasse gebeten werden, den sie nicht als Mehrwert empfinden, wird die Nutzung im einstelligen Prozentbereich bleiben. Ausserdem ist das Zusatzangebot von Banken und PSPs entscheidend, um möglichst viele Kunden anzusprechen und von den Vorteilen zu überzeugen. Hier kann die Schweiz unterstützend zur Seite stehen. Nimmt sie sich ein Beispiel an den Niederlanden und setzt IP als Standardüberweisung ein, schafft sie für PSPs das perfekte Umfeld, um darauf aufbauend weitere Services entwickeln zu können.


Fazit und Bedeutung für die Schweiz

Die Einsatzmöglichkeiten von Instant Payments sind vielseitig und bringen eine Menge Vorteile mit sich. Der Erfolg der Schweizer Instant Payment Lösung wird von der Nutzung und der Marktdurchdringung abhängig sein. Für Banken könnte hier das Henne-Ei-Problem entstehen. Denn vermutlich wird die Mehrheit der Kunden nicht von den Banken verlangen unbedingt Sofortzahlungen anzubieten. Warum sollten also Banken etliche Millionen Franken investieren, um Instant Payment Meldungen empfangen und versenden zu können, wenn es von der Kundschaft nicht gefordert wird und Banken diesen Service noch nicht mal ordentlich bepreisen können?

Hier müssen Banken langfristig denken, denn SIC5 wird kommen. Es ist zeitgerecht, dass eine Überweisung nur wenige Sekunden benötigt und in den meisten Ländern sind bereits Instant Payments Lösungen aktiv. Ohne eine nationale Variante verliert auch der Finanzplatz Schweiz an Prestige und gerät gegenüber den Nachbarländern ins Hintertreffen. Fraglich ist inwieweit Instant Payments für POS Transaktionen im Geschäft oder im eCommerce verfügbar gemacht werden. Die Händler würden sich über diese sichere Möglichkeit freuen, denn so können sie die hohen Gebühren der Karten- & TWINT-Transaktionen umgehen. Doch die Banken sind in einer Zwickmühle. Denn wenn sie die Händler unterstützen, würden sie zu ihrem eigenen Nachteil handeln. Banken erhalten mit jeder Kartentransaktion eine Gebühr gutgeschrieben (Interchange Fee) und TWINT wurde von den Banken entwickelt. Werden diese Transaktionen durch Sofortzahlungen substituiert, schmälern die Banken ihren Gewinn. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich die kommenden Möglichkeiten im Markt eingliedern und welche Services von Banken und PSP angeboten werden und wie stark die Verbraucher diese nutzen werden. 


Wir von PPI Schweiz freuen uns, Sie als starker Partner unterstützen zu können. Anders als andere Schweizer Softwareanbieter, verfügen wir mit dem TRAVIC Payment Hub (TPH) über eine Lösung, die bereits seit Jahren erfolgreich im Markt etabliert ist. Der TPH verfügt über beide SCT Inst Clearing Anschlüsse und wird seit 2019 beim grössten Zahlungsverkehrsabwickler Deutschlands eingesetzt. Dort werden jährlich rund 7 Mrd. Transaktionen abgewickelt. Für SCT Inst Zahlungen liegt die durchschnittliche Transaktionsdauer bei unter 3 Sekunden. 

Dank unserer Erfahrung in Europa und der Schweiz verfügen wir über einen breiten Marktüberblick hinsichtlich Banken und kennen die Stärken und Schwächen der verschiedenen Instant Payment Plattformen.

Dieser Blog wurde von Jonas Löhr verfasst.

Instant Payments Teil 2: IP in Europa

Der zweite Teil unser Instant Payments Reihe beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie es mit Instant Payments im SEPA-Raum ausschaut? Grundlegend kann bereits zu Anfang festgehalten werden, dass sich die Umsetzung und Ausprägung von Instant Payments - trotz europäischer Initiative - auf nationaler Ebene abspielt. Wer vorerst noch mehr über die Vorteile der einzelnen Nutzer (Verbraucher, Händler & Corporates) erfahren möchte, dem empfehlen wir einen Blick in unseren ersten Teil der Artikelserie.

Aktueller Stand SCT Inst

Trotz der vielen Vorteile, muss ergänzt werden, dass SCT Inst in den meisten Ländern noch nicht als «New Normal» gilt und das Service-Angebot von Banken und Payment Service Providern stark variiert. Aktuell sind nur rund 60% der europäischen Zahlungsverkehrsdienstleister dem SCT-Inst-Verfahren angeschlossen. Etwa 90% Instant Payment-Transaktionen liegen derzeit unter 1.000€, und die meisten Transaktionen (etwa 70%) werden tagsüber (zwischen 6:00 und 18:00 Uhr) durchgeführt. Je höher die Marktdurchdringung wird, desto stärker wird auch der Einfluss auf andere Zahlungsmethoden.

Deutschland & Österreich 

Eine Banken-Umfrage in Deutschland und Österreich gibt Aufschluss darüber, weshalb viele Banken zögerlich bei der Einführung sind. So ist die Teilnahme an der SCT Inst Lösung für Banken freiwillig. Hinzukommt, dass es zwei Clearing-Anschlüsse (TIPS & RT1) gibt, welche nicht miteinander kompatibel sind. Wenn also eine Bank erreichbar sein möchte, muss sie beide Anschlüsse bedienen können. Gleichzeitig geht die Implementierung mit erheblichen Investitionskosten einher. Betrachtet man das Verhältnis von «normalen» SEPA Zahlungen und SCT Inst wird deutlich, dass die Kundennachfrage noch nicht besonders hoch ist. Gerade einmal 11% der SEPA Zahlungen entfallen auf Instant Payments. Diese geringe Nachfrage führt dazu, dass viele Banken Instant Payments nicht aktiv bewerben, sondern eher als Nischenprodukt führen und mit hohen Gebühren versehen. Durch zu hohe Gebühren sinkt der Kundenmehrwert gegenüber einer kostenlosen SEPA Überweisung deutlich, sofern es sich nicht um einen Notfall handelt. Eine Kombination von Instant Payments mit weiteren Payment-Services wie «Open Banking» könnte den Nutzen deutlich steigern. Hier sind in erster Linie die PSPs gefragt neue Services oder Produkte zu entwickeln, doch eine Marktdurchdringung von rund 11% ist für die meisten Anbieter ein Grund andere Projekte zu priorisieren.


Niederlande

SCT-Inst ist in den Niederlanden seit Mai 2019 in Betrieb und ermöglicht Kunden, Geld auf Konten bei teilnehmenden Banken im Zahlungsnetzwerk zu überweisen.

Instant Payments decken 100% der P2P- und Internetbanking-Transaktionen ab, da sie als Standard-Überweisung ohne zusätzliche Kosten von den Banken angeboten werden. Etwa 95% der niederländischen Zahlungskonten sind innerhalb von 5 Sekunden und rund um die Uhr erreichbar. Gegenwärtig werden B2C-Zahlungen wie Gehälter oder Versicherungsansprüche und B2B-Zahlungen nicht im Sofortzahlungsmodus abgewickelt. 


Schweden

Im Jahr 2012 entstand in Schweden aus einer Bankenkooperation der Service «Swish». Dieser ermöglicht mobile Instant Payment Zahlung zwischen Verbrauchern und Unternehmen. 

Swish wird inzwischen von 7,9 Millionen der insgesamt 10,2 Millionen Einwohner Schwedens genutzt und hat sich zur bevorzugten Online-Zahlungsmethode entwickelt. Ursprünglich für Transaktionen zwischen Privatpersonen geschaffen, wurde Swish schnell auf Flohmärkte, Gottesdienstspenden sowie auf alle kleinen Unternehmen ausgeweitet, die die Kosten für die Annahme von Kreditkarten vermeiden wollten. Swish wird inzwischen häufiger als Bargeld verwendet und macht 9% aller POS-Transaktionen aus, wodurch die Bargeldnutzung auf den niedrigsten Stand aller Zeiten gesunken ist. 


Ungarn

Nach einer dreimonatigen öffentlichen Konsultation im Jahr 2016 beschloss die ungarische Nationalbank (MNB) die Einführung einer Instant Payments Lösung, um die Verwendung von Bargeld zu verringern und elektronische Transaktionen zu fördern. Von Anfang an wurde verbindlich vorgeschrieben, dass Banküberweisungen innerhalb von 5 Sekunden und 24/7/365 gutzuschreiben sind.

Alle Sofortzahlungen sind unwiderruflich und sofort auf dem Konto des Empfängers verfügbar. Zusätzlich zu der Möglichkeit, «Request to Pay» Anfragen zu senden, können alle Kontoinhaber Aliasnamen wie E-Mail-Adressen, Steuernummern oder Mobiltelefonnummern verwenden. 

Die ungarischen Behörden haben die Verwendung von Sofortgutschriften für alle Transaktionen unter 30.000 € verbindlich vorgeschrieben, mit dem klaren Ziel, Bargeldtransaktionen zu ersetzen. Die Tatsache, dass Instant Payments für Banken verpflichtend gemacht wurden, hat ein innovationsförderndes Umfeld für Fintech-Unternehmen geschaffen.

Im finalen Teil der Artikelserie werden für uns mit den Herausforderungen für die Banken beschäftigen und welche Erfolgsfaktoren erfüllt sein müssen, damit die Instant Payments in der Schweiz den Erwartungen gerecht werden kann.

Dieser Blog wurde von Jonas Löhr verfasst. Bleiben Sie gespannt auf Teil 3 nächste Woche. 

Instant Payments Teil 1: The new normal im Schweizer Zahlungsverkehr

 

Die Schweiz implementiert Instant Payments. Können wir dabei aus den Erfahrungen Europas mit SEPA Inst profitieren? Welche Chancen bieten sich der Schweiz und warum müssen die Banken zwingend jetzt beginnen die Umsetzungsprojekte zu planen? In unserem Dreiteiler zum Thema Instant Payments gehen wir diesen Fragestellungen auf den Grund und nehmen Sie mit auf einen Deep-Dive ins Instant Universum. 

Während in der EU SEPA Instant Payments (SCT-Inst) kommenden Winter bereits den fünften Geburtstag feiert und sich darüber hinaus weitere nationale Lösungen entwickelt haben, steht in der Schweiz mit SIC5 die eigene nationale Instant Payment (IP) Lösung in den Startlöchern. Durchaus ein Grund die Entwicklung in den Nachbarländern zu betrachten, denn die Chancen und Herausforderungen, können grundsätzlich auch auf den Schweizer Markt angewendet werden.

Der erste Teil der dreiteiligen Artikelserie fokussiert sich auf die Vorteile der verschiedenen Nutzer (Verbraucher, Händler & Corporates) und geht darauf ein, inwiefern Sofortzahlungen Einfluss auf bereits etablierte Zahlungsmethoden wie Debit- / Kreditkarten, Lastschriften oder auch TWINT nehmen können. 

Im zweiten Artikel wird die Entwicklung von SCT Inst im SEPA Raum betrachtet. Ausserdem wird anhand dreier EU-Länder beispielhaft gezeigt, wie der Übergang und die Marktdurchdringung einer Instant Payment Lösung auf nationaler Ebene zum «New Normal» werden kann.

Der dritte und abschliessende Teil beschäftigt sich mit den Herausforderungen, denen Banken gegenüberstehen und beschreibt die Erfolgsfaktoren, die einen massgeblichen Einfluss auf die Umsetzung haben. Abschliessend wird im Fazit noch auf die Bedeutung von Instant Payments für die Schweiz eingegangen.

Instant Payment Zahlungen werden derzeit für unterschiedliche Zwecke und von verschiedenen Teilnehmern eingesetzt. Neben den Transaktionen zwischen Einzelpersonen (P2P) gibt es noch Anwendungsfälle von Verbrauchen und Unternehmen (B2C & C2B) sowie von Unternehmen untereinander (B2B). Für alle Beteiligten ergeben sich unterschiedliche Vorteile. 


Vorteile für Verbraucher

Die zunehmende Digitalisierung der modernen Gesellschaften hat dazu geführt, dass die Verbraucher erwarten, dass alles in Echtzeit verfügbar ist. Dies gilt auch für die Aktualität des eigenen Kontostandes. Durch die sofortige Verbuchung von Transaktionen erhalten die Verbraucher eine bessere Kontrolle über ihr Budget. Dies ist besonders für Haushalte mit geringem Einkommen wichtig.

Dank Instant Payments ist es für Privatpersonen möglich auch eine vergessene Rechnung oder eine Mahnung gerade noch rechtzeitig zu begleichen und so Verzugszinsen zu vermeiden. Auch für hochwertige Käufe (Gebrauchtwagen) bieten sich die Sofortzahlungen an, da diese direkt vor Ort durchgeführt werden können. Anders als eine Lastschrift ist die Sofortüberweisung unwiderruflich. Für den Empfänger verringert sich also das Risiko von Zahlungsausfällen. Darüber hinaus können Händler, die ihr Geld schneller bekommen auch den Lieferprozess direkt anstossen, was wiederum dazu führt, dass der Kunde seine bestellte Ware schneller erhält. Innerhalb der EU gibt es bereits Airlines, die Instant Payments nutzen, um bei Flugannullierungen ihren Kunden die Pauschalen für Hotel und Verpflegung direkt zukommen zu lassen.


Vorteile für Händler

Für viele Händler liegt ein grosser Vorteil in der Verbesserung des Liquiditätsmanagements, da sie das Geld sofort erhalten und nicht mehrere Tage auf die Gutschrift durch einen Payment Service Provider (PSP) warten müssen. So kann ein Händler noch am gleichen Tag über seine Tageseinnahmen verfügen und für die Bestellung neuer Waren verwenden. 

Auch das Tagesgeschäft wird positiv beeinflusst, denn durch die rückläufige Anzahl an Bargeschäften können die Händler Kosten einsparen. Obwohl viele Händler dazu neigen, Bargeld als die günstigste Form der Zahlung zu betrachten, verstecken sich hier viele Kosten, die durch Instant Payments nicht anfallen. So besteht bei Bargeldzahlungen das Risiko von Diebstahl oder menschlichen Fehlern bei der Abrechnung. Darüber hinaus erhält der Kunde durch Instant Payments eine weitere Bezahlmöglichkeit, falls er nicht genügend Bargeld mit sich führt oder sein Kartenlimit bereits überschritten hat. Zusätzlich entfallen die Kosten bei der Bank für das Einzahlen von Bargeld.

Für Händler bestehen noch weitere Möglichkeiten zur Kosteneinsparung. In den letzten Jahren sind die Gebühren für Kartentransaktionen deutlich angestiegen. Diese können umgangen werden in dem der Händler seinen Kunden einen QR-Code zur Verfügung stellt. Dieser wird in der mobile Banking App des Kunden gescannt und das Überweisungsformular wird automatisch ausgefüllt. Der QR-Code kann auf der Website des Händlers im Check-Out Bereich oder auf dem POS-System im Geschäft erstellt werden. 

Gerade bei der Buchung von Hotels, Flugreisen oder Mietwagen sind meistens Kreditkarten erforderlich. Durch die Bereitstellung eines QR-Codes werden auch Kunden angesprochen, die über keine Kreditkarte verfügen. 


Vorteile für Corporates

Im B2B-Bereich ist das Cash-Management derzeit einer der Haupttreiber, da davon sowohl Lieferanten als auch Käufer profitieren. Dank der Möglichkeit Überweisungen 24/7/365 tätigen zu können, wird das Risiko von Zahlungsausfällen und die Kosten für das Halten offener Salden minimiert. Außerdem können Unternehmen außerhalb der Geschäftszeiten Geldbeträge senden und empfangen, gerade wenn es sich um eine dringende Zahlung an einen Kunden handelt. Viele Versicherungsgesellschaften verwenden zur Regulierung kleinerer Schäden immer noch Schecks. Mittels Instant Payments können diese Schäden direkt beim Kunden vor Ort beglichen werden, was wiederum die Customer Experience steigert.

In einer Weiterentwicklung von Instant Payments ist es denkbar, dass zusätzlichen Funktionen wie «Rich Data» (z. B. der Originalrechnung) oder automatisierte Zahlungen kombiniert werden. Dadurch können Lieferketten optimiert und die Transparenz gesteigert werden.

Es wird erwartet, dass eine flächendeckende Marktdurchdringung von Sofortzahlungen durch Unternehmen einen erheblichen Cashflow freisetzen kann und so zu einer effizienteren Wirtschaft beitragen könnte. Durch den sofortigen Geldtransfer sind kleinere Unternehmen in der Lage, nachhaltiger zu wachsen und den Bedarf an Liquiditätsrückstellungen zu verringern. 


Einfluss auf andere Zahlungsmethoden

Instant Payments wird auch Einfluss auf bestehende Zahlungsmethoden haben und kann dafür sorgen, dass sich die Marktanteile verschieben

Lastschriften werden meistens für wiederkehrende Transaktionen verwendet. Wenn die Banken des Zahlungsempfänger und des Zahlers mit Instant Payments erreichbar sind, könnte eine Lastschrift durch eine «Request to Pay» Meldung ersetzt und als automatisierte Instant Payment Überweisung ausgeführt werden. In der Schweiz wäre dasselbe Vorgehen mit eBill denkbar.

Debit- & Kreditkarten sind bisher für rund 90% der Verbraucher in Europa die bevorzugte Zahlungsmethode. Für den Handel bedeuten die Karten allerdings hohe Gebühren. Mittels QR-Code, der vom Kunden in seiner mobile Banking App gescannt werden kann, könnten die kartenbedingten Transaktionsgebühren umgangen werden. 

Der nächste Teil der Artikelserie geht auf die aktuelle Situation von SCT Inst im SEPA Raum ein und beschreibt, wie einzelne Länder es geschafft haben, teilweise mit nationalen Lösungen, Instant Payments als «New Normal» zu etablieren.

Dieser Blog wurde von Jonas Löhr verfasst. Bleiben Sie gespannt auf Teil 2 nächste Woche. 

Das PPI TopEvent ist zurück

 

Genau zwei Jahre ist es her, dass das traditionsreiche TopEvent zuletzt wie im gewohnten Rahmen stattfinden konnte. Zwar haben wir in der zwischen Zeit auch eine digitale Variante lanciert, doch hier fehlte der wichtigste Aspekt – der soziale Austausch in gelassener Atmosphäre. Somit war PPI Schweiz froh, dass wir die zahlreichen Teilnehmer am 07.04.22 wie üblich ab 16:00 Uhr im Zunfthaus zur Hard in Zürich in Empfang nehmen durften. Nach einem kurzem Apéro und der Anmoderation von Florian Stade, galt die Aufmerksamkeit den Referenten. 

Den Start machte der CFO und Leiter Support der Entris Banking AG, Dr. Hans Ulrich Bacher. 

In seiner Präsentation „Entris Banking Payment Hub: Spezialfall oder ein Modell für Retail- und Privatbanken“ skizzierte Hans Ulrich zunächst das Geschäftsmodell der Entris Banking AG. Sie tritt als Girozentrale und als Zentralbank für Regionalbanken auf, gilt ausserdem als Transaktionsbank mit eigener Banklizenz und kann durch die Volumenbündelung der Regionalbanken Skaleneffekte erzielen. Dazu kommt das Angebot von etlichen Finanzdienstleistungen wie Vorsorge, Bancomaten Services, Trading & Treasury und einiges mehr. Entris stellt kleineren und mittleren Banken, die sich für den Payment Hub entscheiden den Zugang zu SIC & euroSIC und zum Geldmarkt zur Verfügung. Abschliessend wurde erörtert, ob sich dieses Modell auch auf weitere Banken ausweiten lassen könne. Interessanterweise stiess das präsentierte Modell gerade auch bei ein paar Kantonalbanken auf offene Ohren. 

Im Anschluss gehörte die Bühne Dr. Falk Kohlmann. Falk ist Bereichsleiter Marktleistung der St. Galler Kantonalbank und Mitglied der GL. In seinem Vortrag stellte er die Digitalisierungsstrategie der SGKB vor und gewährte Einblicke in seine wichtigsten „Lessons Learned“. Mittlerweile wurden von der Bank bereits mehr als 20 verschiedene Apps mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielgruppen entwickelt. Und auch wenn die SGKB im Markt als innovativer Treiber von digitalen Projekten gilt, so kam es erfrischend ehrlich rüber, dass selbst in St. Gallen nicht allen Vorhaben ein Erfolgt bescheinigt war. Die Herausforderung liegt nun einerseits darin die Komplexität der Apps gering und somit kundenfreundlich zu halten. Gleichzeitig muss das Angebot immer weiter auf den einzelnen Kunden zugeschnitten werden. Die one-size-fits-all Strategie ist bereits länger nicht mehr angemessen. Interessant war zu erkennen, dass obwohl das Smartphone in der Welt des Bankings immer wichtiger wird, es weiterhin Bereiche gibt (z.B. die Kreditvergabe), in denen der Kontakt zu einem Bankberater weiterhin unersetzlich ist. 

An der abschliessenden Panel-Diskussion, die von Carsten Miehling (CEO, PPI Schweiz) mit provokanten Fragen gewohnt unterhaltsam moderiert wurde, nahm neben den beiden Referenten mit Martin Sackmann (Head Business Management |UBS Switzerland) ein weiterer Experte des Zahlungsverkehrs teil. Hier rückte die Thematik SIC5 mit Instant Payments in den Vordergrund. Es wurde darüber diskutiert, welche Use Cases für Privatpersonen und Unternehmen entstehen werden und ob die Sofortüberweisung auch eine Bezahlmethode für den POS wäre. Immerhin könnten Händler durch ein entsprechendes Bankangebot die hohen Gebühren von Karten und TWINT umgehen. Insbesondere UBS liess sich jedoch bezüglich Dienstleistungen für Banken, wie z.B. dem Korrespondenz Banking im Auslandzahlungsverkehr oder ein mögliches Insourcing bei Instant Payments nicht so recht aus der Reserve locken. Weiter gestand Falk zu, dass eine Monetarisierung der Investitionen in Frontlösungen eine heraufordernde Angelegenheit darstellt und Hans Ulrich betonte die Sinnhaftigkeit von Kooperationen, insbesondre für kleinere Finanzinstitute.

Nach der Panel-Diskussion folgte ein ausgiebiger Apéro, inkl. Flying Dinner und Live-Musik. Bei der ein oder anderen Flasche Wein wurde engagiert über bankübergreifende Themen gesprochen und daneben die optimale Paymentstrategie für den Schweizer Markt erörtert. 

Ein herzlicher Dank gilt allen Personen, die dieses TopEvent erneut einzigartig gemacht haben. Zu nennen sind hier als erstes die fast 100 Teilnehmenden aus allen Bereichen des Schweizer Zahlungsverkehrs. Nicht weniger wichtig sind die Referenten bzw. Panel-Teilnehmer, ohne ihre wertvollen Inputs wäre ein solch interessanter Austausch nicht im gleichen Mass möglich gewesen. Ausserdem möchten wir uns für das leckere Essen und den guten Wein bei Andreas Schober, dem Wirt des Zunfthauses zur Hard, bedanken. Zu guter Letzt «Merci vielmal» an alle helfenden Hände von PPI. 

Wir freuen uns schon jetzt Euch auf das nächsten TopEvent am 27.10.2022 wieder empfangen zu dürfen.

...