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Willkommen im 2021 – Was bringt das neue Jahr, wir wagen einen Blick in die Sterne

Wir schreiben den 01.01.2021 10:35 Uhr. Der eine oder die andere hat noch etwas Schlaf in den Augen, denn das neue Jahr ist noch sehr jung und die Nacht war lang. Wir räkeln und sortieren uns und zeigen uns etwas irritiert darüber, dass im Wohnzimmer eine gewisse Unordnung herrscht – offenbar war die Neujahrsfeier im kleinen Kreis doch amüsanter als erst befürchtet. 

Ein neues Jahr bringt die Möglichkeit, nicht nur im Wohnzimmer sondern generell die Dinge neu zu ordnen, mit Altem aufzuräumen und mit frischem Mut in die Zukunft zu blicken. Noch bevor einen die Routine des neuen Jahres wieder fest im Griff hat, ist die Aufbruchsstimmung meist am grössten. Jetzt werden Pläne geschmiedet, Altes wird kritisch hinterfragt, es kommt die Lust auf Innovation und Veränderung hoch und wir bauen uns unser eigenes Luftschloss, wie die Welt im neuen Jahr aussehen soll.

Was lehrt uns das Firmament?

Wer von Ihnen hierfür ab und an ein Horoskop liest und den Blick in die Sterne wagt hat vielleicht mitbekommen, dass es mit dem Jahresende auch zu einer neuen Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn gekommen ist, ein Ereignis, das nur alle zwanzig Jahre stattfindet und entsprechend Neuerungen mit sich bringt. Die jüngste Konjunktion hat es jedoch mehr als sonst in sich, denn in den vergangenen 200 Jahren fanden diese planetaren Zusammentreffen (bis auf eine Ausnahme) immer in den Erdzeichen Stier, Jungfrau und Steinbock statt - deswegen bezeichnet man in der Astrologie die Epoche der vergangenen 200 Jahre auch als «Erdepoche». Nun befindet sich diese Konjunktion aber am Anfang des Tierzeichens Wassermann und läutet somit die «Luftepoche» ein - astrologisch gesehen betreten wir nun also epochales Neuland.

Was bedeutet das nun?

Gemäss den Ausführungen der Psychologin und Astrologin Sylvia Grotsch bringt ein solcher Epochenwechsel immer auch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Diese manifestieren sich natürlich nicht alle umgehend im 2021 sondern eher verteilt über die kommenden Dekaden. Wir bewegen uns nun verstärkt weg von der geldgetriebenen hin zur werteliebenden Gesellschaft. D.h. auf immer mehr «haben wollen», einer Tendenz der Erdepoche, folgt nun ein ausgeprägtes Bewusstsein für Verbindungen und Zusammenhänge. Finanzieller Wohlstand, Besitz und berechenbare Verhältnisse treten in den Hintergrund und machen Platz für neue Werte wie Flexibilität, örtliche Unabhängigkeit sowie private und berufliche Gemeinschaften, mit denen man sich locker zusammenschliesst. Denn die Luft liebt Freiheit und Flexibilität, liebt Kontakte und ihr hervorstechendstes Merkmal ist das Bedürfnis nach Wissensaufnahme und Gedankenaustausch.

Auf die mittlere und nahe Zukunft bezogen heisst das, dass die Digitalisierung rasant und noch viel stärker zunehmen wird. Den Menschen wird ein freies und unabhängiges Leben immer wichtiger, Kontakte wollen intensiver gepflegt werden, auch wenn sie weltweit verstreut sind. Der Ruf nach Erneuerung, Freiheit, mehr Individualität und modernen Technologien wird lauter und lauter, gleichzeitig werden aber auch die Gesellschaft als solches und die Bewusstseinserweiterung immer wichtiger. Erstarrtes kommt in Bewegung, alte Zöpfe werden abgeschnitten, die Gesellschaft wird freier, offener und selbstbestimmter werden.

Und mittendrin in dieser Entwicklung stehen die Schweizer Banken, die (entsprechend der Erdepoche) seit Jahrhunderten für Stabilität, Festigkeit und Sicherheit stehen. Werte, die einen grossen Anteil am Geschäftserfolg der vergangenen Dekaden oder sogar Jahrhunderten haben und die sicher auch in Zukunft wichtig bleiben, aber es wird in manchen Dingen, noch stärker als in der jüngsten Vergangenheit, gänzlich neue Gedankengänge und Wege brauchen um den neuen gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht werden zu können. 

Mit welchen Veränderungen ist zu rechnen?

Die noch intensiver zunehmende Digitalisierung wird die Verwundbarkeit ansteigen lassen, und die IT-Sicherheit wird ausgeprägter denn je zur Achillesferse des Systems. Laufend werden neue Formen von Assets hinzukommen, die von den Kunden 24/7 digital verwaltet und in Echtzeit transferiert werden können wollen. Dieser starke Wunsch nach Verfügbarkeit und flexiblen und raschen Transaktionsmöglichkeiten weltweit wird nicht nur die Bankenwelt in der Schweiz extrem auf Trab halten. Noch rascher und feiner als bisher wird die Vernetzung zunehmen und die Welt zu einem (digitalen) Dorf zusammenwachsen lassen. Der Austausch von Gütern und Dienstleistungen wird, aufgrund neuer, digitaler Distributionskanäle und optimierter Logistikpfade, immer rascher vollzogen werden können, was die Banken vermehrt zwingt, mit der Abwicklung des Zahlungsverkehrs Schritt halten zu müssen. Hinzu kommt das forsche Auftreten der Bigtechs, die immer potenter und mit eigenen ausgereiften Ökosystemen auf den (Welt-) Markt drängen. Instant Payments, digitales Zentralbankgeld, die zunehmende Standardisierung im internationalen Meldungsaustausch, Open- und Multibanking oder aber auch das Internet of Things (IoT), mit dem erwarteten enormen Anstieg der Zahlungsvolumina, sind nur einige Baustellen, von denen wir hier sprechen. Diese Themen sind durchaus nicht neu, aber das Tempo und die Dynamik, mit der sie über uns hereinbrechen, sind wahrhaftig einzigartig und nehmen weiter zu.

Wie werden wir diesen Herausforderungen gerecht?

Die Antwort darauf ist einfach und kompliziert zugleich: einerseits mit vereinten Kräften und andererseits durch Spezialisierung.

Diese Veränderungen verlangen ein viel ausgeprägteres Miteinander als dies bisher der Fall war. Nicht alle Finanzinstitute werden im kommenden Jahrzehnt die Ressourcen und die Kraft haben, diesen Wettbewerb zielführend und kundenorientiert mitmachen zu können - die Investitionsvolumina der weltweit agierenden Banken und Bigtechs sind einfach zu gross. Es braucht daher clevere Symbiosen und ein agiles Management der Kompetenzen. Aus strategischer Sicht müssen sich die Finanzinstitute die Frage stellen, welche Rolle sie künftig u.a. im (internationalen) Zahlungsverkehr spielen und welche Geschäfte sie ihren Kunden in Zukunft überhaupt noch anbieten können und wollen. Es geht darum, den passenden Kurs zu finden, um sich dann darüber zu verständigen, welche Kooperationspartner für den bestimmten Weg Sinn ergeben. Universelle Dienstleistungsangebote verschwinden mehr und mehr oder werden künftig von den Banken extern eingekauft oder durch Zusammenschlüsse gelöst werden müssen. Der Trend zur Auslagerung von Dienstleistungen ebenso wie die Nachfrage nach z.B. Zahlungsverkehrssoftware as a Service wird demnach noch mehr steigen. Gleichzeitig wird durch solche Abhängigkeiten aber auch der Need der Banken grösser, rasch Einfluss nehmen zu können, falls dies nötig wird. D.h. die Finanzinstitute sind nicht nur auf das Knowhow der Partnerfirmen angewiesen sondern auch auf sehr gute und effiziente Kommunikationskanäle zu ihnen. Der letzte Punkt wird über die kommenden Dekaden immer kritischer wenn nicht sogar neuralgisch werden. Änderungswünsche müssen rasch besprochen und letztlich umgesetzt werden können, die Agilität muss in diesem Zusammenspiel also entschieden gesteigert werden, und das beidseitig. Wer als Provider hier proaktiv, vernünftig und zielführend Hand bietet, ist gegenüber der Konkurrenz klar im Vorteil. Auch das Ressourcenmanagement wird der Finanzplatz künftig noch flexibler gestalten wollen. Einerseits wird die Anzahl befristeter Verträge im eigenen Haus zunehmen, andererseits wollen die Institute Spezial-Knowhow v.a. in den projektgetriebenen Bereichen ad hoc und noch kurzfristiger einkaufen wollen. Dieser Wunsch nach höchstmöglicher Flexibilität deckt sich mit der neu angebrochenen Epoche, birgt aber auch entsprechende Risiken. Wer nicht rechtzeitig dafür sorgt, die Besten für sich zu gewinnen, gefährdet den Erfolg seines Projektes und blutet dafür im Nachgang sehr viel mehr als eigentlich nötig.

Die angebrochene Epoche der Luft hat es also in sich und wird uns v.a. jetzt in der Übergangsphase ziemlich fordern. Es braucht definitiv einen kühlen Kopf, Weitsicht und Fingerspitzengefühl um das Schiff in diesem intensiven Wind mit Geschick über den unruhigen Ozean zu navigieren. Einen externen Blickwinkel von Spezialisten einzuholen, die die Anzeichen des aufziehenden Wetters vorab und unabhängig einschätzen, Handlungsfelder benennen und Entscheidungen hinterfragen können, kann dabei helfen, glimpflich durch Stürme und in wieder ruhigeres Fahrwasser zu segeln. Das interessante Neuland, das es gemeinsam zu erreichen gilt, wird es wert sein, diese zwischenzeitlichen Strapazen auf sich zu nehmen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist bekanntlich doppelte Freude. Die neue Welt wartet mit vielen Freiheiten, gewinnbringenden Gemeinschaften und viel neuem Wissen auf uns, lichten wir also die Anker!

Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Start ins 2021 und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit in der angebrochenen Epoche,


Ihr Matthias Hungerbühler

mymoria - Im Reich des digitalisierten Todes

Peter Kauz und Björn Wolff
Das Berliner Startup mymoria hat sich auf die Fahne geschrieben, den undurchsichtigen Weg der Bestattungsvorbereitung transparent zu machen und digital ins Netz zu bringen. Das Team ist jung, aufgeschlossen, bricht mit dem allgemeinen Tabuthema „Tod“ und leistet, neben all den angebotenen Services, vor allem auch eine wichtige Aufklärungsarbeit in unserer Gesellschaft. Auf der Onlineplattform kann jede Art von Bestattung, egal ob die eigene oder diejenige von verstorbenen Angehörigen, komplett geplant und auch gleich bezahlt werden. Ein Mehrwert, der nicht zu unterschätzen ist. Denn oft wohnen die Kinder nicht mehr da wo die Eltern leben und jeder Tod ist für die Hinterbliebenen eine organisatorische Herausforderung. Und genau da setzt mymoria an.
Wir haben uns mit dem Mitgründer und Geschäftsführer Björn Wolff zu unserem Digital-Talk getroffen.

Wer sich auf mymoria.de bewegt, beschäftigt sich zwangsläufig mit dem Tod. Wie kommt man als junger Mann dazu, ein solches Portal überhaupt zu erschaffen?
Erstmal danke, dass du mich als „jungen Mann” titulierst (lacht). Ich habe die Plattform mit Peter, meinem Geschäftspartner, zusammen gegründet. Und wir sind über einen Todesfall im Freundeskreis darauf gekommen uns überhaupt mit diesem Thema zu beschäftigen. Der Vater eines Freundes verstarb und die Angehörigen hatten damals das Dilemma, dass sie zum einen nicht zufrieden waren mit dem, was der Bestatter gemacht hatte und zum andern fehlten ganz einfach grundsätzliche und wichtige Informationen online. Peter und ich kamen beruflich zwar aus ganz verschiedenen Bereichen, aber wir sagten uns: „Das können wir doch besser machen“. Und dann begannen wir uns mit dem Thema zu beschäftigen. Wir merkten relativ schnell, dass der Tod ein schlimmes Tabuthema ist und die Leute nicht darüber sprechen wollen oder einfach nie die Möglichkeit dazu haben. Wenn man ihnen aber diese Möglichkeit gibt, öffnen sie sich und können auf einmal relativ gelöst über ihre Wünsche bezüglich der eigenen Bestattung reden. Und seither handeln wir nach dem Grundsatz: „Lass uns ganz viel darüber sprechen, dann können wir es vielleicht verändern“.

Beschreib doch bitte mal die Funktionsweise von mymoria. Ab wann komme ich in euren Fokus resp. muss dem zwingend ein Todesfall vorangehen? Und wie läuft das dann ab?
Ganz einfach. Wir wollten das breite Spektrum dessen was man machen muss, wenn man sich mit dem Tod beschäftigt oder beschäftigen muss, weil man das für sich selbst als Vorsorge macht oder weil man einen akuten Trauerfall hat, komplett abdecken. Das haben wir versucht. Was heisst das nun? Man kann sagen, dass sich jeder bei uns relativ schnell eine Bestattung zusammenklicken kann. Also aus verschiedenen Sachen auswählen, wie man die gerne hätte und die kann man dann bei uns buchen. Das mache ich entweder a) als Vorsorge, also für mich selbst oder jemand anderen, für den man vorsorgen will oder b) wenn man wirklich im akuten Trauerfall Hilfe braucht. Und dann gibt es eben das breite Spektrum. Diesen Prozess kann man entweder ganz autark durchschreiten, also ganz alleine, von zuhause aus, im geschützten Raum und man muss uns nicht weiter in Anspruch nehmen. Man muss mit keinem reden, wenn man das nicht möchte und kann uns einfach beauftragen und wir kümmern uns darum. Oder aber man spricht mit uns (wir haben Bestatter, die rund um die Uhr erreichbar sind). Das geschieht telefonisch und geht bis hin zu einem persönlichen Termin, wenn man das denn will. Ehrlicherweise wird dieses Angebot aber immer seltener in Anspruch genommen. Ich glaube die Leute sind eben gerade froh, nicht in ein angestaubtes Bestattungshaus gehen zu müssen und nicht zu wissen, auf wen sie da treffen. Sie können sich bei uns alle Details und Produkte in Ruhe online durchlesen und anschauen und letztlich natürlich auch gleich auswählen. Alles ganz einfach, bequem von zuhause aus, ganz transparent und auch kostentransparent.

Meine nächste Frage geht genau in die Richtung: Wenn man ja einen Trauerfall beklagt, ist man oft bereits mit der Situation, dass jemand gestorben ist, überfordert. Jetzt muss man ganz viel organisieren und kann das neuerdings bei euch per Mausklick erledigen. Du hast Bestatter am Telefon erwähnt, aber wie stellt ihr sicher, dass da die Menschlichkeit nicht verloren geht?
Wir sind in allem was wir machen so menschlich wie es nur geht. Ich glaube der erste Zugang ist schon mal nicht schlecht: Wir stellen nämlich in dem Moment, in dem der Tod eintritt, alle nötigen Informationen schon mal zur Verfügung. Das machen wir auf allen Kanälen. Egal wie man also diese Informationen abfordert, sie stehen umgehend zur Verfügung. Wenn der Kunde das ganz persönlich haben will, dann kann er das rund um die Uhr bei uns am Telefon machen. Ich denke das ist ja schon mal einzigartig. Und da sind Leute, die sind nicht einfach darauf getrimmt ein Call-Center zu sein, sondern denen ist es freigestellt, wie lange sie mit jemandem reden. Es gibt bei einem Todesfall ganz unterschiedliche Bedürfnisse und dadurch natürlich auch viele Anekdoten. Manche Leute kommen ganz aufgeräumt daher und sagen: „Passen Sie auf, ich habe das und das und das, können Sie das für mich machen? ..., ja super, ich schick Ihnen gleich den Auftrag.“ Dem gegenüber gibt es aber auch Menschen, die wissen gar nicht, was sie jetzt in die Wege leiten müssen und die nehmen wir dann an die Hand und sagen, es gibt ein paar Dinge, die sind jetzt wichtig, paar andere macht man erst später.

Und die können dann immer wieder anrufen? Die werden also durch den kompletten Vorbereitungsprozess begleitet?
Ja, klar. Du kriegst einen Ansprechpartner und der führt dich durch den Prozess und ist an deiner Seite.

Du hast vorhin Kostentransparenz angesprochen. Ihr habt eine Überschrift auf der Homepage, dass ihr bis zu 31% günstiger seid im Vergleich zu einer herkömmlich organisierten Bestattung. Wie könnt ihr diesen Preisnachlass sicherstellen – muss man euch als Amazon der Bestattungsbranche verstehen?
Also das Volumina von Amazon haben wir noch nicht ganz erreicht (lacht). Es sind ja zweierlei unterschiedliche Themen in dieser Frage. Das eine ist die Kostentransparenz. Da bieten wir was, was es zumindest in Deutschland vorher so nicht gab. Alle sprechen zwar immer über Transparenz, aber dass man die Kosten einer Bestattung im Vorfeld ganz klar ausweist und sagt: „Natürlich kannst Du andere Blumen wählen, dadurch erhört sich aber der Gesamtpreis um so und soviel“ ist einzigartig. Wir bieten somit einen Vollkostenpreis. Das heisst, wenn da EUR 2‘819.- drunter steht, dann kostet es auch genau EUR 2’819.-. Diese Kostentransparenz gefällt vermutlich bis heute vielen Markteilnehmern nicht. Aber wir sind fest davon überzeugt, dass diese Transparenz sinnvoll ist und spüren auch, dass unsere Kunden das schätzen, ja sogar einfordern. Denn wer Dienstleistungen im Internet bucht, der will genau wissen, wieviel das kostet und was er dafür bekommt.
Und die andere Frage war ja, warum können wir günstiger sein als der Ortsdurchschnitt? Das ist relativ einfach erklärt. Wir machen das deutschlandweit. Wir kaufen ganz anders ein. Dadurch können wir auch andere Preise an unsere Kunden weitergeben. Und von der Logik her muss man verstehen: Wir machen alles selbst. Wir haben Partner oder eigene Bestatter über ganz Deutschland sitzen und wir kaufen bei Partnern die Vor-Ort-Dienstleistungen ein. Das kann zum Beispiel eine Überführung oder Vor-Ort-Betreuung sein, falls nötig. Alles andere machen wir wirklich selbst. Alle Produkte kommen von uns, alle Services, die man irgendwie digitalisieren kann, machen wir selbst. Also Abmeldungen bei der Krankenkasse, bei der Rente etc., all das, worum man sich nicht kümmern mag, wenn eine nahestehende Person gestorben ist.

Und das läuft über Vollmachten? Oder wie wird das geregelt?
Ja. Am Anfang ist es so, dass wir natürlich eh eine Vollmacht für all diese Themen vom Kunden bekommen. Für die Abmeldungen, die wir gerade angesprochen haben, braucht man zum Beispiel eine Sterbeurkunde. Da gehört es bereits zu unserem Basisservice dazu, dass wir die Sterbeurkunde erwirken und damit dann auch gleich die Abmeldungen vollziehen.

Ihr bietet auch einen Vorsorgeservice an, also die Möglichkeit, dass ich mir als Lebender Gedanken darüber machen kann, wie denn meine eigene Bestattung einst aussehen und ablaufen soll.
Kann ich jedem nur empfehlen (schmunzelt).

Wenn ich für mich nun alles auf mymoria.de plane, von der Farbe der Blumen bis hin zu der Musik, die während meiner Beisetzung abgespielt werden soll - wie erfahren dann meine Angehörigen nach meinem Tod von meinem mymoria-Willen?
Gute Frage, ja. Manche Leute laden sich ein Angebot von uns herunter und sagen, das hab’ ich jetzt zu meinem Testament gelegt, dann wird es ja wohl gefunden werden. Denen erklären wir dann immer, dass das schon gefunden wird, aber häufig erst nach der Bestattung, weil das Testament meist erst danach verlesen wird.
Wir haben aber verschiedene Mechanismen, die genau dafür helfen. Das eine ist, wir hinterlegen Vertrauens- und Ansprechpersonen bei uns im System, die auch einen Zugang auf den letzten Willen, wie denn die Bestattung sein soll, bekommen. Diejenigen, die bei uns vorsorgen, bekommen so kleine Karten, die an die Vertrauenspersonen abgegeben werden können. Plus, was auch alle bekommen, ist so ein kleiner Aufkleber für die Krankenkassenkarte. Da steht dann drauf „Bestattungsvorsorge by mymoria“. Denn wenn du stirbst, das was sicher angeschaut und gebraucht wird ist deine Krankenkassenkarte. Die wird immer gezückt. Somit bleibt die Information im Jetzt, wenn du dann mal den letzten Weg gehst. Und sobald wir kontaktiert werden, können wir dann sofort übernehmen und den Wunsch umsetzen. Das beinhaltet auch die zwei Hauptpunkte, warum Menschen überhaupt selber vorsorgen wollen: Zum einen will man eigene Wünsche einbringen und zum anderen sollen die Hinterbliebenen sowohl finanziell als auch emotional entlastet werden. Die belastende Planung übernehmen wir komplett.

Dieser Blog wird mitunter von vielen Bankern gelesen. Somit ist es naheliegend, dass wir auch über Geld sprechen möchten. Ihr bietet im Vorsorgemodell an, dass man eine Einmalzahlung oder monatliche Beiträge an die eigene Bestattung leisten kann. Wo aber liegt dann dieses Geld bis zu meinem Tod, arbeitet ihr damit? Oder eröffnet ihr Extrakonten bei einer Bank? Nur, mit meinem Tod fallen ja alle meine Vermögenswerte in den Nachlass und das Geld ist somit blockiert bis die Erbschaft geregelt ist? Wie läuft das bei euch ab?
Das wäre es, wenn du keine Vorsorge machst, das stimmt. Wir sind keine Bank, wir haben keine Banklizenz und dürfen selber kein Geld zu Verwaltungszwecken annehmen. Wir können nur über Hilfskonstrukte arbeiten, zum Beispiel über Treuhandkonstrukte. Die haben den Vorteil, dass sie pfändungssicher sind. Das Geld ist dann also für die Bestattung hinterlegt und da kann auch sonst keiner darauf zugreifen. Und genauso vertreiben wir auch Bestattungsvorsorgeversicherungen. Dem Kunden ist es freigestellt, wie und wo er das Geld zurücklegen will. Wir treten lediglich als Verfügungsberechtigter auf und können das Geld erst abrufen, wenn wir die Bestattung nachweislich durchgeführt haben und in Rechnung stellen.

Manchmal wird man ja vom Tod überrascht und die Organisation der Bestattung muss schnell gehen. Würde es eure Arbeit erleichtern, wenn es die Möglichkeit von Instant Payment gäbe, wenn man also in 3 Sekunden Geld von A nach B überweisen kann?
(Überlegt). Ich glaube, das wäre bei manchen Themen gut. Man muss aber klar sehen, welche Altersschicht welche Leistungen bei uns bucht. Wo es wahnsinnig helfen würde ist bei der Vorsorge. Hier bieten wir ja den Service an, dass man die eigene Bestattung nach individuellen Wünschen zusammenstellen kann. Um diesen Service aber tatsächlich zu erwirken, muss man die Vorsorgegebühr von EUR 49.- überweisen und das dauert nach heutigem Prozess manchmal mehrere Tage. Wenn das also instant wäre, dann wüssten unsere Kunden sofort: Nach der Zahlung ist alles bei mymoria hinterlegt und sollte mir jetzt was passieren, dann wissen die, was zu tun ist.
Ich glaube aber für eine klassische Bestattung an sich macht es keinen Unterschied. Denn wir nehmen keine Anzahlung, sondern gehen selber ins Risiko und rechnen erst nach getaner Arbeit ab. Da wäre es für uns momentan noch kein Zugewinn. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Instant Payment irgendwann auch vom Kunden eingefordert wird.

Ihr stellt also ganz herkömmliche Rechnungen?  Oder kann ich bei euch auf dem Portal auch via Paypal oder Kreditkarte bezahlen?
Wir machen herkömmliche Rechnungen. Du kannst aber genauso gut per Kreditkarte bezahlen.

Im Moment gibt es mymoria in Deutschland und seit Kurzem auch in Österreich. Gibt es Bestrebungen den Service z.B. auch auf die Schweiz oder das restliche Europa auszuweiten?
Wir schauen uns die Schweiz genau an. Da ist aber wenig harmonisiert. Das heisst, die Rechtsprechung ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Die Hürde liegt hier also etwas höher (lacht). Es gibt aber auch noch ein paar andere interessante europäische Länder, die wir unter die Lupe nehmen. Bestimmt werden bald einige weitere folgen. Der Service fehlt in so vielen Ländern, dass wir davon ausgehen, auch an anderen Orten Fuss fassen zu können.

Wie viele Bestattungen habt ihr bis dato in Deutschland und Österreich durchgeführt?
Da sind wir wie die Banker, da sagen wir nichts (lacht). Das letzte Mal hatten wir Ende 2017 kommuniziert und da hatten wir weit über 1000 Bestattungen gemacht. Da waren wir aber noch nicht lange auf dem Markt.

Lieber Björn, ganz herzlichen Dank für‘s Gespräch.
Danke auch.



Dieses Interview wurde von Matthias Hungerbühler geführt.



#mymoria #Digitalisierung #eGesellschaft #FinTech


Weist uns die Biometrie den Weg in die sichere Zukunft?

Die Biometrie hält, dank neuen und sensibleren Sensoren, seit einiger Zeit Einzug in das IT-Business, und wir möchten in dieser Ausgabe einen Blick auf existierende und vielleicht noch künftige biometrische Signatur- und Authentifizierungsmöglichkeiten werfen und die Frage aufbringen, inwiefern denn eine biometrische Authentifizierung im Bezahlvorgang Sinn macht. 

Im Retail eBanking merken die Banken schon länger, dass die Verwendung von Tan-Nummern nicht sicher genug ist um sich einzuloggen oder Zahlungen auslösen zu können, respektive keine abschliessende Sicherheit darüber gibt, welches Individuum tatsächlich hinter dem Prozess steht. Auch bei Kartenzahlungen kommt es immer wieder zu Missbrauch. Doch die Änderung des Legitimationsmittels für das Onlinebanking und bei Karten bedeutet für eine Bank oder den Kartenhersteller immer ein aufwändiges, teures, zeitintensives und alles andere als kundenfreundliches Projekt. Ein Vorgang, den man als Finanzinstitut alleine schon aus Reputationsgründen besser nicht alle paar Jahre wiederholen müssen sollte. 

Als Apple vor einigen Jahren das iPhone 5 mit der integrierten Touch-ID (https://de.wikipedia.org/wiki/Touch_ID)auf den Markt brachte, ging – unterstützt durch die Snowden-Affäre – ein Aufschrei über die Lippen der Datenschützer. Mittlerweile spricht aber kaum mehr jemand über die Touch-ID, der Prozess ist etabliert und wird auch von vielen Apps als Authentifizierungsmerkmal akzeptiert und verwendet. 

Seit es im Internet jedoch immer mehr Anleitungen gibt, wie man Fingerabdrücke fälschen und Devices und Apps damit entsperren kann, setzt Apple bei den jüngeren Ausführungen des iPhones auf die Face-ID. So bekommt der Nutzer quasi spielerisch mit einem Lächeln Zugang zu seinem Smartphone. 

Während Apple das Gesicht scannt, setzen die Banken bisher zum Identifizieren der Kunden auf eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Man kombiniert also nach Möglichkeit etwas, das der Kunde hat (z.B. eine Bankkarte) mit etwas, das er weiss (z.B. einen Code) oder neuerdings, wie eben erwähnt, auch mit etwas, das er ist (z.B. seinem Fingerabdruck). So weise ich mich also in einem herkömmlichen Zahlungsprozess mit einer Karte inkl. PIN oder wie bei Apple-Pay mit einer Karte und meinem Fingerabdruck aus. 

Oberstes Gebot dabei ist natürlich die Sicherheit. Und diese konnte in der Vergangenheit bei diversen Systemen mehrfach gehackt oder auf andere Weise ausgehebelt werden. So sind Überlegungen, wie denn die Sicherheit erhöht werden kann, durchaus legitim. Bei der Suche nach eindeutigen menschlichen und fälschungssicheren Merkmalen kommt man dabei rasch auf die weiterführende Biometrie. Der Vorteil einer biometrischen Identifikation, liegt auf der Hand: der Kunde kann mittels persönlicher, individueller Körpermerkmale eindeutig bestimmt werden – Fingerabdrücke zählen hier nicht mehr dazu aus den oben genannten Gründen. Darüber hinaus können die biometrischen Daten vom Kunden nicht vergessen oder verloren werden, was durchaus im weiteren Verlauf zu einer Aufwandsminderung auf der Bankseite führen kann. Klingt also nach einer Win-win-Situation, sowohl für die Bank wie auch für den Kunden, der an Sicherheit gewinnt. 

Was also lässt die Banken zögern, hier Nägel mit Köpfen zu machen? Erst einmal sehen sich die Finanzdienstleister der simplen Frage gegenüber, welche Art der biometrischen Authentifizierung überhaupt sicher und zur Freigabe welcher Prozesse geeignet ist. Ist es das individuelle Tipp-Verhalten des Kunden oder möchte man doch lieber das Abbild seines Ohres scannen oder vielleicht die Iris? - Wer sich inspirieren lassen möchte, soll sich bitte folgende Liste (https://www.biometricsinstitute.org/types-of-biometrics) anschauen. Selbst der Herzschlag weist offenbar individuelle Merkmale auf und lässt somit den Rückschluss auf die Person eindeutig zu. Mit welchen Devices aber sollen diese Daten erhoben und geprüft werden? Reicht es aus, sich der Sensoren in den Smartphones und vielleicht der Apple Watch zu bedienen? Oder braucht es neuartige Geräte um den Herzschlag zu prüfen oder das Gesicht auch für bankeigene Dienstleistungen zu scannen? Und macht es für die Bank Sinn, sich von Geräten und Herstellern wie Apple oder andere grossen Brands abhängig zu machen, oder anders gefragt: Welche Alternativen haben sie überhaupt?

Unabhängig von der Methode, für die sich ein Finanzdienstleister entscheiden mag, geht es in erster Linie auch darum, die Daten sicher zu verwahren und in Echtzeit verarbeiten zu können. Hierzu müssen sich die Banken wohl noch stärker digitalisieren, dynamischer werden und im IT-Bereich zukunftgerichtetes Knowhow aufbauen. 

Wer weiss, vielleicht wird es in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein, einer Zahlungssaufforderung mit dem Blick in die rechte obere Brillenecke nachzukommen, oder mittels eines Chips im Ehering, der die Echtheit unseres Herzschlages bestätigt oder uns mittels der Analyse des Körperduftes identifiziert. 

Die Technik ist heute schon so weit, dass wir solche Prozesse umsetzen können. Die Kostenstruktur wird vorläufig ein Thema bleiben, aber am Kundenwunsch nach Einfachheit und dennoch mehr Sicherheit wird sich auch künftig nichts ändern und das ist auch im Eigeninteresse der Bank. Wer simple und sichere Lösungen anbieten kann, ist vorne mit dabei. Meist gehen aber Sicherheit und ‚keep it simple’ nicht reibungslos miteinander einher. Und den Faktor, den die Entwickler gerne vergessen, ist die Gesellschaft. Sind wir grundsätzlich bereit, für mehr Sicherheit die letzten individuellen Geheimnisse zu opfern und noch gläserner zu werden? Die Zukunft wird’s zeigen, und die gestalten wir als Gesellschaft bekanntlich selber. 

Dieser Blog wurde von Matthias Hungerbühler gepostet

#Biometrie #Authentifizierung #Onlinebanking #eGesellschaft #Identifikation

Die Forderung eines Transhumanisten an seine Bank

Wir publizieren an dieser Stelle öfter Beiträge, in denen wir das Thema Payment inkl. der entsprechenden Formate aus Sicht der Banken betrachten. Heute möchten wir den Blick jedoch auf den Endnutzer legen, denn nicht nur die Banken, sondern auch deren Kunden verändern sich. Bis anhin war es den Banken und einigen Fintechs vorbehalten neue Anwendungen hervorzubringen. Die Frage ist aber, wie flexibel sind die Finanzinstitute, wenn es andersherum läuft, wenn nämlich der Kunde ein neues Anwendungsfeld fordert? 


Wir hatten das Vergnügen, uns mit dem Transhumanisten Mike Schaffner unterhalten zu können. Transhumanisten bezeichnet man in der hollywood'schen Science Fiction Terminologie auch als „Cyborgs“. Menschen also, die den eigenen Körper mit der Technik verschmelzen. Sie wollen ihre Fähigkeiten dadurch erweitern, ihren Alltag erleichtern und eines Tages vielleicht sogar dem Tod trotzen können. Mike Schaffner ist Campusleiter für hochbegabte Jugendliche, ist seinerseits selber hochbegabt, arbeitet bei mehreren Startups mit, teils als Angestellter, teils als Mitgründer, ist nebenher noch Barkeeper und verdient sich was mit Daytrading von Cryptocurrencies dazu. Einen Uniabschluss hat er nicht, aber als Hochbegabter holt er sich aus purem Interesse an der Uni einfach das Wissen, das er braucht. Dazu gehören Vorlesungen in Medizin genauso wie solche in den Fächern Mathematik, Informatik oder Physik. 

Guten Tag Herr Schaffner,  Sie wirken auf mich durchaus menschlich, was ist anders an Ihnen?
(lacht) Ich glaube im Grossen und Ganzen nicht viel, ich habe in meinen Händen im Moment vier Implantate, zwei davon sind rein für die erweiterte Wahrnehmung und zwei Mikrochips für die Drahtloskommunikation.

Den ersten Chip haben Sie sich bereits vor einigen Jahren unter die Haut setzen lassen, zwischen Daumen und Zeigefinger, inwiefern bereichert dieser Chip heute noch Ihr Leben, was können Sie damit machen?
Der erste Chip, den ich mir einsetzen lassen habe, ist im Moment noch mein Hausschlüssel. Mittlerweile hat er keine andere Funktion mehr. Ich halte also zuhause meine Hand an die Türe, das Schloss reagiert und springt auf. 

Und das können nur Sie, kann man das nicht hacken?
Man könnte das vermutlich schon hacken, es ist jedoch ein Kaba-Schloss und ich denke, dass das Hacken relativ aufwändig wäre.

Und diesen Chip haben Sie von Kaba direkt bekommen?
Nein, den habe ich von Dangerous Things aus dem Internet. Das ist einer der grossen Chiphersteller für den Menschengebrauch. Ich habe ihn mir dann zuhause am Küchentisch selber eingesetzt und danach entsprechende Applikationen gesucht, mit denen ich ihn betreiben kann. Früher nutzte ich ihn aber auch z.B. um mein Smartphone und meinen Computer zu entsperren, das war noch vor der Zeit mit Face-ID und Fingerprint. So hatte ich damit zum Beispiel Zugang auf mein grosses Passwortfile, wo sämtliche Passwörter, teilweise mit über 40 Zeichen, hinterlegt waren. Sobald ich das File mit dem Chip öffnete, wurde das registriert und das entsprechende Passwort automatisch abgefüllt. 

Also eine extreme Erleichterung im Arbeitsalltag, die man sich z.B. auch im Büro vorstellen könnte?
Absolut, ja. Im Büro kann man das natürlich easy auch über einen Badge lösen, den man auf sich trägt. Da besteht dann aber immer noch die Gefahr, dass er geklaut wird, ich ihn zuhause vergesse oder unterwegs verliere. Mit den Implantaten könnte man überhaupt alle Badges ersetzen. Der Chip ist in der Hand und ist safe. Beim Stellenwechsel wird das Implantat einfach neu überschrieben. Man kann einerseits Daten draufladen, wie z.B. die Visitenkarte, Informationen über die Blutgruppe, etc. oder man nutzt die chipeigene ID, die man in der Datenbank mit weiteren Informationen verknüpfen kann. D.h. ich kann diese ID bei der SBB, beim Arbeitgeber oder wo auch immer hinterlegen und werde darüber somit als ICH identifiziert. Ich brauche also all die Daten nicht auf dem Chip direkt, sondern die Chip-ID ersetzt das. Die Datenbank der SBB müsste somit lediglich um ein einziges Feld, das die Chip-ID enthält, erweitert werden und ich wäre im Handumdrehen GA-tauglich (lacht). So hätte ich den Swisspass immer bei mir und er könnte mit den gleichen Geräten, die die Kontrolleure heute bereits im Einsatz haben, gelesen werden.

Was war der Auslöser, dass Sie sich entschieden haben, Ihren Körper mit technischen Hilfsmitteln zu erweitern?
Das hat bei mir schon als Kind angefangen, als ich die Serie „The 6 Million Dollar Man“ gesehen hatte und völlig fasziniert war von der Idee, Mensch und Maschine zu kombinieren. Ich war grundsätzlich immer ein riesiger Comic Fan und interessierte mich seit je her für Superfähigkeiten. Schliesslich sind die Chips unter meiner Haut im Moment die einzige Möglichkeit, wie ich mich dieser Faszination nähern kann. 


Als einer von vielen tausend Transhumanisten weltweit, wie selbstverständlich ist es da, sich mit der Community auszutauschen? Suchen Sie diesen Austausch aktiv oder beantworten Sie einfach Fragen, falls jemand auf Sie zukommt?
Sowohl als auch. Ich beantworte gerne Fragen. Für mich ist es vor allem wichtig, meinen Standpunkt gegen aussen zu vertreten und erklären zu können, warum ich das Ganze mache. Andererseits gibt es innerhalb der Community auch einen sehr spannenden und regen Austausch, weil ganz unterschiedliche Sichtweisen darin vertreten sind. Da finden sich Biologen, Techniker, Mediziner, Neuroprothetiker, Enthusiasten, und und und. Viele von ihnen basteln und forschen auch selber. Dadurch ist die Community sehr aktiv. Ich selber arbeite zum Beispiel gerade an einem Blutkraftwerk, das in die Blutbahn eingesetzt werden und Strom für gewisse Anwendungen produzieren kann, damit keine Batterien verpflanzt werden müssen. Wir sprechen hier aber natürlich von ganz tiefen Stromspannungen. 

Für die kleinen Chips?
Nein, die kleinen Chips sind passiv. Gedacht ist die Stromversorgung für etwas grössere Gerätschaften wie Bluetooth- oder Wlan - fähige Anwendungen. Hier braucht es ein Minimum von 1.5 Volt Spannung.

Inwiefern machen die implantierten Chips Sie besser als uns herkömmliche Menschen? 
Ich würde nicht sagen, dass mich meine Chips besser machen, aber sie machen mein Leben etwas bequemer. Die beiden Magnete, die unter meiner Haut stecken sind ganz klar eine Sinneserweiterung. Ich besitze also einen Sinn mehr und kann damit elektrische Felder spüren. Z.B. erkenne ich damit bei mir zuhause, wie die Stromleitungen unter den Wänden verlaufen. Die Chips unter der Haut wiederum ersetzen Karten- oder Batchanwendungen und machen meinen Alltag somit bequemer, weil ich bei Bedarf nicht immer die richtige Karte hervorholen muss und sie auch nicht verlieren kann. 

Sie gestalten Ihre eigene Evolution, aber mit dem rasanten Fortschritt der Technik altern diese Chips eigentlich rascher als Sie. Ich nehme an, es gibt mittlerweile viel leistungsfähigere Chips auf dem Markt als die, die Sie unter der Haut tragen.
Ja, absolut, es gibt leistungsfähigere Chips. Die sind etwas grösser und müssen dann auch von Experten mit Skalpell eingesetzt werden. Die kleineren kann ich mir aber selber einpflanzen, das ist überhaupt kein Problem.  Ich hatte auch einen grösseren implantiert, das sieht man hier (zeigt seine Hand mit Narbe), aber den musste ich nach vier Monaten wieder entfernen. Ich vermute, dass sich nicht beim Einsetzen sondern viel später Bakterien darauf ablagern und gedeihen konnten.  Das Gewebe drum herum entzündete sich auf einmal. Diese Sepsis-Gefahr besteht, wie auch bei Piercings oder bei Ohrringen, eigentlich immer. Das Risiko ist jedoch sehr gering. Ich hatte einfach Pech, denn die Entzündung war bei mir so heftig, dass mich das fast die Hand gekostet hätte.

Das hält Sie aber nicht davon ab, weiterzumachen?
Nein im Gegenteil, als ich im Spital war, habe ich auf meinem Handy bereits nach guten Handprothesen gegoogelt (lacht). Nein, im Ernst, der nächste Chip ist bereits geplant. Ich wünsche mir einen Chip mit Bezahlfunktion. Gerade arbeiten wir daran, einen neueren Chip von Master Card zertifizieren zu lassen und ich hoffe sehr, dass uns das gelingt. Damit suchen wir dann eine Bank, die uns die Möglichkeit gibt, den Chip entsprechend als Kreditkarte einzusetzen.

Ist das eine weltweite Bestrebung oder agieren Sie hier diesbezüglich nur in der Schweiz?
Ich probiere es natürlich hier in der Schweiz. Mir ist nicht bekannt, wer das evtl. in anderen Ländern versucht. Ich muss davon ausgehen, dass der Chiphersteller auch an einer ähnlichen Lösung arbeitet, aber das geht mir zu langsam, deshalb versuche ich das selber voranzutreiben.  
Interessanter für mich wäre es jedoch, wenn ich eine Bank finden kann, die es mir erlaubt, den NFC-Chip der EC-Karte unter meine Haut zu setzen. So könnten die Einkäufe direkt dem Konto belastet werden, ohne den Umweg über das Kreditkarteninstitut. Ich war diesbezüglich mal in Kontakt mit der UBS, die hatten aber kein offenes Ohr für mein Anliegen. Ich verstehe auch nicht, warum daraus so ein riesen Ding gemacht wird. Ich bitte die Bank lediglich darum, dass sie den NFC-fähigen Chip nicht in meine EC-Karte setzen, sondern mir zukommen lassen. Dann kann ich ihn mir implantieren. Und wenn die Bank Bedenken hat wegen der Sicherheit, dann können sie mir den kontaktlosen Freibetrag von CHF 40.- gerne auf 0.- runtersetzen. So habe ich immer die 2-Faktor Identifikation und müsste jedes Mal beim Bezahlen meine PIN eingeben. Das würde ich auf mich nehmen, wenn ich dafür meine Brieftasche zuhause lassen kann. 

Können Sie sich vorstellen, dass die PIN mittelfristig ersetzt wird durch biometrische Faktoren?
Eigentlich nicht, denn Fingerabdrücke können relativ einfach gefälscht werden und es ist aufwändiger, jedes Mal an der Kasse die Iris scannen zu lassen als einfach die PIN einzugeben. Trotz Fortschritt soll der Vorgang anwenderfreundlich bleiben. 

Wo sehen Sie die Gefahr dieser Bestrebung, dass der Mensch zur Maschine wird? Wenn zum Beispiel Prothesen auf den Markt kommen, die viel stärker sind als ein herkömmlicher Arm... Wo hört das für Sie auf?
Das ist schwierig zu sagen. Ich möchte so gut wie möglich sein, d.h. wenn ich eine Prothese habe, die bessere Möglichkeiten bietet als das biologische Original, dann sehe ich rational keinen Grund an meiner Biologie festzuhalten. Ich bin sofort bereit meine Gliedmassen zu ersetzen, wenn ich dafür technisch überlegene Gerätschaften bekomme, die mir mehr Möglichkeiten bieten.  

Was glauben Sie, wie lange dauert es, bis die Neuroprothetik soweit ist? 
Es gibt heute bereits erste Matten, die ein „Gespür-Feedback“ zurück ans Hirn liefern können. Damit überziehen sie nun Prothesen. Ich gehe davon aus, dass wir bereits in ca. zehn Jahren soweit sind, dass die Prothesen der Biologie in nichts mehr nachstehen. 

Es gibt drei wichtige erklärte Ziele der Transhumanisten, die es zu erreichen gilt. Diese sind: Super Langlebigkeit, super Intelligenz und super Lebensqualität. Wann glauben Sie kann unsere Gesellschaft das erreichen?
Es wird immer Leute geben, die die Neuerungen, die unter anderem Transhumanisten anstreben, nicht mittragen. Das sieht man auch bei anderen Themen. Sobald etwas anders daherkommt als sich das die Mehrheit gewohnt ist, wird es prinzipielle erstmal abgelehnt oder seltsam angeschaut. Das braucht sehr viel Zeit um da eine Veränderung in den Köpfen herbeizuführen. Aber letztlich will niemand von uns sterben. Und wenn es uns gelingt, Möglichkeiten zu schaffen, die das Sterben hinauszögern, dann haben plötzlich alle Interesse daran, das kann dann sehr schnell gehen. Vielleicht wird dann auch die Ökologie wieder viel wichtiger werden, weil wir viel länger leben und dem Planeten Erde dadurch mehr Sorge tragen müssen. Der Planet muss dann sauber sein, weil wir viel länger hier sind. Das wiederum wird zu mehr Lebensqualität führen, was durchaus willkommen ist, wenn man einen Zeithorizont von vielleicht 200 oder sogar 400 Jahren hat. 


Zu unserer Leserschaft gehören viele Banker, wenn wir nochmal zurückgehen zu Bankdienstleistungen, wie sieht die optimale Bank für einen Transhumanisten aus?
Die optimale Bank...? Im Moment würde es –wie bereits erwähnt- sehr viele Leute, die ich kenne, glücklich machen, wenn sie sich einen Bezahlchip unter die Haut setzen könnten. Das ist schliesslich sehr naheliegend. Ich nehme aber an, dass es noch einige Möglichkeiten gibt, das Banking effizienter zu machen. Zum Beispiel gibt es ein Unternehmen in London, das mit Fiat-Währungen auf Blockchainbasis arbeitet. Sie machen damit Realtimetransaktionen möglich, resp. brauche ich kein Geld mehr zu wechseln, wenn ich ins Ausland reise, sondern kann einfach meine Kontowährung realtime in die des Ziellandes wechseln und vor Ort ganz normal mit der Karte bezahlen oder Bargeld beziehen, wie zuhause auch. Wenn das die Grossbanken adaptieren würden, wäre das sicherlich für viele Menschen ein Mehrwert. Das hat aber nicht zwingend was mit Transhumanisten zu tun. 

Könnten Sie sich auch vorstellen, Ihre Bitcoin-Wallet unter der Haut zu tragen?
(lacht) Das hatte ich bereits 2013. Damit habe ich dann in Holland bezahlt. Der Bezahlvorgang dauerte halt einige Zeit, aber es war ein lustiger Gag. Man muss jedoch anmerken, dass der Bitcoin-Kurs damals noch wesentlich tiefer lag als heute (lacht). 

Herr Schaffner, ganz herzlichen Dank für dieses Interview.  


PS: Wir von PPI Schweiz würden uns sehr freuen, wenn wir eine Bank mit Herrn Schaffner zusammenbringen könnten, die das Experiment mit dem EC-Chip unter seiner Haut mit ihm wagt oder zumindest Möglichkeiten prüft. Grosse Medienwirksamkeit und somit Gratis-PR für das Finanzinstitut wagen wir zu garantieren.


Dieses Interview wurde von Matthias Hungerbühler geführt

#TransHumanism #Cyborg #RFID #eGesellschaft

Digitale Revolution – Europa in der Vorreiterrolle

Über die Digitale Identität haben wir bereits mehrfach in diesem Blog referiert. Sei es nun unser Digital Footprint im Netz oder die Digital ID, mit der wir uns in den ungezählten Online Foren und Netzwerken identifiziert haben. Dass diese digitale Präsenz zu unserem Privatleben dazugehört, steht ausser Frage und auch auf der beruflichen Seite begleitet uns unsere Digitale Identität von Anfang an. Während ein Facebookprofil mit Partybildern vom letzten Wochenende zum Ausschlusskriterium bei Bewerbungen führen kann, eröffnet uns unser LinkedIn Profil neue Möglichkeiten im Wirtschaftssektor. „Netzwerken“ liegt eben im Trend – sei es nun, um mit alten Kollegen und Studienfreunden in Kontakt zu stehen oder um mit Headhuntern über neue Jobperspektiven zu feilschen.

Dänemark als Vorreiter der Digitalisierung in Europa
Doch nicht nur wir als Person werden immer "digitalisierter". Auch Länder digitalisieren sich immer mehr. So gehört Dänemark zu einem der stärksten digitalisierten Länder  in Europa. Seit der Einführung des Centralpersonregister im Jahre 1968 entwickelt sich Dänemark stetig weiter. Seit 2001 arbeiten staatliche, kommunale und regionale Vertreter eng zusammen und passen ihre Digitalisierungsstrategie alle fünf Jahre an. Der Fokus liegt hierbei darauf, die Usability der Tools weiterhin zu verbessern sowie Klarheit und Übersicht über die Daten der User zu schaffen. Heute unterstützt die zentrale Plattform borger.dk jeden Bürger in Dänemark, von der Änderung des Wohnorts über die Steuererklärung bis hin zur Suche eines Kita Platzes. Die Plattform virk.dk ermöglicht Unternehmern neue Unternehmungen schnell und vertraulich innerhalb einer Stunde zu gründen – inklusive der notwendigen „Bescheinigungsnummer“. Tatsache ist, dass jeder Bürger bei seiner Geburt eine Nummer bekommt, die das gesamte Leben gültig ist und somit jeden Dänen zum „digitalen Bürger“ macht. Das Zusammenspiel aus dem "digitalen Bürger" und dem "digitalen Staat" zeichnet Dänemark aus und führt damit nicht überraschend dazu, dass auch im Jahre 2018 das Nordland wieder den kürzlich publizierten DESI Index (Digital Economy and Society Index) in Europa anführt. Der Index wird durch die Europäische Kommission (GD CNECT) herausgebracht und bewertet EU-Länder nach der Entwicklung ihrer digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. Hierbei werden die Bereiche Konnektivität, Humanressource, Internetnutzung, Integration der Digitaltechnik und digitale öffentliche Dienste als Faktoren herangezogen. 

Digital Economy and Society Index (DESI) 2018 ranking

Auch die Schweiz steht gut da - im internationalen Vergleich

Neben Dänemark gehören Finnland, Schweden und Holland mit zu den führenden Staaten in der EU in Bezug auf Digitalisierung. Auch im internationalen Vergleich (i-DESI) schliessen die Top 4 EU Länder knapp hinter Korea ab und demonstrieren die Vorreiterrolle im Punkte Digitalisierung. 


International Digital Economy and Society Index (i-DESI)



Auch die Schweiz ist im i-DESI vorne mit dabei. Die eGovernment- Strategie (wir berichteten), die 2007 in der Schweiz ins Leben gerufen wurde, zeigt Wirkung. Zieht man ein paar Parallelen zu Dänemark, so wird es auch hierzulande (zum Beispiel im Kanton Zürich) den Bürgern ermöglicht, über die Plattform ZHprivateTax die Steuererklärung komplett digitalisiert abzuschliessen. Mittels dem online Service eUmzugCH kann die Ummeldung des Wohnorts mit wenigen Klicks online durchgeführt werden und mit der in 2019 in Aussicht gestellten eID soll der nächste grosse Schritt in Richtung Digitalisierung getätigt werden. PPI Schweiz nimmt das Thema eID diesen Herbst als Hauptthema für unser TopEvent. Mit zwei KeyNotes und einem prominent besetzten Panel soll einer der Eckpfeiler für die „Digitale Revolution“ beleuchtet werden. Mehr Informationen zum Event unter: PPI TopEvent.


Eckpfeiler für die "Digitale Revolution" 
Als Eckpfeiler für die "Digitale Revolution" tauchen immer wieder drei Faktoren auf: Gleichsetzung von papierbasierten und elektronischen Dokumenten, Digitale Identität und der Digitale Postkasten. Nehmen wir hier Dänemark wieder als Beispiel, so kann das Zusammenspiel der drei Faktoren sehr schön aufgezeigt werden.

Die in Dänemark bereits seit dem Jahr 2006 eingeführte Gleichsetzung von elektronischer und händischer Unterschrift ermöglicht es, Dokumente einfach und schnell online zu versenden, ohne den Umweg über die Post zu nehmen. Neben der spürbar schnelleren Sachbearbeitung ermöglicht der Onlineversand auch eine bessere Übersicht über die Historie. Transparenz und Effizienz sind hier die Schlagwörter, die die Nutzerfreundlichkeit fördern und zur Akzeptanz der eDokumente führen. 

Zwingend notwendig für eine elektronische Unterschrift ist die Digitale Identität. Sie ermöglicht die Verifikation, ob tatsächlich die korrekte Person unterschrieben hat. Die sogenannte Nem-ID ist die zweite Generation der Digitalen Identität in Dänemark. Sie wird von allen öffentlichen Institutionen akzeptiert und verwendet. Im Zusammenspiel mit dem 2008 eingeführten Digitalen Postkasten kann somit selbst in der Mailkommunikation eine grössere Transparenz und Sicherheit geschaffen werden. Transparenz, Nutzerfreundlichkeit und Effizienz könnten somit als die Erfolgsfaktoren für den digitalen Weg genannt werden.

Für Andres Samuelsen, Aussenminister von Dänemark, zählt jedoch letztendlich nur das Vertrauen, wie er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt. Wenn Bürger, Unternehmen und Kommunen mitziehen und auf "Neues" vertrauen, ist eine Weiterentwicklung möglich.

Was meinen Sie, sind das die Grundpfeiler für die Digitale Revolution und ist die Gewichtung von Samuelsen betreffend Vertrauen richtig bewertet? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.




Dieser Blog wurde von Florian Stade gepostet

#DigitalRevolution #DigitalIdentity #eGovernment #TopEvent

Who’s King in Sweden?

In der jüngsten Vergangenheit sind im Netz vermehrt Artikel über die Cashless Gesellschaft in Schweden aufgetaucht. Wir berichteten an dieser Stelle bereits früher mal über die Anstrengungen zur Einführung einer Cashless Society in Indien und beleuchteten die digitale Transformation im Reich der heiligen Kühe. Indien ist sicherlich ein spannender Fall, da Asien ein starker Wachstumsmarkt ist, Indien nach wie vor als Schwellenland gilt und viele Menschen dort bisher keinen Zugang zu Bankdienstleistungen hatten. Die digitalen Angebote ändern dies nun rasant, was zur Etablierung neuer Machtverhältnisse und neuer Märkte mit einer neuen Kundenschaft führt. In Schweden dagegen gab es diesen Ausschluss von Bank- und Paymentdienstleistungen nicht. Herr und Frau Schwede hatten in ihrem hochentwickelten Heimatland seit geraumer Zeit Zugang zu einer funktionierenden Bankinfrastruktur und es überrascht den restlichen Teil Europas dann doch, dass Schweden so unglaublich rasch digitalisiert und mittlerweile gerade mal noch 20% aller Transaktionen in bar abwickelt.

Die Banken lieben die neue Entwicklung
Aus Sicht der Banken hört sich diese Zahl traumhaft an, auch weil man davon ausgeht, dass die Anzahl der Bartransaktionen noch weiter zurückgehen wird. Für die Banken bedeutet das pures Geld. Denn die Bereitstellung von Bargeld ist teuer, auch wenn die Entwicklung von digitalen Paymentservices Kosten verursacht hat. So kann man auch Gebühren für deren Nutzung verlangen, denn der Kunde spart damit wertvolle Zeit: Nie mehr unpassende Münzen für Automaten, keine zu grossen Geldscheine, die vom Verkäufer nicht akzeptiert respektive gewechselt werden können und keine lästigen Gänge mehr zum nächsten Geldautomaten. Und ganz nebenbei sammelt die Bank interessante Nutzerdaten. Die Menschen sehen die Vorteile, Digital Payment ist in Schweden offensichtlich King. 

Europa schläft
Aus deutscher und Schweizer Sicht ist sowas völlig undenkbar. Deutschland zählt an gleicher Stelle einen Wert von 75% Baranteil an allen Transaktionen und in der Schweiz liegt dieser Wert für private Haushalte gemäss einer SNB-Studie aus dem Jahre 2017 bei rund 70%. Wir lieben eben unser Bargeld und behalten gerne den Überblick über die Beträge. Zudem sind Bartransaktionen anonym und können nicht nachverfolgt werden. Niemand kann sehen, woher das Geld kommt und wohin es geht. Das lieben wir Schweizer. Und bitte keine falschen Schlüsse: Wir lieben dieses Gefühl nicht, weil wir alle kriminell sind und was zu verbergen haben, sondern wir lieben dieses Gefühl, weil wir den Drang nach Unabhängigkeit und Freiheit regelrecht in unseren Genen tragen. Und noch viel mehr als das: Wir lieben die Diskretion.

Letzter Punkt scheint in Schweden kein Hindernis zu sein. Die Schweden haben ein sehr hohes Vertrauen in ihre Banken sowie auch in die Politik (https://global.handelsblatt.com/finance/sweden-sprints-toward-cashless-society-892524) und erfüllen damit eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Cashless Society. Die Gesellschaft ist aufgeschlossen und geht ganz einfach mit der Zeit. 

Historisch bestimmt
Bereits 1661 führte Schweden als erstes europäisches Land Geldscheine als Zahlungsmittel ein - unter anderem nachzulesen in einem amüsanten Beitrag von Jutta Hoffritz in Zeit Online. Und heute sind die Schweden die ersten, die die Banknoten wieder abschaffen. Bereits über 60% der Bevölkerung nutzen die beliebte Payment-App Swish. Ein Marktanteil, der für die Schweizer Mobile-Paymentlösung TWINT alles andere als greifbar nah liegt. Dass Schweden auf dem Gebiet der mobilen Paymentlösungen durchaus auch auf der Weltbühne ein Wörtchen mitzureden hat und als innovativ gilt, beweist u.a. die jüngste Übernahme des schwedischen Startups iZettle durch Paypal. Die Amerikaner lassen sich diesen Deal 2,2 Milliarden US-Dollar kosten und erhoffen sich damit auch im europäischen Einzelhandel umfassende Services anbieten zu können. 

Aber geht diese Rechnung auf?
Während fast ganz Europa weiterhin träge auf dem Bargeld sitzt, werden nun auch in Schweden immer mehr Stimmen laut, die die rasche Digitalisierung im Paymentbereich bremsen möchten, ganz zum Ärger der Banken. Anscheinend bekommt man im Lande Carl Gustav‘s allmählich Angst vor dem überaus grossen Vorsprung, den man gegenüber Europa mittlerweile aufgebaut hat und macht sich Gedanken über die Versorgungssicherheit. So ganz alleine auf weiter Flur fühlen sich die Schweden dann doch nicht mehr so wohl. Das Parlament Reichsbank Komitee, das das Zentralbank-Gesetz überwacht, will es nun für grössere Banken verpflichtend machen, der Bevölkerung eine ausreichende Anzahl Geldautomaten in einer vergleichsweise akzeptablen Distanz zur Verfügung zu stellen. Heisst soviel wie: 99 % der Bevölkerung müssen den nächsten Geldautomaten innerhalb einer Distanz  von maximal 25 Kilometer erreichen können. Ob diese Distanzvorgabe die rasante Verbreitung von digitalen Paymentmethoden tatsächlich zu bremsen vermag, wagt der Autor zu bezweifeln.

Aber vielleicht liegt genau darin das Problem. Wir Schweizer sind selbstverständlich glücklich darüber, dass wir nicht von Zürich nach Baden fahren müssen, um Bargeld abheben zu können. Wäre das aber der Fall, würde auch hierzulande ein Grossteil der Bevölkerung digital und mobil bezahlen. Aber eben, unser Landesvater ist Wilhelm Tell. Er kämpfte damals gegen fremde Kontrolle und Unterdrückung und erschaffte einen wichtigen Teil der Identität unseres Landes. Viele glauben tief und fest, dass er seit geraumer Zeit den Fünfliber ziert. Leider stimmt das nicht, die Figur stellt einfach einen Alphirten dar, wie auch die bundeseigene Prägeanstalt Swissmint richtig kommuniziert. Dieser tief im Volk verankerte Irrglaube ist vielleicht aber entscheidend mitverantwortlich, dass Herr und Frau Schweizer das Bargeld wohl nicht so rasch hergeben. Denn Bares ist Wahres und fällt das Bargeld, fällt damit vielleicht auch eine der letzten individuellen Freiheiten der Moderne. 


Dieser Beitrag wurde von Matthias Hungerbühler gepostet.

#Cashless #Sweden #DigitalPayment #MobilePayment


Die Entmündigung des Gewissens

Wir wagen zu Jahresbeginn einen Blick auf das sich in China im Aufbau befindende digitale Gesellschafts-Bewertungssystem. (Als Grundlage für die nachfolgenden Überlegungen diente ein Artikel aus Der Spiegel)

Bis heute hatten wir in unserem Leben hier in der Schweiz mit hoher Wahrscheinlichkeit Berührungspunkte mit der Super- oder Cumuluscard eines Grossverteilers (vgl. TA-Bericht), oder mit dem bei der Wohnungssuche unerlässlichen Betreibungsregisterauszug. Bald aber könnte es vielleicht auch hier ein omnipräsentes Bewertungssystem geben, das die Handlungen von jedem und jeder von uns permanent ratet. In die Echtzeit-Bewertung einfliessen sollen nicht nur Spuren, die wir beim Einkauf hinterlassen oder wenn wir einer Zahlungsaufforderung lange nicht nachkommen. Das Bild, das durch das System vom Menschen geschaffen wird, durchleuchtet uns und unser Handeln tief und wird zum neuen „Gewissen der Gesellschaft“. 

China ist dabei ein solches Rating-System für seine Bürger aufzuziehen. Jedermann lässt sich darüber rasch auf seine „Fehlbarkeit“ hin prüfen. Gespeist wird diese neue, digitale Klassifizierung durch sämtliche Datenspuren, die wir als Individuen hinterlassen. Damit sind nicht nur unsere Posts in den Sozialen Medien gemeint oder die Geschwindigkeit in der wir unsere Rechnungen bezahlen, sondern alles, was über uns in irgendeiner Form erfasst werden kann. So könnten Bewerbungsgespräche bald schon der Vergangenheit angehören, denn das Punktesystem weiss mehr über uns als jedes Gespräch zum Vorschein bringen kann. Hierbei stellt sich die Frage, ob mit dem Punktesystem die Menschlichkeit verloren geht.

Auf den ersten Blick bietet das System einige Vorteile. Während wir uns heute bei potenziellen Geschäftspartnern auf deren Ruf, ein paar wenige Facts und vielleicht einen persönlichen Eindruck verlassen müssen, können wir künftig sekundenschnell einen Blick auf die Punktestatistik des Bewertungssystems werfen und wir wissen Bescheid. Das System zeigt uns, wer integer ist und wer nicht. Denn es berücksichtigt das Vorstrafenregister genauso wie die Zahlungsmoral, die ausgewerteten Gesundheitsdaten gleichwohl wie Einkaufsgewohnheiten und Sportaktivitäten oder die Ausbildung. Ein angemessener eigener Punktestand öffnet einem Tür und Tor für Heirat, Karriere und zur Upper-Class, denn wer punktet ist attraktiv. Wer viele Punkte hat gilt mehr als nur als Gutmensch. Dieses System hat das Potenzial, die gesellschaftlichen Schichten zu revolutionieren und manch einem zu Chancen zu verhelfen, die er oder sie bisher nicht erhalten hatte, weil die guten Taten schlichtweg nicht auf diese Art bewertet wurden. Für die Wirtschaft und auch für den Staat ein scheinbar ausserordentlich nützliches Tool. Aus ethischer Sicht ist es jedoch mehr als fragwürdig. Bis zum heutigen Zeitpunkt fehlt dem System jegliche Transparenz. Niemand weiss richtig, wie und was bewertet wird. Genaue Informationen von China diesbezüglich erfahren zu wollen bleibt wohl ein unerfüllter Wunsch. Klarheit wird man ansatzweise wohl frühestens nach der Einführung erlangen können. Welches Verhalten wird belohnt und welches bestraft? Und vor allem: wer entscheidet darüber? 

Wir freuen uns über Ihre Kommentare, Einschätzungen und Gedanken zu der Idee eines digitalen Bewertungssystems. Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? 

So oder so, ein besserer Mensch kann man auch mit eigenen guten Vorsätzen fürs neue Jahr werden, dazu braucht es das digitale Gewissen nicht. Wir wünschen Ihnen einen guten Start ins 2018 und freuen uns auf inspirierende Begegnungen. 


Für Sie gebloggt hat Matthias Hungerbühler

#Digitalisierung #DigitalIdentity #GewissenDerGesellschaft #KYC #eGesellschaft #SmartRobotic


Aktuelles aus dem europäischen Umfeld

Mitte September trafen sich die Mitglieder der EPCA (European Payments Consulting Association), in welcher PPI Schweiz ebenfalls Mitglied ist, ein weiteres Mal zum informellen Austausch. Ziele dieser Treffen sind die gegenseitige Information über die aktuelle Entwicklung in den einzelnen Ländern sowie Diskussionen über spezifische Themen. Als Standort für das Treffen wurde, anlässlich der neuen PPI-Geschäftsstelle, Genf gewählt. Für weitere Informationen zu ECPA besuchen Sie deren neue Web-Seite unter www.epca.de.

PSD2
Das Dauerthema PSD2 stand auch diesmal wieder auf der Agenda. Sämtliche Teilnehmer bestätigen, dass dieses Thema auch in ihren Ländern kontrovers diskutiert wird. Einerseits sind die Banken nicht gewillt, ihre Daten für weitere Dienstleister zu öffnen, andererseits aber soll verhindert werden, dass europäische Gesetze verletzt werden und dadurch möglicherweise Sanktionen ergriffen werden könnten.
Der Wunsch vieler Betroffenen, also Banken sowie Software-Hersteller (Fin-Techs), nach einem einheitlichen, europäischen Standard-API wird sich wohl kaum erfüllen. Die Berlin Group, dessen Teilnehmerliste inzwischen  37 europäische Institute umfasst (Stand September 2017), hat noch immer keine konkrete Spezifikation veröffentlicht. Inzwischen aber hat STET (France), ebenfalls Mitglied der Berlin Group, eine solche bekannt gegeben. Es wird interessant sein zu beobachten, welche Akzeptanz diese im Markt finden wird.

AML
Interessantes gibt es seitens der AML (Anti Money Laundering) -Direktiven zu berichten. Während die Version 4 verabschiedet wurde und nun umgesetzt wird, ist bereits die Version 5 im Vernehmlassungsprozess. Im Markt wird nun etwas frustriert festgestellt, dass die Behörden neue Versionen schneller beschliessen, als diese technisch umgesetzt werden können. Laufend werden weitere Zahlinstrumente von diesen Regulatorien erfasst, sodass die Akteure laufend nachrüsten müssen. Zudem ist eine Diskussion entstanden, was genau als e-Money zu gelten hat und welche Vorschriften diesbezüglich zu gelten haben. Im Grundsatz aber ist erkennbar, dass sich die Behörden eine Cashless-Society als Zielbild vorstellen. Wenn auch noble Gründe dafür sprechen (Verhinderung von Geldwäsche und Terror-Finanzierung), ist einem nicht wirklich wohl bei dem Gedanken, dass in Zukunft sämtliche Geldströme von den Regierungen überwacht werden sollen.

Cashless Society
Andererseits sind wir in gewissen Ländern schon sehr nah an der Cashless-Society. Die Pflicht zur Bargeldannahme schwindet mehr und mehr. Inzwischen gibt es schon einige Situationen, in welchen nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden kann. Beispiele sind Tankstellen, welche rund um die Uhr geöffnet haben und zwischen 22:00 und 6:00 Uhr nur Kartenzahlungen akzeptieren, damit keine Bargeldbestände gehortet werden müssen. Der Grund hierfür ist im Wesentlichen der Schutz der Angestellten. Ähnliches hat der Schreibende kürzlich in Kanada erlebt, als er im Hotel bar bezahlen wollte; auch hier nur mit Karte bitte.
Aktuelle Statistiken aus den nordischen Ländern belegen, dass tatsächlich die Cashless-Society schon sehr nahe ist, insbesondere Schweden ist diesbezüglich eindeutig an erster Stelle. In die gleiche Richtung geht auch die Abschaffung der EUR-500-Note. Von dieser sind knapp 600 Millionen (Wert EUR 300 Milliarden) im Umlauf, welche ab 2018 nicht mehr neu ausgegeben und stetig reduziert werden soll. Die Schweiz bildet in diesem Bereich eine grosse Ausnahme. Die Abschaffung der CHF-1000-Note ist kein Thema, mehr als 45 Millionen (im Wert über 45 Milliarden) bleiben im Umlauf. Interessant ist der Vergleich dieser grössten Noten bezüglich Wertanteil. Während im EUR-Raum die EUR-500-Note knapp 28% der gesamten Bargeldmenge ausmacht, beträgt der Anteil CHF-1000-er Note über 62%. Da diese Noten nur selten im normalen Bargeldverkehr zum Einsatz kommen, wird offenbar eine sehr grosse Menge an Vermögen in Form von Bargeld gehortet.

Bitcoin
Das Thema musste ja kommen, kein Blog ohne das Thema Bitcoin. Was also gibts es Neues zu diesem Thema?
Am 1. August 2017 wurde eine neue Kryptowährung ins Leben gerufen, Bitcoin Cash.
Die Entstehung ist tatsächlich interessant, sie wurde nämlich durch eine Abspaltung des originalen Bitcoin errichtet, was bedeutet, dass Besitzer von Bitcoin nun auch die gleiche Anzahl in Bitcoin Cash erhalten haben (sofern sie ein Wallet haben, welches dies unterstützt). Welche Auswirkung das nun auf dem Markt hervorbringt, ist nicht klar ersichtlich. Es gibt nun also Bitcoin (Währungskürzel BTC) und Bitcoin Cash (Währungskürzel BCC oder BCH). Details siehe auch auf Wikipedia.
Übrigens, gerade in dieser Woche ist der BTC um fast 30% gefallen auf USD 3192. Der Bitcoin-Experte der EPCA, nicht identisch mit dem Schreibenden, prognostiziert einen Stand von USD 5000 zum Ende des Jahres.
Steigen Sie ein?

Diese und weitere Themen wurden auch während dem kulinarischen Rahmenprogramm ausführlich diskutiert (und die meisten Probleme auch gleich gelöst…). Abgerundet wurde das Programm mit einer interessanten
Führung durch die Calvin-Stadt.

Dieser Beitrag wurde von Rolf Zumsteg gepostet.

#PSD2, #Cashless, #Bitcoin, #EPCA