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Digital Africa - ein Vorbild an Nachhaltigkeit und Startup-Spirit

Ist der Startup-Spirit von Afrika auch etwas für uns? PSD2 eröffnet nun vielen Lösungen den Zugang zu Bankkonten. Als Basis soll eine entsprechende Schnittstelle herhalten unter dem Begriff „API“. Wir berichteten.

Ist das Ganze aber nachhaltig? Verschiedene Schnittstellenbeschriebe kommen auf und wenn man nicht nur eine nationale, sondern eine internationale Lösung als PISP (Payment Initiation Service Provider) oder AISP (Account Information Service Provider) entwickeln möchte, ist man schnell von den unterschiedlichen „Standards“ überfordert. Wieviel Entwickler-Knowhow und -Schweiss muss dafür aufgewendet werden bis die Lösung entsprechend rund läuft?

Dass Afrika die digitale Welt für sich entdeckt hat, ist nichts Neues. Seit über 10 Jahren gibt es bereits M-Pesa, das Bezahlen per Handy in Afrika. Kein Wunder, da es in vielen Gegenden keine Bank gibt, geschweige denn einen Bankomaten.

Schön und gut, aber „Digital Africa“ ist heute viel mehr als vor zehn Jahren. Dies zeigt eindrücklich eine Fernsehproduktion, welche viral viel Umtrieb gemacht hat und von vielen Sendern ausgestrahlt wurde. Die vollständige Sendung kann hier eingesehen werden.

„Digital Africa“ präsentiert sich inzwischen mit vielen Startups, die eng verwoben sind mit den lokalen Problemen und versuchen, mit den wenigen vorhandenen Mitteln eine Lösung dafür zu finden. Häufig sind diese in Ballungszentren in gewissen Hubs vernetzt.

Die Liste der Lösungen ist endlos. Angefangen mit einem Beobachternetzwerk als Prävention von Gewalttaten, einem Gaszähler, der auf „geliehenen“ Gasflaschen aufgesetzt werden kann und per Handy Mikrobeträge bezahlt werden können, um sich zum Beispiel nur am Morgen eine Tasse Tee zu kochen, freies Internet in inzwischen rund 300 Bussen, über einen Bestellservice für Motorradtaxis, welche bei der allgemein hohen Unfallrate im Land den jeweiligen Fahrer anhand seines Fahrstils bewerten und die Fahrt somit sicherer wird bis zu mobilen, solarbetriebenen Ladestationen, wenn in manchen Regionen manchmal tagelang kein Strom verfügbar ist.

Gemeinsam haben all diese Lösungen, dass sie aus dem wenigen Vorhandenen etwas machen. Auch die Bildung wird unterstützt, da sehr häufig keine Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stehen. So gibt es 300 mobile Koffer mit bis zu 30 Tablets, die einen Unterrichtstag lang ohne Strom und Internet entsprechende Inhalte beibringen können.

Eine andere Lösung bietet für 11 EUR einen physikalischen Experimentierkasten mit wenigen LEDs, Kondensatoren, Widerständen und einer Batterie, um Elektroingenieurswissen zu vermitteln, welches so wichtig ist, um voranzukommen. Ziel dieser Lösung ist beispielsweise, dass jeder Schüler irgendwann ein solches Experimentierset hat, um auf dem Schulhof, zu Hause oder eben im Unterricht damit experimentieren zu können.

Wenn keine Bildung vorhanden ist, gibt es für Bauern einen Sprachservice, der Aussaat- und Düngerempfehlungen sowie Wettervorhersagen in bis zu neun lokalen Landessprachen mitteilt. So können diese Services genutzt werden, selbst wenn der Nutzer gar nicht lesen kann.

Die Nachhaltigkeit wird unter anderem gewährleistet, weil viele ausrangierte Teile wiederverwendet werden. So produziert ein Afrikaner durchschnittlich sechs Kilogramm Elektronikschrott pro Jahr. Ein Europäer bringt es in derselben Zeit auf gut das Achtfache.

Ein extremer Entwicklungsschub wird zudem durch die Nachhaltigkeit erreicht: In den 80er Jahren haben wir gelernt, dass viele Entwicklungsprojekte in Dritt-Welt-Ländern gescheitert sind, weil beispielsweise ein Gummischlauch für eine Kochgelegenheit nicht von den Bewohnern selbst hergestellt werden konnte, um wieder Gas für die Feuerstelle zu haben.

Heutzutage werden Motoren von ausrangierten Druckern verwendet, um 3D-Drucker zu bauen. Sehr häufig werden Teile für neue 3D-Drucker mit den 3D-Druckern selbst hergestellt. Man ist also nicht mehr (so stark) abhängig von einer Entwicklungshilfe und von Ersatzteillieferungen.
Die 3D-Drucker können aber auch noch mehr. Sehr häufig helfen sie Krankenhäusern, in welchen viele Dinge fehlen. So können beispielsweise Nabelschnurklemmen mit 3D-Drucker günstig hergestellt werden.

Wie konnte sich aber das „Digital Africa“ so gut entwickeln? Ein grosser Aufschwung begann 2008, als Ostafrika an internationale Unterseekabelnetze angeschlossen wurde. Andererseits hat die Technologieentwicklung auch stark dazu beigetragen. So wären viele Entwicklungen nicht ohne den 3D-Druck möglich gewesen.

Die Regierung spricht keine flächendeckende Unterstützung an Startups, aber sie baut Institutionen auf, die als Anlaufstelle dienen können und den Wissensaustausch sicherstellen.

So gehen rund 90% der entsprechenden Gelder an NGOs, wodurch die lokalen Startups, zumindest finanziell gesehen, leer ausgehen.
Die Gründerszene lässt sich dadurch aber nicht abschrecken: Viele werden selbst aktiv und warten nicht auf die Regierung. Der Wille, die Energie und die Technologie sind da. Kann damit also bald der Durchbruch erreicht werden?
Es lohnt sich auf alle Fälle in entsprechende Lösungen zu investieren.

Viele Lösungen bauen auch auf Blockchain als letzte technologische Neuerung. So gibt es Möglichkeiten, Krankenakten elektronisch und blockchain-basiert zu führen. Das ermöglicht der breiten Masse einen leichten Zugang zu Ärzten und denen jederzeitigen Zugriff auf die entsprechenden Informationen.

Was können wir aber für unser Tagesgeschäft mitnehmen? 

Derzeit tanzen wir den Eiertanz der Use Cases: Open API oder welche (wenigen) Funktionen sollen dazugenommen werden? Ergebnis: Keine so berauschenden Plattformen. Sollten wir nicht eher den Startup-Flair von Afrika aufnehmen und nachhaltige Lösungen entwickeln, bei denen Macher-Haltung und Zusammenhalt im Vordergrund steht?


Dieser Blog wurde von Frank Rebmann verfasst.


#MobilePayment #Blockchain #OpenBanking #OpenAPI



Warum man sich als Experte im Zahlungsverkehr mit Ripple beschäftigen sollte


In diesem Blog wurde schon verschiedentlich grosse Skepsis gegenüber Blockchain-Lösungen im Zahlungsverkehr geäussert. Vor dem Hintergrund der aktuellen "Instant Payment"-Initiativen in Europa und weltweit, welche auf den klassischen Clearing- und Settlement-Systemen basieren, scheint ein auf Blockchain basierendes Zahlungsverkehrssystem aktuell nicht wirklich eine valable Alternative darzustellen (zu langsam, zu unsicher, fehlende Regulierung, mangelndes Vertrauen in Anbieter, sehr hohe Volatilität der eingesetzten Kryptowährungen etc.).

Was ist also nun anders im Fall von Ripple, respektive warum könnte Ripple tatsächlich für gewisse Anwendungsfälle eine seriöse Alternative zu den bestehenden Zahlungsverkehrsangeboten darstellen? Das offensichtlichste Unterscheidungsmerkmal gegenüber Bitcoin und Co. ist die Zusammenarbeit mit etablierten Finanzinstituten (z.B. UniCredit, Santander und Crédit Agricole), welche die Funktion des vertrauenswürdigen Gateways zwischen den Währungen wahrnehmen. Für die Schweiz wird die Grossbank UBS als Partner aufgeführt. Betrachten wir zunächst das Konstrukt Ripple als solches.

Zunächst einmal ist Ripple – XRP – eine Kryptowährung, vergleichbar mit Bitcoin, Ethereum oder Lifecoin, welche mit der für Kryptowährungen typischen hohen Volatilität im Markt gehandelt wird (aktueller Kurs ist z.B. ersichtlich auf https://www.coingecko.com/de). Daneben positioniert sich Ripple dank der Zusammenarbeit mit traditionellen Banken als verteiltes Peer-to-Peer-Zahlungsverfahren. Im Visier von Ripple sind die Angebote im internationalen grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Einem Bereich, wo Banken heute noch relativ gutes Geld verdienen.

Hinter Ripple steht auch kein typisches Open-Source Projekt, sondern die Firma Ripple Labs, Inc (www.ripple.com, ehemals Opencoin), welche das Ripple-Protokoll entwickelt. Sie wird von mehreren Investoren getragen, darunter Accenture, Andreessen Horowitz oder Google Ventures. Bei Ripple entfällt auch das typische Mining, da bereits alle XRP "premined" sind. Alle XRP-Coins sind bereits emittiert. Insgesamt wurden 100 Milliarden XRP erschaffen. Der Ertrag von Ripple besteht allein aus der erhofften Wertsteigerung der einbehaltenen XRP.

Das aus unserer Sicht interessanteste Ripple-Produkt heisst "xCurrent". Basierend auf dem sog. " Interledger Protocol" (ILP), ein (Open-Source-)Protokoll, welches das Senden von Transaktionen über verschiedene Blockchains erlaubt, betreibt Ripple unter der Marke " RippleNet" ein Netzwerk für den Austausch von Geldbeträgen unter "RippleNet"-Partner-Banken. Vereinfacht gesagt tauscht z.B. eine Bank in Europa den zu überweisenden Euro-Betrag in XRP, sendet diesen nach Amerika, wo er wiederum von XRP in Dollar umgetauscht wird. Da die ganze Transaktion nicht länger als ein paar Sekunden geht, wird das Währungsrisiko weitestgehend eliminiert.

Die eingangs erwähnte Frage nach der Compliance versucht Ripple mit einem vom "RippleNet" Advisory Board entwickelten Rulebook zu lösen. Das Rulebook gibt dabei den operativen und rechtlichen Rahmen vor. "RippleNet"-Partner verpflichten sich bei Eintritt ins Netzwerk zur Einhaltung der im Rulebook definierten Regeln. Zusammenfassend attestieren wir von PPI der Technologie (nicht der Coin XRP an sich) hinter Ripple grosses Potential, sich als "Bitcoin der Banken" im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr für Kleinbetragszahlungen als eine mögliche Alternative zu etablieren. Die Gebühren in diesem Geschäft werden mit Lösungen wie Ripple weiter unter Druck geraten. Wohl der Hauptgrund, warum Banken selbst sich aktuell so intensiv mit Ripple beschäftigen.

Dieser Blog wurde von Carsten Miehling gepostet

#Ripple #RippleNet #XRP #Blockchain #Crypto

Vermeidung von Fehlschlägen bei der FinTech-Innovation dank Experten-Validierung

Nachdem sich nun auch kleinere Finanzinstitute ein FinTech-Labor, eine Innovations-Fabrik oder einen CDO leisten, kann man davon ausgehen, dass auch auf der obersten Bankführungsstufe das Thema Digitalisierung in der Bankenindustrie angekommen ist. Auf einmal werden Budgets von ehemals nicht vorstellbarem Umfang für Produkte der elektronischen Kundenschnittstelle frei geschaufelt, neue Organisationen und Partnerschaften ins Leben gerufen und etablierte Investitionsrechnungen über Bord geworfen. Jeder möchte möglichst schnell Teil des oft zitierten Ökosystems werden.

Neue Investitionsmodelle wie "Venture Capital Approach" oder "Portfolio Funding Approach" sind sehr ”en Vogue”. Selbstverständlich wird aus einer guten Idee sofort ein MVP-Prototyp (Minimum Viable Product) gebaut, um die Business-Idee zu validieren. Nichtsdestotrotz ist es nicht jedem Bankmanager geheuer in seiner neuen Rolle als Venture Capitalist, denn neben den vielen Aufbruchs-Geschichten trüben in letzter Zeit auch erste Negativschlagzeilen über Fehlschläge und eingestellte Projekte (z.B. das gestoppte Blockchain-Projekt der Baloise, welche den Transfer von Daten von Vorsorge-Versicherten revolutionieren wollte) das Aufbruchstimmungsbild.


Aus eigener Erfahrung als Experten im Zahlungsverkehr wissen wir, wie naiv einige Innovationsprojekte in diesem Umfeld angegangen werden. So wird beispielsweise noch häufig die Frage gestellt, warum der Zahlungsverkehr nicht schon lange über die Blockchain abgewickelt wird. Der Transfer eines sog. Assets (z.B. Geld) von A nach B ist doch ein vermeintlich einfach zu lösendes Problem. Darüber hinaus können endlich die Drittparteien und Banken ausgeschaltet werden, die sowieso nur Gebühren für solche Transaktionen erheben. Verpackt man die Idee noch in eine schicke Mobile App (Mobile First!), dann kann einem als FinTech-Innovator fast nichts mehr passieren und die nächste Finanzierungsrunde ist so gut wie gewonnen (warum nicht gleich Initial Coin Offering aufziehen?).


Es soll an dieser Stelle nicht der Verdacht aufkommen, dass der Autor grundsätzlich negativ gegen die Innovationsprojekte in der Finanzindustrie eingestellt ist. Das Gegenteil ist der Fall. Seitdem FinTech-Unternehmen die etablierten Banken herausgefordert haben, hat sich schon einiges zum Besseren entwickelt. Auf der anderen Seite geht es aber auch um den ökonomischen Einsatz von Investitionsmitteln, denn die Hauptaufgabe einer Bank besteht nach wie vor darin Kundengelder zu verwahren, Kredite zu gewähren und generell sinnvolle Finanzdienstleistungen für ihre Kunden anzubieten. Dass dies bei den aktuellen Initiativen immer der Fall ist, kann getrost bezweifelt werden (ein Pepper-Roboter in der Bankschalter-Halle bringt sicherlich etwas Aufmerksamkeit, der Nutzen für mich als Bankkunde hält sich jedoch in engen Grenzen).


Seitens PPI bieten wir seit kurzem eine Experten-Validierung für Projekte mit Bezug zum Zahlungsverkehr an. Vielversprechende Projekte sollen vor der effektiven Implementierung nochmals auf den Prüfstand gestellt werden. Oft fehlt es den Kunden, darunter auch ausgewiesene Produktmanager, am notwendigen Detailwissen und an der Marktübersicht in diesem Spezialgebiet. Denn Zahlungen sind eben nicht nur der Transfer einer Geldsumme von A nach B, sondern umfassen eine ganze Menge an vor- und nachgelagerten Services. Services, die u.a. auch von den Regulationsbehörden vorgeschrieben sind.


Im konkreten Fall sind das beispielsweise die Auftragsvalidierung (technisch und fachlich), das Prüfen der Berechtigung des Auftraggebers, das Überwachen von Limiten und Kontoberechtigungen, die Prüfungen gegen Betrug (Fraud), die Liquiditäts-Disposition, das Filtern gegen Embargo-Listen, die Bestimmung des Leitweges im Fall von Auslandzahlungen, die eigentliche Übermittlung und die Rückmeldung an den Auftraggeber (positiv oder negativ). Wird eine Zahlung versehentlich doppelt vom Kunden in Auftrag gegeben, dann gibt es auch in diesem Fall etablierte Prozesse, Systeme und Meldungen, um den Schaden wieder zu beheben. Dies sind nur einige wenige Überlegungen, welche bei einer reinen Betrachtung "wir machen es jetzt über die Blockchain" in der Regel nicht gemacht werden.

Unsere Erfahrung zeigt, dass sich der Einbezug von Experten im Zahlungsverkehr bereits in einer frühen Projektphase lohnt. Selbst wenn wir in den Augen der "jungen Wilden" am Anfang zunächst als etwas verstaubt, ewig gestrig und spielverderbend wahrgenommen werden, so setzt sich mit der Zeit der Respekt gegenüber dem Detailwissen durch und offensichtlich übersehene Hürden werden dankbar ins Konzept integriert. Für unsere Auftraggeber, in der Regel auch die Projektsponsoren, sind wir eine Qualitätskontrolle, welche ein FinTech-Projekt im Zahlungsverkehrsumfeld zu passieren hat. Denn es geht, wie bereits erwähnt, in der Zwischenzeit um signifikante Budget-Posten, die aus dem bereits mageren Change-Anteil der IT-Kosten einer Bank priorisiert werden müssen.



Dieser Blog wurde von Carsten Miehling gepostet

#Innovation #DigitalFinanceExperts #NewVentures #ExpertValidation

Was sind Cryptocurrencies? – Ein Erklärungsversuch

Bild mit verschiedenen Cryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Litecoin.
Dieser Beitrag befasst sich einmal etwas eingehender mit digitalen Währungen oder eben Cryptocurrencies. Wenn diese sich nachhaltig etablieren, haben sie durchaus das Potenzial den bisherigen Zahlungsverkehr aufzumischen. 

Aber was genau ist eine Cryptocurrency? Oder anders gefragt: Entsteht bei jedem ICO (Initial Coin Offering) eine neue Währung?

Unter einem ICO versteht man die Generierung von neuen “Token“, die am Sekundärmarkt gehandelt werden können. Diese Generierung von Token ist am ehesten vergleichbar mit der Emission einer Aktie oder einer Anleihe. Und aufgrund genau dieser Ähnlichkeit zu bekannten, etablierten Wertschriften publizierte der Schweizer Finanzmarktregulator FINMA am 16. Februar 2018 seine Wegleitung zu ICOs. Darin unterschieden werden 3 Arten von Token:

Als Zahlungs-Token wird ein Coin, also die eigentliche Kryptowährung bezeichnet. Diese Zahlungs-Token sind nicht weiter mit Projekten oder Funktionalitäten verbunden (z.B. Bitcoin, Ether, Litecoin, Namecoin) und kommen deshalb einer herkömmlichen Währung am nächsten.

Da diese Zahlungs-Token als "Digitale Währungen" eingeschätzt werden, unterstehen sie auch dem Geldwäscherei-Gesetz.

Anders einzustufen sind Nutzungs-Token. Der Besitzer eines Solchen hat Anspruch auf den Zugang zu einer digitalen Nutzung oder Dienstleistung, die auf oder unter Benutzung der Blockchain-Technologie erbracht werden und zum Zeitpunkt der Ausgabe bereits dafür einsetzbar sind.

In allen anderen Fällen, in welchen zumindest teilweise die Funktion einer Geldanlage besteht, spricht die FINMA von Anlage-Token. Diese werden als Effekten behandelt, sofern sie ein Wertrecht repräsentieren und in der Masse gehandelt werden können.

Somit wird also nicht bei jedem ICO auch eine neue digitale Währung generiert.

Bis dato wurde eine Währung jeweils von einer Zentralbank herausgegeben, die die Macht über die Schöpfung oder die Reduzierung der Menge dieser Währung (der Geldmenge) hat. Hochgeschulte Volkswirte entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen über Massnahmen, die aus ihrer Sicht geeignet sind, die Ziele dieser unabhängigen Institution Nationalbank zu erreichen. 

Diese Ziele sind von Land zu Land respektive von Währung zu Währung zwar unterschiedlich, im Grundsatz aber doch sehr ähnlich. So soll Währung als Wertaufbewahrungsmittel dienen und die Wertentwicklung entsprechend sicher sein. Eine geringe Volatilität der Wechselkurse macht vor allem deshalb Sinn, da damit Planungssicherheit für eine ganze Volkswirtschaft besteht. Bei Weitem aber nicht nur für die Wirtschaft jenes Landes, die die Währung herausgibt. 

In der globalisierten Welt ist vieles derart eng und komplex miteinander verbunden, dass eine beispielsweise politische Entwicklung in einem gut vernetzten Land Einfluss auf viele Wechselkurse hat.

Der Zentralbanker hat also ein grosses Interesse daran, die Ziele seines Arbeitgebers zu erreichen. Sowohl zum eigenen, als auch zum Wohle der Gesellschaft.

Betrachtet man hingegen die Motivation eines Miners, der Person, die durch die Bereitstellung von Rechnerkapazität eine Cryptocurrency schürft (eine digitale Währung prägt), so ist diese mit Bestimmtheit weniger holistisch und vermutlich ausschliesslich gewinnorientiert. 

Die volkswirtschaftliche Entwicklung eines Landes interessiert wenig, dafür aber die Durchsetzungsfähigkeit der Technologie auf die man setzt und insbesondere das Sammeln möglichst vieler Coins und damit verbunden die Erhöhung des eigenen Vermögens. Diesbezüglich haben digitale Währungen also eher wenig mit klassischen Währungen gemeinsam.

Man könnte dem Autor dieser Zeilen nun fehlende Weitsicht vorwerfen. Schliesslich denkt dieser noch im veralteten System von Ländergrenzen und Nationen, was in der heutigen globalisierten Welt mit einem erdballumspannenden Internet möglicherweise effektiv veraltet sein kann. 

Spinnt man diese Gedanken dann weiter, erreicht man philosophische Sphären, die den Umfang dieses Blogbeitrages deutlich sprengen würden. 

Betrachtet man nun aber aktuelle Anwendungsmöglichkeiten, so können Cryptocurrencies speziell in Ländern mit hohen Inflationsraten und politischer Instabilität eine echte Alternative zur Lokalwährung sein. Auch weil damit ein weltweites Bezahlen möglich ist und gewissermassen die Beschränkungen der Ländergrenzen fallen. Allerdings haben auch die Kryptowährungen hohe Schwankungen zu verzeichnen. (Startete BTC/USD Anfang 2017 bei USD 800.-, erreichte der Kurs Ende Dezember 2017 ein Hoch bei 19’871.-, um dann ein weiteres halbes Jahr später bei ca. 6’300.- zu notieren)

Eine Echtzeittransaktion abzuschliessen ist also ohne Probleme möglich. Hält man danach aber die digitale Währung, geht man gleichwohl das Risiko von hohen Kursschwankungen ein. Geht man Risiken ein, hat man bekannterweise aber auch Chancen: Diese Schwankungen können selbstverständlich auch zu Gunsten des Käufers ausfallen. 

Wie sich der Wert der Cryptocurrencies nun langfristig entwickeln wird und ob sie auch eine echte Alternative als Wertaufbewahrungsmittel sind oder ob sie den internationalen Zahlungsverkehr revolutionieren vermögen, wird die Zukunft zeigen. 

Ein erster grosser Test des Vertrauens in die digitalen Währungen wird bereits der nächste wirtschaftliche Abschwung bringen. In einem solchen Abschwung steigen ja traditionell die Notierungen von als “sicher” eingestuften Werten wie Gold oder eben auch “Safe Haven Currencies”. Wir blicken also gespannt auf die Entwicklung der nächsten Monate und Jahre.



Dieser Blog wurde von Matthias Schöpp gepostet


#CryptoCurrency #FINMA #Bitcoing #Regulation

Highlights vom European Payment Summit 2018 – Tag 2

Mit dem Vortrag über den aktuellen Stand der Entwicklung von Quanten-Computern wurde die Messlatte schon am ersten Tag ziemlich hoch gelegt. Und so geht es denn heute im ähnlichen Stil weiter. Vivek Bajaj, IBM Watson Financial Services Solutions stellt aktuelle Projekte vor, in welchen AI eine zentrale Komponente darstellt. AI, üblicherweise als Abkürzung für ’Artificial Intelligence’ im Gebrauch, wird hier zur ’Augmented Intelligence’. 

Der clevere Watson aus dem Hause IBM, welche schon vor 20 Jahren den amtierenden Schach-Weltmeister Garry Kasparov besiegte, erkennt heute verdächtige Zahlungen, E-Mails von betrügerischen Mitarbeitern und weiteres. Beispiel gefällig? Eine Mail eines Mitarbeiters einer Bank an einen Kunden zum Thema Wetter ”It’s going to rain tomorrow, you better take an umbrella” wurde korrekt als Weitergabe von Insider-Informationen erkannt. Das Motto lautet diesbezüglich: Context meets Content. Genauso wichtig wie der Inhalt einer Meldung ist auch der Kontext, in welchem eine Meldung eingesetzt wird.

Weitere Anwendungen von Watson finden sich in Call-Center-Lösungen, in welche Experten das System so trainieren, dass Anfragen korrekter und schneller beantwortet werden.

Und, ja, dass B-Wort durfte natürlich auch nicht fehlen. Während viele immer noch nicht genau wissen, wie eine Block-Chain wirklich funktioniert, hat IBM schon über 400 Blockchain-Projekte realisiert. Eine konkrete Anwendung finden Sie hier: https://www.we-trade.com/

Über die Aktivitäten der holländischen Zentralbank berichtet Petra Hielkema. Hauptthema ist auch hier PSD2 sowie deren Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr. Wettbewerb unter den Markteilnehmern ist normalerweise wünschenswert. Der rapide Anstieg an Payment Service Providern (PSP) in den letzten drei Jahren stimmt jedoch etwas nachdenklich. Eine grobe Schätzung geht von über 300 verschiedenen Services und Dienstleistung alleine in Holland aus. Gut möglich, dass sich hier wieder eine Konsolidierung einstellen wird.
Nicht ganz überraschend gibt es auch bei der Umsetzung der PSD2-Richtlinien Verzögerungen. Erst 11 Mitglied-Länder haben die entsprechenden Richtlinien in nationale Gesetze adaptiert. Auch die technischen Richtlinien, die sogenannten ’Regulatory Technical Standard (RTS) werden mit einer Verspätung von etwa 20 Monaten verfügbar sein.




Das führt uns zur nächsten Panel-Diskussion, in welcher nun Akteure auftreten, welche wir bisher noch nicht auf dem Radar hatten - Juristen. Gijs Boudewijn (European Banking Federation), James Whittle (Director International Standards and Services), Scott McInnes (Jurist) und Ralf Jacob (EU-Kommission) diskutieren aktuelle Probleme bei der Umsetzung der PSD2-Regulatorien und beantworten Fragen aus dem Publikum. 


Es versteht sich von selbst, dass die Antworten der Juristen keine einfachen sind. Antwort auf die Frage unseres PPI-Kollegen Hubertus von Poser, ob denn auch Kreditkartenkonten der PSD2 unterstellt sind: ”yes and no”… Die Erklärung dazu lautet: Was ich als Kunde mit einem Konto machen kann, soll auch ein Dritter machen können, vorausgesetzt, ich habe meine Einwilligung erteilt. Kann ich mein Kreditkartenkonto einsehen, Transaktionen abfragen? Antwort: Ja. Kann ich eine Zahlung ab meinem Kreditkartenkonto initiieren? Normalerweise nein. Heisst also, Banken müssen Account Service Providern (ASP) den Zugang zu einem Kreditkarten gewähren, nicht aber Payment Initiation Service Providern (PISP). 

Selbst Ralf Jacob, von der Europäischen Kommission, welche die sehr komplexen Gesetzestexte verfassen, bestätigte, dass sie diese Regelungen doch sehr ”pragmatisch” ausgelegt und umgesetzt werden sollen. Das war nun von einem Mitglied einer Regulierungsbehörde nicht wirklich zu erwarten…

In der letzten Panel-Diskussion steht das Thema ’Strong Customer Authentication’ im Fokus.

Alain Martin (Gemalto), Rolf Lindemann (Nok Nok Labs, Hamburg), Michael Sass (Mastercard) diskutieren die aktuellen Methoden und Möglichkeiten starker Benutzerauthentifikationen. Auch hier sind bereits viele Lösungen im Markt, welche den regulatorischen Ansprüchen mal mehr, aber auch mal weniger genügen.

Generell ist man sich aber einig, dass das Benutzererlebnis entscheidend sein wird, welche Systeme sich im Markt durchsetzen werden. Details dazu verraten wir Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch an anderer Stelle.




Das war’s vom 17. European Payment Summit aus dem Loumann Museum in Den Haag, welches übrigens ein sehr interessantes OldTimer-Museum beherbergt. Sehr empfehlenswert!

Wir verabschieden uns mit einer neuen Überlegung zum Thema Faster Payment



Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Dieser Beitrag wurde von Rolf Zumsteg gepostet


#EuropeanPaymentSummit #FürSieUnterwegs #PAYMENTS #europe #EPS18 #PSD2 #gdpr #FastPayments #Blockchain #AI

Jahresrückblick 2017

Liebe Leserinnen und Leser, kein Jahresende ohne eine Art von Rückblick. Ein kurzes Reflektieren, welche Themen uns Anfang des Jahres beschäftigt haben und was daraus geworden ist.

Das Thema, das vor allem international in den letzten Tagen für Schlagzeilen sorgte, war die Kryptowährung Bitcoin, beziehungsweise deren Höhenflug zum Jahresende. Der Bitcoin begann das Jahr mit einem Kurs von CHF 986.10 und erreichte bis zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Beitrages den zwischenzeitlichen Höchstpunkt am 7. Dezember mit einem Kurs von BTC-CHF 17'191.67. Beflügelt wird der Anstieg seit Wochen vor allem durch die Ankündigung der renommierten Chicagoer Terminbörse CME, künftig Terminkontrakte für Bitcoins anzubieten. Am Montag, 10. Dezember, startete der erste Bitcoin-Future an der US-Derivatebörse CBOE. Und natürlich ruft ein solcher Kursanstieg auch all die Warner auf den Plan, die Crash, Absturz und Verluste erwarten. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung des Bitcoins und dessen Börsenprodukten.
Im Schatten von Bitcoin haben auch andere Kryptowährungen in diesem Jahr beachtliche Kursgewinne erzielt. Allen voran Ethereum, der mit einem Kurs von ETH-CHF von 12.08 startete und am 29. November seinen bisherigen Höchststand von 506.09 erreichte.

Entsprechend war Blockchain in aller Munde. Waren es zu Beginn des Jahres eher noch Ideen und Gedankenspiele, konkretisierten sich diese im Verlaufe des Jahres und es wurden Projekte, Produkte und reale Angebote daraus.
So gründete Swisscom ihre Blockchain AG (http://blockchain.swisscom.ch/)  und bietet über diese Plattform Blockchaininfrastruktur und -Lösungen Dritten an. Weitere Themen in diesem Zusammenhang sind ausserbörsliche Handelsplattformen und digitale Aktien.
Auch die UBS ist mit Batavia, ihrer zusammen mit IBM entwickelten Handelsfinanzierungsplattform auf Blockchain-Basis, einen grossen Schritt weitergekommen und hat in diesem Jahr vier weitere Banken mit an Bord holen können. Es sind dies die Bank of Montreal, die spanische CaixaBank, die Commerzbank und die in Wien ansässige und in Zentral- und Osteuropa tätige Erste Group.

Ein Thema, welches uns dieses Jahr auch beschäftigte, ist die digitale Identität. Marco Vosseler schrieb im März dazu den Blog http://digital-finance-experts.blogspot.ch/2017/03/mit-der-eid-zur-elektronischen-identitat.html. Darin ging es um die Bestrebungen des Bundes zur Schaffung der gesetzlichen Grundlagen für die elektronische Identifizierung sowie um Gedanken, wie die Akzeptanz und Verbreitung der eID gefördert werden kann.
Im November wurde nun mit der Gründung der SwissSign AG ein grosser Schritt für eine breit abgestützte Lösung gemacht. An dieser Lösung beteiligen sich Die Post und SBB, welche ihre SwissID in die SwissSign AG einbringen, sowie Swisscom, Credit Suisse, Raiffeisen, UBS, Zürcher Kantonalbank, SIX und die Schweizerische Mobiliar. Die Lösung stützt sich auf die vom Bund vorgegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen und stellt den Datenschutz und die Rechte der Anwenderinnen und Anwender ins Zentrum.

Und natürlich beschäftigten uns die Themen rund um den Zahlungsverkehr. So sieht sich der Finanzplatz noch immer in den Fängen der „Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz“, doch wie schon Marie Curie 1894 in einem Brief an ihren Bruder schrieb: „Man vergisst, was schon getan wurde, man sieht nur, was noch getan werden muss.“.
Wie die SIX in ihrer Medienmitteilung vom 6. Dezember 2017 schrieb, haben 208 Banken die Umstellung auf ISO 20022 abgeschlossen und somit sind alle Teilnehmer am SIX Interbank Clearing Zahlungssystem bereit für den nächsten Schritt. Rund 600'000 Firmen und mehrere Millionen Privathaushalte müssen aufgeklärt, begleitet und bis Ende Juni 2018 migriert werden. Technologisch ist die Kunden-Bank-Verbindung bei den meisten Banken umgesetzt und würde den Kunden zur Verfügung stehen. Allerdings sind viele Kunden noch nicht migriert, der Kundenmigrationsstand bei den meisten Banken ist erst im einstelligen Prozentbereich. In diesem Bereich muss in den nächsten Monaten mittels Kommunikation, Schulung, Begleitung und technischer Unterstützung noch einiges getan werden, sollte das Ziel 30. Juni 2018 erreicht werden.

Ein weiteres Thema, welches den Finanzplatz dieses Jahr bewegte, ist die QR-Rechnung, welche in diesem Jahr noch die eine und andere Änderung erfahren hat. So musste unter anderem die Grösse des QR-Codes vergrössert werden, um die zusätzlichen, aus der ISO-20022-Harmonisierung möglichen, Informationen aufzunehmen. Der Einzahlungsschein mit QR-Code soll ab Januar 2019 zum Einsatz kommen. Viele Banken haben sich im Rahmen ihrer Harmonisierungsprojekte in diesem Jahr dem Thema angenommen und scheinen auf gutem Wege zu sein, das Enddatum zu erreichen.

Zum Abschluss dieses Rückblicks bleibt uns noch ein Blick auf LEON. Was passierte in diesem Jahr mit dem grossen Vorhaben? Es kann sicherlich vermerkt werden, dass die E-Rechnung, neu E-Bill, eine gute Akzeptanz erfährt und stetig vorankommt. Mit LEON sollten eigentlich die bestehenden Verfahren LSV+ und BDD abgelöst werden, diese bleiben jedoch funktional bestehen und können weiterhin angeboten werden. Das heisst, die Parallelphase der alten und neuen Verfahren läuft ohne Enddatum. Und wie wir aus anderen Harmonisierungs-/Migrationsprojekten gelernt haben, ohne Enddatum lässt sich kein Druck aufbauen, um etwas zu ändern. Das bestehende Verfahren hat sich ja bewährt, funktioniert und ist im Einsatz, also ja nichts Neues einbringen. Wir sind gespannt, ob uns 2018 ein Enddatum für LSV+ und BDD bringen wird.

Nun werden Sie sich vielleicht fragen, ob da nicht noch was fehlt. Ja, TWINT könnte an dieser Stelle noch erwähnt werden. TWINT scheint zwar bankenseitig allgegenwärtig zu sein und hat einen grossen Schritt vorwärts gemacht. Wir sind jedoch gespannt, wie sich TWINT im nächsten Jahr entwickeln wird und werden im nächsten Jahresrückblick eventuell näher darauf eingehen.

Es ist vieles im Gange und grosse Themen, z.B. GDPR (General Data Protection Regulation bzw. die Europäische Datenschutzgrundverordnung) kommen in Kürze dazu. Da mag sich manch einer fragen: „Ist dies wirklich alles notwendig?“ Darauf möchten wir mit dem Zitat von Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Physiker 1742-1799, antworten: „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll“.


Das neue Jahr verspricht auf jeden Fall ein spannendes zu werden. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit und eine Verschnaufpause zwischen den Jahren.

Ihr Blog-Team von PPI Schweiz

#Jahresrückblick, #Cryptocurrencies, #ISO20022, #LEONch, #Blockchain, #DigitalIdentity, #eID

Dollarization 2.0

Cashless, eGesellschaft, FinTech, AI, Blockchain, MobilePayment, DigitalFinanceExperts, PPISchweizChristine Lagarde, die Grande Dame des Internationalen Währungsfonds (IMF), präsentiert auf der Bank of England Conference erstaunlich offen ihre Gedanken. Unter dem Titel: “Central Banking and Fintech - A Brave New World?“ geht sie der Frage nach: “How will fintech change central banking over the next generation?“

Letzte Woche erst berichtete Carsten Miehling, CEO PPI Schweiz, an dieser Stelle, dass die grösste Kantonalbank in unserem Land Fintechs eher als Hype wahrnimmt und dieser Branche jetzt und auch in Zukunft kaum oder nur sehr geringe Marktanteile attestiert. Und nun kommt die höchste Währungshüterin der Welt und malt ein gegenteiliges Bild, nämlich eines mit Crypto Currencies und grossen Herausforderungen für das etablierte Bankensystem, inklusive der Zentralbanken. Sie glaubt an den Fortschritt, glaubt daran, dass neue Player am Verhandlungstisch Platz finden und gewisse alte Strukturen der Vergangenheit angehören werden. Sie zeichnet eine Welt, in der Menschen mühelos über Grenzen hinweg virtuell in Echtzeit bezahlen, ohne Clearing versteht sich. 

Welche der beiden Auffassungen letztlich recht behalten wird, zeigt uns die Zukunft. 

Lassen Sie uns aber erst einmal einen Blick in Frau Lagarde‘s Gedanken werfen. Ihren Vortrag stützt sie auf drei wichtige Teilgebiete: 


1. Virtual Currencies

Hier weist Frau Lagarde klar darauf hin, dass “VirtualC“ nicht einfach digitale Transaktionen in bestehenden Landeswährungen sind, sondern tatsächlich als eigenständige und ernstzunehmende Einheiten von Konten und Zahlungssystemen zu verstehen sind, die P2P-Transaktionen ohne das zentrale Clearing eines Bankhauses oder der Zentralbank ermöglichen. Im Moment spielen Bitcoin etc. noch eine untergeordnete Rolle, da der Kurs sehr volatil und ein Einstieg riskant sowie der Mining-Prozess energieintensiv ist. Ebenso sind “Virtual Currencies“ für Regulatoren undurchsichtig und einige Börsen wurden auch schon gehackt. Aber die meist technischen Herausforderungen werden im Laufe der Zeit gelöst und die Abwicklungsprozesse optimiert und vereinfacht werden. 

Auf lange Sicht kann diese Technologie gemäss Frau Lagarde nationale Währungen substituieren und wird in der Lage sein, ein Fragezeichen hinter das bestehende Bankensystem zu setzen. 


Geschickt bringt Frau Lagarde einen passenden Vergleich: “Not so long ago, some experts argued that personal computers would never be adopted, and that tablets would only be used as expensive coffee trays. So I think it may not be wise to dismiss virtual currencies."


Gerade für Länder mit einer schwachen eigenen Währung bergen diese digitalen Lösungen spannende Chancen. Das könnte für manche Regierung weitaus interessanter sein, als einfach eine Parallelwährung, wie z.B. den Dollar, zu akzeptieren. Man könnte diesen Prozess gemäss Frau Lagarde also Dollarization 2.0 nennen.


Stellen Sie sich zum Beispiel die wachsende Nachfrage nach neuen Zahlungsformen vor, gerade in Ländern, in denen die Ökonomie der dezentralen Dienstleistungen wächst und das vielleicht sogar auch über die Landesgrenze hinweg. Ein paar Dollar für einen Gärtner-Tipp aus Neuseeland, ein paar Euro für das Layout einer Arbeit etc. Heute bezahlt man solche Leistungen meist via Kreditkarte. Aber gerade bei kleinen Beträgen sind die Gebühren meist uninteressant hoch. Somit wird das Volk gemäss Frau Lagarde bald vermehrt nach virtuellen Währungen verlangen. Und wenn diese weiterhin unsicher und instabil sind, dann wird der Ruf an die Zentralbank laut, den Markt mit einer sinnvollen digitalen Lösung zu versorgen. 



2. New Models of Financial Intermediation
Frau Lagarde meint, dass wir künftig nur noch minimale Saldi für den anfallenden Zahlungsverkehr in unseren virtuellen Brieftaschen haben werden. Den Rest investieren wir via Fonds- und Peer-to-Peer-Plattformen, inklusive künstlicher Intelligenz für das automatische Kredit-Scoring. Solche Prozesse untergraben das herkömmliche Banking. “Data is King“ ist das neue Lösungswort dieser Welt und sie besteht aus vielen neuen Playern, die alle keine physische Anlaufstelle unterhalten. 

How would monetary policy be set in this context?

Heute funktioniert die Geldpolitik eines Landes, weil die Zentralbank die Banken mit Liquidität versorgt. Aber wenn die Banken generell weniger wichtig werden in der neuen Finanzwelt, wie kann dann eine effektive, zentrale Finanzpolitik aufrechterhalten werden? 
Immer mehr Player müssten reguliert und überhaupt erst einmal definiert werden. Wie benennen Sie ein Social Media Unternehmen, das Zahlungsdienstleistungen anbietet, aber keine aktive Bilanz führt? Ist das eine Bank? 

Cooperation is key

Das weitere Vorgehen muss in erster Linie auf Dialog basieren. Gestandene Regulatoren müssen sich mit ihren jungen Kollegen, die sich mehr mit Algorithmen als mit wirklichem Geld befassen, an einen Tisch setzen und Erfahrungen austauschen. Zentralbanken müssen sich über die Landesgrenzen hinweg gegenseitig über Entwicklungen informieren und rechtliche Fragen miteinander angehen. Die neuen Währungen stehen nicht wie Währungen bisher für nationale Einheiten, sondern für internationale Aktivitäten. 
Frau Lagarde bietet hier den IMF als Diskussions-Plattform an und appelliert dafür, dass neue Player am Tisch zugelassen werden. 


3. Artificial intelligence

Untersuchungen zeigen, dass nahezu 90% aller zur Verfügung stehenden Daten in den letzten zwei Jahren gesammelt wurden. Und wir sprechen hier nicht nur von Arbeitslosenzahlen oder Wetterdaten, sondern von ganz eigenen Verhaltensdaten von jedem einzelnen Homo Ökonomikus. Und diese Daten werden immer wertvoller, weil wir sie mit künstlicher Intelligenz koppeln und auswerten können. 
Und was bedeutet das für die Finanzpolitik? Gute Finanzpolitik ist meist dann erfolgreich, wenn sie klar erklärt wird, damit die Öffentlichkeit klare Erwartungen daraus ableiten kann. Oder können selbst das Maschinen übernehmen? So oder so, auch wenn Maschinen ihre Entscheidungen erklären könnten, wer kann dann dafür verantwortlich gemacht werden, wenn ökonomische Krisen aufkommen?
Verantwortlichkeiten definieren ist der Schlüssel. Ohne sie können wir keine Unabhängigkeit haben. Und ohne Unabhängigkeit scheitert die Politik oder wird irregeleitet. Das heisst, dass Maschinen eher nicht die Finanzpolitik übernehmen werden. 
Frau Lagarde schliesst mit den Worten: “I believe that we - as individuals and communities - have the capacity to shape a technological and economic future that works for all. We have a responsibility to make this work. That is why I prefer Shakespeare’s evocation of the brave new world in ‚The Tempest’: “O wonder! How many goodly creatures are there here! How beauteous mankind is! O brave new world.”

Mutig und zukunftsorientiert ist diese Rede. Frau Lagarde zeigt sich offen für neue Tendenzen im internationalen Zahlungsverkehr und beobachtet technische Entwicklungen genau. Wir von PPI Schweiz begrüssen diesen Fortschrittsglauben und gehen mit Frau Lagarde überein, dass sich Fintechs vielleicht rascher als einem lieb ist durchsetzen und spannende neue Lösungen anbieten werden. Protektionismus ist aus unserer Sicht hier fehl am Platz. Wer sich verzweifelt an Altem festklammert, verschwendet seine Energie und wird blind für die Zukunft. 


Hier finden Sie die Originalrede von Christine Lagarde

https://www.imf.org/en/News/Articles/2017/09/28/sp092917-central-banking-and-fintech-a-brave-new-world


Dieser Beitrag wurde von Matthias Hungerbühler gepostet.

#AI, #Dollarization, #CryptoCurrencies, #VirtualCurrencies