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Aktuelles aus dem europäischen Umfeld

Mitte September trafen sich die Mitglieder der EPCA (European Payments Consulting Association), in welcher PPI Schweiz ebenfalls Mitglied ist, ein weiteres Mal zum informellen Austausch. Ziele dieser Treffen sind die gegenseitige Information über die aktuelle Entwicklung in den einzelnen Ländern sowie Diskussionen über spezifische Themen. Als Standort für das Treffen wurde, anlässlich der neuen PPI-Geschäftsstelle, Genf gewählt. Für weitere Informationen zu ECPA besuchen Sie deren neue Web-Seite unter www.epca.de.

PSD2
Das Dauerthema PSD2 stand auch diesmal wieder auf der Agenda. Sämtliche Teilnehmer bestätigen, dass dieses Thema auch in ihren Ländern kontrovers diskutiert wird. Einerseits sind die Banken nicht gewillt, ihre Daten für weitere Dienstleister zu öffnen, andererseits aber soll verhindert werden, dass europäische Gesetze verletzt werden und dadurch möglicherweise Sanktionen ergriffen werden könnten.
Der Wunsch vieler Betroffenen, also Banken sowie Software-Hersteller (Fin-Techs), nach einem einheitlichen, europäischen Standard-API wird sich wohl kaum erfüllen. Die Berlin Group, dessen Teilnehmerliste inzwischen  37 europäische Institute umfasst (Stand September 2017), hat noch immer keine konkrete Spezifikation veröffentlicht. Inzwischen aber hat STET (France), ebenfalls Mitglied der Berlin Group, eine solche bekannt gegeben. Es wird interessant sein zu beobachten, welche Akzeptanz diese im Markt finden wird.

AML
Interessantes gibt es seitens der AML (Anti Money Laundering) -Direktiven zu berichten. Während die Version 4 verabschiedet wurde und nun umgesetzt wird, ist bereits die Version 5 im Vernehmlassungsprozess. Im Markt wird nun etwas frustriert festgestellt, dass die Behörden neue Versionen schneller beschliessen, als diese technisch umgesetzt werden können. Laufend werden weitere Zahlinstrumente von diesen Regulatorien erfasst, sodass die Akteure laufend nachrüsten müssen. Zudem ist eine Diskussion entstanden, was genau als e-Money zu gelten hat und welche Vorschriften diesbezüglich zu gelten haben. Im Grundsatz aber ist erkennbar, dass sich die Behörden eine Cashless-Society als Zielbild vorstellen. Wenn auch noble Gründe dafür sprechen (Verhinderung von Geldwäsche und Terror-Finanzierung), ist einem nicht wirklich wohl bei dem Gedanken, dass in Zukunft sämtliche Geldströme von den Regierungen überwacht werden sollen.

Cashless Society
Andererseits sind wir in gewissen Ländern schon sehr nah an der Cashless-Society. Die Pflicht zur Bargeldannahme schwindet mehr und mehr. Inzwischen gibt es schon einige Situationen, in welchen nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden kann. Beispiele sind Tankstellen, welche rund um die Uhr geöffnet haben und zwischen 22:00 und 6:00 Uhr nur Kartenzahlungen akzeptieren, damit keine Bargeldbestände gehortet werden müssen. Der Grund hierfür ist im Wesentlichen der Schutz der Angestellten. Ähnliches hat der Schreibende kürzlich in Kanada erlebt, als er im Hotel bar bezahlen wollte; auch hier nur mit Karte bitte.
Aktuelle Statistiken aus den nordischen Ländern belegen, dass tatsächlich die Cashless-Society schon sehr nahe ist, insbesondere Schweden ist diesbezüglich eindeutig an erster Stelle. In die gleiche Richtung geht auch die Abschaffung der EUR-500-Note. Von dieser sind knapp 600 Millionen (Wert EUR 300 Milliarden) im Umlauf, welche ab 2018 nicht mehr neu ausgegeben und stetig reduziert werden soll. Die Schweiz bildet in diesem Bereich eine grosse Ausnahme. Die Abschaffung der CHF-1000-Note ist kein Thema, mehr als 45 Millionen (im Wert über 45 Milliarden) bleiben im Umlauf. Interessant ist der Vergleich dieser grössten Noten bezüglich Wertanteil. Während im EUR-Raum die EUR-500-Note knapp 28% der gesamten Bargeldmenge ausmacht, beträgt der Anteil CHF-1000-er Note über 62%. Da diese Noten nur selten im normalen Bargeldverkehr zum Einsatz kommen, wird offenbar eine sehr grosse Menge an Vermögen in Form von Bargeld gehortet.

Bitcoin
Das Thema musste ja kommen, kein Blog ohne das Thema Bitcoin. Was also gibts es Neues zu diesem Thema?
Am 1. August 2017 wurde eine neue Kryptowährung ins Leben gerufen, Bitcoin Cash.
Die Entstehung ist tatsächlich interessant, sie wurde nämlich durch eine Abspaltung des originalen Bitcoin errichtet, was bedeutet, dass Besitzer von Bitcoin nun auch die gleiche Anzahl in Bitcoin Cash erhalten haben (sofern sie ein Wallet haben, welches dies unterstützt). Welche Auswirkung das nun auf dem Markt hervorbringt, ist nicht klar ersichtlich. Es gibt nun also Bitcoin (Währungskürzel BTC) und Bitcoin Cash (Währungskürzel BCC oder BCH). Details siehe auch auf Wikipedia.
Übrigens, gerade in dieser Woche ist der BTC um fast 30% gefallen auf USD 3192. Der Bitcoin-Experte der EPCA, nicht identisch mit dem Schreibenden, prognostiziert einen Stand von USD 5000 zum Ende des Jahres.
Steigen Sie ein?

Diese und weitere Themen wurden auch während dem kulinarischen Rahmenprogramm ausführlich diskutiert (und die meisten Probleme auch gleich gelöst…). Abgerundet wurde das Programm mit einer interessanten
Führung durch die Calvin-Stadt.

Dieser Beitrag wurde von Rolf Zumsteg gepostet.

#PSD2, #Cashless, #Bitcoin, #EPCA


Zwingt Regulierung Banken zum abwandern?

EPCA, PPI Schweiz, Digital Finance Experts Blog Dies und viele andere interessante Themen wurden in Budapest am 6. und 7. April beim halbjährlichen EPCA-Meeting diskutiert.

Budapest - Millionenmetropole, Besuchermagnet und Hauptstadt von Ungarn - war Treffpunkt des diesjährigen EPCA (European Payments Consulting Association) Frühjahrs-Meeting. Obwohl Budapests Geschichte schon im ersten Jahrhundert unter römischer Herrschaft begann, damals unter dem Namen Aquincum, entstand die Einheitsgemeinde Budapest erst im Jahre 1873 durch die Zusammenlegung der zuvor selbstständigen Städte Buda (dt. Ofen), Óbuda (Alt-Ofen) und Pest. Der Name Budapest selbst tauchte zuvor nicht auf, üblich im Sprachgebrauch war Pest-Buda.

Das EPCA-Treffen fand in den Räumlichkeiten der MKB Bank an der Vaci utca 38 statt. Die MKB Bank (ehemals: Magyar Külkereskedelmi Bank) ist die drittgrösste Bank in Ungarn.

Die Magyar Külkereskedelmi Bank wurde im Jahre 1950 gegründet. Dabei ging es vor allem um die Förderung des Aussenhandels und die Teilnahme am internationalen Zahlungsverkehr. Während der Bankenreformen 1987 bekam die MKB Bank eine Vollbankenlizenz. Danach wurde ein landesweites Filialennetz aufgebaut. Durch die Generalversammlung am 15. Juli 1994 wurde die erste inländische Privatisierung einer grossen Bank beschlossen. Die MKB Bank hat über 220'000 Privat- und über 38'000 Firmenkunden.

Es schien, dass sich die EPCA-Mitglieder gleichermassen von Budapest angezogen fühlten wie die zahlreichen Besucher der Stadt. Budapest zählt zu den zwanzig am meisten von Touristen besuchten Städten Europas. EPCA-Mitglieder aus nicht weniger als 12 Ländern kamen zum Treffen und nicht wenige davon in Begleitung.

Nach einem kurzen Lunch im Restaurant Kiosk Budapest begann das Meeting mit den jeweiligen Länderupdates.

Lettland, vertreten durch Ludmila Berzina und Indra Kesane, führt als eine der wenigen Erneuerungen das kontaktlose Zahlen ein. Die Banken binden signifikante Ressourcen für die Einführung der geforderten AML-Regulation (Anti Money Laundering). In der Konsequenz steht viel weniger Zeit zur Verfügung, um neue Zahlungsmöglichkeiten zu entwickeln, die den Nutzern dienlich sind.

Mit all den regulatorischen Vorgaben konfrontiert, sah sich Polen gezwungen, vertreten durch Michal Mostowik, ein Ministerium eigens für Digitalisierung einzuführen. Um den PSD2 Anforderungen zu genügen, führt Polen das „Poland API“ für alle polnischen Banken ein, wobei sich diesbezüglich noch zu viele offene Fragen und zu viele Ideen gegenüberstehen. Die Einführung wird für das vierte Quartal 2018 beziehungsweise das erste Quartal 2019 erwartet.
Natürlich darf da auch Blockchain nicht fehlen. Dieses Thema wird im neuen Ministerium auf höchster Ebene diskutiert. Was den Banken auch Kopfzerbrechen bereitet ist die eher allgemeine Formulierung der AML-Regulation. Sie nötigt die Banken im Grunde genommen dazu, alles über eine Zahltransaktion zu wissen.

Gemäss Henning N. Jensen macht Dänemark die interessante Erfahrung, dass die mobile Zahlungen am POS (Point of Sales) nicht vorankommen. Kontaktloses Bezahlen mit Karte ist da einfacher und schneller. Dies führte auch dazu, dass die grössten Händler ihre Smartphone-Dienstleistungen zurückgezogen haben. Wie wichtig Kartenzahlungen sind, zeigt ein Blick auf die Statistik. Im Dezember 2016 war der Anteil von kontaktlosen Debit-Kartenzahlungen bei 15%, im März 2017 schon bei 22%. Tendenz stark steigend, dabei sind nur ein Viertel aller Karten kontaktlos. Visa und Master Card wollen natürlich auch auf dieser Welle reiten, doch ist die entsprechende Unterstützung der Banken eher zögerlich.

Budapest, PPI Schweiz, Interessant war auch zu hören, dass die beiden grössten Banken Schwedens (Swenska Bank und Nordea Bank) aufgrund von regulatorischen und steuerlichen Vorgaben erwägen, ihre Hauptsitze in ein anderes nordisches Land zu verlegen. Zur Diskussion stehen Finnland, Norwegen und Dänemark. Es sieht jedoch auch eher nach einem Kräftemessen zwischen den Banken und den Regulierern aus.

Emmanuel Caron informierte neben den Vorhaben, die auch in Frankreich regulatorisch getrieben sind, von dem geplanten Kauf von 95% der Anteile von „Compte Nickel“ durch die BNP Paribas. „Compte Nickel“ ist eine Karte, welche innerhalb von Minuten bei den Tabakhändlern erworben werden kann. Es braucht nur eine ID und eine Telefonnummer dazu. „Compte Nickel“ zählte Mitte 2016 rund 300'000 Kunden. Heute sind es bereits rund 550k, mit dem Ziel, bis 2020 2 Millionen Kunden zu haben.

Es folgte eine kurze Kaffeepause, die nicht ungenutzt blieb. Immerhin hatten sich die meisten Teilnehmer seit dem Meeting in London im letzten Herbst nicht mehr gesehen und so gab es viel auszutauschen.

Anschliessend folgte die Präsentation von Chris Jones über die GDPR, General Data Protection Regulation oder auf deutsch die Datenschutz-Grundverordnung. Die Datenschutz-Grundverordnung ist eine Verordnung der Europäischen Union, mit der die Regeln für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten durch private Unternehmen und öffentliche Stellen EU-weit vereinheitlicht werden. Dadurch soll einerseits der Schutz von personenbezogenen Daten innerhalb der Europäischen Union sichergestellt, andererseits der freie Datenverkehr innerhalb des Europäischen Binnenmarktes gewährleistet werden. Die Verordnung 2016/679 ersetzt die aus dem Jahr 1995 stammende Richtlinie 95/46/EG und gilt ab dem 25. Mai 2018 unmittelbar für alle Mitgliedstaaten, d.h. sie muss im Gegensatz zur aktuellen Richtlinie nicht in nationales Gesetz umgesetzt werden.
Die Diskussion über die Implikationen der neuen Verordnung war äussesrt interessant und zeigte auf, wie weitgreifend die Folgen, insbesondere auch in Bezug auf PSD2, sind.

Da war die nachfolgende Präsentation der neuen EPCA-Homepage von Douwe Lycklama geradezu leichte Kost. Da die aktuelle Seite doch schon in die Jahre gekommen ist, wurde in London beschlossen, die eigene Homepage den neuen Anforderungen und Standards anzupassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wurde von den Anwesenden mit Begeisterung verabschiedet.

Dies beendete den offiziellen Teil des ersten Tages und die Teilnehmer wurden eingeladen, am Money 20/20 Roadshow Event Budapest teilzuhaben. Ein Anlass, welcher jungen Fintechs eine Plattform gab, sich in dreiminütigen Pitch Speeches zu präsentieren. Es folgten die üblichen Key Notes und Panel Diskussionen.

Den Beginn am Freitag machte Douwe Lycklama mit dem Update aus den Niederlanden. Dort sind derzeit so viele Vorhaben im Gange, dass es sich schon fast lohnen würde, einen eigenen Blog dazu zu schreiben. Diese Vorhaben sind einerseits, wie in den anderen Ländern auch, regulatorisch getrieben. Andererseits durch Innovationen mit dem Ziel, das Kundenerlebnis zu verbessern. Supply Chain Finance ist ein Thema, wie auch die Vereinfachung der Bezahlung im öffentlichen Verkehr. Hervorzuheben ist die OKIT-App. Ähnlich wie bei TWINT können die Händler bei OKIT neben den Zahlvorgängen auch ihre Loyalty-Programme pflegen.

Es folgte ein kurzes Update über Ungarn von Zsombor Imre. Und so nehmen wir aus Ungarn mit, dass 9 Millionen Karten im Einsatz sind und davon 4.8 Millionen kontaktlos. Die Steigerungen im Kartengeschäft für das letzte Jahr waren bei 41% in Transaktionen und 52% Wert im E-Commerce.

Nach vier Jahren Abwesenheit nahm mit Ann Marie Bugeja und Marie Mercieca auch Malta wieder an einem EPCA Treffen teil. Durch die stringente Regulierung des Bankwesens werden die Banken mehr und mehr daran gehindert ihrem Geschäft nachzugehen und aus Angst eine Vorgabe nicht zu beachten, auferlegen bankinterne Aufsichtsgremien noch strengere Pflichten an die Ausübung ihrer eigenen Tätigkeiten. So kann es gut passieren, dass eine Zahlung nicht erfolgt, weil sie durch irgendeinen Filter blockiert wird, welcher nicht fristgerecht aufgehoben werden kann. Diese Auflagen haben auch zur Folge, dass ein Bankkonto, welches früher innerhalb zwei Tagen eröffnet werden konnte, heute im besten Fall erst nach 9 bis 10 Monaten zur Verfügung steht. Aus diesen Gründen eröffnen mehr und mehr Unternehmen ihre Konten ausserhalb von Malta.

Mit Spannung wurde der Update aus Grossbritannien von Chris Jones erwartet, ist doch der Brexit in aller Munde. Doch Chris schwächte ab. Es mache nicht den Anschein, dass der Brexit einen so grossen Einfluss auf den Zahlungsverkehr haben werde wie ursprünglich erwartet. In Bezug auf PSD2 und XS2A scheinen sich die Briten nicht auf ein gemeinsames API einigen zu können. Jede Bank kocht ihr eigenes Süppchen. Ausserdem verlangsamen die immer noch ausstehenden RTS (Regulatory Technical Standards, die regulatorischen technischen Standards) den Entwicklungsprozess erheblich.

Marco Fava aus Italien bemerkte, dass eigentlich schon alles gesagt sei, da auch in Italien die regulatorischen Vorhaben Vorrang haben und in den Bereichen Karten und Öffentlichem Verkehr sich die Aktivitäten in ähnlichem Rahmen entwickeln wie in den anderen Ländern.

Alexey Martsinkovskiy aus St. Petersburg hielt sich ähnlich kurz und erklärte, dass Russland mit den Prozessen in Europa im Gleichschritt sei. 

So blieb dem Autor das letzte Länderupdate, um über die Aktivitäten in der Schweiz zu berichten. Es war dies zu den Themen LEON, ISO 20022, EBICS und SOFA (Swiss Open Finance API).

Chris Jones folgte mit einer Diskussionsrunde über die letzte Version der RTS zu PSD2, welche am 23. Februar 2017 veröffentlicht wurde. Es wurde darüber diskutiert, ob „Screen Scrapping“ wirklich nicht mehr erlaubt sei oder ob es unter gewissen Umständen doch zugelassen sein sollte. Eine tiefergehende Diskussion liess der Zeitrahmen leider nicht zu, doch hat Krzysztof Korus, der Kollege aus Polen,  den Teilnehmern eine sechzehnseitige Analyse der RTS zukommen lassen, welche allen einen guten Einblick in die Implikationen derselben gegeben hat.

Zum Abschluss des offiziellen Teils wurde Genf als nächster Austragungsort im Herbst festgelegt.


Nach diesen vielen Informationen freuten sich die Teilnehmer auf das späte Mittagessen und die abschliessende Stadtbesichtigung auf einem Donauschiff.


Dieser Beitrag wurde von René Heusser (PPI Schweiz) gepostet.


PPI Schweiz

René ist Partner bei PPI Schweiz und Experte für Digital Banking, elektronischen Zahlungsverkehr und Trade Finance.

Im Bereich Digitalisierung verfügt er über Expertise in PSD2, Access to Accounts und Open Banking. 
Als Senior Consultant arbeitet René in Kundenprojekten zur Harmonisierung Zahlungsverkehr.




#PSD2 #XS2A #DigitalFinance #DigitalBanking #Fintech #LEONch #SOFA #Regulierung

European Payment Summit – „Best in Class“-Event für den Zahlungsverkehr

Das hochkarätig besetzte Treffen europäischer Zahlungsverkehrs-Experten fand erstmals vor über 10 Jahren, damals noch unter dem Titel EPCA Summit, in Brüssel statt. Die Idee der Gründer (European Payment Consultants, www.epca.de) war es, eine Plattform zu schaffen, auf der sich europäische Zahlungsverkehrs-Experten über neue Trends und Entwicklungen während zweier Tage austauschen können. Ursprünglich wurde jedes Jahr eine andere europäische Lokation ausgewählt, um auch die jeweils nationalen Entwicklungen im jeweiligen Markt einzufangen. Unvergessen ist der Anlass in Rom, wo die Delegation in den Räumen der italienischen Bankiervereinigung im Palazzo Altieri tagen durfte.

Just an diesem Summit trat auch eine gewisse Hannah Ayala aus Finnland auf und präsentierte ihre Version des Direct Debits. Finnland hatte zu dieser Zeit ein Modell für nationale Lastschriften umgesetzt, welches auf der elektronischen Rechnung basiert. Bei einem Anlass der Fachgruppe Financial Standards der Schweizer Informatikgesellschaft trat Hannah dann in der Folge mit dieser Idee in der Schweiz auf, was schlussendlich der Anstoss für die Initiative LEON des Finanzplatzes Schweiz war. Man kann getrost behaupten, dass der EPCA Summit so etwas wie der Geburtshelfer des hiesigen zukünftigen Lastschriftenverfahrens war. Etwas, das diesen Anlass immer ausgezeichnet hat, ist die europäische Perspektive, die insbesondere in der Schweiz oft nicht oder nur sehr verzögert wahrgenommen wird.

Auch heute bilden die Entwicklungen im Zahlungsverkehr in Europa mit Themen wie Open Banking/Open API, Instant Payment, Digital Identity, regulatorische Herausforderungen, Entwicklungen im Bereich Karten, Mobile und e-Commerce etc. einen Schwerpunkt der Veranstaltung. In den letzten Jahren kamen jedoch auch vermehrt internationale Themen hinzu, sodass sich jeweils namhafte Referenten aus der ganzen Welt (u.a. auch aus China und Russland) ein Stelldichein am European Payment Summit geben. Im Dschungel der sehr zahlreich durchgeführten internationalen Veranstaltungen zum Thema Zahlungsverkehr ist dieser Anlass wirklich sehr zu empfehlen. Herausforderungen werden konkret beim Namen genannt und die Diskussionen sind auf einem äusserst hohen Niveau. Natürlich gibt es auch viel Raum für Networking, z.B. beim Dinner des ersten Abends, zu dem alle Teilnehmer eingeladen sind.

PPI ist als Schweizer Repräsentant von EPCA auch dieses Jahr wieder vor Ort vertreten und offizielles Mitglied der European Payment Summit Business Alliances. Es würde mich sehr freuen, wenn ich den einen oder anderen Vertreter aus der Schweiz in Den Haag treffen würde.

Weitere Infos und Anmeldung unter: europeanpaymentsummit.com.

Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling gepostet.


#EPCA #EuropeanPaymentSummit #PPI SCHWEIZ #EVENTS

Aktuelle Trends im europäischen Zahlungsverkehr – Zusammenfassung des EPCA Summit in London vom Oktober 2016

Die European Payments Consulting Association (EPCA) ist eine europaweit tätige Vereinigung nationaler Beratungsgesellschaften, die 1998 gegründet wurde. Im August 2000 wurde die EPCA als europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung (EEIG) eingetragen. EPCA hat in ganz Europa eine grosse Reichweite und arbeitet mit den führenden Playern im Zahlungsverkehr zusammen. PPI Schweiz ist seit 2012 Mitglied dieser Vereinigung.

Für das halbjährliche Treffen hat die Gastgeberin PSE Consulting nach London geladen. Die Tagungen fanden im Institute of Directors, einem Wahrzeichen des gregorianischen Erbes statt. Das Gebäude ist im Besitz des Krongutes der Britischen Krone. Es wurde von John Nash, einem Architekten aus dem 19. Jahrhundert entworfen. Gebaut wurde es zwischen 1826 und 1828. Der Architekt entwarf unter anderem auch den Brighton Pavillon und den Marble Arch. Auf dem Kongress wurden Projekterfahrungen und landesspezifische Trends ausgetauscht.

Hier die Highlights: 

Estland
Mehrere grosse Handelsketten bestreben Zahlkarten mit ihren Treueprogrammen zu verknüpfen, jedoch möglichst unabhängig von den Kartenherausgeberinstituten.

Frankreich
Die zwei grössten Handelsketten stellen das Vier-Parteien-Prinzip bei Zahlkarten in Frage. Sie liessen sich von verschiedenen Anbietern alternative Ansätze erarbeiten und offerieren.
Groupama und Orange bieten einen Online-Bankdienst, Telekommunikationsdienste und auch ein E-Wallet aus einer Hand an.

Italien
In Italien sind mehr Prepaid-Zahlkarten als klassische Kreditkarten im Umlauf.

Dänemark
75% aller POS-Terminals in Dänemark sind NFC-fähig. Bereits 50% aller möglichen Contactless- Transaktionen werden kontaktlos durchgeführt. Dies entspricht 30% des Umsatzes. NFC wird auch gerne bei Beträgen ab € 25 eingesetzt. Händler setzten auf NFC in erster Linie aus Image-Gründen, aber auch um die Wartungskosten der Terminals zu senken. Verarbeitungsgeschwindigkeit ist lediglich ein sekundäres Thema.

Ungarn
Die Behörden werden in den nächsten Monaten ein Gesetz verabschieden, um die Zahlkartenindustrie besser zu regulieren. Es werden grössere technische und finanzielle Aufwände erwartet, um den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden.

Grossbritannien
Der Einsatz von Apple-Pay und Android-basierten Zahlungslösungen hält sich in Grenzen. Die Entwicklungen von benutzerfreundlichen und bedarfsgerechten Softwareapplikationen haben sich als aufwendiger als ursprünglich angenommen herausgestellt.
Es wird ein Gesetz erwartet, welches den Bürgern das Recht geben soll, bis zu gewissen Beträgen auch bei elektronischen Zahlungsformen anonym zu bleiben.
Verschiedene Bankinstitute haben eine Interessengemeinschaft gegründet, um die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 effizienter umsetzen zu können.
Auch der BREXIT wurde in informellen und formellen Gesprächen thematisiert. Man ist der Ansicht, dass dieser aus technischer Sicht keinen Einfluss auf den Zahlungsverkehr haben wird.

Schweiz
Um den Anwesenden einen Einblick in den Schweizer Markt zu geben, wurden unter anderem die verschiedenen Bestrebungen bezüglich Umsetzungen und Einführungen von ISO20022 und EBICS erwähnt. Interessiert waren die Anwesenden auch an der Fusion von Paymit und Twint sowie am Schweizer Markteintritt von Apple Pay (T). Überrascht reagiert wurde auf die Schweizer Zurückhaltung in Bezug auf PSD2.

Als letztes Traktandum stand auf der Kongressagenda die Wahl des Vorstandsvorsitzenden. René Heusser von PPI Schweiz wird für die EPCA die nächsten zwölf Monate dieses Amt innehaben.
Das nächste Treffen ist im Frühling 2017 in Ungarn geplant. Gerne werden wir Ihnen wieder von den aktuellen Entwicklungen berichten.

Informationen zu EPCA finden Sie unter folgendem Link:
www.epca.de


Für Sie gebloggt hat Alberto De Gruttola, PPI Schweiz


Alberto De Gruttola ist Experte in Themen wie Digitalisierung von Geschäftsmodellen, Digitaler Zahlungsverkehr und Digitales Dokumentenmanagement. Er verfügt über ein technisches sowie betriebswirtschaftliches Studium.

Sein Focus liegt in der Aufgliederung von Unternehmensanforderungen und der Projektleitung. Im Digitalen Zahlungsverkehr ist er besonders in den Bereichen E-Wallet und Card Not Present spezialisiert.

Sein Credo heisst: „Digitalisierung ist kein Endzustand, sondern ein beständiges Bestreben nach maximalem Erfolg, mittels Arbeitsprozessen und Informationstechnologien.“

#EPCA #PSD2 #NFC