Posts mit dem Label SIX werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label SIX werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Swiss Banking Services Forum 2023 von SIX: Ein Rückblick

Am Mittwoch, dem 6. September 2023, fand das Swiss Banking Services Forum 2023 von SIX in Zürich statt. Unter dem Motto "Kundenerlebnisse im digitalen Zeitalter" versammelten sich Experten und Führungskräfte aus der Finanzbranche, um über die neuesten Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen zu diskutieren.

Prof. Dr. Sita Mazumder eröffnete die Veranstaltung mit einer Präsentation zum Thema "Kundenerlebnisse im digitalen Zeitalter". Sie betonte die Bedeutung der Kundenorientierung und rief die Finanzbranche dazu auf, den Fokus stärker auf die Verbesserung des Kundenerlebnisses zu legen. Eine zentrale Frage, die sie stellte, war: "Für wen tut man was?" Dabei sollte man den Business-Aspekt nicht vergessen und auch immer die Frage stellen "wer ist bereit dafür etwas zu bezahlen?". Die vielfältigen Kundenbedürfnisse genau verstehen und erfüllen ist das eine, der Ertrag daraus das andere.

Santosh Ritter von Visa Schweiz enthüllte die Vision von Visa, welche sich je länger je mehr vom Karten-Schema-Provider zum Tech-Unternehmen entwickelt. Nichtsdestotrotz, Visa verarbeitet täglich beeindruckende 700.000 Transaktionen allein in der Schweiz. Die drei wichtigsten Kundenversprechen von Visa sind Schnelligkeit, Sicherheit und Bequemlichkeit. Ritter betonte auch die massive Investition von Visa in Cybersicherheit und die Integration von KI-Modellen zur Betrugsprävention. Eine Herausforderung besteht darin, "Click to Pay" auf den Markt zu bringen, eine Weiterentwicklung im schnellen, sicheren und bequemen Internet-Check-out.

Ein interessanter Ansatz von Google, präsentiert von Andrew Vieira, war die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI), um Kunden schnell und unkompliziert Informationen bereitzustellen. Diese Technologie soll bei komplexen Entscheidungen wie dem Kauf eines Autos oder Hauses helfen. Die Proaktivität von Google, Kundenbedürfnisse zu erkennen und ihnen massgeschneiderte Lösungen anzubieten, wurde betont. In seinen Mockups zeigte Andrew beispielsweise, wie in einer Banken-App auf die Frage nach einem Autokredit der Kunde im Kaufprozess unterstützt werden könnte (bis hin zu Vorschlägen, welches Automodell für ihn passend sein könnte).

Markus Kilb, CEO von Twint, zeigte, wie das Unternehmen stetig wachsende Transaktionszahlen verzeichnet. In Zukunft soll Twint aber mehr als reine Bezahl-App sein, so ermöglicht Twint in einem demonstrierten Anwenderfall, wie Kunden sogar, nach Ladenschluss in ausgewählten Geschäften einkaufen können. Twint wird quasi zum Türöffner. Eine wichtige Neuerung bei Twint ist "Buy now pay later", bei dem Kunden bei bestimmten Händlern entscheiden können, ob sie sofort oder erst in 30 Tagen bezahlen möchten.

Die Paneldiskussion "Wer macht das Rennen – Banken vs. Big Techs" brachte wichtige Erkenntnisse. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Banken ihre Stärken in der persönlichen Beratung und Kundenbetreuung haben, insbesondere bei komplexen Finanzdienstleistungen. Big Techs hingegen sind agiler bei der Identifizierung von Kundenbedürfnissen und der Entwicklung innovativer Lösungen.

Eine Schlussfolgerung der Diskussion war, dass Banken und Big Techs nicht als Konkurrenten, sondern als potenzielle Partner betrachtet werden sollten. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten kann dazu beitragen, die besten Lösungen für die Kunden zu finden und sich ständig weiterzuentwickeln, um den sich verändernden Anforderungen des Finanzmarktes gerecht zu werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines kooperativen Ansatzes, um das Beste aus beiden Welten zu nutzen und die Zukunft des Finanzwesens erfolgreich zu gestalten.

Dieser Blog wurde von Stefania Guberinic gepostet

Open Banking Teil 2 | Verhelfen neue Ideen dem Thema Open Banking in der Schweiz zum Durchbruch?

Von einer wie in der EU vom Regulator getriebenen Öffnung der Banken für Third Party Providers (TPP) will man hier in der Schweiz nichts wissen. An dieser Haltung hat sich seit 2018 nichts geändert. Dennoch erkennt der Finanzplatz auch hier die Zeichen der Zeit und Dejan Juric (ehem. Head Connectivity, SIX Banking Services) forderte zurecht bereits im Oktober 2018 auf dem Swiss FinTech Day der UBS «Die Schweiz braucht einen Open Banking API Standard».

In der Folge bildeten sich in der Schweiz einige Open Banking Initiativen und auch die SIX begann fleissig am eigenen Open Banking API Standard zu arbeiten. Die Namensfindung dafür gestaltete sich anfänglich etwas schwierig, letztlich einigte man sich aber auf «b.Link». Dieser durch die SIX getriebene Standard beruht, im Gegensatz zur PSD2 der EU, auf freiwilliger Basis. Die hiesigen Finanzinstitute sind demzufolge nicht verpflichtet, entsprechende Schnittstellen anzubieten. Auch verfolgt b.Link, anders als die PSD2, einen Plattformgedanken. Anstelle eines bilateralen Austausches zwischen Finanzinstituten und TPPs, zertifizieren sich bei b.Link die Teilnehmer pro Use Case ein einziges Mal und werden dadurch zu vertrauenswürdigen Partnern für alle angeschlossenen Banken und TPPs.

Maue Ausbeute

b.Link startete mit den beiden Use Cases AIS (Account Information Service) und PSS (Payment Submission Service). Stand heute partizipieren bankseitig die Zürcher Kantonalbank, UBS und Credit Suisse und auf der Seite der Drittanbieter lediglich KLARA. In Anbetracht der mageren Anzahl Teilnehmer können wir hier noch nicht von einem Erfolg sprechen. Die Frage bleibt somit bestehen: Gibt es für den Erfolg der b.Link – Plattform sowas wie das Ei des Kolumbus? Die Branche zerbrach sich in den vergangenen Monaten darüber den Kopf und wartet nun mit zwei neuen Ideen auf.

On-Premise Lösungen

Das b.Link Angebot besteht gegenwärtig ausschliesslich für Cloud basierte Anwendungen. Man verspricht sich nun von einer On-Premise Lösung eine breitere Marktakzeptanz. Ein zentrales Problem für lokal installierte On-Premise Lösungen stellen jedoch die Verwaltung der technischen Token sowie das Consent Management dar. Kleinere IT-Firmen sind verständlicherweise oft nicht in der Lage, die technischen Grundvoraussetzungen selbstständig und kostengünstig erfüllen zu können. Findet die SIX eine Lösung diesem Umstand beizukommen, knackt sie damit ein zusätzliches Nutzerpotenzial auf und steigert dadurch erheblich die Marktrelevanz von b.Link.

OpenWealth

Neben den bestehenden Use Cases AIS und PSS verlagert die SIX den Fokus nun zusätzlich in Richtung Wertschriften. Auch damit verspricht man sich mehr Erfolg für die hauseigene Plattform b.Link.

Ein konkreter Anwendungsfall zielt darauf ab, Drittanbietenden über standardisierte Schnittstellen Depotinformationen ihrer Kunden zugänglich zu machen. Diese Informationen können schliesslich in aggregierter Form visualisiert werden. Durch die Einführung des entsprechenden Use Case, und aufgrund einer gesamtheitlichen Portfolioübersicht, sind TPPs weiter in der Lage, ihren Kunden eine allumfassende Finanzberatung anzubieten. Die gesamtheitliche Portfolioübersicht bringt den Kunden den Mehrwert, das Risiko Ihrer Anlagen besser abschätzen und die Steuererklärung dank eines Multi-Instituts-Wertschriftenauszuges mit weniger Aufwand ausfüllen zu können.

Mehr Informationen zu diesem Anwendungsfall finden Sie im PPI-Whitepaper.

The winner takes it all? – Was sind die Erfolgsfaktoren für Open Banking in der Schweiz

Es bleibt weiter ungewiss, ob es jemals einen fixen Standard für Open Banking in der Schweiz geben wird. Auch wird die Zeit zeigen, ob sich b.Link im Ring mit den weiteren Open Banking Initiativen durchsetzen kann. Ausschlaggebend hierfür wird aus unserer Sicht letztlich ein Konglomerat an verschiedenen Erfolgsfaktoren sein. Stefan Bieri (Masterstudent Wirtschaftsinformatik HSLU 2020er Jahrgang) hat in Zusammenarbeit mit PPI Schweiz in seiner Masterthesis wichtige Erfolgsfaktoren für Open Banking in der Schweiz herausgearbeitet. Diese möchten wir Ihnen in der Folge gerne vorstellen, in der Hoffnung, damit konstruktiv zur Diskussion rund um Open Banking und dessen Erfolgschancen in der Schweiz beizutragen.

  • Sicherheit und Vertrauen sind die Basis für Open Banking.
  • Open Banking sollte als Chance und nicht Gefahr betrachtet werden.
  • Die technische Ausarbeitung der Schnittstelle und die des Use Case sind zweitrangig. Es muss jedoch zwingend beachtet werden, dass die Austauschformate und Schnittstellen international anerkannten Standards entsprechen. Andernfalls könnte die Akzeptanz der Plattform wie auch die des Use Case darunter leiden.
  • Nicht nur der Einsatz einer standardisierten Schnittstelle ist von zentraler Bedeutung, sondern auch die Wahl der richtigen Schnittstelle. Damit lässt sich vermeiden, dass TPPs sich innerhalb von Gemeinschaften für die Erstellung eigener Schnittstellen einsetzen.
  • Durch die Nutzung von nur einer standardisierten Schnittstelle können unnötige Implementierungen zu proprietären Schnittstellen, und dadurch unzählige weitere Verträge, vermieden werden. Die Implementierungskosten bei den Banken innerhalb des Core-Banking-Systems bleiben überschaubar und TPPs können schnell und zeitnah integriert werden.
  • Die Zertifizierung sollte schnell, einfach und kostengünstig ablaufen. Die notwendigen Sicherheitsanforderungen müssen jedoch stets eingehalten werden.
  • Die Vertragsaushandlung sollte unkompliziert und mit wenig Aufwand verbunden sein. Zudem sind bilaterale Verträge mit einzelnen Anbietern zu vermeiden.
  • Die entsprechenden Use Cases sollten vom Markt und nicht von der SIX getrieben werden.
  • Für die Aggregation von Daten, über mehrere Bankenbeziehungen hinweg, ist deren Aktualität wie auch deren Vollständigkeit entscheidend. Dabei sind insbesondere der Bestand, die Referenzdaten der Anlagen sowie auch der Kaufpreis von zentraler Bedeutung.
  • Die Plattform sollte ein attraktives Preismodell aufweisen und auch kleineren TPPs die Möglichkeit bieten am System teilzunehmen. Zudem sollten die Schnittstellenkosten so tief wie möglich gehalten werden.
  • Die SIX muss sich in Zukunft generell gegenüber TPPs öffnen. Dabei gilt es, nicht nur TPPs aus dem Bereich Buchhaltungslösungen zu unterstützen. Ein Use Case für z.B. Depotinformationen bringt eine ganz neue Teilnehmergruppe für b.Link - Wealth- Management-Lösungen.

Es entspricht der DNA der Schweiz, dass sich der Regulator hierzulande dezent im Hintergrund hält und der Markt selber Initiativen hervorbringen kann und muss. Nicht immer ist das in der Umsetzung der effizientere Ansatz, aber auf lange Sicht ist es wohl der innovativere und letztlich hoffentlich auch derjenige, der den Endkunden den grössten Mehrwert bringt.


Wir bleiben jedenfalls am Thema dran und freuen uns über eine angeregte und konstruktive Diskussion mit Ihnen. 

Dieser Blog wurde vom Open Banking Team publiziert




24/7/365 Payments in der Schweiz – Eine PPI Situationsanalyse

Seit gut einem Jahr beschäftigen sich die Schweizer Grossbanken auf Anregung der Schweizerischen Nationalbank mit dem Thema Instant Payments (IP) für den Finanzplatz Schweiz. Orchestriert werden die Analysen von einer «Big Three» Consulting-Gesellschaft im Rahmen einer Studie unter Einbezug der Top-Level Manager der jeweiligen Finanzinstitute.
Der nachfolgende Blogbeitrag analysiert die aktuelle Situation zum Thema in der Schweiz, stellt die Sichtweisen der relevanten Akteure dar und gibt Empfehlungen für ein mögliches weiteres Vorgehen ab.

Schauen wir zunächst auf unsere Nachbarn im SEPA-Raum. Im November 2017 wurde SEPA Instant Payments als eigenständiges auf der SEPA basierendes Schema lanciert. Innerhalb von 10 Sekunden können Kunden der freiwillig teilnehmende Banken Beträge mit einer Transaktionsgrenze von 15'000 EUR (ab Juli 2020 100'000 EUR) End-to-End rund um die Uhr versenden und empfangen. Die Gutschrift beim Begünstigten wird unwiderruflich verbucht. Stand heute sind 22 Länder und über 2'000 Banken in Europa erreichbar. Das Instant Payments Transaktionsvolumen beträgt derzeit ca. 5% aller SEPA-Transaktionen.

Ausserhalb des SEPA-Raums gibt es noch weitere produktive Instant Payments Systeme ausserhalb des Euros. Zu erwähnen wären hier beispielsweise «Faster Payments» in England (seit 2008), «Express ELIXIR» in Polen (seit 2012), «CERTIS/AMOS» in Tschechien (seit 2018) oder die auch hierzulande bekannte mobile Lösung «Swish» aus Schweden (seit 2012). Rund um den Globus sind weitere produktive Instant Payment Lösungen im Markt angekommen, z.B. «New Payments Platform NPP» in Australien (seit 2018), «IBPS» in China (seit 2010) oder das aktuelle Projekt «Realtime Payments» vom US Clearing House.

Wie stellt sich zurzeit die Situation in der Schweiz dar? In Gesprächen mit Bankvertretern wird oft das Argument ins Feld geführt, dass hierzulande mit der zentralen SIC-Plattform bereits ein Realtime-System zur Verfügung stehen würde und Kunden schon heute mit der TWINT-App Instant Payments tätigen können. Zudem sei die Nachfrage bei den Kunden nach Instant Payments nicht wirklich vorhanden. Aus Sicht PPI stellt SIC selbstverständlich eine gut aufgestellte zentrale Plattform mit über 300 teilnehmenden Banken zur Verfügung und die Überweisungen sind zu den Cutoff-Zeiten in der Regel auch sehr kurz, man könnte sagen «near instant» und für Nutzer von TWINT ist für Kleinbeträge das Empfinden in der Tat instant, dies sogar rund um die Uhr, auch samstags und sonntags.

Mit den eingangs erwähnten produktiven Angeboten in Europa und auch international kann die hiesige Infrastruktur jedoch nicht ganz mithalten, was auch die Initiative der Schweizerischen Nationalbank unterstreicht. Aus Sicht des Betreibers der SIC-Plattform soll sich der Finanzplatz Schweiz in Anbetracht der zunehmenden Konkurrenz im internationalen Zahlungsverkehr Gedanken machen, in welcher Art und Weise Instant Payments in der Schweiz eingeführt werden könnte. Als Konkurrenz sind denn auch nicht nur ausländische Banken gemeint, sondern in erster Linie auch Lösungen der sog. «GAFA» (Google, Apple, Facebook und Amazon) aus den USA oder sog. Closed Loop Systeme wie Alipay aus China.

Die Vertreter der SNB sehen ein grosses Potential für Instant Payments in der Schweiz und wünschen sich ein kooperatives Vorgehen der Schweizer Finanzinstitute mit dem Ziel ein IP-Schema für Schweizer Franken mit freiwilliger Beteiligung der hiesigen Banken zu implementieren. Idealerweise würde SIX als operativer Betreiber des aktuellen Systems SIC4 eine neue separate Plattform aufbauen und diese gemeinsam mit den Banken im Markt einführen. Eine der grössten Herausforderung für eine Markteinführung besteht im Umstellungsbedarf der Zahlungsverkehrsinfrastrukturen bei den Banken.

PPI-Umfragen bestätigen einen grossen Handlungsbedarf bei den Zahlungsverkehrs-Systemen im Falle einer Umstellung auf Instant Payments. Insbesondere die Hochverfügbarkeit (24/7/365) stellt eine grosse Herausforderung dar, was auch das Zitat von Jürgen Kaczmarek von der DZ BANK mit produktivem IP-Angebot, verdeutlicht: «Die grösste Herausforderung bei Instant Payments ist das Betreiben einer unterbruchfreien Infrastruktur, 24 Stunden, 7 Tage die Woche an 365 Tagen im Jahr». Die jeweiligen Umsetzungszeiten für das Erreichen einer IP-Compliance werden von den Finanzinstituten im Rahmen von einem halben Jahr bis zu zwei Jahren angegeben.

Es liegt auf der Hand, dass solche Systemanpassungen erhebliche Investitionen seitens der Banken mit sich bringen und aus diesem Grund nach einem Business Case gesucht wird. Denkbar wäre z.B. das Erheben von Gebühren auf Instant Payments, wie es z.B. in Frankreich mehr oder weniger erfolgreich praktiziert wird. In Märkten wie Deutschland oder der Schweiz scheint dieser Ansatz allerdings wenig erfolgsversprechend, da die Kundschaft, insbesondere im Retail- und KMU-Geschäft, den Zahlungsverkehr als kostenlose Dienstleistung betrachtet. Dies würde sich auch mit Instant Payments kaum verändern.

Nichtsdestotrotz können die Banken das Thema nicht einfach ignorieren. Wie sagte kürzlich ein Bankenvertreter: «es wird sowieso kommen, die Kunden werden es als selbstverständlich fordern und wenn wir es nicht anbieten können, spielen wir im Zahlungsverkehr keine Rolle mehr». Selbstverständlich ergeben sich auch bei Instant Payments Chancen für die Banken. Diese liegen jedoch viel eher im strategischen Bereich, wo es darum geht das Bankkonto als Ankerprodukt zu verteidigen und gegebenenfalls durch geschickte Kooperation mit Drittanbietern das oft zitierte, für alle nutzenbringende, Ökosystem aufzubauen.


Gemäss unseren Erfahrungen mit IP-Projekten in Europa und in Anbetracht der doch relativ langen Implementierungszeiten, sollten jetzt die Analysen abgeschlossen und die Planungsarbeiten für eine IP-Einführung auf dem Finanzplatz Schweiz gestartet werden. Wohlwissend, dass gewichtige weitere nationale Initiativen wie QR-Bill, eBill oder b.Link ebenfalls Ressourcen benötigen und auch in Zukunft noch benötigen werden, kann aus strategischer Sicht das Thema Instant Payments nicht auf die lange Bank geschoben werden. Die erwähnten konkurrierenden Payments Provider werde auf die speziellen Umstände im Schweizer Markt keine Rücksicht nehmen.

PPI unterstützt Schweizer Finanzinstitute mit Instant Payments Workshops, dem «Payments Speed Checkup» und Strategie-Entwicklungen. Gerne treffen wir uns mit Ihnen zu einem ersten, kostenlosen, unverbindlichen Gespräch (auch online).


Dieser Blog wurde von Carsten Miehling gepostet

QR-Rechnung geht in Konsultation - was geplant ist


In diesen Tagen startet das einmonatige Konsultationsverfahren zu den geplanten Änderungen bei der QR-Rechnung. PPI Schweiz beschäftigt sich von Anfang an detailliert mit der Einführung und Gestaltung der QR-Rechnung und gibt Ihnen nachfolgend einen Überblick über die geplanten Anpassungen.

Einführung einer Perforationspflicht für papierbasierte Zahlungen

Auch wenn die QR-Rechnung den Grundstein für eine voll digitale Abwicklung von Zahlungen legt, ist davon auszugehen, dass noch eine erhebliche Anzahl von Rechnungen papiergebunden bezahlt werden. Bei den heutigen Belegen liegt dieser Anteil bei einer Grössenordnung von etwa 18 Prozent. Da diese Belege nach ihrer Vorlage an einem Postschalter digitalisiert und elektronisch weiterverarbeitet werden, ist ein einheitliches Format nötig. Aus diesem Grund ist es vorgesehen, bei physisch versendeten QR-Rechnungen eine Perforation verpflichtend zu machen, damit der Zahlteil im Format A6 einfach von der Rechnung abgetrennt werden kann. Bei elektronisch versendeten QR-Rechnungen entfällt logischerweise die Perforationspflicht, jedoch müssen Linien zur Abgrenzung des Zahlteiles und des Empfangsscheines gedruckt werden und mit einem Scherensymbol gekennzeichnet werden.

Einführung eines Empfangsscheins

Von den aktuellen Einzahlungsscheinen bestens bekannt ist der Empfangsschein. Dieser wird beim Einzahlen am Postschalter in typischer Post-Manier abgestempelt und vom Einzahler zusammen mit der Rechnung ordentlich abgelegt. Offenbar hat sich dieses Stück Papier so stark etabliert, dass man auch bei der QR-Rechnung nicht darauf verzichten will. Scheinbar kommt diese Anforderung ebenso wie die vorgehende von der Post, die die Belegbearbeitung offenbar so wenig wie möglich anpassen möchte.

Vereinfachung bei den strukturierten Adressen

Während die beiden zuvor erwähnten Änderungen hauptsächlich physischer Natur sind, wird es jetzt eher technisch. Im Datencode der QR-Rechnung sollen Adressen von Zahler und Begünstigten strukturiert hinterlegt werden. Einen Exkurs zur Strukturierung von Adressen im Zahlungsverkehr finden Sie in einem früheren Blog.

Ursprünglich war es angedacht, Adressen im QR-Code sauber zu strukturieren, also Strasse, Hausnummer, Postleitzahl und Ort kämen jeweils in ein eigenes Attribut. Diese Planung wird mit den neuesten Vorhaben etwas aufgeweicht, indem Strasse und Hausnummer gemeinsam in einem Attribut abgefüllt werden dürfen, ebenso Postleitzahl und Ort. Es wird dem Rechnungssteller, respektive seiner Software überlassen, welche Form der Strukturierung er wählt.

Keine Anzeige von Strukturinformationen des Rechnungsstellers

Bisher galt der Grundsatz: Was im Datencode codiert wird muss auch im Sichtteil lesbar vorhanden sein. Dazu gehörten auch strukturierte Informationen des Rechnungsstellers. Solche Informationen können zum Beispiel Swico-Codes sein, die Zahlung mit Informationen zur Rechnung anreichern. Wie es scheint, will man den Sichtteil übersichtlicher gestalten und nur noch zahlungsverkehrsrelevante Daten dort andrucken. Strukturinformationen werden zwar weiterhin im Datencode hinterlegt und können beim Scanning desselben auch mit der Zahlung übermittelt werden. Bei der Erfassung von Hand würden sie jedoch verloren gehen.

Vereinfachung der Kombinationsmöglichkeiten bei strukturierten Referenzen

Mit der Einführung der QR-Rechnung kommt auch die IBAN zu neuer Bedeutung. Es wurde sogar eine neue IBAN geschaffen, um das ESR-Verfahren so reibungslos wie möglich abzulösen. Damit nicht genug. Während wir heute genau eine Variante einer strukturierten Referenz im Retail-Zahlungsverkehr kennen – nämlich die ESR-Referenz – wird mit der QR-Rechnung auch die internationale Structured Creditor Reference nach ISO 11649 unterstützt. Identifikationsmerkmal, dass es sich im eine Zahlung mit strukturierter Referenz handelt, war u.a. die QR-IBAN. Oder andersherum ausgedrückt: Wird eine strukturierte Referenz verwendet (QR-Referenz oder Creditor Reference), ist zwingend die QR-IBAN zu verwenden.

Der neue Vorschlag grenzt die Verwendung der QR-IBAN zu Gunsten des ESR-Verfahrens ein. So darf bei Verwendung der QR-IBAN keine ISO Creditor Reference verwendet werden sondern ausschliesslich die QR-Referenz (=ESR-Referenz). Im Fall der Verwendung der ISO Creditor Reference muss die "normale" IBAN verwendet werden.

Vorerst keine Verwendung des "Endgültigen Zahlungsempfängers"

Die Verwendung von Zahlungsempfänger und Endgültiger Zahlungsempfänger erscheint zum Zeitpunkt der Einführung zu komplex. Der im Fachjargon bekannte "Ultimate Creditor" war bisher optional nutzbar. Das Konsultationsverfahren sieht nun eine Verwendung nicht mehr vor, behält sich jedoch vor, die Nutzung zu einem späteren Zeitpunkt zu ermöglichen.

Vorerst keine Verwendung des Feldes für alternative Verfahren

Auch hier wird aus Komplexitätsgründen die Verwendung alternativer Verfahren für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen. Als alternatives Verfahren des QR-Codes war bisher TWINT vorgesehen.

Einführung einer lizenzfreien Schriftart für nicht Microsoft-User

Die Einschränkung auf lizenzfreie Schriftarten unter Microsoft wird aufgehoben. Neu soll eine zusätzliche Schriftart freigegeben werden, damit in jeder Systemumgebung eine solche zur Verfügung steht, die keine Lizenzkosten verursacht.


PPI Schweiz wird am Konsultationsverfahren teilnehmen und ihre Einschätzung zu den geplanten Änderungen kundtun. Wünschen Sie nähere Informationen zur Einführung der QR-Rechnung, stehen wir Ihnen mit einer breiten Angebotspalette auf www.qrbill.ch zur Verfügung.

Direkt zum Konsultationsverfahren gelangen Sie über folgenden Link: Konsultation zu den Implementation Guidelines QR-Rechnung



Dieser Beitrag wurde von Marco Vosseler gepostet.


#QRBill #QRRechnung #Konsultationsverfahren

SIX on Cyber Security

Unter diesem Titel lud SIX am 1. März 2018 um 17:00 Uhr zu einem Event im Convention Center in der Pfingstweidstrasse 110 in Zürich ein.

Nachdem sich die Besucher registriert hatten, bot sich bei einem Begrüssungsapéro schon die erste Gelegenheit zum Austausch. Die Neugierde auf das Kommende stieg mit jedem Gespräch.
Hierzu ist zu erwähnen, dass im Unterschied zu anderen IT-Anlässen, bei denen Frauen auf dem Podium oder in Paneldiskussionen die Seltenheit sind, SIX drei Referentinnen und eine Moderatorin in der Einladung aufführte. Man(n) war sehr gespannt.

Die Begrüssung des Publikums, das Convention Center war bis auf den letzten Platz besetzt, übernahm Christoph Landis, seit einem Monat Head-IT bei SIX.
In seiner Ansprache präsentierte er einige imposante Zahlen:
  • 4 % der Schweizer Unternehmen nutzen Artificial Intelligence, um sich vor Cyberangriffen zu schützen. (Quelle: KPMG)
  • 40 % der Schweizer Unternehmen gehen davon aus, dass die Angreifer aus dem Netz zukünftig Artificial Intelligence verwenden werden. (Quelle: KPMG)
  • 8 Millionen  Spam- und Phishing-Attacken kennt das selbstlernende System Watson und kann sie mit Angriffen abgleichen.
  • 1 Milliarde  Security-Events treten täglich im Netzwerk von SIX auf. Das reicht von einer verdächtigen E-Mail bis hin zum versuchten Login auf das Börsen-System.
Grund genug in die Keynotes einzusteigen!

Die bekannte Schweizer Journalistin und Moderatorin Christine Maier kündigte die erste Referentin an.
Keren Elazari, ehemalige Hackerin und nun Cybersicherheitsexpertin, ist eine international renommierte Rednerin, Forscherin und Autorin in allen Fragen der Cybersicherheit. Keren öffnete dem Publikum in engagierter, spannender und interessanter Art die Angriffsmöglichkeiten und Arbeitsweisen der modernen Hacker. Als kleines Beispiel sei hier ein bekanntes Casino erwähnt, welches als Kundenattraktion ein riesiges Aquarium installieren liess. Die Lichtsteuerung des Aquariums wurde über das Internet verwaltet. Obwohl das Kasino umfassende Sicherheitsmassnahmen für den Schutz des eigenen Netzwerkes installiert hatte, vergass es, die Verbindung des Aquariums zu sichern. Und genau diese Verbindung wurde von Hackern genutzt, um ihre Angriffe zu starten.
Keren wies auch auf die Wichtigkeit der sogenannten „Bug Bounty Programme“ hin, welche entscheidend zur Verbesserung des Schutzes gegen Cyber Kriminalität beitragen. Da für „White Hat“ Hacker Geld meist nicht die treibende Motivation ist, vergibt zum Beispiel Tesla neben dem Geld auch Awards, welche in der Community hochgeschätzt werden. Es würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, im Detail auf Kerens Referat einzugehen. Darum soll ihr folgendes Zitat einen Eindruck über ihre Aussagen und ihr Wirken geben: „Das Schöne an Hackern liegt darin, dass sie uns zwingen, uns weiterzuentwickeln und zu verbessern. Ja, manche Hacker sind Schurken, aber andere arbeiten daran, Korruption zu bekämpfen und sich für unsere Rechte einzusetzen. Dadurch, dass sie Schwachstellen offenlegen, machen sie das Internet stärker und gesünder und nutzen so ihre Macht, um eine bessere Welt zu schaffen“.

Als zweite Referentin sagte Christine Maier Sandra Schweingruber an.
Sandra Schweingruber ist Staatsanwältin des Bundes mit Spezialbereich Cyber Crime. Das Thema von Sandra Schweingruber war „Cyber Crime - entgrenzte Kriminalität“. „Die organisierte Kriminalität profitiert von der Globalisierung, da sich die Entgrenzung der Welt positiv auf das Geschäftsmodell netzwerkartiger Aktivitäten und einer internationalen Logistik auswirkt. Auch Cyber Crime kennt keine Grenzen, ganz im Gegenteil. Die Entgrenzung macht vieles erst möglich. Täter und Opfer können von jedem Ort der Welt angreifen, beziehungsweise angegriffen werden. Die Kriminalität der virtuellen Welt kann nur in enger nationaler und internationaler Kooperation angegangen werden. Mit bisher durchzogenem Ergebnis“. Im Gegensatz zur herkömmlichen Kriminalität, bei der Tatort und Schadensort in der Regel nahe zusammenliegen, sind die beiden Orte in der virtuellen Kriminalität in den meisten Fällen weit von einander entfernt, oft auf verschiedenen Kontinenten. Da die Justiz jedoch durch Ländergrenzen territorial begrenzt ist, stosst sie schnell an ihre Limite. Rechtsweg, Rechtshilfebegehren und dergleichen erschweren die Ermittlungen zusätzlich. Sandra Schweingrubers Referat machte einem bewusst, dass es ohne internationale Zusammenarbeit praktisch ein Ding der Unmöglichkeit ist, schnell und zielgerichtete Massnahmen zu ergreifen, um Hackergruppen zu fassen.

Als dritte Referentin durfte Christine Maier Sandra Tobler ankündigen.
Sandra Tobler ist Unternehmerin. Sie gründete Futurae zusammen mit zwei Doktoranden der System Security Group der ETH Zürich mit dem Ziel, die nächste Generation der Benutzerauthentifizierung in die Finanz- und Versicherungsbranche zu bringen. Das Thema von Sandra Toblers Referat war „Cyber Security in a fast changing world“. In einer Welt der zunehmenden Digitalisierung und Datengenerierung müssen Cyber Sicherheit und Datenschutz zu einer Selbstverständlichkeit für jedes Topmanagement werden. Regulatorische Rahmenbedingungen wie GDPR und PSD2 beschleunigen diesen Prozess weiter. Die Herausforderungen von morgen lassen sich jedoch nicht mit dem Denken von heute lösen. Diesem Denken zugrunde liegt auch die Geschäftsidee von Futurae. Sie entwickeln neue Authentisierungsverfahren mit dem Ziel, dass die Eingabe eines Passwortes bald Vergangenheit ist.

Im Anschluss an das Referat von Sandra Tobler wurden alle Referentinnen aufs Podium gebeten, um sich den Fragen des Publikums zu stellen und zu einzelnen Punkten ihre Gedanken zu diskutieren. Aus Sicht des Autors war die wichtigste Erkenntnis aus diesen Diskussionen, dass die Unternehmen ihre Scham verlieren sollten, wenn sie gehackt worden sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen nicht gehackt wird ist klein und wird immer kleiner. Nur Offenlegung, teilen und mitteilen helfen, dass die gesamte Sicherheit gesteigert werden kann.

Den Abschluss übernahm Christoph Landis, der es sich nicht nehmen liess, Werbung in eigener Sache zu machen und SOC – Security Operation Center und den SIX Cyber Hub anpries. Nachdem Christoph Landis die vier Damen unter grossem Applaus mit Blumensträussen verabschiedet hatte, lud er alle Teilnehmer zum gemeinsamen Nachtessen im angrenzenden Raum ein.

Bei Speis und Trank wurden die Impressionen des Anlasses nochmals intensiv diskutiert. Obwohl überall präsent, wird Cyber Crime immer noch nicht mit der bestmöglichen Intensität bekämpft.


PPI Schweiz unterstützt Sie bei Fragen zum Thema Cyber Crime und bietet Ihnen mit „cysmo“ ein einzigartiges Cyberrisk-Rating-Tool, welches Ihnen eine vollautomatisierte Live-Risikoeinschätzung innerhalb weniger Minuten liefern kann.

Dieser Blog wurde von René Heusser gepostet.

#Cyber #Cyberrisk #Events #SIX

Wie die Schweiz mit eBill die E-Rechnung zum Erfolg führen will

Digital Finance Experts Blog, PPI Schweiz, PPI, Zahlungsverkehr, Schweiz, ZV, EBICS, QR-Bill, LEON, Harmonisierung ZV, ebill, E-Bill, E-Rechnung, Blog, CH, Banken, Beratung, Consulting Digitalisierung, Automatisierung, papierloses Büro etc. Alles Begriffe, die Sie täglich hören. Sie kommen aus verschiedenen Bereichen, wie z.B. aus der Industriebranche, Verkaufsbranche bis hin zum Dienstleistungssektor. Sicherlich ist Ihnen auch aufgefallen, dass in den letzten Jahren die
Anzahl Personen am Postschalter mit einem gelben Büchlein abgenommen hat. Dies liegt bestimmt nicht daran, dass es weniger Rechnungen gibt. Die neuen technischen Möglichkeiten tragen zur Änderung des Kundenverhaltens bei. Die Mehrheit der Rechnungsempfänger ist nun online. Die Rechnung wird zu einem beliebigen Zeitpunkt im E-Banking erfasst und am gewünschten Valutatag ausgeführt. Das manuelle Erfassen ist jedoch nicht jedermanns Sache. Neben der mühsamen Erfassung und möglichen Fehlern ärgert man sich auch über die schlechte Performance des E-Bankings. Und anschliessend wollen die bezahlten Rechnungen auch noch im Papierordner versorgt werden.
Warum also nicht auf die E-Rechnung umsteigen?

E-Rechnung 
E-Rechnungen werden aktuell von über 90 Banken und über 1000 Unternehmen angeboten. Sie sind mehrwertsteuerkonform und genauso sicher wie Ihr E-Banking, da sie dessen Bestandteil sind. Damit Sie E-Rechnungen empfangen können, müssen Sie sich für diese anmelden. Für eine Anmeldung suchen Sie über Ihr E-Banking den gewünschten Rechnungssteller und melden sich bei diesem per Knopfdruck an. Bereits nach einigen Tagen erfolgt die Aufschaltung, nach welcher Sie Rechnungen von diesem Rechnungssteller in Ihrem E-Banking sehen können. Die neu erhaltenen elektronischen Rechnungen in Ihrem E-Banking heissen E-Rechnungen. Da alle Rechnungsangaben inklusive der Referenznummer in der E-Rechnung bereits erfasst sind, erfolgt die Zahlung schnell und unkompliziert. Sie müssen diese nur bestätigen. Sie haben auch die Möglichkeit, diese abzulehnen oder den Betrag anzupassen.

Was sind sonstige Vorteile einer E-Rechnung?
Neben der schnellen Bezahlung ist dieser Prozess komplett papierlos. Die Rechnung als solche ist elektronisch als PDF verfügbar. Sie können diese auch auf Ihrem Rechner speichern und bei Bedarf elektronisch weiterleiten. Die Archivierung der Papierrechnungen entfällt und bei einer strukturierten elektronischen Ablage haben Sie jederzeit schnellen Zugriff auf Ihre Rechnungen.

eBill
Wieso sprechen jetzt alle über eBill und nicht mehr über E-Rechnung? Ist das nicht dasselbe? Wieso braucht es hier überhaupt eine Änderung?

Durch das Projekt LEON (Lastschrift E-Rechnung Online Neu) wird aus der E-Rechnung die eBill. Neben der Namensänderung kommt es vor allem zu einer technischen Änderung bei den Finanzinstituten und teilweise auch bei den Kunden. Die aktuell über 90 Banken bieten eine jeweils eigene Plattform für die E-Rechnung als Bestandteil der bankeigenen E-Banking-Oberfläche. Das soll sich in Zukunft ändern.

Die SIX Paynet AG stellt ein neues Portal zur Verfügung, welches als Schnittstelle zwischen dem Rechnungssteller, dem Rechnungsempfänger und den Banken fungiert. Der Vorteil vom Portal ist, dass durch die zentrale Verwaltung von E-Rechnungen mehr Komfort für alle Beteiligten entsteht. Grössere Flexibilität, verbesserte Usability und Interoperabilität zwischen Banken und Postfinance werden von den Finanzinstituten geschätzt. Das Paynet-Portal ist multibanking fähig. Der Rechnungsempfänger kann sich direkt im Paynet-Portal einloggen, seine eBills verwalten und entscheiden, von welcher Bank bzw. von welchem Konto die eBill bezahlt werden soll. Da einige Banken eine Vollintegration von Paynet anstreben, werden sich die Kunden in diesem Fall direkt über das bankeigene E-Banking einloggen müssen.

Wieso ist die Schweiz vom eBill so überzeugt?
Wir erleben derzeit einen grossen Wandel im Bereich Zahlungsverkehr. Der heutige Kunde ist flexibel, digital unterwegs und verlangt schlanke Prozesse, welche schnell, von überall und mit möglichst einem Gerät erledigt werden können. Er möchte entscheiden können, welches Konto bei welcher Bank belastet werden soll. Dabei spielen Transparenz und Sicherheit eine grosse Rolle. Der Schweizer Finanzmarkt ist davon überzeugt, dass die neue eBill das bisherige Lastschriftenverfahren ersetzen wird. Dies zeigen die aktuellen Zahlen: Nur knapp 15% der Zahlungen werden über das Lastschriftenverfahren abgewickelt. Die meisten Kunden möchten die Transaktionen auf ihrem Konto kontrollieren und vor der Ausführung genehmigen. Eine automatische Belastung, welche bei Fehlern nur mit entsprechendem Aufwand rückgängig gemacht werden kann, hat ausgedient.

Ein kleiner Anteil der Finanzinstitute zweifelt jedoch am Mehrwert der eBill im Vergleich zur heutigen E-Rechnung. Ein grosses Fragezeichen machen sie beim Return on Investment. Speziell der Wechsel auf das neue Paynet-Portal fordert neben einer Systemintegration auch ein umfassendes Testing und eine Kundenmigration. Es bestehen auch neue Herausforderungen wegen engen Umsetzungsfristen und fehlenden Ressourcen, welche in aktuellen Projekten im Bereich ZV-Migration eingebunden sind.

Die Termine für die Umsetzung bei den Banken sind jedoch schon definiert.
Die Migration auf die neue E-Rechnungsplattform soll gemäss SIX bis Ende 2018 erfolgen. Über das Potenzial der eBill und über die Erfahrungen, welche die Banken gemacht haben, werden wir in unserem nächsten Beitrag zu diesem Thema berichten.

PPI Schweiz unterstützt Sie als LEON-Kompetenzzentrum bei Fragen zur neuen Lastschrift und eBill.

Für Sie gebloggt hat Alen Kasumovic

Bleiben Sie informiert: #WirLiebenZahlungsverkehr, #PPISchweiz, #DigitalFinanceExperts #LEONch

Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz – alter Wein in neuen Schläuchen?

digital finance experts blog
Verfolgt man die aktuellen Kommunikationskampagnen von SIX und den Banken zum Thema Harmonisierung ZV, dann wird unisono der Vorteil der Standardisierung für alle Marktakteure herausgestrichen. Insbesondere Firmenkunden sind in der Lage das Cash Management zu optimieren, die Prozesssicherheit zu erhöhen und ganz generell die Zahlungsverkehrsprozesse kostengünstiger zu betreiben und sich noch stärker in die digitale Wertschöpfungskette zu integrieren.

Was sich auf den ersten Blick etwas schwülstig und oberflächlich anhört, hat durchaus einen plausiblen Hintergrund, sofern die Möglichkeiten des neuen Formates ISO 20022 denn auch ausgeschöpft und genutzt werden. Genau hier liegt bei vielen Softwarelösungen, die aktuell ihre Readiness auf den Webseiten der Banken und von SIX kommunizieren, der sog. "Hase im Pfeffer begraben". Ein Grossteil der Softwarehersteller hat für die Umstellung auf das neue Format einen minimalistischen Ansatz gewählt. 

Konkret wird in sehr vielen Lösungen einfach der Dateninhalt des alten Formates (DTA oder EZAG) in die Struktur von ISO 20022 konvertiert. Obligatorische Felder werden automatisiert befüllt und zusätzliche Attribute weggelassen. Ziel ist es, in erster Linie keine Fehler bei der Einlieferung des neuen Formates bei den Banken zu produzieren. Die anfangs erwähnten Nutzenpotentiale werden nur von den wenigsten Herstellern erkannt und umgesetzt.

Was könnte konkret verbessert werden?
Da wäre zunächst einmal die Möglichkeit mittels strukturiertem Statusprotokoll (pain.002) direkt nach der Einlieferung die fehlerhaften Aufträge zu erkennen und zur Nachbearbeitung in der Software dem Kunden anzuzeigen. Durch die Möglichkeit der raschen Rückmeldung von Fehlern und Warnungen kann der Kunde seine Stammdaten augenblicklich korrigieren und den Auftrag neu einreichen. Einzelne Finanzinstitute melden sogar mehrere Stati zurück, sodass der Auftraggeber sehr schnell und sehr exakt weiss, wo sein Auftrag aktuell in der Verarbeitungskette der Bank steht.

Für weniger Abklärungen von Zahlungseingängen beim Empfänger sorgen zusätzliche Attribute, wie z.B. die End-to-End-ID, strukturierte Remittance-Informationen und die Angabe von Endbegünstigten. 
Diese und weitere Attribute müssten bei einer optimalen Lösung in den Oberflächen der Softwarelösungen erfassbar sein. Die Banken, wie auch SIX als zentrales Clearingsystem, sind heute in der Lage diese Informationen vom Auftraggeber bis zum Begünstigten ohne Informationsverlust zu transportieren.

Als dritter Optimierungspunkt sind die verbesserten Kontoauszüge (camt.052/053/054) zu erwähnen. Dank des neuen Formates ist es möglich, mehr und strukturiertere, d.h. automatisch zu verarbeitende Informationen von den Finanzinstituten zu erhalten. Neben der bereits erwähnten besseren Zuordnung von Zahlungseingängen zu offenen Posten ist es z.B. möglich, Gebühren und Umrechnungskurse bei Fremdwährungen automatisch zu verbuchen. Dank der (mehr oder weniger) einheitlichen Ausgestaltung der Reports sind auch automatisierte Gebührenvergleiche unter den Banken möglich.

Die Vorteile sind zu wenig bekannt
PPI ist der Meinung, dass diese Vorteile noch stärker kommuniziert werden müssten, damit die erwähnten Nutzenaspekte tatsächlich erreicht werden können. Mit diesem Blog ist ein erster Schritt getan und es werden sicher noch weitere Folgen. Denn etwas kann bereits an dieser Stelle aufgrund unserer Erfahrungen festgehalten werden: 
Der Nutzen der Harmonisierung ist sowieso schon sehr schwer zu kommunizieren. Es wird noch schwerer, wenn die wichtigsten Akteure – die Softwarehersteller -  bei diesem Vorhaben die vorhandenen Nutzenpotentiale nicht ausschöpfen und sich mit Minimallösungen begnügen.


Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling gepostet.

#HarmonisierungZV, #MigrationZV, #ISO20022, #SIX

Strukturierte Adressen - Die letzte Hürde vor einer barrierefreien Zukunft im ZV?

”Penalties for breaches of sanctions rules include unlimited fines for companies and could mean prison for some individuals“. Mit diesem Satz beschreibt SWIFT sein Event ”Payments standards changes for 2020 and why you should act now”. 
Dass es sich bei der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs in der Schweiz tatsächlich um ein ”serious business issue with real consequences” handelt, ist ebenfalls nichts Neues. Es besteht also definitiv Handlungsbedarf.

Wir sind endlich auf die Schlussgerade des Mammutprojektes ”Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz” eingebogen. Viele Institute haben im Interbank-Bereich bereits erfolgreich auf ISO 20022 umgestellt und nehmen auch kundenseitig die ISO-Formate an bzw. stellen diese bereit.

Somit ist alles bereit für eine barrierefreie Zukunft im Zahlungsverkehr, würde man meinen. Schliesslich sind nun die meisten Institute mit modernen, effizienten Plattformen ausgerüstet, um den neuen Anforderungen im Zahlungsverkehr gerecht zu werden.

Und tatsächlich tauchen diese neuen Themen am Horizont schon auf: LEON ist deutlich und klar zu erkennen. Das kommt ganz sicher. Aber auch Instant Payments schickt seine Rauchzeichen voraus. Blockchain scheint sich wieder zu verziehen, um dann vielleicht wie ein ehemals ruhender Vulkan doch noch auszubrechen. Ohne grosses Getöse, eher unbemerkt, schleicht sich ein weiteres Thema an. Dies sind die Adressinformationen des Zahlungspflichtigen und Zahlungsempfängers oder neudeutsch Debtor und Creditor.

Es gibt wohl kaum ein anderes Element im Zahlungsverkehr, welches eine breitere Vielfalt an Darstellungen kennt als eine Adresse bzw. Name und Adresse. Es ist eben nicht ganz klar, ob jetzt der Name schon zur Adresse gehört oder nicht.  

Ein altes / neues Thema

Wie einfach schien es doch in den letzten 40 Jahren im Zahlungsverkehr. Da war die Welt noch in Ordnung, klar gegliedert in 4x35. Erste Zeile meistens der Name, zwei Zeilen für die Adresse, die vierte Zeile für Land, Postleitzahl und Ort. Ein etwas längerer Name wurde auch schon mal auf zwei Zeilen umgebrochen.

Oder war’s die Postleitzahl, je nach Land mal vor dem Ort oder nach dem Ort? Und das Land? War das jetzt ISO-3166-mässig wie DE, FR usw. oder doch wie beim Autokennzeichen mit D- und F-? Oder ausgeschrieben als Deutschland bzw. Frankreich? Nein, das dann doch nicht, wir haben ja nur 35 Zeichen.

Jetzt haben wir den ISO-Standard und alles wird besser. Sollte man meinen. In der Tat aber haben wir  viel mehr Möglichkeiten und Varianten eine Adresse abzubilden. Und ja, jetzt reden wir nur von Adressen. Der Name hat nun ein eigenes Feld erhalten, was er sich nach 40 Jahren SWIFT-Standard auch redlich verdient hat. Die Adresse gibt es neu in strukturierten und unstrukturierten Varianten, um genau zu sein in teil-strukturierten Varianten. Im Schweizer Standard kennen wir natürlich beides, guter schweizerischer Kompromiss eben. Aber bitte nicht gleichzeitig, nur entweder oder. Im SEPA-Raum ist man da etwas pragmatischer, es gibt nur die teil-strukturierte Variante. Name und Land separat, der Rest in die <AdrLine>s.
Eine weitere Variante bietet auch die CGI, dort wird nämlich…. nein, das geht jetzt aber wirklich zu weit. Auf Facebook würde man hierzu wohl den Status ”It’s complicated” verwenden.

It’s complicated – Strukturierte vs. Unstrukturierte Adressen

SWIFT wird die unstrukturierten Adressen ab 2020 verbieten. Das heisst, Banken müssen sicherstellen, dass sie strukturierte Informationen bereits in ihren Stammdaten führen oder von ihren Auftraggebern schon so erhalten. Und zwar in einer Form, welche den Vorschriften der verschiedenen Organisationen (SWIFT, Regulatoren etc.) genügen. Bei den SWIFT-Meldungen geht es, nicht weiter überraschend, um die Felder :50x: und :59x:, welche ab 2020 nur noch in der F-Notation benutzt werden dürfen. Klingt einfach, schliesslich gibt es diese Notation schon länger, :50F: seit 2007 und :59F: immerhin seit 2015.
Es gibt sogar eine Bank, die das korrekt einsetzt, nämlich die grösste Schweizer Bank. Andere Banken und auch viele Software-Hersteller tun sich aber immer noch schwer damit. Wenn Sie nun also auf Ihrem Kontoauszug eine Gutschriftanzeige entdecken, auf welcher der Auftraggeber wie folgt lautet:

1/Rolf Zumsteg
2/Hauptstrasse 25
3/CH/8512 Thundorf

dann wissen Sie: 
  1. Sie haben Ihr Konto nicht bei dieser grossen Schweizer Bank (OK, das wussten Sie schon vorher)
  2. Ich dagegen habe mein Konto bei dieser Bank
  3. Ihre Bank kann nicht mit strukturierten Adressen (in diesem Fall Feld :50F:) umgehen 
  4. Ich wohne im wunderschönen Thurgau, aber das bringt uns hier auch nicht weiter. 
  5. Sie haben die korrekte Antwort auf unsere Quizfrage geliefert und ich Ihnen die entsprechende Prämie überwiesen.
Unterschiedlichste Gremien stellen neue Anforderungen, für welche wir uns vorbereiten müssen. SWIFT propagiert diese Vorgaben ja nicht aus eigenem Antrieb. Die FATF gibt konkrete Anweisungen vor, welche Informationen in einer Zahlung geprüft werden müssen. Der Swiss Anti Money Laundering Act gibt ebenfalls konkrete Bestimmungen vor und legt dabei die Verantwortung in die Hände der Banken.

Als Konsequenz müssen wir uns definitiv von der alten 4x35 Welt verabschieden. Das bedeutet auch, die ISO Umstellung ernsthaft umzusetzen. Alte Standards wie DTA und ähnliche gehören jetzt tatsächlich in die Mottenkiste. Nichts mit “ja, wir werden dann vielleicht doch noch etwas länger die alten Formate nutzen...“.

Analog zur SEPA-Einführung in der EU sollten die Institute gezwungen werden, diese Formate nicht mehr zu akzeptieren. Zudem genügen auch die aktuellen ISO-Spezifikationen noch nicht den zukünftigen Anforderungen. Diese Standards müssen konkreter und verbindlicher definiert werden. Die lokalen Gesetzgeber und Standardisierungsgremien müssen dies den Akteuren wie Auftraggeber, Software-Hersteller und weiteren transparent, klar und frühzeitig kommunizieren.
Dies bedeutet auch, wir sind nicht wirklich auf der Zielgeraden, sondern haben gerade erst eine Etappe geschafft. Die Tour geht schon morgen weiter...


Jetzt sind Sie gefragt

Auf wie viele Arten lässt sich denn nun eine Adresse in den elektronischen Formaten darstellen? 2, 4, 8, 16 oder noch mehr?


Die Auflösung liefern wir Ihnen am nächsten PPI Top Event am 26.10.2017. Wie erwähnt, es gibt auch was zu gewinnen.

Dieser Beitrag wurde von Rolf Zumsteg gepostet.

PPI Schweiz, PPI Suisse, Outsourcing, LEON, PPI, PPI AG, ZKB, CFO, IT, ISO20022
Rolf Zumsteg ist CFO von PPI Schweiz. Mit seiner langjährigen Erfahrung als Entwickler, Projektleiter und Kundenberater im technischen und finanzwirtschaftlichen IT-Umfeld bewegt er sich sicher zwischen IT- und Business-Welten. Auch in kritischen Situationen bewahrt er stets die Ruhe und liefere somit einen wichtigen Beitrag zum raschen Projekterfolg.



#SWIFT, #FATF16, #SIX, #SIC4, #ISO20022, #4x35