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PPI Schweiz Top Event - Herbst 2018

An einem wunderschönen Herbsttag in der letzten Oktoberwoche 2018 war es wieder einmal so weit. PPI Schweiz organisierte für das Who is Who im Schweizer Zahlungsverkehr den in der Zwischenzeit berühmt gewordenen PPI TopEvent. Das originelle Konzept zwischen Wissensvermittlung in Form von Kurzvorträgen mit anschliessendem ausgedehntem Networking fand im «Zunfthaus zur Hard» statt und hat am späteren Nachmittag rund hundert Branchenvertreter angelockt.

Matthias Hungerbühler moderierte den Anlass zum Thema «e-Identity».

Als ersten Redner durfte er der Gesellschaft Andrus Kaarelson, Director of State Information System of the Republic of Estonia, vorstellen. Andrus Kaarelson war und ist die treibende Kraft bei der Digitalisierung von Estland. In seinem Vortrag ging er auf die staatlichen Ziele ein und erklärte, warum auch in einem demokratischen Land gewisse Vorhaben für obligatorisch erklärt werden müssen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. So ist es in Estland jedes Bürgers Plicht, eine digitale Identität zu besitzen. Auf der anderen Seite ist der Internetzugang ein soziales Recht. Da für die Bürger ausserhalb der Ballungszentren von Estland der Weg zum Amt eher beschwerlich und zeitraubend ist, werden 99% der staatlichen Dienstleistungen online angeboten. Nur Heirat, Scheidung und Grundstückskauf müssen noch persönlich auf einem Amt getätigt werden, merkt Kaarelson augenzwinkernd an.

Die digitale Gesellschaft Estlands baut auf folgenden Punkten auf:
  • Alle Prozesse sind elektronisch / automatisiert
  • Daten werden unter den Ämtern geteilt bzw. verteilt
  • Vertrauen und Privatsphäre bauen auf Transparenz auf
Die Zuhörer lauschten gebannt den Worten von Andrus Kaarelson und ab und zu war ein erstauntes oder überraschtes «Ah» oder «Oh» zu vernehmen.

So waren denn auch alle sehr überrascht, wie schnell die Zeit verflog und Matthias Hungerbühler den zweiten Redner vorstellte. Urs Fischer, Chief Development Officer der SwissSign Group AG präsentierte das Thema «Swiss ID, die digitale Identität für die Schweiz». Im Gegensatz zu Estland ist die digitale Identität in der Schweiz kein Muss und entsprechend ist auch der Weg zur einheitlichen «Swiss ID» um einiges steiniger. Anhand des «Huhn / Ei»-Beispiels erläuterte Urs Fischer die Schwierigkeiten, sowohl Nutzer wie auch Anbieter für die «Swiss ID» zu begeistern. Für diese gibt es zu wenig Dienstleitungen, welche mit der «Swiss ID» genutzt werden können, für jene zu wenig Nutzer, um entsprechende Dienste zur Verfügung zu stellen. Nichtsdestotrotz hat sich SwissID zum Ziel gesetzt, einen vertrauenswürdigen Marktstandard für digitale Identitäten sowie identitätsnahe Attribute und Dienstleistungen zu schaffen und eine Schlüsselrolle für die digitale Privatwirtschaft und das E-Government zu übernehmen. So kann als Fazit sicherlich festgehalten werden: Die «Swiss ID» wird kommen, doch bis sie umfassend eingesetzt werden kann, sind noch einige Hürden zu überwinden.

...


Im Anschluss an den Vortrag von Urs Fischer stellte Matthias Hungerbühler die Teilnehmer des Panels vor:
  • Urs Fischer, CDO, SwissSign Group AG
  • Urs Paul Holenstein, Leiter Fachbereich Rechtsinformatik, Bundesamt für Justiz
  • René Keller, Senior Consultant, PPI AG
Moderiert wurde das Panel von Carsten Miehling, CEO PPI Schweiz.


Schon bei der ersten Frage «Estland hat für die Ausbreitung der digitalen Identität den Staat beauftragt. In der Schweiz sollen es private Unternehmen übernehmen. Wo sehen Sie bei den beiden Varianten die jeweiligen Vor- und Nachteile?» entstand eine angeregte Diskussion. Allerdings wurde kein Konsens bezüglich der bevorzugten Variante gefunden. Anlässlich der zweiten Frage «Die grösseren Banken möchten ja unisono E-ID-Services anbieten. Wo liegt da eigentlich der Business Case?» lud Carsten Miehling den anwesenden Roger Huber von der ZKB zum Panel ein. Roger Huber erklärte den Anwesenden die Vorteile, welche sich aus Sicht der Banken ergeben, wobei die Bindung des Kunden klar im Vordergrund steht.Urs Paul Holenstein nahm zu Fragen bezüglich der Aktivitäten des Bundes Stellung. Auch der Bund unternehme sehr viel, um die digitale Identität voranzutreiben.René Keller erläuterte die Situation in Deutschland, welche sowohl von privaten als auch staatlichen Institutionen gefördert wird. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es im IT-Finanzmagazin eine lesenswerte siebenteilige Serie von Rudolph Linsenbarth zum Thema «Digitale Identität» gibt .Es entstand eine angeregte Diskussion unter den Panelteilnehmern, welche auch Fragen aus dem Publikum beantworteten. Es zeigte sich ein weiteres Mal, dass das Panel ein bewährtes Format ist, um mehr über die verschiedenen Anliegen und Standpunkte erfahren zu können.

Im Anschluss an den offiziellen Teil eröffnete Matthias Hungerbühler den Apéro. Und wie fast schon gewohnt, zauberte die Mannschaft des «Zunfthauses zur Hard» einen Gaumenschmaus aus der Küche. Ein herzliches Dankeschön dafür an Andreas Schober und sein Team. Während dem intensiven und abwechslungsreichen Networking wurden die Gäste mit variantenreichen, schmackhaften Häppchen und Getränken verwöhnt. Der sommerliche Abend und die guten Gespräche führten dazu, dass sich manch ein Teilnehmer erst gegen Mitternacht auf den Heimweg machte, wohl mit der festen Absicht, auch beim nächsten Anlass am 11. April 2019 wieder dabei zu sein.


Dieser Blog wurde von René Heusser verfasst.

#PPITopEvent #eID #Estland #SwissID #SwissSign

Wir laden ein zum PPI TopEvent - Herbst 2018


Traditionell öffnet das Zunfthaus zur Hard in Zürich am 25. Oktober seine Türen für die 9. Ausgabe des PPI TopEvents!

Auch zu diesem Stelldichein der Schweizer Zahlungsverkehrsbranche werden wieder über 100 Gäste erwartet. Und ganz traditionell freut sich der Gastgeber auf spannende Referate, unterhaltsame Musik und intensives Networking mit zahlreichen Gästen an diesem Oktoberabend.

Thema: e-Identity

Format: Referat mit anschliessender Podiumsdiskussion

Keynote 1: Andrus Kaarelson | Director of State Information System, Estland
Keynote 2: Urs Fischer | CDO, SwissSign Group AG


Panel:
  • Urs Fischer | CDO, SwissSign Group AG
  • Urs Paul Holenstein | Leiter Fachbereich Rechtsinformatik, Bundesamt für Justiz
  • René Keller | Senior Consultant, PPI AG

Moderation:
  • Carsten Miehling (CEO PPI Schweiz)
  • Matthias Hungerbühler (PPI Schweiz)

Datum: 25. Oktober 2019

Weitere Details erhalten Sie bei bestätigter Anmeldung.
Für Kurzentschlossene gibt es noch ein kleines Kontingent an freien Plätzen. Anmeldung direkt online.


Ihr PPI Schweiz Team

#eIdentity #SwissID #PPITopEvent

„Wissen ist das Einzige was sich verdoppelt, wenn man es teilt“

Was haben die Buzz-Wörter Blockchain, Ökosystem, Crowdfunding, Crypto-Currency und Robo-Advisory gemeinsam? Sie alle werden immer wieder in Verbindung mit der FinTech und Startup Szene gebracht und gehören zum guten Ton bei jeder Veranstaltung. Um den Begriff FinTech hat sich vor allem in den letzten Jahren ein wahrer Hype entwickelt. Nicht nur im Silicon Valley oder in Singapur spriessen FinTech Unternehmungen aus dem Boden, auch die Schweiz ist in einem echten FinTech-Fieber. Die Startup Map von Swisscom und e-foresight umfasst im Oktober 297 verschiedene Startups innerhalb der Schweiz. Swissquote spricht davon, dass sich bereits 10% aller europäischen FinTech Unternehmen in der Schweiz befinden, von denen 46% allein in Zürich ansässig sind. Die Tätigkeitsfelder reichen vom Asset Management über Crowdfounding bis hin zu Payments und Insurance. 30% von allen Schweizer FinTechs bieten dabei finanzorientierte Leistung an. Es wundert daher auch nicht, dass FinTechs immer wieder als Gefahr für das traditionelle Bankengeschäft und damit die Banken definiert werden. Doch schaut man auf das berühmte Ökosystem, braucht es FinTechs genauso wie Banken.


Der Swiss FinTech Day am 16 Oktober im UBS Grünenhof hat gezeigt, wie FinTechs und Banken voneinander profitieren und in einer Co-Creation gemeinsam Erfolge erzielen können. Das Flagship Event, welches durch die Swiss Finance Startups Vereinigung organisiert wurde, präsentiert sich modern und frisch und prägt selbst in der Agenda die Koexistenz von Banken und FinTechs. Zwischen verschiedenen Vorträgen und Panels zu Themen wie eID, Corporate API und Cyber Sicherheit, präsentieren Startups in mehreren Pitch-Runden immer wieder ihre Geschäftsideen. Revolutionär und ganz neu in der Schweiz ist die Messe am Nachmittag. Neben parallellaufenden Vorträgen auf der Hauptbühne haben die Gäste die Möglichkeit in der Exhibition Area mit über 45 FinTech Ausstellern in Kontakt zu treten. Ein gelungener Anlass der ohne das „Ökosystem“ nicht möglich gewesen sei, wie Christina Kehl (Co-Founder vom Swiss Finance Startups) in ihrer Eröffnungsrede betont.

Doch was bleibt von der ersten FinTech Messe in der Schweiz?

Der Swiss FinTech Day ist nicht einfach noch eine FinTech Veranstaltung unter vielen. Er hat gezeigt, dass das Thema FinTech mehr als nur ein Hype zu verstehen ist. Hinter dem Begriff verbergen sich Ideen und Wünsche, konkrete Chancen und Möglichkeiten sowie Firmen und Charaktere, die die Finanzbranche und die Schweiz bewegen und langfristig verändern werden. Worauf man sich jetzt konzentrieren möchte, sei jedem selbst überlassen – zu vielseitig ist das Themenfeld auf das wir hier blicken – als dass man alles im Blick behält. Ich möchte daher auf drei Aussagen etwas näher eingehen, die für mich von Bedeutung waren.

"Jeder sollte eine SwissID eröffnen, weil dies die Zukunft ist " | (Markus Naef SwissSign)

Estland und Holland haben es vorgemacht und die Schweiz zieht nach und versucht nun mit der SwissID im zweiten Anlauf eine einheitliche eID zu etablieren. Doch geht das Rezept von SwissSign auf? Ist die Plattformlösung zielführend oder wäre eine Schema-Lösung wie in Holland besser geeignet? Wie können sowohl Händler als auch Nutzer überzeugt werden, sich der SwissID anzuschliessen? Wie steht es mit der Interoperabilität für die verschiedenen nationalen und weiterführend internationalen Institutionen? Ist das Vertrauen gross genug und natürlich wie stark lassen sich die eigenen Daten kontrollieren? Diese und weitere Fragen stehen im Raum und es fällt schwer klare Antworten zu geben.



Fakt ist: das Thema und SwissSign nimmt an Bedeutung zu. Markus Naef spricht von 100 Anwendungen in 2019 für die SwissID. Das beginnt beim Kauf des Computerspiels und endet mit der Signatur für die Steuererklärung. Sowohl am Digital Switzerland Day im Hauptbahnhof am 25.10, als auch später am Nachmittag beim Top Event von PPI Schweiz wird das Thema eID eine wichtige Rolle spielen. Melden Sie sich jetzt noch schnell an.



„Die Schweiz braucht ein Open API Standard“ | (Dejan Juric, SIX Group)


Nichts müssen aber alles dürfen. Das ist der Grundtenor in Bezug auf das Thema Open API. Anders als in der EU sind die Schweizer Banken nicht dazu verpflichtet eine Schnittstelle an Drittanbieter (sogenannte TTPs) anzubieten und doch liegt genau dort das Potential. Denn vor allem sind Startups, wie Christina Kehl betont, die Keimzelle für technische Innovation. Open API ist mehr als nur das technische Bindeglied zwischen Bank und FinTech, gemäss Patrick Hunger, CEO Saxo Bank, kurbelt die Öffnung der Kanäle den Wettbewerb an. Nur so kann eine Entwicklung stattfinden. Es sei in der Schweiz fast schon zwingend notwendig, dass alle Banken eine API anbieten und bestenfalls nach einem und demselben Standard, denn wenn es die Schweiz nicht schafft eine API zu entwickeln, dann macht es am Ende jemand anderes. Auch Dejan Juric von SIX Group ist dieser Meinung und betont, dass es ein Open API Standard braucht und daher auch die Common und Corporate API Initiativen miteinander harmonisieren müssen und werden. Mehr zu dem Thema Open API hatten wir vor einigen Wochen bereits bei uns im Digital Finance Experts Blog.

"Digitalisierung als Gamechanger" (Manuel Nappo, HWZ)

Manuel Nappo bringt in seiner KeyNote „Be more Alfred – die Schweiz hatte ihren Elon Musk bereits vor 150 Jahren“ wohl den wichtigsten Erfolgsfaktor in Bezug auf FinTechs und Startups zur Sprache. Die Rede ist vom Mindset – von der generellen Grundhaltung gegenüber Veränderungen – vom Mut zu sagen „YES, why not!“ anstatt „YES, BUT…“. Er sieht die Digitalisierung als Gamechanger an, die etwas was vorher knapp war, verfügbar macht, auch wenn das manchmal etwas Geduld braucht. Denn obgleich wir in einer sehr schnelllebigen Zeit sind, braucht eine solche Veränderung natürlich Zeit. Wer würde schon seiner 7-jährigen Tochter vorwerfen, dass sie den Witz oder den Sachverhalt nicht versteht? Siri ist auch nicht viel älter, aber es gilt abzuwarten was passiert, wenn Siri nach der Matura in 10 Jahren zur Uni kommt. Es sind Gedanken die richtig und wichtig sind, wenn man über Change und Digitalisierung spricht – auch wenn dabei der kleine Faktor Geld eher etwas zu kurz kommt... aber da wären wir schon wieder beim „BUT“.

Es wäre falsch, die Startup- und Fintech-Szene zu belächeln und gewisse Geschäftsideen als Spinnerei abzutun oder ihnen nachzusagen, dass diese Anwendungen niemand braucht. Protektion des alten Systems ist hier fehl am Platz. Und wer von uns was wann braucht, das entscheidet alleine der Markt und somit wir Konsumenten. Hätten Sie vor zehn Jahren vielleicht gedacht, dass ein Grossteil der Erdbewohner gerne Fotos mit der Weltgemeinschaft teilt (vgl. Instagram)? Oder dass ein digitaler Taxidienst bald für ca. 120 Milliarden Dollar an die Börse geht (vgl. Uber)? Solche Beispiele zeigen, dass es sinnvoll ist, wenn die Schweiz weiter an der Standortattraktivität für Startups und Fintechs arbeitet und die hiesigen Banken darin Chancen sehen und weiter mit den verschiedenen StartUps zusammenarbeiten.  Denn Wissen ist eben das einzige was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Dieser Blog wurde von Florian Stade gepostet.

#FINTECH #THESWISSWAY #CorporateAPI #eID #PPIonTour #OpenBanking #DigitalIdentity

Weist uns die Biometrie den Weg in die sichere Zukunft?

Die Biometrie hält, dank neuen und sensibleren Sensoren, seit einiger Zeit Einzug in das IT-Business, und wir möchten in dieser Ausgabe einen Blick auf existierende und vielleicht noch künftige biometrische Signatur- und Authentifizierungsmöglichkeiten werfen und die Frage aufbringen, inwiefern denn eine biometrische Authentifizierung im Bezahlvorgang Sinn macht. 

Im Retail eBanking merken die Banken schon länger, dass die Verwendung von Tan-Nummern nicht sicher genug ist um sich einzuloggen oder Zahlungen auslösen zu können, respektive keine abschliessende Sicherheit darüber gibt, welches Individuum tatsächlich hinter dem Prozess steht. Auch bei Kartenzahlungen kommt es immer wieder zu Missbrauch. Doch die Änderung des Legitimationsmittels für das Onlinebanking und bei Karten bedeutet für eine Bank oder den Kartenhersteller immer ein aufwändiges, teures, zeitintensives und alles andere als kundenfreundliches Projekt. Ein Vorgang, den man als Finanzinstitut alleine schon aus Reputationsgründen besser nicht alle paar Jahre wiederholen müssen sollte. 

Als Apple vor einigen Jahren das iPhone 5 mit der integrierten Touch-ID (https://de.wikipedia.org/wiki/Touch_ID)auf den Markt brachte, ging – unterstützt durch die Snowden-Affäre – ein Aufschrei über die Lippen der Datenschützer. Mittlerweile spricht aber kaum mehr jemand über die Touch-ID, der Prozess ist etabliert und wird auch von vielen Apps als Authentifizierungsmerkmal akzeptiert und verwendet. 

Seit es im Internet jedoch immer mehr Anleitungen gibt, wie man Fingerabdrücke fälschen und Devices und Apps damit entsperren kann, setzt Apple bei den jüngeren Ausführungen des iPhones auf die Face-ID. So bekommt der Nutzer quasi spielerisch mit einem Lächeln Zugang zu seinem Smartphone. 

Während Apple das Gesicht scannt, setzen die Banken bisher zum Identifizieren der Kunden auf eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Man kombiniert also nach Möglichkeit etwas, das der Kunde hat (z.B. eine Bankkarte) mit etwas, das er weiss (z.B. einen Code) oder neuerdings, wie eben erwähnt, auch mit etwas, das er ist (z.B. seinem Fingerabdruck). So weise ich mich also in einem herkömmlichen Zahlungsprozess mit einer Karte inkl. PIN oder wie bei Apple-Pay mit einer Karte und meinem Fingerabdruck aus. 

Oberstes Gebot dabei ist natürlich die Sicherheit. Und diese konnte in der Vergangenheit bei diversen Systemen mehrfach gehackt oder auf andere Weise ausgehebelt werden. So sind Überlegungen, wie denn die Sicherheit erhöht werden kann, durchaus legitim. Bei der Suche nach eindeutigen menschlichen und fälschungssicheren Merkmalen kommt man dabei rasch auf die weiterführende Biometrie. Der Vorteil einer biometrischen Identifikation, liegt auf der Hand: der Kunde kann mittels persönlicher, individueller Körpermerkmale eindeutig bestimmt werden – Fingerabdrücke zählen hier nicht mehr dazu aus den oben genannten Gründen. Darüber hinaus können die biometrischen Daten vom Kunden nicht vergessen oder verloren werden, was durchaus im weiteren Verlauf zu einer Aufwandsminderung auf der Bankseite führen kann. Klingt also nach einer Win-win-Situation, sowohl für die Bank wie auch für den Kunden, der an Sicherheit gewinnt. 

Was also lässt die Banken zögern, hier Nägel mit Köpfen zu machen? Erst einmal sehen sich die Finanzdienstleister der simplen Frage gegenüber, welche Art der biometrischen Authentifizierung überhaupt sicher und zur Freigabe welcher Prozesse geeignet ist. Ist es das individuelle Tipp-Verhalten des Kunden oder möchte man doch lieber das Abbild seines Ohres scannen oder vielleicht die Iris? - Wer sich inspirieren lassen möchte, soll sich bitte folgende Liste (https://www.biometricsinstitute.org/types-of-biometrics) anschauen. Selbst der Herzschlag weist offenbar individuelle Merkmale auf und lässt somit den Rückschluss auf die Person eindeutig zu. Mit welchen Devices aber sollen diese Daten erhoben und geprüft werden? Reicht es aus, sich der Sensoren in den Smartphones und vielleicht der Apple Watch zu bedienen? Oder braucht es neuartige Geräte um den Herzschlag zu prüfen oder das Gesicht auch für bankeigene Dienstleistungen zu scannen? Und macht es für die Bank Sinn, sich von Geräten und Herstellern wie Apple oder andere grossen Brands abhängig zu machen, oder anders gefragt: Welche Alternativen haben sie überhaupt?

Unabhängig von der Methode, für die sich ein Finanzdienstleister entscheiden mag, geht es in erster Linie auch darum, die Daten sicher zu verwahren und in Echtzeit verarbeiten zu können. Hierzu müssen sich die Banken wohl noch stärker digitalisieren, dynamischer werden und im IT-Bereich zukunftgerichtetes Knowhow aufbauen. 

Wer weiss, vielleicht wird es in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein, einer Zahlungssaufforderung mit dem Blick in die rechte obere Brillenecke nachzukommen, oder mittels eines Chips im Ehering, der die Echtheit unseres Herzschlages bestätigt oder uns mittels der Analyse des Körperduftes identifiziert. 

Die Technik ist heute schon so weit, dass wir solche Prozesse umsetzen können. Die Kostenstruktur wird vorläufig ein Thema bleiben, aber am Kundenwunsch nach Einfachheit und dennoch mehr Sicherheit wird sich auch künftig nichts ändern und das ist auch im Eigeninteresse der Bank. Wer simple und sichere Lösungen anbieten kann, ist vorne mit dabei. Meist gehen aber Sicherheit und ‚keep it simple’ nicht reibungslos miteinander einher. Und den Faktor, den die Entwickler gerne vergessen, ist die Gesellschaft. Sind wir grundsätzlich bereit, für mehr Sicherheit die letzten individuellen Geheimnisse zu opfern und noch gläserner zu werden? Die Zukunft wird’s zeigen, und die gestalten wir als Gesellschaft bekanntlich selber. 

Dieser Blog wurde von Matthias Hungerbühler gepostet

#Biometrie #Authentifizierung #Onlinebanking #eGesellschaft #Identifikation

Digitale Revolution – Europa in der Vorreiterrolle

Über die Digitale Identität haben wir bereits mehrfach in diesem Blog referiert. Sei es nun unser Digital Footprint im Netz oder die Digital ID, mit der wir uns in den ungezählten Online Foren und Netzwerken identifiziert haben. Dass diese digitale Präsenz zu unserem Privatleben dazugehört, steht ausser Frage und auch auf der beruflichen Seite begleitet uns unsere Digitale Identität von Anfang an. Während ein Facebookprofil mit Partybildern vom letzten Wochenende zum Ausschlusskriterium bei Bewerbungen führen kann, eröffnet uns unser LinkedIn Profil neue Möglichkeiten im Wirtschaftssektor. „Netzwerken“ liegt eben im Trend – sei es nun, um mit alten Kollegen und Studienfreunden in Kontakt zu stehen oder um mit Headhuntern über neue Jobperspektiven zu feilschen.

Dänemark als Vorreiter der Digitalisierung in Europa
Doch nicht nur wir als Person werden immer "digitalisierter". Auch Länder digitalisieren sich immer mehr. So gehört Dänemark zu einem der stärksten digitalisierten Länder  in Europa. Seit der Einführung des Centralpersonregister im Jahre 1968 entwickelt sich Dänemark stetig weiter. Seit 2001 arbeiten staatliche, kommunale und regionale Vertreter eng zusammen und passen ihre Digitalisierungsstrategie alle fünf Jahre an. Der Fokus liegt hierbei darauf, die Usability der Tools weiterhin zu verbessern sowie Klarheit und Übersicht über die Daten der User zu schaffen. Heute unterstützt die zentrale Plattform borger.dk jeden Bürger in Dänemark, von der Änderung des Wohnorts über die Steuererklärung bis hin zur Suche eines Kita Platzes. Die Plattform virk.dk ermöglicht Unternehmern neue Unternehmungen schnell und vertraulich innerhalb einer Stunde zu gründen – inklusive der notwendigen „Bescheinigungsnummer“. Tatsache ist, dass jeder Bürger bei seiner Geburt eine Nummer bekommt, die das gesamte Leben gültig ist und somit jeden Dänen zum „digitalen Bürger“ macht. Das Zusammenspiel aus dem "digitalen Bürger" und dem "digitalen Staat" zeichnet Dänemark aus und führt damit nicht überraschend dazu, dass auch im Jahre 2018 das Nordland wieder den kürzlich publizierten DESI Index (Digital Economy and Society Index) in Europa anführt. Der Index wird durch die Europäische Kommission (GD CNECT) herausgebracht und bewertet EU-Länder nach der Entwicklung ihrer digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. Hierbei werden die Bereiche Konnektivität, Humanressource, Internetnutzung, Integration der Digitaltechnik und digitale öffentliche Dienste als Faktoren herangezogen. 

Digital Economy and Society Index (DESI) 2018 ranking

Auch die Schweiz steht gut da - im internationalen Vergleich

Neben Dänemark gehören Finnland, Schweden und Holland mit zu den führenden Staaten in der EU in Bezug auf Digitalisierung. Auch im internationalen Vergleich (i-DESI) schliessen die Top 4 EU Länder knapp hinter Korea ab und demonstrieren die Vorreiterrolle im Punkte Digitalisierung. 


International Digital Economy and Society Index (i-DESI)



Auch die Schweiz ist im i-DESI vorne mit dabei. Die eGovernment- Strategie (wir berichteten), die 2007 in der Schweiz ins Leben gerufen wurde, zeigt Wirkung. Zieht man ein paar Parallelen zu Dänemark, so wird es auch hierzulande (zum Beispiel im Kanton Zürich) den Bürgern ermöglicht, über die Plattform ZHprivateTax die Steuererklärung komplett digitalisiert abzuschliessen. Mittels dem online Service eUmzugCH kann die Ummeldung des Wohnorts mit wenigen Klicks online durchgeführt werden und mit der in 2019 in Aussicht gestellten eID soll der nächste grosse Schritt in Richtung Digitalisierung getätigt werden. PPI Schweiz nimmt das Thema eID diesen Herbst als Hauptthema für unser TopEvent. Mit zwei KeyNotes und einem prominent besetzten Panel soll einer der Eckpfeiler für die „Digitale Revolution“ beleuchtet werden. Mehr Informationen zum Event unter: PPI TopEvent.


Eckpfeiler für die "Digitale Revolution" 
Als Eckpfeiler für die "Digitale Revolution" tauchen immer wieder drei Faktoren auf: Gleichsetzung von papierbasierten und elektronischen Dokumenten, Digitale Identität und der Digitale Postkasten. Nehmen wir hier Dänemark wieder als Beispiel, so kann das Zusammenspiel der drei Faktoren sehr schön aufgezeigt werden.

Die in Dänemark bereits seit dem Jahr 2006 eingeführte Gleichsetzung von elektronischer und händischer Unterschrift ermöglicht es, Dokumente einfach und schnell online zu versenden, ohne den Umweg über die Post zu nehmen. Neben der spürbar schnelleren Sachbearbeitung ermöglicht der Onlineversand auch eine bessere Übersicht über die Historie. Transparenz und Effizienz sind hier die Schlagwörter, die die Nutzerfreundlichkeit fördern und zur Akzeptanz der eDokumente führen. 

Zwingend notwendig für eine elektronische Unterschrift ist die Digitale Identität. Sie ermöglicht die Verifikation, ob tatsächlich die korrekte Person unterschrieben hat. Die sogenannte Nem-ID ist die zweite Generation der Digitalen Identität in Dänemark. Sie wird von allen öffentlichen Institutionen akzeptiert und verwendet. Im Zusammenspiel mit dem 2008 eingeführten Digitalen Postkasten kann somit selbst in der Mailkommunikation eine grössere Transparenz und Sicherheit geschaffen werden. Transparenz, Nutzerfreundlichkeit und Effizienz könnten somit als die Erfolgsfaktoren für den digitalen Weg genannt werden.

Für Andres Samuelsen, Aussenminister von Dänemark, zählt jedoch letztendlich nur das Vertrauen, wie er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt. Wenn Bürger, Unternehmen und Kommunen mitziehen und auf "Neues" vertrauen, ist eine Weiterentwicklung möglich.

Was meinen Sie, sind das die Grundpfeiler für die Digitale Revolution und ist die Gewichtung von Samuelsen betreffend Vertrauen richtig bewertet? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.




Dieser Blog wurde von Florian Stade gepostet

#DigitalRevolution #DigitalIdentity #eGovernment #TopEvent

Haben wir eine Identitätskrise?

Cyber-Attacken auf grosse Firmen und sogar Behörden sind in letzter Zeit regelmässig in den News zu lesen. So wurden bei bei einem Hackerangriff auf die Krankenversicherung Groupe Mutuel im Dezember 2017 eine unklare Menge an Kundendaten erbeutet. Auch Swisscom wurde vor Kurzem von einer Cyber-Attacke Kundendaten wie Namen, Adressen, Telefonnummern und sogar Geburtsdaten entwendet. Hinter einem Grossangriff auf deutsche Ministerien wird eine russische Hackergruppe vermutet. Der Vorfall bei Swisscom wurde zwar heruntergespielt, jedoch sind die abgegriffenen Kundendaten insofern brisant, da damit Identitäten der betroffenen Personen kopiert werden können. Dies hat zur Folge, dass die Verunsicherung bei den Usern und Kunden immer grösser wird. Sie schützen sich bereits heute mit unzähligen verschiedenen Passwörtern und schlagen sich mit unterschiedlichsten Registrierungsprozeduren herum. Der schlechten Verbreitung von e-Government-Services stehen hohe Investitionskosten bei der IT-Sicherheit gegenüber.

Sollte die Rolle der Identität neu überdacht werden?
Aktuell laufende Vorhaben und Gespräche über eine elektronische, digitale Identität werden weitestgehend von Regulatoren und privaten Initiativen getrieben. Da es keinen einheitlichen Prozess gibt, bedient sich insbesondere der E-Commerce zahlreicher individuellen Registrierungslösungen. In der Praxis ist es so, dass sich User eines Login meistens ausschliesslich bei den jeweiligen Onlineshops und Portalen anmelden können. Übergreifende Loginverfahren gibt es hingegen selten.
Einige Anbieter erlauben auch eine Schnellregistrierung mit bereits vorhandenen Social-Media-Accounts (z.B. Facebook). Insgesamt sind diese vielen verschiedenen Logins für den Benutzer eher verwirrend, insbesondere, wenn verschiedene Benutzernamen oder E-Mail-Adressen und Passwörter verwendet werden, was ja der Sicherheit zuträglich ist. Bei Loginverfahren mittels bestehenden Social-Media-Accounts stellt sich zudem die Frage, welche Daten dem jeweiligen Service zugänglich gemacht werden, was die Kontrolle der eigenen privaten Daten extrem erschwert. Oder wissen Sie, bei welchem E-Commerce-Anbieter Sie welche Daten selbst erfasst haben oder mit Ihrem Facebook-Login freigegeben haben? Häufig werden, um die Übersicht einigermassen zu behalten, gleiche Logindaten für mehrere E-Commerce-Accounts benutzt (z.B. bei Username / Password Logins).
Wenig verwunderlich ist es auch, dass immer wieder PIN-Codes direkt auf den Karten notiert werden oder dass man sich Logins, PINs und Passwörter in einem zentralen (Online-) Tool notiert. Da ist eine Papierliste in der Schublade zu Hause noch vergleichsweise sicher!
Das Risiko, dass, auch wenn nur ein Onlineshop gehackt wird, die erbeuteten Logindaten zum Generalschlüssel für mehrere oder sogar alle vom User benutzten Accounts werden, ist enorm. Wenn man dann noch bedenkt, dass häufig sogar Kreditkartendaten im Shop hinterlegt sind, um den Checkout-Prozess komfortabler zu machen, sind Cyber-Kriminellen Tür und Tor geöffnet.

Sicherlich gibt es bessere Alternativen als Username-/Password-Logins und Zwei-Faktor-Authentifizierungen, um eine Person zu identifizieren. Möglicherweise sollte das Thema "Identitätsprüfung" von einer ganz anderen Seite betrachtet werden, um sichere, brauchbare Lösungen zu entwickeln:
Ist es denn wirklich nötig, bei einer Identitätsfeststellung sämtliche persönlichen Daten einer Person abzufragen und zu speichern? Die Prüfung von wenigen ausgewählten Informationen reicht in den meisten Fällen völlig aus. So genügt meistens ein Altersnachweis oder eine Bestätigung der Wohnadresse, um einen Onlineservice nutzen zu dürfen. Wer ich bin, wie ich heisse, mein Geburtsdatum oder meine Kontonummer ist meistens nicht von Belang.

Auch hinsichtlich der Europäischen Datenschutzgrundverordnung schiesst das Speichern von irrelevanten Daten weit über‘s Ziel hinaus. Vergleichen Sie hierzu den Grundsatz "Datenminimierung" aus der GDPR: 
"Personenbezogene Daten müssen dem Zweck angemessen und erheblich sowie auf das für die Zwecke der Verarbeitung notwendige Mass beschränkt sein ("Datenminimierung").“

Streng genommen ist die Erhebung sämtlicher persönlicher Daten nur für den Zweck einer Altersüberprüfung sogar illegal, nach GDPR.
Daraus lässt sich ableiten, dass anstatt von einer digitalen Identität viel treffender von "Berechtigungsmanagement" gesprochen werden sollte.
Etwas weitergedacht sollte so ein Berechtigungsmanagement nicht nur für Natürliche und Juristische Personen konzipiert werden. Dem technischen Fortschritt verpflichtet, müssen in diese Überlegungen
auch Berechtigungen für Software, Roboter, Apps und Geräte einbezogen werden:
  • Welche Software darf auf welche Bankdaten von mir zugreifen?
  • Welcher IoT-Dashbutton darf welche Banktransaktionen in meinem Namen durchführen?
  • Muss die elektronische Fahrkarte dem Kontrollsystem meinen Namen preisgeben oder nur, ob das Billet für die gefahrene Strecke gültig ist?
  • Welche Daten meiner elektronischen Fahrerlaubnis darf das Auto nutzen, um den Motor zu starten?

Es wird deutlich, dass dieses Thema mehrdimensional ist und in ständigem Challenge zur aktuellen Gesetzgebung steht (GDPR, eIDAS, PSD2) und viele Neuentwicklungen (Open Banking, Robo's, AI, IoT) in diesem Kontext geprüft werden müssen.

Das Ziel einer digitalen Identität muss es sein, dass sie allgemeingültig ist und die Vielzahl von Logins, Registrierungsprozessen und Identitätsprüfungsverfahren ablöst.
Es muss verschiedene Anbieter geben (Identity Providers) oder besser Datenverifizierer, die mit modernen Authentifizierungstechnologien arbeiten (nicht Username/Password). Der Schwerpunkt der Identifikation muss auf der Überprüfung der notwendigen Datenattribute liegen (z.B. Altersnachweis) und nicht auf der Verifikation aller persönlichen Daten einer Person. Schlussendlich braucht es das Vertrauen von Händlern, Industrie, Behörden und Endnutzern. Empfiehlt sich dabei am Ende sogar ein vertrauenswürdiges 4-Corner-Modell wie wir es im Zahlungsverkehr kennen? Welche Rolle kann die Finanzindustrie beim Setup und Betreiben eines Identity Provider Systems spielen? Vertrauen wir bald einem "Sign-on with MyBank" mehr als einem "Sign-on with Facebook" oder "Sign-on with Google"? Speziell den KYC-Prozess (Know-Your-Customer) haben Banken mit Sicherheit besser im Griff, als andere mögliche Teilnehmer eines Identity Providing Systems.

Die eID in der Schweiz steht in den Startlöchern. Details sind nur wenige bekannt. Jedoch zeichnet sich ein Vorstoss der hiesigen Finanzhäuser ab, um die elektronische ID in der Schweiz marktfähig zu machen.

Für Sie gebloggt hat Marco Vosseler.

#Cyberrisk #DigitalFinanceExperts #DigitalIdentity #KYC #GDPR #eID





Highlights vom European Payment Summit 2018 – Tag 1


Der diesjährige Summit stand unter dem Motto „Re-Thinking Transactions“ und fand bereits zum 17. Mal statt (ehemals initiiert von der European Payments Consulting Association mit PPI Schweiz als Gründungsmitglied, www.epca.de). Teilnehmer aus über 30 Ländern tauschten sich während zwei Tagen über aktuelle Trends und Themen im Zahlungsverkehr aus. Der Blog beschreibt nachfolgend nicht alle Vorträge und Panels im Detail, sondern streicht die Highlights der Veranstaltung heraus. Die Unterlagen zu einzelnen Vorträgen können gerne beim Autor angefragt werden. Das detaillierte Programm ist auf der Veranstaltungs-Webseite www.europeanpaymentsummit.com zu finden.


European Payment SummitHarry Smorenberg streift in seiner Eröffnungsrede die Topthemen der Branche, insbesondere „Open Banking“ und „Instant Payments“ werden den Bereich Zahlungsverkehr in grossem Masse verändern. Banken müssen in dieser neuen Welt ihre noch Rolle finden, haben jedoch gute Chancen bei Themen wie z.B. „Identity-Services“ den Lead zu übernehmen. Daneben beeinflussen geopolitische Entwicklungen die zukünftigen Business-Modelle der Finanzinstitute heute erheblich stärker als früher.

Das erste Panel befasste sich mit dem Themenblock „Infrastructure - Regulation - Digitization – Democratization“ und war prominent mit Vertretern von SWIFT, UniCredit, ABN Amro, EBA Clearing und ECB besetzt. Jan Kupfer (UniCredit) vertrat die Meinung, dass die Disruption der Fintechs bis heute nicht in grossem Ausmass stattgefunden hat und mittelfristig auch nicht stattfinden wird. Vielmehr stehen Kooperationsmodelle heute im Fokus. Angeli Kokkes (ABN Amro) strich die Bedeutung der Banken-Infrastrukturen heraus, auf welchen die zukünftigen digitalen neuen Lösungen betrieben werden, respektive auf welche mittels „Open Banking2-Schnittstellen von Dritten zugegriffen wird. Mehdi Manna (ECB) brachte „Instant Payments“ als DIE zentrale Initiative als Thema in die Runde, was von den Teilnehmern dann auch als eines der aktuell wichtigsten Projekte in Europa und weltweit bestätigt wurde.

Als nächster Schwerpunkt wurde GDPR (General Data Protection Regulation) - „The Pains and Gains“ - im Keynote Briefing behandelt. Silvai Mensdorff (ACI Worldwide) meinte, dass die Regulation vom Konsumenten kaum verstanden wird und auch nicht bekannt ist. Rob van der Veer (SIG) war der Meinung, dass insbesondere Anpassungen an bestehenden Systemen gemäss den GDPR-Prinzipien nicht einfach zu bewerkstelligen sind. Die Gesprächspartner stellen generell die Frage, wie in Zukunft mit der immer grösseren Menge an Datensammlungen umgegangen werden soll. Eine Regulation wie GDPR kann nicht alle Missbräuche verhindern, da oftmals ein Missbrauch nicht als solcher erkannt wird. Hinzu kommt das widersprüchliche Verhalten von Konsumenten. Einerseits wird unisono bestätigt, dass Datenschutz wichtig sei und anderseits werden persönlichste Information in den sozialen Medien geteilt.



Es folgte ein sehr interessanter Vortrag über die Sicherheits- und e-Identity-Strategie von Estland. Taimar Peterkop (Information System Authority Estland) stellt zu Beginn eindrückliche Kennzahlen von Estland vor. So werden z.B. 98% aller Steuererklärungen elektronisch eingereicht und 1,26 Millionen Einwohner von 1,3 Millionen nutzen aktiv die e-ID (eingeführt bereits 2002). Als Folge des hohen Digitalisierungsgrades sparen Bürgern und Ämter nachweislich Zeit (geschätzt eine Woche pro Jahr pro Einwohner). Parallel zur obligatorischen e-ID als Chipkarte können zusätzliche Ausprägungen vom estnischen Bürger eingesetzt werden, z.B. Mobile-ID für den Einsatz mit mobilen Geräten (SIM-Karte). Interessant war sicher die Aussage, dass der Erfolg der e-ID nur möglich war, weil diese in den offiziellen Ausweis integriert wurde und somit für jeden Bürger automatisch vorhanden ist (obligatorisch). Hierzulande wurde die Einführung der e-ID ja der Privatwirtschaft übertragen (optional). Es bleibt abzuwarten, wie sich die e-ID in der Schweizer Bevölkerung durchsetzen wird.




Nach dem Lunch konzentrierten sich die Beiträge um die Themenblöcke „Open Banking“ und „Cyber Security“. Den Start machte George Gesek (Novarion Systems). In seinem Einleitungsreferat für den Nachmittag warf George die spannende Frage auf, ob mittels dem Einsatz von Quantencomputern (diese benutzen Funktionen, basierend auf den Gesetzen der Quantenmechanik) neue Angriffsszenarien entwickelt werden könnten, welche von der heutigen digitalen Rechenwelt nicht mehr abzuwehren wären. Der von der NSA entwickelte Secure Hash Algorithmus könnte z.B. in Mikro-Sekunden anstelle von Trillionen von Jahren geknackt werden. Erste kommerziell einsetzbare Rechner sollen in 2-4 Jahren verfügbar sein. Mit Hilfe solcher Maschinen könnten natürlich zukünftig auch grosse Rechenprobleme, wie diejenigen der Blockchain, viel effizienter gelöst werden. Diese Art der Anwendung wird als „Quantum Secure Blockchain“ bezeichnet.

Gijs ter Horst (Ximedes) eröffnete den „Open Banking“-Track mit der Frage, was eigentlich alles zum Banking zählt. Das ist offensichtlich weitaus mehr, als die PSD2 (Payment Services Directive) zu regeln versucht (u.a. auch Kredite, Versicherungen, Vermögensverwaltung, Hypotheken, Dokumentärgeschäfte, etc.). Jeder Banking-Bereich wird aktuell von unterschiedlichen FinTechs adressiert. Insbesondere für Bereiche ausserhalb von PSD2 ist der Business Case auch für Banken interessant, da sie für solche Services durchaus gebühren für deren Nutzen verlangen können. Als gute Entwicklung im Open Banking für den Zahlungsverkehr wird die Initiative von W3C (World Wide Web Consortium, www.w3.org/TR/payment-request/) beispielhaft erwähnt.

Was läuft aktuell im Bereich Fraud-Prävention im Zahlungsverkehr? Diese Frage wurde am zweitletzten Vortrag von Marco Doeland (Dutch Payments Association) mit Fokus Holland im „Cyber-Security“-Track beantwortet. Holland ist ein Markt vergleichbar mit den skandinavischen Ländern mit einem bereits sehr hohen Anteil an Cashless-Transaktionen (über 50%). Der Fraud-Anteil in Holland ist im Vergleich zum restlichen Europa relativ tief (unter 10 Mio. EUR pro Jahr für den gesamten Finanzplatz). An was liegt das? Gemäss Marco ist es eine Kombination aus technischen Massnahmen, Kooperationen und regelemässiger Informationsaustausch unter den Payment Service Anbietern und Ausbildung der Konsumenten. Letzter Punkt wurde in Holland breit mit Fernseh-, Youtube- und Plakat-Kampagnen unterstützt. Die Dutch Payments Association tritt dabei als Vermittler und Koordinator unter den Akteuren auf.


Zu guter Letzt am Tag eins noch eine Panel-Diskussion zum Thema Regulation. Jes Rasmussen (NETS Group), Arno Voerman (Van Doorne) und Nadja van der Veer (Payment Counsel) sind die Hauptdarsteller im Schlussakt. Ein grosses Thema der Gilde ist natürlich auch Blockchain und die noch fehlende Regulation bei der Anwendung der Technologie (geschweige denn einer Gerichtspraxis). Es wird die Frage gestellt, wie stark ein Regulator eingreifen soll. Die Tendenz mehr und mehr technische Aspekte zu regulieren wird kritisch angesehen (bei der PSD1 ging es noch um Kostenreduktion für Konsumenten, mit der PSD2 wurde ein ganzer Markt auf Basis von technischen Schnittstellen neu aufgemischt), obwohl es das Hauptgeschäft der Panel-Akteure darstellt. Mehr Regulation ist im Prinzip auch mehr Arbeit für Anwälte und Berater.

Das war’s vom Tag 1 am European Payment Summit. Fazit: Vieles wurde schon oft gesagt, einige Punkte, wie z.B. die Bedrohung durch Quantencomputer als Bedrohung für die IT-Sicherheit oder die Holländische Fraudbekämpfungs-Kampagne bleiben auch über den Tag hinaus in Erinnerung.


Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling gepostet

#EuropeanPaymentSummit #FürSieUnterwegs #PAYMENTS #europe #EPS18 #PSD2 #gdpr #eID

Bericht vom Frankfurt Payments Network

Bereits zum vierten Mal fand das vom FPN organisierte Zahlungsverkehrs-Symposium in einem ehemaligen Dominikanerkloster in Frankfurt statt. Abermals konnten mehr Teilnehmer und Sponsoren für den Anlass gewonnen werden, sodass sich die Veranstaltung langsam aber sicher zu einem Szene-Treff für Zahlungsverkehrsexperten mausert.

Wie zu erwarten war, standen am diesjährigen Symposium die Themen „Instant Payments“, „Open Banking“ und „Sicherheit“ im Fokus. Interessanterweise drehte sich ein Diskussionsschwerpunkt auch um das Thema „Corporate Payments“, ein Schwerpunkt im Zahlungsverkehr, welchen man auf hiesigen Veranstaltungen kaum findet.

In den Eröffnungsreden von Dr. Hubertus von Poser (PPI) und Andreas Pratz (PwC) werden die „Hot Topics“ kurz erwähnt und mit eigenen Einschätzungen kommentiert. Dr. Hubertus von Poser sieht vor allem Instant Payments als Bedrohung vor die Kartenindustrie und erkennt bei diesem Verfahren auch grosse Potentiale beim Zahlungsempfänger. Andreas Pratz empfiehlt einen Blick ins Ausland, insbesondere nach Asien, wo bereits produktive Lösungen für unsichtbare, biometrische und IoT-Zahlungsvorgänge im Einsatz sind.

Nach der ersten Kaffee-Pause wurde „Instant Payment – Wo stehen wir heute?“ von den Rednern aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet. Den Start machte Holger Thiemann von der EZB. In der Rolle als Projektleiter von TIPS (TARGET Instant Payment Settlement) betont er die Motivation und die Herausforderungen als Zentralbank die Infrastruktur für das europäische Instant Payment System zur Verfügung zu stellen. Die EZB sieht sich als europäischer Infrastruktur-Bereitsteller für Banken, Netzwerkprovider und Clearingsystem-Anbieter, nicht als kommerzieller, gewinnorientierter Anbieter von Zahlungsverkehrslösungen für Endkunden. Der Produktionsstart ist auf November 2018 vorgesehen.

Katja Heyder, EBA-Clearing, blickt zurück auf den Produktionsstart von RT1 (die realtime Infrastruktur von EBA) vom 21. November 2017, wo bereits 17 Banken aus 8 Ländern mit Instant Payments gestartet sind. Das Umsatz-Volumen im Januar (neu mit 20 Banken) ist noch relativ bescheiden (3,8 Millionen EUR), da die ersten produktiven Banken in der Regel die Lösungen als Pilotprojekte betreiben, oft auch nur in einem geschlossenen Kundenkreis (z.B. innerhalb einer Bankengruppe). Per Mitte Jahr wird eine angeschlossene Teilnehmerzahl von gegen 100 Banken prognostiziert.

Der dritte und letzte Beitrag zum Thema wurde von Thomas Feiler von EACHA (European Automated Clearing House Association) bestritten. Die EACHA mit aktuell 27 partizipierenden Clearing Häusern, fördert als Non-Profit-Organisation die Zusammenarbeit und Interoperabilität unter ihren Mitgliedern. Mit Instant Payment beschäftigt sich die EACHA seid 2013, was im 2016 zur Publikation des EACHA Instant Payments Interoperability Framework (EIPIF) führte. EIPIF ist kompatibel zum EPC SCTInst Rulebook und soll in der Verarbeitungskette zwischen den Banken die Kompatibilität zu den Vorgaben (insbesondere die max. 10 Sekunden Durchlaufzeit) sicherstellen.

Bei der anschliessenden Podiumsdiskussion mit den Instant Payment Referenten, moderiert von Dr. Leo Lipis von Lipis Advisors, wurde zunächst die Frage nach den bereits produktiven Volumen von EBA-Clearing gestellt. Diese werden als hoch wahrgenommen, zumal in Deutschland kaum kommerzielle Angebote existieren. Katja Heyder argumentierte, dass es einige wenige angeschlossene Banken im Onlinebanking bereits ein beachtliches Volumen genieren, u.a. auch ein holländisches Institut, welche das gesamte SCT-Volumen nach SCTInst migriert hat. 

Das Plenum geht nach einer kurzen Abstimmung davon aus, dass mittelfristig (5-10 Jahre) alle Zahlungen instant sein werden und das dann das „New Normal“ sein wird. Ein Teilnehmer schlägt vor, dass die Bankindustrie SCTInst zum Anlass nehmen sollte, sich wieder einmal über Gebühren und Rentabilität im Zahlungsverkehr Gedanken zu machen. Insbesondere im Corporate- und Grossbetrags-Umfeld scheinen hier neue Modelle möglich zu sein, was auch vergleichbare Anwendungen im Ausland zeigen (z.B. Frankreich und Italien). Ein weiterer Teilnehmer sieht die eigentliche Herausforderung bei der 7x24-Verfügbarkeit. Hier scheinen ebenfalls neue Anwendungsfälle möglich, wo neue Angebote durchaus etwas kosten könnten.

Der Nachmittag widmete sich schwerpunktmässig den Themen Firmenkundenzahlungsverkehr und Innovation. Paul Landvogt (Specific Group) stellte eingangs die Frage, welchen Einfluss Industrie 4.0 auf den Firmenkundenzahlungsverkehr haben könnte, respektive welche Antworten die Banken auf diese Frage haben. Paul Landvogt empfiehlt eine Haltung einzunehmen, wo die Bank ein Teil der Wertschöpfungskette des Firmenkunden wird. Gefragt sind neue Services, die aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Zahlungsverkehr möglich werden und für beide Parteien einen Nutzen bringen.

Jiri Sandanus, Co-Redner von Crede, weist darauf hin, dass es auch neben dem SCTInst-Schema noch einige weitere gibt, die teilweise auch schneller sind und über höhere Maximalbeträge für Transaktionen verfügen. Neben den bekannten Lösungen aus Skandinavien und England gehen in Kürze auch nationale Lösungen in Osteuropa in Produktion (z.B. Polen und Tschechien). Dies ist vor dem Hintergrund, dass wir in der Schweiz mit ebenfalls einer Nicht-Euro-Währung eine ähnliche Ausgangslage haben, sehr bemerkenswert.

Einen ganz anderen Blickwinkel nimmt Thorsten Zipf von CGI im Zusammenhang mit Mehrwerten gegenüber Firmenkunden ein. Gemäss einer Umfrage erwarten Firmenkunden von ihrer Bank für ihre Geschäftstätigkeit und Treue belohnt zu werden. Dabei stehen nicht die klassischen Volumen-Rabatte auf Gebühren im Vordergrund. Firmen wünschen sich vielmehr ihre Hausbank in der Rolle als digitaler Partner. Mit Hilfe intelligenter Data Analytics Lösungen, basierend auf dem qualitativ hochstehenden Datenpool der Bank für Stamm- und Bewegungsdaten, können echte Mehrwerte für Firmenkunden generiert werden, welche über eine konventionelle Anlageempfehlung hinausgehen. In Kombination mit der Ausnutzung der PSD2, wo die Bank selbst die Rolle eines Drittanbieters einnimmt, sind darüber hinaus äusserst interessante Angebote im Multibanking möglich.

Alen Koenigsberg (Traxpay USA) schlägt den Bogen zu Trade und Supply Chain Finance. Sein Produkt „Traxpay Dynamic Financing Platform“ agiert als Vermittler in den Beziehungen von Firmen zur Bank und in der Interaktion der Firmen untereinander. Als Grundidee sollen alle Akteure jederzeit über alle Informationen (z.B. komplette Details einer Bestellung, Rechnung oder Zahlung) im Meldungsaustausch verfügen, was wiederum zu mehr Automation in der Verarbeitung führt. Gefördert wird dies zusätzlich mit zertifizierten Plug-Ins der Plattform zu den ERP-Marktführern (SAP, Oracle, JD Edwards, Microsoft Dynamics, etc.).

Beim Abschluss des Symposiums ging es um Innovationen im Zahlungsverkehr. Den Anfang macht Dr. Thorsten Völkel (PPI AG), der die Frage stellt, wer denn in Zukunft Deutungshoheit über das gesprochene Wort haben wird. Google, Amazon, Apple oder weitere Tech-Giganten, die bereits heute mehr als eine Million Geräte in heimischen Wohnstuben in Deutschland stehen haben? Aus heutiger Sicht ist eine Anbindung mittels Spracherkennungs-APIs (Application Programming Interfaces) nur über Cloud-Lösungen dieser Anbieter möglich, was wiederum für hiesige Banken, im Gegensatz zu US-Banken, ein unüberwindbares regulatorisches Problem darstellt. Denkbar sind aus heutiger Sicht nur weniger sensitive Abfragen auf öffentliche zugängliche Informationen, welche beispielsweise auf der Webseite der Bank stehen.

Matthias Salmon von NCR brachte das heute schon obligate Konferenz-Thema Cyber Crime ins Plenum. In einer immer mehr über Internet vernetzen Welt und dem Aufstieg von Cloud-Lösungen steigen natürlich auch die Angriffspotentiale auf Geräte und Infrastrukturen. Vor diesem Hintergrund sind natürlich auch Services wie Instant Payments eine attraktive Angriffsquelle, zumal der überwiesene Betrag ja in Sekunden final gutgeschrieben ist. Dies notabene auch für grössere Transaktionsbeträge. An dieser Stelle wird eine anbietende Bank von Instant Payments den Spagat zwischen Geschwindigkeit und aufwändiger Betrugs-Prävention finden müssen (wie gross ist die Risiko-Fähigkeit und -Bereitschaft?).

Der allerletzte Vortrag des Symposiums wurde von Dr. Michael Salmony (EquensWordline) präsentiert, welcher mit „Digitale Identität“ ein weiteres Modethema der Branche ins Kloster nach Frankfurt mitbrachte. Eine zentrale Aussage war die, dass Identität nicht nur auf Personen beschränkt ist (man beachte, dass neuerdings Geräte Transaktionen auslösen können), es heute vielmehr um Rechteverwaltung und Authentisierung geht. Digitale Identitäten müssen eine Reihe von Anforderungen erfüllen. Die Identität mittels mobilem Gerät in Kombination mit biometrischen und verhaltensbasierten Daten einsetzen zu können, ist zentral. Die Banken könnten mit dem bewährten 4-Corner-Modell eine entscheidende Rolle bei Services rund um die e-Identität einnehmen.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Vorträgen können gerne beim Autor nachgefragt werden.

Über das Frankfurt Payments Network (FPN):
Das FPN wurde im Jahre 2011 gegründet und ist eine Netzwerkplattform für Entscheider und Experten aus der Payments Industry mit über 150 hochkarätigen persönlichen Mitgliedern. Die Mitgliedschaft ist ausschliesslich über eine Empfehlung eines bereits bestehenden Mitglieds möglich und richtet sich an Entscheider und Experten von Kreditinstituten, Dienstleistern, Verbänden, Beratungsunternehmen, Handel etc.. Ziel ist es, an den Entwicklungen des Zahlungsverkehrsraums in Europa teilzuhaben und darüber hinaus an der Gestaltung des Zahlungsverkehrs der Zukunft mitzuwirken.

Mehr Details unter: www.frankfurt-payments-network.de.

Für Sie gebloggt hat Carsten Miehling

#InstandPayments #DigitalIdentity #CyberCrime #PPI

Die Entmündigung des Gewissens

Wir wagen zu Jahresbeginn einen Blick auf das sich in China im Aufbau befindende digitale Gesellschafts-Bewertungssystem. (Als Grundlage für die nachfolgenden Überlegungen diente ein Artikel aus Der Spiegel)

Bis heute hatten wir in unserem Leben hier in der Schweiz mit hoher Wahrscheinlichkeit Berührungspunkte mit der Super- oder Cumuluscard eines Grossverteilers (vgl. TA-Bericht), oder mit dem bei der Wohnungssuche unerlässlichen Betreibungsregisterauszug. Bald aber könnte es vielleicht auch hier ein omnipräsentes Bewertungssystem geben, das die Handlungen von jedem und jeder von uns permanent ratet. In die Echtzeit-Bewertung einfliessen sollen nicht nur Spuren, die wir beim Einkauf hinterlassen oder wenn wir einer Zahlungsaufforderung lange nicht nachkommen. Das Bild, das durch das System vom Menschen geschaffen wird, durchleuchtet uns und unser Handeln tief und wird zum neuen „Gewissen der Gesellschaft“. 

China ist dabei ein solches Rating-System für seine Bürger aufzuziehen. Jedermann lässt sich darüber rasch auf seine „Fehlbarkeit“ hin prüfen. Gespeist wird diese neue, digitale Klassifizierung durch sämtliche Datenspuren, die wir als Individuen hinterlassen. Damit sind nicht nur unsere Posts in den Sozialen Medien gemeint oder die Geschwindigkeit in der wir unsere Rechnungen bezahlen, sondern alles, was über uns in irgendeiner Form erfasst werden kann. So könnten Bewerbungsgespräche bald schon der Vergangenheit angehören, denn das Punktesystem weiss mehr über uns als jedes Gespräch zum Vorschein bringen kann. Hierbei stellt sich die Frage, ob mit dem Punktesystem die Menschlichkeit verloren geht.

Auf den ersten Blick bietet das System einige Vorteile. Während wir uns heute bei potenziellen Geschäftspartnern auf deren Ruf, ein paar wenige Facts und vielleicht einen persönlichen Eindruck verlassen müssen, können wir künftig sekundenschnell einen Blick auf die Punktestatistik des Bewertungssystems werfen und wir wissen Bescheid. Das System zeigt uns, wer integer ist und wer nicht. Denn es berücksichtigt das Vorstrafenregister genauso wie die Zahlungsmoral, die ausgewerteten Gesundheitsdaten gleichwohl wie Einkaufsgewohnheiten und Sportaktivitäten oder die Ausbildung. Ein angemessener eigener Punktestand öffnet einem Tür und Tor für Heirat, Karriere und zur Upper-Class, denn wer punktet ist attraktiv. Wer viele Punkte hat gilt mehr als nur als Gutmensch. Dieses System hat das Potenzial, die gesellschaftlichen Schichten zu revolutionieren und manch einem zu Chancen zu verhelfen, die er oder sie bisher nicht erhalten hatte, weil die guten Taten schlichtweg nicht auf diese Art bewertet wurden. Für die Wirtschaft und auch für den Staat ein scheinbar ausserordentlich nützliches Tool. Aus ethischer Sicht ist es jedoch mehr als fragwürdig. Bis zum heutigen Zeitpunkt fehlt dem System jegliche Transparenz. Niemand weiss richtig, wie und was bewertet wird. Genaue Informationen von China diesbezüglich erfahren zu wollen bleibt wohl ein unerfüllter Wunsch. Klarheit wird man ansatzweise wohl frühestens nach der Einführung erlangen können. Welches Verhalten wird belohnt und welches bestraft? Und vor allem: wer entscheidet darüber? 

Wir freuen uns über Ihre Kommentare, Einschätzungen und Gedanken zu der Idee eines digitalen Bewertungssystems. Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? 

So oder so, ein besserer Mensch kann man auch mit eigenen guten Vorsätzen fürs neue Jahr werden, dazu braucht es das digitale Gewissen nicht. Wir wünschen Ihnen einen guten Start ins 2018 und freuen uns auf inspirierende Begegnungen. 


Für Sie gebloggt hat Matthias Hungerbühler

#Digitalisierung #DigitalIdentity #GewissenDerGesellschaft #KYC #eGesellschaft #SmartRobotic


Jahresrückblick 2017

Liebe Leserinnen und Leser, kein Jahresende ohne eine Art von Rückblick. Ein kurzes Reflektieren, welche Themen uns Anfang des Jahres beschäftigt haben und was daraus geworden ist.

Das Thema, das vor allem international in den letzten Tagen für Schlagzeilen sorgte, war die Kryptowährung Bitcoin, beziehungsweise deren Höhenflug zum Jahresende. Der Bitcoin begann das Jahr mit einem Kurs von CHF 986.10 und erreichte bis zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Beitrages den zwischenzeitlichen Höchstpunkt am 7. Dezember mit einem Kurs von BTC-CHF 17'191.67. Beflügelt wird der Anstieg seit Wochen vor allem durch die Ankündigung der renommierten Chicagoer Terminbörse CME, künftig Terminkontrakte für Bitcoins anzubieten. Am Montag, 10. Dezember, startete der erste Bitcoin-Future an der US-Derivatebörse CBOE. Und natürlich ruft ein solcher Kursanstieg auch all die Warner auf den Plan, die Crash, Absturz und Verluste erwarten. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung des Bitcoins und dessen Börsenprodukten.
Im Schatten von Bitcoin haben auch andere Kryptowährungen in diesem Jahr beachtliche Kursgewinne erzielt. Allen voran Ethereum, der mit einem Kurs von ETH-CHF von 12.08 startete und am 29. November seinen bisherigen Höchststand von 506.09 erreichte.

Entsprechend war Blockchain in aller Munde. Waren es zu Beginn des Jahres eher noch Ideen und Gedankenspiele, konkretisierten sich diese im Verlaufe des Jahres und es wurden Projekte, Produkte und reale Angebote daraus.
So gründete Swisscom ihre Blockchain AG (http://blockchain.swisscom.ch/)  und bietet über diese Plattform Blockchaininfrastruktur und -Lösungen Dritten an. Weitere Themen in diesem Zusammenhang sind ausserbörsliche Handelsplattformen und digitale Aktien.
Auch die UBS ist mit Batavia, ihrer zusammen mit IBM entwickelten Handelsfinanzierungsplattform auf Blockchain-Basis, einen grossen Schritt weitergekommen und hat in diesem Jahr vier weitere Banken mit an Bord holen können. Es sind dies die Bank of Montreal, die spanische CaixaBank, die Commerzbank und die in Wien ansässige und in Zentral- und Osteuropa tätige Erste Group.

Ein Thema, welches uns dieses Jahr auch beschäftigte, ist die digitale Identität. Marco Vosseler schrieb im März dazu den Blog http://digital-finance-experts.blogspot.ch/2017/03/mit-der-eid-zur-elektronischen-identitat.html. Darin ging es um die Bestrebungen des Bundes zur Schaffung der gesetzlichen Grundlagen für die elektronische Identifizierung sowie um Gedanken, wie die Akzeptanz und Verbreitung der eID gefördert werden kann.
Im November wurde nun mit der Gründung der SwissSign AG ein grosser Schritt für eine breit abgestützte Lösung gemacht. An dieser Lösung beteiligen sich Die Post und SBB, welche ihre SwissID in die SwissSign AG einbringen, sowie Swisscom, Credit Suisse, Raiffeisen, UBS, Zürcher Kantonalbank, SIX und die Schweizerische Mobiliar. Die Lösung stützt sich auf die vom Bund vorgegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen und stellt den Datenschutz und die Rechte der Anwenderinnen und Anwender ins Zentrum.

Und natürlich beschäftigten uns die Themen rund um den Zahlungsverkehr. So sieht sich der Finanzplatz noch immer in den Fängen der „Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz“, doch wie schon Marie Curie 1894 in einem Brief an ihren Bruder schrieb: „Man vergisst, was schon getan wurde, man sieht nur, was noch getan werden muss.“.
Wie die SIX in ihrer Medienmitteilung vom 6. Dezember 2017 schrieb, haben 208 Banken die Umstellung auf ISO 20022 abgeschlossen und somit sind alle Teilnehmer am SIX Interbank Clearing Zahlungssystem bereit für den nächsten Schritt. Rund 600'000 Firmen und mehrere Millionen Privathaushalte müssen aufgeklärt, begleitet und bis Ende Juni 2018 migriert werden. Technologisch ist die Kunden-Bank-Verbindung bei den meisten Banken umgesetzt und würde den Kunden zur Verfügung stehen. Allerdings sind viele Kunden noch nicht migriert, der Kundenmigrationsstand bei den meisten Banken ist erst im einstelligen Prozentbereich. In diesem Bereich muss in den nächsten Monaten mittels Kommunikation, Schulung, Begleitung und technischer Unterstützung noch einiges getan werden, sollte das Ziel 30. Juni 2018 erreicht werden.

Ein weiteres Thema, welches den Finanzplatz dieses Jahr bewegte, ist die QR-Rechnung, welche in diesem Jahr noch die eine und andere Änderung erfahren hat. So musste unter anderem die Grösse des QR-Codes vergrössert werden, um die zusätzlichen, aus der ISO-20022-Harmonisierung möglichen, Informationen aufzunehmen. Der Einzahlungsschein mit QR-Code soll ab Januar 2019 zum Einsatz kommen. Viele Banken haben sich im Rahmen ihrer Harmonisierungsprojekte in diesem Jahr dem Thema angenommen und scheinen auf gutem Wege zu sein, das Enddatum zu erreichen.

Zum Abschluss dieses Rückblicks bleibt uns noch ein Blick auf LEON. Was passierte in diesem Jahr mit dem grossen Vorhaben? Es kann sicherlich vermerkt werden, dass die E-Rechnung, neu E-Bill, eine gute Akzeptanz erfährt und stetig vorankommt. Mit LEON sollten eigentlich die bestehenden Verfahren LSV+ und BDD abgelöst werden, diese bleiben jedoch funktional bestehen und können weiterhin angeboten werden. Das heisst, die Parallelphase der alten und neuen Verfahren läuft ohne Enddatum. Und wie wir aus anderen Harmonisierungs-/Migrationsprojekten gelernt haben, ohne Enddatum lässt sich kein Druck aufbauen, um etwas zu ändern. Das bestehende Verfahren hat sich ja bewährt, funktioniert und ist im Einsatz, also ja nichts Neues einbringen. Wir sind gespannt, ob uns 2018 ein Enddatum für LSV+ und BDD bringen wird.

Nun werden Sie sich vielleicht fragen, ob da nicht noch was fehlt. Ja, TWINT könnte an dieser Stelle noch erwähnt werden. TWINT scheint zwar bankenseitig allgegenwärtig zu sein und hat einen grossen Schritt vorwärts gemacht. Wir sind jedoch gespannt, wie sich TWINT im nächsten Jahr entwickeln wird und werden im nächsten Jahresrückblick eventuell näher darauf eingehen.

Es ist vieles im Gange und grosse Themen, z.B. GDPR (General Data Protection Regulation bzw. die Europäische Datenschutzgrundverordnung) kommen in Kürze dazu. Da mag sich manch einer fragen: „Ist dies wirklich alles notwendig?“ Darauf möchten wir mit dem Zitat von Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Physiker 1742-1799, antworten: „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll“.


Das neue Jahr verspricht auf jeden Fall ein spannendes zu werden. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit und eine Verschnaufpause zwischen den Jahren.

Ihr Blog-Team von PPI Schweiz

#Jahresrückblick, #Cryptocurrencies, #ISO20022, #LEONch, #Blockchain, #DigitalIdentity, #eID