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Swiss Banking Services Forum 2023 von SIX: Ein Rückblick

Am Mittwoch, dem 6. September 2023, fand das Swiss Banking Services Forum 2023 von SIX in Zürich statt. Unter dem Motto "Kundenerlebnisse im digitalen Zeitalter" versammelten sich Experten und Führungskräfte aus der Finanzbranche, um über die neuesten Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen zu diskutieren.

Prof. Dr. Sita Mazumder eröffnete die Veranstaltung mit einer Präsentation zum Thema "Kundenerlebnisse im digitalen Zeitalter". Sie betonte die Bedeutung der Kundenorientierung und rief die Finanzbranche dazu auf, den Fokus stärker auf die Verbesserung des Kundenerlebnisses zu legen. Eine zentrale Frage, die sie stellte, war: "Für wen tut man was?" Dabei sollte man den Business-Aspekt nicht vergessen und auch immer die Frage stellen "wer ist bereit dafür etwas zu bezahlen?". Die vielfältigen Kundenbedürfnisse genau verstehen und erfüllen ist das eine, der Ertrag daraus das andere.

Santosh Ritter von Visa Schweiz enthüllte die Vision von Visa, welche sich je länger je mehr vom Karten-Schema-Provider zum Tech-Unternehmen entwickelt. Nichtsdestotrotz, Visa verarbeitet täglich beeindruckende 700.000 Transaktionen allein in der Schweiz. Die drei wichtigsten Kundenversprechen von Visa sind Schnelligkeit, Sicherheit und Bequemlichkeit. Ritter betonte auch die massive Investition von Visa in Cybersicherheit und die Integration von KI-Modellen zur Betrugsprävention. Eine Herausforderung besteht darin, "Click to Pay" auf den Markt zu bringen, eine Weiterentwicklung im schnellen, sicheren und bequemen Internet-Check-out.

Ein interessanter Ansatz von Google, präsentiert von Andrew Vieira, war die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI), um Kunden schnell und unkompliziert Informationen bereitzustellen. Diese Technologie soll bei komplexen Entscheidungen wie dem Kauf eines Autos oder Hauses helfen. Die Proaktivität von Google, Kundenbedürfnisse zu erkennen und ihnen massgeschneiderte Lösungen anzubieten, wurde betont. In seinen Mockups zeigte Andrew beispielsweise, wie in einer Banken-App auf die Frage nach einem Autokredit der Kunde im Kaufprozess unterstützt werden könnte (bis hin zu Vorschlägen, welches Automodell für ihn passend sein könnte).

Markus Kilb, CEO von Twint, zeigte, wie das Unternehmen stetig wachsende Transaktionszahlen verzeichnet. In Zukunft soll Twint aber mehr als reine Bezahl-App sein, so ermöglicht Twint in einem demonstrierten Anwenderfall, wie Kunden sogar, nach Ladenschluss in ausgewählten Geschäften einkaufen können. Twint wird quasi zum Türöffner. Eine wichtige Neuerung bei Twint ist "Buy now pay later", bei dem Kunden bei bestimmten Händlern entscheiden können, ob sie sofort oder erst in 30 Tagen bezahlen möchten.

Die Paneldiskussion "Wer macht das Rennen – Banken vs. Big Techs" brachte wichtige Erkenntnisse. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Banken ihre Stärken in der persönlichen Beratung und Kundenbetreuung haben, insbesondere bei komplexen Finanzdienstleistungen. Big Techs hingegen sind agiler bei der Identifizierung von Kundenbedürfnissen und der Entwicklung innovativer Lösungen.

Eine Schlussfolgerung der Diskussion war, dass Banken und Big Techs nicht als Konkurrenten, sondern als potenzielle Partner betrachtet werden sollten. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten kann dazu beitragen, die besten Lösungen für die Kunden zu finden und sich ständig weiterzuentwickeln, um den sich verändernden Anforderungen des Finanzmarktes gerecht zu werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines kooperativen Ansatzes, um das Beste aus beiden Welten zu nutzen und die Zukunft des Finanzwesens erfolgreich zu gestalten.

Dieser Blog wurde von Stefania Guberinic gepostet

Risikomanagement und IT-Regulatorik: Unsere Teilnahme an der Fachtagung im bayerischen Freising

Seit nunmehr 5 Jahren trifft sich eine Gruppe vorwiegend eigenständiger, mittelständischer deutscher Banken im oberbayerischen Freising für einen mehrtägigen Austausch rund um die Themen Gesamtbanksteuerung und Risikocontrolling, Revision und Compliance. Wissenschaftlich begleitet wird die halbjährlich stattfindende Tagung von Professor Stefan Zeranski, der ein enzyklopädisches Wissen über aktuelle regulatorische Anforderungen mit dem Sinn für’s Wesentliche kombiniert.
Für die Präsentation unserer Studienergebnisse unter Anwendung der Software cysmo aus dem Hause PPI (wir berichteten) durften wir als einzige Nicht-Bank am vertrauten Seminar teilnehmen.

Welche Anforderungen, aber auch Chancen werden von den Teilnehmern in diesen Bereichen gesehen? Unter den zahlreichen Regularien und Vorschriften, die über Bafin, EBA, EZB und andere Aufsichten gestellt werden – es handelt sich um viele hundert Seiten pro Jahr – sticht das Thema IT-Regulatorik heraus. Im Speziellen erschienen als Konkretisierung der deutschen MaRisk bzw. als Reaktion auf die EBA ICT Guidelines im vergangenen Jahr die BAIT (Bankaufsichtliche Anforderungen an die IT). Dieser kurze Text, von der Bafin als blosse Konkretisierung betrachtet und daher ohne Übergangsfrist umzusetzen, führte zu intensiven Gesprächen unter den Teilnehmenden. Einige Institute konnten schon über Erfahrungen bei der IT-Tiefenprüfung berichten, die in teils signifikanten Risiko-Aufschlägen resultierten.

Aber worum geht es in den BAIT? Der Text befasst sich detailliert mit Berechtigungsmanagement und IT-Betrieb, Informationsrisikomanagement und Auslagerungen. Eine Dokumentenflut trifft die Institute, da gezielte IT-Sicherheitsstrategien und Governance-Regeln im Einklang mit der Geschäftsstrategie zu formulieren sind. Das klingt alles reichlich formal, jedoch verdeutlicht die Intensität und Rigorosität der aufsichtlichen Prüfungen, wie ernst das Thema IT-Sicherheit genommen wird. Dabei gilt, wie eine Teilnehmerin anmerkte: „Man kann sich vorbereiten wie man will, man wird trotzdem kalt erwischt”. Oder überwacht und updated Ihr Haus regelmässig die ausgelagerten IT-Dienstleistungen und berücksichtigt diese Auslagerungsfälle im Risiko-Management? Haben Sie alle IDVs sauber dokumentiert, versioniert und Verantwortliche benannt?

Ähnliche Anforderungen gelten über die Corporate Governance- und OpRisk-Neufassungen auch immer mehr in der Schweiz. In der diesjährigen Jahresmedienkonferenz stellte Finma-Direktor Branson fest, dass Cyber-Risiken das grösste OpRisk für Banken sind. Seine deutschen Kollegen pflichten bei, dass „IT-Governance und Informationssicherheit für die Aufsicht inzwischen den gleichen Stellenwert haben wie die Ausstattung der Institute mit Kapital und Liquidität (Bafin: BAIT: BaFin veröffentlicht Anforderungen an die IT von Banken). Man ergänze gedanklich: «... und wird daher ebenso streng kontrolliert wie diese.» Gleichzeitig gelten in einer real-time economy auch immer strengere Vorschriften für Datenaggregation, -Qualität und Reporting. Es ist also anzunehmen, dass IT-Themen im Fokus der Aufsicht bleiben, selbst wenn der Zenit der regulatorischen Kreativität langsam erreicht scheint.

Das zumindest war der Konsens der anwesenden KMU-Banken. Einerseits sind deren IT-Systeme weniger fragmentiert als bei vielen grossen, andererseits fällt es besonders ihnen schwer, entsprechendes Know-How zu gewinnen. Insofern könnte die IT-Regulatorik auch als Katalysator für die Konsolidierung im Finanzsektor wirken oder zumindest als Anreiz, Kooperationen konkreter ins Auge zu fassen. Dies zeigte auch unsere Analyse mit cysmo®: Kleine Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind bedeutend besser gegen Cyber-Angriffe geschützt als gleich grosse, aber eigenständige Banken. Immer zentraler wird es auch bei den ohnehin anstehenden Modernisierungen der IT-Landschaften, Mehrwerte zu generieren. Schliesslich teilen sich die deutschen Banken bei der Eigenkapitalrendite mit Griechenland, Portugal und Zypern die letzten Plätze in der Währungsunion!

Es bleibt also spannend für die vielen mittelgrossen Banken in Deutschland, aber auch für die Konkurrenz in der Schweiz. Sehr hilfreich ist es vor diesem Hintergrund, in geschütztem Umfeld Klartext reden zu können. Wie spannend das ist konnten wir in Freising bestaunen.

Dieser Beitrag wurde von Sebastian Strub verfasst.

#Regulation #PPIonTour #cysmo

„Wissen ist das Einzige was sich verdoppelt, wenn man es teilt“

Was haben die Buzz-Wörter Blockchain, Ökosystem, Crowdfunding, Crypto-Currency und Robo-Advisory gemeinsam? Sie alle werden immer wieder in Verbindung mit der FinTech und Startup Szene gebracht und gehören zum guten Ton bei jeder Veranstaltung. Um den Begriff FinTech hat sich vor allem in den letzten Jahren ein wahrer Hype entwickelt. Nicht nur im Silicon Valley oder in Singapur spriessen FinTech Unternehmungen aus dem Boden, auch die Schweiz ist in einem echten FinTech-Fieber. Die Startup Map von Swisscom und e-foresight umfasst im Oktober 297 verschiedene Startups innerhalb der Schweiz. Swissquote spricht davon, dass sich bereits 10% aller europäischen FinTech Unternehmen in der Schweiz befinden, von denen 46% allein in Zürich ansässig sind. Die Tätigkeitsfelder reichen vom Asset Management über Crowdfounding bis hin zu Payments und Insurance. 30% von allen Schweizer FinTechs bieten dabei finanzorientierte Leistung an. Es wundert daher auch nicht, dass FinTechs immer wieder als Gefahr für das traditionelle Bankengeschäft und damit die Banken definiert werden. Doch schaut man auf das berühmte Ökosystem, braucht es FinTechs genauso wie Banken.


Der Swiss FinTech Day am 16 Oktober im UBS Grünenhof hat gezeigt, wie FinTechs und Banken voneinander profitieren und in einer Co-Creation gemeinsam Erfolge erzielen können. Das Flagship Event, welches durch die Swiss Finance Startups Vereinigung organisiert wurde, präsentiert sich modern und frisch und prägt selbst in der Agenda die Koexistenz von Banken und FinTechs. Zwischen verschiedenen Vorträgen und Panels zu Themen wie eID, Corporate API und Cyber Sicherheit, präsentieren Startups in mehreren Pitch-Runden immer wieder ihre Geschäftsideen. Revolutionär und ganz neu in der Schweiz ist die Messe am Nachmittag. Neben parallellaufenden Vorträgen auf der Hauptbühne haben die Gäste die Möglichkeit in der Exhibition Area mit über 45 FinTech Ausstellern in Kontakt zu treten. Ein gelungener Anlass der ohne das „Ökosystem“ nicht möglich gewesen sei, wie Christina Kehl (Co-Founder vom Swiss Finance Startups) in ihrer Eröffnungsrede betont.

Doch was bleibt von der ersten FinTech Messe in der Schweiz?

Der Swiss FinTech Day ist nicht einfach noch eine FinTech Veranstaltung unter vielen. Er hat gezeigt, dass das Thema FinTech mehr als nur ein Hype zu verstehen ist. Hinter dem Begriff verbergen sich Ideen und Wünsche, konkrete Chancen und Möglichkeiten sowie Firmen und Charaktere, die die Finanzbranche und die Schweiz bewegen und langfristig verändern werden. Worauf man sich jetzt konzentrieren möchte, sei jedem selbst überlassen – zu vielseitig ist das Themenfeld auf das wir hier blicken – als dass man alles im Blick behält. Ich möchte daher auf drei Aussagen etwas näher eingehen, die für mich von Bedeutung waren.

"Jeder sollte eine SwissID eröffnen, weil dies die Zukunft ist " | (Markus Naef SwissSign)

Estland und Holland haben es vorgemacht und die Schweiz zieht nach und versucht nun mit der SwissID im zweiten Anlauf eine einheitliche eID zu etablieren. Doch geht das Rezept von SwissSign auf? Ist die Plattformlösung zielführend oder wäre eine Schema-Lösung wie in Holland besser geeignet? Wie können sowohl Händler als auch Nutzer überzeugt werden, sich der SwissID anzuschliessen? Wie steht es mit der Interoperabilität für die verschiedenen nationalen und weiterführend internationalen Institutionen? Ist das Vertrauen gross genug und natürlich wie stark lassen sich die eigenen Daten kontrollieren? Diese und weitere Fragen stehen im Raum und es fällt schwer klare Antworten zu geben.



Fakt ist: das Thema und SwissSign nimmt an Bedeutung zu. Markus Naef spricht von 100 Anwendungen in 2019 für die SwissID. Das beginnt beim Kauf des Computerspiels und endet mit der Signatur für die Steuererklärung. Sowohl am Digital Switzerland Day im Hauptbahnhof am 25.10, als auch später am Nachmittag beim Top Event von PPI Schweiz wird das Thema eID eine wichtige Rolle spielen. Melden Sie sich jetzt noch schnell an.



„Die Schweiz braucht ein Open API Standard“ | (Dejan Juric, SIX Group)


Nichts müssen aber alles dürfen. Das ist der Grundtenor in Bezug auf das Thema Open API. Anders als in der EU sind die Schweizer Banken nicht dazu verpflichtet eine Schnittstelle an Drittanbieter (sogenannte TTPs) anzubieten und doch liegt genau dort das Potential. Denn vor allem sind Startups, wie Christina Kehl betont, die Keimzelle für technische Innovation. Open API ist mehr als nur das technische Bindeglied zwischen Bank und FinTech, gemäss Patrick Hunger, CEO Saxo Bank, kurbelt die Öffnung der Kanäle den Wettbewerb an. Nur so kann eine Entwicklung stattfinden. Es sei in der Schweiz fast schon zwingend notwendig, dass alle Banken eine API anbieten und bestenfalls nach einem und demselben Standard, denn wenn es die Schweiz nicht schafft eine API zu entwickeln, dann macht es am Ende jemand anderes. Auch Dejan Juric von SIX Group ist dieser Meinung und betont, dass es ein Open API Standard braucht und daher auch die Common und Corporate API Initiativen miteinander harmonisieren müssen und werden. Mehr zu dem Thema Open API hatten wir vor einigen Wochen bereits bei uns im Digital Finance Experts Blog.

"Digitalisierung als Gamechanger" (Manuel Nappo, HWZ)

Manuel Nappo bringt in seiner KeyNote „Be more Alfred – die Schweiz hatte ihren Elon Musk bereits vor 150 Jahren“ wohl den wichtigsten Erfolgsfaktor in Bezug auf FinTechs und Startups zur Sprache. Die Rede ist vom Mindset – von der generellen Grundhaltung gegenüber Veränderungen – vom Mut zu sagen „YES, why not!“ anstatt „YES, BUT…“. Er sieht die Digitalisierung als Gamechanger an, die etwas was vorher knapp war, verfügbar macht, auch wenn das manchmal etwas Geduld braucht. Denn obgleich wir in einer sehr schnelllebigen Zeit sind, braucht eine solche Veränderung natürlich Zeit. Wer würde schon seiner 7-jährigen Tochter vorwerfen, dass sie den Witz oder den Sachverhalt nicht versteht? Siri ist auch nicht viel älter, aber es gilt abzuwarten was passiert, wenn Siri nach der Matura in 10 Jahren zur Uni kommt. Es sind Gedanken die richtig und wichtig sind, wenn man über Change und Digitalisierung spricht – auch wenn dabei der kleine Faktor Geld eher etwas zu kurz kommt... aber da wären wir schon wieder beim „BUT“.

Es wäre falsch, die Startup- und Fintech-Szene zu belächeln und gewisse Geschäftsideen als Spinnerei abzutun oder ihnen nachzusagen, dass diese Anwendungen niemand braucht. Protektion des alten Systems ist hier fehl am Platz. Und wer von uns was wann braucht, das entscheidet alleine der Markt und somit wir Konsumenten. Hätten Sie vor zehn Jahren vielleicht gedacht, dass ein Grossteil der Erdbewohner gerne Fotos mit der Weltgemeinschaft teilt (vgl. Instagram)? Oder dass ein digitaler Taxidienst bald für ca. 120 Milliarden Dollar an die Börse geht (vgl. Uber)? Solche Beispiele zeigen, dass es sinnvoll ist, wenn die Schweiz weiter an der Standortattraktivität für Startups und Fintechs arbeitet und die hiesigen Banken darin Chancen sehen und weiter mit den verschiedenen StartUps zusammenarbeiten.  Denn Wissen ist eben das einzige was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Dieser Blog wurde von Florian Stade gepostet.

#FINTECH #THESWISSWAY #CorporateAPI #eID #PPIonTour #OpenBanking #DigitalIdentity

Vom Erfolg eines Startups: Contovista

Am 15. Mai 2018 hat der Lions-Club Zürich wieder seine Mitglieder zu angeregten Diskussionen und aktuellen Themen geladen. Dieses Mal im Glockenhof, wo das entsprechende Ambiente und die köstliche Bewirtung garantiert waren.

Carsten Miehling, gleichzeitig CEO von PPI Schweiz und amtierender Präsident des Lions-Club Zürich, hat mit Gian Reto à Porta vom FinTech-Unternehmen Contovista einen ganz besonderen Redner gesichert. Wer zahlreiche Details und Ausführungen der Produkte erwartet hat, wurde eines Besseren belehrt. Gian Reto hat vielmehr auf spannende Weise den Werdegang des Unternehmens geschildert - sozusagen, was nicht in Lebensläufen erscheint, sondern zwischen den Zeilen steht.

Unter dem Motto „Lessons Learned“ haben wir auf eindrückliche Weise die verschiedenen Etappen kennengelernt, die Contovista von den Anfängen bis zum heutigen Offering durchlaufen hat.

Bereits im Studium wurde ein erstes Projekt gelauncht, bei welchem sich die Frage stellte, ob es sich vermarkten liesse. Weitere Anläufe folgten, bevor die heutige Lösung von Contovista geboren war. 

Das Wichtigste war, dass Gian und sein Studienkollege immer ihre entsprechenden Lehren  daraus gezogen haben: In den Anfängen die richtigen Leute an Bord zu haben, die besten Leute einzustellen, die man sich leisten kann, für ein gutes Firmenklima zu sorgen, keine Zeit für unwichtige Dinge zu verschwenden und andere. Ein Punkt, den sicher auch viele andere FinTechs unterschreiben können ist, dass etwas Neues aufzubauen kein Sprint ist, sondern eher mit einem Marathon zu vergleichen ist. 

Inspiriert waren Gian Reto und sein Studienkollege immer von „The Lean Startup“ von Eric Ries.

Der Erfolg hat sich aber auch eingestellt, weil Contovista sich immer selbstkritisch hinterfragt hat und wertvollen Input von potentiellen Kunden und Sponsoren eingeholt hat: Was brauchen Sie? Würden Sie für dieses Produkt bezahlen? Würden Sie in dieses Produkt investieren? Wenn nein, wieso nicht? 

Sehr häufig meiden Startups diese Fragen zu lange und machen sich selbst etwas vor. Im Gegensatz zu Contovista, die nach ihrer Gründung 2013 bereits im Jahr 2017 über 20 Banken zu ihren Kunden zählt und mit Aduno einen sehr guten Investor gefunden hat. Der letzte Coup ist, dass auch die Raiffeisengruppe Österreich sich das Knowhow von Contovista gesichert hat.

Neben einem Personal Finance Manager bietet Contovista auch einen Business Finance Manager, deren Algorithmen nahtlos in E-Banking-Lösungen der Banken eingebunden werden können und neben ausgeklügelten Kategorisierungen auch eine komfortable Liquiditätsplanung für Firmenkunden und die Berechnung des Cash Flows ermöglichen.

Bei wem das Interesse geweckt wurde, kann sich bei den namhaften Lösungen der Zürcher Kantonalbank und der Schwyzer Kantonalbank näher informieren.

Auf die Frage: „Hätten Sie es anders gemacht?“ antwortete Gian Reto: „Der hervorragende Abschluss mit der Raiffeisen Österreich war nur möglich, weil wir diesen ganzen Lernprozess durchlaufen haben und unseren Nutzen daraus ziehen konnten. Gleich zu Beginn hätten wir zu viele Fehler gemacht.

In diesem Sinne wollen wir alle Leser ermutigen, einfach auch mal wieder etwas auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen - ganz im Sinne von Thomas Edison. Auch wenn wir Ihnen wünschen, dass Sie nicht jedes Mal über tausend Versuche für ein Gelingen benötigen.

Für Sie vor Ort war Frank Rebmann, PPI Schweiz

#Startup #PFM #BFM #Lean 

Petersberg 2018 - Die Zukunft im Zahlungsverkehr ist "Instant"


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Am 10. April 2018 fand an geschichtsträchtiger Stätte in Bonn das alljährliche Petersbersberger Electronic Banking Forum mit illustrem Teilnehmerfeld statt. Zwei unserer Kollegen waren auch dieses Jahr vor Ort und konnten sich in entspannter Atmosphäre ein Bild von den aktuellen Themen im Bereich Zahlungsverkehr machen.

Instant Payments - the new normal?

So stand das Forum dieses Jahr wenig überraschend vor allem unter dem Stern der Instant Payments. Jochen Metzger von der Deutschen Bundesbank skizzierte die “Antwort der etablierten Zahlungsverkehrsanbieter auf die Vorstösse der FinTechs”: 24/7/365 Verfügbarkeit, Gutschrift einer Zahlung innert 10 Sekunden und spätestens weitere 10 Sekunden später erhält der Auftraggeber die Bestätigung der Gutschrift auf dem Begünstigtenkonto, bei einem Maximalbetrag von derzeit EUR 15’000. Die Deutsche Bundesbank sieht aktuell einen kostendeckenden Transaktionspreis von 0.2 Eurocent, der sich je nach Volumen-Entwicklung allerdings noch anpassen kann. Instant Payments gibt es in einem ersten Schritt lediglich in EUR, die Währungen könnten zukünftig aber selbstredend erweitert werden. Zwei kleine Wermutstropfen gibt es allerdings auch: Denn Institute, die noch nicht Instant Payment-ready sind, werden wohl Probleme bei der Abwicklung eingehender Instant-Zahlungen haben und man muss sich bewusst sein, dass bei 24/7/365 auch eine rollierende Wartung der IT-Systeme notwendig sein wird.

Äusserst interessant waren auch Norbert Hambloch‘s Ausführungen zu Anwendungsmöglichkeiten in Unternehmen. Hambloch ist Leiter Treasury bei STRABAG, einem europaweit tätigen deutschen Mittelständler.

So unterhält man 28 verschiedene Bankbeziehungen, von denen jede eine unterschiedliche Annahmeschlusszeit (Cut Off) hat, die man selbstredend nicht allesamt im Kopf haben kann: Mit Instant Payments kein Problem mehr.
Aufgrund negativer Erfahrungen bei Gehaltszahlungen, führt man diese nun jeweils mindestens 3 Tage vor der Gutschrift aus. Schliesslich ist SEPA heute Valuta +1 Tag, länder- und regionenspezifische Feiertage kommen hinzu, die man ebenfalls nicht alle im Griff hat. Gehaltszahlungen sind nicht nur zentral, da für einen Serviceanbieter die Mitarbeiter das wichtigste Kapital sind (und diese möchte man natürlich bei Laune halten), sondern auch aufgrund arbeitsrechtlicher Begebenheiten. So hat ein Arbeitnehmer bei verspätet eingetroffenen Lohnzahlungen Anspruch auf 40 Euro Entschädigung. Bei Tausenden von Mitarbeitern kann das schon mal richtig ins Geld gehen. Dies sind nur zwei mögliche Anwendungen, die einem Treasurer das Working Capital Management erleichtern und zudem bares Geld wert sind.

Und wenn wir gerade beim Stichwort Bargeld sind: Nach wie vor erfolgen noch immer die Hälfte aller Zahlungstransaktionen in Deutschland bar. Das sind jährlich rund 11 Milliarden Bartransaktionen, wie Franz Huber von der HELABA bemerkt. Entsprechend gross auch hier das Potential der Instant Payments, die allerdings auch nicht für alle Transaktionen eingesetzt werden können (z.B. das Bezahlen an der Ladentheke, wo 10 Sekunden definitiv zu lange sind).

Intant Payments könnten sowieso nur ein Erfolg werden, wenn der Kunde einen spürbaren Mehrwert bekommt, die Transaktionskosten reduziert werden können oder aber der Regulator eingreift und Instant Payments gesetzlich verankert.

Nach dem Vormittagsprogramm folgte dann die anschliessende Mittagspause, welche Platz für Gespräche zu den vorangegangenen Themen bot. Besonders wurde hier über die Ausführungen von Norbert Hambloch diskutiert, welche, nach mehrheitlicher Meinung, den Banken in gewisser Weise aus Anwendersicht einmal die Augen öffnete und vor allem einen ernstzunehmenden Usecase für Instant Payments im Firmenkundenumfeld darstellten.

camt.086 - Ein weiterer Schritt hin zur Automatisierung

Das Nachmittagsprogramm startete nun weniger instant-bezogen, aber dennoch mit interessanten Ausführungen von Kay Emmrich (Commerzbank), der über Bankentgelte im ISO-20022-Format camt.086 und die einhergehenden Anforderungen der Kunden sowie über die Standardisierung im Rahmen der DK berichtete.

Bei BSB (Bank Services Billing Statement) handelt es sich um einen elektronischen Report für Bankentgelte, welcher detaillierte Informationen über in Anspruch genommene Services (Stückzahl/Volumen) und darauf berechnete Entgelte inkl. Steuern und Währungsumrechnungen beinhaltet.

Hiermit sollen dem Kunden zukünftig u.a. folgende Mehrwerte geboten werden können:
  • Automatische Rechnungsprüfung (korrekte Preise gem. Vereinbarung, korrekte Stückzahlen)
  • Identifizierung von kritischen/teuren Vorgängen 
  • Automatische Kostenanalyse und Abweichungserkennung
  • Vergleich von Entgelten zwischen Banken/Regionen (bankunabhängige Produkt-/Entgelt-Codes zur institutsübergreifenden Entgelterkennung und Konsolidierung)
  • Konzernweites Management-Reporting hinsichtlich Bankentgelten
Ermöglicht wird dies (in Deutschland) durch eine nationale Spezifikation für das Format camt.086 auf Basis der ISO- und CGI-MP-Vorgaben sowie der Einbindung in das Regelwerk des DFÜ-Abkommens und damit die Schaffung eines einheitlichen Formatstandards für den deutschen Markt.

Die Aufnahme des neuen Kapitels 12 mit einer camt.086-Formatspezifikation in die Anlage 3 des DFÜ- Abkommens (inkl. Vorgaben für eine Anhang-1-konforme BTC-Belegung der Entgelte) sind soweit abgeschlossen und werden mit der neuen Version 3.2 am 18. November 2018 in Kraft treten. Für Banken ist der camt.086 selbst weiterhin optional, jedoch wird auch hier aufgrund der Mehrwerte, die Nachfrage das Angebot mittelfristig spürbar beeinflussen. Ein Thema das auch zukünftig für Schweizer Banken und Unternehmen eine Rolle spielen wird.

Bezahlverfahren in der Versicherungswirtschaft

Weiter ging es dann mit Einblicken in die 2017 gemeinsam von der PPI AG und ibi research durchgeführte Marktstudie zum Thema Bezahlverfahren in der Versicherungswirtschaft. Dr. Georg Wittmann zeigte anhand ausgewählter Studienergebnisse den nach wie vor sehr von Überweisungen und Lastschriften geprägten Status Quo der In- und Exkasso-Prozesse, sowie den aktuellen Stand und den eventuellen zukünftigen Einsatz alternativer Zahlverfahren im Versicherungssektor auf. So planen beispielsweise drei von vier Versicherungen in den nächsten Jahre weitere Zahlungsverfahren im Inkasso einzuführen. Aber nur jede zweite denkt auch über eine Einführung im Exkasso nach. Interessanterweise stehen hierbei insbesondere Bezahlverfahren wie paydirekt und Kreditkarten im Fokus. Der Grossteil der befragten Experten sieht Instant Payments für die Versicherungswirtschaft sehr wohl als interessant an, hätte es aber in der Vergangenheit, bis auf wenige Ausnahmen, meist noch nicht gebraucht. Der einfache und komfortable Einsatz sei den Versicherungen hierbei am wichtigsten.

Interessant waren ebenfalls die Gedanken zu teilweise sehr spezialisierten Anwendungsfällen und der einhergehenden Verknüpfung zu Bezahlverfahren wie beispielsweise OptioPay. Zusammenfassend konnte man anhand der Ergebnisse feststellen, dass sich die Versicherungsbranche auf der einen Seite sehr stark mit möglichen Usecases und den verbundenen Zahlverfahren auseinandersetzt, auf der anderen Seite sich deren aber richtigerweise auch nur gut begründet und überlegt annimmt.

Details zur Studie erfahren Sie hier.

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Produktmarkt PPI 

Last, but not least stellte dann Dr. Clemens Engelke anhand der Produkte TRAVIC-Payment Hub und TRAVIC-Interbank den Einfluss aktueller Marktthemen (u.a. SWIFT gpi, SEPA Instant Payments, PSDII, EBICS 3.0, TARGET2 MX Migration) sowie die Reichweite, aber auch Chancen und Möglichkeiten der damit verbundenen Auswirkungen vor.

So wird die PPI AG beispielsweise mit dem Ausbau der einheitlichen Clearing-Plattform TRAVIC-Payment Hub zukünftig eine der modernsten und leistungsfähigsten Clearingplattformen Europas anbieten. Auch die sehr umfangreichen Erweiterungen der bestehenden TRAVIC-Produkte und aktuelle Neuentwicklungen wie z.B. die Instant Payment App Peasy wurden sehr umfangreich und anschaulich präsentiert.

Gegen 15.30 Uhr endete dann der offizielle Teil der Veranstaltung und die abschliessende Kaffeerunde bot erneut Raum für intensiven und anregenden Austausch zwischen den Teilnehmern und Referenten. Dank der an diesem Tag in Deutschland durchgeführten Warnstreiks und der damit verbundenen Annullierung unseres Rückfluges, hatten wir auf der darauf mittels Zug erfolgten Rückreise, eine weitere Gelegenheit mit dem seitens der UBS entsandten Vertreter die Themen mit Bezug auf die Schweiz nochmals zu reflektieren. Ein zwar ungeplanter, aber dafür um so mehr gelungener Ausklang einer wirklich hochkarätigen Veranstaltung!

Für Sie gebloggt haben David Lehr und Matthias Schöpp

#InstantPayments #ISO20022 #EBICS #camt.086 #Bezahlverfahren #SWIFTgpi #SEPAInstantPayments #PSDII #TARGET2 #CGI #24/7/365

Highlights vom European Payment Summit 2018 – Tag 2

Mit dem Vortrag über den aktuellen Stand der Entwicklung von Quanten-Computern wurde die Messlatte schon am ersten Tag ziemlich hoch gelegt. Und so geht es denn heute im ähnlichen Stil weiter. Vivek Bajaj, IBM Watson Financial Services Solutions stellt aktuelle Projekte vor, in welchen AI eine zentrale Komponente darstellt. AI, üblicherweise als Abkürzung für ’Artificial Intelligence’ im Gebrauch, wird hier zur ’Augmented Intelligence’. 

Der clevere Watson aus dem Hause IBM, welche schon vor 20 Jahren den amtierenden Schach-Weltmeister Garry Kasparov besiegte, erkennt heute verdächtige Zahlungen, E-Mails von betrügerischen Mitarbeitern und weiteres. Beispiel gefällig? Eine Mail eines Mitarbeiters einer Bank an einen Kunden zum Thema Wetter ”It’s going to rain tomorrow, you better take an umbrella” wurde korrekt als Weitergabe von Insider-Informationen erkannt. Das Motto lautet diesbezüglich: Context meets Content. Genauso wichtig wie der Inhalt einer Meldung ist auch der Kontext, in welchem eine Meldung eingesetzt wird.

Weitere Anwendungen von Watson finden sich in Call-Center-Lösungen, in welche Experten das System so trainieren, dass Anfragen korrekter und schneller beantwortet werden.

Und, ja, dass B-Wort durfte natürlich auch nicht fehlen. Während viele immer noch nicht genau wissen, wie eine Block-Chain wirklich funktioniert, hat IBM schon über 400 Blockchain-Projekte realisiert. Eine konkrete Anwendung finden Sie hier: https://www.we-trade.com/

Über die Aktivitäten der holländischen Zentralbank berichtet Petra Hielkema. Hauptthema ist auch hier PSD2 sowie deren Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr. Wettbewerb unter den Markteilnehmern ist normalerweise wünschenswert. Der rapide Anstieg an Payment Service Providern (PSP) in den letzten drei Jahren stimmt jedoch etwas nachdenklich. Eine grobe Schätzung geht von über 300 verschiedenen Services und Dienstleistung alleine in Holland aus. Gut möglich, dass sich hier wieder eine Konsolidierung einstellen wird.
Nicht ganz überraschend gibt es auch bei der Umsetzung der PSD2-Richtlinien Verzögerungen. Erst 11 Mitglied-Länder haben die entsprechenden Richtlinien in nationale Gesetze adaptiert. Auch die technischen Richtlinien, die sogenannten ’Regulatory Technical Standard (RTS) werden mit einer Verspätung von etwa 20 Monaten verfügbar sein.




Das führt uns zur nächsten Panel-Diskussion, in welcher nun Akteure auftreten, welche wir bisher noch nicht auf dem Radar hatten - Juristen. Gijs Boudewijn (European Banking Federation), James Whittle (Director International Standards and Services), Scott McInnes (Jurist) und Ralf Jacob (EU-Kommission) diskutieren aktuelle Probleme bei der Umsetzung der PSD2-Regulatorien und beantworten Fragen aus dem Publikum. 


Es versteht sich von selbst, dass die Antworten der Juristen keine einfachen sind. Antwort auf die Frage unseres PPI-Kollegen Hubertus von Poser, ob denn auch Kreditkartenkonten der PSD2 unterstellt sind: ”yes and no”… Die Erklärung dazu lautet: Was ich als Kunde mit einem Konto machen kann, soll auch ein Dritter machen können, vorausgesetzt, ich habe meine Einwilligung erteilt. Kann ich mein Kreditkartenkonto einsehen, Transaktionen abfragen? Antwort: Ja. Kann ich eine Zahlung ab meinem Kreditkartenkonto initiieren? Normalerweise nein. Heisst also, Banken müssen Account Service Providern (ASP) den Zugang zu einem Kreditkarten gewähren, nicht aber Payment Initiation Service Providern (PISP). 

Selbst Ralf Jacob, von der Europäischen Kommission, welche die sehr komplexen Gesetzestexte verfassen, bestätigte, dass sie diese Regelungen doch sehr ”pragmatisch” ausgelegt und umgesetzt werden sollen. Das war nun von einem Mitglied einer Regulierungsbehörde nicht wirklich zu erwarten…

In der letzten Panel-Diskussion steht das Thema ’Strong Customer Authentication’ im Fokus.

Alain Martin (Gemalto), Rolf Lindemann (Nok Nok Labs, Hamburg), Michael Sass (Mastercard) diskutieren die aktuellen Methoden und Möglichkeiten starker Benutzerauthentifikationen. Auch hier sind bereits viele Lösungen im Markt, welche den regulatorischen Ansprüchen mal mehr, aber auch mal weniger genügen.

Generell ist man sich aber einig, dass das Benutzererlebnis entscheidend sein wird, welche Systeme sich im Markt durchsetzen werden. Details dazu verraten wir Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch an anderer Stelle.




Das war’s vom 17. European Payment Summit aus dem Loumann Museum in Den Haag, welches übrigens ein sehr interessantes OldTimer-Museum beherbergt. Sehr empfehlenswert!

Wir verabschieden uns mit einer neuen Überlegung zum Thema Faster Payment



Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Dieser Beitrag wurde von Rolf Zumsteg gepostet


#EuropeanPaymentSummit #FürSieUnterwegs #PAYMENTS #europe #EPS18 #PSD2 #gdpr #FastPayments #Blockchain #AI

Bericht vom Frankfurt Payments Network

Bereits zum vierten Mal fand das vom FPN organisierte Zahlungsverkehrs-Symposium in einem ehemaligen Dominikanerkloster in Frankfurt statt. Abermals konnten mehr Teilnehmer und Sponsoren für den Anlass gewonnen werden, sodass sich die Veranstaltung langsam aber sicher zu einem Szene-Treff für Zahlungsverkehrsexperten mausert.

Wie zu erwarten war, standen am diesjährigen Symposium die Themen „Instant Payments“, „Open Banking“ und „Sicherheit“ im Fokus. Interessanterweise drehte sich ein Diskussionsschwerpunkt auch um das Thema „Corporate Payments“, ein Schwerpunkt im Zahlungsverkehr, welchen man auf hiesigen Veranstaltungen kaum findet.

In den Eröffnungsreden von Dr. Hubertus von Poser (PPI) und Andreas Pratz (PwC) werden die „Hot Topics“ kurz erwähnt und mit eigenen Einschätzungen kommentiert. Dr. Hubertus von Poser sieht vor allem Instant Payments als Bedrohung vor die Kartenindustrie und erkennt bei diesem Verfahren auch grosse Potentiale beim Zahlungsempfänger. Andreas Pratz empfiehlt einen Blick ins Ausland, insbesondere nach Asien, wo bereits produktive Lösungen für unsichtbare, biometrische und IoT-Zahlungsvorgänge im Einsatz sind.

Nach der ersten Kaffee-Pause wurde „Instant Payment – Wo stehen wir heute?“ von den Rednern aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet. Den Start machte Holger Thiemann von der EZB. In der Rolle als Projektleiter von TIPS (TARGET Instant Payment Settlement) betont er die Motivation und die Herausforderungen als Zentralbank die Infrastruktur für das europäische Instant Payment System zur Verfügung zu stellen. Die EZB sieht sich als europäischer Infrastruktur-Bereitsteller für Banken, Netzwerkprovider und Clearingsystem-Anbieter, nicht als kommerzieller, gewinnorientierter Anbieter von Zahlungsverkehrslösungen für Endkunden. Der Produktionsstart ist auf November 2018 vorgesehen.

Katja Heyder, EBA-Clearing, blickt zurück auf den Produktionsstart von RT1 (die realtime Infrastruktur von EBA) vom 21. November 2017, wo bereits 17 Banken aus 8 Ländern mit Instant Payments gestartet sind. Das Umsatz-Volumen im Januar (neu mit 20 Banken) ist noch relativ bescheiden (3,8 Millionen EUR), da die ersten produktiven Banken in der Regel die Lösungen als Pilotprojekte betreiben, oft auch nur in einem geschlossenen Kundenkreis (z.B. innerhalb einer Bankengruppe). Per Mitte Jahr wird eine angeschlossene Teilnehmerzahl von gegen 100 Banken prognostiziert.

Der dritte und letzte Beitrag zum Thema wurde von Thomas Feiler von EACHA (European Automated Clearing House Association) bestritten. Die EACHA mit aktuell 27 partizipierenden Clearing Häusern, fördert als Non-Profit-Organisation die Zusammenarbeit und Interoperabilität unter ihren Mitgliedern. Mit Instant Payment beschäftigt sich die EACHA seid 2013, was im 2016 zur Publikation des EACHA Instant Payments Interoperability Framework (EIPIF) führte. EIPIF ist kompatibel zum EPC SCTInst Rulebook und soll in der Verarbeitungskette zwischen den Banken die Kompatibilität zu den Vorgaben (insbesondere die max. 10 Sekunden Durchlaufzeit) sicherstellen.

Bei der anschliessenden Podiumsdiskussion mit den Instant Payment Referenten, moderiert von Dr. Leo Lipis von Lipis Advisors, wurde zunächst die Frage nach den bereits produktiven Volumen von EBA-Clearing gestellt. Diese werden als hoch wahrgenommen, zumal in Deutschland kaum kommerzielle Angebote existieren. Katja Heyder argumentierte, dass es einige wenige angeschlossene Banken im Onlinebanking bereits ein beachtliches Volumen genieren, u.a. auch ein holländisches Institut, welche das gesamte SCT-Volumen nach SCTInst migriert hat. 

Das Plenum geht nach einer kurzen Abstimmung davon aus, dass mittelfristig (5-10 Jahre) alle Zahlungen instant sein werden und das dann das „New Normal“ sein wird. Ein Teilnehmer schlägt vor, dass die Bankindustrie SCTInst zum Anlass nehmen sollte, sich wieder einmal über Gebühren und Rentabilität im Zahlungsverkehr Gedanken zu machen. Insbesondere im Corporate- und Grossbetrags-Umfeld scheinen hier neue Modelle möglich zu sein, was auch vergleichbare Anwendungen im Ausland zeigen (z.B. Frankreich und Italien). Ein weiterer Teilnehmer sieht die eigentliche Herausforderung bei der 7x24-Verfügbarkeit. Hier scheinen ebenfalls neue Anwendungsfälle möglich, wo neue Angebote durchaus etwas kosten könnten.

Der Nachmittag widmete sich schwerpunktmässig den Themen Firmenkundenzahlungsverkehr und Innovation. Paul Landvogt (Specific Group) stellte eingangs die Frage, welchen Einfluss Industrie 4.0 auf den Firmenkundenzahlungsverkehr haben könnte, respektive welche Antworten die Banken auf diese Frage haben. Paul Landvogt empfiehlt eine Haltung einzunehmen, wo die Bank ein Teil der Wertschöpfungskette des Firmenkunden wird. Gefragt sind neue Services, die aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Zahlungsverkehr möglich werden und für beide Parteien einen Nutzen bringen.

Jiri Sandanus, Co-Redner von Crede, weist darauf hin, dass es auch neben dem SCTInst-Schema noch einige weitere gibt, die teilweise auch schneller sind und über höhere Maximalbeträge für Transaktionen verfügen. Neben den bekannten Lösungen aus Skandinavien und England gehen in Kürze auch nationale Lösungen in Osteuropa in Produktion (z.B. Polen und Tschechien). Dies ist vor dem Hintergrund, dass wir in der Schweiz mit ebenfalls einer Nicht-Euro-Währung eine ähnliche Ausgangslage haben, sehr bemerkenswert.

Einen ganz anderen Blickwinkel nimmt Thorsten Zipf von CGI im Zusammenhang mit Mehrwerten gegenüber Firmenkunden ein. Gemäss einer Umfrage erwarten Firmenkunden von ihrer Bank für ihre Geschäftstätigkeit und Treue belohnt zu werden. Dabei stehen nicht die klassischen Volumen-Rabatte auf Gebühren im Vordergrund. Firmen wünschen sich vielmehr ihre Hausbank in der Rolle als digitaler Partner. Mit Hilfe intelligenter Data Analytics Lösungen, basierend auf dem qualitativ hochstehenden Datenpool der Bank für Stamm- und Bewegungsdaten, können echte Mehrwerte für Firmenkunden generiert werden, welche über eine konventionelle Anlageempfehlung hinausgehen. In Kombination mit der Ausnutzung der PSD2, wo die Bank selbst die Rolle eines Drittanbieters einnimmt, sind darüber hinaus äusserst interessante Angebote im Multibanking möglich.

Alen Koenigsberg (Traxpay USA) schlägt den Bogen zu Trade und Supply Chain Finance. Sein Produkt „Traxpay Dynamic Financing Platform“ agiert als Vermittler in den Beziehungen von Firmen zur Bank und in der Interaktion der Firmen untereinander. Als Grundidee sollen alle Akteure jederzeit über alle Informationen (z.B. komplette Details einer Bestellung, Rechnung oder Zahlung) im Meldungsaustausch verfügen, was wiederum zu mehr Automation in der Verarbeitung führt. Gefördert wird dies zusätzlich mit zertifizierten Plug-Ins der Plattform zu den ERP-Marktführern (SAP, Oracle, JD Edwards, Microsoft Dynamics, etc.).

Beim Abschluss des Symposiums ging es um Innovationen im Zahlungsverkehr. Den Anfang macht Dr. Thorsten Völkel (PPI AG), der die Frage stellt, wer denn in Zukunft Deutungshoheit über das gesprochene Wort haben wird. Google, Amazon, Apple oder weitere Tech-Giganten, die bereits heute mehr als eine Million Geräte in heimischen Wohnstuben in Deutschland stehen haben? Aus heutiger Sicht ist eine Anbindung mittels Spracherkennungs-APIs (Application Programming Interfaces) nur über Cloud-Lösungen dieser Anbieter möglich, was wiederum für hiesige Banken, im Gegensatz zu US-Banken, ein unüberwindbares regulatorisches Problem darstellt. Denkbar sind aus heutiger Sicht nur weniger sensitive Abfragen auf öffentliche zugängliche Informationen, welche beispielsweise auf der Webseite der Bank stehen.

Matthias Salmon von NCR brachte das heute schon obligate Konferenz-Thema Cyber Crime ins Plenum. In einer immer mehr über Internet vernetzen Welt und dem Aufstieg von Cloud-Lösungen steigen natürlich auch die Angriffspotentiale auf Geräte und Infrastrukturen. Vor diesem Hintergrund sind natürlich auch Services wie Instant Payments eine attraktive Angriffsquelle, zumal der überwiesene Betrag ja in Sekunden final gutgeschrieben ist. Dies notabene auch für grössere Transaktionsbeträge. An dieser Stelle wird eine anbietende Bank von Instant Payments den Spagat zwischen Geschwindigkeit und aufwändiger Betrugs-Prävention finden müssen (wie gross ist die Risiko-Fähigkeit und -Bereitschaft?).

Der allerletzte Vortrag des Symposiums wurde von Dr. Michael Salmony (EquensWordline) präsentiert, welcher mit „Digitale Identität“ ein weiteres Modethema der Branche ins Kloster nach Frankfurt mitbrachte. Eine zentrale Aussage war die, dass Identität nicht nur auf Personen beschränkt ist (man beachte, dass neuerdings Geräte Transaktionen auslösen können), es heute vielmehr um Rechteverwaltung und Authentisierung geht. Digitale Identitäten müssen eine Reihe von Anforderungen erfüllen. Die Identität mittels mobilem Gerät in Kombination mit biometrischen und verhaltensbasierten Daten einsetzen zu können, ist zentral. Die Banken könnten mit dem bewährten 4-Corner-Modell eine entscheidende Rolle bei Services rund um die e-Identität einnehmen.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Vorträgen können gerne beim Autor nachgefragt werden.

Über das Frankfurt Payments Network (FPN):
Das FPN wurde im Jahre 2011 gegründet und ist eine Netzwerkplattform für Entscheider und Experten aus der Payments Industry mit über 150 hochkarätigen persönlichen Mitgliedern. Die Mitgliedschaft ist ausschliesslich über eine Empfehlung eines bereits bestehenden Mitglieds möglich und richtet sich an Entscheider und Experten von Kreditinstituten, Dienstleistern, Verbänden, Beratungsunternehmen, Handel etc.. Ziel ist es, an den Entwicklungen des Zahlungsverkehrsraums in Europa teilzuhaben und darüber hinaus an der Gestaltung des Zahlungsverkehrs der Zukunft mitzuwirken.

Mehr Details unter: www.frankfurt-payments-network.de.

Für Sie gebloggt hat Carsten Miehling

#InstandPayments #DigitalIdentity #CyberCrime #PPI

Aktuelles aus dem europäischen Umfeld

Mitte September trafen sich die Mitglieder der EPCA (European Payments Consulting Association), in welcher PPI Schweiz ebenfalls Mitglied ist, ein weiteres Mal zum informellen Austausch. Ziele dieser Treffen sind die gegenseitige Information über die aktuelle Entwicklung in den einzelnen Ländern sowie Diskussionen über spezifische Themen. Als Standort für das Treffen wurde, anlässlich der neuen PPI-Geschäftsstelle, Genf gewählt. Für weitere Informationen zu ECPA besuchen Sie deren neue Web-Seite unter www.epca.de.

PSD2
Das Dauerthema PSD2 stand auch diesmal wieder auf der Agenda. Sämtliche Teilnehmer bestätigen, dass dieses Thema auch in ihren Ländern kontrovers diskutiert wird. Einerseits sind die Banken nicht gewillt, ihre Daten für weitere Dienstleister zu öffnen, andererseits aber soll verhindert werden, dass europäische Gesetze verletzt werden und dadurch möglicherweise Sanktionen ergriffen werden könnten.
Der Wunsch vieler Betroffenen, also Banken sowie Software-Hersteller (Fin-Techs), nach einem einheitlichen, europäischen Standard-API wird sich wohl kaum erfüllen. Die Berlin Group, dessen Teilnehmerliste inzwischen  37 europäische Institute umfasst (Stand September 2017), hat noch immer keine konkrete Spezifikation veröffentlicht. Inzwischen aber hat STET (France), ebenfalls Mitglied der Berlin Group, eine solche bekannt gegeben. Es wird interessant sein zu beobachten, welche Akzeptanz diese im Markt finden wird.

AML
Interessantes gibt es seitens der AML (Anti Money Laundering) -Direktiven zu berichten. Während die Version 4 verabschiedet wurde und nun umgesetzt wird, ist bereits die Version 5 im Vernehmlassungsprozess. Im Markt wird nun etwas frustriert festgestellt, dass die Behörden neue Versionen schneller beschliessen, als diese technisch umgesetzt werden können. Laufend werden weitere Zahlinstrumente von diesen Regulatorien erfasst, sodass die Akteure laufend nachrüsten müssen. Zudem ist eine Diskussion entstanden, was genau als e-Money zu gelten hat und welche Vorschriften diesbezüglich zu gelten haben. Im Grundsatz aber ist erkennbar, dass sich die Behörden eine Cashless-Society als Zielbild vorstellen. Wenn auch noble Gründe dafür sprechen (Verhinderung von Geldwäsche und Terror-Finanzierung), ist einem nicht wirklich wohl bei dem Gedanken, dass in Zukunft sämtliche Geldströme von den Regierungen überwacht werden sollen.

Cashless Society
Andererseits sind wir in gewissen Ländern schon sehr nah an der Cashless-Society. Die Pflicht zur Bargeldannahme schwindet mehr und mehr. Inzwischen gibt es schon einige Situationen, in welchen nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden kann. Beispiele sind Tankstellen, welche rund um die Uhr geöffnet haben und zwischen 22:00 und 6:00 Uhr nur Kartenzahlungen akzeptieren, damit keine Bargeldbestände gehortet werden müssen. Der Grund hierfür ist im Wesentlichen der Schutz der Angestellten. Ähnliches hat der Schreibende kürzlich in Kanada erlebt, als er im Hotel bar bezahlen wollte; auch hier nur mit Karte bitte.
Aktuelle Statistiken aus den nordischen Ländern belegen, dass tatsächlich die Cashless-Society schon sehr nahe ist, insbesondere Schweden ist diesbezüglich eindeutig an erster Stelle. In die gleiche Richtung geht auch die Abschaffung der EUR-500-Note. Von dieser sind knapp 600 Millionen (Wert EUR 300 Milliarden) im Umlauf, welche ab 2018 nicht mehr neu ausgegeben und stetig reduziert werden soll. Die Schweiz bildet in diesem Bereich eine grosse Ausnahme. Die Abschaffung der CHF-1000-Note ist kein Thema, mehr als 45 Millionen (im Wert über 45 Milliarden) bleiben im Umlauf. Interessant ist der Vergleich dieser grössten Noten bezüglich Wertanteil. Während im EUR-Raum die EUR-500-Note knapp 28% der gesamten Bargeldmenge ausmacht, beträgt der Anteil CHF-1000-er Note über 62%. Da diese Noten nur selten im normalen Bargeldverkehr zum Einsatz kommen, wird offenbar eine sehr grosse Menge an Vermögen in Form von Bargeld gehortet.

Bitcoin
Das Thema musste ja kommen, kein Blog ohne das Thema Bitcoin. Was also gibts es Neues zu diesem Thema?
Am 1. August 2017 wurde eine neue Kryptowährung ins Leben gerufen, Bitcoin Cash.
Die Entstehung ist tatsächlich interessant, sie wurde nämlich durch eine Abspaltung des originalen Bitcoin errichtet, was bedeutet, dass Besitzer von Bitcoin nun auch die gleiche Anzahl in Bitcoin Cash erhalten haben (sofern sie ein Wallet haben, welches dies unterstützt). Welche Auswirkung das nun auf dem Markt hervorbringt, ist nicht klar ersichtlich. Es gibt nun also Bitcoin (Währungskürzel BTC) und Bitcoin Cash (Währungskürzel BCC oder BCH). Details siehe auch auf Wikipedia.
Übrigens, gerade in dieser Woche ist der BTC um fast 30% gefallen auf USD 3192. Der Bitcoin-Experte der EPCA, nicht identisch mit dem Schreibenden, prognostiziert einen Stand von USD 5000 zum Ende des Jahres.
Steigen Sie ein?

Diese und weitere Themen wurden auch während dem kulinarischen Rahmenprogramm ausführlich diskutiert (und die meisten Probleme auch gleich gelöst…). Abgerundet wurde das Programm mit einer interessanten
Führung durch die Calvin-Stadt.

Dieser Beitrag wurde von Rolf Zumsteg gepostet.

#PSD2, #Cashless, #Bitcoin, #EPCA