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Risikomanagement und IT-Regulatorik: Unsere Teilnahme an der Fachtagung im bayerischen Freising

Seit nunmehr 5 Jahren trifft sich eine Gruppe vorwiegend eigenständiger, mittelständischer deutscher Banken im oberbayerischen Freising für einen mehrtägigen Austausch rund um die Themen Gesamtbanksteuerung und Risikocontrolling, Revision und Compliance. Wissenschaftlich begleitet wird die halbjährlich stattfindende Tagung von Professor Stefan Zeranski, der ein enzyklopädisches Wissen über aktuelle regulatorische Anforderungen mit dem Sinn für’s Wesentliche kombiniert.
Für die Präsentation unserer Studienergebnisse unter Anwendung der Software cysmo aus dem Hause PPI (wir berichteten) durften wir als einzige Nicht-Bank am vertrauten Seminar teilnehmen.

Welche Anforderungen, aber auch Chancen werden von den Teilnehmern in diesen Bereichen gesehen? Unter den zahlreichen Regularien und Vorschriften, die über Bafin, EBA, EZB und andere Aufsichten gestellt werden – es handelt sich um viele hundert Seiten pro Jahr – sticht das Thema IT-Regulatorik heraus. Im Speziellen erschienen als Konkretisierung der deutschen MaRisk bzw. als Reaktion auf die EBA ICT Guidelines im vergangenen Jahr die BAIT (Bankaufsichtliche Anforderungen an die IT). Dieser kurze Text, von der Bafin als blosse Konkretisierung betrachtet und daher ohne Übergangsfrist umzusetzen, führte zu intensiven Gesprächen unter den Teilnehmenden. Einige Institute konnten schon über Erfahrungen bei der IT-Tiefenprüfung berichten, die in teils signifikanten Risiko-Aufschlägen resultierten.

Aber worum geht es in den BAIT? Der Text befasst sich detailliert mit Berechtigungsmanagement und IT-Betrieb, Informationsrisikomanagement und Auslagerungen. Eine Dokumentenflut trifft die Institute, da gezielte IT-Sicherheitsstrategien und Governance-Regeln im Einklang mit der Geschäftsstrategie zu formulieren sind. Das klingt alles reichlich formal, jedoch verdeutlicht die Intensität und Rigorosität der aufsichtlichen Prüfungen, wie ernst das Thema IT-Sicherheit genommen wird. Dabei gilt, wie eine Teilnehmerin anmerkte: „Man kann sich vorbereiten wie man will, man wird trotzdem kalt erwischt”. Oder überwacht und updated Ihr Haus regelmässig die ausgelagerten IT-Dienstleistungen und berücksichtigt diese Auslagerungsfälle im Risiko-Management? Haben Sie alle IDVs sauber dokumentiert, versioniert und Verantwortliche benannt?

Ähnliche Anforderungen gelten über die Corporate Governance- und OpRisk-Neufassungen auch immer mehr in der Schweiz. In der diesjährigen Jahresmedienkonferenz stellte Finma-Direktor Branson fest, dass Cyber-Risiken das grösste OpRisk für Banken sind. Seine deutschen Kollegen pflichten bei, dass „IT-Governance und Informationssicherheit für die Aufsicht inzwischen den gleichen Stellenwert haben wie die Ausstattung der Institute mit Kapital und Liquidität (Bafin: BAIT: BaFin veröffentlicht Anforderungen an die IT von Banken). Man ergänze gedanklich: «... und wird daher ebenso streng kontrolliert wie diese.» Gleichzeitig gelten in einer real-time economy auch immer strengere Vorschriften für Datenaggregation, -Qualität und Reporting. Es ist also anzunehmen, dass IT-Themen im Fokus der Aufsicht bleiben, selbst wenn der Zenit der regulatorischen Kreativität langsam erreicht scheint.

Das zumindest war der Konsens der anwesenden KMU-Banken. Einerseits sind deren IT-Systeme weniger fragmentiert als bei vielen grossen, andererseits fällt es besonders ihnen schwer, entsprechendes Know-How zu gewinnen. Insofern könnte die IT-Regulatorik auch als Katalysator für die Konsolidierung im Finanzsektor wirken oder zumindest als Anreiz, Kooperationen konkreter ins Auge zu fassen. Dies zeigte auch unsere Analyse mit cysmo®: Kleine Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind bedeutend besser gegen Cyber-Angriffe geschützt als gleich grosse, aber eigenständige Banken. Immer zentraler wird es auch bei den ohnehin anstehenden Modernisierungen der IT-Landschaften, Mehrwerte zu generieren. Schliesslich teilen sich die deutschen Banken bei der Eigenkapitalrendite mit Griechenland, Portugal und Zypern die letzten Plätze in der Währungsunion!

Es bleibt also spannend für die vielen mittelgrossen Banken in Deutschland, aber auch für die Konkurrenz in der Schweiz. Sehr hilfreich ist es vor diesem Hintergrund, in geschütztem Umfeld Klartext reden zu können. Wie spannend das ist konnten wir in Freising bestaunen.

Dieser Beitrag wurde von Sebastian Strub verfasst.

#Regulation #PPIonTour #cysmo

Haben wir eine Identitätskrise?

Cyber-Attacken auf grosse Firmen und sogar Behörden sind in letzter Zeit regelmässig in den News zu lesen. So wurden bei bei einem Hackerangriff auf die Krankenversicherung Groupe Mutuel im Dezember 2017 eine unklare Menge an Kundendaten erbeutet. Auch Swisscom wurde vor Kurzem von einer Cyber-Attacke Kundendaten wie Namen, Adressen, Telefonnummern und sogar Geburtsdaten entwendet. Hinter einem Grossangriff auf deutsche Ministerien wird eine russische Hackergruppe vermutet. Der Vorfall bei Swisscom wurde zwar heruntergespielt, jedoch sind die abgegriffenen Kundendaten insofern brisant, da damit Identitäten der betroffenen Personen kopiert werden können. Dies hat zur Folge, dass die Verunsicherung bei den Usern und Kunden immer grösser wird. Sie schützen sich bereits heute mit unzähligen verschiedenen Passwörtern und schlagen sich mit unterschiedlichsten Registrierungsprozeduren herum. Der schlechten Verbreitung von e-Government-Services stehen hohe Investitionskosten bei der IT-Sicherheit gegenüber.

Sollte die Rolle der Identität neu überdacht werden?
Aktuell laufende Vorhaben und Gespräche über eine elektronische, digitale Identität werden weitestgehend von Regulatoren und privaten Initiativen getrieben. Da es keinen einheitlichen Prozess gibt, bedient sich insbesondere der E-Commerce zahlreicher individuellen Registrierungslösungen. In der Praxis ist es so, dass sich User eines Login meistens ausschliesslich bei den jeweiligen Onlineshops und Portalen anmelden können. Übergreifende Loginverfahren gibt es hingegen selten.
Einige Anbieter erlauben auch eine Schnellregistrierung mit bereits vorhandenen Social-Media-Accounts (z.B. Facebook). Insgesamt sind diese vielen verschiedenen Logins für den Benutzer eher verwirrend, insbesondere, wenn verschiedene Benutzernamen oder E-Mail-Adressen und Passwörter verwendet werden, was ja der Sicherheit zuträglich ist. Bei Loginverfahren mittels bestehenden Social-Media-Accounts stellt sich zudem die Frage, welche Daten dem jeweiligen Service zugänglich gemacht werden, was die Kontrolle der eigenen privaten Daten extrem erschwert. Oder wissen Sie, bei welchem E-Commerce-Anbieter Sie welche Daten selbst erfasst haben oder mit Ihrem Facebook-Login freigegeben haben? Häufig werden, um die Übersicht einigermassen zu behalten, gleiche Logindaten für mehrere E-Commerce-Accounts benutzt (z.B. bei Username / Password Logins).
Wenig verwunderlich ist es auch, dass immer wieder PIN-Codes direkt auf den Karten notiert werden oder dass man sich Logins, PINs und Passwörter in einem zentralen (Online-) Tool notiert. Da ist eine Papierliste in der Schublade zu Hause noch vergleichsweise sicher!
Das Risiko, dass, auch wenn nur ein Onlineshop gehackt wird, die erbeuteten Logindaten zum Generalschlüssel für mehrere oder sogar alle vom User benutzten Accounts werden, ist enorm. Wenn man dann noch bedenkt, dass häufig sogar Kreditkartendaten im Shop hinterlegt sind, um den Checkout-Prozess komfortabler zu machen, sind Cyber-Kriminellen Tür und Tor geöffnet.

Sicherlich gibt es bessere Alternativen als Username-/Password-Logins und Zwei-Faktor-Authentifizierungen, um eine Person zu identifizieren. Möglicherweise sollte das Thema "Identitätsprüfung" von einer ganz anderen Seite betrachtet werden, um sichere, brauchbare Lösungen zu entwickeln:
Ist es denn wirklich nötig, bei einer Identitätsfeststellung sämtliche persönlichen Daten einer Person abzufragen und zu speichern? Die Prüfung von wenigen ausgewählten Informationen reicht in den meisten Fällen völlig aus. So genügt meistens ein Altersnachweis oder eine Bestätigung der Wohnadresse, um einen Onlineservice nutzen zu dürfen. Wer ich bin, wie ich heisse, mein Geburtsdatum oder meine Kontonummer ist meistens nicht von Belang.

Auch hinsichtlich der Europäischen Datenschutzgrundverordnung schiesst das Speichern von irrelevanten Daten weit über‘s Ziel hinaus. Vergleichen Sie hierzu den Grundsatz "Datenminimierung" aus der GDPR: 
"Personenbezogene Daten müssen dem Zweck angemessen und erheblich sowie auf das für die Zwecke der Verarbeitung notwendige Mass beschränkt sein ("Datenminimierung").“

Streng genommen ist die Erhebung sämtlicher persönlicher Daten nur für den Zweck einer Altersüberprüfung sogar illegal, nach GDPR.
Daraus lässt sich ableiten, dass anstatt von einer digitalen Identität viel treffender von "Berechtigungsmanagement" gesprochen werden sollte.
Etwas weitergedacht sollte so ein Berechtigungsmanagement nicht nur für Natürliche und Juristische Personen konzipiert werden. Dem technischen Fortschritt verpflichtet, müssen in diese Überlegungen
auch Berechtigungen für Software, Roboter, Apps und Geräte einbezogen werden:
  • Welche Software darf auf welche Bankdaten von mir zugreifen?
  • Welcher IoT-Dashbutton darf welche Banktransaktionen in meinem Namen durchführen?
  • Muss die elektronische Fahrkarte dem Kontrollsystem meinen Namen preisgeben oder nur, ob das Billet für die gefahrene Strecke gültig ist?
  • Welche Daten meiner elektronischen Fahrerlaubnis darf das Auto nutzen, um den Motor zu starten?

Es wird deutlich, dass dieses Thema mehrdimensional ist und in ständigem Challenge zur aktuellen Gesetzgebung steht (GDPR, eIDAS, PSD2) und viele Neuentwicklungen (Open Banking, Robo's, AI, IoT) in diesem Kontext geprüft werden müssen.

Das Ziel einer digitalen Identität muss es sein, dass sie allgemeingültig ist und die Vielzahl von Logins, Registrierungsprozessen und Identitätsprüfungsverfahren ablöst.
Es muss verschiedene Anbieter geben (Identity Providers) oder besser Datenverifizierer, die mit modernen Authentifizierungstechnologien arbeiten (nicht Username/Password). Der Schwerpunkt der Identifikation muss auf der Überprüfung der notwendigen Datenattribute liegen (z.B. Altersnachweis) und nicht auf der Verifikation aller persönlichen Daten einer Person. Schlussendlich braucht es das Vertrauen von Händlern, Industrie, Behörden und Endnutzern. Empfiehlt sich dabei am Ende sogar ein vertrauenswürdiges 4-Corner-Modell wie wir es im Zahlungsverkehr kennen? Welche Rolle kann die Finanzindustrie beim Setup und Betreiben eines Identity Provider Systems spielen? Vertrauen wir bald einem "Sign-on with MyBank" mehr als einem "Sign-on with Facebook" oder "Sign-on with Google"? Speziell den KYC-Prozess (Know-Your-Customer) haben Banken mit Sicherheit besser im Griff, als andere mögliche Teilnehmer eines Identity Providing Systems.

Die eID in der Schweiz steht in den Startlöchern. Details sind nur wenige bekannt. Jedoch zeichnet sich ein Vorstoss der hiesigen Finanzhäuser ab, um die elektronische ID in der Schweiz marktfähig zu machen.

Für Sie gebloggt hat Marco Vosseler.

#Cyberrisk #DigitalFinanceExperts #DigitalIdentity #KYC #GDPR #eID





Highlights vom European Payment Summit 2018 – Tag 2

Mit dem Vortrag über den aktuellen Stand der Entwicklung von Quanten-Computern wurde die Messlatte schon am ersten Tag ziemlich hoch gelegt. Und so geht es denn heute im ähnlichen Stil weiter. Vivek Bajaj, IBM Watson Financial Services Solutions stellt aktuelle Projekte vor, in welchen AI eine zentrale Komponente darstellt. AI, üblicherweise als Abkürzung für ’Artificial Intelligence’ im Gebrauch, wird hier zur ’Augmented Intelligence’. 

Der clevere Watson aus dem Hause IBM, welche schon vor 20 Jahren den amtierenden Schach-Weltmeister Garry Kasparov besiegte, erkennt heute verdächtige Zahlungen, E-Mails von betrügerischen Mitarbeitern und weiteres. Beispiel gefällig? Eine Mail eines Mitarbeiters einer Bank an einen Kunden zum Thema Wetter ”It’s going to rain tomorrow, you better take an umbrella” wurde korrekt als Weitergabe von Insider-Informationen erkannt. Das Motto lautet diesbezüglich: Context meets Content. Genauso wichtig wie der Inhalt einer Meldung ist auch der Kontext, in welchem eine Meldung eingesetzt wird.

Weitere Anwendungen von Watson finden sich in Call-Center-Lösungen, in welche Experten das System so trainieren, dass Anfragen korrekter und schneller beantwortet werden.

Und, ja, dass B-Wort durfte natürlich auch nicht fehlen. Während viele immer noch nicht genau wissen, wie eine Block-Chain wirklich funktioniert, hat IBM schon über 400 Blockchain-Projekte realisiert. Eine konkrete Anwendung finden Sie hier: https://www.we-trade.com/

Über die Aktivitäten der holländischen Zentralbank berichtet Petra Hielkema. Hauptthema ist auch hier PSD2 sowie deren Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr. Wettbewerb unter den Markteilnehmern ist normalerweise wünschenswert. Der rapide Anstieg an Payment Service Providern (PSP) in den letzten drei Jahren stimmt jedoch etwas nachdenklich. Eine grobe Schätzung geht von über 300 verschiedenen Services und Dienstleistung alleine in Holland aus. Gut möglich, dass sich hier wieder eine Konsolidierung einstellen wird.
Nicht ganz überraschend gibt es auch bei der Umsetzung der PSD2-Richtlinien Verzögerungen. Erst 11 Mitglied-Länder haben die entsprechenden Richtlinien in nationale Gesetze adaptiert. Auch die technischen Richtlinien, die sogenannten ’Regulatory Technical Standard (RTS) werden mit einer Verspätung von etwa 20 Monaten verfügbar sein.




Das führt uns zur nächsten Panel-Diskussion, in welcher nun Akteure auftreten, welche wir bisher noch nicht auf dem Radar hatten - Juristen. Gijs Boudewijn (European Banking Federation), James Whittle (Director International Standards and Services), Scott McInnes (Jurist) und Ralf Jacob (EU-Kommission) diskutieren aktuelle Probleme bei der Umsetzung der PSD2-Regulatorien und beantworten Fragen aus dem Publikum. 


Es versteht sich von selbst, dass die Antworten der Juristen keine einfachen sind. Antwort auf die Frage unseres PPI-Kollegen Hubertus von Poser, ob denn auch Kreditkartenkonten der PSD2 unterstellt sind: ”yes and no”… Die Erklärung dazu lautet: Was ich als Kunde mit einem Konto machen kann, soll auch ein Dritter machen können, vorausgesetzt, ich habe meine Einwilligung erteilt. Kann ich mein Kreditkartenkonto einsehen, Transaktionen abfragen? Antwort: Ja. Kann ich eine Zahlung ab meinem Kreditkartenkonto initiieren? Normalerweise nein. Heisst also, Banken müssen Account Service Providern (ASP) den Zugang zu einem Kreditkarten gewähren, nicht aber Payment Initiation Service Providern (PISP). 

Selbst Ralf Jacob, von der Europäischen Kommission, welche die sehr komplexen Gesetzestexte verfassen, bestätigte, dass sie diese Regelungen doch sehr ”pragmatisch” ausgelegt und umgesetzt werden sollen. Das war nun von einem Mitglied einer Regulierungsbehörde nicht wirklich zu erwarten…

In der letzten Panel-Diskussion steht das Thema ’Strong Customer Authentication’ im Fokus.

Alain Martin (Gemalto), Rolf Lindemann (Nok Nok Labs, Hamburg), Michael Sass (Mastercard) diskutieren die aktuellen Methoden und Möglichkeiten starker Benutzerauthentifikationen. Auch hier sind bereits viele Lösungen im Markt, welche den regulatorischen Ansprüchen mal mehr, aber auch mal weniger genügen.

Generell ist man sich aber einig, dass das Benutzererlebnis entscheidend sein wird, welche Systeme sich im Markt durchsetzen werden. Details dazu verraten wir Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch an anderer Stelle.




Das war’s vom 17. European Payment Summit aus dem Loumann Museum in Den Haag, welches übrigens ein sehr interessantes OldTimer-Museum beherbergt. Sehr empfehlenswert!

Wir verabschieden uns mit einer neuen Überlegung zum Thema Faster Payment



Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Dieser Beitrag wurde von Rolf Zumsteg gepostet


#EuropeanPaymentSummit #FürSieUnterwegs #PAYMENTS #europe #EPS18 #PSD2 #gdpr #FastPayments #Blockchain #AI

SIX on Cyber Security

Unter diesem Titel lud SIX am 1. März 2018 um 17:00 Uhr zu einem Event im Convention Center in der Pfingstweidstrasse 110 in Zürich ein.

Nachdem sich die Besucher registriert hatten, bot sich bei einem Begrüssungsapéro schon die erste Gelegenheit zum Austausch. Die Neugierde auf das Kommende stieg mit jedem Gespräch.
Hierzu ist zu erwähnen, dass im Unterschied zu anderen IT-Anlässen, bei denen Frauen auf dem Podium oder in Paneldiskussionen die Seltenheit sind, SIX drei Referentinnen und eine Moderatorin in der Einladung aufführte. Man(n) war sehr gespannt.

Die Begrüssung des Publikums, das Convention Center war bis auf den letzten Platz besetzt, übernahm Christoph Landis, seit einem Monat Head-IT bei SIX.
In seiner Ansprache präsentierte er einige imposante Zahlen:
  • 4 % der Schweizer Unternehmen nutzen Artificial Intelligence, um sich vor Cyberangriffen zu schützen. (Quelle: KPMG)
  • 40 % der Schweizer Unternehmen gehen davon aus, dass die Angreifer aus dem Netz zukünftig Artificial Intelligence verwenden werden. (Quelle: KPMG)
  • 8 Millionen  Spam- und Phishing-Attacken kennt das selbstlernende System Watson und kann sie mit Angriffen abgleichen.
  • 1 Milliarde  Security-Events treten täglich im Netzwerk von SIX auf. Das reicht von einer verdächtigen E-Mail bis hin zum versuchten Login auf das Börsen-System.
Grund genug in die Keynotes einzusteigen!

Die bekannte Schweizer Journalistin und Moderatorin Christine Maier kündigte die erste Referentin an.
Keren Elazari, ehemalige Hackerin und nun Cybersicherheitsexpertin, ist eine international renommierte Rednerin, Forscherin und Autorin in allen Fragen der Cybersicherheit. Keren öffnete dem Publikum in engagierter, spannender und interessanter Art die Angriffsmöglichkeiten und Arbeitsweisen der modernen Hacker. Als kleines Beispiel sei hier ein bekanntes Casino erwähnt, welches als Kundenattraktion ein riesiges Aquarium installieren liess. Die Lichtsteuerung des Aquariums wurde über das Internet verwaltet. Obwohl das Kasino umfassende Sicherheitsmassnahmen für den Schutz des eigenen Netzwerkes installiert hatte, vergass es, die Verbindung des Aquariums zu sichern. Und genau diese Verbindung wurde von Hackern genutzt, um ihre Angriffe zu starten.
Keren wies auch auf die Wichtigkeit der sogenannten „Bug Bounty Programme“ hin, welche entscheidend zur Verbesserung des Schutzes gegen Cyber Kriminalität beitragen. Da für „White Hat“ Hacker Geld meist nicht die treibende Motivation ist, vergibt zum Beispiel Tesla neben dem Geld auch Awards, welche in der Community hochgeschätzt werden. Es würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, im Detail auf Kerens Referat einzugehen. Darum soll ihr folgendes Zitat einen Eindruck über ihre Aussagen und ihr Wirken geben: „Das Schöne an Hackern liegt darin, dass sie uns zwingen, uns weiterzuentwickeln und zu verbessern. Ja, manche Hacker sind Schurken, aber andere arbeiten daran, Korruption zu bekämpfen und sich für unsere Rechte einzusetzen. Dadurch, dass sie Schwachstellen offenlegen, machen sie das Internet stärker und gesünder und nutzen so ihre Macht, um eine bessere Welt zu schaffen“.

Als zweite Referentin sagte Christine Maier Sandra Schweingruber an.
Sandra Schweingruber ist Staatsanwältin des Bundes mit Spezialbereich Cyber Crime. Das Thema von Sandra Schweingruber war „Cyber Crime - entgrenzte Kriminalität“. „Die organisierte Kriminalität profitiert von der Globalisierung, da sich die Entgrenzung der Welt positiv auf das Geschäftsmodell netzwerkartiger Aktivitäten und einer internationalen Logistik auswirkt. Auch Cyber Crime kennt keine Grenzen, ganz im Gegenteil. Die Entgrenzung macht vieles erst möglich. Täter und Opfer können von jedem Ort der Welt angreifen, beziehungsweise angegriffen werden. Die Kriminalität der virtuellen Welt kann nur in enger nationaler und internationaler Kooperation angegangen werden. Mit bisher durchzogenem Ergebnis“. Im Gegensatz zur herkömmlichen Kriminalität, bei der Tatort und Schadensort in der Regel nahe zusammenliegen, sind die beiden Orte in der virtuellen Kriminalität in den meisten Fällen weit von einander entfernt, oft auf verschiedenen Kontinenten. Da die Justiz jedoch durch Ländergrenzen territorial begrenzt ist, stosst sie schnell an ihre Limite. Rechtsweg, Rechtshilfebegehren und dergleichen erschweren die Ermittlungen zusätzlich. Sandra Schweingrubers Referat machte einem bewusst, dass es ohne internationale Zusammenarbeit praktisch ein Ding der Unmöglichkeit ist, schnell und zielgerichtete Massnahmen zu ergreifen, um Hackergruppen zu fassen.

Als dritte Referentin durfte Christine Maier Sandra Tobler ankündigen.
Sandra Tobler ist Unternehmerin. Sie gründete Futurae zusammen mit zwei Doktoranden der System Security Group der ETH Zürich mit dem Ziel, die nächste Generation der Benutzerauthentifizierung in die Finanz- und Versicherungsbranche zu bringen. Das Thema von Sandra Toblers Referat war „Cyber Security in a fast changing world“. In einer Welt der zunehmenden Digitalisierung und Datengenerierung müssen Cyber Sicherheit und Datenschutz zu einer Selbstverständlichkeit für jedes Topmanagement werden. Regulatorische Rahmenbedingungen wie GDPR und PSD2 beschleunigen diesen Prozess weiter. Die Herausforderungen von morgen lassen sich jedoch nicht mit dem Denken von heute lösen. Diesem Denken zugrunde liegt auch die Geschäftsidee von Futurae. Sie entwickeln neue Authentisierungsverfahren mit dem Ziel, dass die Eingabe eines Passwortes bald Vergangenheit ist.

Im Anschluss an das Referat von Sandra Tobler wurden alle Referentinnen aufs Podium gebeten, um sich den Fragen des Publikums zu stellen und zu einzelnen Punkten ihre Gedanken zu diskutieren. Aus Sicht des Autors war die wichtigste Erkenntnis aus diesen Diskussionen, dass die Unternehmen ihre Scham verlieren sollten, wenn sie gehackt worden sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen nicht gehackt wird ist klein und wird immer kleiner. Nur Offenlegung, teilen und mitteilen helfen, dass die gesamte Sicherheit gesteigert werden kann.

Den Abschluss übernahm Christoph Landis, der es sich nicht nehmen liess, Werbung in eigener Sache zu machen und SOC – Security Operation Center und den SIX Cyber Hub anpries. Nachdem Christoph Landis die vier Damen unter grossem Applaus mit Blumensträussen verabschiedet hatte, lud er alle Teilnehmer zum gemeinsamen Nachtessen im angrenzenden Raum ein.

Bei Speis und Trank wurden die Impressionen des Anlasses nochmals intensiv diskutiert. Obwohl überall präsent, wird Cyber Crime immer noch nicht mit der bestmöglichen Intensität bekämpft.


PPI Schweiz unterstützt Sie bei Fragen zum Thema Cyber Crime und bietet Ihnen mit „cysmo“ ein einzigartiges Cyberrisk-Rating-Tool, welches Ihnen eine vollautomatisierte Live-Risikoeinschätzung innerhalb weniger Minuten liefern kann.

Dieser Blog wurde von René Heusser gepostet.

#Cyber #Cyberrisk #Events #SIX