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camt.053 – Die letzte grosse Hürde in der Migration Zahlungsverkehr Schweiz

Vor Kurzem erreichte die Migration Zahlungsverkehr Schweiz ihr Enddatum, den 30. Juni 2018 und, glaubt man den Statistiken, ist diese auf einem guten Weg, die gesteckten Ziele zu erreichen.
Wirklich?
Wenn von der Standardisierung des Zahlungsverkehrs gesprochen wird, ist meist nur die Zahlungsauslösung gemeint. Und hier ist der Finanzplatz tatsächlich auf gutem Wege. Der Interbankenzahlungsverkehr mit SIX und PostFinance funktioniert tadellos und die Umstellung auf die pain-Meldungen bei den Kunden ist auch in der finalen Phase.

Also alles gut?
Nicht ganz! Denn da sind ja auch noch die Cash Management Nachrichten.

Die Interpretation, wie die Implementation Guidelines für die camt-Meldungen (die Benachrichtigungen der Banken an die Kunden) ausgelegt werden sollen, ist Sache der einzelnen Banken. Ähnlich wie bei den AOS (Additional Optional Services) bei den Interbank-Meldungen, ist es auch bei den elektronischen Kontoauszügen den Banken überlassen, was sie ihren Kunden anbieten wollen. Dies kann das minimal Nötigste sein, um dem Kunden den Status Quo zu ermöglichen. Es könnte jedoch auch die maximale Ausnutzung des strukturierten elektronischen Kontoauszugs sein.

Strukturierte Informationen?
Häufig werden die «Additional Entry Information» bzw. die «Additional Transaction Information» genutzt, um dem Kunden Mitteilungen über Gebühren, Wechselkurse und dergleichen in der Form eines Buchungstextes zu übermitteln. Ähnliches passiert bei Rückleitungen von nicht zustellbaren Zahlungen. Der Kunde findet diese Informationen in den «Additional ... Information».

Doch all diese Informationen könnten dem Kunden in strukturierter Form zugestellt werden. Die strukturierte Information würde es dem Kunden ermöglichen, die Automatisierung seiner Buchhaltung noch mehr zu erhöhen. Vorausgesetzt, seine Buchhaltungsanwendung, sein ERP-System, erlaubt es ihm.

SWIFT verfolgt mit seiner gpi (global payments innovation) Initiative genau diesen Weg, nämlich Transparenz in den Zahlungsverkehr zu bringen. Mit SWIFT gpi werden dem Kunden unter anderem die Gebühren und Wechselkurse offengelegt.

Was könnte verbessert werden?
Strukturierte Gebühren




Die Version 4 des camt.053 bietet die Möglichkeit, dem Kunden transaktionsabhängige Gebühren, Spesen und Ähnliches in strukturierter Form zu übermitteln. So kann der Kunde diese direkt, genauer und automatisiert verbuchen, ohne dass er den Zusatztext bzw. den Kontoauszug benötigt, um diese Buchungen vorzunehmen.

Dies war ein wichtiges Argument, warum der Finanzplatz die Vorgängerversionen übersprungen hat und sich von Beginn an für die 4. Version entschieden hat.

Strukturierte Beträge
Bei Fremdwährungszahlungen können dem Kunden die Details der Transaktion aufgeschlüsselt werden.
So könnte der Kunde neben dem gutgeschriebenen Betrag auch Folgendes erfahren:
  • Betrag in Kontowährung vor den Spesen
  • Betrag, welcher zwischen den Finanzinstituten ausgetauscht wurde
  • Betrag in Auftragswährung
  • Umrechnungsangaben
Return Information
Vor allem für Finanzinstitute, die ihren Kunden keinen pain.002 aus der Verarbeitung zur Verfügung stellen (können), ist es wichtig, dass sie ihre Kunden über Zahlungen, welche retourniert wurden, mittels camt Nachrichten informieren.

Wenn Retouren als normale Gutschriften, d.h. ohne «Reversal Indicator = TRUE» oder die Retourinformationen in den Additional...Information gemeldet werden, ist es dem Kunden überlassen, mittels manuellen bzw. visuellen Arbeitsgängen herauszufinden, weshalb eine Zahlung nicht ankam.

Dies bedeutet meist auch, dass eine vermeintlich geschlossene Kreditorenposition noch immer offen ist. Für den Kunden kann dies unter Umständen unangenehme kommerzielle Konsequenzen nach sich ziehen.

Wenn der Kunde die Rückleitung bemerkt, muss er mit manuellen (Um)Buchungen die Gutschrift der entsprechenden Position zuweisen.

Um den Kunden und dessen automatisierte Prozesse zu unterstützen, sollten alle dem Finanzinstitut zur Verfügung stehenden Informationen im camt.053 auch dem Kunden zur Verfügung gestellt werden. Das Finanzinstitut weiss ja, welche Zahlung vom Empfängerinstitut nicht auf dem Empfängerkonto verbucht werden konnte und informiert das Finanzinstitut des Zahlungspflichtigen mit den entsprechenden Informationen aus dem Ursprungsgeschäft  sowie dem Grund, warum die Zahlung nicht platziert werden konnte.

Konkret sollten dem Kunden im camt.053 Rückleitungen immer mit «Reversal Indicator = TRUE» und auch der Grund der Rückleitung, wie auch die «Remittance Information» aus dem Ursprungsgeschäft, z.B. die ESR-Referenz, mitgeteilt werden. Mit dieser Information kann der Kunde die entsprechenden Buchungen automatisiert vornehmen und die schon geschlossene Kreditorenposition wird wieder geöffnet.

Additional... Information...
...sind derzeit mit zu viel Text, der in strukturierte Elemente abgefüllt werden könnte, befüllt. In diesem Sinne sollte jedes Finanzinstitut prüfen, ob die Informationen in den Additional...Information dem Kunden nicht besser in strukturierter und somit auch automatisch verwertbarer Form zur Verfügung gestellt werden könnte.

Aus Sicht von PPI Schweiz ist dies für den Kunden der echte Mehrwert aus der Migration Zahlungsverkehr Schweiz.


Dieser Beitrag wurde von René Heusser gepostet.


#HarmonisierungZahlungsverkehr #CashManagement #camt #iso20022

PPI TopEvent - Eine Herzensangelegenheit

Am Donnerstag dem 19. April lud PPI Schweiz zum diesjährigen Frühlings TopEvent ein. Obwohl die Registrierung für den Anlass erst auf vier Uhr angegeben war, nutzen viele Besucher das wunderschöne, sommerliche Wetter und trafen früher ein. So entwickelte sich in den warmen Sonnenstrahlen schon früh ein reger Austausch unter den Gästen.

Um 16:30 begrüsste Carsten Miehling die etwa 150 Teilnehmer und übergab die Moderation des Anlasses an Matthias Hungerbühler. Dieser stellte Katja Heyder, Head of Marketing and User Relations bei EBA CLEARING, vor. In ihrer Key Note zum Thema «SCT Inst - erste Erfahrungen» gab sie einen Einblick in die ersten fünf Monate, in welchen RT1 nun schon live ist.

RT1 ist die Verarbeitungsplattform von EBA Clearing für «instant SEPA credit transfer» für ganz Europa. RT1 unterstützt Zahlungsdienstleister bei der Durchführung von Euro Transaktionen in weniger als 10 Sekunden End-to-End, d.h. der Begünstigte hat den Zahlbetrag umgehend zur Verfügung. Finanz Institute aus ganz Europa können RT1 für ihre Euro Zahlungsprodukte verwenden. Voraussetzung ist, dass die Produkte dem SCT Inst Scheme of the European Payments Council (EPC) und dem globalen ISO 20022 Meldungsstandard für Real-Time Zahlungen entsprechen.

Wie Katja Heyer ausführte, ging RT1 am 21. November 2017 live, umfasst aktuell 22 Teilnehmer in 12 Ländern und 576 von 590 BICs adressierbare Zahlungsdienstleistern, welche das SCT Inst Schema unterstützen.

Einige Eckdaten zum Betrieb von RT1:
  • seit dem 21. November läuft der Betrieb sehr stabil
  • 24 x 7 Betrieb und Verarbeitung
  • aktuell werden rund 12'000 Zahlungen pro Tag verarbeitet
  • RT1 hat den Meilenstein von 500'000 Transaktionen am 19. Februar 2018 erreicht und denjenigen für 650'000 am 8. März 2018
  • mehr als 99% aller Transaktionen wurden innerhalb weniger Sekunden abgewickelt.
Gebannt lauschten die Gäste auch den Ausführungen zur den Erfahrungen mit den teilnehmenden Ländern, z.B. dass Holland schon alle Zahlungen bis Euro 15'000 automatisch als Instant Zahlungen abwickelt.


Nachdem Katja Heyder mit Applaus verabschiedet wurde, stellte Matthias Hungerbühler den nächsten Referenten, Jürgen Kaczmarek, Head of Operations Management, DZ BANK AG, vor. Jürgen Kaczmarek nahm sich dem Thema «Instant – the new normal» an.

Die DZ Bank AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank aus Frankfurt am Main gehört den mehr als 900 Genossenschaftsbanken in Deutschland und verfügt über das Leistungsspektrum einer klassischen Universalbank. Im Zahlungsverkehr verarbeitet die DZ Bank jährlich rund 77 Milliarden Transaktionen. Es lässt sich leicht vorstellen, dass ein Zahlungsvolumen in dieser Grössenordnung immense Herausforderungen bezüglich «Instant Payments» stellt.

Jürgen Kaczmarek ging dann auch gleich auf diese Herausforderungen ein:
  • Betrieb und Verarbeitung 7 x 24 x 365
  • Unterbrechungsfreie Releasewechsel
  • Liquiditätsmanagement bei den Zentral Banken auch für Wochenende und Feiertage
  • Weitere Reduktion der Ausführungszeiten, insbesondere bei POS-Transaktionen sind 10 Sekunden viel zu lange
DZ Bank begegnet diesen Herausforderungen zusammen mit PPI, dem bewährten und langjährigen Partner.

Natürlich stellt sich auch die Frage, braucht es «Instant Payment» überhaupt oder ist dies nur ein weiterer Hype? Jürgen Kaczmarek beantwortete diese Frage gleich mit einigen Anwendungsszenarien:

Für B2B
Zug um Zug Geschäfte (die Betragsgrenze von Euro 15'000 muss hierfür angehoben werden)
Für C2B
Einsatz am POS (kritisch hier noch die Ausführungszeit von 10 Sekunden
E-Commerce
Möglichkeit neuer Angebote in Verbindung mit PSD2 und XS2A

Für P2PGrosses Potenzial, z.B. der Wechsel von Instant Payment zu Instant Payment SEPA
Je nach Bank schon gefühlte Realität, z.B. Geld Senden und Anfordern, Kwitt, Paypal
Wahrscheinlich wird Instant auch einen grossen Einfluss auf Mobile Payment haben


Nicht unerwähnt soll bleiben, dass mit dem unbedachten Einsatz von Instant Payment auch eine Kannibalisierungsgefahr der Erträge besteht.


Auch Jürgen Kaczmarek wurde unter grossem Applaus vom sehr interessierten Publikum verabschiedet.

Nicht nur den heissen Themen, sondern auch den sommerlichen Temperaturen war es geschuldet, dass Matthias Hungerbühler vor der Panel-Diskussion den Gästen eine 15-minütige Pause gewährte.

Der mit Interesse erwarteten Diskussion zum Stand der Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz «Die letzte Meile» stellten sich
  • Markus Beck, Head of Corporate Cash Management & Payment Solutions, Raiffeisen
  • Alfred Meyenberg, Programmleiter Harmonisierung ZV, Post Finance
  • Markus Meyer, Head Cash Management Services, UBS
  • Matthias Sailer, Leiter Produktmanagement und Karten, ZKB
  • Alain Schmid, Head Payment Services, Credit Suisse
Die Rolle des Moderators übernahm Carsten Miehling, CEO PPI Schweiz.

Die erste Frage aus dem Publikum an das hochkarätige Quintett war, ob die jeweiligen Institute nach dem 30. Juni die Annahme von DTA-Dateien verweigern werden. Ausser Post Finance, die schon alle Kunden auf ISO 20022 umgestellt hatte, war der Tenor, dass Kunden, welche in Projekten sind, jedoch den Zeitpunkt nicht einhalten können, auch weiterhin unterstützt werden. Es würden jedoch keine neuen Kunden mit DTA akzeptiert.



Zur Frage «Was könnte man rückblickend anders machen? Was war gut?» tauschten die Teilnehmer die Erfahrungen aus ihren Instituten aus, wobei auch durchaus kritisch über den einen oder anderen Punkt diskutiert wurde. Im Grossen und Ganzen ist man mit dem Erreichten jedoch zufrieden. Die Einführung eines neuen Standards sei immer eine Herausforderung.

Zufrieden zeigte sich auch Carsten Miehling über das neue Format der Panel-Diskussion, welche einen sehr hohen Informationsgehalt hatte und den Gäste in relativ kurzer Zeit viel lieferte.

Zum Abschluss wurde auch das Panel mit grossem Applaus und mit Sprüngli Gutscheinen, die auch Katja Heyer und Jürgen Kaczmarek erhalten haben, verabschiedet.

Im Anschluss an den offiziellen Teil eröffnete Matthias Hungerbühler den Apéro. Ein weiteres Mal zauberte die Mannschaft des Restaurants Werdguet einen Gaumenschmaus aus der Küche. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Andreas Schober und sein Team. Während dem intensiven und abwechslungsreichen Networking wurden die Gäste mit variantenreichen schmackhaften Häppchen und Getränken verwöhnt. Der sommerliche Abend und die guten Gespräche führten dazu, dass sich manch ein Teilnehmer erst gegen Mitternacht auf den Heimweg machte, wohl mit der festen Absicht, auch beim nächsten Anlass am 25. Oktober 2018 wieder dabei zu sein.


Für Sie gebloggt hat René Heusser

#PPITopEvent #InstantPayments #HarmonisierungZV #TheNewNormal #PanelDiskussion #

Die ganze Schweiz harmonisiert den Zahlungsverkehr, aber wer harmonisiert das Testing?


Bis jetzt gab es zwei Zahlungsverkehrsformate in der Schweiz für die Einreichung von Zahlungsaufträgen: EZAG der PostFinance und DTA für die Banken. Ab sofort gilt es, die ISO 20022-Meldung pain.001 zu verwenden und dazu noch das Protokoll pain.002 auswerten zu können.



In der Praxis wird aber schnell klar, dass das Format nicht zu unterschätzen ist und es doch ein weiter Weg ist bis die Salärfiles und Kreditorenzahlungen wieder zuverlässig vom Konto abgebucht werden. Meist werden von den Banken im Vorfeld ausreichende Tests verlangt bis eine gewisse Qualität erreicht ist. Und letztendlich werden immer noch „Penny-Tests in Produktion“ empfohlen, sodass bei den ersten reellen Zahlungsläufen keine Überraschungen auftreten.



Testbanken - Fluch oder Segen?

Früher wurden ab einem gewissen Zeitpunkt der Programmierung DTA-Files über den einen oder anderen Weg an die Bank übermittelt und meist gab es ein Feedback in Prosa, in welchem die noch auftretenden Fehler erklärt wurden. Mit der neuen Meldung pain.001 jedoch, haben die Swiss Interbank Clearing als schweizweite Hüterin des „Swiss Payment Standards“ und mehrere Banken nun sogenannte Testbanken eingeführt, welche es dem Kunden im Vorfeld ermöglichen sollen, autonom und realitätsnah zu testen, ohne dass ein Bankmitarbeiter jedes Mal involviert werden und ein individuelles Feedback geben muss.


Dabei hat sich bemerkbar gemacht, dass nicht immer klar ist, wie die Testbanken im gesamten Onboarding-Prozess genutzt werden sollen. Viele sind auch von den Rückmeldungen der Testbanken überfordert, weil es neben richtigen Fehler- auch Infomeldungen gibt, bei denen dann nicht klar ist, ob diese nun beseitigt werden müssen oder eben nur eine Empfehlung darstellen. Mit den Rückmeldungen alleine gelassen fühlen sich nicht nur Endkunden, die vor dem produktiven Einsatz einer Standardsoftware nur nochmal ein oder zwei Tests machen wollen, sondern auch die Softwarehersteller eben solcher Standardprodukte. Dieses Problem haben aber auch Grosskunden, die selbst programmieren und durchaus auch Bankmitarbeiter in Hotlines oder in der Zahlungsverkehrsberatung, die bei Unklarheiten die Meldungen ihrer eigenen Testbank erklären sollen.



Aufwandreduktion beim Entwickeln und beim End-To-End-Testen erreichen

Wie erreicht man nun, dass die Investitionen dieser Testbanken sich rentieren? Schliesslich sollen diese neuen Möglichkeiten ja alle Beteiligten entlasten. 
Banken sollten deshalb Checklisten für Supportanfragen einführen, die dem Kunden direkt beim ersten Kontakt überreicht werden. Auch sollten die Mitarbeiter geschult werden und eine Liste an die Hand bekommen, welche Fehlermeldung wie zu verstehen ist. 


Nach all diesen Ausführungen möchten wir an dieser Stelle aber auch alle involvierten Parteien ermutigen, die Testbanken rege einzusetzen und ein paar Tipps mit auf den Weg geben:



Fragen Sie frühzeitig bei Ihrer Bank nach dem Onboarding-Prozess. Dieser kann unterschiedlich aussehen, je nachdem, ob eine Testbank zur Verfügung steht oder nicht:



Mögliche Supportprozesse: 




  • Wenn Ihre Bank keine Testbank mit den bankeigenen Besonderheiten anbietet, nutzen Sie die Validierungsplattform der SIX.
  • Die Rückmeldungen der Testbanken sind meist selbsterklärend. Schon allein mit nochmaligem Vergleich der Feld-Definition in den Implementation Guidelines sollten Programmierer sehr gut den Fehler finden und beseitigen können.
  • Manche Testbanken bieten Beispieldateien an, die die Testbank per Knopfdruck erzeugt und die anschliessend sogar heruntergeladen werden können, um ein „Primus-Beispiel“ zu haben. Dieses klärt meist schon sehr viele Fragen.
  • Fragen Sie sich, welche Zahlungsarten Sie benötigen und nutzen Sie die Beispieldaten der Testbanken zu den unterschiedlichen Zahlungsarten.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie alle notwendigen Dokumentationen besitzen. Zum einen natürlich die Implementation Guidelines und Beispieldateien der SIX, zum anderen bieten Banken meist noch eigene, komplementäre Implementation Guidelines für ISO 20022-Meldungen an, welche auf die individuelle Behandlung mancher Schlüsselfelder eingehen. 
  • Viele Testbanken erlauben es, Ihre eigene pain.001-Meldung mit den Auswertungsergebnissen angereichert als Kommentare wieder herunterzuladen. Hier wird sehr schnell deutlich, wo der Hase begraben liegt.
  • Wenn Sie nicht weiterkommen, gehen Sie nicht ohne Screenshots aus der Testplattform bzw. nicht ohne die kommentierte pain.001-Meldung auf die Supporteinheiten Ihrer Bank zu, da dies meist zu unnötigen Rückfragen führt und eine schnelle Antwort verunmöglicht.



Und tritt doch einmal ein Fehler in der Produktion auf...



Sollte es doch mal zu einem Fehler in der Produktion kommen, sind gewisse Angaben unabdingbar für alle Support-Beteiligten, um eine rasche Antwort geben zu können:


  • Dokumentieren Sie den genauen Wortlaut der Fehlermeldung, am besten mit Screenshots.
  • Testen Sie die fehlerhafte pain.001-Meldung zuerst auf der Testplattform der Bank und dokumentieren Sie dortige Fehlermeldungen. Laden Sie die kommentierte XML-Meldung herunter. Dies hilft dem Support meist, den Fehler rasch zu lokalisieren.
  • Bitte vergessen Sie auch nicht, die fehlerhafte pain.001-Meldung bereitzuhalten, falls vom Support gefordert.
  • Daneben sind noch einigen Randparameter festzuhalten:
    •  Einlieferkanal
    • Zeitpunkt des Uploads
    • Filename, den das System/der Kanal vergeben hat
    • Name des Users und Vertragsnummer, mit der eingereicht wurde
    • Ggf. Vertragsnummer eines Kollektivvisums

Dieser Beitrag wurde von Frank Rebmann gepostet.

#Testing, #HarmonisierungZahlungsverkehr, #Testplattform


Warum die Harmonisierung ZV keine blosse Formatumstellung ist

Nur Mut! Das Schlimmste kommt noch!
Seit geraumer Zeit beschäftigen sich sehr viele Mitarbeiter von Banken und Firmen mit der Harmonisierung des „Zahlungsverkehr Schweiz“. Projekte wurden gestartet und sind in vollem Gange. Warum aber dieser ganze Effort? Ist es nicht nur - wie bereits Carsten Miehling vor kurzem geschrieben hat - „alter Wein in neuen Schläuchen“?

Warum hat auch SIX Interbank Clearing Anfang 2017 zu einem so späten Zeitpunkt, als die ganze Implementierung bereits in vollem Gange ist, unter dem Link www.paymentstandards.ch eine neue Kommunikationskampagne mit dem Titel „Activating Digital Switzerland“ gestartet?
Wir müssen uns also nochmals fragen, warum der ganze Formatwechsel eigentlich notwendig ist.

Woher kommen wir?
Bisher herrschten im Zahlungsverkehr - nicht nur in der Schweiz - heterogene und in die Jahre gekommene Formate, bei denen an unterschiedlichsten Stellen Trunkierungen möglich waren, das heisst, nicht alle Informationen über die ganze Kette erhalten blieben.
Daneben waren die Grundfunktionalitäten im Zahlungsverkehr zwar schon immer gegeben, aber weiterführende Features waren aufgrund der Legacy-Formate nicht oder nur schwer realisierbar.
Die neue Welt mit ISO 20022 soll hier Hand bieten.

Wohin gehen wir?
Im oben erwähnten Blog wurde aufgezeigt, dass durch ein detailliertes Zahlungsprotokoll fehlerhafte Aufträge automatisiert erkannt und zur Korrektur vorgelegt werden können, eine Korrektur der Stammdaten ermöglicht wird und der Abklärungsaufwand bei Zahlungseingängen minimiert wird.
Dies ist jedoch erst der Anfang: Die Kampagne von SIX Interbank Clearing und auch aktuelle Veranstaltungen wie die „Scientifica“, bei der sich Anfang September die ETH Zürich die Frage stellt „Was Daten verraten?“, zeigen auf, dass wir immer vernetzter werden und die virtuelle Welt weiter sehr stark auf dem Vormarsch ist.

Wie passt nun die „Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz“ in den Gesamtkontext?
Es ist zwar nur ein kleiner Teil, aber wenn im IoT, dem „Internet of Things“, ein Kühlschrank künftig Milch oder die Waschmaschine Waschpulver bestellt (und bezahlt), muss die Datengrundlage stimmen.

Auch unter PSD2, die eine weitere Öffnung der Bankzugänge für Drittanbieter für Kontoreporting und Zahlungsauslösung vorsieht, sind entsprechende Ansätze vorhersehbar.

Fazit: Auch wenn es im ersten Moment „nur“ die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs ist, so legen wir doch damit schon heute den Grundstein für eine immer stärker vernetzte Welt.

Welche Digitalisierungsansätze ergeben sich aus der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs?
Oberstes Ziel sollte es sein, aktuelle wie auch zukünftige Medienbrüche aufzulösen. Ein Zahlungsprotokoll sollte nicht mehr aus der Kette herausgelöst und durch eine Drittapplikation „schön und benutzerfreundlich“ dargestellt werden, sondern der ursprünglichen Intention folgend, direkt in die Buchhaltungsanwendung importiert werden, die den Zahlungsauftrag erstellt hat und somit eine vollautomatisierte Schliessung der offenen Posten ermöglichen.
Auch die neuen Kontoreportingmeldungen sind unter diesem Aspekt zu verstehen. So wird der camt.054 stand-alone die Funktion des ehemaligen ESR-v11-Files übernehmen und ausstehende Forderungen nach Eingang vollautomatisiert in der Buchhaltung schliessen.

Natürlich rufen die neuen Möglichkeiten und Formate neue Akteure und Entwickler auf den Markt, die entsprechende und verschönernde Lösungen anbieten. Dennoch sollten wir uns streng an die ursprüngliche Intention halten und nur die zwei grossen Ziele verfolgen: Medienbrüche vermeiden und eine Vollautomatisierung ermöglichen.

Wo stehen wir in der Realisierung?
Vermutlich bewegen wir uns bereits im Bereich „80% Aufwand für die letzten 20% Ergebnis“. Viele haben einfach nicht die Ressourcen oder das Geld, die Harmonisierung vollständig zu leben und beispielsweise alte Erfassungsformulare wegzuwerfen. Aber nur dann haben wir zukünftig die Basis, die wir für weiterführende Entwicklungen benötigen. Schon Bill Gates hätte sich nicht träumen lassen, welche Konsequenzen das Sparen von zwei Stellen bei der Datumsspeicherung einmal hat (sogar für Tastaturtreiber gab es eine „Jahr-2000-ready-Bescheinigung“, welche eingeholt werden musste. So füllen wir heute „alten Wein“ in neue Schläuche und hoffen, dass wir mit möglichst wenig Aufwand wieder korrekt Zahlungen auslösen können.

Alte Zöpfe abzuschneiden erfordert Mut
Der eine oder andere mag zögern, eine veraltete Infrastruktur auszumustern - wie einen Bankserver, über den nur DTA-Dateien entgegengenommen werden -, weil nur wenige, aber ertragsreiche Kunden darauf noch arbeiten. Dies kann jedoch früher oder später zum Problem werden, weil durch notwendige Regressionstests bei jeder (parallelen) Neuentwicklung und bei jedem Release sichergestellt werden muss, dass eben jene veraltete Lösung ebenfalls noch funktioniert.
Wenn uns auch manche Legacy-Systeme noch ein Weilchen begleiten, glauben wir dennoch an die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs und ermutigen alle, ihre Anwendungen vollständig auf die neuen Strukturen umzustellen. Sei es, um leichter künftigen Geldwäschereianforderungen nachkommen zu können oder sei es, um in einem zweiten Schritt zielgerichtet die Aktivierung des „Digital Switzerland“ vorantreiben zu können.

Und sie lächelten...

Viele werden sich schon freuen, wenn die Harmonisierungs-Projekte vorbei sind, mit dem neuen Einzahlungsschein ein letzter Meilenstein eingeführt ist und man endlich einmal wieder etwas „für den Kunden“ umsetzen kann, da die wahren Kundenbedürfnisse in den letzten Jahren meist hintenanstehen mussten. Aber der Kunde wird künftig zwangsweise auch neue Lösungen fordern, die ohne die derzeitigen Arbeiten gar nicht möglich sind. Vielmehr werden nach dem Zahlungsverkehr auch noch viele andere Bereiche anstehen, die digitalisiert werden und für die die Daten- und Prozessbasis geschaffen werden müssen. Vielleicht werden wir daher in künftigen Projekten einmal wehmütig auf die aktuellen Zahlungsverkehrsprojekte zurückschauen und denken: „Hätten wir nur damals bereits die Grundlage gelegt...“

Dieser Beitrag wurde von Frank Rebmann gepostet.

#ISO20022, #HarmonisierungZVCH, #PSD2, 

Quergedacht - Im Testen nichts Neues

Florian Stade, PPI Schweiz, PPI AG, Tester, Test Management, Testing, Stade, PPI, Schweiz, Zahlungsverkehr
...und täglich grüsst das Murmeltier!

Gerade am Ende von Projektphasen fühlen sich viele Tester wie Don Quijote, der versuchte gegen Windmühlen zu kämpfen. Die anfängliche gute Laune ist verschwunden, Diskussion über die Wahrhaftigkeit eines Defects und der Satz "Works as designed" werden zu Floskeln im täglichen „Defect Meeting“.

Hier treffen sie dann aufeinander, die drei typischen Vertreter in einem Projekt, die scheinbar jeder zu kennen glaubt: der offenbar viel zu kleinliche Tester, der sich diebisch freut, schon wieder einen vermeintlichen Defect gefunden zu haben. Der zweifelnde und zunehmend verzweifelte Entwickler, der eigentlich bereits lange mit seiner Arbeit abgeschlossen hatte. Und natürlich der ungeduldige unter Termindruck stehende Manager, der auf einen sauberen Bericht hofft, um endlich mit der Software live gehen zu können. Letztendlich arbeiten alle jedoch auf ein und das selbe Ziel hin: eine möglichst fehlerfreie und gute Software abzuliefern. Der Test ist also das tagtägliche Übel im Projektgeschäft – aber ohne geht es auch nicht.

"Fingerpointing als neue Trendsportart"

Warum ist Testing immer wieder von denselben Momenten geprägt und immer wieder von altbekannten Problemen begleitet. Weil die Entwickler schuld sind? Oder doch die Tester, das Projektmanagement oder Business-Analysten?

Dass der Test eine wichtige Rolle in jedem Projekt einnimmt, ist unumstritten. Fehler zu machen ist menschlich und explizit in grossen Projekten wie sie derzeitig im Bereich Zahlungsverkehr in der Schweiz laufen, ist es notwendig die verschiedenen Systeme sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtheit zu überprüfen. Allseits bekannte Qualitätsmerkmale müssen hier nicht aufgezählt werden und doch werden sie oft in der Hektik des Alltages vergessen. Spezifikation mit Interpretationsspielraum, wenig Ressourcen, kurz geplante Test- und Entwicklungszeiträume, verteilte Projektteams und eingefahrene Prozesse erschweren den sauberen Projektverlauf. Einen Schuldigen auszumachen ist nicht nur unmöglich, sondern auch unnötig. Vielmehr gilt es, sich zu fokussieren und gemeinsam auf eine Lösung hinzuarbeiten.

"Lösungsorientiert statt Schuldigen suchen"

Seien es nun Systemtests, Connectiontests oder doch Acceptancetests - automatisiert oder manuell und komplett End-to-End oder doch nur auf einzelne Komponenten gerichtet. Jeder Test hat verschiedene Aspekte, die es zu betrachten gilt, mit jeweils einem anderen Fokus.

„Fokussierung“ gehört zu den Faktoren für mehr Effizienz und Struktur im Test und somit auch im Projekt. Konzentriert sich ein End-To-End-Tester zu sehr auf mögliche Fehler im Frontend, entgehen ihm die wichtigen Aspekte im End-to-End-Prozess.

Neben der Fokussierung ist die Kombination der Test-Cases, respektive Ressourcen einer der Erfolgsfaktoren für einen effizienten Test. Alignement Meetings gehören zu jeder Testplanung dazu und doch werden sie in der Realität oftmals zu spät angesetzt und sind damit nicht effektiv genug. Doch was anfänglich aufwendig erscheint, zahlt sich im Verlauf des Testprozesses aus.

Betrachtet man z.B. den Zahlungsverkehrsfluss,
  • von der anfänglichen Einspielung einer Transaktion, 
  • über die Verbuchung und das Prozessieren im Kernbankensystem, 
  • bis hin zum Reporting 
können bei klarer Absprache alle Testteams von diesem Flow profitieren. Das Einspielen ein und derselben Zahlung mehrfach ins System ist damit nicht mehr notwendig.

"Komplexität mit simplen Methoden entgegentreten"

Koordination, Kommunikation und Konzentration sind der Schlüssel für Erfolg und sollten als Leitbild in jedem Testkonzept enthalten sein. Denn obgleich es anfänglich platt und unspektakulär erscheinen mag, ist es letztendlich die Lösung für viele Probleme. Denn mit einfachen Methoden können komplizierte Thematiken am besten gelöst werden #Simplexity.


Dieser Blog wurde von Florian Stade gepostet.

#Testing #quergedacht #ISO20022 #SimplicityFirst #Prozessverbesserung

Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz – alter Wein in neuen Schläuchen?

digital finance experts blog
Verfolgt man die aktuellen Kommunikationskampagnen von SIX und den Banken zum Thema Harmonisierung ZV, dann wird unisono der Vorteil der Standardisierung für alle Marktakteure herausgestrichen. Insbesondere Firmenkunden sind in der Lage das Cash Management zu optimieren, die Prozesssicherheit zu erhöhen und ganz generell die Zahlungsverkehrsprozesse kostengünstiger zu betreiben und sich noch stärker in die digitale Wertschöpfungskette zu integrieren.

Was sich auf den ersten Blick etwas schwülstig und oberflächlich anhört, hat durchaus einen plausiblen Hintergrund, sofern die Möglichkeiten des neuen Formates ISO 20022 denn auch ausgeschöpft und genutzt werden. Genau hier liegt bei vielen Softwarelösungen, die aktuell ihre Readiness auf den Webseiten der Banken und von SIX kommunizieren, der sog. "Hase im Pfeffer begraben". Ein Grossteil der Softwarehersteller hat für die Umstellung auf das neue Format einen minimalistischen Ansatz gewählt. 

Konkret wird in sehr vielen Lösungen einfach der Dateninhalt des alten Formates (DTA oder EZAG) in die Struktur von ISO 20022 konvertiert. Obligatorische Felder werden automatisiert befüllt und zusätzliche Attribute weggelassen. Ziel ist es, in erster Linie keine Fehler bei der Einlieferung des neuen Formates bei den Banken zu produzieren. Die anfangs erwähnten Nutzenpotentiale werden nur von den wenigsten Herstellern erkannt und umgesetzt.

Was könnte konkret verbessert werden?
Da wäre zunächst einmal die Möglichkeit mittels strukturiertem Statusprotokoll (pain.002) direkt nach der Einlieferung die fehlerhaften Aufträge zu erkennen und zur Nachbearbeitung in der Software dem Kunden anzuzeigen. Durch die Möglichkeit der raschen Rückmeldung von Fehlern und Warnungen kann der Kunde seine Stammdaten augenblicklich korrigieren und den Auftrag neu einreichen. Einzelne Finanzinstitute melden sogar mehrere Stati zurück, sodass der Auftraggeber sehr schnell und sehr exakt weiss, wo sein Auftrag aktuell in der Verarbeitungskette der Bank steht.

Für weniger Abklärungen von Zahlungseingängen beim Empfänger sorgen zusätzliche Attribute, wie z.B. die End-to-End-ID, strukturierte Remittance-Informationen und die Angabe von Endbegünstigten. 
Diese und weitere Attribute müssten bei einer optimalen Lösung in den Oberflächen der Softwarelösungen erfassbar sein. Die Banken, wie auch SIX als zentrales Clearingsystem, sind heute in der Lage diese Informationen vom Auftraggeber bis zum Begünstigten ohne Informationsverlust zu transportieren.

Als dritter Optimierungspunkt sind die verbesserten Kontoauszüge (camt.052/053/054) zu erwähnen. Dank des neuen Formates ist es möglich, mehr und strukturiertere, d.h. automatisch zu verarbeitende Informationen von den Finanzinstituten zu erhalten. Neben der bereits erwähnten besseren Zuordnung von Zahlungseingängen zu offenen Posten ist es z.B. möglich, Gebühren und Umrechnungskurse bei Fremdwährungen automatisch zu verbuchen. Dank der (mehr oder weniger) einheitlichen Ausgestaltung der Reports sind auch automatisierte Gebührenvergleiche unter den Banken möglich.

Die Vorteile sind zu wenig bekannt
PPI ist der Meinung, dass diese Vorteile noch stärker kommuniziert werden müssten, damit die erwähnten Nutzenaspekte tatsächlich erreicht werden können. Mit diesem Blog ist ein erster Schritt getan und es werden sicher noch weitere Folgen. Denn etwas kann bereits an dieser Stelle aufgrund unserer Erfahrungen festgehalten werden: 
Der Nutzen der Harmonisierung ist sowieso schon sehr schwer zu kommunizieren. Es wird noch schwerer, wenn die wichtigsten Akteure – die Softwarehersteller -  bei diesem Vorhaben die vorhandenen Nutzenpotentiale nicht ausschöpfen und sich mit Minimallösungen begnügen.


Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling gepostet.

#HarmonisierungZV, #MigrationZV, #ISO20022, #SIX

Switzerland goes digital


PPI Schweiz, Digitalisierung, NZZ, Blick, Matthias Hungerbühler
Die Digitale Transformation ist in vollem Gange und zwar schneller denn je. Grosse Tageszeitungen wie z.B. die NZZ widmen ihr eigene Beitragsreihen und der Bundesrat ruft den „Tag der Digitalisierung“ ins Leben, der am 21. November dieses Jahres, gestützt auf die Strategie „Digitale Schweiz“ , stattfinden soll.

Doch wie rasch springen die Unternehmen und letztlich die Verbraucher auf diesen Schnellzug auf? Denn es zeigt sich bereits jetzt: in der Schweiz geht die Schere immer weiter auf. Nicht nur was den Wohlstand der Bevölkerung betrifft, sondern auch im Hinblick auf die Digitalisierung der Arbeitsprozesse. Oder gibt es gar eine Beziehung zwischen diesen beiden Grössen - ganz nach dem Motto: „Ich digitalisiere, also bin ich“?

Blick am Abend 30.03.2017
Der „Tag der Digitalisierung“ steht unter dem Patronat von Bundespräsidentin Doris Leuthard und Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Viele grosse Firmen partizipieren (unter anderem auch namhafte Kunden von PPI Schweiz, was uns ganz besonders freut) und sollen helfen, die Schweiz wachzurütteln und Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung aufzuzeigen.

Die Vision

Folgt man der Vision von Bundesrat Schneider-Ammann, dann kann die Digitalisierung der Schweiz als Haus visualisiert werden.

Die Grundwerte Freiheit und Eigeninitiative bilden das Fundament des Hauses. Die aufeinanderfolgenden Schichten: Infrastruktur, Bildung & Forschung, Innovation und Wirtschaft füllen das Haus mit Leben. Arbeitsplätze und Wohlstand werden als die obersten Ziele betitelt. Die Grundmauern bilden eine Gesellschaft mit starker digitaler Affinität und einer verlässlichen, aber nicht einengenden Gesetzgebung. So zumindest präsentierte er die Idee anlässlich der Zusammenkunft der 50 „Digital Shapers“, den aus den Bereichen Wissenschaft, Startup, Unternehmen, Politik und Kapitalgeber handverlesenen Personen, die zusammen im November 2016 in Bern das „Manifest zur Digitalisierung der Schweiz“ erarbeiteten.

Ins Auge sticht darin der Punkt, dass der Bund der ETH in den nächsten zehn Jahren zwei Milliarden Franken zur Verfügung stellt, damit die Schweiz zum weltweit führenden Standort für digitale Transformation wird.
Das ist sicher vernünftig und hilft mit, Grosses zu erreichen sowie internationale Starprofessoren einzufliegen um den exzellenten Weltruf der ETH weiter zu festigen. Viel interessanter wäre es aber zu erfahren, wieviel Geld der Bund denn für die digitale Bildung des gemeinen Volkes ausgeben will. Leider steht in diesem Manifest lediglich: „(...) dass sie (die Jugendlichen, Anmerkung d.R.) das abstrakte und algorithmische Denken («Computional Thinking») erlernen, dadurch die digitale Welt besser verstehen und diese mitgestalten können (sollen). Entsprechend ist die Grundausbildung anzupassen. Die notwendigen Mittel sind in den Kantonen bereitzustellen.“

Das klingt gut, aber wenig verbindlich. Und das ist schade! Ist es doch das Volk, also wir alle, die letztlich die smarten Produkte der Startups kaufen und nutzen sollen. Wir alle bilden das Marktpotential, um kontaktlos an Terminals zu zahlen, unsere Briefe nur noch in digitalisierter Form zu empfangen und die Steuererklärung digital (vorbereitet von der Bank oder einem Fintech-Anbieter) mit wenigen Mausklicks sekundenschnell ans Finanzamt zu übermitteln. Wir sind die User, die mit den innovativen, digitalen Produkten unser Leben einfacher oder effizienter und sogar günstiger gestalten können. Dafür braucht es aber eine erlernte Neugierde digitalen Inhalten gegenüber und eine hohe Computer-Affinität. Und spätestens an dieser Stelle stossen wir auf das Generationenproblem.
Im Markt bewegen sich junge Menschen, für die Computer und Smartphones zum Alltag gehören. Aber genauso treffen wir z.B. auf die Generation unserer Eltern, die das Zehnfingersystem noch auf der Schreibmaschine erlernten und das Geräusch des Diskettenlaufwerks kennen. Auch sie bewegen sich in unserer Gesellschaft, wenn nicht mehr aktiv im Arbeitsprozess, dann vermutlich als Rentner. Und natürlich sind sie lernfähig und hoffentlich immer noch neugierig der digitalen Veränderung gegenüber. Aber sie brauchen mehr Zeit. Sie brauchen länger, um versiert mit Neuerungen umgehen zu können und sie verlangen nach einfachen Benutzeroberflächen. Denn sie denken in bewährten, gewohnten (physischen) Strukturen und seltener innovativ und digital-freudig (bitte vergleichen Sie hierzu auch den wunderbaren Schweizer Dokumentarfilm „Digital Immigrants“).
Wie stellt sich also der Bundesrat diese Gesellschaft mit starker digitaler Affinität vor? Wer ist darin enthalten und wer fällt durch die Maschen? Und wer kommt dafür auf, wenn wir auch ältere Menschen ausbilden und mitziehen möchten in diese digitalisierte Welt?


Die Veränderung beginnt im Kopf

Eine wichtige Plattform stellt der Internetauftritt der Initiative „Smart Switzerland“ dar. Hier werden, unterteilt in verschiedene (Haupt-) Themenbereiche, Digitalisierungsaspekte betrachtet und unabhängig Inputs geliefert. Man will aufklären, Chancen aufzeigen, Anwendungsfelder beleuchten und ein aktueller Spiegel dessen sein, was im Feld der Digitalisierung in der Schweiz gerade so läuft.
Aus unserer Sicht eine sinnvolle und starke Initiative. Wir wünschen uns vermehrt, dass gerade KMUs darauf aufmerksam werden und sich inspirieren lassen. Einige von ihnen haben die Zeichen der Zeit bereits richtig erkannt und sich strategisch neu ausgerichtet. Dadurch schaffen sie einen nachhaltigen Mehrwert. Sie sind gerüstet, kostensensitiv und lenken das eigene Business in neue Marktfelder und damit in die Zukunft. So schaffen sie letztlich sichere Arbeitsplätze.

Andere dagegen machen weiter wie bisher. Mit alter Kernbankensoftware, die anfällig ist, sich schwierig ablösen lässt und kaum mehr kompatibel ist mit neuen Angeboten. So ist es oft einfacher die Augen vor der digitalen Entwicklung zu verschliessen, als das Problem grundlegend anzupacken. Aber: Die Digitalisierung findet statt, ob man hinschaut oder nicht. Und das nicht nur in einem Teilbereich, sondern sie erfasst die gesamte Wertschöpfungskette.


Die Banken als Musterschüler

Die Nationalbank liess erst neulich vernehmen, dass die Auswirkungen der Negativzinsen auf die Bankenbranche weniger gravierend gewesen sei als noch Anfang 2015 befürchtet. Die Profitabilität der Banken habe sich insgesamt nicht verringert.
Wie ist das möglich? Die Banken haben – initiiert durch die neuen Formate im Zahlungsverkehr und das tiefe Zinsniveau, das im Kapitalgeschäft die Margen über Jahre sinken liess- ihre Hausaufgaben gemacht und interne Abläufe automatisiert, Filialen geschlossen und sich vermehrt effizient online ausgerichtet. Die Schnittstellen sind da und bieten Hand für einen reibungslosen, elektronischen, teil- oder vollautomatisierten Austausch von Zahlungsaufträgen und Kontoinformationen für das Cash-Management des Kunden. Und der Kunde kann davon maximal profitieren, wenn er sich und sein Geschäft entsprechend aufstellt.
Doch sind wir ehrlich: Die meisten KMUs lieben den Status Quo und verspüren keinen Anlass, die bestehenden Prozesse zu optimieren und neuartige Zahlungsabwicklungs-Software zu implementieren. Und dabei geht es nicht nur darum, dass die Zahlungs-Software die neuen Formate unterstützt, sondern vielmehr, dass generell der ganze Zahlungsprozess durchleuchtet und modernisiert wird. Denn die Umstellung findet –wie oben erwähnt- ganzheitlich statt. Und sie beginnt im Kopf der Mitarbeitenden, die verstehen müssen, dass ihnen die Digitalisierung zuspielt und Prozesse vereinfacht, mehr als dass sie die eigene Arbeitsposition gefährdet. Wer wach ist und die neuen Abläufe versteht, der ist für die Firma von Wert. Und das ist es wohl, was sich der Bundesrat unter einer digital versierten Gesellschaft vorstellt. Er verlangt insgeheim vom Volk, dass wir uns selber weiterbilden und mit der Zeit gehen. Dass wir aufwachen und unsere Neugierde auf die Auswirkungen und Chancen dieser digitalen Transformation lenken. Er verlangt von uns Eigeninitiative. Und hier schliesst sich der Kreis. Unser Schulsystem ist so aufgestellt, dass wir zu mündigen, selbstdenkenden Bürgern ausgebildet werden. Wir sind in der Lage, diesen Prozess zu verstehen und entsprechend zu deuten und gegebenenfalls Massnahmen zu ergreifen.

Warten wir also nicht ab, sondern interessieren wir uns für die Veränderungen. Die digitale Welt bietet uns unzählige Möglichkeiten, das Business effizient und kostensparend aufzustellen und dabei erst noch Zeit zu gewinnen. Lebenszeit, die wir zur freien Nutzung gewinnen oder auch dazu verwenden können, uns mit den neuesten Chancen der Digitalisierung entspannt auseinanderzusetzen. Denn Zeit ist Geld und die Veränderung beginnt im Kopf.

Dieser Beitrag wurde von Matthias Hungerbühler gepostet.


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