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Höher, weiter, besser – Haben wir ein Ressourcenproblem im Zahlungsverkehr?

Höher, weiter, besser. Der Zahlungsverkehr der Schweiz ist im Umbruch. Die laufende Migration auf die neuen Customer to Bank Formate beschäftigt sowohl Gross- als auch Kantonalbanken. Banken, Softwarepartner und Bankkunden stehen in der Verantwortung bis Mitte 2018 auf die neuen ISO-20022-Formate zu migrieren – eine ressourcenfordernde Aufgabe für alle Beteiligten.
Mit der Migration auf ISO 20022 geht in vielen Fällen auch der Wechsel auf neue Kanäle wie zum Beispiel EBICS einher. Diese zusätzliche Komplexität bindet auf Seite der Banken nicht nur First- und Second-Level Support Ressourcen. Viele Banken haben ein Kernteam von ZV-Experten aufgebaut (Third Level Support), um bei Fachfragen zu unterstützen. Es gilt Probleme und Fehler zu analysieren und die Kommunikation in Richtung Unternehmenskunde und Softwarepartner à jour zu halten.  
Doch während sich alle drei Parteien derzeitig noch schwer tun, den von der SIX geforderten Migrationsstatus zu erreichen, rücken neue Themen wie eBill und QR-Bill immer näher. Während der QR-Bill nach neusten Erkenntnissen auf Mitte 2019 - Anfang 2020 verschoben wurde, wird an dem Migrationstermin für den eBill mit Ende 2018 festgehalten. Eine Zerreissprobe für Banken mit Blick auf die Ressourcensituation. Notgedrungen müssen Mitarbeiter aus Business und IT von bestimmten Projekten abgezogen werden, um andere aufzubauen, während auf den verbleibenden die Last erhöht wird. Eine Situation, die an das Spiel Jenga aus Kindertagen erinnert – immer höher und weiter – trotz gleichbleibender Steinzahl.
The „game“ must go on
Doch es gilt „too big to fail“. Weitere Projekt- und Enddaten zu verschieben ist nach der Auffassung des Autors nicht die richtige Vorgehensweise. Das Rad der Migration ist ins Rollen geraten und sollte unter keinen Umständen gestoppt werden. Die Vorteile, die durch die neuen ISO-Formate ermöglicht werden, können erst bei Ausrollung auf den Markt in ihrer Gänze genutzt werden.  Ebenfalls würde eine Verschiebung der Folgeprojekte wie eBill und QR-Bill ein falsches Bild abgeben und könnte zu einem Vertrauensverlust führen. Ähnlich wie bei Jenga gilt es demnach die Ressourcen so gut wie möglich einzusetzen, ohne dass der Turm einstürzt. Dies benötigt sowohl Fingerspitzengefühl bei den Managern, wie auch Ausdauer bei den Mitarbeitern, die automatisch mehr Last als vorher tragen müssen.
Was tun, wenn das Konstrukt zu kippen droht?
Mit Blick auf mögliche Lösungen kristallisieren sich drei Alternativen heraus:
1. Interner Aufbau neuer Experten
Der interne Aufbau von neuen Zahlungsverkehrsexperten kostet zwar im ersten Schritt an anderen Orten Ressourcen, ist jedoch langfristig betrachtet eine mögliche Lösung. Schwierigkeit hierbei ist jedoch die Attraktivität, die der Zahlungsverkehr ausstrahlt. Trotz Grundlage und Basis einer jeden Grossbank tönen Themen wie Robotics, Digital Identity, Blockchain und Artificial Intelligence spannender und ziehen gerade junge Trainees und Berufsanfänger an. Daneben stellt sich auch die Frage, was nach der Harmonisierung ansteht.  
2. Outsourcing bzw. Einkauf externer Berater
Wie bei Jenga würden neue Steine, die ohne grossen Aufwand oben aufgelegt werden können, ohne Steine im unteren Bereich zu entfernen, die Situation erheblich vereinfachen.Doch leider ist dies sowohl bei Jenga, als auch in der Realität nur schwer möglich. Der Markt gibt nur eine geringe Zahl von Zahlungsverkehrsexperten her und ebenfalls auf Seiten der Beratungshäuser müssen neue Themen wie eBill und QR-Bill erst erarbeitet werden, was neben bestehenden Projekten nur mittels Teamwork zu meistern ist.
3. Automatisierung von Prozessen, um eine Umschichtung von Ressourcen zu erwirken
Liegt die Lösung also doch in der Automatisierung? Im Bereich der Stammdatenmigration können Robots tatsächlich einiges an Arbeit abnehmen. Grossbanken setzen bereits heute stark auf den Trend und arbeiten in verschiedenen Bereichen bereits mit Robotik Lösungen. Auch im Bereich Testing können viele Aufgaben bereits heute automatisiert bearbeitet werden. Doch Aufgaben wie Requirement Engineering oder Kundenmigration können nur schwer durch Roboter übernommen werden. Hier benötigt es ausgebildete Fachkräfte.
Die Lösung liegt einmal mehr in der Kombination von allen drei Lösungsalternativen und so legen wir fleissig den nächsten Stein eine Stufe höher. Vielleicht ist ja bei Ihnen im Projekt der nächste Stein ein PPI-Schweiz-Stein.


Für Sie gebloggt hat Florian Stade.

#Zahlungsverkehr #ProzessAutomation #RoboticProcess #Digitalisierung #HarmonisierungZV


Highlights vom European Payment Summit 2018 – Tag 2

Mit dem Vortrag über den aktuellen Stand der Entwicklung von Quanten-Computern wurde die Messlatte schon am ersten Tag ziemlich hoch gelegt. Und so geht es denn heute im ähnlichen Stil weiter. Vivek Bajaj, IBM Watson Financial Services Solutions stellt aktuelle Projekte vor, in welchen AI eine zentrale Komponente darstellt. AI, üblicherweise als Abkürzung für ’Artificial Intelligence’ im Gebrauch, wird hier zur ’Augmented Intelligence’. 

Der clevere Watson aus dem Hause IBM, welche schon vor 20 Jahren den amtierenden Schach-Weltmeister Garry Kasparov besiegte, erkennt heute verdächtige Zahlungen, E-Mails von betrügerischen Mitarbeitern und weiteres. Beispiel gefällig? Eine Mail eines Mitarbeiters einer Bank an einen Kunden zum Thema Wetter ”It’s going to rain tomorrow, you better take an umbrella” wurde korrekt als Weitergabe von Insider-Informationen erkannt. Das Motto lautet diesbezüglich: Context meets Content. Genauso wichtig wie der Inhalt einer Meldung ist auch der Kontext, in welchem eine Meldung eingesetzt wird.

Weitere Anwendungen von Watson finden sich in Call-Center-Lösungen, in welche Experten das System so trainieren, dass Anfragen korrekter und schneller beantwortet werden.

Und, ja, dass B-Wort durfte natürlich auch nicht fehlen. Während viele immer noch nicht genau wissen, wie eine Block-Chain wirklich funktioniert, hat IBM schon über 400 Blockchain-Projekte realisiert. Eine konkrete Anwendung finden Sie hier: https://www.we-trade.com/

Über die Aktivitäten der holländischen Zentralbank berichtet Petra Hielkema. Hauptthema ist auch hier PSD2 sowie deren Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr. Wettbewerb unter den Markteilnehmern ist normalerweise wünschenswert. Der rapide Anstieg an Payment Service Providern (PSP) in den letzten drei Jahren stimmt jedoch etwas nachdenklich. Eine grobe Schätzung geht von über 300 verschiedenen Services und Dienstleistung alleine in Holland aus. Gut möglich, dass sich hier wieder eine Konsolidierung einstellen wird.
Nicht ganz überraschend gibt es auch bei der Umsetzung der PSD2-Richtlinien Verzögerungen. Erst 11 Mitglied-Länder haben die entsprechenden Richtlinien in nationale Gesetze adaptiert. Auch die technischen Richtlinien, die sogenannten ’Regulatory Technical Standard (RTS) werden mit einer Verspätung von etwa 20 Monaten verfügbar sein.




Das führt uns zur nächsten Panel-Diskussion, in welcher nun Akteure auftreten, welche wir bisher noch nicht auf dem Radar hatten - Juristen. Gijs Boudewijn (European Banking Federation), James Whittle (Director International Standards and Services), Scott McInnes (Jurist) und Ralf Jacob (EU-Kommission) diskutieren aktuelle Probleme bei der Umsetzung der PSD2-Regulatorien und beantworten Fragen aus dem Publikum. 


Es versteht sich von selbst, dass die Antworten der Juristen keine einfachen sind. Antwort auf die Frage unseres PPI-Kollegen Hubertus von Poser, ob denn auch Kreditkartenkonten der PSD2 unterstellt sind: ”yes and no”… Die Erklärung dazu lautet: Was ich als Kunde mit einem Konto machen kann, soll auch ein Dritter machen können, vorausgesetzt, ich habe meine Einwilligung erteilt. Kann ich mein Kreditkartenkonto einsehen, Transaktionen abfragen? Antwort: Ja. Kann ich eine Zahlung ab meinem Kreditkartenkonto initiieren? Normalerweise nein. Heisst also, Banken müssen Account Service Providern (ASP) den Zugang zu einem Kreditkarten gewähren, nicht aber Payment Initiation Service Providern (PISP). 

Selbst Ralf Jacob, von der Europäischen Kommission, welche die sehr komplexen Gesetzestexte verfassen, bestätigte, dass sie diese Regelungen doch sehr ”pragmatisch” ausgelegt und umgesetzt werden sollen. Das war nun von einem Mitglied einer Regulierungsbehörde nicht wirklich zu erwarten…

In der letzten Panel-Diskussion steht das Thema ’Strong Customer Authentication’ im Fokus.

Alain Martin (Gemalto), Rolf Lindemann (Nok Nok Labs, Hamburg), Michael Sass (Mastercard) diskutieren die aktuellen Methoden und Möglichkeiten starker Benutzerauthentifikationen. Auch hier sind bereits viele Lösungen im Markt, welche den regulatorischen Ansprüchen mal mehr, aber auch mal weniger genügen.

Generell ist man sich aber einig, dass das Benutzererlebnis entscheidend sein wird, welche Systeme sich im Markt durchsetzen werden. Details dazu verraten wir Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch an anderer Stelle.




Das war’s vom 17. European Payment Summit aus dem Loumann Museum in Den Haag, welches übrigens ein sehr interessantes OldTimer-Museum beherbergt. Sehr empfehlenswert!

Wir verabschieden uns mit einer neuen Überlegung zum Thema Faster Payment



Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Dieser Beitrag wurde von Rolf Zumsteg gepostet


#EuropeanPaymentSummit #FürSieUnterwegs #PAYMENTS #europe #EPS18 #PSD2 #gdpr #FastPayments #Blockchain #AI

Gastbeitrag: Übergreifendes Kundenerlebnis mit Digital Banking Plattformen

In einer Zeit, in der die Kundenerwartung „anything, anytime and anywhere“ lautet, müssen Banken ihre Services auf vielen Kanälen anbieten. Eine Möglichkeit dafür sind Digital Banking Plattformen. Die PPI AG hat sich in einer Studie ausführlich mit den Anbietern und deren unterstützten Features auseinandergesetzt.

Digital Banking Plattformen unterstützen die veränderten Kundenanforderungen. Die PPI AG hat sich in einer Studie ausführlich mit deren Anbietern und den Features beschäftigt.

Die fortschreitende Digitalisierung in allen Lebensbereichen ändert das Kundenverhalten in rasender Geschwindigkeit – und damit auch die Ansprüche an Banken. Die Zukunft wird von selbstbewussten Kunden bestimmt, die auf zahlreichen Kommunikationskanälen unabhängig von Servicezeiten agieren. Gleichzeitig ändert sich das Marktumfeld. Neue Services werden von Wettbewerbern und Fintechs in immer kürzeren Zyklen auf den Markt gebracht. Um dort Schritt halten zu können, müssen leistungsfähige Systeme zum Einsatz kommen. Digitale Banking Plattformen bieten Finanzdienstleistern eine gute Möglichkeit, sich zukunftsfähig zu positionieren.

Eine solche Plattform ist ein modernes Portal, auf dem der Kunde seine Bankgeschäfte geräteunabhängig und kanalübergreifend abwickeln kann. Darüber hinaus werden verschiedenste fachliche Features bereitgestellt (z.B. Co-Browsing, Videochat, Advisory, Brokerage, etc.). Nichtsdestotrotz ist die Plattform dank moderner Schnittstellen (APIs) offen für die Einbindung innovativer Fintech-Lösungen und Eigenentwicklungen der Banken. Viele Services werden bereits von Drittanbietern bereitgestellt und in die Plattformen eingebunden. Ändern sich die Anforderungen, sorgen diese Schnittstellen dafür, dass die Lösungen schnell angepasst werden können. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht das Zusammenspiel zwischen der Digital Banking Plattform, dem Kunden-Frontend sowie den angebundenen Bankanwendungen und Fintech-Lösungen.

Modernes Schnittstellen-Banking

Über eine Digital Banking Plattform kann die Bank Services wie Brokerage oder Advisory integrieren und über die gewünschten Endgeräte dem Kunden anbieten. Die Einbindung von Chat, Multibanking und co erfolgt über Schnittstellen (APIs).

"Digital Banking Plattformen verbinden über Schnittstellen die Services der Banken und Fintech-Anbieter  mit den verschiedenen Endgeräten."

Digital Banking Plattformen: Die Qual der Wahl
Daher haben wir uns in einer Studie ausführlich mit den Möglichkeiten und Anbietern dieser Plattformen auseinandergesetzt. In der Marktanalyse haben wir sieben Hersteller moderner Digital Banking Plattformen im deutschsprachigen Raum untersucht. Diese repräsentieren nach Einschätzung von PPI einen relevanten Teil des deutschen Marktes. Eigenentwicklungen der Banken und Lösungen aus Rechenzentren bleiben in dieser Untersuchung unberücksichtigt.

Übergreifend ist festzustellen, dass alle untersuchten Anbieter Lösungen für wichtige digitale Zukunftsthemen an der Schnittstelle zwischen Bank und Kunde bereitstellen und in diese investieren. Die angebotenen Lösungen liegen mehrheitlich deutlich über dem aktuellen Marktstandard genutzter Plattformen. Derzeit fokussieren sich Banken in Deutschland vor allem auf die Anzeige von Daten, weniger auf die endgeräteunabhängige Interaktion mit dem Kunden.

Bausteine für ein zeitgemäßes Kundenerlebnis
Mit einzelnen digitalen Modulen innerhalb der Plattform unterstützen die Softwarehersteller die Banken dabei, dem Endkunden entlang der Customer Journey ein zeitgemäßes Kundenerlebnis zu liefern. So entsteht im besten Fall ein Omni-Kanal-Erlebnis, bei dem Banken und Kunden kanalübergreifend miteinander in Kontakt treten. Auch wenn alle in der Studie untersuchten Softwareanbieter auf die Ansprüche des digitalen Bankkunden vorbereitet sind, so werden im Detail doch Unterschiede sichtbar. Ein Kernnutzen des Bankings aus Kundensicht ist es, von unterwegs Konten einsehen und Transaktionen schnell durchführen zu können. Ein Trend zeigt sich darin, dass die klassische Übersichtsseite eines Online-Bankings um Widgets ergänzt oder sogar durch diese ersetzt wird und sich somit eine neue Übersichtsform ergibt. Kunden können so ein individuelles Cockpit gemäß ihrer Präferenzen zusammenstellen.

Multibanking-Funktionalitäten
Alle befragten Hersteller bieten eine Multibanking-Funktionalität an. Viele unterstützen neben Kontoinformationen auch Zahlungsauslösungsdienste zu Drittbankkonten. FinTS ist die am häufigsten eingesetzte Technologie dafür.

"Übersicht der Multibanking-Funktionen von Digital-Banking-Plattformen und angewandten Integrationsverfahren dafür."

Doch nicht nur bei Widgets zur Kontoübersicht zeigt sich, dass die Plattformen den Banken viel Raum zur Individualisierung für ihre Kunden geben. Individualisierung und Personalisierung liegen in vielen Bereichen im Trend, Technologien passen sich dem Anwender an und sind ideal auf ihn zugeschnitten. Daran hat sich der Kunde bereits gewöhnt und erwartet dies nicht nur von seinem Amazon-, Facebook- oder Google-Konto, sondern ebenso von seinem Online-Banking-Portal. Ein Baustein, um dieser Erwartungshaltung im Retail-Banking gerecht zu werden, ist personalisierte Online-Beratung mittels Robo-Advisory. Die Mehrheit der untersuchten Hersteller ermöglicht es, automatisierte Empfehlungen von Produkten und Dienstleistungen auf Grundlage der persönlichen Situation des Bankkunden zu generieren und darzustellen, oder investiert in die Entwicklung dieser Funktionen. Die Möglichkeit, einen Berater via Videochat oder Co-Browsing zuzuschalten, ist bei nahezu allen Anbietern vorhanden.

Kommunikation und Interaktion mit dem Bankkunden
Die Mehrheit der Softwarehersteller bietet den Banken Video-Chat und Co-Browsing zur Interaktion mit ihren Kunden – oftmals über Drittanbieter. Auch Text-Chats sind weit verbreitet.

"Übersicht über Kommunikationswege des Kunden mit seiner Bank – etwa durch Chat oder Co-Browsing."

Kontoeröffnung – komplett digital
Die digitale Customer Journey beginnt lange vor der ersten Vertragsunterschrift. Geldinstitute wollen dem (Neu-)Kunden den Einstieg so einfach wie möglich machen – und ihm die gewohnten digitalen Kanäle bereitstellen. Nahezu alle untersuchten Software-Hersteller unterstützen bereits digitale End-to-End-Kontoeröffnungsstrecken für zahlreiche Produkte, sowohl für Neu- als auch für Bestandskunden. Die dafür benötigten Funktionalitäten der Video-Identifizierung und der digitalen Signatur werden oft über integrierte Drittanbieter bereitgestellt.

Kunden werden nicht nur in der Wahl ihrer Kanäle selbstbestimmter, sondern auch in der Art ihrer Kommunikation. Die Hersteller ermöglichen dem Endkunden entlang der Customer Journey ein zeitgemäßes Kundenerlebnis durch Integration von Text- und Videochats. Daneben werden auch Chatbots zunehmend integriert. Auch Co-Browsing wird immer mehr zum Standard. So können Berater und Kunde gleichzeitig über eine Seite navigieren und Ergebnisse anschauen. Das digitale Kundenerlebnis kann von den Software-Herstellern jedoch nur vorbereitet werden und hängt letztendlich maßgeblich davon ab, ob die Backends der Banken dies ebenfalls unterstützen.

Hier kann auf den Einsatz von Softwarerobotern zurückgegriffen werden. Diese eröffnen die Vorteile der Prozessautomatisierung ohne teure und tiefgreifende Lösungen. Die Roboter bilden dabei häufig wiederkehrende und gleichbleibende menschliche Aktivitäten an Bildschirm und Tastatur nach. So lässt sich dann eine digitale End-to-end-Kontoeröffnungsstrecke auch in komplexen Infrastrukturen mit vielen systemischen Brüchen schnell und günstig realisieren. Mehr Informationen zu dem sogenannten Robotic Process Automation (RPA) liefert Dirk Dose von PPI in einem weiteren Blogbeitrag.

Wie geht es weiter?
Allen Kreditinstituten ist die Notwendigkeit eines durchdachten digitalen Angebots bewusst. Doch das konkrete Vorgehen bei der Umsetzung ist nicht immer einfach. Denn Banken, welche die digitale Transformation ihres Kerngeschäftes forcieren, stehen zunächst vor der Entscheidung, ob sie ihre eigenen IT-Lösungen erweitern, neue Lösungen entwickeln oder auf die Software eines Drittanbieters zurückgreifen. Die Eigenentwicklung ist für Banken mit einer gewachsenen IT-Infrastruktur sehr kosten-, ressourcen- und vor allem zeitintensiv. Somit macht es für viele Institute Sinn, sich im Rahmen eines Entscheidungsprozesses auch mit externen Software-Lösungen zu befassen um eine schnelle Marktfähigkeit sicherzustellen.


Zu den Autoren:


Guido Köhler ist Principal bei der auf Banken und Versicherungen spezialisierten Unternehmensberatung PPI AG. Als Experte im Digital Banking berät er Banken seit Jahren vertrauensvoll bei der digitalen Transformation ihrer Vertriebs- und Serviceprozesse. Er beobachtet im Bereich der digitalen Kanäle aktuelle Entwicklungen am Markt, ist Autor mehrerer Studien sowie Fachartikel und verantwortet bei der PPI AG im Bereich Digitale Kanäle die Themenentwicklung.
https://www.xing.com/profile/Guido_Koehler2 


Timo Scharff ist Consultant bei der auf Banken und Versicherungen spezialisierten Unternehmensberatung PPI AG. Er ist Experte im Bereich „Digital Banking“ und unterstützt Banken bei der Konzeption sowie Umsetzung digitaler Service. Er kennt das Marktumfeld und ist Mitautor der Studie „Digitale Banking Plattformen“.
https://www.xing.com/profile/Timo_Scharff


Florian Hartmann ist Consultant bei der auf Banken und Versicherungen spezialisierten Unternehmensberatung PPI. Als Experte im Digital Banking berät er Banken bei der Konzeption und Weiterentwicklung digitaler Service und Transaktions-Plattformen. Er ist Mitautor der Studie „Digitale Banking Plattformen“ und beobachtet das Marktgeschehen rund um digitale Banking-Lösungen.
https://www.xing.to/Florian_Hartmann



Zur Studie:
Für die Studie „Digitale Banking Plattformen – Modernes Banking gestalten“ wurden sieben Hersteller entsprechender Plattformen mit einem umfangreichen Fragenkatalog befragt. Die Ergebnisse zeigen Unterschiede und Trends bei den Softwareanbietern im Hinblick auf fachliche und technische Aspekte. Sie ist zu beziehen unter https://www.ppi.de/marktstudie_digital_banking_plattformen

#Gastbeitrag #PPIAG #DigitalBanking #APIs #RPA #SmartRobotic

Fünfte Auflage der Swiss Digital Finance Conference 2017

Im Rahmen von #PPIonTour haben wir uns diesmal in Rotkreuz auf dem Campus „Zug-Rotkreuz“ der Hochschule Luzern eingefunden. Zum Glück für alle Teilnehmer fand die Veranstaltung nicht in den Räumlichkeiten direkt beim Bahnhof Luzern statt, da durch einen entgleisten Personenzugwagen der Bahnverkehr noch immer stark eingeschränkt war. So füllten sich die Reihen pünktlich zum Beginn der Konferenz, als Konferenzleiter Georges Grivas sein „Herzlich willkommen“ an die Community richtete. 

Wie schon an den vorigen Events der jährlich stattfindenden Konferenz, fanden sich Entscheider und Spezialisten von Banken und Versicherungen, Strategieverantwortliche und Unternehmensentwickler, Fintech und Beratungsunternehmen ein, die sich zu aktuellen und künftigen Themen informieren und austauschen wollten. 

Georges Grivas eröffnete die Konferenz mit Gedanken zum Umfeld von Fintechs in der Schweiz. Ob PSD2 eine Erleichterung bringt und dass trotzdem das Investitionskapital mit 50 Millionen Franken (0,3% des weltweiten Investitionskapitals) nur einen verschwindend geringen Teil darstellt. Bisher galt „Mobile First“. Würde es künftig „AI First“ heissen und was würden Big Data und Blockchain für Auswirkungen haben? Mit diesen Eingebungen starteten wir in die Vortragsrunde. 

Oliver T. Bussmann stellte in seiner KeyNote auch gleich zentrale Fragen:  „Banking at the tipping point - steht das Banking auf der Kippe?“ Welche Tendenzen stehen vor der Tür? Der „Tipping Point“ ist zwar noch nicht da, aber Banken müssen sich vorbereiten, sonst verpassen sie den Anschluss. Werden Banken künftig ihre Software gar nicht mehr betreiben, sondern auf Cloud-Lösungen zurückgreifen und entsprechende Plattformen nutzen? 
Blockchain wird ein Thema sein und alle primären Bankbereiche werden von Veränderungen betroffen sein. Die Frage wird vielmehr sein, wo man seine Schwerpunkte setzen will. 
Wie soll sich eine Bank nun aber verhalten? Ideen eine Chance geben. Nach einem positiven Business Case Ideen ins Lab schicken und daraus dann Projekte generieren. 

Als erster Referent stellte dann Dr. Kurt Mäder von der Liechtensteinischen Landesbank ihre Neuausrichtung der Omnikanal-Präsenz vor. Neben einer Entkopplung der Backendsysteme von den Frontend-Applikationen war wichtig, dass unterschiedliche Geschwindigkeiten gelebt werden. Neben grossen Projekten müssen auch „Speedboote“ realisiert werden können, wie die Video-Identifikation, die innerhalb 6 Wochen auf den Weg gebracht wurde. 
In vielen Bereichen und Abteilungen mussten dafür Anpassungen vorgenommen werden, aber die Hausaufgaben für die Neuausrichtung sind gemacht. 

Vor der Kaffeepause gab dann Dave Kauer von PostFinance einen aktuellen Status Quo und einen Ausblick auf die neue TWINT-Lösung, die kurz vor dem Relaunch steht und die besten Eigenschaften der bisherigen Lösung und die von Paymit vereint. 
„Digitale Paymentlösungen sind hype, aber letztendlich ist es ein Kundenbedürfnis, welches eine Customer-Journey triggert“, betrachtete Dave nüchtern die Tatsache, dass es nicht rein um die Digitalisierung per se, sondern um den Kunden gehe. 

Frisch gestärkt regte Christian Vetsch von Abrantix zum Nachdenken an, wo wir nur eine Schein-Digitalisierung vor uns haben. Wir fühlten uns stark an die Person erinnert, die im Automaten sitzt und nach Einwurf der Münze manuell den Lolli rausfallen lässt. 
Nachholbedarf sah Christian eindeutig bei den Lösungen für die Geschäftskunden. Von den über 580'000 KMU-Betrieben in der Schweiz haben rund 150'000 einen Online-Auftritt. Wenn diese aber eine Kreditkarte auf dem Internetshop entgegennehmen wollen, erwartet sie die erste Ernüchterung mit den Papierverträgen. 
Christian  forderte , dass wir uns von dem Denkansatz der „2-Wege-Kommunikation“ verabschieden und dass Plattformen entstehen sollen, auf denen sich beispielsweise Geschäftskunden einfacher mit den notwendigen Werkzeugen versorgen können. 
Als weiteren wunden Punkt sprach Christian an, dass mindestens 140'000 Händler hinter ihrem Online-Shop einen manuellen Verbuchungsprozess haben. Vielleicht ist hier ein neuer Geschäftsansatz, um diese KMU zu unterstützen? 

Urs Haeusler, CEO von DealMarket und Vorstand von Swiss Finance Startups, einer Unterstützungsplattform für Gründer in der Schweiz, fand dann eine gute Möglichkeit, den Spannungsbogen bis zum Stehlunch aufrecht zu erhalten. Mit welchen Problemen haben Startups heutzutage zu kämpfen? Märkte sind nicht mehr regional begrenzt und Wertschöpfungsketten werden aufgebrochen. Da Startups als wichtige Treiber von Innovation und Arbeitsplätzen angesehen werden, forderte er, dass die Regierung durch verschiedene Aspekte die Startups aktiv unterstützen sollen. „Erfolgreiche Länder agieren und nehmen nicht die Zuschauerrolle ein.“ 

Der Stehlunch bot ausgiebig Möglichkeit für anregende Gespräche. Der Nachmittag fokussierte sich dann zunehmend auf Blockchain und die möglichen Spielvarianten. Sicher keine leichte Kost nach dem Mittagessen, aber alle Vorträge blieben spannend, sodass kein Tief entstand. 

Felix Niederer zeigte zuerst spannende Möglichkeiten auf, wie Banken Roboadvisor einsetzen können. Anlagekunden nutzen bereits vermehrt digitale Lösungen und bei aktiv verwalteten Verwaltungsmandaten stellen diese Technologien eher einen Mehrwert dar, als ein Wegbruch von Einnahmequellen. 

Antoine Verdon zeigte dann sehr plastisch auf, wie in ihrer Legalhub-Plattform die drei wichtigen Bereiche vereint werden: Digitale Verträge, Internet of Things und Blockchain. Durch das Internet of Things können ungeahnte Automatisierungen realisiert werden. Er sagte daneben voraus, dass es künftig für jedes physische Objekt auch einen „virtuellen Zwilling“ geben wird. So kann zum Beispiel eine wertvolle Uhr von der Herstellung bis zum Verkauf und der Weitergabe immer virtuell verfolgt werden. 
Insulin aus China, welches im Container immer gewissen Voraussetzungen unterworfen sein muss, kann mit Sensoren immer durchgängig und optimal überwacht werden. Ist die Ware verdorben, kann beispielsweise automatisch der Container gestoppt, die Versicherungsleistung und eine Folgebestellung ausgelöst werden, sodass das dringend benötigte Medikament nicht erst am Bestimmungshafen als unbrauchbar deklariert werden muss. 
Dies impliziert aber, dass entsprechende Aktionen nicht erst bei Eintritt des Schadens diskutiert werden können, sondern bereits bei Abschluss des Vertrages festgelegt werden müssen.

Nach diesen ersten Deep-Dives bot Christoph Pfluger, Journalist und Herausgeber der Zeitschrift „Zeitpunkt“ eine erfrischende aber auch nachdenklich stimmende Abwechslung. 
Frei  nach der These, dass Banken durch Kreditvergabe „aus dem Nichts“ Geld generieren können. Nachdenklich wurde man dabei, da das Geld, welches der Kreditnehmer erhält, auch nur eine Zahl auf einem Stück Papier darstellt, wie man auch bei digitaler Währung das Geld nicht mehr anfassen kann. 

Nach einer weiteren Kaffeepause ging es in den Endspurt zu Schnittstellen zwischen Technologie und Finanzen und Regulierungsaspekten. 
Zuerst veranschaulichte Dr. Luka Müller sehr gut, wie beispielsweise das Handling von Aktien blockchain-gestützt vollautomatisiert ablaufen kann. Dabei stellt ein Token ein digitales Eigentum dar. 

Martin Godel beleuchtete anschliessend, welche Regulierungen es braucht und wo die Schweiz als Finanzplatz steht. Ausschlaggebend ist dabei nicht die Anzahl der Fintechs, sondern die Rahmenbedingungen, wie attraktiv der Markt für Fintechs ist. In einer kürzlichen Studie steht die Schweiz nämlich auf Platz 5, neu sogar auf Platz 2. Beleuchtet man aber die Situation für geldbewegende Startups, so fällt die Schweiz gar auf einen der letzten Plätze zurück! Warum ist das so? Bei den meisten Konstellationen ist bald eine Banklizenz fällig, die zu beantragen Zeit und wertvolles Startkapital bindet. Es zeigt sich aber ein Licht am Horizont. Durch eine aktuelle Eingabe sollen hier die rechtlichen Rahmenbedingungen für Startups entscheidend geändert werden. Kommen die Änderungen durch, könnte sich die Schweiz gar auf Platz 1 befördern. Umso wichtiger ist es, dass diese Vorlage vorangetrieben wird, deren Vernehmlassung bis Mai und gewisse Prüfungen bis Ende 2017 auf der Agenda stehen. 

Die Podiumsdiskussion fasste die erfahrenen Punkte zusammen und zeigte auf, dass die Regulierung in der Schweiz bereits auf einem guten Weg ist. Beispielsweise im Bereich Blockchain haben sich die Regulatoren umfassendes Knowhow aufgebaut - unabdingbar, um vernünftige Regularien zu erlassen und dem Finanzplatz nicht im Weg zu stehen. 
Dennoch geht es noch besser. Wünschenswert wäre, dass das Parlament in der Umsetzung schneller wäre, Abbau bürokratischer Hürden - immer im Vergleich zu anderen Ländern - vorangetrieben würde und auch die Steuersituation sich auf die neuen Unternehmen und Geschäftsmodelle einstellen würde. 
Bei Mikropayments sollten so beispielsweise Limiten erlassen werden, unter denen die Besteuerung erleichtert würde. Eine zweite Schwelle wird für digitale Identifikation gefordert, sodass entsprechende Geschäfte leichter zustande kommen. Auch neue Regeln bezüglich der Cloud werden notwendig. Die heutigen entsprechen nicht mehr die Realität und vieles muss in einer Grauzone gehandhabt und individuell interpretiert werden. 

Es ist nicht vielmehr die Quantität der Regulierung die zählt, sondern die Qualität, sodass alle Akteure die Anforderungen klar und deutlich verstehen. Hier hat die Schweiz bereits einen guten Ruf. 

Es kamen auch Aspekte auf wie: „Alles kann gehackt werden, auch eine eID.“ Hierbei wurde ausgeführt, dass aber auch eine händische Unterschrift und ein Ausweispapier jederzeit sehr schnell kopiert und somit missbraucht werden kann. 
Zum Schluss ging noch ein Aufruf an die Banken, dass eine elektronische Identität, wenn sie dann mal umgesetzt ist, auch von Banken akzeptiert und eingesetzt wird. 

Fazit der Podiumsdiskussion: Das Thema ist komplex, aber die Schweiz ist bereits auf einem gutem Weg und wir dürfen gerade jetzt nicht nachlassen. Dann stehen wir in fünf Jahren gut da und die Schweiz kann sich international weiterhin als ein gefragter Knowhow- und Finanzplatz behaupten. 

So kann dieser Tag nur als spannend und gelungen bezeichnet werden. Wir werden sicher das nächste Jahr im März wieder für Sie vor Ort sein, wenn die Hochschule Luzern zu spannenden Themen lädt. 

Für Sie gebloggt hat Frank Rebmann von PPI Schweiz



Frank ist Senior Consultant bei PPI Schweiz und nebst seiner Affinität zu Mobile Payment begeistert er sich für den Meldungsaustausch im Zahlungsverkehr auf der Seite Kunde-Bank, insbesondere aber im Interbankbereich.




#DigitalFinance, #eID, #PSD2, #MobilePayment, #TWINT, #FinTech, #Blockchain, #PPIonTour

PPI Top Event – Berühmt, berüchtigt

Es ist bald wieder soweit: PPI lädt am 16. März, späterer Nachmittag, ins Zunfthaus zur Hard zum halbjährlichen Stelldichein der Zahlungsverkehrsexperten ein.

Gestartet mit der Mission, den Standard ISO 20022 bei Finanzinstituten bekannt zu machen, hat sich der Anlass in der Zwischenzeit zu einem hochkarätigen Treffen mit Stammpublikum aus der Zahlungsverkehrs-Gilde gemausert.

Die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs in der Schweiz nimmt auch heute noch seinen Platz im Programm ein (siehe Vortrag von Markus Beck, Raiffeisen), aber nicht nur. Der Anlass ist vielmehr auch eine Bühne für neue Ankündigungen und Überraschungen. So ist es den Verantwortlichen dieses Mal gelungen, zwei „Hot Topics“ in die Vortragsreihe einzubauen. Da wäre einerseits der Beitrag von PEAX, einem Startup aus Luzern, das mit seiner Vision des digitalen Briefkastens etablierte Akteure herausfordert und andererseits der Vortrag von Dirk Dose, der über das hochaktuelle Thema Robotic Process Automation (RBA) im Banking referieren wird.

Als Organisator des Meetings verspricht Carsten Miehling bereits an dieser Stelle, dass PPI bei der jetzigen Veranstaltung mit einigen Neuigkeiten zusätzlich überraschen wird. Denn das ursprüngliche Thema ISO 20022 biegt langsam aber sicher in die Zielgerade ein und ein neues Leitmotto musste gefunden werden. Was dies genau sein wird, sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Es lohnt sich aber auf jeden Fall und besonders dieses Mal im Werdguet mit dabei zu sein. Wie immer wird auch bezüglich Unterhaltung und Kulinarik nichts dem Zufall überlassen, sodass die Expertengespräche in geselliger Runde wieder bis in die späten Abendstunden anhalten werden.



Wir freuen uns auf Sie 

#Top Event #PPISchweiz # RoboticProcessAutomation #Harmonisierung #PPIAG #PEAX #Raiffeisen


Gastbeitrag: Robotic Process Automation (RPA) - Softwareroboter heuern bei Finanzdienstleistern an

Die Schweizer Bankenbranche steht unter massivem Druck. Der Niedrigzins drückt die Margen im Kredit- und Geldanlagegeschäft auf ein Minimum. Gleichzeitig machen Regulierungsvorschriften den Banken das Leben schwer. Und der intensive Wettbewerbsdruck verbietet Preiserhöhungen. Kaum verwunderlich also, dass Banken händeringend nach einem Hebel suchen, um ihre Kosten zu drücken. In der weiteren Industrialisierung sehen die Schweizer Banken den Schlüssel zum Erfolg. Roboter, die im Backoffice Seite an Seite mit den Menschen arbeiten, leisten bereits gute Dienste.

Die Digitalisierung verspricht Produktivitätssteigerungen. Der Innovationsdruck wird noch erhöht durch neue Player, die dem veränderten Kundenverhalten im Digital-Zeitalter scheinbar mühelos begegnen. Fintechs fordern Banken heraus. Sie erweisen sich häufig als wandlungsfähiger und schneller. Etablierte Finanzinstitute dagegen werden nicht selten von der eigenen, veralteten IT-Infrastruktur ausgebremst und durch eingefahrene Arbeitsabläufe schwerfällig. Viele Finanzdienstleister verlassen sich noch auf unflexible Papierformulare, halbautomatische und manuelle Abläufe. Prozessoptimierungsprojekte haben oft wenig Potenzial, da die IT-Anpassung zu kostenintensiv und zu langwierig ist.

Roboter gehen den Mitarbeitern zur Hand

Eine Chance, diesem Dilemma zu entkommen, bietet die Industrialisierung des Backoffice. Das Konzept dahinter trägt den Namen Robotic Process Automation (RPA). Richtig angelernt übernehmen Roboter die Backoffice-Arbeit. Ein Softwareroboter ist eine Anwendung, die menschliche Aktivitäten an Bildschirm und Tastatur nachbildet und auf diese Weise vollautomatisiert manuelle Tätigkeiten übernimmt. Er arbeitet komplett eigenständig nach vorgegebenen Regeln. Nur in festgelegten Ausnahmefällen wird ein Mitarbeiter angesprochen, der sich dann mit dem Arbeitsschritt befasst. In Zukunft werden lernende Komponenten (Künstliche Intelligenz) die Roboter noch schlauer machen.

Der grosse Vorteil dieser Lösung ist die Schnelligkeit, mit der sie herbeigeführt werden kann. Eine Umsetzung ist in wenigen Wochen möglich. Die Investitionen sind vergleichsweise gering und amortisieren sich nach kurzer Zeit. Softwareroboter bringen Effizienzzuwächse – und zwar ohne langwierig komplett neue IT-Lösungen zu implementieren, die in die Infrastruktur eingepasst werden müssen und die Integration einer Vielzahl von Schnittstellen erfordern.

Arbeitsfelder für Roboter

Je standardisierter die Prozesse und je schneller die Informationen zur Verfügung stehen, umso eher ist eine Automatisierung durch Roboter möglich. Beispiel Kontoeröffnung: Softwareroboter tragen die Daten in die Kunden- und Stammdatenbanken ein, bestellen die Giro- und Kreditkarte für den Kunden und richten regelbasiert Dispokredite ein. Der Effekt für die Kunden: Sie kommen so schneller als bislang zu ihrer neuen Bankverbindung oder einem Kredit. Der Effekt für die Banken: Die Maschinen entlasten die Bankmitarbeiter von lästigen Arbeiten wie dem Eintippen und Abgleichen von Daten und die Automatisierungen sorgen auch bei anderen Verwaltungsaufgaben für mehr Effizienz.

Ein anderes Beispiel für ein Betätigungsfeld für Roboter ist das Abarbeiten von Fehlerlisten. Bankmitarbeiter sind täglich gefordert, Anpassungen in ihren IT-Systemen nachträglich vorzunehmen. Die Aufforderungen dazu erhalten sie regelmässig über Listen, beispielsweise, wenn im Nachtlauf bestimmte Zahlungen nicht so durchgeführt wurden wie geplant. In der Praxis werden diese Listen häufig von Menschen ausgedruckt, vorsortiert, wieder gescannt und per E-Mail an einzelne Mitarbeiter zum Bearbeiten geschickt. Der Mitarbeiter, der die Liste erhält, erstellt eine Auftragsnummer, bearbeitet Vorgänge und führt den Freigabeprozess durch. Softwareroboter können einen Grossteil der Arbeit übernehmen – von der Erfassung über die  Verteilung bis zur Bearbeitung der Standardfälle.

Anteil der Personalkosten am Ertrag drücken

Die Automatisierung manueller Tätigkeiten bietet großes Potenzial Kosten zu sparen und die Produktivität zu steigern. Vernetzung und Rechenintelligenz sind heute so weit, dass die Softwareroboter zur echten Alternative werden. Berechnungen, bezogen auf das Listenbeispiel, zeigen, dass Produktivitätssteigerungen in Höhe des Faktors Zwei und mehr möglich sind. Im Regelfall kann ein Softwareroboter die Arbeit von drei bis fünf Mitarbeitern übernehmen. Zudem arbeitet er durchgehend ohne Pause. Es können also deutlich mehr Vorgänge in derselben Zeit erledigt werden. Berechnungen und Erfahrungen von PPI zufolge lassen sich Bearbeitungszeiten tatsächlich um mehr als 50 Prozent reduzieren, in Einzelfällen waren sogar 90 Prozent möglich.

Zudem machen Softwareroboter die manuellen Schnittstellen erheblich zuverlässiger und effizienter, da sie selbst bei ständiger Wiederholung und hoher Geschwindigkeit präzise arbeiten. Zugleich ist jeder Schritt, den ein Softwareroboter übernimmt, vollständig nachvollziehbar und dokumentiert. Ein Vorteil für die Compliance.

Roboter sind für die Menschen da

Bankmitarbeiter erhalten mit RPA einen Assistenten, um die eigene Produktivität zu verbessern. Arbeiten, für die ausgebildete Bankmitarbeiter massiv überqualifiziert sind, die aber erledigt werden müssen, können Softwareroboter übernehmen. Für die Menschen bleibt mehr Zeit, um sich auf individuelle Kundenbedürfnisse und die Beratung zu konzentrieren. Ziel ist, dass sich die Kollegen ganz strategischen Fragen, dem Entwickeln neuer Geschäftsideen, dem Kundenbeziehungsmanagement und schwierigen, individuellen Sachverhalten widmen können.

Der besondere Charme von RPA liegt in der vergleichsweise einfachen Umsetzbarkeit. Unternehmen, die RPA-Lösungen gerne einmal ausprobieren möchten, können pragmatisch starten und innerhalb weniger Wochen erste Erfahrungen sammeln. Die Kosten sind überschaubar – auch weil die vorhandene IT-Infrastruktur davon unberührt bleibt. RPA löst das Dilemma aus Geschwindigkeit, Qualität und Kosten.

Über unseren Gastautor:

Dirk Dose ist Managing Consultant und Experte für Prozessautomatisierung bei der Hamburger Unternehmensberatung PPI AG. Als Träger des Master Black Belt Six Sigma leitet er Prozessveränderungsprojekte in Unternehmen der Finanzbranche.





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