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Willkommen im 2021 – Was bringt das neue Jahr, wir wagen einen Blick in die Sterne

Wir schreiben den 01.01.2021 10:35 Uhr. Der eine oder die andere hat noch etwas Schlaf in den Augen, denn das neue Jahr ist noch sehr jung und die Nacht war lang. Wir räkeln und sortieren uns und zeigen uns etwas irritiert darüber, dass im Wohnzimmer eine gewisse Unordnung herrscht – offenbar war die Neujahrsfeier im kleinen Kreis doch amüsanter als erst befürchtet. 

Ein neues Jahr bringt die Möglichkeit, nicht nur im Wohnzimmer sondern generell die Dinge neu zu ordnen, mit Altem aufzuräumen und mit frischem Mut in die Zukunft zu blicken. Noch bevor einen die Routine des neuen Jahres wieder fest im Griff hat, ist die Aufbruchsstimmung meist am grössten. Jetzt werden Pläne geschmiedet, Altes wird kritisch hinterfragt, es kommt die Lust auf Innovation und Veränderung hoch und wir bauen uns unser eigenes Luftschloss, wie die Welt im neuen Jahr aussehen soll.

Was lehrt uns das Firmament?

Wer von Ihnen hierfür ab und an ein Horoskop liest und den Blick in die Sterne wagt hat vielleicht mitbekommen, dass es mit dem Jahresende auch zu einer neuen Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn gekommen ist, ein Ereignis, das nur alle zwanzig Jahre stattfindet und entsprechend Neuerungen mit sich bringt. Die jüngste Konjunktion hat es jedoch mehr als sonst in sich, denn in den vergangenen 200 Jahren fanden diese planetaren Zusammentreffen (bis auf eine Ausnahme) immer in den Erdzeichen Stier, Jungfrau und Steinbock statt - deswegen bezeichnet man in der Astrologie die Epoche der vergangenen 200 Jahre auch als «Erdepoche». Nun befindet sich diese Konjunktion aber am Anfang des Tierzeichens Wassermann und läutet somit die «Luftepoche» ein - astrologisch gesehen betreten wir nun also epochales Neuland.

Was bedeutet das nun?

Gemäss den Ausführungen der Psychologin und Astrologin Sylvia Grotsch bringt ein solcher Epochenwechsel immer auch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Diese manifestieren sich natürlich nicht alle umgehend im 2021 sondern eher verteilt über die kommenden Dekaden. Wir bewegen uns nun verstärkt weg von der geldgetriebenen hin zur werteliebenden Gesellschaft. D.h. auf immer mehr «haben wollen», einer Tendenz der Erdepoche, folgt nun ein ausgeprägtes Bewusstsein für Verbindungen und Zusammenhänge. Finanzieller Wohlstand, Besitz und berechenbare Verhältnisse treten in den Hintergrund und machen Platz für neue Werte wie Flexibilität, örtliche Unabhängigkeit sowie private und berufliche Gemeinschaften, mit denen man sich locker zusammenschliesst. Denn die Luft liebt Freiheit und Flexibilität, liebt Kontakte und ihr hervorstechendstes Merkmal ist das Bedürfnis nach Wissensaufnahme und Gedankenaustausch.

Auf die mittlere und nahe Zukunft bezogen heisst das, dass die Digitalisierung rasant und noch viel stärker zunehmen wird. Den Menschen wird ein freies und unabhängiges Leben immer wichtiger, Kontakte wollen intensiver gepflegt werden, auch wenn sie weltweit verstreut sind. Der Ruf nach Erneuerung, Freiheit, mehr Individualität und modernen Technologien wird lauter und lauter, gleichzeitig werden aber auch die Gesellschaft als solches und die Bewusstseinserweiterung immer wichtiger. Erstarrtes kommt in Bewegung, alte Zöpfe werden abgeschnitten, die Gesellschaft wird freier, offener und selbstbestimmter werden.

Und mittendrin in dieser Entwicklung stehen die Schweizer Banken, die (entsprechend der Erdepoche) seit Jahrhunderten für Stabilität, Festigkeit und Sicherheit stehen. Werte, die einen grossen Anteil am Geschäftserfolg der vergangenen Dekaden oder sogar Jahrhunderten haben und die sicher auch in Zukunft wichtig bleiben, aber es wird in manchen Dingen, noch stärker als in der jüngsten Vergangenheit, gänzlich neue Gedankengänge und Wege brauchen um den neuen gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht werden zu können. 

Mit welchen Veränderungen ist zu rechnen?

Die noch intensiver zunehmende Digitalisierung wird die Verwundbarkeit ansteigen lassen, und die IT-Sicherheit wird ausgeprägter denn je zur Achillesferse des Systems. Laufend werden neue Formen von Assets hinzukommen, die von den Kunden 24/7 digital verwaltet und in Echtzeit transferiert werden können wollen. Dieser starke Wunsch nach Verfügbarkeit und flexiblen und raschen Transaktionsmöglichkeiten weltweit wird nicht nur die Bankenwelt in der Schweiz extrem auf Trab halten. Noch rascher und feiner als bisher wird die Vernetzung zunehmen und die Welt zu einem (digitalen) Dorf zusammenwachsen lassen. Der Austausch von Gütern und Dienstleistungen wird, aufgrund neuer, digitaler Distributionskanäle und optimierter Logistikpfade, immer rascher vollzogen werden können, was die Banken vermehrt zwingt, mit der Abwicklung des Zahlungsverkehrs Schritt halten zu müssen. Hinzu kommt das forsche Auftreten der Bigtechs, die immer potenter und mit eigenen ausgereiften Ökosystemen auf den (Welt-) Markt drängen. Instant Payments, digitales Zentralbankgeld, die zunehmende Standardisierung im internationalen Meldungsaustausch, Open- und Multibanking oder aber auch das Internet of Things (IoT), mit dem erwarteten enormen Anstieg der Zahlungsvolumina, sind nur einige Baustellen, von denen wir hier sprechen. Diese Themen sind durchaus nicht neu, aber das Tempo und die Dynamik, mit der sie über uns hereinbrechen, sind wahrhaftig einzigartig und nehmen weiter zu.

Wie werden wir diesen Herausforderungen gerecht?

Die Antwort darauf ist einfach und kompliziert zugleich: einerseits mit vereinten Kräften und andererseits durch Spezialisierung.

Diese Veränderungen verlangen ein viel ausgeprägteres Miteinander als dies bisher der Fall war. Nicht alle Finanzinstitute werden im kommenden Jahrzehnt die Ressourcen und die Kraft haben, diesen Wettbewerb zielführend und kundenorientiert mitmachen zu können - die Investitionsvolumina der weltweit agierenden Banken und Bigtechs sind einfach zu gross. Es braucht daher clevere Symbiosen und ein agiles Management der Kompetenzen. Aus strategischer Sicht müssen sich die Finanzinstitute die Frage stellen, welche Rolle sie künftig u.a. im (internationalen) Zahlungsverkehr spielen und welche Geschäfte sie ihren Kunden in Zukunft überhaupt noch anbieten können und wollen. Es geht darum, den passenden Kurs zu finden, um sich dann darüber zu verständigen, welche Kooperationspartner für den bestimmten Weg Sinn ergeben. Universelle Dienstleistungsangebote verschwinden mehr und mehr oder werden künftig von den Banken extern eingekauft oder durch Zusammenschlüsse gelöst werden müssen. Der Trend zur Auslagerung von Dienstleistungen ebenso wie die Nachfrage nach z.B. Zahlungsverkehrssoftware as a Service wird demnach noch mehr steigen. Gleichzeitig wird durch solche Abhängigkeiten aber auch der Need der Banken grösser, rasch Einfluss nehmen zu können, falls dies nötig wird. D.h. die Finanzinstitute sind nicht nur auf das Knowhow der Partnerfirmen angewiesen sondern auch auf sehr gute und effiziente Kommunikationskanäle zu ihnen. Der letzte Punkt wird über die kommenden Dekaden immer kritischer wenn nicht sogar neuralgisch werden. Änderungswünsche müssen rasch besprochen und letztlich umgesetzt werden können, die Agilität muss in diesem Zusammenspiel also entschieden gesteigert werden, und das beidseitig. Wer als Provider hier proaktiv, vernünftig und zielführend Hand bietet, ist gegenüber der Konkurrenz klar im Vorteil. Auch das Ressourcenmanagement wird der Finanzplatz künftig noch flexibler gestalten wollen. Einerseits wird die Anzahl befristeter Verträge im eigenen Haus zunehmen, andererseits wollen die Institute Spezial-Knowhow v.a. in den projektgetriebenen Bereichen ad hoc und noch kurzfristiger einkaufen wollen. Dieser Wunsch nach höchstmöglicher Flexibilität deckt sich mit der neu angebrochenen Epoche, birgt aber auch entsprechende Risiken. Wer nicht rechtzeitig dafür sorgt, die Besten für sich zu gewinnen, gefährdet den Erfolg seines Projektes und blutet dafür im Nachgang sehr viel mehr als eigentlich nötig.

Die angebrochene Epoche der Luft hat es also in sich und wird uns v.a. jetzt in der Übergangsphase ziemlich fordern. Es braucht definitiv einen kühlen Kopf, Weitsicht und Fingerspitzengefühl um das Schiff in diesem intensiven Wind mit Geschick über den unruhigen Ozean zu navigieren. Einen externen Blickwinkel von Spezialisten einzuholen, die die Anzeichen des aufziehenden Wetters vorab und unabhängig einschätzen, Handlungsfelder benennen und Entscheidungen hinterfragen können, kann dabei helfen, glimpflich durch Stürme und in wieder ruhigeres Fahrwasser zu segeln. Das interessante Neuland, das es gemeinsam zu erreichen gilt, wird es wert sein, diese zwischenzeitlichen Strapazen auf sich zu nehmen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist bekanntlich doppelte Freude. Die neue Welt wartet mit vielen Freiheiten, gewinnbringenden Gemeinschaften und viel neuem Wissen auf uns, lichten wir also die Anker!

Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Start ins 2021 und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit in der angebrochenen Epoche,


Ihr Matthias Hungerbühler

mymoria - Im Reich des digitalisierten Todes

Peter Kauz und Björn Wolff
Das Berliner Startup mymoria hat sich auf die Fahne geschrieben, den undurchsichtigen Weg der Bestattungsvorbereitung transparent zu machen und digital ins Netz zu bringen. Das Team ist jung, aufgeschlossen, bricht mit dem allgemeinen Tabuthema „Tod“ und leistet, neben all den angebotenen Services, vor allem auch eine wichtige Aufklärungsarbeit in unserer Gesellschaft. Auf der Onlineplattform kann jede Art von Bestattung, egal ob die eigene oder diejenige von verstorbenen Angehörigen, komplett geplant und auch gleich bezahlt werden. Ein Mehrwert, der nicht zu unterschätzen ist. Denn oft wohnen die Kinder nicht mehr da wo die Eltern leben und jeder Tod ist für die Hinterbliebenen eine organisatorische Herausforderung. Und genau da setzt mymoria an.
Wir haben uns mit dem Mitgründer und Geschäftsführer Björn Wolff zu unserem Digital-Talk getroffen.

Wer sich auf mymoria.de bewegt, beschäftigt sich zwangsläufig mit dem Tod. Wie kommt man als junger Mann dazu, ein solches Portal überhaupt zu erschaffen?
Erstmal danke, dass du mich als „jungen Mann” titulierst (lacht). Ich habe die Plattform mit Peter, meinem Geschäftspartner, zusammen gegründet. Und wir sind über einen Todesfall im Freundeskreis darauf gekommen uns überhaupt mit diesem Thema zu beschäftigen. Der Vater eines Freundes verstarb und die Angehörigen hatten damals das Dilemma, dass sie zum einen nicht zufrieden waren mit dem, was der Bestatter gemacht hatte und zum andern fehlten ganz einfach grundsätzliche und wichtige Informationen online. Peter und ich kamen beruflich zwar aus ganz verschiedenen Bereichen, aber wir sagten uns: „Das können wir doch besser machen“. Und dann begannen wir uns mit dem Thema zu beschäftigen. Wir merkten relativ schnell, dass der Tod ein schlimmes Tabuthema ist und die Leute nicht darüber sprechen wollen oder einfach nie die Möglichkeit dazu haben. Wenn man ihnen aber diese Möglichkeit gibt, öffnen sie sich und können auf einmal relativ gelöst über ihre Wünsche bezüglich der eigenen Bestattung reden. Und seither handeln wir nach dem Grundsatz: „Lass uns ganz viel darüber sprechen, dann können wir es vielleicht verändern“.

Beschreib doch bitte mal die Funktionsweise von mymoria. Ab wann komme ich in euren Fokus resp. muss dem zwingend ein Todesfall vorangehen? Und wie läuft das dann ab?
Ganz einfach. Wir wollten das breite Spektrum dessen was man machen muss, wenn man sich mit dem Tod beschäftigt oder beschäftigen muss, weil man das für sich selbst als Vorsorge macht oder weil man einen akuten Trauerfall hat, komplett abdecken. Das haben wir versucht. Was heisst das nun? Man kann sagen, dass sich jeder bei uns relativ schnell eine Bestattung zusammenklicken kann. Also aus verschiedenen Sachen auswählen, wie man die gerne hätte und die kann man dann bei uns buchen. Das mache ich entweder a) als Vorsorge, also für mich selbst oder jemand anderen, für den man vorsorgen will oder b) wenn man wirklich im akuten Trauerfall Hilfe braucht. Und dann gibt es eben das breite Spektrum. Diesen Prozess kann man entweder ganz autark durchschreiten, also ganz alleine, von zuhause aus, im geschützten Raum und man muss uns nicht weiter in Anspruch nehmen. Man muss mit keinem reden, wenn man das nicht möchte und kann uns einfach beauftragen und wir kümmern uns darum. Oder aber man spricht mit uns (wir haben Bestatter, die rund um die Uhr erreichbar sind). Das geschieht telefonisch und geht bis hin zu einem persönlichen Termin, wenn man das denn will. Ehrlicherweise wird dieses Angebot aber immer seltener in Anspruch genommen. Ich glaube die Leute sind eben gerade froh, nicht in ein angestaubtes Bestattungshaus gehen zu müssen und nicht zu wissen, auf wen sie da treffen. Sie können sich bei uns alle Details und Produkte in Ruhe online durchlesen und anschauen und letztlich natürlich auch gleich auswählen. Alles ganz einfach, bequem von zuhause aus, ganz transparent und auch kostentransparent.

Meine nächste Frage geht genau in die Richtung: Wenn man ja einen Trauerfall beklagt, ist man oft bereits mit der Situation, dass jemand gestorben ist, überfordert. Jetzt muss man ganz viel organisieren und kann das neuerdings bei euch per Mausklick erledigen. Du hast Bestatter am Telefon erwähnt, aber wie stellt ihr sicher, dass da die Menschlichkeit nicht verloren geht?
Wir sind in allem was wir machen so menschlich wie es nur geht. Ich glaube der erste Zugang ist schon mal nicht schlecht: Wir stellen nämlich in dem Moment, in dem der Tod eintritt, alle nötigen Informationen schon mal zur Verfügung. Das machen wir auf allen Kanälen. Egal wie man also diese Informationen abfordert, sie stehen umgehend zur Verfügung. Wenn der Kunde das ganz persönlich haben will, dann kann er das rund um die Uhr bei uns am Telefon machen. Ich denke das ist ja schon mal einzigartig. Und da sind Leute, die sind nicht einfach darauf getrimmt ein Call-Center zu sein, sondern denen ist es freigestellt, wie lange sie mit jemandem reden. Es gibt bei einem Todesfall ganz unterschiedliche Bedürfnisse und dadurch natürlich auch viele Anekdoten. Manche Leute kommen ganz aufgeräumt daher und sagen: „Passen Sie auf, ich habe das und das und das, können Sie das für mich machen? ..., ja super, ich schick Ihnen gleich den Auftrag.“ Dem gegenüber gibt es aber auch Menschen, die wissen gar nicht, was sie jetzt in die Wege leiten müssen und die nehmen wir dann an die Hand und sagen, es gibt ein paar Dinge, die sind jetzt wichtig, paar andere macht man erst später.

Und die können dann immer wieder anrufen? Die werden also durch den kompletten Vorbereitungsprozess begleitet?
Ja, klar. Du kriegst einen Ansprechpartner und der führt dich durch den Prozess und ist an deiner Seite.

Du hast vorhin Kostentransparenz angesprochen. Ihr habt eine Überschrift auf der Homepage, dass ihr bis zu 31% günstiger seid im Vergleich zu einer herkömmlich organisierten Bestattung. Wie könnt ihr diesen Preisnachlass sicherstellen – muss man euch als Amazon der Bestattungsbranche verstehen?
Also das Volumina von Amazon haben wir noch nicht ganz erreicht (lacht). Es sind ja zweierlei unterschiedliche Themen in dieser Frage. Das eine ist die Kostentransparenz. Da bieten wir was, was es zumindest in Deutschland vorher so nicht gab. Alle sprechen zwar immer über Transparenz, aber dass man die Kosten einer Bestattung im Vorfeld ganz klar ausweist und sagt: „Natürlich kannst Du andere Blumen wählen, dadurch erhört sich aber der Gesamtpreis um so und soviel“ ist einzigartig. Wir bieten somit einen Vollkostenpreis. Das heisst, wenn da EUR 2‘819.- drunter steht, dann kostet es auch genau EUR 2’819.-. Diese Kostentransparenz gefällt vermutlich bis heute vielen Markteilnehmern nicht. Aber wir sind fest davon überzeugt, dass diese Transparenz sinnvoll ist und spüren auch, dass unsere Kunden das schätzen, ja sogar einfordern. Denn wer Dienstleistungen im Internet bucht, der will genau wissen, wieviel das kostet und was er dafür bekommt.
Und die andere Frage war ja, warum können wir günstiger sein als der Ortsdurchschnitt? Das ist relativ einfach erklärt. Wir machen das deutschlandweit. Wir kaufen ganz anders ein. Dadurch können wir auch andere Preise an unsere Kunden weitergeben. Und von der Logik her muss man verstehen: Wir machen alles selbst. Wir haben Partner oder eigene Bestatter über ganz Deutschland sitzen und wir kaufen bei Partnern die Vor-Ort-Dienstleistungen ein. Das kann zum Beispiel eine Überführung oder Vor-Ort-Betreuung sein, falls nötig. Alles andere machen wir wirklich selbst. Alle Produkte kommen von uns, alle Services, die man irgendwie digitalisieren kann, machen wir selbst. Also Abmeldungen bei der Krankenkasse, bei der Rente etc., all das, worum man sich nicht kümmern mag, wenn eine nahestehende Person gestorben ist.

Und das läuft über Vollmachten? Oder wie wird das geregelt?
Ja. Am Anfang ist es so, dass wir natürlich eh eine Vollmacht für all diese Themen vom Kunden bekommen. Für die Abmeldungen, die wir gerade angesprochen haben, braucht man zum Beispiel eine Sterbeurkunde. Da gehört es bereits zu unserem Basisservice dazu, dass wir die Sterbeurkunde erwirken und damit dann auch gleich die Abmeldungen vollziehen.

Ihr bietet auch einen Vorsorgeservice an, also die Möglichkeit, dass ich mir als Lebender Gedanken darüber machen kann, wie denn meine eigene Bestattung einst aussehen und ablaufen soll.
Kann ich jedem nur empfehlen (schmunzelt).

Wenn ich für mich nun alles auf mymoria.de plane, von der Farbe der Blumen bis hin zu der Musik, die während meiner Beisetzung abgespielt werden soll - wie erfahren dann meine Angehörigen nach meinem Tod von meinem mymoria-Willen?
Gute Frage, ja. Manche Leute laden sich ein Angebot von uns herunter und sagen, das hab’ ich jetzt zu meinem Testament gelegt, dann wird es ja wohl gefunden werden. Denen erklären wir dann immer, dass das schon gefunden wird, aber häufig erst nach der Bestattung, weil das Testament meist erst danach verlesen wird.
Wir haben aber verschiedene Mechanismen, die genau dafür helfen. Das eine ist, wir hinterlegen Vertrauens- und Ansprechpersonen bei uns im System, die auch einen Zugang auf den letzten Willen, wie denn die Bestattung sein soll, bekommen. Diejenigen, die bei uns vorsorgen, bekommen so kleine Karten, die an die Vertrauenspersonen abgegeben werden können. Plus, was auch alle bekommen, ist so ein kleiner Aufkleber für die Krankenkassenkarte. Da steht dann drauf „Bestattungsvorsorge by mymoria“. Denn wenn du stirbst, das was sicher angeschaut und gebraucht wird ist deine Krankenkassenkarte. Die wird immer gezückt. Somit bleibt die Information im Jetzt, wenn du dann mal den letzten Weg gehst. Und sobald wir kontaktiert werden, können wir dann sofort übernehmen und den Wunsch umsetzen. Das beinhaltet auch die zwei Hauptpunkte, warum Menschen überhaupt selber vorsorgen wollen: Zum einen will man eigene Wünsche einbringen und zum anderen sollen die Hinterbliebenen sowohl finanziell als auch emotional entlastet werden. Die belastende Planung übernehmen wir komplett.

Dieser Blog wird mitunter von vielen Bankern gelesen. Somit ist es naheliegend, dass wir auch über Geld sprechen möchten. Ihr bietet im Vorsorgemodell an, dass man eine Einmalzahlung oder monatliche Beiträge an die eigene Bestattung leisten kann. Wo aber liegt dann dieses Geld bis zu meinem Tod, arbeitet ihr damit? Oder eröffnet ihr Extrakonten bei einer Bank? Nur, mit meinem Tod fallen ja alle meine Vermögenswerte in den Nachlass und das Geld ist somit blockiert bis die Erbschaft geregelt ist? Wie läuft das bei euch ab?
Das wäre es, wenn du keine Vorsorge machst, das stimmt. Wir sind keine Bank, wir haben keine Banklizenz und dürfen selber kein Geld zu Verwaltungszwecken annehmen. Wir können nur über Hilfskonstrukte arbeiten, zum Beispiel über Treuhandkonstrukte. Die haben den Vorteil, dass sie pfändungssicher sind. Das Geld ist dann also für die Bestattung hinterlegt und da kann auch sonst keiner darauf zugreifen. Und genauso vertreiben wir auch Bestattungsvorsorgeversicherungen. Dem Kunden ist es freigestellt, wie und wo er das Geld zurücklegen will. Wir treten lediglich als Verfügungsberechtigter auf und können das Geld erst abrufen, wenn wir die Bestattung nachweislich durchgeführt haben und in Rechnung stellen.

Manchmal wird man ja vom Tod überrascht und die Organisation der Bestattung muss schnell gehen. Würde es eure Arbeit erleichtern, wenn es die Möglichkeit von Instant Payment gäbe, wenn man also in 3 Sekunden Geld von A nach B überweisen kann?
(Überlegt). Ich glaube, das wäre bei manchen Themen gut. Man muss aber klar sehen, welche Altersschicht welche Leistungen bei uns bucht. Wo es wahnsinnig helfen würde ist bei der Vorsorge. Hier bieten wir ja den Service an, dass man die eigene Bestattung nach individuellen Wünschen zusammenstellen kann. Um diesen Service aber tatsächlich zu erwirken, muss man die Vorsorgegebühr von EUR 49.- überweisen und das dauert nach heutigem Prozess manchmal mehrere Tage. Wenn das also instant wäre, dann wüssten unsere Kunden sofort: Nach der Zahlung ist alles bei mymoria hinterlegt und sollte mir jetzt was passieren, dann wissen die, was zu tun ist.
Ich glaube aber für eine klassische Bestattung an sich macht es keinen Unterschied. Denn wir nehmen keine Anzahlung, sondern gehen selber ins Risiko und rechnen erst nach getaner Arbeit ab. Da wäre es für uns momentan noch kein Zugewinn. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Instant Payment irgendwann auch vom Kunden eingefordert wird.

Ihr stellt also ganz herkömmliche Rechnungen?  Oder kann ich bei euch auf dem Portal auch via Paypal oder Kreditkarte bezahlen?
Wir machen herkömmliche Rechnungen. Du kannst aber genauso gut per Kreditkarte bezahlen.

Im Moment gibt es mymoria in Deutschland und seit Kurzem auch in Österreich. Gibt es Bestrebungen den Service z.B. auch auf die Schweiz oder das restliche Europa auszuweiten?
Wir schauen uns die Schweiz genau an. Da ist aber wenig harmonisiert. Das heisst, die Rechtsprechung ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Die Hürde liegt hier also etwas höher (lacht). Es gibt aber auch noch ein paar andere interessante europäische Länder, die wir unter die Lupe nehmen. Bestimmt werden bald einige weitere folgen. Der Service fehlt in so vielen Ländern, dass wir davon ausgehen, auch an anderen Orten Fuss fassen zu können.

Wie viele Bestattungen habt ihr bis dato in Deutschland und Österreich durchgeführt?
Da sind wir wie die Banker, da sagen wir nichts (lacht). Das letzte Mal hatten wir Ende 2017 kommuniziert und da hatten wir weit über 1000 Bestattungen gemacht. Da waren wir aber noch nicht lange auf dem Markt.

Lieber Björn, ganz herzlichen Dank für‘s Gespräch.
Danke auch.



Dieses Interview wurde von Matthias Hungerbühler geführt.



#mymoria #Digitalisierung #eGesellschaft #FinTech


Emotionale Attraktivität als eines der Schlüsselelemente für Kundenbindung?

Es wird Tag, es wird Nacht und nach einiger Zeit müssen auch die Junggebliebenen unweigerlich feststellen, dass man selbst und das Umfeld sich verändert haben.  Man ist älter geworden und die, die eigentlich mal ganz klein waren, stehen auf einmal mitten im Leben. Dies gilt sowohl im Privaten wie auch in der Arbeitswelt. Doch sind die „neuen Grossen“ anders als wir. Mit anderen Herangehensweisen, mit anderen Denkweisen und mit anderen Ansprüchen. Mit Blick auf den Finanzmarkt bedeutet das, dass eine neue Generation an Kundschaft angekommen ist - die Generation Z.

Die Generation Z
Die Generation Z beschreibt grob gesagt die Altersgruppe der (je nach Auslegung) ab 1995 bzw. 2000 Geborenen und stellt somit die 2. Generation der „Digital Natives“ dar. Was für die Generation X noch Atomphysik gleicht und für die Generation Y immer noch eine Art Paralleluniversum ist, ist für die Generation Z schon immer da gewesen. Sie sind die, die im Web 2.0 und damit in einer von ihnen mit Handy und Tablet gesteuerten digitalen Welt der Wischtechnik leben und aufgewachsen sind. Durch permanente Verfügbarkeit kann und wird Wissen selektiv, schnell und ohne grosse Hürden aufgebaut. In den Momenten, in denen man früher ins Lexikon schaute oder sogar den Weg in die Bücherei wagte,  helfen heute Siri und Alexa. Räumlich und zeitlich fixe Strukturen sowie ein festgelegtes Leben bieten keine Option mehr. Angetrieben durch das Verlangen immer noch ein bisschen besser zu werden und etwas zu bewegen, steht die Generation Z im Gegensatz zu dessen, was die Bankenwelt früher und auch heute meist noch darstellt.

Bank früher – Bank heute
Eine Bank war früher eine Institution. Eine Entscheidung für‘s Leben, die meistens ebenfalls auf die Kinder übertragen wurden. Die Entscheidung welcher Bank man sein Geld anvertrauen wollte, war geprägt durch Faktoren wie Nähe, Qualität, persönlichen Kontakten und Sympathie. Das Geschäft war einfach, ohne allzu viel Veränderung und Vielfalt und vor allem, es war ein „Bring Geschäft“. Wertvorstellungen, die gefühlt noch heute in den Köpfen einiger Banker und damit auch in einigen Banken vorherrschen. 

Dass dies jedoch so nicht mehr dem heutigen Bankgeschäft entspricht, lässt sich nicht abstreiten. Regulatorik, Digitalisierung, Marktöffnung und Innovation beschäftigen die Bankenwelt mehr denn je. Der späte Einstieg und die verspätete Einsicht führten bei vielen Banken dazu, dem heutigen „Standard“ immer einen Schritt hinterher zu sein. 
Trends werden heutzutage meist nicht durch Banken, sondern durch andere Player auf dem Markt gesetzt. 

Hinzu kommt, dass für viele die Modernisierung einer Bank mit der Digitalisierung und Einführung einiger Innovationen bereits umfassend abgedeckt zu sein scheint. In Zeiten, in denen jedoch FinTechs innovative und globale Finanzprodukte wie am Fliessband produzieren und eine komplette Bankbeziehung binnen Minuten gewechselt werden kann, braucht es mehr, um jüngere und zukünftige Generationen zu begeistern und zu halten. 


Emotionale Attraktivität als eines der Schlüsselelemente für Kundenbindung?
Wie schafft man es nun das für die Generation Z als steif und eingestaubt empfundene Image umzuwandeln? Ein einfaches Aufpolieren oder Digitalisieren ist wenig bedürfnisbefriedigend. Vielmehr müssen die Kernanforderungen und Ansprüche der Generation aufgenommen und umgesetzt werden.

Ein Ansatzpunkt dürfte hierbei beispielsweise unter dem Stichwort „Gamification“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Gamification) zu finden sein. Der Motivations- und Emotionsaspekt ist in der Gamification zentral und bietet gerade auch im Banking oder allgemein im Finanzbereich viele Möglichkeiten. Getreu dem Motto „alles ist ein Spiel“ gibt es bereits heute verschiedene Anwendungen, in denen z.B. die Vermögensplanung wie ein Videospiel aufgebaut ist. So lassen sich beispielsweise Aktienportfolios wie Fussballmannschaften gegeneinander antreten und Star-Investoren wie Warren Buffett in das eigene Team wählen.

Was auf den ersten Blick vielleicht etwas unseriös klingt, wird heute jedoch von diversen FinTechs erfolgreich eingesetzt. Simple Anreize können bereits über Zieldefinitionen, Fortschrittsbalken, (anonyme oder fiktive) Highscores / Ranglisten oder auch Belohnungssysteme (z.B. für Zielerreichung oder aber auch Beratungen oder Filialbesuche) generiert werden. Der Vorteil: Durch den spielerischen Zugang werden bei Kunden Emotionen geweckt und die Konsequenzen des eigenen Handelns können sichtbar gemacht werden. 

Gamification ist in diesem Sinne keine Spielerei, sondern längst ein fester Bestandteil in der Gestaltung von Online-Angeboten und - Auftritten. Für Banken bietet sich so die Möglichkeit, gerade die jungen Kundengruppen über emotionale Anreize besser an sich zu binden und auf spielerischem Weg finanzielles Knowhow zu vermitteln. 

Dennoch ist dies nicht als alleinige Lösung zu sehen, sondern vielmehr als mögliches Bindeglied zwischen den Grundbedürfnissen dieser Generation: Globalität, Vernetzung, Einfachheit, Schnelligkeit, Flexibilität und ganz besonders Wertschätzung und Sinnstiftung.
Die Kunst liegt darin, diese Bedürfnisse abzudecken und mit Motivation und emotionaler Attraktivität zu einem zukunftsfähigen Angebot zu verschmelzen.

Um den Zeitgeist zu treffen ist es jedoch elementar, dass nicht nur die digitalen Angebote und Produkte Beachtung finden, sondern auch wie man sich physisch und vor Ort verkauft. Die Zeiten sind vorbei, in denen pompöse Bauten und ein adretter Anzug mit Krawatte das Sinnbild für Kompetenz darstellten. Es braucht neue Wege, neue Konzepte und vielleicht auch bislang nicht vorstellbare Herangehensweisen, um die zu gewinnen, die wissen, dass IHNEN die Zukunft gehört. Der Weg dahin wird unweigerlich dahin gehen, junge Leute mit einzubeziehen und deren (wenn auch) unkonventionellen Konzepten offen gegenüberzustehen. Denn wer weiss besser über die Bedürfnisse, Denkweisen und Ansprüche einer Generation Bescheid, als jemand, der dieser angehört.


Dieser Blog wurde von David Lehr verfasst

#GenerationZ #Millennial #DigitalNative #Gamification #FinTech

Vermeidung von Fehlschlägen bei der FinTech-Innovation dank Experten-Validierung

Nachdem sich nun auch kleinere Finanzinstitute ein FinTech-Labor, eine Innovations-Fabrik oder einen CDO leisten, kann man davon ausgehen, dass auch auf der obersten Bankführungsstufe das Thema Digitalisierung in der Bankenindustrie angekommen ist. Auf einmal werden Budgets von ehemals nicht vorstellbarem Umfang für Produkte der elektronischen Kundenschnittstelle frei geschaufelt, neue Organisationen und Partnerschaften ins Leben gerufen und etablierte Investitionsrechnungen über Bord geworfen. Jeder möchte möglichst schnell Teil des oft zitierten Ökosystems werden.

Neue Investitionsmodelle wie "Venture Capital Approach" oder "Portfolio Funding Approach" sind sehr ”en Vogue”. Selbstverständlich wird aus einer guten Idee sofort ein MVP-Prototyp (Minimum Viable Product) gebaut, um die Business-Idee zu validieren. Nichtsdestotrotz ist es nicht jedem Bankmanager geheuer in seiner neuen Rolle als Venture Capitalist, denn neben den vielen Aufbruchs-Geschichten trüben in letzter Zeit auch erste Negativschlagzeilen über Fehlschläge und eingestellte Projekte (z.B. das gestoppte Blockchain-Projekt der Baloise, welche den Transfer von Daten von Vorsorge-Versicherten revolutionieren wollte) das Aufbruchstimmungsbild.


Aus eigener Erfahrung als Experten im Zahlungsverkehr wissen wir, wie naiv einige Innovationsprojekte in diesem Umfeld angegangen werden. So wird beispielsweise noch häufig die Frage gestellt, warum der Zahlungsverkehr nicht schon lange über die Blockchain abgewickelt wird. Der Transfer eines sog. Assets (z.B. Geld) von A nach B ist doch ein vermeintlich einfach zu lösendes Problem. Darüber hinaus können endlich die Drittparteien und Banken ausgeschaltet werden, die sowieso nur Gebühren für solche Transaktionen erheben. Verpackt man die Idee noch in eine schicke Mobile App (Mobile First!), dann kann einem als FinTech-Innovator fast nichts mehr passieren und die nächste Finanzierungsrunde ist so gut wie gewonnen (warum nicht gleich Initial Coin Offering aufziehen?).


Es soll an dieser Stelle nicht der Verdacht aufkommen, dass der Autor grundsätzlich negativ gegen die Innovationsprojekte in der Finanzindustrie eingestellt ist. Das Gegenteil ist der Fall. Seitdem FinTech-Unternehmen die etablierten Banken herausgefordert haben, hat sich schon einiges zum Besseren entwickelt. Auf der anderen Seite geht es aber auch um den ökonomischen Einsatz von Investitionsmitteln, denn die Hauptaufgabe einer Bank besteht nach wie vor darin Kundengelder zu verwahren, Kredite zu gewähren und generell sinnvolle Finanzdienstleistungen für ihre Kunden anzubieten. Dass dies bei den aktuellen Initiativen immer der Fall ist, kann getrost bezweifelt werden (ein Pepper-Roboter in der Bankschalter-Halle bringt sicherlich etwas Aufmerksamkeit, der Nutzen für mich als Bankkunde hält sich jedoch in engen Grenzen).


Seitens PPI bieten wir seit kurzem eine Experten-Validierung für Projekte mit Bezug zum Zahlungsverkehr an. Vielversprechende Projekte sollen vor der effektiven Implementierung nochmals auf den Prüfstand gestellt werden. Oft fehlt es den Kunden, darunter auch ausgewiesene Produktmanager, am notwendigen Detailwissen und an der Marktübersicht in diesem Spezialgebiet. Denn Zahlungen sind eben nicht nur der Transfer einer Geldsumme von A nach B, sondern umfassen eine ganze Menge an vor- und nachgelagerten Services. Services, die u.a. auch von den Regulationsbehörden vorgeschrieben sind.


Im konkreten Fall sind das beispielsweise die Auftragsvalidierung (technisch und fachlich), das Prüfen der Berechtigung des Auftraggebers, das Überwachen von Limiten und Kontoberechtigungen, die Prüfungen gegen Betrug (Fraud), die Liquiditäts-Disposition, das Filtern gegen Embargo-Listen, die Bestimmung des Leitweges im Fall von Auslandzahlungen, die eigentliche Übermittlung und die Rückmeldung an den Auftraggeber (positiv oder negativ). Wird eine Zahlung versehentlich doppelt vom Kunden in Auftrag gegeben, dann gibt es auch in diesem Fall etablierte Prozesse, Systeme und Meldungen, um den Schaden wieder zu beheben. Dies sind nur einige wenige Überlegungen, welche bei einer reinen Betrachtung "wir machen es jetzt über die Blockchain" in der Regel nicht gemacht werden.

Unsere Erfahrung zeigt, dass sich der Einbezug von Experten im Zahlungsverkehr bereits in einer frühen Projektphase lohnt. Selbst wenn wir in den Augen der "jungen Wilden" am Anfang zunächst als etwas verstaubt, ewig gestrig und spielverderbend wahrgenommen werden, so setzt sich mit der Zeit der Respekt gegenüber dem Detailwissen durch und offensichtlich übersehene Hürden werden dankbar ins Konzept integriert. Für unsere Auftraggeber, in der Regel auch die Projektsponsoren, sind wir eine Qualitätskontrolle, welche ein FinTech-Projekt im Zahlungsverkehrsumfeld zu passieren hat. Denn es geht, wie bereits erwähnt, in der Zwischenzeit um signifikante Budget-Posten, die aus dem bereits mageren Change-Anteil der IT-Kosten einer Bank priorisiert werden müssen.



Dieser Blog wurde von Carsten Miehling gepostet

#Innovation #DigitalFinanceExperts #NewVentures #ExpertValidation

Instant Payments in den USA

Die Europäischen Initiativen (Faster Payments, SEPA Instant Payments etc.) sind in der Zwischenzeit auch auf dem Finanzplatz Schweiz bekannt. Auch, dass Australien ein neues System – New Payments Platform – auf der Basis von SWIFT aufbaut, hat sich bereits herumgesprochen. Wohl noch etwas weniger bekannt könnte das Projekt im Dreihundertmillionen-Markt Amerika sein. Ein guter Grund dieses Projekt einmal unter die Lupe zu nehmen. Speziell aufgefallen ist in letzter Zeit eine Publikation der Faster Payments Taskforce. Unter dem Titel „The U.S. Path to Faster Payments, Final Report Part Two: A Call to Action.“ beschreibt die Taskforce, in welcher Art und Weise die USA bis 2020 ein neues Instant Payments System realisiert haben wollen.

Zunächst fällt auf, dass die Taskforce, getrieben von der amerikanischen Zentralbank (Federal Reserve), grossen Wert darauf gelegt hat, möglichst alle Stakeholder von Anfang an miteinzubeziehen. Neben Finanzinstituten sind Payment Provider ohne Banklizenz, Händler, Konsumentenvertreter, Behörden, Regulatoren, Standardisierungsgremien, Industrieorganisationen, Berater und Akademiker mit von der Partie. Nach einem Aufruf der Federal Reserve zur Mitwirkung in der Taskforce, haben sich auf Anhieb dreihundert Interessenten gemeldet. Die richtige Mischung und Grösse der Taskforce zu finden war denn auch eine erste und grosse Herausforderung, wie Jim Reuter (FirstBank Colorado), Mitglied des Steering Komitees, in einem Interview zugibt.

Herzstück des Dokumentes sind zehn konkrete Empfehlungen zur Umsetzung, für welche sechzehn Lösungsvorschläge erarbeitet wurden. Die Taskforce selbst favorisiert keine Umsetzungslösung, sondern setzt typisch amerikanisch auf die Macht des Marktes. Umrahmt werden die Empfehlungen von sechs Kriterien (die Vision), welche zu Beginn des Projektes definiert wurden: Ubiquity (allgegenwärtig, d.h. jeder Akteur kann Geld senden und empfangen), Efficiency (Effizienz als Anforderung an die Zahlsysteme), Safety & Security (sicher & garantiert, um Vertrauen in das System zu schaffen), Speed (schnell, d.h. in Echtzeit), Legal (gesetzmässig, d.h. den heutigen Gesetzen entsprechend) und Governance (überwacht, im Sinne von transparenten Prozessen und definierten Zuständigkeiten).


Wie sehen nun die Empfehlungen im Detail aus?



Fazit: Amerika hat erkannt, dass seine Zahlungsverkehrssysteme nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprechen und man als Markt anderen Regionen auf der Welt hinterherhinkt. Um eine bereits stattfindende Fragmentierung von Lösungen zu bekämpfen, wurde eine Taskforce unter der Leitung der Zentralbank ins Leben gerufen. Eingebunden in die Tasforce sind von Anfang verschiedenste Stakeholder. Der Bezahlvorgang soll ähnlich einfach wie der Anruf einer Person auf sein Handy sein. Der Anrufer erhält augenblicklich Feedback, der Vorgang ist sehr einfach und niemand muss über Hintergründe wie Netzwerk, Interoperationalität, Name des Telefon-Anbieter des Angerufenen und Ähnliches Bescheid wissen. Herausragend an diesem Vorgehen ist gemäss Meinung des Autors der generelle und offene Ansatz dieser Initiative. Etwas, was man in hiesigen Projekten teilweise vermisst. Da werden noch viele Konzepte im Elfenbeinturm unter Bankvertretern geboren.


Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling gepostet.

#InstantPayment #SEPAInst #Fed #USA


Haben Sie's gemerkt?

Sehr geehrte Damen und Herren, 

wir haben es schon fast zur Tradition gemacht am 1. April jeweils ein bestehendes Thema aus dem Digitalisierungs- und Paymentbereich weiterzudenken, vielleicht unrealistisch aber sicherlich humorvoll, um damit einen 1. April-Inhalt für unseren Blog zu schaffen. 

So geschehen auch diesmal mit Loon-Pay von Google. Das Projekt Loon existiert bei Google tatsächlich und es ist in der Tat das Ziel von Google, die gesamte Menschheit mit Internet zu versorgen. Die angedichtete Bestrebung jedoch, damit gleich auch eine eigene Währung zu verbinden, entstammte unserer Feder. Wir finden die Idee hinreissend und warten, bis sie von Google aufgenommen und umgesetzt wird. Denn die Vorteile sind bestechend. 

Google bewegt sich zurzeit im Paymentbereich jedoch noch im irdischen Bereich. Google-Pay wurde zu Beginn dieses Jahres lanciert und verbindet bereits viele User und Stores in den USA. Dieser Service vereint nun auch die Bezahl-Angebote Android Pay sowie Google Wallet. Google Pay ist allerdings bereits der dritte Versuch von Google einen solchen Payment-Dienst zu etablieren. 


Auch wenn unsere Idee selbstverständlich als April-Scherz abgetan werden muss, könnte es unserer Ansicht nach wirklich sinnvoll sein, Google Pay direkt mit Loon zu kombinieren, um einen weltumspannenden Nutzen daraus zu ziehen. Drei Versuche sind genug, jetzt wollen wir Innovation.


Wir hoffen, Sie damit gut unterhalten zu haben und wünschen Ihnen weiterhin viel Vergnügen beim Lesen unseres Blogs.


Ihr Blog-Team von PPI Schweiz



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Quo vadis Finanzplatz Liechtenstein?

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Bereits zum vierten Mal veranstaltete die liechtensteinische Finanzindustrie am 21.03.2018 das Finance Forum unter dem Titel „Finance 2.0 – die Finanzbranche im Wandel“. Mit hochkarätigen Referenten ging die Tagung der Frage nach, welche technologischen, regulatorischen und gesellschaftlichen Trends anstehen und künftig auf den heimischen sowie auch auf den (Welt-) Markt einwirken werden. Das „Line-up“ las sich wie das „Who-is-Who“ der grossen Entscheidungsträger. Adrian Hasler, liechtensteinischer Regierungschef, gehörte genauso zu den Rednern wie z.B. Urs Rohner, Credit Suisse Verwaltungsratspräsident und die Panel-Teilnehmer Roland Matt, CEO der Liechtensteinischen Landesbank, Fritz Kaiser, Executive Chairman von Kaiser Partner und Peter Marxer, Verwaltungsratspräsident der Continor Treuhand Anstalt. Viele Firmen und Banken waren zudem Partner dieses Anlasses, ja selbst Tesla war vertreten. Moderiert wurde das Finance Forum vom bekannten Fernsehjournalisten Reto Lipp.

In seiner Eröffnungsansprache fand der amtierende liechtensteinischer Regierungschef Adrian Hasler gleich klare Worte. Liechtenstein habe gezeigt, dass es mit neuen Herausforderungen umgehen kann. Denn jede Veränderung sei auch als Chance zur Weiterentwicklung zu verstehen und heute präsentiere sich der Finanzplatz Liechtenstein in einer konsolidierten und gestärkten Position. Finance 2.0 ist somit für Liechtenstein kein Schlagwort mehr, sondern gelebte Realität. Um die Rechtssicherheit als Standortvorteil weiter zu stärken, wird Liechtenstein als eines der weltweit ersten Länder eine Blockchain Regulierung einführen. Hasler sieht den Staat als Impulsgeber für ein attraktives Umfeld.


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Diese Strategie geht auf. Liechtenstein scheint für Unternehmen mit der Ausrichtung Cryptocurrency, Tokenization etc. tatsächlich attraktiv zu sein. So ist auch für die heimische Bank Frick seit einiger Zeit klar, dass das der neue Weg der Spezialisierung ist. Denn auch Fintechs brauchen Bankdienstleistungen. Und diese bietet ihnen die Bank mit einem kompetenten Team an.

Urs Rohner von der Credit Suisse sieht sowohl für den Standort Liechtenstein als auch für die Schweiz das Vertrauen als oberster Trumpf der Banken im Wettbewerb mit den Fintechs. Die CS sieht jedoch die Fintechs nicht grundsätzlich als Kontrahenten, sondern durchaus auch als potentielle Partner, die dabei helfen, das Bankgeschäft neu zu erfinden. Obwohl die Banken in der jüngeren Vergangenheit massive Prozessverbesserungen vollzogen hätten, müsse man sich ganz grundsätzlich die Frage stellen, was die Kunden künftig von einer Bank wollen und wie sie das wollen. Gerade im Retailbusiness wird gemäss Herr Rohner spätestens ab 2028 kein Kunde mehr mit der Bank sprechen. Die Kommunikationskanäle werden in den nächsten 10 Jahren mehrheitlich durch AI automatisiert bedient werden. Investitionen in AI schaffen so, gemäss Rohner, Wettbewerbsvorteile und verhindern Disruption.

Das Panel mit den Herren Matt, Kaiser und Marxer sah für das künftige Geschäft vor allem von kleineren Banken und Treuhandfirmen Shared Services als Key, um Kosten sparen und sich gezielt auf den „Need“ der wohlhabenden Familien ausrichten zu können. Und auch hier galten Sicherheit, Kompetenz und Digitalisierung der Kundenschnittstelle als anzustrebende Maxime. Die Vorteile vom Finanzplatz Liechtenstein, nämlich die kurzen Wege zwischen Staat, Finanzmarkaufsicht und Privatwirtschaft, die offenen Türen, das konzentrierte Knowhow sowie die Tatsache, dass man sich in der Branche kennt, lassen Innovationen rascher zu und werden, so war man sich einig, auch in Zukunft ein wichtiger Pfeiler des Finanzplatzes sein. 


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Aber dieses Forum hätte wohl kaum so einen guten Ruf, würde es nicht auch externe, branchenfremde und ebenso inspirierende Stimmen zulassen. Diese brachten der Verhaltensökonom Prof. Ernst Fehr sowie der norwegische Wirtschaftsphilosoph Anders Indset ein. Letzterer führte klar auf, dass wir vor einer Intelligenzexplosion stehen. Die Komplexität der Welt nimmt stetig zu und wir Menschen werden dadurch frustrierter. Wir müssen die Zukunft aktiv mitgestalten, neue Wege gehen, nach ungewöhnlichen und vor allem einfachen Lösungen suchen, denn spätestens der Durchbruch beim Quantencomputer wird die bestehende Weltanschauung aushebeln.

Der Verhaltensökonom Professor Fehr war thematisch mit seinem Referat wieder näher an der Finanzindustrie. Er untersuchte in seiner Forschung die Ursachen, weshalb Aktien so stark vom Realwert abweichen. Sein Team analysierte dazu die Risikobereitschaft bei Investitionen und stellte fest, dass selbst Experten oft irrational handeln. Das Risikoverhalten ist beeinflusst von Emotionen, die wiederum vom Wetter (Sonnenschein) abhängig sein können. Pikantes Detail: Frauen entscheiden gemäss Fehr rationaler wenn sie gut gelaunt sind, während Männer in der gleichen Situation fast blind risikofreudig werden. Und das kann unter Umständen eine grosse Gefahr im eigenen Unternehmen bergen.


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Auch Anders Indset war der Meinung, dass die Welt künftig den Frauen mit Bildung gehören wird. Sie übernehmen immer mehr Schlüsselfunktionen und sind jetzt schon weltweit für über 90% aller Kaufentscheide verantwortlich. Frauen sind eine Weltkraft. Und dieser Tatsache müssen die Männer mit neuen Ideen begegnen und nicht, indem sie in alten Strukturen denken.  Wir brauchen laut Indset generell mehr wildes Wissen. Wir brauchen mehr Kreativität, Menschlichkeit und emotionale Reaktionen. Wir brauchen Gedanken, die unserer eigenen Kreativität entspringen sowie Inhalte, die uns die Maschinen nicht geben können. Wir Menschen müssen dort gut sein, wo uns Maschinen nicht schlagen können. Gelingt uns das nicht, mutieren wir zum Homo obsoletus und machen uns mit der technischen Entwicklung selber überflüssig. Auf seiner Folie stand dann auch provokant: „Technology is the answer, but what was the question?“


Dieser Blog wurde von Matthias Hungerbühler gepostet.

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