Instant Payments Teil 3: Herausforderungen und Erfolgsfaktoren

Vor welchen Herausforderungen stehen die Schweizer Banken betreffend der Einführung von Instant Payments? Und welche Faktoren bestimmen den Erfolg? Lesen Sie hier den Teil 3 unserer Blogserie zu Instant Payments in der Schweiz. In den ersten beiden Artikeln haben wir zunächst die Vorteile der Nutzer dargestellt und den möglichen Einfluss auf andere Zahlungsmethoden beschrieben. Anschliessend haben wir uns die Entwicklung von SCT Inst im SEPA Raum angeschaut und zusätzlich das Vorgehen einzelner Länder betrachtet. Im abschliessenden Artikel dieser Serie werden wir den Schwerpunkt auf die bankspezifischen Herausforderungen legen und wir betrachten welche kritischen Erfolgsfaktoren zu berücksichtigen sind.

Herausforderungen Banken

Die Einführung der Schweizer Instant Payment Lösung bringt eine Reihe von Herausforderungen mit sich. Zum einen ist hier die Komplexität des Projekts anzuführen, welche vor allem auf die Neugestaltung der IT-Infrastruktur und die vielen Beteiligten Parteien zurückzuführen ist. Neben dem Core-Banking-System und den Umsystemen innerhalb der Bank werden in erster Linie die IT, Produktmanagement, der Vertrieb und der Kundenservice beansprucht. Hinzu kommt die Abstimmung mit externen Dienstleistern, Software-Lieferanten und Payment Service Providern hinzu. 

Die Banken müssen ihre Zahlungsprozesse und die IT-Architektur so anpassen, dass alle ein- und ausgehenden Zahlungen sofort verarbeitetet werden können. Konkret heisst das, sämtliche Compliance-Prüfungen, wie Anti-Money-Laundary, Fraud oder Sanction Screening, die Abstimmung mit den Umsystemen sowie die Anpassung der Kunden-Salden müssen innerhalb von wenigen Sekunden durchgeführt werden. Bei der Neugestaltung der Prozesse und der IT-Landschaft ist die Kreativität und das Know-How der Banken gefragt, denn bisher gibt es kein Best Practice für SIC5 an dem sie sich orientieren könnten. Banken, welche SCT Inst eingeführt haben, respektive Berater und Produkt-Lieferanten aus dem SEPA-Raum wie PPI können jedoch durchaus auf Erfahrungen bei den europäische Einführungsprojekten zurückgreifen. Bei der Eingabe der Überweisung in die Überweisungsmaske durch den Kunden, könnten gewisse Prüfungen bereits durchgeführt werden bevor der Kunde die Zahlung einreicht. Durch dieses Vorgehen können Banken zumindest beim Zahlungsausgang wichtige Sekunden einsparen. Heute tendieren Banken dazu ihre Risk-Filter lieber etwas strenger einzustellen. Werden Zahlungen ausgesteuert, können diese manuell durch Mitarbeiter freigegeben werden. Auf den Kunden hat das in der Regel keinen Einfluss, da er von den Prozessen im Hintergrund nichts mitbekommt. Bei einer Instant Payment Zahlung sieht das anders aus. Denn eine manuelle Nachbearbeitung der Zahlung innerhalb von Sekunden ist nicht realisierbar. Der Kunde merkt also, wenn seine Zahlung ausgesteuert wird. Sollte dies bei ein und dem gleichen Kunden mehrmals vorkommen, führt es zu einem negativen Kundenerlebnis, was es definitiv zu vermeiden gilt. Banken sollten also prüfen, ob sie ihre Checks an die neue Situation anpassen können. Denkbar wäre Zahlungen bis zu einem gewissen Betrag (z.B. CHF 1.000) nur in Ausnahmefällen auszusteuern.

Auch die Liquiditätsbereitstellung gegenüber der SNB verändert sich. Neben dem RTGS-Verrechnungskonto müssen die Banken zukünftig ein zweites separates IP-Verrechnungskonto führen, über die alle ein- und ausgehenden IP-Zahlungen verrechnet werden. Um einen reibungslosungen Ablauf gewährleisten zu können, müssen ebenfalls 24/7/365 genügend Geldmittel vorhanden sein. Die Besonderheit hier ist, dass das IP-Konto nur mit dem RTGS-Konto, aber nicht direkt mit der SNB verbunden ist. Mittels camt.003 / camt.004 kann der Saldo des IP-Konto abgefragt werden. Diese camt Meldungen sollten am besten automatisch versendet und von den Banken-System eingelesen werden. Sobald die Liquidität einen bestimmten Betrag unterschreitet, muss die Bank handeln, ansonsten wird der IP-Service gestoppt.

Ab August 2024 wird Instant Payments für die ersten Banken verpflichtend. Viel Zeit zur Umsetzung bleibt also nicht.


Erfolgsfaktoren

Damit Instant Payments in der Schweiz ein Erfolg wird, sind zwei Parameter entscheidend. Zum einen müssen Banken die Vorgaben korrekt umsetzen. Hier gilt die Devise rechtzeitig mit dem Projekt starten. Es muss ein Zielbild der IT-Architektur entwickelt und eine umfassende Umsystemanalyse durchgeführt werden. Um den Anforderungen gerecht zu werden, müssen die Systeme performant und hochverfügbar sein. Ausserdem kann es Systeme geben, welche nicht direkt in den IP-Prozess eingebunden, aber trotzdem beeinflusst werden (Repair, Investigation, Archiv, etc.). Anschliessend muss der für die jeweilige Bank beste Anbieter für die Umsetzung identifiziert werden. Dies ist besonders schwierig, da es noch keine Schweizer Lösung im Einsatz gibt und viel auf Versprechungen basiert. Schon vor der Umsetzung muss sich jede Bank die Frage stellen, welche IP-Services sie später anbieten möchte. Soll hier nur die Möglichkeit von Überweisungen innerhalb weniger Sekunden geschaffen werden oder soll das Kundenangebot durch weitere Produkte erweitert werden? Wie sollen die Kunden informiert werden und für welches Kundensegment gelten welche Preismodelle?

Zum anderen ist der Erfolg von der Marktdurchdringung & -akzeptanz abhängig. Die Marktdurchdringung wird in der Schweiz recht einfach erreicht, da der Service auf der Eingangsseite ab August 2024 bzw. 2026 für die meisten Banken verpflichtend ist. Die Marktakzeptanz ist von mehreren Aspekten abhängig. Damit Verbraucher Instant Payments nutzen, ist es wichtig, dass sie über den Service informiert und über die Vorteile aufgeklärt werden. Ausserdem dürfen sie nicht mit hohen Zusatzgebühren belastet werden. Sollten sie für einen Service zur Kasse gebeten werden, den sie nicht als Mehrwert empfinden, wird die Nutzung im einstelligen Prozentbereich bleiben. Ausserdem ist das Zusatzangebot von Banken und PSPs entscheidend, um möglichst viele Kunden anzusprechen und von den Vorteilen zu überzeugen. Hier kann die Schweiz unterstützend zur Seite stehen. Nimmt sie sich ein Beispiel an den Niederlanden und setzt IP als Standardüberweisung ein, schafft sie für PSPs das perfekte Umfeld, um darauf aufbauend weitere Services entwickeln zu können.


Fazit und Bedeutung für die Schweiz

Die Einsatzmöglichkeiten von Instant Payments sind vielseitig und bringen eine Menge Vorteile mit sich. Der Erfolg der Schweizer Instant Payment Lösung wird von der Nutzung und der Marktdurchdringung abhängig sein. Für Banken könnte hier das Henne-Ei-Problem entstehen. Denn vermutlich wird die Mehrheit der Kunden nicht von den Banken verlangen unbedingt Sofortzahlungen anzubieten. Warum sollten also Banken etliche Millionen Franken investieren, um Instant Payment Meldungen empfangen und versenden zu können, wenn es von der Kundschaft nicht gefordert wird und Banken diesen Service noch nicht mal ordentlich bepreisen können?

Hier müssen Banken langfristig denken, denn SIC5 wird kommen. Es ist zeitgerecht, dass eine Überweisung nur wenige Sekunden benötigt und in den meisten Ländern sind bereits Instant Payments Lösungen aktiv. Ohne eine nationale Variante verliert auch der Finanzplatz Schweiz an Prestige und gerät gegenüber den Nachbarländern ins Hintertreffen. Fraglich ist inwieweit Instant Payments für POS Transaktionen im Geschäft oder im eCommerce verfügbar gemacht werden. Die Händler würden sich über diese sichere Möglichkeit freuen, denn so können sie die hohen Gebühren der Karten- & TWINT-Transaktionen umgehen. Doch die Banken sind in einer Zwickmühle. Denn wenn sie die Händler unterstützen, würden sie zu ihrem eigenen Nachteil handeln. Banken erhalten mit jeder Kartentransaktion eine Gebühr gutgeschrieben (Interchange Fee) und TWINT wurde von den Banken entwickelt. Werden diese Transaktionen durch Sofortzahlungen substituiert, schmälern die Banken ihren Gewinn. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich die kommenden Möglichkeiten im Markt eingliedern und welche Services von Banken und PSP angeboten werden und wie stark die Verbraucher diese nutzen werden. 


Wir von PPI Schweiz freuen uns, Sie als starker Partner unterstützen zu können. Anders als andere Schweizer Softwareanbieter, verfügen wir mit dem TRAVIC Payment Hub (TPH) über eine Lösung, die bereits seit Jahren erfolgreich im Markt etabliert ist. Der TPH verfügt über beide SCT Inst Clearing Anschlüsse und wird seit 2019 beim grössten Zahlungsverkehrsabwickler Deutschlands eingesetzt. Dort werden jährlich rund 7 Mrd. Transaktionen abgewickelt. Für SCT Inst Zahlungen liegt die durchschnittliche Transaktionsdauer bei unter 3 Sekunden. 

Dank unserer Erfahrung in Europa und der Schweiz verfügen wir über einen breiten Marktüberblick hinsichtlich Banken und kennen die Stärken und Schwächen der verschiedenen Instant Payment Plattformen.

Dieser Blog wurde von Jonas Löhr verfasst.

Instant Payments Teil 2: IP in Europa

Der zweite Teil unser Instant Payments Reihe beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie es mit Instant Payments im SEPA-Raum ausschaut? Grundlegend kann bereits zu Anfang festgehalten werden, dass sich die Umsetzung und Ausprägung von Instant Payments - trotz europäischer Initiative - auf nationaler Ebene abspielt. Wer vorerst noch mehr über die Vorteile der einzelnen Nutzer (Verbraucher, Händler & Corporates) erfahren möchte, dem empfehlen wir einen Blick in unseren ersten Teil der Artikelserie.

Aktueller Stand SCT Inst

Trotz der vielen Vorteile, muss ergänzt werden, dass SCT Inst in den meisten Ländern noch nicht als «New Normal» gilt und das Service-Angebot von Banken und Payment Service Providern stark variiert. Aktuell sind nur rund 60% der europäischen Zahlungsverkehrsdienstleister dem SCT-Inst-Verfahren angeschlossen. Etwa 90% Instant Payment-Transaktionen liegen derzeit unter 1.000€, und die meisten Transaktionen (etwa 70%) werden tagsüber (zwischen 6:00 und 18:00 Uhr) durchgeführt. Je höher die Marktdurchdringung wird, desto stärker wird auch der Einfluss auf andere Zahlungsmethoden.

Deutschland & Österreich 

Eine Banken-Umfrage in Deutschland und Österreich gibt Aufschluss darüber, weshalb viele Banken zögerlich bei der Einführung sind. So ist die Teilnahme an der SCT Inst Lösung für Banken freiwillig. Hinzukommt, dass es zwei Clearing-Anschlüsse (TIPS & RT1) gibt, welche nicht miteinander kompatibel sind. Wenn also eine Bank erreichbar sein möchte, muss sie beide Anschlüsse bedienen können. Gleichzeitig geht die Implementierung mit erheblichen Investitionskosten einher. Betrachtet man das Verhältnis von «normalen» SEPA Zahlungen und SCT Inst wird deutlich, dass die Kundennachfrage noch nicht besonders hoch ist. Gerade einmal 11% der SEPA Zahlungen entfallen auf Instant Payments. Diese geringe Nachfrage führt dazu, dass viele Banken Instant Payments nicht aktiv bewerben, sondern eher als Nischenprodukt führen und mit hohen Gebühren versehen. Durch zu hohe Gebühren sinkt der Kundenmehrwert gegenüber einer kostenlosen SEPA Überweisung deutlich, sofern es sich nicht um einen Notfall handelt. Eine Kombination von Instant Payments mit weiteren Payment-Services wie «Open Banking» könnte den Nutzen deutlich steigern. Hier sind in erster Linie die PSPs gefragt neue Services oder Produkte zu entwickeln, doch eine Marktdurchdringung von rund 11% ist für die meisten Anbieter ein Grund andere Projekte zu priorisieren.


Niederlande

SCT-Inst ist in den Niederlanden seit Mai 2019 in Betrieb und ermöglicht Kunden, Geld auf Konten bei teilnehmenden Banken im Zahlungsnetzwerk zu überweisen.

Instant Payments decken 100% der P2P- und Internetbanking-Transaktionen ab, da sie als Standard-Überweisung ohne zusätzliche Kosten von den Banken angeboten werden. Etwa 95% der niederländischen Zahlungskonten sind innerhalb von 5 Sekunden und rund um die Uhr erreichbar. Gegenwärtig werden B2C-Zahlungen wie Gehälter oder Versicherungsansprüche und B2B-Zahlungen nicht im Sofortzahlungsmodus abgewickelt. 


Schweden

Im Jahr 2012 entstand in Schweden aus einer Bankenkooperation der Service «Swish». Dieser ermöglicht mobile Instant Payment Zahlung zwischen Verbrauchern und Unternehmen. 

Swish wird inzwischen von 7,9 Millionen der insgesamt 10,2 Millionen Einwohner Schwedens genutzt und hat sich zur bevorzugten Online-Zahlungsmethode entwickelt. Ursprünglich für Transaktionen zwischen Privatpersonen geschaffen, wurde Swish schnell auf Flohmärkte, Gottesdienstspenden sowie auf alle kleinen Unternehmen ausgeweitet, die die Kosten für die Annahme von Kreditkarten vermeiden wollten. Swish wird inzwischen häufiger als Bargeld verwendet und macht 9% aller POS-Transaktionen aus, wodurch die Bargeldnutzung auf den niedrigsten Stand aller Zeiten gesunken ist. 


Ungarn

Nach einer dreimonatigen öffentlichen Konsultation im Jahr 2016 beschloss die ungarische Nationalbank (MNB) die Einführung einer Instant Payments Lösung, um die Verwendung von Bargeld zu verringern und elektronische Transaktionen zu fördern. Von Anfang an wurde verbindlich vorgeschrieben, dass Banküberweisungen innerhalb von 5 Sekunden und 24/7/365 gutzuschreiben sind.

Alle Sofortzahlungen sind unwiderruflich und sofort auf dem Konto des Empfängers verfügbar. Zusätzlich zu der Möglichkeit, «Request to Pay» Anfragen zu senden, können alle Kontoinhaber Aliasnamen wie E-Mail-Adressen, Steuernummern oder Mobiltelefonnummern verwenden. 

Die ungarischen Behörden haben die Verwendung von Sofortgutschriften für alle Transaktionen unter 30.000 € verbindlich vorgeschrieben, mit dem klaren Ziel, Bargeldtransaktionen zu ersetzen. Die Tatsache, dass Instant Payments für Banken verpflichtend gemacht wurden, hat ein innovationsförderndes Umfeld für Fintech-Unternehmen geschaffen.

Im finalen Teil der Artikelserie werden für uns mit den Herausforderungen für die Banken beschäftigen und welche Erfolgsfaktoren erfüllt sein müssen, damit die Instant Payments in der Schweiz den Erwartungen gerecht werden kann.

Dieser Blog wurde von Jonas Löhr verfasst. Bleiben Sie gespannt auf Teil 3 nächste Woche. 

Instant Payments Teil 1: The new normal im Schweizer Zahlungsverkehr

 

Die Schweiz implementiert Instant Payments. Können wir dabei aus den Erfahrungen Europas mit SEPA Inst profitieren? Welche Chancen bieten sich der Schweiz und warum müssen die Banken zwingend jetzt beginnen die Umsetzungsprojekte zu planen? In unserem Dreiteiler zum Thema Instant Payments gehen wir diesen Fragestellungen auf den Grund und nehmen Sie mit auf einen Deep-Dive ins Instant Universum. 

Während in der EU SEPA Instant Payments (SCT-Inst) kommenden Winter bereits den fünften Geburtstag feiert und sich darüber hinaus weitere nationale Lösungen entwickelt haben, steht in der Schweiz mit SIC5 die eigene nationale Instant Payment (IP) Lösung in den Startlöchern. Durchaus ein Grund die Entwicklung in den Nachbarländern zu betrachten, denn die Chancen und Herausforderungen, können grundsätzlich auch auf den Schweizer Markt angewendet werden.

Der erste Teil der dreiteiligen Artikelserie fokussiert sich auf die Vorteile der verschiedenen Nutzer (Verbraucher, Händler & Corporates) und geht darauf ein, inwiefern Sofortzahlungen Einfluss auf bereits etablierte Zahlungsmethoden wie Debit- / Kreditkarten, Lastschriften oder auch TWINT nehmen können. 

Im zweiten Artikel wird die Entwicklung von SCT Inst im SEPA Raum betrachtet. Ausserdem wird anhand dreier EU-Länder beispielhaft gezeigt, wie der Übergang und die Marktdurchdringung einer Instant Payment Lösung auf nationaler Ebene zum «New Normal» werden kann.

Der dritte und abschliessende Teil beschäftigt sich mit den Herausforderungen, denen Banken gegenüberstehen und beschreibt die Erfolgsfaktoren, die einen massgeblichen Einfluss auf die Umsetzung haben. Abschliessend wird im Fazit noch auf die Bedeutung von Instant Payments für die Schweiz eingegangen.

Instant Payment Zahlungen werden derzeit für unterschiedliche Zwecke und von verschiedenen Teilnehmern eingesetzt. Neben den Transaktionen zwischen Einzelpersonen (P2P) gibt es noch Anwendungsfälle von Verbrauchen und Unternehmen (B2C & C2B) sowie von Unternehmen untereinander (B2B). Für alle Beteiligten ergeben sich unterschiedliche Vorteile. 


Vorteile für Verbraucher

Die zunehmende Digitalisierung der modernen Gesellschaften hat dazu geführt, dass die Verbraucher erwarten, dass alles in Echtzeit verfügbar ist. Dies gilt auch für die Aktualität des eigenen Kontostandes. Durch die sofortige Verbuchung von Transaktionen erhalten die Verbraucher eine bessere Kontrolle über ihr Budget. Dies ist besonders für Haushalte mit geringem Einkommen wichtig.

Dank Instant Payments ist es für Privatpersonen möglich auch eine vergessene Rechnung oder eine Mahnung gerade noch rechtzeitig zu begleichen und so Verzugszinsen zu vermeiden. Auch für hochwertige Käufe (Gebrauchtwagen) bieten sich die Sofortzahlungen an, da diese direkt vor Ort durchgeführt werden können. Anders als eine Lastschrift ist die Sofortüberweisung unwiderruflich. Für den Empfänger verringert sich also das Risiko von Zahlungsausfällen. Darüber hinaus können Händler, die ihr Geld schneller bekommen auch den Lieferprozess direkt anstossen, was wiederum dazu führt, dass der Kunde seine bestellte Ware schneller erhält. Innerhalb der EU gibt es bereits Airlines, die Instant Payments nutzen, um bei Flugannullierungen ihren Kunden die Pauschalen für Hotel und Verpflegung direkt zukommen zu lassen.


Vorteile für Händler

Für viele Händler liegt ein grosser Vorteil in der Verbesserung des Liquiditätsmanagements, da sie das Geld sofort erhalten und nicht mehrere Tage auf die Gutschrift durch einen Payment Service Provider (PSP) warten müssen. So kann ein Händler noch am gleichen Tag über seine Tageseinnahmen verfügen und für die Bestellung neuer Waren verwenden. 

Auch das Tagesgeschäft wird positiv beeinflusst, denn durch die rückläufige Anzahl an Bargeschäften können die Händler Kosten einsparen. Obwohl viele Händler dazu neigen, Bargeld als die günstigste Form der Zahlung zu betrachten, verstecken sich hier viele Kosten, die durch Instant Payments nicht anfallen. So besteht bei Bargeldzahlungen das Risiko von Diebstahl oder menschlichen Fehlern bei der Abrechnung. Darüber hinaus erhält der Kunde durch Instant Payments eine weitere Bezahlmöglichkeit, falls er nicht genügend Bargeld mit sich führt oder sein Kartenlimit bereits überschritten hat. Zusätzlich entfallen die Kosten bei der Bank für das Einzahlen von Bargeld.

Für Händler bestehen noch weitere Möglichkeiten zur Kosteneinsparung. In den letzten Jahren sind die Gebühren für Kartentransaktionen deutlich angestiegen. Diese können umgangen werden in dem der Händler seinen Kunden einen QR-Code zur Verfügung stellt. Dieser wird in der mobile Banking App des Kunden gescannt und das Überweisungsformular wird automatisch ausgefüllt. Der QR-Code kann auf der Website des Händlers im Check-Out Bereich oder auf dem POS-System im Geschäft erstellt werden. 

Gerade bei der Buchung von Hotels, Flugreisen oder Mietwagen sind meistens Kreditkarten erforderlich. Durch die Bereitstellung eines QR-Codes werden auch Kunden angesprochen, die über keine Kreditkarte verfügen. 


Vorteile für Corporates

Im B2B-Bereich ist das Cash-Management derzeit einer der Haupttreiber, da davon sowohl Lieferanten als auch Käufer profitieren. Dank der Möglichkeit Überweisungen 24/7/365 tätigen zu können, wird das Risiko von Zahlungsausfällen und die Kosten für das Halten offener Salden minimiert. Außerdem können Unternehmen außerhalb der Geschäftszeiten Geldbeträge senden und empfangen, gerade wenn es sich um eine dringende Zahlung an einen Kunden handelt. Viele Versicherungsgesellschaften verwenden zur Regulierung kleinerer Schäden immer noch Schecks. Mittels Instant Payments können diese Schäden direkt beim Kunden vor Ort beglichen werden, was wiederum die Customer Experience steigert.

In einer Weiterentwicklung von Instant Payments ist es denkbar, dass zusätzlichen Funktionen wie «Rich Data» (z. B. der Originalrechnung) oder automatisierte Zahlungen kombiniert werden. Dadurch können Lieferketten optimiert und die Transparenz gesteigert werden.

Es wird erwartet, dass eine flächendeckende Marktdurchdringung von Sofortzahlungen durch Unternehmen einen erheblichen Cashflow freisetzen kann und so zu einer effizienteren Wirtschaft beitragen könnte. Durch den sofortigen Geldtransfer sind kleinere Unternehmen in der Lage, nachhaltiger zu wachsen und den Bedarf an Liquiditätsrückstellungen zu verringern. 


Einfluss auf andere Zahlungsmethoden

Instant Payments wird auch Einfluss auf bestehende Zahlungsmethoden haben und kann dafür sorgen, dass sich die Marktanteile verschieben

Lastschriften werden meistens für wiederkehrende Transaktionen verwendet. Wenn die Banken des Zahlungsempfänger und des Zahlers mit Instant Payments erreichbar sind, könnte eine Lastschrift durch eine «Request to Pay» Meldung ersetzt und als automatisierte Instant Payment Überweisung ausgeführt werden. In der Schweiz wäre dasselbe Vorgehen mit eBill denkbar.

Debit- & Kreditkarten sind bisher für rund 90% der Verbraucher in Europa die bevorzugte Zahlungsmethode. Für den Handel bedeuten die Karten allerdings hohe Gebühren. Mittels QR-Code, der vom Kunden in seiner mobile Banking App gescannt werden kann, könnten die kartenbedingten Transaktionsgebühren umgangen werden. 

Der nächste Teil der Artikelserie geht auf die aktuelle Situation von SCT Inst im SEPA Raum ein und beschreibt, wie einzelne Länder es geschafft haben, teilweise mit nationalen Lösungen, Instant Payments als «New Normal» zu etablieren.

Dieser Blog wurde von Jonas Löhr verfasst. Bleiben Sie gespannt auf Teil 2 nächste Woche. 

Das PPI TopEvent ist zurück

 

Genau zwei Jahre ist es her, dass das traditionsreiche TopEvent zuletzt wie im gewohnten Rahmen stattfinden konnte. Zwar haben wir in der zwischen Zeit auch eine digitale Variante lanciert, doch hier fehlte der wichtigste Aspekt – der soziale Austausch in gelassener Atmosphäre. Somit war PPI Schweiz froh, dass wir die zahlreichen Teilnehmer am 07.04.22 wie üblich ab 16:00 Uhr im Zunfthaus zur Hard in Zürich in Empfang nehmen durften. Nach einem kurzem Apéro und der Anmoderation von Florian Stade, galt die Aufmerksamkeit den Referenten. 

Den Start machte der CFO und Leiter Support der Entris Banking AG, Dr. Hans Ulrich Bacher. 

In seiner Präsentation „Entris Banking Payment Hub: Spezialfall oder ein Modell für Retail- und Privatbanken“ skizzierte Hans Ulrich zunächst das Geschäftsmodell der Entris Banking AG. Sie tritt als Girozentrale und als Zentralbank für Regionalbanken auf, gilt ausserdem als Transaktionsbank mit eigener Banklizenz und kann durch die Volumenbündelung der Regionalbanken Skaleneffekte erzielen. Dazu kommt das Angebot von etlichen Finanzdienstleistungen wie Vorsorge, Bancomaten Services, Trading & Treasury und einiges mehr. Entris stellt kleineren und mittleren Banken, die sich für den Payment Hub entscheiden den Zugang zu SIC & euroSIC und zum Geldmarkt zur Verfügung. Abschliessend wurde erörtert, ob sich dieses Modell auch auf weitere Banken ausweiten lassen könne. Interessanterweise stiess das präsentierte Modell gerade auch bei ein paar Kantonalbanken auf offene Ohren. 

Im Anschluss gehörte die Bühne Dr. Falk Kohlmann. Falk ist Bereichsleiter Marktleistung der St. Galler Kantonalbank und Mitglied der GL. In seinem Vortrag stellte er die Digitalisierungsstrategie der SGKB vor und gewährte Einblicke in seine wichtigsten „Lessons Learned“. Mittlerweile wurden von der Bank bereits mehr als 20 verschiedene Apps mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielgruppen entwickelt. Und auch wenn die SGKB im Markt als innovativer Treiber von digitalen Projekten gilt, so kam es erfrischend ehrlich rüber, dass selbst in St. Gallen nicht allen Vorhaben ein Erfolgt bescheinigt war. Die Herausforderung liegt nun einerseits darin die Komplexität der Apps gering und somit kundenfreundlich zu halten. Gleichzeitig muss das Angebot immer weiter auf den einzelnen Kunden zugeschnitten werden. Die one-size-fits-all Strategie ist bereits länger nicht mehr angemessen. Interessant war zu erkennen, dass obwohl das Smartphone in der Welt des Bankings immer wichtiger wird, es weiterhin Bereiche gibt (z.B. die Kreditvergabe), in denen der Kontakt zu einem Bankberater weiterhin unersetzlich ist. 

An der abschliessenden Panel-Diskussion, die von Carsten Miehling (CEO, PPI Schweiz) mit provokanten Fragen gewohnt unterhaltsam moderiert wurde, nahm neben den beiden Referenten mit Martin Sackmann (Head Business Management |UBS Switzerland) ein weiterer Experte des Zahlungsverkehrs teil. Hier rückte die Thematik SIC5 mit Instant Payments in den Vordergrund. Es wurde darüber diskutiert, welche Use Cases für Privatpersonen und Unternehmen entstehen werden und ob die Sofortüberweisung auch eine Bezahlmethode für den POS wäre. Immerhin könnten Händler durch ein entsprechendes Bankangebot die hohen Gebühren von Karten und TWINT umgehen. Insbesondere UBS liess sich jedoch bezüglich Dienstleistungen für Banken, wie z.B. dem Korrespondenz Banking im Auslandzahlungsverkehr oder ein mögliches Insourcing bei Instant Payments nicht so recht aus der Reserve locken. Weiter gestand Falk zu, dass eine Monetarisierung der Investitionen in Frontlösungen eine heraufordernde Angelegenheit darstellt und Hans Ulrich betonte die Sinnhaftigkeit von Kooperationen, insbesondre für kleinere Finanzinstitute.

Nach der Panel-Diskussion folgte ein ausgiebiger Apéro, inkl. Flying Dinner und Live-Musik. Bei der ein oder anderen Flasche Wein wurde engagiert über bankübergreifende Themen gesprochen und daneben die optimale Paymentstrategie für den Schweizer Markt erörtert. 

Ein herzlicher Dank gilt allen Personen, die dieses TopEvent erneut einzigartig gemacht haben. Zu nennen sind hier als erstes die fast 100 Teilnehmenden aus allen Bereichen des Schweizer Zahlungsverkehrs. Nicht weniger wichtig sind die Referenten bzw. Panel-Teilnehmer, ohne ihre wertvollen Inputs wäre ein solch interessanter Austausch nicht im gleichen Mass möglich gewesen. Ausserdem möchten wir uns für das leckere Essen und den guten Wein bei Andreas Schober, dem Wirt des Zunfthauses zur Hard, bedanken. Zu guter Letzt «Merci vielmal» an alle helfenden Hände von PPI. 

Wir freuen uns schon jetzt Euch auf das nächsten TopEvent am 27.10.2022 wieder empfangen zu dürfen.

...

Ein neues Schema im Zahlungsverkehr: Dürfen wir vorstellen: "SEPA API Access Scheme"

Es ist mal wieder an der Zeit neues Akronym im Open Banking genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Euro Retail Payments Board (ERPB), respektive deren Arbeitsgruppe «Access Scheme», hat im Juni 2021 einen Report publiziert, welcher aufzeigt, wie die aktuell relativ vertrackte Situation rund um die Verbreitung von Angeboten auf Basis der PSD2-Regulation verbessert werden kann. Es ist kein Geheimnis, dass sich mit der Regulation allein nicht der gewünschte Erfolg bei der Öffnung der Banken im eigentlichen Sinn von Open Banking eingestellt hat. Selbst die technischen Präzisierungen in den Guidelines der Berlin Group unter dem Label «NextGenPSD2» waren nicht ausreichend, um die Segmentierung der Angebots-Varianten bei den Banken und die generell sehr zögerliche Verbreitung zu verhindern.

Die Autoren des Reports propagieren nun sog. «value-added premium services», welche eine natürliche Evolution auf der Basis der PSD2 darstellen und in zukünftige Rulebooks und Implementation Guidelines einfliessen sollen. Dabei soll die aktuelle Fokussierung auf Payments auf andere Financial Use Cases erweitert werden bis hin zu sogar branchenfremden Anwendungsszenarien. Daneben wird auch die aktuell starke Ausrichtung aufs Retailsegment aufgebrochen. Zukünftig sollen gleichbedeutend auch neue Lösungen im Business-to-Business entwickelt werden können. Nichtsdestotrotz beschäftigt sich der Report immer noch schwergewichtig mit dem Zahlungsverkehr und segmentiert seine Themen in folgende Bereiche: customer-to-business (C2B), business-to-business (B2B) und person-to-person (P2P).

Aus der Erfahrung, dass die Publikation von «Regulatory Technical Standards» allein nicht ausreichend für eine weite Verbreitung ist, wird nun ein schemabasierter Ansatz angestrebt. Die Arbeitsgruppe soll hierfür basierend auf der Grundlage der PSD2 Schlüsselelemente eines solchen Schemas festlegen, einschliesslich Berücksichtigung von Geschäfts- und Governance-Anforderungen inklusive der Beschreibung einer standardisierten API-Schnittstelle. Im Report wird eine ganze Reihe neuer «premium services» aufgelistet. Die wichtigsten, von der Arbeitsgruppe hoch priorisierten, sind nachfolgend aufgelistet:
  • Zahlung an einem definierten Datum in der Zukunft (pay later)
  • Zahlung in Abhängigkeit eines Events in der Zukunft (deferred payment)
  • Services für die IBAN-Validierung
  • Automatisierte PFM-Zahlungen (z.B. überschüssiges Budget am Monatsende auf ein Sparkonto überweisen)
  • Gleichzeitige Zahlung an mehrere Begünstigte (Aufteilung eines Gesamtbetrages)
  • Zahlung einer nicht final definierten Betragshöhe (z.B. in Abhängigkeit zurückgelegter und gemessener Kilometer bei einer Heimlieferung)
  • Beantragung von Kleinkrediten bei unzureichender Deckung
  • Wiederkehrende Zahlungen (Abos)
  • Rückzahlungen
Man kann die obige Auflistung als «high level» oder abgehoben bezeichnen («… das sind wir schon lange selbst draufgekommen …») und es ist wohl richtig, dass ein Brainstorming neuer Use Cases an sich noch nicht den Erfolg bringt. Auch das wurde von den Autoren erkannt und sie listen unter «Business Anforderungen» eine ganze Reihe von Rahmenbedingungen auf, welche in der Tat für den Erfolg einer Verbreitung von zentraler Bedeutung sind, z.B. europaweite einheitlich definierte Services und Standards für
  • die Validierung von Identitäten
  • die Erstellung und Interpretation von QR-Codes
  • den Zugriff und den Unterhalt von Proxies für das Mapping von Bank-IDs (z.B. von Handy-Nummer auf IBAN)
  • das Aufsetzen und die Abwicklung von Request-to-Pay-Verfahren
  • die Strong Customer Authentication (SCA)
  • die Definition von Zahlungsgarantien
  • etc.
Die Kapitel zur Governance, Details bezüglich Schema-Partizipation, Gebühren und Infrastruktur sind dann eher etwas für hart gesottene und würden den Rahmen dieses Blogs auch definitiv sprengen. Schlussendlich würde man die «Bits und Bytes» im Sinne von Rulebooks und Implemenation Guidelines gerne wieder dem EPC anvertrauen, was sich in der Vergangenheit ja auch gut bewährt hat.

Zeit zum Fazit zu kommen: Eine namhafte Arbeitsgruppe hat sich im Mandat der Europäischen Zentralbank Gedanken gemacht, wie man im Open Banking nach der PSD2 einen nächsten Schritt angehen könnte. Die Ideen sind teilweise bekannt und teilweise bereits sehr detailliert ausgearbeitet. Als grobe Leitlinie ist die Idee von «premium services» und die Betrachtung von Branchen- wie auch Segments-übergreifenden Anwendungsfällen der richtige Schritt. Wie sagen wir Schweizer doch immer: «wir beobachten aktiv die weitere Entwicklung».


Dieser Blog wurden von Carsten Miehling gepostet. 


Quelle: https://www.ecb.europa.eu/paym/groups/erpb/shared/pdf/15th-ERPB-meeting/Report_from_the_ERPB_working_group_on_a_SEPA_API_Access_Scheme.pdf?52770756a713895bdc4fd072873346be

In jedem Ökosystem gibt es auch Verlierer

Lässt man die Fachbeiträge und Konferenzen der letzten Monate Revue passieren, dann stellt man fest, dass der Begriff «Digitales Ökosystem» hyperinflationär verwendet wurde. 


Als Experten im Zahlungsverkehr treffen wir auch häufig die Abwandlungen «Ökosystem des Zahlungsverkehrs» oder gar «Europäisches Ökosystem des Zahlungsverkehrs» an. Auf den ersten Blick ist so ein Ökosystem ja etwas Feines und wird auch jeweils als etwas äusserst Positives dargestellt, wo jeder Akteur im System seinen Nutzen realisieren kann. Ein Blick zum Vorbild aus der Naturwelt zeigt allerdings, dass es mitunter sehr brutal zu und her geht und es am Ende der Nahrungskette nicht allzu viele Plätze zu besetzten gibt. 

Schlagen wir nun den Bogen zum «Schweizerischen Ökosystem des Zahlungsverkehrs». In der Analogie zur Natur könnte man dieses als ein Naturschutzgebiet innerhalb von Europa bezeichnen.

Wie wir wissen, können wir die EU-Regulationen im Zahlungsverkehr weitestgehend ignorieren und uns ganz auf unser heimisches Schaffen konzentrieren. Da werden z.B. Digitale Sparschweine lanciert, Sackgeld-Apps entwickelt oder eine nationale mobile Bezahllösung mit grossem (finanziellem) Aufwand im Markt gepuscht. Als Europäisch aufgestellte Produkt- und Beratungsfirma reibt man sich beim Austausch mit den Kollegen oftmals die Augen. Die aktuell von Europäischen Banken getriebenen Top-Themen wie «Request to Pay» (RTP) oder «European Payment Initiative» (EPI) sind hierzulande nur Insidern ein Begriff. Bei der Modernisierung der Zahlungsverkehr-Infrastruktur Richtung Instant Payments (IP) ist der Schweizer Finanzplatz ebenfalls fünf Jahre im Rückstand im Vergleich zu den Europäischen Finanzinstituten (aktuelle Erreichbarkeit von IP gegen 70%).

Instant Payments (IP) und Request to Pay (RTP) wurden als Thema in diesem Blog bereits beleuchtet, sodass es sich unserer Meinung nach Lohnt noch einen Blick auf die «European Payments Initiative» (EPI) zu werfen. An einer kürzlich durchgeführten Online-Konferenz waren die vertretenen Top-Banker der Runde der Meinung, dass EPI das Mittel sein wird, um die Hoheit im Europäischen Ökosystem des Zahlungsverkehrs zurück zu erlangen. Dies in Kombination mit den Instrumenten RTP und IP. Man könnte salopp auch sagen, man möchte das Ende der ZV-Nahrungskette nicht kampflos den Konkurrenten aus USA und China überlassen. Die EPI soll ein Bezahlschema entwickeln, welches die Abwicklung von Transaktionen in einem Geschäft ab dem Bankkonto als zentrales Element ausweist und somit Zwischenhändler wie Visa oder Mastercard ausschaltet.

Im Gegensatz zu den regulatorisch getriebenen PSD2-Initiativen ist EPI rein privatwirtschaftlich getrieben und unter den aktuell 16 Aktionären der kürzlich mit Sitz in Brüssel gegründeten EPI Interim Company entdeckt man das Who is Who der Europäischen Bankenlandschaft (u.a. DB, Commerz, Crédit Agricole, ING, Banco Santander, Unicredit, etc.). Natürlich stellt sich jedem Schweizer Banker mit Blick auf die Liste sofort die Frage, warum z.B. UBS oder Credit Suisse zu den Abwesenden zählen? Da machen sich die führenden Banken in Europa daran eine zumindest mittelgrosse Revolution im Zahlungsverkehr anzuzetteln und wir sind nicht mit von der Partie? Aus unserer Sicht braucht es jetzt nochmals ein Wachrütteln der verantwortlichen Entscheider im Zahlungsverkehr Schweiz. Ansonsten riskieren wir nicht nur einen Rückstand bezüglich der State of the Art ZV-Abwicklung (Stichwort IP), sondern den Anschluss komplett zu verlieren. Wir sollten also dringend das Augenmerk wieder auf die wirklich relevanten ZV-Entwicklungen in Europa und der Welt richten.

Dieser Blog wurde von Carsten Miehling gepostet


PS. Mehr Informationen zum Thema EPI aus erster Hand, gibt es an unserem PPI TopEvent am 15.4. Hier gehts zur Anmeldung.

Digitale Identitäten - die Erleichterung der Beziehungseröffnung

Diesen Sonntag (07.03.21) stimmt die Schweiz über das neue Bundesgesetz über elektronische Identifizierungsdienste (E-ID-Gesetz) ab. Der Fakt, dass in der Schweiz erst im Jahre 2021 über ein solches Gesetz abgestimmt wird, zeigt, dass wir Schweizer im Bereich der Digitalisierung noch einiges an Aufholpotenzial haben.

Als kleiner Vergleich sei der digitale Vorzeigestaat Estland genannt. Erst seit 1991 unabhängig von der kommunistischen Sowjetunion geworden, haben die 1.3 Mio Estinnen und Esten seit dem Jahr 2000 einen in der Verfassung geregelten Anspruch auf das Internet und seit 2001 auch eine digitale ID. 

Zwar gibt es in der Schweiz schon länger private Anbieter digitaler Identitäten. Die SuisseID beispielsweise, die mittlerweile in der SwissID aufgegangen ist. Bisher gibt es nach Angaben der SwissSign Group, welche die SwissID herausgibt, rund 1 Mio Nutzer. Auch diverse Firmen akzeptieren diese Art der digitalen Identifikation bereits heute. Von einem flächendeckenden Erfolg kann allerdings (noch) nicht gesprochen werden. 

Bis dato fehlte es aber auch an einem klaren gesetzlichen Rahmen. Wir Schweizer mit unserer direkten Demokratie sind es uns ja auch gewohnt, bei Neuerungen jeder Art fleissig zu diskutieren und zu debattieren. Gute Argumente wechseln sich dann üblicherweise mit weniger Guten ab. Und so ziehen gerne einmal ein paar Jahre ins Land, bis ein neues Gesetz aktiv wird. 

Diskutiert wird nun also aktuell auch über das neue E-ID Gesetz über welches wir an der Urne entscheiden. 

Gegner des neuen Gesetzes monieren u.a., dass das Volk über einen Gesetzesartikel abstimmen müsse, der in noch folgenden Verordnungen final definiert werden will. Man könnte also argumentieren, wir stimmen über ein unfertiges Gesetz ab. Man könnte aber auch argumentieren, dass wir über einen Rahmen abstimmen. Wie konkret die Umsetzung dann aussieht, wird somit erst noch ausdiskutiert. Es wird aber auch bemängelt, dass die Herausgabe von IDs in der Hoheit des Staates bleiben und dies nicht durch Private Anbieter geschehen soll. 

Befürworter sehen vor allem einen Schritt in die richtige Richtung, mit welchem der gesetzliche Rahmen geschaffen wird um inskünftig online einfacher z.B. an Strafregister- und Betreibungsauszug zu kommen. Aber auch die Eröffnung einer Bankbeziehungen, die Gründung einer Firma oder auch das Abschliessen von Versicherungsverträgen wird mit einer digitalen ID deutlich vereinfacht. 

Die neue E-ID ist kein Ersatz der physischen ID oder des Passes, sondern eine staatlich anerkannte und vom Bund zertifizierte elektronische Identität, die dem Nutzer das Leben in der zunehmend digitalisierten Welt vereinfacht. 

Ohne den Artikel, dass auch private Anbieter eine solche digitale ID herausgeben dürfen, wäre die ganze Arbeit und der doch beachtliche Erfolg der SwissID inskünftig gar nicht mehr möglich. Es macht also keinen Sinn die ganze bereits geleistete Arbeit gesetzlich zu verbieten. Die E-ID ist ausserdem selbstverständlich freiwillig. Kein Dienstleister mit Kunden wird ausschliesslich auf die Identifikation mit der E-ID beharren, solange es noch immer die klassischen (physischen) Identitätskarten, Pässe, Ausländerausweise oder Führerscheine gibt. Allerdings ist es natürlich denkbar, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten derart gute Erfahrungen mit einer solchen E-ID gesammelt werden, dass es dann in (noch ferner) Zukunft ganz nach Estnischem Vorbild nur noch eine digitale ID geben wird. Bei vielen positiven Erfahrungen wäre dagegen dann ja auch nichts mehr einzuwenden. 

Wird das Gesetz am 7. März angenommen und werden die folgenden Verordnungen dann noch richtig umgesetzt, gewinnt die Schweizer Gesellschaft im Allgemeinen, aber auch konkret die Finanzindustrie viel. In der Beziehungseröffnung beispielsweise. Denn gerade Fintechs, die eine einwandfreie User Experience bieten, haben das Onboarding teilweise bereits perfektioniert. Wenn auch vor dem Hintergrund, dass Fintechs grundsätzlich nie als Bank im Sinne von Artikel 1, Abs.3 des Bankengesetzes auftreten und damit auch viel weniger weitgehende Regulatorien zu erfüllen haben. Gerade deshalb aber ist das neue E-ID Gesetz ja so wichtig für den Schweizer Finanzplatz. 

Dieser grosse Schritt in eine digitalere Zukunft hat das Potenzial, dass bei den Banken zukünftig auch digitale Zertifikate, beispielsweise während dem EBICS-Initialisierungsprozess, akzeptiert werden könnten. Die SwissSign Group beispielsweise würde ja auch diese ausstellen. 

Vielleicht lässt sich der eine oder andere Leser auch noch dazu bewegen seine/ihre Stimme abzugeben. Der Autor dieser Zeilen stimmte jedenfalls JA und vertraut auf unsere Politik, dass das Gesetz und die folgenden Verordnungen zielführend umgesetzt werden.

Dieser Blog wurde von Matthias Peter gepostet. 

Die Schweizer Nationalmannschaft spielt in den dunklen Trikots von links nach rechts

Was hat so ein Titel in einem Finanzblog verloren mag sich der interessierte Leser fragen. Zugegeben, der Bezug zum aktuell heiss diskutierten Thema Instant Payments (IP) ist etwas weit hergeholt. Versuchen wir den Zusammenhang aufzulösen. Im Jahre 1967 drückte der damalige deutsche Vizekanzler Willy Brandt an der «Grossen Deutschen Funkausstellung» in Berlin einen roten Knopf, welcher in der Folge das Zeitalter der farbigen bewegten Bilder einläutete. Im Vorfeld wurde insbesondere unter den Medienschaffenden und den Konsumenten heftig darüber diskutiert, ob diese Innovation denn wirklich notwendig sei, man sehe ja nicht wirklich mehr, einfach nur in farbig und ob das die immensen Investitionen auf Seiten der TV-Produzenten, -Sender und -Empfänger rechtfertige.

Wenn ich mich an die ersten Gespräche zum Thema Instant Payments mit Bankvertretern auf dem Finanzplatz Schweiz zurückerinnere, dann fällt mir immer wieder die soeben geschilderte Analogie ein. Warum soll ein Firmenkunde jetzt plötzlich am Samstag seine Zahlungen machen wollen? Wo ist eigentlich das Problem, dass ich im Onlinebanking nach 16:00 Uhr nicht mehr gleichentags eine Überweisung mit entsprechender Gutschrift tätigen kann? Und überhaupt wir haben doch mit TWINT bereits eine Instant Payment Lösung der Schweizer Banken im Markt etabliert oder etwa nicht? Sie haben es bereits erkannt, analog dem Farbfernsehen wird die Ausbreitung von Instant Payments mit einer Verfügbarkeit von 7*24*365 nicht mehr aufzuhalten sein.