PPI Schweiz Top Event - Herbst 2018

An einem wunderschönen Herbsttag in der letzten Oktoberwoche 2018 war es wieder einmal so weit. PPI Schweiz organisierte für das Who is Who im Schweizer Zahlungsverkehr den in der Zwischenzeit berühmt gewordenen PPI TopEvent. Das originelle Konzept zwischen Wissensvermittlung in Form von Kurzvorträgen mit anschliessendem ausgedehntem Networking fand im «Zunfthaus zur Hard» statt und hat am späteren Nachmittag rund hundert Branchenvertreter angelockt.

Matthias Hungerbühler moderierte den Anlass zum Thema «e-Identity».

Als ersten Redner durfte er der Gesellschaft Andrus Kaarelson, Director of State Information System of the Republic of Estonia, vorstellen. Andrus Kaarelson war und ist die treibende Kraft bei der Digitalisierung von Estland. In seinem Vortrag ging er auf die staatlichen Ziele ein und erklärte, warum auch in einem demokratischen Land gewisse Vorhaben für obligatorisch erklärt werden müssen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. So ist es in Estland jedes Bürgers Plicht, eine digitale Identität zu besitzen. Auf der anderen Seite ist der Internetzugang ein soziales Recht. Da für die Bürger ausserhalb der Ballungszentren von Estland der Weg zum Amt eher beschwerlich und zeitraubend ist, werden 99% der staatlichen Dienstleistungen online angeboten. Nur Heirat, Scheidung und Grundstückskauf müssen noch persönlich auf einem Amt getätigt werden, merkt Kaarelson augenzwinkernd an.

Die digitale Gesellschaft Estlands baut auf folgenden Punkten auf:
  • Alle Prozesse sind elektronisch / automatisiert
  • Daten werden unter den Ämtern geteilt bzw. verteilt
  • Vertrauen und Privatsphäre bauen auf Transparenz auf
Die Zuhörer lauschten gebannt den Worten von Andrus Kaarelson und ab und zu war ein erstauntes oder überraschtes «Ah» oder «Oh» zu vernehmen.

So waren denn auch alle sehr überrascht, wie schnell die Zeit verflog und Matthias Hungerbühler den zweiten Redner vorstellte. Urs Fischer, Chief Development Officer der SwissSign Group AG präsentierte das Thema «Swiss ID, die digitale Identität für die Schweiz». Im Gegensatz zu Estland ist die digitale Identität in der Schweiz kein Muss und entsprechend ist auch der Weg zur einheitlichen «Swiss ID» um einiges steiniger. Anhand des «Huhn / Ei»-Beispiels erläuterte Urs Fischer die Schwierigkeiten, sowohl Nutzer wie auch Anbieter für die «Swiss ID» zu begeistern. Für diese gibt es zu wenig Dienstleitungen, welche mit der «Swiss ID» genutzt werden können, für jene zu wenig Nutzer, um entsprechende Dienste zur Verfügung zu stellen. Nichtsdestotrotz hat sich SwissID zum Ziel gesetzt, einen vertrauenswürdigen Marktstandard für digitale Identitäten sowie identitätsnahe Attribute und Dienstleistungen zu schaffen und eine Schlüsselrolle für die digitale Privatwirtschaft und das E-Government zu übernehmen. So kann als Fazit sicherlich festgehalten werden: Die «Swiss ID» wird kommen, doch bis sie umfassend eingesetzt werden kann, sind noch einige Hürden zu überwinden.

...


Im Anschluss an den Vortrag von Urs Fischer stellte Matthias Hungerbühler die Teilnehmer des Panels vor:
  • Urs Fischer, CDO, SwissSign Group AG
  • Urs Paul Holenstein, Leiter Fachbereich Rechtsinformatik, Bundesamt für Justiz
  • René Keller, Senior Consultant, PPI AG
Moderiert wurde das Panel von Carsten Miehling, CEO PPI Schweiz.


Schon bei der ersten Frage «Estland hat für die Ausbreitung der digitalen Identität den Staat beauftragt. In der Schweiz sollen es private Unternehmen übernehmen. Wo sehen Sie bei den beiden Varianten die jeweiligen Vor- und Nachteile?» entstand eine angeregte Diskussion. Allerdings wurde kein Konsens bezüglich der bevorzugten Variante gefunden. Anlässlich der zweiten Frage «Die grösseren Banken möchten ja unisono E-ID-Services anbieten. Wo liegt da eigentlich der Business Case?» lud Carsten Miehling den anwesenden Roger Huber von der ZKB zum Panel ein. Roger Huber erklärte den Anwesenden die Vorteile, welche sich aus Sicht der Banken ergeben, wobei die Bindung des Kunden klar im Vordergrund steht.Urs Paul Holenstein nahm zu Fragen bezüglich der Aktivitäten des Bundes Stellung. Auch der Bund unternehme sehr viel, um die digitale Identität voranzutreiben.René Keller erläuterte die Situation in Deutschland, welche sowohl von privaten als auch staatlichen Institutionen gefördert wird. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es im IT-Finanzmagazin eine lesenswerte siebenteilige Serie von Rudolph Linsenbarth zum Thema «Digitale Identität» gibt .Es entstand eine angeregte Diskussion unter den Panelteilnehmern, welche auch Fragen aus dem Publikum beantworteten. Es zeigte sich ein weiteres Mal, dass das Panel ein bewährtes Format ist, um mehr über die verschiedenen Anliegen und Standpunkte erfahren zu können.

Im Anschluss an den offiziellen Teil eröffnete Matthias Hungerbühler den Apéro. Und wie fast schon gewohnt, zauberte die Mannschaft des «Zunfthauses zur Hard» einen Gaumenschmaus aus der Küche. Ein herzliches Dankeschön dafür an Andreas Schober und sein Team. Während dem intensiven und abwechslungsreichen Networking wurden die Gäste mit variantenreichen, schmackhaften Häppchen und Getränken verwöhnt. Der sommerliche Abend und die guten Gespräche führten dazu, dass sich manch ein Teilnehmer erst gegen Mitternacht auf den Heimweg machte, wohl mit der festen Absicht, auch beim nächsten Anlass am 11. April 2019 wieder dabei zu sein.


Dieser Blog wurde von René Heusser verfasst.

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