Swiss21.org – Disruption im Segment der Business-Software

Aktuell stösst man eher noch per Zufall auf den etwas sperrigen Namen Swiss21.
Der Webauftritt ist bezüglich Informationsgehalt auch eher noch etwas schwach auf der Brust, die Ankündigung dafür umso beeindruckender. Nichts anderes als ein neues «digitales Ökosystem für Schweizer KMU» wird einem auf der Frontseite in Aussicht gestellt. Der Countdown-Zähler für den Launch zielt auf den Mittwoch, 7. November 2018 ab, wenn wir richtig gezählt haben. Was auf den ersten Augenblick so aussieht wie viele Ankündigungen von IT-Startups, welche aktuell gerade versuchen ein etabliertes Business-Modell neu zu erfinden, hat auf den zweiten Blick enormes Durchschlagspotential:
Eine Business-Software umsonst. Also kostenlos, gratis.

In der Schweiz herrscht schon seit längerer Zeit im Markt der ERP-Lösungen (Enterprise-Resource-Planning) ein harter Verdrängungswettbewerb. Auf der Branchenplattform topsoft.ch sind aktuell mehr als 2'500 Produkthersteller aufgeführt. Die Bandbreite reicht dabei von den bekannten Branchenleadern wie SAP, ABACUS oder Sage bis hin zu sehr spezifischen Nischenanbietern, welche sich z.B. auf die Organisation und das Eintreiben von Spenden für Non-Profit-Organisation spezialisiert haben. Funktionalitäten wie die Verwaltung von Kontakten, die Erfassung von Artikeln oder Leistungen für Rechnungen oder Hilfsmittel für den Online-Vertrieb gehören bei KMU-Lösungen heute zur Grundausstattung. Genau hier setzt Swiss21 an.

Für Anwender, die maximal 2’100 Kunden, 2’100 Artikel oder 2’100 Belege pro Jahr verwalten (man beachte die Analogie zu Swiss21 und 2'100), soll der Einsatz der Software kostenlos sein. Ab dieser Grenze ist dann eine Monatsgebühr von 21,00 Franken fällig. Dafür gibt es eine ausgewachsene Business-Software mit den Hauptmodulen «Rechnungen & Offerten», «Buchhaltung», «Bankanbindungen», «Online Shop», «Point of Sales» und «Kontaktverwaltung». Auch wenn man berücksichtigt, dass es sich hierbei noch um eine Ankündigung handelt (der Launch erfolgt wie gesagt in den nächsten Tagen), muss es sich für die neuen Platzhirsche von Cloud-Business-Software wie Bexio oder Run my Accounts wie eine Kriegserklärung anhören.

Man könnte das Ganze jetzt als «one of many startups»-Initiative abhaken, wären da nicht die potenten Initianten, welche in den nächsten Tagen mit wohl viel Brimborium die Lösung bekannt machen werden. Aufgrund des Renommees der beteiligten Zulieferanten (Swiss 21 spricht von Partner) haftet dem Angebot von Anfang an eine gewisse Seriosität an, da insbesondere ABACUS, Swisscom und die St. Galler Kantonalbank über viel Vertrauen im KMU-Segment verfügen. Man darf sehr gespannt sein, wie sich dieses Angebot im Markt wird durchsetzen können. Das Argument der kostenlosen Software ist natürlich radikal und fast unschlagbar. Sollte die Funktionalität auch nur im Ansatz das halten, was heute auf der Webseite angekündigt wird, dann beobachten wir gerade die Umsetzung einer weiteren Disruption mit ungeahnten Folgen für die heute etablierten Anbieter von Business-Software-Lösungen.


Dieser Blog wurde von Carsten Miehling verfasst.

#Swiss21 #Digitalisierung #ERP

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