Ghost Banks - Banken ohne Banker?

Der Begriff «Industrie 4.0» fällt heutzutage immer häufiger in der IT- und Businesswelt. Er beschreibt die vollständige Digitalisierung der Industrie, mit dem Ziel, mit technologischen Lösungen wie Robotern den nächsten Schritt in der Automatisierung von Aufgaben zu gehen. Die Einsparpotentiale gelten als vielversprechend.
Die Industrie 4.0 umfasst dabei nicht nur Produktionsstätten, wie man aufgrund der Namensgebung evtl. vermuten könnte. Auch Unternehmungen, die keine direkte Beziehung zur Produktion haben (zum Beispiel Banken) sind betroffen.
Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Arbeitsprozesse der Banken stark. Dabei werden die menschlichen Arbeitskräfte nicht nur unterstützt, sondern immer häufiger auch ersetzt. Demzufolge stellt sich die Frage: Wird die Digitalisierung die Banker ersetzen und somit Banken ohne Banker schaffen?
Um in der gegebenen hektischen Umgebung überleben zu können, müssen sich Banken auf zwei Arten von ihrer Konkurrenz abheben: 1.) Kosten senken und Prozesse optimieren sowie 2.) Kundenerwartungen berücksichtigen, insbesondere hinsichtlich der gewünschten einfachen Kommunikation mit der Bank.
Der Weg von der analogen zur digitalen Bank ist lang und die Komplexität der Regulierungsprozesse sowie das grosse Administrationsvolumen erschweren diesen Transformationsprozess. Die Tatsache, dass die Digitalisierung kein «Kann», sondern ein «Muss» ist, zwingt die Banken, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen, um bisherige Kunden halten und die anspruchsvolle junge Generation zufriedenstellen zu können. Hier stossen wir auch auf einen sehr interessanten Begriff: Emotionelle Intelligenz. Mehr darüber kann man auch in diesem Blog lesen.
Bei der Digitalisierung stösst die Bank auf zwei zentrale Begriffe: Business Process Management (BPM) und Robotic Process Automation (RPA). 
BPM umfasst alle Methoden und Werkzeuge der Modellierung, Implementation, Ausführung, Steuerung und Optimierung von Bankprozessen und bereitet so den Weg vom analogen / manuellen Zeitalter ins digitale. RPA hingegen beschleunigt die Ausführung der Prozesse durch die Automatisierung repetitiver Aufgaben und stellt ein Software-Konzept dar. Beide Konzepte ergänzen sich und ermöglichen es, die zu bewältigenden Aufgaben schnellstmöglich zu automatisieren und vorhandene Hindernisse zu umgehen.
Herausforderungen von RPA sind: Steigerung der Effizienz zwischen (un)abhängigen Teilen des Bankensystems, Reduktion manueller und Zunahme digitaler Prozesse, Fokus auf Kundenwünsche und weniger auf komplexe Prozesse, einfache und schnelle Kommunikation, höhere Transparenz zur Erleichterung der Revision sowie schnelle Verarbeitung grosser Datenmengen.
Gemäss der Studie “Erfolgreich Automatisieren im Werkzeugbau“ (Werkzeugbau Akademie und Fraunhofer IPT, 2017) sollten sich Unternehmen nicht von den hohen Investitionskosten abschrecken lassen, da sich die Produktionskosten durch Roboterautomatisierung um bis zu 50% senken lassen. In der Kombination  mit dem Fakt, dass die Bearbeitungszeiten in automatisierten Back-offices mehr als 50% sinken, könnte es möglich sein, dass Kostenersparnis bei Banken noch auf einem höheren Level liegt.
Für heutige Banken gilt festzuhalten: Wer sich früh digitalisiert, kann seine Marktposition stärken. Wir befinden uns in der Übergangsphase vom traditionellen Kunden zum Kunden der neuen Generationen. In ein paar Jahren wird das Kundenportfolio von jungen Menschen gebildet werden, mit dem Bedürfnis einer schnellen und effizienten Kommunikation mit ihrer Bank. Solche Leistungen in ganz digitaler Form bieten schon heute globale Lösungen wie Revolut oder N26. Um in diesem Wettbewerb zu bestehen, müssen traditionale Banken ihr Angebot deutlich digitaler anpassen.
Das führt uns zur wichtigsten Frage: Welche bestehenden Jobs werden durch die Digitalisierung wegfallen? Und können die Banken wirklich ganz ohne Banker erfolgreich sein? Es ist definitiv zu früh abschliessende Antworten auf diese Fragen zu liefern. Dennoch ist es absehbar, dass künftig ein höheres Technologieverständnis von den Mitarbeitenden gefordert sein wird. Wer das nicht erfüllen kann, läuft gegebenenfalls Gefahr, dass seine Arbeit durch Robotic-Prozesse ersetzt wird. 

Dieser Beitrag wurde von Katarina Racic gepostet.

#Digitalisierung #DigitalBanking


Gastblog: PostFinance lanciert Hypothekenvermittlungsplattform «Valuu»

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Mit der App «Valuu» lanciert PostFinance die erste vollständig digitale Hypothekenvermittlungsplattform. Damit erhalten Nutzerinnen und Nutzer einen einfachen, schnellen sowie zeit- und ortsunabhängigen Zugang zur passenden Hypothek verschiedener Anbieter – sei es für den Neukauf oder die Ablösung. Verschiedene Hypothekenangebote vergleichen, Finanzierungsmöglichkeiten prüfen, Dokumente einreichen und die Hypothek direkt online abschliessen oder ablösen: Mit Valuu geht das ab sofort alles in einer App.

Die Bedienung der App, die in deutscher Sprache für iOS und Android zur Verfügung steht, ist kinderleicht: In einem ersten Schritt erfassen die Nutzerinnen und Nutzer die gewünschte Immobilie für den Abschluss oder die Ablösung einer Hypothek. Sie können ihre finanziellen Möglichkeiten prüfen, erhalten passende Vorschläge von Kreditgebern wie Banken, Pensionskassen und Versicherungen und stellen anschliessend den Kreditantrag. Ein «Matching-Algorithmus» zeigt dem Nutzer nicht unbedingt das günstigste, aber das für ihn passendste Angebot an. 

Bis und mit Abschluss des Vertrags mit dem Kreditgeber können die Nutzer alle Schritte selbstständig und ohne Beratungstermin direkt in der App durchgehen. Bei jedem Schritt haben Nutzer die Möglichkeit, sich für technische Hilfe oder fachliche Auskünfte telefonisch ans Kompetenzzentrum vom Valuu zu wenden.

Mit Valuu stillt PostFinance ein neues Kundenbedürfnis. «Wir haben uns im Vorfeld intensiv damit auseinandergesetzt, welche Geschäftsmodelle erfolgreich sind», sagt Thomas Jakob, Leiter des PostFinance-Plattformgeschäfts. «Die klassische Kunde-Anbieter-Konstellation, eine 1:1-Beziehung, dürfte in Zukunft nur noch bedingt ein Kundenbedürfnis sein.» Valuu löse dieses Problem, indem die App potenzielle Nachfrager und Anbieter am gleichen Ort vereine. Anders als bereits bestehende Plattformen gehe Valuu aber noch einen Schritt weiter: Die App vereinfacht nicht nur den Angebotsvergleich, sondern den gesamten Prozess bis zum Kreditantrag. 


Direkt in der App können User ihre Unterlagen, die sie oft nur auf Papier besitzen, fotografieren. Valuu stellt für sie ein Dossier zusammen und reicht es bei der entsprechenden Bank ein. Eine Hypothek könnte künftig also quasi vom Sofa aus und auch nach Mitternacht abgeschlossen werden. Somit spricht Valuu vor allem zwei Kundengruppen an: Aufwand- und Zeitminimierer sowie Leute, die vor dem Abschluss einer Hypothek zuerst sämtliche Angebote unabhängig und übersichtlich vergleichen wollen.

Auch auf Seite Kreditgeber bringt Valuu Vorteile: Die verschiedenen Anbieter können ihr Verbreitungsgebiet erweitern, die Kosten für die Gewinnung neuer Kunden senken oder den digitalen Prozess beschleunigen. 

Thomas Jakob versichert, dass PostFinance in diesem Vermittlungsmodell ausschliesslich die «Match-Maker»-Rolle einnimmt. Dafür hat das Valuu-Team mit verschiedensten Banken, Versicherungen und Pensionskassen Verträge abgeschlossen. Um die Unabhängigkeit als Betreiberin der Plattform zu gewährleisten, werden über Valuu keine Hypotheken von PostFinance vermittelt. Die Erträge für PostFinance kommen nicht von den Kreditnehmern, also den Valuu-Usern, sondern von den Gebühren, die die Kreditgeber an PostFinance bezahlen. 


Dieser Beitrag wurde von Angela Bönzli (PostFinance) verfasst.



#valuu #hypothekenplattform #postfinance #digitalisierung

Zahlungsverkehr - Rückblick und Ausblick

Anfangs Jahr hatte ich einige Prognosen angestellt, was die Finanzindustrie in der Schweiz im 2018 beschäftigen wird. Jetzt im Dezember werfen wir traditionsgemäss einen Blick zurück, um zu reflektieren, was in diesem Jahr tatsächlich an Projekten umgesetzt wurde, was allenfalls nicht eingetreten ist oder verschoben wurde.

Der vorausgesagte Trend zu mehr Outsourcing hat gemäss unserer Wahrnehmung nur bedingt stattgefunden. Es scheint so, dass insbesondere für kleinere und mittlere Banken der Druck zu mehr Outsourcing im Zahlungsverkehr noch immer nicht gross genug ist. Obwohl es viele neue Themen zu bewältigen gibt, scheint es doch so, dass noch viele Banken die Herausforderungen selbst meistern möchten.

Standardisierung und Automatisierung ist sehr wohl ein Thema, viele sogenannte Leuchtturmprojekte der Digitalisierung adressieren jedoch in erster Linie immer noch die Kundenschnittstelle und weniger die Backend-Prozesse. Beim Vorhaben «Harmonisierung Zahlungsverkehr» wurde mit der Migration des Formates DTA auf ISO 20022 sicherlich ein grosser Meilenstein erreicht. Heute, Ende 2018, gibt es nur noch wenige Kunden, welche nicht das neue Format für die Zahlungsaufträge einliefern.

Blicken wir auf die verwandten Themen, wie detaillierte Status-Reports oder Reporting ganz generell, gibt es je nach Institut noch einige Lücken zu schliessen. Dies ist umso wichtiger, da neue Anforderungen, wie QR-Bill, eBill oder Angebote im Schweizer Open Banking bereits in den Startlöchern stehen.

Die zukünftigen Möglichkeiten rund um die elektronische Rechnung bringen uns auch gleich zum Ausblick bezüglich der Schwerpunkte im kommenden Jahr. Es ist der erklärte Wille des Finanzplatzes Schweiz bis in 10 Jahren gegen 80% des Rechnungsvolumens elektronisch abwickeln zu wollen. Damit dies gelingt, müssen für alle Akteure die Prozesse einfacher werden und auch die entsprechenden Angebote, insbesondere im Bereich B2B, im Markt etabliert werden. 

Mit der Einführung des zentralen eBill-Portals ist ein erster Schritt zur Vereinfachung vollzogen worden. Nun gilt es, das Portal für die grossen Firmenkunden mit ihren hohen Rechnungsvolumen auf der Verkäufer- und Käufer-Seite so zu gestalten, dass eine elektronische Abwicklung attraktiv, d.h. einfach und kostengünstig umgesetzt werden kann. Hier könnte die Öffnung für weitere Netzwerkpartner eine zentrale Rolle spielen. Im Prinzip sollte für den Rechnungssteller der Prozess der Rechnungseinlieferung ähnlich einfach sein, wie der heutige Lastschrift-Einzug.

Warum können beispielsweise keine elektronischen Rechnungen über das Standardprotokoll EBICS transportiert werden? Als standardisiertes Format für die Übermittlung würde sich für einfache Rechnungen eine PDF-Datei mit QR-Code und entsprechender Kennzeichnung eignen. Für komplexe Rechnungen könnte man auf den Standard ZUGFeRD zurückgreifen. Man könnte ähnlich dem Zahlungsauftrag auf der Basis einer standardisierten Kommunikation mit einem Standardformat einen grossen Schritt Richtung der angestrebten 80% elektronische Rechnungen unternehmen.

Wenn wir die nationale Optik etwas verlassen, dann stehen uns internationale Mega-Trends ins Haus. Da wäre wie bereits letztes Jahr erwähnt, die Echtzeitzahlung, auch Instant Payment genannt, 7*24*365, ein hoch relevantes Thema. Es ist zu erwarten, dass im nächsten Jahr in vielen Europäische Märkten SEPA Instant Payments «the new normal» werden wird. Der Finanzplatz Schweiz wird sich diesem Trend und den damit steigenden Anforderungen der Kunden nicht wiedersetzen können, auch wenn einige Bankvertreter noch heute behaupten, dass dies kein echtes Bedürfnis sei. Unserer Meinung nach sollte sich jede Bank die Frage stellen, was wäre, wenn in der Schweiz ein solches Angebot lanciert werden würde. Welche Produkte, Prozesse und Systeme wären von einem solchen Paradigmen-Wechsel im Zahlungsverkehr betroffen?

Seitens SWIFT, dem immer noch zentralsten weltweiten Netzwerk für die Zahlungsübermittlung, wird Instant Payments unter der Initiative SWIFT gpi subsummiert. Banken, welche heute im Auslandzahlungsverkehr Dienstleistungen anbieten, beschäftigt dieser Begriff schon seit längerem. Mit der Einführung des SWIFT gpi Trackers, des gpi Observers und dem gpi Directory wurden erste Mehrwerte für Banken und Bankkunden geschaffen. Insbesondere Asiatische Banken scheinen SWIFT gpi im grossen Stil umgesetzt zu haben. Mit weiteren angekündigten Services, wie z.B. der gpi Pre-Validation kommen zusätzliche Angebote in diesem Kontext aufs Tapet. Möchte eine Bank den Anschluss nicht verpassen, ist es jetzt höchste Zeit die entsprechenden Projekte zu lancieren.

Betrachtet man all die soeben erwähnten Initiativen im Zahlungsverkehr, so stellt sich manch einem Produktverantwortlichen die Frage, wo er seine begrenzten Ressourcen mit welcher Priorität einsetzen möchte. Es gilt zunächst die Anforderungen für das eigene Umfeld möglichst lückenlos zu erfassen und die Auswirkungen zu beschreiben. Ist diese Aufgabe erledigt, kann eine Evaluation der Lösungsszenarien vorgenommen werden. Eine mittelfristige Zahlungsverkehrs-Roadmap ist aktuell wichtiger denn je. Denn eines ist sicher: die Entwicklung auf diesem Gebiet geht auch in den nächsten Jahren noch mit steigender Geschwindigkeit weiter.

Strategisch gesehen ist so eine Roadmap ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtbetrachtung. Globale Treiber müssen entsprechend eingeordnet und bewertet werden. Zu erwähnen wären hier beispielsweise Entwicklungen, die das Transaktionsvolumen nochmals erhöhen werden, wie z.B. Internet of Things oder der kontinuierliche Rückgang von Bargeldtransaktionen. Wollen die Banken der Entwicklung wie in Asien, wo heute bereits praktisch der gesamte Retail-Zahlungsverkehr von Nichtbanken abgewickelt wird, entgegenwirken, so müssen entsprechende Strategien ausgearbeitet werden. Als Alternative steht lediglich die Aufgabe dieser Dienstleistung zur Disposition. Ein Szenario, womit sich hierzulande wohl noch kein Institut so wirklich anfreunden möchte.

Wir von PPI als Spezialisten für Zahlungsverkehrs-Produkte und -Beratungs-Services stehen den Banken zur Seite und bringen unser Know-how und unsere Erfahrung in die spezifischen Projekte gerne ein. Sei dies als Sparring-Partner bei der Strategie-Entwicklung, bei der Begleitung im Themen-Priorisierungsprozess oder auch kurzfristig für die Überbrückung von Fachressourcen-Engpässen. Wir gehen davon aus, dass auch im nächsten Jahr der Bedarf an Fachspezialisten grösser sein wird, als die Banken mit eigenen Mitarbeitern und eigenen Produktentwicklungen werden abdecken können.

In diesem Sinne wünschen wir schöne Festtage und ein erfolgreiches 2019.

Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling verfasst.

Warum ist der Auslandzahlungsverkehr so kompliziert?

Die Erfassung von Zahlungsaufträgen im Onlinebanking der Hausbank ist in der Regel keine grosse Sache, wenn es um Zahlungen in der Schweiz geht und diese im besten Fall sogar wiederkehrend sind. Mittels Vorlagen und Assistenten gelingt die korrekte Erfassung auch «Otto Normalverbraucher». Kompliziert wird es, wenn z.B. eine Zahlung an die Gastfamilie des Kindes, welches aktuell in Mexiko als Au-pair beschäftigt ist, ansteht.

Mit etwas Intuition gelangt man auf den Erfassungsteil für Auslandzahlungen. Hier wird man im Stil der 70er-Jahre aufgefordert, die jeweiligen Adressen in strukturierter Art und Weise einzugeben. Bei den Fachbegriffen IBAN, BIC und Bankcode stellen sich dem normalsterblichen Anwender wohl schon die ersten Fragen. In dieser Art geht es dann weiter, denn wer kennt schon genau den Unterschied zwischen Grund, Referenz und Buchungstext? Auch Avis ist nicht gerade ein Wort des täglichen Gebrauchs.

Bild ZV Ausland kompliziert

Im Zeitalter von Google, künstlicher Intelligenz und den viel zitierten «Customer Journeys» erscheint einem eine solch komplizierte Erfassungsmaske als ein Relikt aus der Vergangenheit. Warum gelingt es den Entwicklern von Onlinebankenlösungen nicht, die Erfassung so zu gestalten, dass der Benutzer auch ohne detailliertes Fachwissen im Zahlungsverkehr schnell und einfach seinen Auftrag erfassen kann? Ideal wäre doch ein Ansatz, wie ihn Google auch für die Suche im Internet verwendet. Radikal einfach, eine einzige Zeile.

Bild ZV Ausland einfach

Mit heutigen Mitteln müsste dies mindestens die Ambition an zukünftige Releases sein. Idealerweise wird dem Kunden dann auch noch eine Angabe über die erwartete Übermittlungszeit (in unserem Beispiel nach Mexiko) und die Kosten angezeigt. Dies ist heute bereits möglich, da sowohl für die Schweiz (SIC), Europa (SEPA) und auch weltweit (SWIFT gpi) die relevanten Informationen der Bank vorliegen. Aus Sicht PPI wäre dies ein sinnvoller Ansatz zur Weiterverfolgung, bevor das nächste Innovations-Projekt der Digitalisierung gestartet wird.

Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling verfasst.

#Simplicity #Zahlungsverkehr

Die Echtzeitökonomie kommt im Zahlungsverkehr an

Seit geraumer Zeit predigen wir von PPI es immer und immer wieder: Instant Payment ist eines der wichtigsten oder besser gesagt das „entscheidende“ Losungswort im Zahlungsverkehr der nahen Zukunft. Wir haben uns in vergangenen Blogs periodisch mehrfach dem Thema angenommen. Die Tendenz dazu kommunizierten wir bereits vor einigen Jahren, so zum Beispiel im Beitrag vom Juni 2016 „Behavioral Economics & Payment Industry – wie werden wir in Zukunft bezahlen?“. Später dann, im Mai 2017, wies Carsten Miehling unter dem Titel „Instant Payments - The New Normal?“ konkreter auf die Ausgestaltung des Services und auf mögliche Anwendungsfelder hin. Im Beitrag über das Frankfurter Payment Network von Februar 2018 war Instant Payment auch für die EZB und natürlich für EBA-Clearing ein ganz wichtiges Thema und wir entschieden uns zu Recht und erfolgreich, den Top Event im April 2018 unter dieses Thema zu stellen. 

Aber was macht uns so sicher, dass Instant Payment wirklich „The New Normal“ wird? Ganz einfach, die Wirtschaft liebt und verlangt Instant Payment. Warum? Weil die Kosten für die Absicherung des Ausfallrisikos beim Händler wegfallen. Weil dieser sofort nach der Transaktion über den eingegangenen Betrag verfügen kann. Weil Zwischendienstleister ausgeschaltet werden können. Weil es zu sinkenden Kosten aufgrund von mehr Wettbewerb im Zahlungsverkehr führen wird. Weil das Liquiditätsmanagement der Corporates erheblich vereinfacht wird und weil u.U. der Umsatz erhöht werden kann, wenn dadurch z.B. die Lagerzeit verkürzt und die Abläufe instant und nahtlos aufeinander abgestimmt werden können.

Für Logistiker ein Traum und für die Banken ein (Alp-)Traum?
Wie angetönt glauben wir, dass kein Weg an Instant Payment vorbeiführt. Wie bei anderen Digitalisierungsprojekten auch, müssen die Banken in ihre IT investieren und entsprechende Anpassungen im Backend vornehmen, oftmals muss dieses auch modernisiert werden. Was also ist die Motivation für Banken, wenn es eigentlich nur nach zusätzlichen Kosten aussieht? Dass diese nicht gering sein werden, liegt auch daran, dass neben den IT-Systemen auch Prozesse und Produkte im Zahlungsverkehr betroffen sein werden. Gewisse Konstellationen, die von dem Umstand der verzögerten Ausführung und den Bankwerktagen geprägt sind, fallen auf einmal weg. Betrachtet man die währungsübergreifende Zahlungsabwicklung wird die ganze Sache noch komplexer und aufwendiger.

Um das zu beantworten, müssen weitere Abhängigkeiten verstanden werden. Grosskunden springen z.B. in Deutschland auf den Zug von SEPA Inst auf. Ein Dienst, der ursprünglich für Einzelzahlungen gedacht war, wird heute bereits von Firmen wegen des Liquiditätsmanagements und des Informationsflusses für Bulk-Zahlungen genutzt. Denn die Rückmeldung, ob die Zahlung ausgeführt wurde oder nicht, ist für den Sender umgehend verfügbar. Je nach Branche und Prozess kann das eine entscheidende Information sein. Wenn ich als Grosskunde regelmässig zeitkritische Zahlungen ausführen muss, werde ich mir logischerweise eine Bank suchen, die Instant Payments kann. Auch wenn Grosskunden häufig mehrere Bankverbindungen unterhalten, ist es durchaus interessant, die Hauptbank des Kunden zu sein. 

Welche Rolle soll ich als Bank künftig im ZV spielen?
Darauf aufbauend stellt sich natürlich ganz grundlegend die Frage, welche Rolle ich als Finanzinstitut in Zukunft einnehmen möchte und ob Zahlungsverkehr aus strategischer Sicht da dazu gehört. Und wenn ja, dann bitte richtig. 

Mit SEPA Inst ist der Wettbewerb unter den Banken in Deutschland seit diesem Jahr voll im Gange. Die Hypo-Vereinsbank war die erste und bot diesen Service bereits ab November 2017 an. Im vergangenen Sommer folgte dann die Sparkassen-Finanzgruppe und bis Ende des Jahres wollen auch die Volks- und Raiffeisenbanken die technischen Voraussetzungen schaffen und ihren Kunden ab 2019 nach und nach Echtzeitüberweisungen zur Verfügung stellen. Bisher verlangen die Institute für diesen Service noch ganz unterschiedliche Gebühren, vgl. die Aufstellung hier. Aber aufgrund des starken Wettbewerbs ist mit einer baldigen Angleichung der Preise zu rechnen. Hier stellt sich die Gretchenfrage, ob solche Zahlungen mittel- und langfristig auch kostenlos sein werden. Allenfalls ist der Ansatz aus Holland gleich alle und zwar wirklich alle Zahlungen instant abzuwickeln der beste Ansatz, da dann die (kostspielige) Fallunterscheidung wegfällt.

Aus Schweizer Sicht könnte man sich nun entspannt zurücklehnen und argumentieren, dass der Anteil an Euro-Zahlungen bei uns verhältnismässig gering sei. Im Vergleich zum Volumen der Inlandzahlungen ist das wohl wahr. Doch Instant Payments machen aufgrund der aufgeführten Gründe v.a. für grosse Corporates auch im Inland Sinn und es geht mehr denn je darum, als Bank den Anschluss nicht zu verpassen. Es ist sowieso anzunehmen, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch ein Instant-Schema für den Schweizer Franken implementiert werden wird (analog den Nicht-Euro-Länder wie Polen oder Ungarn). Und wenn die hiesige Finanzindustrie sich nicht oder nur zögerlich bewegt, muss davon ausgegangen werden, dass ausländische Banken mit Niederlassungen in der Schweiz beginnen, ihren Kunden diesen Service über die Infrastruktur der Muttergesellschaft anzubieten. 

Das Wettrennen ist also auch hierzulande eröffnet und wir sind gespannt, wann die ersten richtigen Angebote der heimischen Finanzindustrie auf den Markt kommen. 

Dieser Blog wurde von Matthias Hungerbühler veröffentlicht.

#InstantPayments #Zahlungsverkehr


Das «Migrieren» geht weiter - SWIFT MX

Nach ISO 20022 ist vor ISO 20022
Nach SEPA und der Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz ist ISO 20022 nun auch beim internationalen Zahlungsverkehr angekommen. SWIFT hat anlässlich der SIBOS in diesem Herbst in Sydney nun (endlich) den Fahrplan und das Fenster für die Migration der SWIFT MT Nachrichten auf das ISO-20022-basierende MX Format bekanntgegeben. 

Für Banken bedeutet dies einen weiteren Task auf der langen Liste der anstehenden ZV-Projekte, den es zu planen und priorisieren gilt. 

Die SWIFT Plattform ist schon seit einiger Zeit ISO-20022-fähig und jeder MT Nachricht wird eine äquivalente MX Nachricht angefügt. Umgekehrt werden bei den Marktteilnehmern, welche schon ISO-20022-fähig sind, den MX Nachrichten äquivalente MT Meldungen angehängt. So stellt SWIFT sicher, dass jeder Teilnehmer die seiner Infrastruktur entsprechende Nachricht erhält.

Gründe, warum SWIFT die Migration im Zahlungsverkehr nun vorantreibt, gibt es einige:
  • ISO 20022 hat sich im Bereich Zahlungsverkehrsinfrastrukturen etabliert und wächst weiter. Ende 2022 werden die Massenzahlungssysteme für die fünf meistgehandelten Währungen auf ISO 20022 umgestellt haben.
  • Die Teilnahme an Real-Time (Instant) Payment Schemas setzt voraus, dass Banken ihre Zahlungsverarbeitungsfähigkeiten in verschiedenen Bereichen erweitern und dazu gehört auch die Unterstützung von ISO 20022.
  • Banken, welche direkt an Massenzahlungssystemen oder auch an anderen Zahlungssystemen teilnehmen, müssen ISO-20022-fähig sein.
  • ISO 20022 im Auslandzahlungsverkehr verlangt, dass Daten von einer ISO 20022 MI (Market Infrastructure) ohne das Risiko eines Datenverlustes bzw. ohne Trunkierung transportiert werden.
  • ISO 20022 bietet erhebliche Vorteile im Bereich Zahlungskonformität und Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben. So werden z.B. erweiterte Überweisungsinformationen angeboten.
  • Die Interoperabilität zwischen grenzüberschreitenden Zahlungen und inländischen Real-Time Schemas würde durch die Verwendung einer ISO-20022-Ende-zu-Ende-Zahlungsabwicklung erleichtert.

Bislang hat sich SWIFT Zeit gelassen, einen verbindlichen Migrationstermin festzulegen. Zur Terminierung und Machbarkeit dieser Migration hat SWIFT eine umfassende Marktstudie mit allen Teilnehmern erhoben. Die Studie und die dazu gewonnenen Erkenntnisse können hier eingesehen werden:

Aufgrund dieser Studie wurde nun die Migration im Zeitraum von 4 Jahren von 2021 bis 2025 definiert. Dies bedeutet, dass alle Marktteilnehmer bis 2025 ihre SWIFT Anbindung auf ISO 20022 umgestellt haben müssen.
Dies erscheint auf den ersten Blick eine lange Frist. 6 Jahre – das dauert ja noch eine Weile. Erinnern wir uns aber sowohl an die SEPA Umstellung als auch an die Harmonisierung ZV Schweiz, wo das Thema jeweils oft fast zu lange vor sich hergeschoben wurde, so wird klar, dass man das Grossprojekt MX nicht auf die lange Bank schieben sollte. 

Ein Standardwechsel bietet auch die rare Gelegenheit, suboptimale Geschäftsprozesse zu überdenken und diese durch verbesserte Abläufe zu ersetzen. Oder gar neue Lösungen ins Auge zu fassen. Als Denkanstösse seien hier nur die erweiterten Überweisungsinformationen im Gegensatz zu den bisherigen 140 Zeichen und die möglichen Verbesserungen bei der Bearbeitung von Ausnahmefällen oder Nachforschungen erwähnt. Die Erfahrungen aus den bisherigen Migrationen haben gezeigt, dass diese häufig als reine Formatwechsel betrachtet und die Optimierungspotentiale oft erst während der Umsetzung erkannt wurden. So entstanden, wenn überhaupt, Insellösungen. Die Chance auf eine systemweite Sicht und die optimierte Gestaltung von Datenhaltung und Prozessen war vertan.

In diesem Sinne bietet das Migrationsfenster von SWIFT für Zahlungen und Wertpapiere einen schönen Zeitraum, um die Prozesse rund um SWIFT Zahlungen frühzeitig und ganzheitlich zu betrachten. Und in diesem Kontext sollte auch das Zusammenspiel von SWIFT MX und SWIFT gpi sowie die sich daraus ergebenden Lösungspotentiale nicht vernachlässigt werden. Ein weiterer Grund, früh mit Analyse und Migration zu beginnen, ist, dass die ISO-20022-Kenntnisse und -Erfahrungen aus den gerade getätigten Harmonisierungen auch bei den internen Leistungsträgern noch sehr präsent sind. In zwei, drei Jahren wird dies so nicht mehr der Fall sein und das Wissen muss wieder von neuem aufgebaut werden.

Die Experten von PPI können Sie sowohl bei der Analyse Ihrer Zahlungsverkehrsinfrastruktur unterstützen, wie auch bei der Migration von SWIFT MT auf SWIFT MX begleiten.

Dieser Beitrag wurde von René Heusser verfasst.

#SWIFT #Zahlungsverkehr

Risikomanagement und IT-Regulatorik: Unsere Teilnahme an der Fachtagung im bayerischen Freising

Seit nunmehr 5 Jahren trifft sich eine Gruppe vorwiegend eigenständiger, mittelständischer deutscher Banken im oberbayerischen Freising für einen mehrtägigen Austausch rund um die Themen Gesamtbanksteuerung und Risikocontrolling, Revision und Compliance. Wissenschaftlich begleitet wird die halbjährlich stattfindende Tagung von Professor Stefan Zeranski, der ein enzyklopädisches Wissen über aktuelle regulatorische Anforderungen mit dem Sinn für’s Wesentliche kombiniert.
Für die Präsentation unserer Studienergebnisse unter Anwendung der Software cysmo aus dem Hause PPI (wir berichteten) durften wir als einzige Nicht-Bank am vertrauten Seminar teilnehmen.

Welche Anforderungen, aber auch Chancen werden von den Teilnehmern in diesen Bereichen gesehen? Unter den zahlreichen Regularien und Vorschriften, die über Bafin, EBA, EZB und andere Aufsichten gestellt werden – es handelt sich um viele hundert Seiten pro Jahr – sticht das Thema IT-Regulatorik heraus. Im Speziellen erschienen als Konkretisierung der deutschen MaRisk bzw. als Reaktion auf die EBA ICT Guidelines im vergangenen Jahr die BAIT (Bankaufsichtliche Anforderungen an die IT). Dieser kurze Text, von der Bafin als blosse Konkretisierung betrachtet und daher ohne Übergangsfrist umzusetzen, führte zu intensiven Gesprächen unter den Teilnehmenden. Einige Institute konnten schon über Erfahrungen bei der IT-Tiefenprüfung berichten, die in teils signifikanten Risiko-Aufschlägen resultierten.

Aber worum geht es in den BAIT? Der Text befasst sich detailliert mit Berechtigungsmanagement und IT-Betrieb, Informationsrisikomanagement und Auslagerungen. Eine Dokumentenflut trifft die Institute, da gezielte IT-Sicherheitsstrategien und Governance-Regeln im Einklang mit der Geschäftsstrategie zu formulieren sind. Das klingt alles reichlich formal, jedoch verdeutlicht die Intensität und Rigorosität der aufsichtlichen Prüfungen, wie ernst das Thema IT-Sicherheit genommen wird. Dabei gilt, wie eine Teilnehmerin anmerkte: „Man kann sich vorbereiten wie man will, man wird trotzdem kalt erwischt”. Oder überwacht und updated Ihr Haus regelmässig die ausgelagerten IT-Dienstleistungen und berücksichtigt diese Auslagerungsfälle im Risiko-Management? Haben Sie alle IDVs sauber dokumentiert, versioniert und Verantwortliche benannt?

Ähnliche Anforderungen gelten über die Corporate Governance- und OpRisk-Neufassungen auch immer mehr in der Schweiz. In der diesjährigen Jahresmedienkonferenz stellte Finma-Direktor Branson fest, dass Cyber-Risiken das grösste OpRisk für Banken sind. Seine deutschen Kollegen pflichten bei, dass „IT-Governance und Informationssicherheit für die Aufsicht inzwischen den gleichen Stellenwert haben wie die Ausstattung der Institute mit Kapital und Liquidität (Bafin: BAIT: BaFin veröffentlicht Anforderungen an die IT von Banken). Man ergänze gedanklich: «... und wird daher ebenso streng kontrolliert wie diese.» Gleichzeitig gelten in einer real-time economy auch immer strengere Vorschriften für Datenaggregation, -Qualität und Reporting. Es ist also anzunehmen, dass IT-Themen im Fokus der Aufsicht bleiben, selbst wenn der Zenit der regulatorischen Kreativität langsam erreicht scheint.

Das zumindest war der Konsens der anwesenden KMU-Banken. Einerseits sind deren IT-Systeme weniger fragmentiert als bei vielen grossen, andererseits fällt es besonders ihnen schwer, entsprechendes Know-How zu gewinnen. Insofern könnte die IT-Regulatorik auch als Katalysator für die Konsolidierung im Finanzsektor wirken oder zumindest als Anreiz, Kooperationen konkreter ins Auge zu fassen. Dies zeigte auch unsere Analyse mit cysmo®: Kleine Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind bedeutend besser gegen Cyber-Angriffe geschützt als gleich grosse, aber eigenständige Banken. Immer zentraler wird es auch bei den ohnehin anstehenden Modernisierungen der IT-Landschaften, Mehrwerte zu generieren. Schliesslich teilen sich die deutschen Banken bei der Eigenkapitalrendite mit Griechenland, Portugal und Zypern die letzten Plätze in der Währungsunion!

Es bleibt also spannend für die vielen mittelgrossen Banken in Deutschland, aber auch für die Konkurrenz in der Schweiz. Sehr hilfreich ist es vor diesem Hintergrund, in geschütztem Umfeld Klartext reden zu können. Wie spannend das ist konnten wir in Freising bestaunen.

Dieser Beitrag wurde von Sebastian Strub verfasst.

#Regulation #PPIonTour #cysmo

Die Frage ist nicht «ob», sondern «wann»... – PPI Frühstücks-Event SWIFT gpi

Wir freuen uns es immer wieder zu schaffen, relevante Themen des ZVs mit den richtigen Ansprechpartnern zu bearbeiten. So geschehen am 13.11. Restaurant „Au Premier“ am Zürcher
Hauptbahnhof an unserem exklusiven PPI Frühstücks-Event, diesmal zum Thema SWIFT gpi. Vertreten waren sowohl Grossbanken, als auch Kantonal- und Privatbanken verschiedenster Grösse aus der Schweiz und Liechtenstein, um bei Kafi und Gipfeli den Vorträgen zu folgen, zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. 

Nach einer bereits sehr gesprächsreichen Ankunftsphase wurde das Event offiziell mit einer Begrüssung der Teilnehmer und Vorstellung unserer Speaker Roger Inderbitzin (SWIFT) und Natalia Blatter (UBS) eingeleitet. Roger stellte daraufhin in seinem 30-minütigen Vortrag als Erstes den Service SWIFT gpi sowie dessen dazugehörigen Kernkomponenten (Tracker, Observer, Directory) inklusive deren Funktionsweise und den Hintergründen vor. Neben den Anforderungen von Corporates erklärte er hierbei auch umfassend, welche Benefits sich für den Bankensektor ergeben und warum eine Teilnahme für Banken nicht nur als «nice to have» zu sehen ist. Dass dieses Verständnis bereits im Bankensektor angekommen ist, belegte er mit imposanten Zahlen und Statistiken. So sind bereits 1 Jahr nach Einführung mehr als 85 Finanzinstitute live. Über 295, davon 49 der 50-Top-Banken, die sich zur Einführung des «neuen» Service bekannt haben. Auch die Abdeckung von 35% der grenzüberschreitenden MT103, welche bereits als gpi-Zahlungen prozessiert werden, sind für diesen doch recht kurzen Zeitraum ein sehr deutliches Signal, in welche Richtung sich der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr zukünftig bewegt. Weiterführend wurden sowohl die (zumindest auf die Rahmenbedingungen bezogen) recht simplen Teilnahmemodalitäten, nämlich die der Unterwerfung dreier Rulebooks (gCCT, gCOV und gSRP), als auch Ansätze und Möglichkeiten der Umsetzung (taktisch/strategisch) näher erläutert. Auch eigentlich ursprünglich nicht vorgesehene, zusätzliche Möglichkeiten wie beispielsweise das Tracking nationaler Zahlungen (von SWIFT als sogenanntes «domestic lag» bezeichnet) wurden hierbei hervorgehoben. 

Es folgte der Ausblick auf weitere von SWIFT geplante Services. Neben der MX Migration, gpi for Securities oder gpi for Corporates wurde besonders der Pre-Validation Service hervorgehoben. Dieser kann mittels API in den Kundenportalen eingebunden werden und bietet Kunden die Möglichkeit, Zahlungen vor Ausführung sowohl auf Korrektheit zu prüfen, als auch voraussichtliche Leitwege, Kosten und Dauer der Zahlung transparent darzustellen. Ein weiterer, gerade für kleine Banken sehr interessanter Punkt war die Vorstellung des «Tracker for all», welcher aller Voraussicht nach ab 2019 kostenfrei angeboten wird. Auch wenn die eigentlichen Mehrwerte von SWIFT gpi hierbei ausgeschlossen sein werden (lediglich «light-Version» via GUI), bietet sich dennoch die Möglichkeit, aufgrund der zukünftigen Nachverfolgbarkeit aller Zahlungen, eine vereinfachte Zahlungsrecherche durchführen zu können. Nichtsdestotrotz stellte Roger auch klar, dass SWIFT den Auftrag hat, gpi als «new norm» bzw. «the new normal» im internationalen Zahlungsverkehr zu setzen und infolgedessen auch nichtteilnehmende Banken ab voraussichtlich 2020 unter anderem Empfangs- bzw. Eingangsbestätigungsmeldungen absetzen müssen. Ein weiterer Grund sich rechtzeitig mit der Materie zu befassen und, um neben den Aufwänden auch die Potentiale nutzen zu können, über eine Einführung von SWIFT gpi nachzudenken.

Trotz der intensiven Diskussionen und Gespräche, die bereits während unserer anschliessenden kurzen Erfrischungspause entstanden sind, konnten wir unschwer die Aufmerksamkeit unseres Auditoriums auch für den zweiten Teil unserer Veranstaltung wiedergewinnen. Natalia beleuchtete in ihrem Vortrag die Erfahrungen und Gedanken, die sich UBS als erste (richtige) Schweizer Bank, welche mit gpi live gegangen ist, gemacht hat. So berichtete sie, dass das Schweizer Clearing-System (SIC) vollständig gpi kompatibel ist und erläuterte die bereits von Roger erwähnte Möglichkeit, neben dem Tracking von grenzüberschreitenden Zahlungen auch den nationalen Zahlungsverkehr durch entsprechende Meldungsabgaben und Handlungsweisen nachverfolgen zu können. Somit besteht die Möglichkeit (optional) die Vorteile von SWIFT gpi auch auf nationale Zahlungen anzuwenden. Ein Mehrwert mit riesigem Potential, welcher aber ebenfalls nur den an SWIFT gpi teilnehmenden Banken zur Verfügung steht. Auch das diesjährige, sehr umfangreiche SWIFT Standard-Release und die Vorteile, die sich hieraus für alle gpi-Banken ergeben, wurden tiefgründig beschrieben. Für Banken, welche SWIFT gpi nicht oder noch nicht umsetzen, stellt sich hierbei die Frage, ob und wie lange es sinnvoll ist Aufwände betreiben zu müssen, ohne das zugehörige Potential heben zu können. Gerade im Hinblick auf die Pläne von SWIFT, dass ab voraussichtlich 2020 jede Bank Statusmeldungen absetzen können muss (Zahlungsempfang), erreicht diese Frage ein ganz neues Niveau, denn die Umsetzung der Statusmeldungen war gemäss Natalia das Aufwendigste und Komplexeste der ganzen Einführung von SWIFT gpi. 

Ihre Ausführungen zu den Usecases und den Gründen, warum jede Bank sich ernsthaft mit der Einführung von gpi auseinandersetzen muss, resultierten recht schnell in dem klaren Ergebnis, dass sich für Banken, die diesen Markt zukünftig noch bedienen wollen, nicht mehr die Frage stellt ob sie SWIFT gpi einführen, sondern wann. Je länger man wartet, desto grösser werden der Aufwand, die Kosten und der Abstand zum «State of the Art» und damit zur Markttauglichkeit. Abschliessend stellte Natalia den aktuellen Umsetzungsstand sowie die weiteren Pläne der UBS vor und lud alle Teilnehmer ein, gemeinsam mit SWIFT gpi in die Zukunft des internationalen Zahlungsverkehrs einzusteigen.

In der folgenden Diskussions- und Fragerunde tauschten die Teilnehmer ihren aktuellen Stand zu SWIFT gpi aus. Herwig Ganz teilte in der Diskussionsrunde nochmals die Erfahrungen der kurz vor dem «going live» stehenden Crédit Suisse und bestätigte Natalia nachdrücklich in ihren Empfehlungen, sich dringend mit der Einführung auseinanderzusetzen. Alternativ bleibt eine Entscheidung zu treffen, den internationalen Zahlungsverkehr entsprechend auszulagern bzw. abzutreten, was im Übrigen ebenfalls nicht unerhebliche Aufwände und teils komplexe Fragestellungen mit sich bringt. Entscheidend für eine erfolgreiche Marktpositionierung und mit eine der grössten Schwierigkeiten ist die richtige Priorisierung und Koordination aller derzeit laufenden und anstehenden Themen im Zahlungsverkehr. Nur einer der vielen Bereiche, bei denen wir Sie unter anderem mit unserem Priorisierungsnavigator und unseren Beratungsleistungen unterstützen können.

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Es hat sich wieder mehr denn je gezeigt, wie wichtig es ist, bankübergreifend Themen zu besprechen und zu behandeln. Von der Einführung und Umsetzung von SWIFT gpi können alle Banken profitieren, somit ist es auch wenig verwunderlich, dass die bisherigen Erfahrungen der teilnehmenden bzw. umsetzenden Banken weit weg von einem Konkurrenzdenken sind. Mit gpi hat sich eine starke und eingeschworene Gemeinschaft entwickelt, welche von einem so noch nie dagewesenen Austausch und Miteinander profitiert. Eine sehr eindrückliche Erfahrung, die unsere Teilnehmer an unserem Frühstücks-Event machen durften. An dieser Stelle nochmals einen herzlichen Dank an unsere Referenten Roger Inderbitzin und Natalia Blatter sowie an unsere Teilnehmer für ein für alle sehr bereicherndes und gelungenes Event.

Dieser Beitrag wurde von David Lehr verfasst.

#SWIFTgpi #ZVFrühstück