Emotionale Attraktivität als eines der Schlüsselelemente für Kundenbindung?

Es wird Tag, es wird Nacht und nach einiger Zeit müssen auch die Junggebliebenen unweigerlich feststellen, dass man selbst und das Umfeld sich verändert haben.  Man ist älter geworden und die, die eigentlich mal ganz klein waren, stehen auf einmal mitten im Leben. Dies gilt sowohl im Privaten wie auch in der Arbeitswelt. Doch sind die „neuen Grossen“ anders als wir. Mit anderen Herangehensweisen, mit anderen Denkweisen und mit anderen Ansprüchen. Mit Blick auf den Finanzmarkt bedeutet das, dass eine neue Generation an Kundschaft angekommen ist - die Generation Z.

Die Generation Z
Die Generation Z beschreibt grob gesagt die Altersgruppe der (je nach Auslegung) ab 1995 bzw. 2000 Geborenen und stellt somit die 2. Generation der „Digital Natives“ dar. Was für die Generation X noch Atomphysik gleicht und für die Generation Y immer noch eine Art Paralleluniversum ist, ist für die Generation Z schon immer da gewesen. Sie sind die, die im Web 2.0 und damit in einer von ihnen mit Handy und Tablet gesteuerten digitalen Welt der Wischtechnik leben und aufgewachsen sind. Durch permanente Verfügbarkeit kann und wird Wissen selektiv, schnell und ohne grosse Hürden aufgebaut. In den Momenten, in denen man früher ins Lexikon schaute oder sogar den Weg in die Bücherei wagte,  helfen heute Siri und Alexa. Räumlich und zeitlich fixe Strukturen sowie ein festgelegtes Leben bieten keine Option mehr. Angetrieben durch das Verlangen immer noch ein bisschen besser zu werden und etwas zu bewegen, steht die Generation Z im Gegensatz zu dessen, was die Bankenwelt früher und auch heute meist noch darstellt.

Bank früher – Bank heute
Eine Bank war früher eine Institution. Eine Entscheidung für‘s Leben, die meistens ebenfalls auf die Kinder übertragen wurden. Die Entscheidung welcher Bank man sein Geld anvertrauen wollte, war geprägt durch Faktoren wie Nähe, Qualität, persönlichen Kontakten und Sympathie. Das Geschäft war einfach, ohne allzu viel Veränderung und Vielfalt und vor allem, es war ein „Bring Geschäft“. Wertvorstellungen, die gefühlt noch heute in den Köpfen einiger Banker und damit auch in einigen Banken vorherrschen. 

Dass dies jedoch so nicht mehr dem heutigen Bankgeschäft entspricht, lässt sich nicht abstreiten. Regulatorik, Digitalisierung, Marktöffnung und Innovation beschäftigen die Bankenwelt mehr denn je. Der späte Einstieg und die verspätete Einsicht führten bei vielen Banken dazu, dem heutigen „Standard“ immer einen Schritt hinterher zu sein. 
Trends werden heutzutage meist nicht durch Banken, sondern durch andere Player auf dem Markt gesetzt. 

Hinzu kommt, dass für viele die Modernisierung einer Bank mit der Digitalisierung und Einführung einiger Innovationen bereits umfassend abgedeckt zu sein scheint. In Zeiten, in denen jedoch FinTechs innovative und globale Finanzprodukte wie am Fliessband produzieren und eine komplette Bankbeziehung binnen Minuten gewechselt werden kann, braucht es mehr, um jüngere und zukünftige Generationen zu begeistern und zu halten. 


Emotionale Attraktivität als eines der Schlüsselelemente für Kundenbindung?
Wie schafft man es nun das für die Generation Z als steif und eingestaubt empfundene Image umzuwandeln? Ein einfaches Aufpolieren oder Digitalisieren ist wenig bedürfnisbefriedigend. Vielmehr müssen die Kernanforderungen und Ansprüche der Generation aufgenommen und umgesetzt werden.

Ein Ansatzpunkt dürfte hierbei beispielsweise unter dem Stichwort „Gamification“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Gamification) zu finden sein. Der Motivations- und Emotionsaspekt ist in der Gamification zentral und bietet gerade auch im Banking oder allgemein im Finanzbereich viele Möglichkeiten. Getreu dem Motto „alles ist ein Spiel“ gibt es bereits heute verschiedene Anwendungen, in denen z.B. die Vermögensplanung wie ein Videospiel aufgebaut ist. So lassen sich beispielsweise Aktienportfolios wie Fussballmannschaften gegeneinander antreten und Star-Investoren wie Warren Buffett in das eigene Team wählen.

Was auf den ersten Blick vielleicht etwas unseriös klingt, wird heute jedoch von diversen FinTechs erfolgreich eingesetzt. Simple Anreize können bereits über Zieldefinitionen, Fortschrittsbalken, (anonyme oder fiktive) Highscores / Ranglisten oder auch Belohnungssysteme (z.B. für Zielerreichung oder aber auch Beratungen oder Filialbesuche) generiert werden. Der Vorteil: Durch den spielerischen Zugang werden bei Kunden Emotionen geweckt und die Konsequenzen des eigenen Handelns können sichtbar gemacht werden. 

Gamification ist in diesem Sinne keine Spielerei, sondern längst ein fester Bestandteil in der Gestaltung von Online-Angeboten und - Auftritten. Für Banken bietet sich so die Möglichkeit, gerade die jungen Kundengruppen über emotionale Anreize besser an sich zu binden und auf spielerischem Weg finanzielles Knowhow zu vermitteln. 

Dennoch ist dies nicht als alleinige Lösung zu sehen, sondern vielmehr als mögliches Bindeglied zwischen den Grundbedürfnissen dieser Generation: Globalität, Vernetzung, Einfachheit, Schnelligkeit, Flexibilität und ganz besonders Wertschätzung und Sinnstiftung.
Die Kunst liegt darin, diese Bedürfnisse abzudecken und mit Motivation und emotionaler Attraktivität zu einem zukunftsfähigen Angebot zu verschmelzen.

Um den Zeitgeist zu treffen ist es jedoch elementar, dass nicht nur die digitalen Angebote und Produkte Beachtung finden, sondern auch wie man sich physisch und vor Ort verkauft. Die Zeiten sind vorbei, in denen pompöse Bauten und ein adretter Anzug mit Krawatte das Sinnbild für Kompetenz darstellten. Es braucht neue Wege, neue Konzepte und vielleicht auch bislang nicht vorstellbare Herangehensweisen, um die zu gewinnen, die wissen, dass IHNEN die Zukunft gehört. Der Weg dahin wird unweigerlich dahin gehen, junge Leute mit einzubeziehen und deren (wenn auch) unkonventionellen Konzepten offen gegenüberzustehen. Denn wer weiss besser über die Bedürfnisse, Denkweisen und Ansprüche einer Generation Bescheid, als jemand, der dieser angehört.


Dieser Blog wurde von David Lehr verfasst

#GenerationZ #Millennial #DigitalNative #Gamification #FinTech

Warum man sich als Experte im Zahlungsverkehr mit Ripple beschäftigen sollte


In diesem Blog wurde schon verschiedentlich grosse Skepsis gegenüber Blockchain-Lösungen im Zahlungsverkehr geäussert. Vor dem Hintergrund der aktuellen "Instant Payment"-Initiativen in Europa und weltweit, welche auf den klassischen Clearing- und Settlement-Systemen basieren, scheint ein auf Blockchain basierendes Zahlungsverkehrssystem aktuell nicht wirklich eine valable Alternative darzustellen (zu langsam, zu unsicher, fehlende Regulierung, mangelndes Vertrauen in Anbieter, sehr hohe Volatilität der eingesetzten Kryptowährungen etc.).

Was ist also nun anders im Fall von Ripple, respektive warum könnte Ripple tatsächlich für gewisse Anwendungsfälle eine seriöse Alternative zu den bestehenden Zahlungsverkehrsangeboten darstellen? Das offensichtlichste Unterscheidungsmerkmal gegenüber Bitcoin und Co. ist die Zusammenarbeit mit etablierten Finanzinstituten (z.B. UniCredit, Santander und Crédit Agricole), welche die Funktion des vertrauenswürdigen Gateways zwischen den Währungen wahrnehmen. Für die Schweiz wird die Grossbank UBS als Partner aufgeführt. Betrachten wir zunächst das Konstrukt Ripple als solches.

Zunächst einmal ist Ripple – XRP – eine Kryptowährung, vergleichbar mit Bitcoin, Ethereum oder Lifecoin, welche mit der für Kryptowährungen typischen hohen Volatilität im Markt gehandelt wird (aktueller Kurs ist z.B. ersichtlich auf https://www.coingecko.com/de). Daneben positioniert sich Ripple dank der Zusammenarbeit mit traditionellen Banken als verteiltes Peer-to-Peer-Zahlungsverfahren. Im Visier von Ripple sind die Angebote im internationalen grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Einem Bereich, wo Banken heute noch relativ gutes Geld verdienen.

Hinter Ripple steht auch kein typisches Open-Source Projekt, sondern die Firma Ripple Labs, Inc (www.ripple.com, ehemals Opencoin), welche das Ripple-Protokoll entwickelt. Sie wird von mehreren Investoren getragen, darunter Accenture, Andreessen Horowitz oder Google Ventures. Bei Ripple entfällt auch das typische Mining, da bereits alle XRP "premined" sind. Alle XRP-Coins sind bereits emittiert. Insgesamt wurden 100 Milliarden XRP erschaffen. Der Ertrag von Ripple besteht allein aus der erhofften Wertsteigerung der einbehaltenen XRP.

Das aus unserer Sicht interessanteste Ripple-Produkt heisst "xCurrent". Basierend auf dem sog. " Interledger Protocol" (ILP), ein (Open-Source-)Protokoll, welches das Senden von Transaktionen über verschiedene Blockchains erlaubt, betreibt Ripple unter der Marke " RippleNet" ein Netzwerk für den Austausch von Geldbeträgen unter "RippleNet"-Partner-Banken. Vereinfacht gesagt tauscht z.B. eine Bank in Europa den zu überweisenden Euro-Betrag in XRP, sendet diesen nach Amerika, wo er wiederum von XRP in Dollar umgetauscht wird. Da die ganze Transaktion nicht länger als ein paar Sekunden geht, wird das Währungsrisiko weitestgehend eliminiert.

Die eingangs erwähnte Frage nach der Compliance versucht Ripple mit einem vom "RippleNet" Advisory Board entwickelten Rulebook zu lösen. Das Rulebook gibt dabei den operativen und rechtlichen Rahmen vor. "RippleNet"-Partner verpflichten sich bei Eintritt ins Netzwerk zur Einhaltung der im Rulebook definierten Regeln. Zusammenfassend attestieren wir von PPI der Technologie (nicht der Coin XRP an sich) hinter Ripple grosses Potential, sich als "Bitcoin der Banken" im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr für Kleinbetragszahlungen als eine mögliche Alternative zu etablieren. Die Gebühren in diesem Geschäft werden mit Lösungen wie Ripple weiter unter Druck geraten. Wohl der Hauptgrund, warum Banken selbst sich aktuell so intensiv mit Ripple beschäftigen.

Dieser Blog wurde von Carsten Miehling gepostet

#Ripple #RippleNet #XRP #Blockchain #Crypto

Weist uns die Biometrie den Weg in die sichere Zukunft?

Die Biometrie hält, dank neuen und sensibleren Sensoren, seit einiger Zeit Einzug in das IT-Business, und wir möchten in dieser Ausgabe einen Blick auf existierende und vielleicht noch künftige biometrische Signatur- und Authentifizierungsmöglichkeiten werfen und die Frage aufbringen, inwiefern denn eine biometrische Authentifizierung im Bezahlvorgang Sinn macht. 

Im Retail eBanking merken die Banken schon länger, dass die Verwendung von Tan-Nummern nicht sicher genug ist um sich einzuloggen oder Zahlungen auslösen zu können, respektive keine abschliessende Sicherheit darüber gibt, welches Individuum tatsächlich hinter dem Prozess steht. Auch bei Kartenzahlungen kommt es immer wieder zu Missbrauch. Doch die Änderung des Legitimationsmittels für das Onlinebanking und bei Karten bedeutet für eine Bank oder den Kartenhersteller immer ein aufwändiges, teures, zeitintensives und alles andere als kundenfreundliches Projekt. Ein Vorgang, den man als Finanzinstitut alleine schon aus Reputationsgründen besser nicht alle paar Jahre wiederholen müssen sollte. 

Als Apple vor einigen Jahren das iPhone 5 mit der integrierten Touch-ID (https://de.wikipedia.org/wiki/Touch_ID)auf den Markt brachte, ging – unterstützt durch die Snowden-Affäre – ein Aufschrei über die Lippen der Datenschützer. Mittlerweile spricht aber kaum mehr jemand über die Touch-ID, der Prozess ist etabliert und wird auch von vielen Apps als Authentifizierungsmerkmal akzeptiert und verwendet. 

Seit es im Internet jedoch immer mehr Anleitungen gibt, wie man Fingerabdrücke fälschen und Devices und Apps damit entsperren kann, setzt Apple bei den jüngeren Ausführungen des iPhones auf die Face-ID. So bekommt der Nutzer quasi spielerisch mit einem Lächeln Zugang zu seinem Smartphone. 

Während Apple das Gesicht scannt, setzen die Banken bisher zum Identifizieren der Kunden auf eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Man kombiniert also nach Möglichkeit etwas, das der Kunde hat (z.B. eine Bankkarte) mit etwas, das er weiss (z.B. einen Code) oder neuerdings, wie eben erwähnt, auch mit etwas, das er ist (z.B. seinem Fingerabdruck). So weise ich mich also in einem herkömmlichen Zahlungsprozess mit einer Karte inkl. PIN oder wie bei Apple-Pay mit einer Karte und meinem Fingerabdruck aus. 

Oberstes Gebot dabei ist natürlich die Sicherheit. Und diese konnte in der Vergangenheit bei diversen Systemen mehrfach gehackt oder auf andere Weise ausgehebelt werden. So sind Überlegungen, wie denn die Sicherheit erhöht werden kann, durchaus legitim. Bei der Suche nach eindeutigen menschlichen und fälschungssicheren Merkmalen kommt man dabei rasch auf die weiterführende Biometrie. Der Vorteil einer biometrischen Identifikation, liegt auf der Hand: der Kunde kann mittels persönlicher, individueller Körpermerkmale eindeutig bestimmt werden – Fingerabdrücke zählen hier nicht mehr dazu aus den oben genannten Gründen. Darüber hinaus können die biometrischen Daten vom Kunden nicht vergessen oder verloren werden, was durchaus im weiteren Verlauf zu einer Aufwandsminderung auf der Bankseite führen kann. Klingt also nach einer Win-win-Situation, sowohl für die Bank wie auch für den Kunden, der an Sicherheit gewinnt. 

Was also lässt die Banken zögern, hier Nägel mit Köpfen zu machen? Erst einmal sehen sich die Finanzdienstleister der simplen Frage gegenüber, welche Art der biometrischen Authentifizierung überhaupt sicher und zur Freigabe welcher Prozesse geeignet ist. Ist es das individuelle Tipp-Verhalten des Kunden oder möchte man doch lieber das Abbild seines Ohres scannen oder vielleicht die Iris? - Wer sich inspirieren lassen möchte, soll sich bitte folgende Liste (https://www.biometricsinstitute.org/types-of-biometrics) anschauen. Selbst der Herzschlag weist offenbar individuelle Merkmale auf und lässt somit den Rückschluss auf die Person eindeutig zu. Mit welchen Devices aber sollen diese Daten erhoben und geprüft werden? Reicht es aus, sich der Sensoren in den Smartphones und vielleicht der Apple Watch zu bedienen? Oder braucht es neuartige Geräte um den Herzschlag zu prüfen oder das Gesicht auch für bankeigene Dienstleistungen zu scannen? Und macht es für die Bank Sinn, sich von Geräten und Herstellern wie Apple oder andere grossen Brands abhängig zu machen, oder anders gefragt: Welche Alternativen haben sie überhaupt?

Unabhängig von der Methode, für die sich ein Finanzdienstleister entscheiden mag, geht es in erster Linie auch darum, die Daten sicher zu verwahren und in Echtzeit verarbeiten zu können. Hierzu müssen sich die Banken wohl noch stärker digitalisieren, dynamischer werden und im IT-Bereich zukunftgerichtetes Knowhow aufbauen. 

Wer weiss, vielleicht wird es in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein, einer Zahlungssaufforderung mit dem Blick in die rechte obere Brillenecke nachzukommen, oder mittels eines Chips im Ehering, der die Echtheit unseres Herzschlages bestätigt oder uns mittels der Analyse des Körperduftes identifiziert. 

Die Technik ist heute schon so weit, dass wir solche Prozesse umsetzen können. Die Kostenstruktur wird vorläufig ein Thema bleiben, aber am Kundenwunsch nach Einfachheit und dennoch mehr Sicherheit wird sich auch künftig nichts ändern und das ist auch im Eigeninteresse der Bank. Wer simple und sichere Lösungen anbieten kann, ist vorne mit dabei. Meist gehen aber Sicherheit und ‚keep it simple’ nicht reibungslos miteinander einher. Und den Faktor, den die Entwickler gerne vergessen, ist die Gesellschaft. Sind wir grundsätzlich bereit, für mehr Sicherheit die letzten individuellen Geheimnisse zu opfern und noch gläserner zu werden? Die Zukunft wird’s zeigen, und die gestalten wir als Gesellschaft bekanntlich selber. 

Dieser Blog wurde von Matthias Hungerbühler gepostet

#Biometrie #Authentifizierung #Onlinebanking #eGesellschaft #Identifikation

Die Forderung eines Transhumanisten an seine Bank

Wir publizieren an dieser Stelle öfter Beiträge, in denen wir das Thema Payment inkl. der entsprechenden Formate aus Sicht der Banken betrachten. Heute möchten wir den Blick jedoch auf den Endnutzer legen, denn nicht nur die Banken, sondern auch deren Kunden verändern sich. Bis anhin war es den Banken und einigen Fintechs vorbehalten neue Anwendungen hervorzubringen. Die Frage ist aber, wie flexibel sind die Finanzinstitute, wenn es andersherum läuft, wenn nämlich der Kunde ein neues Anwendungsfeld fordert? 


Wir hatten das Vergnügen, uns mit dem Transhumanisten Mike Schaffner unterhalten zu können. Transhumanisten bezeichnet man in der hollywood'schen Science Fiction Terminologie auch als „Cyborgs“. Menschen also, die den eigenen Körper mit der Technik verschmelzen. Sie wollen ihre Fähigkeiten dadurch erweitern, ihren Alltag erleichtern und eines Tages vielleicht sogar dem Tod trotzen können. Mike Schaffner ist Campusleiter für hochbegabte Jugendliche, ist seinerseits selber hochbegabt, arbeitet bei mehreren Startups mit, teils als Angestellter, teils als Mitgründer, ist nebenher noch Barkeeper und verdient sich was mit Daytrading von Cryptocurrencies dazu. Einen Uniabschluss hat er nicht, aber als Hochbegabter holt er sich aus purem Interesse an der Uni einfach das Wissen, das er braucht. Dazu gehören Vorlesungen in Medizin genauso wie solche in den Fächern Mathematik, Informatik oder Physik. 

Guten Tag Herr Schaffner,  Sie wirken auf mich durchaus menschlich, was ist anders an Ihnen?
(lacht) Ich glaube im Grossen und Ganzen nicht viel, ich habe in meinen Händen im Moment vier Implantate, zwei davon sind rein für die erweiterte Wahrnehmung und zwei Mikrochips für die Drahtloskommunikation.

Den ersten Chip haben Sie sich bereits vor einigen Jahren unter die Haut setzen lassen, zwischen Daumen und Zeigefinger, inwiefern bereichert dieser Chip heute noch Ihr Leben, was können Sie damit machen?
Der erste Chip, den ich mir einsetzen lassen habe, ist im Moment noch mein Hausschlüssel. Mittlerweile hat er keine andere Funktion mehr. Ich halte also zuhause meine Hand an die Türe, das Schloss reagiert und springt auf. 

Und das können nur Sie, kann man das nicht hacken?
Man könnte das vermutlich schon hacken, es ist jedoch ein Kaba-Schloss und ich denke, dass das Hacken relativ aufwändig wäre.

Und diesen Chip haben Sie von Kaba direkt bekommen?
Nein, den habe ich von Dangerous Things aus dem Internet. Das ist einer der grossen Chiphersteller für den Menschengebrauch. Ich habe ihn mir dann zuhause am Küchentisch selber eingesetzt und danach entsprechende Applikationen gesucht, mit denen ich ihn betreiben kann. Früher nutzte ich ihn aber auch z.B. um mein Smartphone und meinen Computer zu entsperren, das war noch vor der Zeit mit Face-ID und Fingerprint. So hatte ich damit zum Beispiel Zugang auf mein grosses Passwortfile, wo sämtliche Passwörter, teilweise mit über 40 Zeichen, hinterlegt waren. Sobald ich das File mit dem Chip öffnete, wurde das registriert und das entsprechende Passwort automatisch abgefüllt. 

Also eine extreme Erleichterung im Arbeitsalltag, die man sich z.B. auch im Büro vorstellen könnte?
Absolut, ja. Im Büro kann man das natürlich easy auch über einen Badge lösen, den man auf sich trägt. Da besteht dann aber immer noch die Gefahr, dass er geklaut wird, ich ihn zuhause vergesse oder unterwegs verliere. Mit den Implantaten könnte man überhaupt alle Badges ersetzen. Der Chip ist in der Hand und ist safe. Beim Stellenwechsel wird das Implantat einfach neu überschrieben. Man kann einerseits Daten draufladen, wie z.B. die Visitenkarte, Informationen über die Blutgruppe, etc. oder man nutzt die chipeigene ID, die man in der Datenbank mit weiteren Informationen verknüpfen kann. D.h. ich kann diese ID bei der SBB, beim Arbeitgeber oder wo auch immer hinterlegen und werde darüber somit als ICH identifiziert. Ich brauche also all die Daten nicht auf dem Chip direkt, sondern die Chip-ID ersetzt das. Die Datenbank der SBB müsste somit lediglich um ein einziges Feld, das die Chip-ID enthält, erweitert werden und ich wäre im Handumdrehen GA-tauglich (lacht). So hätte ich den Swisspass immer bei mir und er könnte mit den gleichen Geräten, die die Kontrolleure heute bereits im Einsatz haben, gelesen werden.

Was war der Auslöser, dass Sie sich entschieden haben, Ihren Körper mit technischen Hilfsmitteln zu erweitern?
Das hat bei mir schon als Kind angefangen, als ich die Serie „The 6 Million Dollar Man“ gesehen hatte und völlig fasziniert war von der Idee, Mensch und Maschine zu kombinieren. Ich war grundsätzlich immer ein riesiger Comic Fan und interessierte mich seit je her für Superfähigkeiten. Schliesslich sind die Chips unter meiner Haut im Moment die einzige Möglichkeit, wie ich mich dieser Faszination nähern kann. 


Als einer von vielen tausend Transhumanisten weltweit, wie selbstverständlich ist es da, sich mit der Community auszutauschen? Suchen Sie diesen Austausch aktiv oder beantworten Sie einfach Fragen, falls jemand auf Sie zukommt?
Sowohl als auch. Ich beantworte gerne Fragen. Für mich ist es vor allem wichtig, meinen Standpunkt gegen aussen zu vertreten und erklären zu können, warum ich das Ganze mache. Andererseits gibt es innerhalb der Community auch einen sehr spannenden und regen Austausch, weil ganz unterschiedliche Sichtweisen darin vertreten sind. Da finden sich Biologen, Techniker, Mediziner, Neuroprothetiker, Enthusiasten, und und und. Viele von ihnen basteln und forschen auch selber. Dadurch ist die Community sehr aktiv. Ich selber arbeite zum Beispiel gerade an einem Blutkraftwerk, das in die Blutbahn eingesetzt werden und Strom für gewisse Anwendungen produzieren kann, damit keine Batterien verpflanzt werden müssen. Wir sprechen hier aber natürlich von ganz tiefen Stromspannungen. 

Für die kleinen Chips?
Nein, die kleinen Chips sind passiv. Gedacht ist die Stromversorgung für etwas grössere Gerätschaften wie Bluetooth- oder Wlan - fähige Anwendungen. Hier braucht es ein Minimum von 1.5 Volt Spannung.

Inwiefern machen die implantierten Chips Sie besser als uns herkömmliche Menschen? 
Ich würde nicht sagen, dass mich meine Chips besser machen, aber sie machen mein Leben etwas bequemer. Die beiden Magnete, die unter meiner Haut stecken sind ganz klar eine Sinneserweiterung. Ich besitze also einen Sinn mehr und kann damit elektrische Felder spüren. Z.B. erkenne ich damit bei mir zuhause, wie die Stromleitungen unter den Wänden verlaufen. Die Chips unter der Haut wiederum ersetzen Karten- oder Batchanwendungen und machen meinen Alltag somit bequemer, weil ich bei Bedarf nicht immer die richtige Karte hervorholen muss und sie auch nicht verlieren kann. 

Sie gestalten Ihre eigene Evolution, aber mit dem rasanten Fortschritt der Technik altern diese Chips eigentlich rascher als Sie. Ich nehme an, es gibt mittlerweile viel leistungsfähigere Chips auf dem Markt als die, die Sie unter der Haut tragen.
Ja, absolut, es gibt leistungsfähigere Chips. Die sind etwas grösser und müssen dann auch von Experten mit Skalpell eingesetzt werden. Die kleineren kann ich mir aber selber einpflanzen, das ist überhaupt kein Problem.  Ich hatte auch einen grösseren implantiert, das sieht man hier (zeigt seine Hand mit Narbe), aber den musste ich nach vier Monaten wieder entfernen. Ich vermute, dass sich nicht beim Einsetzen sondern viel später Bakterien darauf ablagern und gedeihen konnten.  Das Gewebe drum herum entzündete sich auf einmal. Diese Sepsis-Gefahr besteht, wie auch bei Piercings oder bei Ohrringen, eigentlich immer. Das Risiko ist jedoch sehr gering. Ich hatte einfach Pech, denn die Entzündung war bei mir so heftig, dass mich das fast die Hand gekostet hätte.

Das hält Sie aber nicht davon ab, weiterzumachen?
Nein im Gegenteil, als ich im Spital war, habe ich auf meinem Handy bereits nach guten Handprothesen gegoogelt (lacht). Nein, im Ernst, der nächste Chip ist bereits geplant. Ich wünsche mir einen Chip mit Bezahlfunktion. Gerade arbeiten wir daran, einen neueren Chip von Master Card zertifizieren zu lassen und ich hoffe sehr, dass uns das gelingt. Damit suchen wir dann eine Bank, die uns die Möglichkeit gibt, den Chip entsprechend als Kreditkarte einzusetzen.

Ist das eine weltweite Bestrebung oder agieren Sie hier diesbezüglich nur in der Schweiz?
Ich probiere es natürlich hier in der Schweiz. Mir ist nicht bekannt, wer das evtl. in anderen Ländern versucht. Ich muss davon ausgehen, dass der Chiphersteller auch an einer ähnlichen Lösung arbeitet, aber das geht mir zu langsam, deshalb versuche ich das selber voranzutreiben.  
Interessanter für mich wäre es jedoch, wenn ich eine Bank finden kann, die es mir erlaubt, den NFC-Chip der EC-Karte unter meine Haut zu setzen. So könnten die Einkäufe direkt dem Konto belastet werden, ohne den Umweg über das Kreditkarteninstitut. Ich war diesbezüglich mal in Kontakt mit der UBS, die hatten aber kein offenes Ohr für mein Anliegen. Ich verstehe auch nicht, warum daraus so ein riesen Ding gemacht wird. Ich bitte die Bank lediglich darum, dass sie den NFC-fähigen Chip nicht in meine EC-Karte setzen, sondern mir zukommen lassen. Dann kann ich ihn mir implantieren. Und wenn die Bank Bedenken hat wegen der Sicherheit, dann können sie mir den kontaktlosen Freibetrag von CHF 40.- gerne auf 0.- runtersetzen. So habe ich immer die 2-Faktor Identifikation und müsste jedes Mal beim Bezahlen meine PIN eingeben. Das würde ich auf mich nehmen, wenn ich dafür meine Brieftasche zuhause lassen kann. 

Können Sie sich vorstellen, dass die PIN mittelfristig ersetzt wird durch biometrische Faktoren?
Eigentlich nicht, denn Fingerabdrücke können relativ einfach gefälscht werden und es ist aufwändiger, jedes Mal an der Kasse die Iris scannen zu lassen als einfach die PIN einzugeben. Trotz Fortschritt soll der Vorgang anwenderfreundlich bleiben. 

Wo sehen Sie die Gefahr dieser Bestrebung, dass der Mensch zur Maschine wird? Wenn zum Beispiel Prothesen auf den Markt kommen, die viel stärker sind als ein herkömmlicher Arm... Wo hört das für Sie auf?
Das ist schwierig zu sagen. Ich möchte so gut wie möglich sein, d.h. wenn ich eine Prothese habe, die bessere Möglichkeiten bietet als das biologische Original, dann sehe ich rational keinen Grund an meiner Biologie festzuhalten. Ich bin sofort bereit meine Gliedmassen zu ersetzen, wenn ich dafür technisch überlegene Gerätschaften bekomme, die mir mehr Möglichkeiten bieten.  

Was glauben Sie, wie lange dauert es, bis die Neuroprothetik soweit ist? 
Es gibt heute bereits erste Matten, die ein „Gespür-Feedback“ zurück ans Hirn liefern können. Damit überziehen sie nun Prothesen. Ich gehe davon aus, dass wir bereits in ca. zehn Jahren soweit sind, dass die Prothesen der Biologie in nichts mehr nachstehen. 

Es gibt drei wichtige erklärte Ziele der Transhumanisten, die es zu erreichen gilt. Diese sind: Super Langlebigkeit, super Intelligenz und super Lebensqualität. Wann glauben Sie kann unsere Gesellschaft das erreichen?
Es wird immer Leute geben, die die Neuerungen, die unter anderem Transhumanisten anstreben, nicht mittragen. Das sieht man auch bei anderen Themen. Sobald etwas anders daherkommt als sich das die Mehrheit gewohnt ist, wird es prinzipielle erstmal abgelehnt oder seltsam angeschaut. Das braucht sehr viel Zeit um da eine Veränderung in den Köpfen herbeizuführen. Aber letztlich will niemand von uns sterben. Und wenn es uns gelingt, Möglichkeiten zu schaffen, die das Sterben hinauszögern, dann haben plötzlich alle Interesse daran, das kann dann sehr schnell gehen. Vielleicht wird dann auch die Ökologie wieder viel wichtiger werden, weil wir viel länger leben und dem Planeten Erde dadurch mehr Sorge tragen müssen. Der Planet muss dann sauber sein, weil wir viel länger hier sind. Das wiederum wird zu mehr Lebensqualität führen, was durchaus willkommen ist, wenn man einen Zeithorizont von vielleicht 200 oder sogar 400 Jahren hat. 


Zu unserer Leserschaft gehören viele Banker, wenn wir nochmal zurückgehen zu Bankdienstleistungen, wie sieht die optimale Bank für einen Transhumanisten aus?
Die optimale Bank...? Im Moment würde es –wie bereits erwähnt- sehr viele Leute, die ich kenne, glücklich machen, wenn sie sich einen Bezahlchip unter die Haut setzen könnten. Das ist schliesslich sehr naheliegend. Ich nehme aber an, dass es noch einige Möglichkeiten gibt, das Banking effizienter zu machen. Zum Beispiel gibt es ein Unternehmen in London, das mit Fiat-Währungen auf Blockchainbasis arbeitet. Sie machen damit Realtimetransaktionen möglich, resp. brauche ich kein Geld mehr zu wechseln, wenn ich ins Ausland reise, sondern kann einfach meine Kontowährung realtime in die des Ziellandes wechseln und vor Ort ganz normal mit der Karte bezahlen oder Bargeld beziehen, wie zuhause auch. Wenn das die Grossbanken adaptieren würden, wäre das sicherlich für viele Menschen ein Mehrwert. Das hat aber nicht zwingend was mit Transhumanisten zu tun. 

Könnten Sie sich auch vorstellen, Ihre Bitcoin-Wallet unter der Haut zu tragen?
(lacht) Das hatte ich bereits 2013. Damit habe ich dann in Holland bezahlt. Der Bezahlvorgang dauerte halt einige Zeit, aber es war ein lustiger Gag. Man muss jedoch anmerken, dass der Bitcoin-Kurs damals noch wesentlich tiefer lag als heute (lacht). 

Herr Schaffner, ganz herzlichen Dank für dieses Interview.  


PS: Wir von PPI Schweiz würden uns sehr freuen, wenn wir eine Bank mit Herrn Schaffner zusammenbringen könnten, die das Experiment mit dem EC-Chip unter seiner Haut mit ihm wagt oder zumindest Möglichkeiten prüft. Grosse Medienwirksamkeit und somit Gratis-PR für das Finanzinstitut wagen wir zu garantieren.


Dieses Interview wurde von Matthias Hungerbühler geführt

#TransHumanism #Cyborg #RFID #eGesellschaft

Optimierungspotenzial im Rechnungsstellungsprozess

Die Digitalisierung in der Finanzindustrie schreitet voran. Dies zeigt auch ein Blick auf die Swisscom Fintech Map, welche derzeit alleine in der Schweiz 270 Startups im Finanzbereich zählt. Wie es der Name schon vermuten lässt, treten viele dieser Fintechs im Markt als Konkurrenten der Banken und Versicherungen auf. Einige mit völlig neuen, zuvor noch nicht gesehenen Geschäftsmodellen, andere mit Offerings, die jenen der Banken zumindest sehr ähnlich, allerdings modern verpackt sind.

Eine Bank muss sich und das eigene Geschäftsmodell also stets hinterfragen und die Strategie entsprechend ausrichten. Schliesslich knabbern nicht nur die neuen Fintechs an den Margen, sondern natürlich auch die etablierte Konkurrenz, die genauso wie das eigene Institut wachsen will. In einem Verdrängungsmarkt wie der Finanzindustrie führt dies zwangsläufig zu tendenziell sinkenden Einnahmen.

Dass die Digitalisierung mit ihren Optimierungspotenzialen auch für Banken der Weg der Zukunft ist, hat man längst erkannt. Die Umsetzung dieser Digitalisierungsstrategie gestaltet sich dann aber bei jedem Finanzinstitut unterschiedlich. Während sich viele Institute mit der Automatisierung ihrer Prozesse beschäftigen, ist eine andere Möglichkeit sich deren allenfalls gar zu entledigen. So verkündete beispielsweise jüngst die Commerzbank, dass sie inskünftig den Zahlungsverkehr an Equens Worldline auslagert. Einen Schritt den auch andere Banken machen könnten, meint Michael Steinbach, CEO von Equens Worldline. Die Institute müssten in den nächsten Jahren viel in den Zahlungsverkehr investieren, da zum einen neue Inititativen wie Instant Payments anstehen und zum anderen die ZV-Infrastruktur der Banken teilweise veraltet sei. Drittanbieter wie Equens Wordline hingegen verfügten über die notwendige moderne Infrastruktur und können mit dem Gewinn von Partnerschaften, wie jene mit der Commerzbank Skaleneffekte nutzen. Die CoBa hingegen sieht den Zahlungsverkehr also nicht mehr als eine Kernkompetenz an, die man den Kunden aus eigener Hand anbieten will.

Wäre aber nicht auch der umgekehrte Weg denkbar? Dass eine Bank ihre Dienstleistungen und damit ihr Geschäftsmodell im Zuge der Digitalisierung erweitert und ihren (Firmen-)Kunden Angebote zur Verfügung stellt, die über die bisher üblichen Zahlungsverkehrsdienstleistungen hinausgehen?

Schliesslich mussten sich die Schweizer Unternehmen in den letzten Jahren im Zuge der Harmonisierung im Zahlungsverkehr mit ihren langjährig etablierten Prozessen befassen und konnten in diesem Zusammenhang idealerweise gleich weitere Optimierungspotenziale identifizieren. Man dürfte also auf offene Ohren stossen. Optimierungspotenziale sehen wir hier zum Beispiel unter anderem im Rechnungsstellungsprozess und dem damit verbundenen Debitorenmanagement. 

Eine Bank könnte sich doch nun überlegen, ob sie mit ihrem Know How aus dem Zahlungsverkehr und der Reportingerstellung ein neues Offering im Bereich der Rechnungsstellung und dem Debitorenmanagement erarbeiten kann. Mit einer effizienten und konstengünstigen Lösung in diesem Bereich könnte man die Partnerschaft zu den eigenen Kunden weiter vertiefen und diesen zusätzlich administrative Aufwände abnehmen.

Aber sehen die Unternehmen überhaupt einen Mehrwert darin einen Teil, oder gar ihren ganzen Rechnungsstellungsprozess und/oder das Debitorenmanagement auszulagern? Und falls ja, wer käme in einem solchen Fall als Partner in Frage?

Helfen Sie uns diese Frage zu beantworten und nehmen Sie sich für unsere Umfrage zu diesem Thema bitte 3-5 Minuten Zeit. Wir würden uns über eine rege Teilnahme freuen! 


Für Sie gebloggt hat Matthias Schöpp


#Digitalisierung #StartUp #FinTechs #Rechnungsstellungsprozess #Reporting #ZVInfrastruktur

FINIG / FIDLEG

Neue Regulation kommt auf die Banken zu.
Die Banken auf dem Schweizer Markt sind einer Vielfalt von Gesetzen und regulatorischen Anforderungen ausgesetzt. Steigende Prozesskomplexität sowie die neue Regulatorik, sowohl auf dem Schweizer als auch auf dem internationalen Markt, erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Compliance-, Risk- und Legal-Bereich. Es werden neue Standards und Empfehlungen definiert, welche jedoch nicht in allen Ländern gleich gehandhabt werden. 

Die Auswirkungen neuer Gesetze werden oft unterschätzt. Auch wenn der Inhalt bei der Legal-Abteilung klar zu sein scheint, sind relevante interne Prozesse nicht sofort erkennbar. Das Thema Datensicherheit ist im Finanzsektor sehr wichtig und ist speziell bei Banken ein äusserst sensibler Bereich. Das ist aber nicht alles. Insider Geschäfte, Korruption und Gesetzeskonformität gehören auch dazu. Diverse Umfragen haben ergeben, dass ausgerechnet Regulatorik das grösste Risiko bei Banken darstellt.

Es ist eine Herausforderung, bei Inkrafttreten neuer Gesetze den Überblick über alle relevanten Themen bzw. Gebiete zu behalten. Da die Vorlaufzeiten für die Umsetzung der geforderten Anforderungen meistens kurzfristig sind, sind oft Unsicherheiten und Hektik für eine unvollständige bzw. mangelhafte Realisierung verantwortlich. 


Die Revisions-Vorgaben wurden aber immer erfüllt. Reicht das?

Es ist nicht ganz so einfach. Alle regulatorischen Anforderungen zu meistern bedeutet einen breiten Spagat zwischen den Prozessen, Dezentralisierung, Digitalisierung und Regulatorik zu machen. Dabei sind neben Compliance auch andere Bereiche, wie z.B. Risk Management und Legal involviert. Produktmanagement und Vertrieb werden gefordert, die Prozesse zu überdenken und der neuen Regulatorik anzupassen bzw. Massnahmen zu definieren.


Wie sieht die Finanzmarkt-Architektur der Schweiz aus?

Das Schweizer Finanzmarktrecht befindet sich im Umbau. Die Erweiterung der Finanzmarkt-Architektur um FIDLEG und FINIG schafft neue Regeln bezüglich der Organisation und des Verhaltens der Banken bzw. der Finanzdienstleister. Das Ziel der neuen Gesetze ist die Stärkung des Kundenschutzes sowie Schaffung gleicher Wettbewerbsvoraussetzungen zwischen verschiedenen Anbietern von Finanzprodukten und -dienstleistungen. Zudem soll die Vermögensverwaltung als wichtiger Pfeiler der Schweizer Finanzindustrie gestärkt werden. Beide Gesetze wurden vom Parlament am 15. Juni 2018 verabschiedet und treten zusammen mit den jeweiligen Vollzugsverordnungen auf den 1. Januar 2020 in Kraft. 

FIDLEG

Bei FIDLEG geht es um eine Regelung für das Angebot von Finanzdienstleistungen und den Vertrieb von Finanzinstrumenten. Diese orientiert sich an der EU-Regelung (MiFID II, Prospektrichtlinie, PRIIPs) und verlangt eine einheitliche Regelung der Prospektpflicht bei einer Beratung bzw. Aufklärung der Kunden durch Finanzdienstleister.

FINIG

Bei FINIG wird eine differenzierte Aufsichtsregelung für Wertpapierhäuser, Verwalter von Kollektivvermögen, Vermögensverwalter und Fondsleitungen angestrebt, jedoch stark an bisherige Vorschriften angelehnt. Eine wichtige Neuerung ist die prudenzielle Erfassung der Vermögensverwalter von individuellen Kundenvermögen, Verwaltern von Vermögenswerten von Vorsorgeeinrichtungen, der Trustees und Handelsprüfer nach Edelmetallkontrollgesetz (EMKG).

Bei FIDLEG und FINIG wird man jedoch den Gedanken nicht los, dass die Schweiz als Nichtmitglied der EU und EWR nach einer Äquivalenz zum EU-Recht gesucht hat. Durch die starke Globalisierung macht es jedoch durchaus Sinn, Gesetze aufeinander abzustimmen und somit den bestmöglichen Kundenschutz zu gewährleisten. Denn im Eintretensfall eines Schadens stellt sich immer die Frage nach der Haftung. Um die Haftung der Unternehmen zu minimieren ist es erforderlich, dass hierfür interne Prozesse, Zuständigkeiten und Kontrollmechanismen definiert sind.

Seit der Finanzkrise haben die regulatorischen Anforderungen in der Schweiz stark zugenommen und speziell kleinere Institute haben darunter sehr gelitten bzw. leiden noch immer. Für die Zukunft erwartet die Finanzbranche jedoch keine zunehmende Regulierung, sondern eher eine Normalisierung und bessere Rahmenbedingungen.



Dieser Blog wurde von Alen Kasumovic gepostet

#FINIG #FIDLEG #Compliance #Regulation

Digitale Revolution – Europa in der Vorreiterrolle

Über die Digitale Identität haben wir bereits mehrfach in diesem Blog referiert. Sei es nun unser Digital Footprint im Netz oder die Digital ID, mit der wir uns in den ungezählten Online Foren und Netzwerken identifiziert haben. Dass diese digitale Präsenz zu unserem Privatleben dazugehört, steht ausser Frage und auch auf der beruflichen Seite begleitet uns unsere Digitale Identität von Anfang an. Während ein Facebookprofil mit Partybildern vom letzten Wochenende zum Ausschlusskriterium bei Bewerbungen führen kann, eröffnet uns unser LinkedIn Profil neue Möglichkeiten im Wirtschaftssektor. „Netzwerken“ liegt eben im Trend – sei es nun, um mit alten Kollegen und Studienfreunden in Kontakt zu stehen oder um mit Headhuntern über neue Jobperspektiven zu feilschen.

Dänemark als Vorreiter der Digitalisierung in Europa
Doch nicht nur wir als Person werden immer "digitalisierter". Auch Länder digitalisieren sich immer mehr. So gehört Dänemark zu einem der stärksten digitalisierten Länder  in Europa. Seit der Einführung des Centralpersonregister im Jahre 1968 entwickelt sich Dänemark stetig weiter. Seit 2001 arbeiten staatliche, kommunale und regionale Vertreter eng zusammen und passen ihre Digitalisierungsstrategie alle fünf Jahre an. Der Fokus liegt hierbei darauf, die Usability der Tools weiterhin zu verbessern sowie Klarheit und Übersicht über die Daten der User zu schaffen. Heute unterstützt die zentrale Plattform borger.dk jeden Bürger in Dänemark, von der Änderung des Wohnorts über die Steuererklärung bis hin zur Suche eines Kita Platzes. Die Plattform virk.dk ermöglicht Unternehmern neue Unternehmungen schnell und vertraulich innerhalb einer Stunde zu gründen – inklusive der notwendigen „Bescheinigungsnummer“. Tatsache ist, dass jeder Bürger bei seiner Geburt eine Nummer bekommt, die das gesamte Leben gültig ist und somit jeden Dänen zum „digitalen Bürger“ macht. Das Zusammenspiel aus dem "digitalen Bürger" und dem "digitalen Staat" zeichnet Dänemark aus und führt damit nicht überraschend dazu, dass auch im Jahre 2018 das Nordland wieder den kürzlich publizierten DESI Index (Digital Economy and Society Index) in Europa anführt. Der Index wird durch die Europäische Kommission (GD CNECT) herausgebracht und bewertet EU-Länder nach der Entwicklung ihrer digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. Hierbei werden die Bereiche Konnektivität, Humanressource, Internetnutzung, Integration der Digitaltechnik und digitale öffentliche Dienste als Faktoren herangezogen. 

Digital Economy and Society Index (DESI) 2018 ranking

Auch die Schweiz steht gut da - im internationalen Vergleich

Neben Dänemark gehören Finnland, Schweden und Holland mit zu den führenden Staaten in der EU in Bezug auf Digitalisierung. Auch im internationalen Vergleich (i-DESI) schliessen die Top 4 EU Länder knapp hinter Korea ab und demonstrieren die Vorreiterrolle im Punkte Digitalisierung. 


International Digital Economy and Society Index (i-DESI)



Auch die Schweiz ist im i-DESI vorne mit dabei. Die eGovernment- Strategie (wir berichteten), die 2007 in der Schweiz ins Leben gerufen wurde, zeigt Wirkung. Zieht man ein paar Parallelen zu Dänemark, so wird es auch hierzulande (zum Beispiel im Kanton Zürich) den Bürgern ermöglicht, über die Plattform ZHprivateTax die Steuererklärung komplett digitalisiert abzuschliessen. Mittels dem online Service eUmzugCH kann die Ummeldung des Wohnorts mit wenigen Klicks online durchgeführt werden und mit der in 2019 in Aussicht gestellten eID soll der nächste grosse Schritt in Richtung Digitalisierung getätigt werden. PPI Schweiz nimmt das Thema eID diesen Herbst als Hauptthema für unser Top Event. Mit zwei KeyNotes und einem prominent besetzten Panel soll einer der Eckpfeiler für die „Digitale Revolution“ beleuchtet werden. Mehr Informationen zum Event unter: PPI Top Event.


Eckpfeiler für die "Digitale Revolution" 
Als Eckpfeiler für die "Digitale Revolution" tauchen immer wieder drei Faktoren auf: Gleichsetzung von papierbasierten und elektronischen Dokumenten, Digitale Identität und der Digitale Postkasten. Nehmen wir hier Dänemark wieder als Beispiel, so kann das Zusammenspiel der drei Faktoren sehr schön aufgezeigt werden.

Die in Dänemark bereits seit dem Jahr 2006 eingeführte Gleichsetzung von elektronischer und händischer Unterschrift ermöglicht es, Dokumente einfach und schnell online zu versenden, ohne den Umweg über die Post zu nehmen. Neben der spürbar schnelleren Sachbearbeitung ermöglicht der Onlineversand auch eine bessere Übersicht über die Historie. Transparenz und Effizienz sind hier die Schlagwörter, die die Nutzerfreundlichkeit fördern und zur Akzeptanz der eDokumente führen. 

Zwingend notwendig für eine elektronische Unterschrift ist die Digitale Identität. Sie ermöglicht die Verifikation, ob tatsächlich die korrekte Person unterschrieben hat. Die sogenannte Nem-ID ist die zweite Generation der Digitalen Identität in Dänemark. Sie wird von allen öffentlichen Institutionen akzeptiert und verwendet. Im Zusammenspiel mit dem 2008 eingeführten Digitalen Postkasten kann somit selbst in der Mailkommunikation eine grössere Transparenz und Sicherheit geschaffen werden. Transparenz, Nutzerfreundlichkeit und Effizienz könnten somit als die Erfolgsfaktoren für den digitalen Weg genannt werden.

Für Andres Samuelsen, Aussenminister von Dänemark, zählt jedoch letztendlich nur das Vertrauen, wie er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt. Wenn Bürger, Unternehmen und Kommunen mitziehen und auf "Neues" vertrauen, ist eine Weiterentwicklung möglich.

Was meinen Sie, sind das die Grundpfeiler für die Digitale Revolution und ist die Gewichtung von Samuelsen betreffend Vertrauen richtig bewertet? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.




Dieser Blog wurde von Florian Stade gepostet

#DigitalRevolution #DigitalIdentity #eGovernment #TopEvent