EBICS 3.0 jetzt auch in der Schweiz

 In der Schweiz hat sich der EBICS-Standard für das Firmenkundengeschäft mit Banken mittlerweile erfolgreich etabliert. Jedoch, obwohl EBICS ein in mehreren Ländern Europas gemeinsam entwickelter und genutzter Standard ist, gibt es bisher noch national unterschiedliche Nutzungsweisen und Versionen, die nicht immer miteinander kompatibel sind. Für die EBICS-Nutzung in der Schweiz sind hier die „Swiss Market Practice Guidelines EBICS“ zu nennen, die von der SIX veröffentlicht werden. Diese Guidelines empfehlen für die Schweiz u.a. aktuell die Nutzung von EBICS in der Version 2.5 in Verbindung mit eigenen dreistelligen Schweizer Auftragsarten zur Geschäftsvorfall-Identifikation. 

Für einen Firmenkunden mit Bankverbindungen in verschiedenen europäischen Ländern sind die nationalen EBICS-Unterschiede nur schwer verständlich. Er möchte einen Standard-Client für all seine Bankverbindungen nutzen, ohne sich über die EBICS-Unterschiede Gedanken machen zu müssen. 

Der elektronische Zahlungsverkehr in Europa wächst stetig weiter zusammen und das treibt auch die etablierten Standards in dieser Richtung weiter voran. Vor diesem Hintergrund wurde von den EBICS-Ländern zur Harmonisierung der EBICS-Ausprägungen in Europa eigens die EBICS-Version 3.0 spezifiziert, die die wesentlichen nationalen Unterschiede der EBICS-Nutzung beseitigt. 

Die neue EBICS-Spezifikation 3.0 ist seit dem 27. November 2018 offiziell gültig und wird von Banken in Frankreich bereits seit Januar 2019 angeboten. Auch Banken in Deutschland bieten EBICS 3.0 bereits an. Offizieller Startzeitpunkt wird hier November 2021 sein. Für die Schweiz gibt es bisher keinen Zeitplan. 

EBICS 3.0 bringt im Wesentlichen folgende Vereinheitlichungen und Perspektiven:
  • einheitliche EBICS-Version in den EBICS-Ländern
  • einheitliche Identifikation der Geschäftsprozesse und Formate über Business Transfer Formats (BTF)
  • einheitliches X.509-Format für die elektronischen Schlüssel
Damit ist die Kompatibilität der EBICS-Systeme in den EBICS-Ländern und somit potentiell auch in der Schweiz gewährleistet. Darüber dürfte sich dann auch der Firmenkunde freuen.

Seamless Migration – Die Migration auf EBICS 3.0 ist einfach möglich

Bei erster Betrachtung der Unterschiede von EBICS 2.5 und EBICS 3.0 schrecken manche Banken in der Schweiz und so mancher Firmenkunde vor dem zu erwartenden Aufwand und den möglichen Auswirkungen eines EBICS-Updates zurück. 

Dabei ist es doch so einfach! EBICS sieht grundsätzlich einen Parallelbetrieb alter und neuer EBICS-Versionen vor. Unterschiedliche EBICS-User eines Firmenkunden können mit unterschiedlichen EBICS-Client-Versionen arbeiten. Diese Eigenschaft ermöglicht Firmenkunden einen weichen Umstieg seiner EBICS-Client-Lösungen auf neue EBICS-Versionen über einen längeren Zeitraum. Im EBICS-Bankrechner sind dazu Mappings von Auftragsarten und BTF vorgesehen, wie sie für Frankreich und Deutschland bereits spezifiziert sind und genutzt werden. Standard-Mappings werden üblicherweise in EBICS-Clients-Software und im EBICS-Bankrechner mit Update auf EBICS 3.0 automatisiert oder manuell initial angelegt. 

Sind bestehende EBICS-Clients und EBICS-Bankrechner einmal auf eine EBICS 3.0 kompatible Version aktualisiert, so ist die Migration von EBICS 2.5 Client-Zugängen, wie sie beispielsweise in der Schweiz genutzt werden, auf EBICS 3.0 ganz einfach (vorausgesetzt, alle beteiligten elektronischen Schlüssel verfügen über eine Mindestlänge von 2.048 Bit). Der EBICS-User muss in seinem Client-System lediglich die Einstellung von EBICS 2.5 (H004) auf EBICS 3.0 (H005) wechseln und anschliessend die aktuellen Bankschlüssel abrufen, die dann in neuem Gewand im Zertifikatsformat vom EBICS-Bankrechner zurückgeliefert werden. Schon ist der Bankzugang ohne Zutun der Bankseite für EBICS 3.0 einsatzbereit.

EBICS 3.0 in der Schweiz – Weshalb?

Es lässt sich somit zusammenfassen:
  • EBICS 3.0 europäisiert die Nutzung des Standards. Das ist gut. Damit können Schweizer Banken neue Märkte und Kunden gewinnen. 
  • Der Firmenkunde hat durch die neuen Eigenschaften von EBICS 3.0 mehr Flexibilität und mehr Steuerungsmöglichkeiten. Das erhöht den Nutzen für Kunden, und die Akzeptanz wird gefestigt.
  • Ein Update von EBICS-Kunden ist in der Schweiz einfach möglich. Bestehende Schlüssel können leicht migriert werden.
  • Zudem sind mit EBICS 3.0 sicherheitsrelevante Vorgaben weiter verbessert worden. Es lohnt sich auch hier auf dem aktuellen Stand zu sein.
Die Vorteile von EBICS 3.0 liegen auf der Hand und sicher werden noch weitere EBICS-Versionen mit weiteren Optimierungen folgen. Daher ist es an der Zeit die aktuelle EBICS-Version 3.0 auch in der Schweiz einzuplanen! 


Dieser Blog wurde durch Michael Lembcke geschrieben.

Mehr Informationen zu dem Thema EBICS finden Sie auch auf unserem EBICS Blog.


Efficiency, accuracy and speed - Auch Thailand verfügt nun über eine Instant Payments Lösung

Vor wenigen Tagen hat der Deutsche Bank Ableger in Bangkok PromtPay in Betrieb genommen, ein Service, der Sofortzahlungen zulässt.

PromptPay wird vom nationalen Zahlungsdienstleister National ITMX Ltd betrieben und ist Teil eines Regierungsprogrammes, das die Modernisierung der Zahlungsabläufe vorantreiben und Zahlungsströme sicherer gestalten will, was unweigerlich auch zu einer Verlagerung des physischen Zahlungsverkehrs hin zu einer viel höheren Anzahl elektronisch getätigter Transaktionen führen wird.

Im Moment können Kunden via PromptPay sofortige Einzüge in ganz Thailand veranlassen, später im Jahr werden dann auch Echtzeitüberweisungen möglich sein. Der grosse Vorteil für Unternehmen ist, dass sie so schnell und sicher, entweder mittels Kontonummer oder mit der Steuer-ID des Debitors, Geld einziehen können und das landesweit und ohne zusätzliche Gebühren. So können die Begünstigten Ausfallrisiken von Zahlungen minimieren und gleichzeitig das Betriebskapital maximieren. Mittels der API-Anbindung eröffnet die Bank den Kunden interaktive Möglichkeiten und Zahlungen können so nahtlos in die Geschäfts- und Treasury-Prozesse integriert werden.

“Efficiency, accuracy and speed of payments are increasingly critical for corporates, so we are very proud to make instant payments available to our clients.“
Pimolpa Suntichok, Chief Country Officer, Deutsche Bank - Thailand

Nach FAST in Singapur und DuitNow in Malaysia ist PromptPay die dritte Instant Payments Plattform, die die Deutsche Bank in ASEAN (Association of South East Asian Nations) einführt. Zudem sind weitere Projekte auf den Philippinen und in Vietnam in der Umsetzung. Die Deutsche Bank bietet damit ihren Firmenkunden Hand, traditionelle Zahlungsmethoden wie Schecks zu ersetzen - ein Trend, der vor allem im aktuellen Pandemieumfeld stark zunimmt.

Überhaupt ist die Deutsche Bank ziemlich aktiv, was das Instant Payments - Angebote für ihre Kundschaft betrifft. Mittlerweile unterstützt die Bank weltweit an über neun Standorten Echtzeitüberweisungen und es sollen in den nächsten 24 Monaten weitere hinzukommen.

Vor Kurzem hat das Finanzinstitut aus Frankfurt am Main, unter der Mitarbeit von PPI, einen „Instant Payments Guide for Corporates“herausgebracht, in dem die Instant Payments – Landschaft weltweit analysiert und entsprechende Initiativen hervorgehoben werden sowie auch auf die Frage der Use Cases eingegangen wird.


Abbildung: Entwicklung der Use Cases pro Kundensegment

Betrachtet man die obige Grafik dann ist schnell klar: je ausgereifter und standardisierter die (Instant) Zahlungssysteme in einem Land oder einer (Welt-)Region sind, desto tiefer wird die Marktdurchdringung und desto stärker treibt dies Innovationen voran, aus denen heraus sich neue Use Cases ergeben.

Instant Payments werden somit spätestens mittelfristig auch bei den ganz grossen Corporates mit riesigen Transaktionsvoluminas ankommen und sich durchsetzen, weil die betriebswirtschaftlichen Vorteile offensichtlich und attraktiv sind. Zum Beispiel lassen sich Cargo- oder Produktionskapazitäten in Echtzeit inkl. Bezahlung verbindlich buchen. Auch Cloud-Infrastrukturen können instantan skaliert, bezahlt und eingesetzt werden. Weiter ist u.a. die Kombination von Smart Contracts mit Instant Payments denkbar. Sobald die Ladung gelöscht, resp. vom Empfänger akzeptiert ist, wird die Zahlung an den Lieferanten in Echtzeit ausgelöst. Das schafft ganz neue Arten der Verbindlichkeit in einer Lieferkette und als Produzent profitiere ich von der sofortigen Verfügbarkeit des mir zustehenden Geldes.

Wir freuen uns, wenn Sie sich das White Paper der Deutschen Bank durchlesen und hoffen weiterhin, dass der Finanzplatz Schweiz sehr bald mit einer klaren Instant Payments Strategie an die Öffentlichkeit tritt. Je präziser die Vorgaben und je klarer Rahmenbedingungen sind, desto rascher kann ein solches Infrastrukturprojekt umgesetzt werden und der Dienst im Markt ankommen.

Wir von PPI Schweiz sind bereit und verfügen über das nötige Knowhow mit Ihnen den Einfluss von Instant Payments auf die bankeigene Infrastruktur zu analysieren und zu dokumentieren - damit Sie keine Zeit verlieren, wenn der Finanzplatz den Startschuss verkündet.

Dieser Blog wurde durch Matthias Hungerbühler gepostet

Interview mit Inge van Dijk zum Thema Instant Payments in den Niederlanden

Wir hatten die grossartige Chance Inge van Dijk für ein Interview zum Thema Instant Payments in den Niederlanden zu gewinnen.
Inge van Dijk arbeitete für die Dutch Payment Association als Strategic Advisor und war für die Einführung von Instant Payments mit verantwortlich. Das Interview wurde in Englisch geführt. Wir wünschen viel Spass beim Lesen.


“Instant Payments allows banks to stay in the game with a proposition tailored to the 24/7 economy”

Good morning Ms. van Dijk and thank you for taking the time for this interview. You worked for the Dutch Payment Association (DPA). What role does the DPA play in Holland? Is it comparable to the DK in Germany or SIX in Switzerland? And does the DPA have regulatory influence or does it only act in an advisory capacity?

The DPA is probably better compared to the DK in Germany than to SIX. The Dutch Payments Association is a member organization that coordinates the effort of banks and other professional service providers that offer payments to ensure that the collective payment infrastructure in The Netherlands stays safe, is reliable, efficient and accessible. In addition they represent the interests of the Dutch community in Europe, where regulation and standards are being developed. So there is more similarity with the Deutsche Kreditwirtschaft, because the DPA itself does not have an operational infrastructure or processing capabilities.

What is your personal role and how do you relate to Instant Payments?

In 2014 when I was still working for ING as global head of payments and cash management, we were pushing the Instant Payments vision at the European level and wanted to set the example in our home countries. In The Netherlands our colleagues from ABN Amro and Rabobank joined us in conducting a feasibility study, which lead to a joint commitment together with De Volksbank in May 2015 to implement Instant Payments in The Netherlands in four years’ time. When that took off I joined the Dutch Payments Association to lead the national program.

The program was delivered in four phases: a design phase where we drafted the infrastructural requirements on product, clearing and settlement level, while ensuring that it complied with the SEPA rulebooks. Our subsequent building phase, where banks selected their CSM and developed their internal environment, lasted two years. The last year of the program composed of half a year of rigorous end-to-end testing, devoting much time to the stress testing, and a stepped implementation phase, whereby transaction volume was gradually added while monitoring the quality of the infrastructure in terms of speed and availability.

The program turned out to be a huge success. We delivered to the market on time, rolling out from February onwards coming to full volume and speed by mid 2019 and in doing so to receive nothing but positive feedback and applause from the market and our stakeholders. One of the main reasons for this was that the quality was high from the start in terms of the speed (max 5 seconds) and availability (24/7 continuous). In the first year of production, a score was realized of > 99.8% on both elements for in total 285 million transactions.

Is it correct that in Holland all payments below EUR 15’000 are automatically processed as SEPA Instant Payments? Will this then also apply to the new limit of EUR 100’000? Can you say something about statistics?

There are two angles on that. First: how are Instant payments offered in the Netherlands, and second: the amount limitation itself. The Dutch view from the start was that Instant Payments would become the new normal: it was not going to be limited to just person to person payments, as it was strongly believed that also businesses would be interested in the service. From that perspective our position was that there should not be an amount limit. The initiating bank which releases the payment will have to determine if the paying customer is eligable for a transfer of, say, a million, and if so the infrastructure should support this. We took into account UK and Scandinavian experiences, who had both rolled out and were already raising the amount limit. Of course, abuse of the system needs to be prevented but there are alternative ways to secure that. So the starting position in The Netherlands was: no amount limit!

Of course, in the European SEPA Instant Credit Transfer an amount limit does apply and the Dutch comply with this, but everything within The Netherlands is without a limit.
So back to your question, are credit transfers automatically processed instantly? Indeed they are. This is also related to the vision that Instant Payments will become the new normal. ABN Amro was the first bank to launch and set the tone by offering Instant Payments by default to their online and mobile banking customers. Other banks followed suit. Thus, Instant Payments became a replacement of the SEPA credit transfer in online channels. Anybody transferring money in either his online or mobile banking channel just gets it. It is offered by default. And that decision made the business case for banks even more difficult because as it is not something a customer chooses, it leaves no room to charge extra for this service. You can imagine the market response has been great in The Netherlands, thereby very much strengthening the position of banks in the market.

That means that all the payments are now transferred instantly?

The DPA and the committed banks wanted to make a very clear commitment to the market: everybody who has a mobile or online banking channel will get the service from the start. That means effectively that the whole retail segment has been issued with Instant Payments from the beginning, both small and sometimes also medium enterprises as well as consumers. And of course all accounts, consumer and business, were able to receive Instant Payments from day one. Other market segments or other channel offerings were scoped out of the program and left to the market: they remain the banks’ choice.

Where is Instant Payments used most? For retail payments, for P2P payments, in e-commerce, in B2B?

We had a big discussion in the beginning regarding the use cases. We decided to challenge ourselves in terms of what is the future proposition, and organized our own Dragon’s Den[1], with challengers from outside the banks. In the end the conclusion was that building the Instant Payments railway resembles the introduction of 4G at the time. Everybody knew it was going to change the landscape, but nobody knew exactly how and where.

Right from the beginning we started talking to the key stakeholders including major corporates and government institutions, both on receiving and sending side. They supported the innovation: today a tax payment coming in on a Saturday 31st, is considered on time. The tax authority ensures that it’s call center has this balance update information when people call on Monday to verify. A telco company saw great potential in instant payment upon delivery (at the door) of mobile phones and other valuable goods, as this would help prevent fraud. We had use case discussions with representatives from all business market segments both on the receiving side as well as on the sending side. They were kept informed and consulted throughout the program. In fact, all of the use cases which we translated into pictographics, stem from their ideas. An example is also a restaurant which can restock quickly because the turn-over from the previous night is already in his account.

Overall it’s still too early to tell where and how new business cases will be developed in the Netherlands, since only a year has passed by since its introduction. Businesses have now experienced what it means to receive the funds in their accounts on weekends and they will consider what they can do with that. Things will go from there. Most likely bulk payments are the next logical step, making sure that cut off times are a thing of the past, and more and more corporates and (e-commerce) merchants will start using Instant payments for home delivery payments or just in time bill payments.[2]

There is just no telling where the next use case will come from, especially in view of the Corona virus, other than that it will come.

Are there customers who want to change the bank because they want to do Instant Payments?

No, we don’t see that as nearly all consumers have it and businesses are getting it more and more.

We knew that reach was important to have, in order to build an attractive proposition for the customer. Faster Payments told us that starting out with eight leading banks in the UK which were responsible of 80% of all the accounts (80% reach), was perceived by the public as unreliable: with one out of five payments failing. It did not really fly in the UK until the reach was improved.

Our lesson from this was that more than 80% reach needed to be in place up front. In the end five banks committed, the four original banks and one challenger bank, and they together count for well over 95% of all the accounts in the Netherlands. And given the default offering, Instant Payments is available to almost all (both initiating and receiving) and it is expected that in time all of the Dutch will have this feature given that other banks are launching in 2020.

What was the main driver for Dutch banks to introduce Instant Payments?

We had this discussion in 2014 and back then a few things came together:
  1. Technology - the smartphone data processing capabilities were ready to support something like this.
  2. Cultural change – A mentality of the millennials: “I want it now, I expect it now”. It became more and more difficult to explain why we were open only on workdays from 9am to 5pm while a lot of services from GAFA and other parties are available 24/7.
  3. Market demand - Retail merchants wanted to receive the point of sale turnover funds also on the weekend, not so much within 5 seconds, but they did want it 24/7. Especially the Easter holidays, where the banks are closed for four days in a row, were perceived as cumbersome by the retailers.
  4. Regulatory - The ECB call in November 2014 to offer real-time payments. Instant payments was and is considered a key innovation on the SEPA railway, with the potential of becoming the alternative 3rd ‘scheme’.
  5. Competition - The market position of banks would clearly be strengthened, tailoring their offering to the 24/7 economy.
Those were the five elements that came together and fueled the discussion. We were convinced that we should not simply solve this by doing a fix or a bandage, building an add-on product. We needed to solve it structurally, building for the future.

You mentioned GAFA, do you think Dutch banks feel the competition from Big Tech?

The principle thinking is that in this 24/7 real-time economy, it is going to be hard to explain to your customers as a bank that you do or cannot offer this, when GAFA can. That’s going to bring the bank in a difficult position. So while there is no apparent market business case for Instant Payments and it is definitely a serious investment, one should consider the investment as a defensive move: stay in the market, tuning your offering to the 24/7 economy. In addition, it will allow banks to regain some of the control in the value chain that is lost in the cards area.

How do you see the development of Instant Payments in Europe and the world?

Worldwide reach will take time. The ECB is reaching out to several other countries within Europe to make sure we have an Instant Payments network that covers all of Europe. And all countries which have decided to offer real-time payments have embraced the same ISO 20022 standard, a standard much richer than the cards ISO standard. This provides a good basis for interoperability, but it doesn’t mean that we will have a worldwide reach sometime soon. This will take years. In addition, there also the need for a global IP scheme, similar to the build of the SEPA Instant Credit Transfer Rulebook in Europe, as that will guarantee a uniform global product offering to the customer.

Then again > 95% of all payments are domestic and > 98% are within Europe. As such there is time to allow the world to develop at its own pace, which is helpful given the big investment.

My personal opinion is that the card schemes are still ahead, but also they are tapping into the Instant Payments infrastructure, buying up and into ACH processing capabilities. They see the potential, which is a clear sign. And with the backing of the ECB and other important global institutions like the Federal Reserve, I believe that in time Instant Payments will become the new normal, in Europe and across the globe, simplifying payments and reducing cost for customers and making the infrastructure more efficient and the value chain hopefully less complex.

Thank you very much for your time

Das Interview wurde durch Matthias Hungerbühler geführt.




[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Dragons%27_Den_(British_TV_programme)


[2] For e-commerce there is less urgency, because iDEAL in place for ten years now, is the market leader in payment instruments by far (50%). It is effectively sort of a precursor for Instant Payments, offered by banks. The only difference was that the funds when using iDEAL are not instantly in the account of the merchant. Are the merchants going to pay extra for that feature? Not likely. So most likely the Instant Payment will gradually replace the SEPA credit transfer as the underlying instrument in iDEAL.

New Horizons - Wie mit P27 der europäische Norden das Thema Instant Payments treibt


„We are here to change the world of payments, and you are welcome to join the movement!“

Verschiedene Länder in Europa und Asien, aber auch die USA machen Ernst mit eigenen Instant Payments Angeboten (vgl. auch Blogbeitrag von Carsten Miehling „24/7/365 Payments in der Schweiz – Eine PPI Situationsanalyse“). Sie alle scheinen erkannt zu haben, dass man den (Instant) Paymentbereich nicht einfach den BigTech Firmen überlassen kann. Im europäischen Norden schliessen sich für diesen Kampf sogar mehrere Banken visionär und grenzübergreifend in dem Projekt „P27 – Nordic Payments“ zusammen. P27 deshalb, weil sich die noch junge Gesellschaft zum Ziel gesetzt hat, den Zahlungsverkehr für die 27 Millionen Einwohner der involvierten Staaten Finnland, Schweden und Dänemark zu verbessern. Selbst wenn nur ein Teil dieses Potenzials das neue Angebot nutzen sollte, Instant Payments entwickelt sich definitiv zu „the new normal“. 

Wie kam es dazu? 
P27 wurde 2017 als gemeinsames Projekt von Danske Bank, Handelsbanken, Nordea, OP Financial Group, SEB und Swedbank ins Leben gerufen. Die Banken schlossen sich damals im Projekt P27 zusammen, weil sie herausfinden wollten, ob sie es schaffen, eine Pan-Nordic Infrastruktur für den Inland- sowie auch für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr mit den entsprechenden Währungen ins Leben zu rufen. Vor einem Jahr, im Mai 2019, wurde dazu dann eine eigene Gesellschaft gegründet, an der die erwähnten Banken zu gleichen Stücken beteiligt sind, und bereits im Juni 2019 konnte mit Mastercard eine Vereinbarung über den Betrieb der Zahlungsplattform unterzeichnet werden. 

Seither entwickelt P27 die Clearing-Plattform gemeinsam mit Mastercard weiter und arbeitet daran, die erforderliche Genehmigung für die Clearing-Lizenz zu erhalten. Ziel des Unternehmens ist es, die ersten Transaktionen im Jahr 2021 abzuwickeln. 

Warum gerade in Nordeuropa?
Darauf hat P27 eine klare Antwort. Gemäss den Ausführungen auf der firmeneigenen Homepage drängte sich ein solches Gemeinschaftsprojekt in der Region geradezu auf. Denn die Banken der besagten Länder haben eine lange Tradition was die gemeinsame Entwicklung von innovativen Lösungen betrifft. So waren denn auch Bankgirot, Vipps, MobilePay, NemID, Bank-ID und die bei uns vielleicht besser bekannte Bezahllösung Swish gemeinsame Erfolgswerke. Die Banken brachten also viel Erfahrung in der erfolgreichen Projekt-Zusammenarbeit mit und sind dadurch auch hochmotiviert. Laut ihnen soll eine grenzübergreifende Zahlung so einfach und schnell auszuführen sein wie wenn man über WhatsApp eine Nachricht versendet. 
Die Tatsache, dass die Welt immer digitaler wird und die Bedeutung des Smartphones weiter zunimmt, birgt eine riesige Chance sowohl für Unternehmen, als auch für die Konsumentinnen und Konsumenten. So soll denn auch P27 das Bezahlverhalten in den nordischen Staaten revolutionieren. Die neue Plattform soll den Paradigma Wechsel, wie Geld um die Welt bewegt wird, entscheidend mitgestalten und das nicht nur im Bereich P2P, sondern auch für B2C- und B2B-Zahlungen. Diese nahtlose Verbindung der nordischen Volkswirtschaften wird das Wachstum und die Beschäftigung erheblich fördern. 

„Wir dürfen auch einen psychologischen Faktor nicht vergessen: Der Konsument versteht vielfach nicht mehr, warum Dinge heutzutage NICHT in Echtzeit passieren.“
Dr. Peter Robejsek, Mastercard

Visionen spornen an
Durch die Vision, grenzüberschreitende Zahlungen in mehreren Währungen zu etablieren und das Kundenerlebnis dabei entscheidend zu verbessern, wird der gemeinsame Standard wichtige Vorteile für die nordischen Gesellschaften bringen. Zudem will man bei P27, durch die Angleichung der Standards an die Spezifikationen von SEPA, die Türe zur Zahlungsverkehrslandschaft der Eurozone offenlassen und somit eine weitere Harmonisierung bewirken. 

Auch wenn P27 mit konkreten Details bisher noch etwas sparsam in der Kommunikation ist, so will man doch eine Open-Access-Infrastruktur schaffen und, gemäss den eigenen Angaben, das Knowhow mit der Aussenwelt teilen. Denn das bestehende System der internationalen Direktzahlungen soll nicht nur disruptiv gestört werden, sondern man möchte die Finanzbranche mit dem Schwerpunkt auf Zahlungen und Clearing innovativ bearbeiten und auch ständig verbessern - und das natürlich als Hauptdarsteller. Diese Entwicklung wird der gesamten Region zugutekommen. 

Aus der Ferne betrachtet müssen wir neidlos zugeben, dass dieser stolze Mut, entschieden voranzugehen, beeindruckt. Hierzulande ist von dieser innovativen Dynamik leider weder von regulatorischer Seite her, noch von den wichtigen Markteilnehmern viel zu spüren. Während die SNB sehr wohl ein grosses Potenzial in Instant Payments sieht und sich ein kooperatives Vorgehen mit den CH-Banken wünscht, verstehen einige wenige Marktteilnehmer zwar, dass es sich hierbei durchaus um ein strategisches Thema für den Finanzplatz handelt, jedoch passiert, ausser ein paar Gesprächen hinter verschlossener Tür, im Moment noch wenig. Es gibt es bisher kein öffentlich verkündetes Projekt. 

Dabei liegt es auf der Hand, dass die Banken hier vorwärts machen und zusammenspannen:
  • Ein entsprechendes Ökosystem braucht mindestens zwei, besser aber sehr viel mehr Teilnehmerbanken. Es gilt der Grundsatz: je mehr, desto attraktiver!
  • Die Behörden in Europa und auch in der Schweiz wollen zusehends mehr Wettbewerb. Unterschiedliche Infrastrukturen und Standards erschweren es den Banken aber, wettbewerbsfähig zu bleiben und Anforderungen zeitnah und zu einem angemessenen Preis umsetzen zu können 
  • Eine gemeinsame Plattform erleichtert es den Banken, sich an neue Vorschriften anzupassen, senkt die Implementierungskosten und erleichtert die Entwicklung neuer Dienste
So hoffen wir also weiterhin auf eine Instant Payments Plattform, die ähnlich wie z.B. b.Link gemeinsam von einigen Banken -oder besser von der SIX- aufgezogen wird. Und wenn träumen erlaubt ist, dann gerne auch mit Anbindungsmöglichkeiten für die Abwicklungssysteme unserer wichtigsten internationalen Handelspartner (Deutschland, USA, Italien, Frankreich). 

Wir von PPI sind uns bewusst, dass die Banken durch die aktuelle Corona Krise und nationale Initiativen wie QR-Bill, Open Banking, eBill, etc. kaum einen Kopf, geschweige denn Ressourcen haben, sich Gedanken über Instant Payments zu machen. Wir kennen aber auch den Markt (v.a. in Europa) ziemlich gut und wissen dadurch: Instant Payments ist als strategische Frage zu verstehen. Und wer hier nicht rechtzeitig informiert ist und die entsprechenden Vorabklärungen im eigenen Haus tätigt, riskiert im Zahlungsverkehr belanglos zu werden und das Feld anderen zu überlassen. 

Wir wissen wovon wir sprechen und helfen Ihnen gerne. Zum Beispiel durch die gemeinsame Analyse der Prozesse, Schnittstellen und Applikationen, durch die Erarbeitung einer veritablen IP-Strategie oder ganz einfach durch einen Workshop, damit Sie den Überblick behalten und die wichtigsten IP-Initiativen und Umsetzungsbeispiele kennen. 

Vereinbaren Sie ein erstes, kostenloses und unverbindliches Gespräch mit uns.


Dieser Blog wurde von Matthias Hungerbühler gepostet.


24/7/365 Payments in der Schweiz – Eine PPI Situationsanalyse

Seit gut einem Jahr beschäftigen sich die Schweizer Grossbanken auf Anregung der Schweizerischen Nationalbank mit dem Thema Instant Payments (IP) für den Finanzplatz Schweiz. Orchestriert werden die Analysen von einer «Big Three» Consulting-Gesellschaft im Rahmen einer Studie unter Einbezug der Top-Level Manager der jeweiligen Finanzinstitute.
Der nachfolgende Blogbeitrag analysiert die aktuelle Situation zum Thema in der Schweiz, stellt die Sichtweisen der relevanten Akteure dar und gibt Empfehlungen für ein mögliches weiteres Vorgehen ab.

Schauen wir zunächst auf unsere Nachbarn im SEPA-Raum. Im November 2017 wurde SEPA Instant Payments als eigenständiges auf der SEPA basierendes Schema lanciert. Innerhalb von 10 Sekunden können Kunden der freiwillig teilnehmende Banken Beträge mit einer Transaktionsgrenze von 15'000 EUR (ab Juli 2020 100'000 EUR) End-to-End rund um die Uhr versenden und empfangen. Die Gutschrift beim Begünstigten wird unwiderruflich verbucht. Stand heute sind 22 Länder und über 2'000 Banken in Europa erreichbar. Das Instant Payments Transaktionsvolumen beträgt derzeit ca. 5% aller SEPA-Transaktionen.

Ausserhalb des SEPA-Raums gibt es noch weitere produktive Instant Payments Systeme ausserhalb des Euros. Zu erwähnen wären hier beispielsweise «Faster Payments» in England (seit 2008), «Express ELIXIR» in Polen (seit 2012), «CERTIS/AMOS» in Tschechien (seit 2018) oder die auch hierzulande bekannte mobile Lösung «Swish» aus Schweden (seit 2012). Rund um den Globus sind weitere produktive Instant Payment Lösungen im Markt angekommen, z.B. «New Payments Platform NPP» in Australien (seit 2018), «IBPS» in China (seit 2010) oder das aktuelle Projekt «Realtime Payments» vom US Clearing House.

Wie stellt sich zurzeit die Situation in der Schweiz dar? In Gesprächen mit Bankvertretern wird oft das Argument ins Feld geführt, dass hierzulande mit der zentralen SIC-Plattform bereits ein Realtime-System zur Verfügung stehen würde und Kunden schon heute mit der TWINT-App Instant Payments tätigen können. Zudem sei die Nachfrage bei den Kunden nach Instant Payments nicht wirklich vorhanden. Aus Sicht PPI stellt SIC selbstverständlich eine gut aufgestellte zentrale Plattform mit über 300 teilnehmenden Banken zur Verfügung und die Überweisungen sind zu den Cutoff-Zeiten in der Regel auch sehr kurz, man könnte sagen «near instant» und für Nutzer von TWINT ist für Kleinbeträge das Empfinden in der Tat instant, dies sogar rund um die Uhr, auch samstags und sonntags.

Mit den eingangs erwähnten produktiven Angeboten in Europa und auch international kann die hiesige Infrastruktur jedoch nicht ganz mithalten, was auch die Initiative der Schweizerischen Nationalbank unterstreicht. Aus Sicht des Betreibers der SIC-Plattform soll sich der Finanzplatz Schweiz in Anbetracht der zunehmenden Konkurrenz im internationalen Zahlungsverkehr Gedanken machen, in welcher Art und Weise Instant Payments in der Schweiz eingeführt werden könnte. Als Konkurrenz sind denn auch nicht nur ausländische Banken gemeint, sondern in erster Linie auch Lösungen der sog. «GAFA» (Google, Apple, Facebook und Amazon) aus den USA oder sog. Closed Loop Systeme wie Alipay aus China.

Die Vertreter der SNB sehen ein grosses Potential für Instant Payments in der Schweiz und wünschen sich ein kooperatives Vorgehen der Schweizer Finanzinstitute mit dem Ziel ein IP-Schema für Schweizer Franken mit freiwilliger Beteiligung der hiesigen Banken zu implementieren. Idealerweise würde SIX als operativer Betreiber des aktuellen Systems SIC4 eine neue separate Plattform aufbauen und diese gemeinsam mit den Banken im Markt einführen. Eine der grössten Herausforderung für eine Markteinführung besteht im Umstellungsbedarf der Zahlungsverkehrsinfrastrukturen bei den Banken.

PPI-Umfragen bestätigen einen grossen Handlungsbedarf bei den Zahlungsverkehrs-Systemen im Falle einer Umstellung auf Instant Payments. Insbesondere die Hochverfügbarkeit (24/7/365) stellt eine grosse Herausforderung dar, was auch das Zitat von Jürgen Kaczmarek von der DZ BANK mit produktivem IP-Angebot, verdeutlicht: «Die grösste Herausforderung bei Instant Payments ist das Betreiben einer unterbruchfreien Infrastruktur, 24 Stunden, 7 Tage die Woche an 365 Tagen im Jahr». Die jeweiligen Umsetzungszeiten für das Erreichen einer IP-Compliance werden von den Finanzinstituten im Rahmen von einem halben Jahr bis zu zwei Jahren angegeben.

Es liegt auf der Hand, dass solche Systemanpassungen erhebliche Investitionen seitens der Banken mit sich bringen und aus diesem Grund nach einem Business Case gesucht wird. Denkbar wäre z.B. das Erheben von Gebühren auf Instant Payments, wie es z.B. in Frankreich mehr oder weniger erfolgreich praktiziert wird. In Märkten wie Deutschland oder der Schweiz scheint dieser Ansatz allerdings wenig erfolgsversprechend, da die Kundschaft, insbesondere im Retail- und KMU-Geschäft, den Zahlungsverkehr als kostenlose Dienstleistung betrachtet. Dies würde sich auch mit Instant Payments kaum verändern.

Nichtsdestotrotz können die Banken das Thema nicht einfach ignorieren. Wie sagte kürzlich ein Bankenvertreter: «es wird sowieso kommen, die Kunden werden es als selbstverständlich fordern und wenn wir es nicht anbieten können, spielen wir im Zahlungsverkehr keine Rolle mehr». Selbstverständlich ergeben sich auch bei Instant Payments Chancen für die Banken. Diese liegen jedoch viel eher im strategischen Bereich, wo es darum geht das Bankkonto als Ankerprodukt zu verteidigen und gegebenenfalls durch geschickte Kooperation mit Drittanbietern das oft zitierte, für alle nutzenbringende, Ökosystem aufzubauen.


Gemäss unseren Erfahrungen mit IP-Projekten in Europa und in Anbetracht der doch relativ langen Implementierungszeiten, sollten jetzt die Analysen abgeschlossen und die Planungsarbeiten für eine IP-Einführung auf dem Finanzplatz Schweiz gestartet werden. Wohlwissend, dass gewichtige weitere nationale Initiativen wie QR-Bill, eBill oder b.Link ebenfalls Ressourcen benötigen und auch in Zukunft noch benötigen werden, kann aus strategischer Sicht das Thema Instant Payments nicht auf die lange Bank geschoben werden. Die erwähnten konkurrierenden Payments Provider werde auf die speziellen Umstände im Schweizer Markt keine Rücksicht nehmen.

PPI unterstützt Schweizer Finanzinstitute mit Instant Payments Workshops, dem «Payments Speed Checkup» und Strategie-Entwicklungen. Gerne treffen wir uns mit Ihnen zu einem ersten, kostenlosen, unverbindlichen Gespräch (auch online).


Dieser Blog wurde von Carsten Miehling gepostet

QR-Readiness: PPI Edition

In knapp einem ¾ Jahr wird die QR-Rechnung eingeführt. Alle Schweizer Banken müssen ab 30.06.2020 Zahlungen aus Swiss QR-Code-Zahlteilen ausführen können. Seit einigen Wochen erhebt SIX die QR-Readiness des Finanzplatzes. Die Institute geben dabei an, alle Varianten der QR-Rechnung zum Stichtag korrekt verarbeiten zu können. Die Mehrzahl fährt, so zeigt die Umfrage weiter, eine Strategie der "Bestandswahrung". Eine Ausnahme bildet die Credit Suisse, die keine QR-Belege für Kunden drucken wird. Sicherlich eine sinnvolle, weil konsistent digitale Strategie – auch, weil ein QR-Generator, der, wie der unsere, ins E-Banking integriert ist, für die Ablösung der roten Einzahlungsscheine die bessere Lösung darstellt. Viele Institute finden die Kommunikationsmatrix der SIX zwar wenig hilfreich, was wir wiederum angesichts des umfangreichen Hilfsmaterials so nicht ganz verstehen können. Aber grundsätzlich, so legt die Umfrage nahe, sind die Banken auf gutem Wege, zum Stichtag "QR-ready" zu sein. 


Aber was heisst QR-Readiness eigentlich? 

Sinnvollerweise reicht die Bezahlfähigkeit nicht aus. Es müssen alle Bereiche rund um den Zahlungsverkehr angepasst werden – Kontoauszug, Druck, File-Lieferungen, Kanäle, Sammlung, Adress-Verwaltung, Stammdaten usf. Oftmals führen die fachlich wenig spannenden, aber zahlreichen Änderungen in der IT zu Herausforderungen, die erst in der Umsetzung erkannt werden. Werden diese aber nicht rechtzeitig identifiziert, so steht man am Ende mit einem inkonsistenten Angebotsportfolio da. 

QR-Readiness heisst deshalb, alle Veränderungen und notwendigen Anpassung durch die QR-Rechnung auf granularer Ebene zu kennen. Es heisst auch, für die unzähligen zu fällenden kleinen Entscheide klare Prozesse vorzusehen. Mit einer Vorgabe "macht den neuen Einzahlungsschein so wie die alten" ist in der konkreten Implementation nicht gedient. 

Aus diesen Überlegungen haben wir einen kleinen Fragebogen als Ergänzung zur Readiness-Umfrage zusammengestellt. Bewusst unvollständig, aber auf einige der zentralen Probleme hinweisend. Einfach eine Ergänzung aus den praktischen Erfahrungen. Fühlen Sie sich frei, die Fragen für Ihr Institut zu beantworten. 

  • Wissen Sie, welche Inhalte der QR-Rechnung Sie in welcher digitalen und analogen Avisierung (alle ausser camts) anzeigen wollen? Wird der Kunde z.B. den Ultimate Debtor im PDF-Auszug sehen? Oder im Kontoabschluss? Werden diese Anzeigen dann nicht zu lang?
  • Kann der Kunde im E-Banking nach spezifischen Inhalten der QR-Rechnung suchen, etwa nach der QR-Referenz oder dem Ultimate Debtor?
  • Wie möchten Sie Kunden bedienen, die auf QR-Rechnung wechseln wollen, aber bisher rote Einzahlungsscheine verschicken und dort Mitteilungen anbringen?
  • Können Sie Ultimate Debtor auf B- und C-Level bereits korrekt verarbeiten?
  • Haben Sie Sonderkonstrukte für wichtige Kunden, die im Wege stehen, beispielsweise bei den Referenzfeldern?
  • Bieten Sie die Mutation von Zahlungen an, die via File-Transfer eingeliefert wurden? Wie sollen diese Zahlungen angezeigt werden? Als QR-Rechnungen oder als Bankzahlungen Inland? Und (wie) können diese unterschieden werden?
  • Was machen Sie, wenn ein Kunde MT101 zugunsten einer QR-IBAN einliefert?
  • Welchen Einfluss hat die QR-Rechnung auf Multibanking?
  • Werden Sie die Validierungsregeln der SIX Guidelines umsetzen? Haben Sie die Fehler im Dokument schon entdeckt?
  • Was macht der Fraud-Filter, wenn bisherige Rechnungssteller auf die QR-Rechnung migrieren?
  • Sind Sie sich bewusst, dass mit der QR-Rechnung höhere Anforderung an die Adress-Abfüllung gelten als bei pain-Einlieferungen?
  • Wie werden Kunden avisiert, die ohne ESR-Vertrag neu QR-Rechnungen stellen?
  • Versteht das Testing-Team die Abhängigkeiten zwischen Remittance Information und Variante der QR-Rechnung hinreichend?
  • Welchen Einfluss hat die QR-Rechnung auf interne Recherche-GUIs und KuBe-Tools?
  • Wann sollen Daueraufträge migriert werden? Ist dafür schon ein Prozess definiert?
Wir sind der Meinung, Sie sollten all diese Fragen eindeutig beantworten können –und das recht bald. Sonst wird es mit der QR-Readiness eventuell knapp. Erfahrungsgemäss wird es nämlich im neuen Jahr angesichts langer Testing-Zeiträume und sonstiger Blockade der IT schwierig, fachliche Anforderungen noch zu spezifizieren, zu beauftragen und umzusetzen. 

Es gibt also noch ein wenig zu tun bis zur Einführung. Falls Sie dennoch etwas Zeit finden, schauen Sie doch auf https://www.ppi-schweiz.ch/banken/themen/qr-rechnung/ vorbei. Oder schreiben Sie uns unter info@ppi-schweiz.ch.


Dieser Blog wurde Sebastian Strub gepostet

Gespräch zum Thema «Open Banking» mit August Benz, SBVg

Heute befassen wir uns in unserem Blog mit Verbandsarbeit und hatten in diesem Zusammenhang das Vergnügen, uns mit August Benz, stellvertretender CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung zum Thema «Open Banking», zu unterhalten. An dieser Stelle möchten wir uns auch gleich herzlich für das sehr offene und angenehme Gespräch bedanken.

Herr Benz, gemäss dem Profil auf der SBVg-Homepage sind Sie zuständig für «Europa, Digitalisierung, Sustainability und Wirtschaftspolitik». Was beschäftigt Sie aktuell am meisten? 

Alle vier Themen beschäftigen uns momentan stark. 
PPI Schweiz, August Benz, Digital, Schweiz, Open Banking

Beim Thema Europa arbeiten wir daran, den Marktzugang für Banken in die EU zu erleichtern.
Sustainability wiederum verfolgen wir seit längerem und sind überzeugt, dass sich der Schweizer Finanzplatz hier sehr gut positionieren kann. Bereits heute haben wir bei den professionell verwalteten Vermögen mit rund 20 % einen deutlich höheren Anteil an nachhaltigen Anlagen als der globale Durchschnitt. Dieser liegt bei rund 11 %. Wir orientieren uns hierbei an den ESG-Kriterien.

Im Bereich Wirtschaftspolitik beobachten und analysieren wir die makroökonomischen Entwicklungen im Finanzsektor, allem voran die anhaltende Tiefzinsphase.
Immer wichtiger wird nicht zuletzt das Thema Digitalisierung, auch für uns als Verband. Hier befassen wir uns mit Regulierungsfragen, die sich aus neuen Trends und digitalen Geschäftsmodellen für Banken ergeben. Dazu gehören beispielsweise die rechtliche Behandlung von digitalen Assets, Cloud-Banking oder auch Fragen zur Regulierung von Fintechs im Bereich Blockchain respektive DLT. Dazu haben wir gerade erst Ende August in Basel einen grösseren Event zusammen mit mehreren Partnern veranstaltet.

Dass in diesem Bereich aktuell viel geschieht zeigt auch die kürzliche Vergabe von je zwei Bank- und Effektenhändlerbewilligungen in der Schweiz durch die FINMA. 

Ein prominentes Thema der Digitalisierung in der Finanzindustrie ist ja «Open Banking», wo Finanzinstitute ihre Kundendaten, Services und Schnittstellen für Dritte sog. Third Party Provider (TPP) öffnen. Wie ist generell die Meinung der SBVg zu den aktuellen Initiativen in diesem Bereich?



Eine Klammerbemerkung vorweg: Grundsätzlich ist Open Banking in der Schweiz kein neues Phänomen. Viele Banken bieten im Firmenkundenbereich bereits seit Jahrzehnten Open Banking Lösungen an und die Servicepalette für KMU nimmt weiter zu. Die aktuelle Open Banking Debatte dreht sich vorab vor allem um Privatkunden. Entwicklungen in der Schweiz gibt es sowohl bei der Infrastruktur, wie beispielsweise der Connectivity Plattform der SIX, wie auch bei der zunehmenden Anzahl konkreter Anwendungen.

Ich bin überzeugt, dass Open Banking die Bankenbranche nachhaltig beeinflussen und verändern wird. In einer Welt mit zunehmender Fragmentierung der Wertschöpfungskette und der Bedienung des Kunden über eine Vielzahl unterschiedlicher Finanzdienstleister ­– also nicht nur Banken, sondern auch Fintechs, Neobanken und zunehmend auch branchenfremde Dienstleister – stellt sich nicht die Frage, ob sich Open Banking etablieren wird, sondern in welcher Form.

Wir sehen im Open Banking grosses Potential für den Finanzplatz Schweiz. Dabei ist es wichtig, proaktiv zu Rahmenbedingungen beizutragen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz stärken. Gleichzeitig wollen wir sicherstellen, dass die Marktintegrität weiterhin hoch bleibt.

Einige Fragestellungen müssen noch abschliessend beantwortet werden. Diese betreffen etwa den Datenschutz, Haftungsfragen und Zulassungskriterien beziehungsweise Zertifizierungen von Drittanbietern. Wir haben zu diesem Zweck eine Arbeitsgruppe einberufen, die sich mit genau diesen Fragen und den regulatorischen Implikationen auseinandersetzt.

In der EU soll Mitte nächsten Monat die PSD2 produktiv angewendet werden. Banken werden in dieser Regulation gezwungen, Ihre Zahlungsverkehrskonten für Dritte für Abfragen und die Ausführung von Zahlungen zu öffnen. Warum übernimmt die Schweiz nicht einfach die technischen Standards der Berlin Group?

Man sollte die Frage ein wenig differenzierter betrachten und hier zwei Unterscheidungen machen: Das eine ist, wie Sie richtig sagen, eine Regulierung, welche die Banken zwingt, ihre Schnittstellen zu öffnen – PSD2. Das andere wiederum umschreibt die Bestrebungen eines Gremiums, die Schnittstellen technisch zu standardisieren – die Berlin Group.

Banken sollen selbst entscheiden können, für welche Drittanbieter Schnittstellen geöffnet werden. Nicht zuletzt auch aus Sicherheitsüberlegungen. Die zwangsweise Öffnung von Schnittstellen – wie dies die EU-Richtlinie PSD2 erzwingt – ist in der Schweiz auf jeden Fall unnötig. Wie die EU im Moment erfahren muss, verhilft eine erzwungene Öffnung dem Open Banking nicht zum Durchbruch. Sie zementiert eher bestehende Grenzen zwischen Banken und Drittanbietern. In der Schweiz besteht aus meiner Sicht kein Handlungsbedarf. Der Wettbewerb funktioniert und die Banken bieten schon heute zahlreiche innovative Produkte an. Ein Beispiel sind die bereits erwähnten Schnittstellen zu Buchhaltungssoftwares oder multibankingfähige Lösungen.

Entscheidend für ein funktionierendes offenes Ökosystem sind vielmehr branchenweit standardisierte Schnittstellen. Die Übernahme von international etablierten Standards macht dabei sicher Sinn, solange sie zu Kompatibilität und höherer Effizienz führen. Mit technischen Belangen befassen wir uns als Branchenverband aber nicht direkt und ich kann nicht im Detail einschätzen, was die technischen Vor- und Nachteile der jeweiligen Lösungen sind. Hierfür sind wir im engen Austausch mit Organisationen und Verbänden, die Standards für solche Schnittstellen entwickeln oder eben allenfalls übernehmen. Dazu zählen etwa die SIX oder Swiss Fintech Innovations.

Betrachtet man den relativen kleinen Open Banking Markt in der Schweiz, so verwundert es, dass aktuell verschiedene Standard-Initiativen lanciert wurden: «Swiss Corporate API» von SIX, «Swiss Open Finance API» von Swiss Fintech Innvations und «OpenBankingProject.ch» mit u.a. dem Business Engineering Institute St. Gallen und dem Kernbanken-Systemhersteller Finnova. Ist das nicht etwas viel? Sollten hiesige TPPs nicht auf einen einzigen Schweizer Standard setzen können?


Die Tatsache, dass verschiedene Initiativen eine Lösung durchsetzen möchten, verdeutlicht, dass der Wettbewerb spielt. Wie die Erfahrung aus anderen Standardisierungen zeigt, ist es gut möglich, dass sich aus Effizienzgründen am Schluss nur eine einzelne Lösung etablieren wird. So hat sich zum Beispiel der USB-Anschluss bei Elektrogeräten durchgesetzt. Andere Lösungen konnten sich nicht behaupten.

Die erwähnten Initiativen verfolgen teils unterschiedliche Ziele und Ansätze. Letztlich wird aber der Wettbewerb und die Kunden entscheiden, welche Standards sich durchsetzen werden. Zu beachten gilt auch, dass die Schweizer Banken neben inländischen Anbietern grundsätzlich auch auf internationale Lösungen setzen können. Es ist daher durchaus möglich, dass Banken selbst oder weitere Dritte aus dem In- oder Ausland Angebote auf den Markt bringen. 

Welche Rolle kann die SBVg bei der Umsetzung eines nationalen Standards einnehmen? Will sie das überhaupt oder soll hier der Markt spielen? Wäre hier für die Durchsetzung eines einheitlichen Standards nicht doch der Regulator gefordert?


Wir bekennen uns zum Wettbewerb. Ich bin der Ansicht, dass regulatorisch vorgeschriebene technische Standards wohl nicht zielführend sind. Zudem: der Regulator wird die Kundenbedürfnisse kaum besser kennen, als die Marktteilnehmer. 

Ein brisantes Thema bei Schweizer Banken ist die Kosten- und Ertragsseite von Open Banking. Die Banken in der EU sind ja zumindest für Zahlungsverkehrskonten verpflichtet, die Schnittstellen kostenlos anzubieten. In der Schweiz gibt es verschiedene Meinungen dazu. Wie sieht die SBVg das Thema? Alles kostenlos? Falls Nein, welche Akteure sollten hauptsächlich für die Kosten der Entwicklung und Nutzung von APIs aufkommen?

Zu geschäftsstrategischen Fragestellungen von Einzelinstituten kann ich keine Stellung beziehen.

Es liegt aber in der Natur der Sache, dass sich Banken den technologischen Trends und Entwicklungen nicht entziehen können und wollen. Aus regulatorischen Gründen benötigen Fintechs aber auch in einem zukünftigen Open Banking Ökosystem die Banken, namentlich für ihre Infrastruktur, das Kundenvertrauen, die Sicherheit und nicht zuletzt den Zugang zu Finanzmärkten.

Eine Banklizenz zu erlangen und alle damit verbundenen Vorschriften einzuhalten ist jedoch sehr aufwendig. Banken sind daher aufgefordert, ihre Geschäftsmodelle so anzupassen, dass sie ihre Dienstleistungen einerseits effizient anbieten können und andererseits ihre Wertschöpfung nachhaltig vergütet wird. Grundsätzlich ist es daher durchaus denkbar, dass sich die Ertragsmodelle der Banken stark verändern werden. 

Einige Experten und viele Beratungsunternehmen sagen den Banken an der Kundenschnittstelle eine schwierige Zeit voraus, bis hin zum Verlust derselben. Werden Schweizer Retailkunden in Zukunft noch Lösungen von Banken einsetzen oder mehrheitlich auf Angebote von Dritten wechseln?

Aus heutiger Sicht lässt sich dazu nur spekulieren und das ist nicht unsere Rolle als Branchenverband. Im Moment ist es in der Schweiz so, dass zwischen Banken und Fintechs meist eine symbiotische Rollenteilung besteht: Banken und Fintechs kooperieren eng und gemäss ihren jeweiligen Stärken.

Die Kundenschnittstelle ist dabei ein zentraler Faktor, das ist so. Möglicherweise wird sich für die Banken der Wettbewerb um die Kundenschnittstelle intensivieren. Wer sich da durchsetzt, ist aber aus heutiger Sicht nicht eindeutig zu beantworten. Neben technischen Angeboten wie E-Banking, Apps und Kreditkarten zählt hierzu vor allem auch die «menschliche» Schnittstelle, also eine kundenspezifische, persönliche Beratung. Nicht jede Kundin oder jeder Kunde wünscht eine rein digitale Dienstleistung. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Kunden durchaus bereit sind, für eine persönliche Beratung von kompetenten, zertifizierten Kundenberaterinnen und -beratern einen Preis zu bezahlen. Es wird also auch in Zukunft auf den richtigen Mix an digitalen und «menschlichen» Kanälen ankommen.

Im Gegensatz zu heute, wo die Banken meist die gesamte Wertschöpfungskette abdecken, könnten Teile davon künftig von Fintechs angeboten werden. Gleichzeitig können Banken und vor allem deren Kunden auch direkt profitieren. Anstelle Apps und E-Banking-Lösungen mit viel Aufwand selber zu erstellen, können Banken dies weitgehend dem Markt überlassen. Sie können sozusagen aus einer Menükarte die jeweils beste Lösung für sich und ihre Kunden aussuchen. Ausserdem können Fintechs bei der Kundenakquisition behilflich sein, indem sie neue Zielgruppen ansprechen.

Die sich entwickelnden Ökosysteme sind dabei viel breiter zu sehen, als nur zwischen Banken und Fintechs. Funktionierende digitale Ökosysteme beinhalten eine Vielzahl von Anbietern diversester Natur. Denken Sie nur schon an die Immobilienplattformen oder die Tourismusbranche, welche sich breit entwickelt haben. In Zukunft ist es also durchaus denkbar, dass Banken nicht mehr alles selber machen, sondern sich auf einzelne, ihren Kernkompetenzen entsprechenden Bereiche fokussieren. 

Eine Frage zum Schluss: Können sie den Schweizer Banken Empfehlungen für den zukünftigen Umgang mit Open Banking geben? Was sind mögliche Szenarien? Entwicklung von eigenen Plattformen, Kooperation mit einer der drei Schweizer Initiativen oder gar ein Angebot gemäss den technischen Standards der Berlin Group (PSD2)?

Unsere Banken wissen selber am besten, wie sie sich aufstellen wollen. Es liegt nicht an uns, ihnen Ratschläge zur Geschäftsstrategie zu erteilen.

Wir sehen im Open Banking grosses Potential für den Finanzplatz Schweiz. Dabei ist es für uns wichtig, proaktiv zu Rahmenbedingungen beizutragen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz stärken. Gleichzeitig wollen wir sicherstellen, dass die Marktintegrität weiterhin hoch bleibt.

Wir verfolgen das Thema daher sehr genau und versuchen, die regulatorischen Hürden zu erkennen und wo immer möglich zu beseitigen. Wir sind auf jeden Fall gespannt, wo die Reise hinführt.



Das Interview geführt hat unserem CEO Carsten Miehling.