PPI Schweiz und der Digital Finance Experts Blog sind bekannt für die Nähe zum Zahlungsverkehr. In diesem Blog haben wir etwas über den Tellerrand hinaus geschaut und waren bei Kitro, um mehr zum Thema Start-up-Dasein, Innovation und Umweltschutz zu verstehen.

Erst kürzlich hat das Bundesamt für Umwelt 5 Studien über die Lebensmittelverschwendung in der Schweiz präsentiert (siehe Bericht SRF). Schweizer Haushalte alleine werfen pro Jahr eine Million Tonnen Lebensmittel weg, insgesamt sind es 2.6 Millionen. Die Schweiz hat sich verpflichtet, bis 2030 50% weniger sog. food waste zu produzieren. Aber wie lassen sich die Abfälle überhaupt effizient messen? Eine Lösung bietet Kitro. Vor kurzem traf ich mich deshalb mit Naomi McKenzie, der Co-Gründerin des Lausanner start-ups.

Ich treffe Naomi in einem verlassen wirkenden Gebäude auf dem Siemens Areal in Albisrieden. Die 8 Mitarbeiter haben dort ein grossräumiges Büro inklusive der start-up-üblichen Couch-Ecke und dem Tischkicker. An einer Wand hängt ein grosses Poster mit bisherigen Kunden und zukünftigen Partnerschaften. Darunter sind grosse Lebensmittelkonzerne, Hotellerien und Kantinen-Zulieferer. Es mangelt also nicht an Arbeit, wie mir Naomi verrät. Das Interview führen wir dann in Englisch.

Hi Naomi, danke für die Einladung. Lass mich dich und dein Unternehmen erstmal etwas kennen lernen: Was macht ihr?

Hi, also wir sind Kitro, Abkürzung für Kitchen Hero, und wir automatisieren den Prozess der Messung von Lebensmittelabfällen in Restaurants, Kantinen und Hotel-Gruppen.

Wir kommen aus dem Gaststätten-Gewerbe und mussten dort erfahren, dass viele Lebensmittel weggeworfen werden. Wir sahen auch, dass es in Grossküchen schwierig ist, zu messen, was und wie viel weggeworfen wird. Bei Kitro nutzen wir Bilderkennungsverfahren und machine learning, um den ganzen Prozess zu automatisieren und nachvollziehen zu können, was wann und wieviel davon weggeschmissen wird.

Und wie funktioniert das?

Wir haben ein Hardware-Gerät entwickelt: Eine Waage platzieren wir unter der Abfalltonne, in die die Lebensmittel wandern. Darüber kommt eine Kamera. Dieses IoT-Gerät reicht die erfassten Daten an unsere Software weiter. Dort werden die Daten verarbeitet und dem Kunden auf einem Dashboard zur Verfügung gestellt.

Wie detailliert werden denn die Bilder verarbeitet?

Bis auf das einzelne Objekt genau. Der Algorithmus findet heraus, ob es sich um einen Apfel oder eine Birne handelt oder um Reis oder Quinoa. Auch ob es sich um den essbaren oder nicht essbaren Teil handelt. Je mehr Bilder der Algorithmus erhält, desto genauer werden die Analysen. Aber natürlich müssen die Objekte optisch unterscheidbar sein: Zwischen Joghurt und Sauerrahm kann nicht unterscheiden werden. Deshalb sucht die Software nur nach Lebensmitteln, die tatsächlich vom Kunden verwendet werden.



Die Software macht also die Lebensmittelverschwendung sichtbar. Aber wie lässt sich aus der Sichtbarkeit eine Reduktion erreichen?

Grundsätzlich ist es schwierig, den Abfall zu reduzieren, wenn man nicht weiss, woher er kommt. Und selbst Unternehmen die glauben, gut Bescheid zu wissen, können selten belastbare Daten oder Kosten angeben. Wenn man aber die Daten hat, ist es viel einfacher, das Management von Veränderungen im Einkauf und in den Prozessen zu überzeugen. Werden z.B. bestimmte Kombinationen regelmässig zusammen weggeworfen, oder landen bestimmte Lebensmittel zu bestimmten Zeiten häufig im Müll, kann man daraus lernen.

Hatten eure Kunden schon vorher Prozesse zur Messung des Abfalls?

Einige messen einmal jährlich für 4 Wochen. Das ist häufige Praxis in der Schweiz. Das Problem dabei ist, dass die Mitarbeiter in dieser Zeit ihr Verhalten ändern können. Ausserdem gibt es sehr viele Variablen, die den Abfall beeinflussen, und in einer kurzen Zeit schafft man es nicht, all diese Informationen zu erfassen.

Und wie messen die Unternehmen?

Manuell, mit Waagen und Excel-Sheets.

Ihr digitalisiert also einen Prozess, den es analog schon gibt?
Genau

Welche Kundengruppen habt ihr?

Wir arbeiten mit Kantinen, Restaurants, Universitäten, Spitälern und Hotelgruppen.

Und Banken?

Bisher nicht

Und was sind eure Pläne für die nächsten Jahre? Ich bin zum Beispiel beruflich oft in Hotels. Wenn ich wüsste, dass z.B. Mercure Hotels ihre Lebensmittelabfälle reduzieren, dann wäre das für die Hotels ein Image-Gewinn und ich hätte ein gutes Gewissen.
Genau. Immer mehr Menschen treffen Entscheidungen, etwa im Bereich Tourismus, auf Grundlage des ökologischen Einflusses. Daher wollen wir definitiv eine Zertifizierung etablieren und einen Standard aufbauen. Wir hoffen, dass unsere Daten aus den verschiedenen Unternehmen helfen, Standards festzulegen. Man könnte beispielsweise für Kantinen einer bestimmten Grösse definieren, wieviel Lebensmittelabfälle sie maximal produzieren sollten. Wir können ausserdem dabei helfen, den ökonomischen und ökologischen Fussabdruck zu bestimmen – z.B. durch die Messung der CO2-Bilanz der weggeworfenen Lebensmittel.

Das sind ja schon recht umfangreiche Ideen, danke dafür! Noch zu ein paar Bank-spezifischen Fragen: Wie bezahlen denn die Kunden gegenwärtig?

Wir arbeiten mit monatlichen Abos. Online Payments direkt über das Dashboard werden sicher ein nächster Schritt sein.

Welche Geschichte habt ihr mit Banken?

Also finanziert werden wir von privaten Investoren und über Subventionen. Wir sind aktuell für Banken noch zu klein und zu riskant. Unsere Hausbank ist die Credit Suisse und die treffen wir ab und zu, um über das start-up-Leben zu plaudern. Wir kennen sie über die Kickstart Accelerator Events. Wir nutzen darüber hinaus Bexio – wie wohl die meisten start-ups. Damit sind wir recht zufrieden.

Alles klar. Ich denke, wir haben einen guten Einblick erhalten. Hast du noch etwas, was du uns mitgeben willst?

Wir möchten Awareness für das Thema schaffen. Wir freuen uns, falls sich eine Bank mit uns austauschen möchte und hoffen natürlich, dass wir bald auch mit Banken beziehungsweise mit deren Kantinen zusammenarbeiten können.

Kitro Team


Naomi, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!


Dieses Interview wurde von Sebastian Strub geführt.

SwatchPAY! – die berühmte Plastikuhr wird zum Plastikgeld

Wir freuen uns, dass wir die Gelegenheit bekommen haben, uns in Biel mit Swatch über die seit Anfang Jahr auf dem Schweizer Markt erhältliche Payment-Lösung SwatchPAY! zu unterhalten.

Imposant ragt die neue Holzdachkonstruktion des Architekten Shigeru Ban über den Eingang des neuen Swatch Hauptsitzes an der Nicolas-G.-Hayek-Strasse in Biel. An der Drehtür wird noch gearbeitet, Handwerker wuseln herum und nehmen letzte Einstellungen an der Elektronik vor, optimieren Zugangsschranken oder dichten eingesetzte Glasscheiben ab. Der neue Firmensitz ist noch nicht ganz fertig – und doch wirkt die bahnbrechende Architektur bereits jetzt einladend, cool und attraktiv.

Wir treffen im Raum „Goldfinger“ Alain Villard, den Brand Manager von Swatch Schweiz, zum Interview. Und auch wenn das Sitzungszimmer nicht aussieht wie das Office von „M“ oder James Bond, so macht alleine die Namensgebung neugierig und Lust auf mehr.


Sehr geehrter Herr Villard, herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen, mit uns über SwatchPAY! und den Schweizer Markt zu sprechen. Sie lancieren in der Schweiz SwatchPAY!, was genau darf ich mir als Endkunde darunter vorstellen?

Weniger eine ausgeklügelte Strategie oder einen Masterplan als vielmehr die Lust als Marke immer wieder innovative Produkte auf den Markt zu bringen und unsere Kundschaft damit zu überraschen. Das haben wir auch in den vergangenen Jahren stets so gemacht. Jedes Jahr kamen wir mit zwei oder sogar drei neuen Produktlinien auf den Markt. Vor SwatchPAY! lancierten wir im vergangenen Oktober mit grossem Erfolg Swatch by You, die personalisierte Uhr. Und SwatchPAY!, die Uhr mit Bezahlfunktion, ist etwas, das wir im Juni 2017 sehr erfolgreich in China auf den Markt gebracht haben. Interessanterweise treffen wir damit den Nerv der Zeit. Dieses Produkt haben unsere Kunden so nicht von uns erwartet und das generiert schon mal ein gewisses Mass an Aufmerksamkeit. Es geht uns aber nicht darum, in Wettbewerb mit andern Marken zu treten, die ebenso - auf ihre Weise - eine Bezahlfunktion am Handgelenk anbieten, sondern es ist ein Service, eine zusätzliche Funktion, die wir unseren Kunden anbieten.

Der Erfolg einer solchen Payment-Lösung hängt nicht zuletzt von einem einfachen Onboarding-Prozess ab. Wie funktioniert der bei SwatchPAY! und welche Voraussetzungen muss der Kunde dafür erfüllen?

Sie können in eine von aktuell 29 dafür eingerichteten Verkaufsstellen in der Schweiz gehen, suchen sich eines der momentan vier Modelle von SwatchPAY! aus und laden auf Ihrem Smartphone die SwatchPAY! App herunter. Weiter sollten Sie bereits im Besitz einer Zahlungskarte von Mastercard sein, herausgegeben von einem der folgenden Unternehmen: Cembra Money Bank, Cornèrcard, Credit Suisse, Swiss Bankers, Swisscard, UBS, Viseca oder Wirecard - bald wird übrigens auch Visa hinzukommen und vielleicht auch American Express, das werden wir sehen. Das Onboarding wird dann direkt vor Ort im Swatch Store gemacht. Dafür nutzen Sie die im Laden installierte SwatchPAY! Box. Als erstes öffnen Sie die App, generieren sich ein Login und erfassen Ihre Zahlungskartenangaben. Dazu können Sie aus der App heraus die Zahlungskarte ganz einfach scannen. Dann scannen Sie mit der App den QR-Code auf der SwatchPAY! Box und positionieren die Uhr auf das dafür vorgesehene Feld. Die Uhr synchronisiert sich nun mit den Zahlungskarteninformationen der App. Es wird also ein Token auf Ihrer Uhr erzeugt, der an Ihre Zahlungskarte gekoppelt ist. Dieser Prozess dauert nur wenige Minuten. Sobald der Token generiert ist, ist ihre Uhr einsatzfähig und Sie können sofort damit bezahlen.

Ist es möglich, mehrere Uhren mit einer Mastercard zu tokenisieren?

Ja, das geht. Das Gegenteil ist jedoch nicht möglich. Sie können nicht mehrere Zahlungskarten auf der gleichen Uhr hinterlegen. In der App verwalten Sie, bei welcher der Uhren Sie die Bezahlfunktion gerade aktiv haben möchten. Sie haben hier also ganz einfach die Möglichkeit, den Token auf der Uhr sofort zu sperren.

An welche Zielgruppe richtet sich SwatchPAY! ?

An Alle (lacht). Wir haben das Glück, dass wir eine sehr breit gestreute Kundschaft haben, von ganz jung bis ganz alt, das war schon immer so. Das heisst, wir wollen unseren Fokus mit SwatchPAY! nicht unnötig einschränken. Trotzdem müssen wir hier klar sein: die Millennials sind schwieriger zu bekommen als vielleicht andere Generationen und es ist natürlich klar, dass das eine Zielgruppe ist, die wir als Mehrwert sehen. Durch SwatchPAY! eröffnen sich für uns aber auch neue Kundensegmente wie z.B. Bankangestellte, die reissen uns die Uhren geradezu aus der Hand. Wir haben dank SwatchPAY! in den letzten zwei Monaten sehr viele neue Kunden gewonnen.

Was hat die Marke Swatch bewogen überhaupt ins Bezahlbusiness einzusteigen?

Das ist gar nicht so neu für Swatch. Wir sind vor über 20 Jahren mit dem Chip-Konzept gestartet. Wir hatten Ende der 90er Jahre Swatch Access lanciert, eine Uhr auf der man z.B. den Ski-Pass speichern konnte. Wir haben das mit dem Chip somit nicht neu erfunden. Auch Tickets für Stadionbesuche konnte man auf der Uhr hinterlegen. Und vor drei Jahren brachten wir die Swatch Bellamy Uhr auf den Markt, mit der man bereits bezahlen konnte. Swatch Bellamy war jedoch ein ganz anderes Konzept als die heutige SwatchPAY!. Die Idee damals war gut, aber das Konzept war zu kompliziert. Es lief über eine hinterlegte Prepaid-Karte, bei der leider jedes Aufladen Spesen verursachte.

Ich bekomme durch diese Uhr also einen Bezahlchip ans Handgelenk, der im Prinzip das Gleiche kann wie die EC- oder Kreditkarte in meiner Tasche, nämlich kontaktlos bezahlen. Warum glauben Sie, brauche ich das als Konsument resp. warum muss eine Uhr bezahlen können?

Unser Ziel ist es, den Bezahlvorgang so einfach wie möglich zu machen. Ich benutze SwatchPAY! nun seit 6 Monaten (ich war einer der Tester) und ich muss Ihnen sagen, dass es Spass macht und dass das Handling viel einfacher und auch sicherer ist als wenn ich jedes Mal meine Karte ziehen muss. In der Vergangenheit liess ich meine Kreditkarte immer mal wieder zuhause liegen, das passiert mir heute nicht mehr (lacht).

Bei der Entwicklung des Produktes dachten wir vor allem daran, wie wir unseren Kunden einen Mehrwert bieten können, der sehr bequem und auch einfach im Umgang ist. Und das haben wir geschafft, der Aufwand am Verkaufspunkt ist viel geringer. Nehmen wir an, Sie sind in einem Club an der Bar und müssen bezahlen. Die Uhr können Sie selbst dann ans Lesegerät halten, wenn Sie zwei Drinks in den Händen halten. Zudem ist es viel sicherer, denn normalerweise haben Sie die Kreditkarte nicht am Handgelenk festgebunden und falls die Uhr tatsächlich abhandenkommen sollte, können Sie den Token sofort via Smartphone sperren. Sie müssen dafür nicht mal Ihre Bank anrufen.

Sie haben sich bei SwatchPAY! für ein hinterlegtes Kreditkartenschema entschieden, was von der Technologie her nicht neu ist. Sie sprachen vorhin über innovative Produkte, das führt natürlich zur Frage, warum Swatch hier nicht viel weitergegangen ist und etwas ganz Eigenes entwickelt hat?

Ich bin weder Ingenieur noch zuständig für die Produktabteilung, von daher kann ich Ihnen diese Frage nicht vollumfänglich beantworten. Aber als Zuständiger für den Schweizer Markt kann ich Ihnen sagen, dass wir schnell sein und etwas Einfaches anbieten wollten. Bestimmt gibt es noch sehr viele Ideen, die vielleicht weiterführend sind, aber Sie müssen verstehen, dass wir uns hier nicht im Smartwatch-Bereich bewegen, das war nie direkt unser Ziel. Swatch war immer ein buntes Accessoire. Bei uns muss es einfach und erschwinglich sein. Und die vorliegende Lösung bekommen Sie zu einem absolut genialen Preis. Andere Angebote, die mehr Entwicklungsarbeit, mehr Aufwand erfordern, würden wir Ihnen ziemlich sicher nicht zu einem Preis von unter hundert Franken bieten können. Aber genau das wollten wir unbedingt.

Sie haben den Preis angesprochen, eine SwatchPAY! bekommt man zu einem geringfügig höheren Preis als die meisten Ihrer normalen Uhren. Glauben Sie, dass der Bezahlchip generell zu einem Standard werden wird in sämtlichen Modellen?

Die Swatch New Gent, die der gleichen Grösse entspricht wie die SwatchPAY! Uhren, bekommen Sie für 75 Franken, während Sie für die SwatchPAY! 85.- bezahlen. Das heisst, die SwatchPAY! ist tatsächlich nur zehn Franken teurer. Mittel- und langfristig gesehen wäre es sicherlich ideal, wenn wir jedes Swatch Modell mit der Bezahlfunktion ausrüsten könnten. Der Kunde kann dann frei wählen, ob er eine klassische Swatch Uhr oder vielleicht doch lieber eine Swatch Irony (Edelstahluhr A.d.R.) haben möchte. Zurzeit ist es aber noch nicht soweit. Die Schweiz ist nach China das zweite Land weltweit in dem wir SwatchPAY! lanciert haben. Wir planen zudem Rollouts für 2019 in mehreren Ländern in Europa sowie in Amerika. Unsere Ingenieure und die Produktabteilung überlegen bereits jetzt, wie wir in absehbarer Zeit die Bezahlfunktion in möglichst viele weitere Uhrenmodelle einbauen können.

Ich habe gelesen, dass es unter Umständen gar nicht so einfach sein soll, aufgrund der Bauart des Chips und der NFC-Antenne, kleinere Uhren damit auszurüsten und somit auch feinere Handgelenke bedienen zu können. Ist die Technik vielleicht auch gar noch nicht soweit?

Ja, das habe ich auch gehört, diese Frage taucht immer mal wieder auf. Und die Antwort, die die Entwickler darauf geben ist tatsächlich, dass die Antenne einen gewissen Platz braucht. Im Moment bedingt das also die vorliegende Uhrengrösse. Aber das schliesst nicht aus, dass wir in Zukunft auch feinere Uhrenmodelle damit ausstatten können. Und ich möchte in diesem Zusammenhang auch darauf hinweisen, dass wir historisch gesehen mit Swatch New Gent, der Modellvorlage für SwatchPAY!, extrem viel Erfolg auch bei Frauen hatten. Der Gehäusedurchmesser beträgt 41mm. Und von den vorliegenden vier SwatchPAY! Modellen sind mindestens zwei sehr weiblich. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Bei uns melden sich Männer, die sich männlichere Modelle mit inkludierter Bezahlfunktion wünschen, und das werden wir nun in den nächsten Monaten umsetzen.

Inwiefern achten Sie bei der Lancierung von SwatchPAY! in einem neuen Markt auf Statistiken, die den Anteil an Bargeldtransaktionen im jeweiligen Land beschreiben?

Das ist eine gute Frage. Natürlich sind solche Informationen interessant, aber für unsere Zwecke eher zweitrangig. Bei der Lancierung von SwatchPAY! spielt vor allem eine Rolle, wie viele Karten-Issuer es auf dem jeweiligen Markt gibt und wie viele Kunden die haben. Je weniger Player mit vielen Kunden, desto interessanter für uns. Und dann achten wir natürlich auch darauf, wie stark die Marke Swatch in dem jeweiligen Markt ohnehin schon ist. Das spricht zum Beispiel für Italien und Frankreich, aber eher weniger für die nordischen Staaten, obwohl gerade in Schweden sehr oft bargeldlos bezahlt wird.

Die App, die es braucht, damit die PAY-Funktion der Uhr genutzt werden kann, hat Swatch entwickelt. Darin fülle ich meine Zahlungskarteninformationen ab und erzeuge beim Onboarding-Prozess den entsprechenden Token auf der Uhr. Kann ich als Kunde in der App die getätigten Transaktionen sehen?

Nein, die sehen Sie im Moment noch nicht. Die Funktion existiert aber, sie war nur noch nicht fertig für die Lancierung am 17. Januar. Wir wollten mit dem Produkt unbedingt auf den Markt und haben die App deshalb ohne dieses Feature gebracht. Das wird aber sehr bald kommen, es ist nur noch eine Frage von Wochen. Sie werden dann in der SwatchPAY! App jedoch lediglich diejenigen Transaktionen sehen, die Sie mit der Uhr vorgenommen haben. Während Sie natürlich in der App Ihres Kartenherausgebers alle Transaktionen sehen können, unabhängig davon, ob Sie mit der Uhr oder mit der Karte bezahlt haben.

Apple bringt nach der AppleWatch und ApplePay nun eine eigene Kreditkarte heraus. Es werden neue Features versprochen wie z.B. eine Ausgabenanalyse und Fraud-Protection. Klingt sowas für Swatch verlockend oder befinden Sie sich da wo ganz anders?

Wie bereits gesagt möchte ich unsere Produkte nicht mit Apple vergleichen, weil die Produktstrategien grundsätzlich verschieden sind. Schon die Preise sind nicht zu vergleichen. Zudem glaube ich, dass Apple in der Schweiz nicht alle Issuer von Mastercard überzeugen konnte, während die alle bei uns mitmachen. Klar haben wir in der Schweiz ein Renommee, und ich nehme an, das hat natürlich geholfen.

Unser Produkt hält, was es verspricht, es ist einfach im Handling und sehr sicher. Die Uhr verbindet sich weder mit dem Smartphone noch mit dem Internet. Und wir haben keinen Zugriff auf die Informationen der Kunden, das wollen wir auch nicht und das wird auch so bleiben.

Herr Villard besten Dank für dieses Gespräch.


Dieses Interview wurde von  Matthias Hungerbühler geführt.

#SwatchPAY! #Digitalisierung #SmartWatch #Innovation

Das war der PPI Schweiz Frühlings-TopEvent 2019

Zum nunmehr zehnten Male haben über 100 Experten aus Banken und von PPI Schweiz dem Patienten Zahlungsverkehr den Puls gefühlt. Gerade beim diesmaligen Fokusthema Open Banking schlägt dieser bei Bankern derzeit höher – sei es aus Angst vor der Konkurrenz aus dem FinTech-Bereich oder aufgrund der grossen Chancen durch die Etablierung standardisierter Schnittstellen und effizienter Ökosysteme.

Wie immer hat sich die Gesellschaft nicht mit Oberflächlichkeiten abgelenkt, sondern Klartext gesprochen. Ist Open Banking Krankheit oder Arznei für den Finanzplatz? Christian Schäfer von der Deutschen Bank gab hierzu spannende Einsichten aus dem Umfeld PSD2 preis. Löst das Wort PSD2 in den Retail-Abteilungen der Banken oft Magenschmerzen aus, bieten sich im Bereich Unternehmenskunden zahlreiche Möglichkeiten. So positioniert sich das Geldhaus als Drittpartei (Third Party Provider, TPP) und ermöglicht Multi-Banking-Funktionalitäten über die eigene App. Im Zusammenspiel mit Instant Payments bzw. der International Air Transport Association (IATA) vereinfacht die Bank das Bezahlen von Flug-Tickets und schafft so eine Alternative für Kartenzahlungen. Mit solchen Innovationen möchte sich die Deutsche Bank als aktiver Treiber für die Etablierung eines «minimal viable ecosystem» und später eines «Open Banking ecosystem» positionieren. Gewürzt mit viel Humor und spannenden Appetizern, wie etwa Einblicken in Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit, war der Vortrag ganz nach dem Geschmack der Gäste. 

Der zweite Chefkoch des Abends, Dejan Juric von SIX, ging sogar noch darüber hinaus – zumindest dem Titel seiner Keynote nach. In «Beyond Open Banking in Switzerland» informierte er über den Status des Projekts SIX Connectivity, ehemals Swiss Corporate API. Die Idee hinter dem Projekt ist die Schaffung einer einheitlichen Schnittstelle für Software-Provider und weiteren Drittparteien auf der einen und den Banken auf der anderen Seite. Proprietäre Schnittstellen und unübersichtliche Beziehungen sollen so überwunden werden. Mit den Zahlungsauslöse- und Kontoinformations-Diensten werden dieses Jahr bereits erste Anwendungsfälle geschaffen. Die Implementation Guidelines sind in einer Version 1.0 final. Juric appellierte, sich an diese zu halten, ob man sich nun an das SIX-Ökosystem anschliesse oder nicht.

Schliesslich stellten sich die beiden Keynote Speaker sowie Martin Walder von Credit Suisse den kritischen Fragen unseres CEO Carsten Miehling und des Publikums. Sandro Maag von Abacus bereicherte die Runde mit den Einschätzungen aus Sicht des Software-Hauses.

Anschliessend kam allerdings erst der wirkliche Hauptgang des Events: Der Apéro-riche lud zum ausgiebigen Networking ein. Die Gäste konnten sich in vertrauter Atmosphäre über alle relevanten ZV-Themen austauschen. Angesichts des reichhaltigen Angebots an Gesprächspartnern, Getränken und Häppchen dachten viele Gäste erst in den frühen Stunden des neuen Tags daran, den Heimweg anzutreten. Sie haben ein rundum gelungenes Abendprogramm genossen und sicher fest eingeplant, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Auch PPI Schweiz freut sich auf den nächsten TopEvent am 31.10.2019.

Einige Eindrücke finden Sie hier.

#TopEvent #OpenBanking

Ein Hoch auf die Digitalisierung - oder auch: Leben Totgesagte länger?

Im Schatten all der Innovationen im Zahlungsverkehr und den Financial Services im Allgemeinen überraschte die SNB letzte Woche mit der Ankündigung einer absoluten Neuheit! Die neue 1000er-Note wurde unter tosendem Applaus vorgestellt. Die 5. neue Note des Erfolgsschlagers der bereits 8. Banknotenserie kommt am 13. März 2019 auf den Markt. Morgen also bereits. Sind Buchgeld und Kryptowährungen etwa bereits wieder ein alter Hut? Schliesslich sind sowohl Buchgeld als auch Kryptowährungen definitiv schlechter greifbar als das gute (neue) Bargeld und sind in der Zwischenzeit auch gar nicht mehr so neu. Wir hatten in diesem Blog ja bereits am 17.07.2018 über Cryptocurrencies im Allgemeinen und auch am 11.09.2018 konkreter über Ripple berichtet.

Ein immer wieder unterschätzter Vorteil eines physischen Gegenstandes gegenüber etwas nicht Greifbarem ist die Haptik. Unter Haptischer Wahrnehmung versteht man das tastende “Begreifen” im Sinne des Wortes, also die Wahrnehmung durch aktive (physische) Erkundung. So haben Psychologen herausgefunden, dass man durch die Haptik emotionale Bindung aufbaut. Ein Gegenstand, den wir fühlen können, hinterlässt also einen bleibenderen Eindruck als etwas Gelesenes oder Erzähltes. Die neue 1000er-Note ist also die perfekte physische Ergänzung zu der gemeinhin als richtig angesehenen Geschichte, dass das durch unsere Nationalbank ausgegebene Geld effektiv auch einen Wert hat. Bei dieser 1000er-Note können wir den Wert der weltweit wertvollsten Banknote auch effektiv fühlen. Ein deutlicher Vorteil von Bargeld gegenüber Buchgeld, von welchem wir lediglich eine Zahl auf einem Bildschirm sehen oder auch von Kryptowährungen, die wir ebenfalls nicht fühlen können und darüber hinaus auch noch den Beweis erst antreten müssen, dass sie effektiv einen stabilen Wert repräsentieren.

Denn wie Yuval Noah Harari in seinem 2018 erschienen Buch «21 Lessons for the 21st Century» bemerkt, sind wir Menschen vor allem deshalb die erfolgreichste Gattung auf unserem Planeten, weil wir über eine schier unendliche Vorstellungskraft verfügen und darüber hinaus hervorragende Geschichtenerzähler sind, die es verstehen, sich in grossen Gruppen zu organisieren. Geschichten wie zum Beispiel, dass ein Land Grenzen hat, das unseres die Schweiz ist, in diesen, unseren Grenzen, eine gewisse staatliche Organisation herrscht, an welche wir uns als Bevölkerung halten und dass eben unsere Nationalbank Geld, auch Bargeld herausgibt, welches ein gewisses Design hat, auf Papier gedruckt ist und dieses Stück Papier  auch effektiv den Wert hat, der drauf steht. Und in diesem Kontext müssen wir Menschen die Geschichte von den wertvollen Kryptowährungen zuerst noch flächendeckend (und grenzüberschreitend) glauben, bevor sie zu einem Erfolg wird. Bis dies geschieht, ist und bleibt das herkömmliche Geld, also auch das Bargeld, das etablierte Zahlungsmittel.

Rund 47 Millionen der alten 1000er-Noten, von denen die meisten Schweizer Bürger kaum je eine zu Gesicht bekommen, sind derzeit im Umlauf. In 6 Monaten werden erfahrungsgemäss 2/3 dieser Noten umgetauscht sein, teilt die SNB mit. Eile ist allerdings nicht geboten: Für das Umtauschen der restlichen rund 15 Millionen Scheine haben Herr und Frau Schweizer schliesslich 20 Jahre lang Zeit.

Quelle: https://www.snb.ch/de/iabout/cash/id/cash_circulation 


Mit 47 Mio. Stück ist die weltweit wertvollste Note gleichzeitig auch die rarste im Schweizer Umlauf. Spitzenreiter ist die 100er-Note mit rund 125 Mio. Stück, gefolgt von der 20er-Note mit rund 86 Mio. Stück. Allerdings fällt auf den zweiten Blick auf, dass die 47 Milliarden nominal aller dieser Noten weit mehr als das Vierfache (!) des totalen Nominal der 100er-Note sind. Bedenkt man nun, dass die 1000er-Note den geringsten Umlauf hat (wir hatten ja bereits festgestellt, dass nur die wenigsten ab und zu eine solche Note effektiv auch in den Händen halten), dann fragt sich der geneigte Leser, wo all diese Noten wohl liegen mögen. Aber nicht doch etwa in der heimischen Matratze eingenäht oder im kleinen Geheimfach im Kleiderschrank oder etwa im Bankfach? Ein Schelm auch, der Böses dabei denkt und den Inhabern dieser Noten unterstellt, dass man im Zuge des Alltagsstresses möglicherweise auch vergisst, sie auf der Steuererklärung anzugeben. Allerdings ist das Problem der Steuerehrlichkeit der Bevölkerung auch bei Buchgeld oder Kryptowährungen nicht gelöst.

Und wie sieht es denn mit der Sicherheit der neuen Note aus? Die ist selbstverständlich auch gegeben, wie SNB-Vize Fritz Zurbrügg zu Protokoll gibt. Die neue 1000er-Note ist mit den identischen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet wie alle anderen Noten der neuen Serie auch, das sei sicher genug. Nichts kann die Nationalbank allerdings am Umstand ändern, dass eine physische Note eher verloren gehen kann als Buchgeld. Oder auch, dass der gemeine Taschendieb leichteres Spiel hat als der Hacker, der versucht an das Buchgeld seiner potenziellen Opfer zu kommen. Jene Sicherheit aber, die man im Griff haben kann, die scheint die SNB sicherzustellen.

Und so sieht sie aus, die ab morgen erhältliche 1000er-Note:


Der Händedruck will als Zeichen der Kommunikation verstanden werden, der Globus symbolisiert eine Schweiz als Teil der ganzen Welt. Auf der Rückseite ist das Parlament zu sehen, wie auch eine Darstellung der modernen sozialen Netze.

Die Erfolgsgeschichte Bargeld schreibt auf jeden Fall ein weiteres Kapitel. Ob diese Geschichte auch eine der Zukunft ist, zeigt sich die nächsten Jahrzehnte.

Nun wünschen wir im Umgang mit dem zweitletzten Mitglied der neuen Notenserie viel Spass, zumindest jenen Lesern, die sie jemals zu Gesicht bekommen werden.

Dieser Beitrag wurde von Matthias Schöpp gepostet.


Ankündigung: PPI Schweiz TopEvent unter dem Motto #OpenBanking

Schon bald ist es wieder soweit: PPI Schweiz lädt am späten Nachmittag des 11. April zum halbjährlichen Stelldichein der Zahlungsverkehrs-Experten ins Zunfthaus zur Hard nach Zürich ein.

Mit Open Banking steht ein Thema im Fokus, das in allen Abteilungen der Banken aufhorchen lässt. Besonders aber im Zahlungsverkehr gelten Schnittstellen zu Dritt-Anbietern, sogenannten Third Party Provider (TPPs), als zukunftsweisend. Die genaue Ausgestaltung – welche Services sollen angeboten, welche Anbindungen und Schnittstellen betrieben und welche Zielgruppen einbezogen werden – sind regional unterschiedlich. Mit PSD2 steht ein regulatorischer Rahmen für die EU bereit, der ab September diesen Jahres von allen Banken umgesetzt werden muss. Der Finanzplatz Schweiz untersteht der PSD2 nicht und lehnt Verpflichtungen zur Teilnahme bis dato ab. Unter dem Titel Connectivity steht hierzulande ein API-Projekt in den Startlöchern, welches erste Open Banking Services noch dieses Jahr anbieten wird.

Beim TopEvent hören Sie zentrale Figuren beider Initiativen. Christian Schäfer, Product Management Head Payments, hat die Umsetzung der PSD2 bei der Deutschen Bank über die letzten Jahre verantwortet. Besonders spannend zu erfahren: wie ist die Deutsche Bank das Thema angegangen und wie können die regulatorischen Anforderungen auch als Chance aufgefasst werden. In der zweiten Keynote spricht Dejan Juric, Head Connectivity bei SIX, über das Projekt Swiss Corporate API / Connectivity. Wie ist der Stand der Arbeitsgruppe? Wann ist mit dem Go-Live der ersten Use Cases zu rechnen? Kann die SIX-Plattform als zentrales Ökosystem auch für weitere Services genutzt werden? Diese Fragen werden vor allem vor dem Hintergrund der Ausführungen von Christian Schäfer äusserst aufschlussreich sein.

Im Anschluss wird unser CEO Carsten Miehling die Podiumsdiskussion mit den beiden Keynote Speakers moderieren. Hierbei können auch Sie aktiv werden: Welche Fragen brennen Ihnen und Ihrem Institut beim Thema Open Banking unter den Nägeln?

Wie üblich beim TopEvent geht die Diskussion bei gemütlicher Atmosphäre weiter. Unser Apéro bietet kulinarische Leckereien und musikalische Untermalung. Die ideale Plattform, um sich mit der Zahlungsverkehrs-Gilde auszutauschen. Es lohnt sich also wieder einmal, mit PPI Schweiz den TopEvent im Werdguet zu feiern. Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung!


#PPISchweiz #TopEvent #OpenBanking

Wie haben Sie’s mit der Agilität, Madame?

Agilität ist eines DER Modewörter der jüngsten Wirtschafts- und Digitalisierungsgeschichte und wird inflationär in diversen Zusammenhängen verwendet. Beinahe alles muss heutzutage agil sein. Und im Netz finden sich Stimmen von Propheten, die zu wissen glauben, dass ohne Agilität jedes Business dem Tod geweiht sei. Zeit also für eine kleine ‚Charakteranalyse’ von Madame Agility.

Eine knappe Internetrecherche zeigt, dass hinter Agilität offensichtlich mehr steckt als nur ein Schlagwort. Die Bedeutung des Begriffs scheint vielschichtiger zu sein, als er normalerweise in den Medien so rasch eingeworfen wird. Denn Agilität ist wie das feine Spinnennetz, das verästelt, hauchdünn und ganz harmonisch im Wind hin- und herwiegt und doch so stark jedem Wetter trotzt.  Von Frank Weber lernen wir, dass Agilität nur funktioniert, wenn agile Instrumente akzeptiert und die Prozesse in der Firma agil gelebt werden. Es braucht also gemäss Weber im Unternehmen ein „Verständnis für die Wirkweise agiler Instrumente“ – denn nur so kann die Firma tatsächlich agil werden. Weber führt weiter aus: „Agilität ist eine Grundhaltung. Agilität ist die Fähigkeit, Stabilität und Flexibilität in die richtige Balance zu bringen.“ 

So zeigt uns Weber auf, dass Agilität unweigerlich mit der Firmenkultur und somit mit jedem einzelnen Mitarbeiter, jeder einzelnen Mitarbeiterin verwoben ist. Agilität entsteht demnach in den Organisationen, die den Mut und das nötige Mindset haben, ihr Verhalten auf den vier Grundwerten des agilen Manifestes zu basieren. Gemäss Weber heisst das: „mehr Fokus auf Individuen und Interaktionen zu legen als auf Prozesse und Werkzeuge. Mehr auf Veränderungen zu reagieren, als weiter einen Plan zu verfolgen. Mehr mit Kunden zusammenzuarbeiten, statt Verträge zu verhandeln. Mehr auf funktionsfähige Produkte zu setzen als auf ausgedehnte Dokumentation.“ Wir streben hier also nach einem tiefgreifenden Wandel in der Arbeits- und Wirtschaftswelt und es ist leicht vorstellbar, dass sich nicht jede Organisation dazu eignet, diesen Wandel erfolgreich mitzumachen. Denn Agilität beginnt –wie wir bereits gelernt haben- im Kopf jedes einzelnen und ist letztlich ein Produkt der Führungs- und Unternehmenskultur

Frau Hofert bringt es in ihrem Beitrag „Warum nicht jedes Unternehmen sofort agil werden muss“ auf den Punkt: „Ernsthafte Veränderungen brauchen Erschütterungen, Krisen und eine Dekonstruktion des Alten. Wer dazu nicht bereit ist oder den guten Grund nicht findet, ist auf Evolution angewiesen. Viele wollen Agilität als Speerspitze für sehr allgemeine Probleme nutzen. Sie wollen damit etwas bekämpfen, das meist mit schlechter Führung und digitaler Einfallslosigkeit zu tun hat. Es herrscht der Irrglaube vor, mit Agilität liessen sich sämtliche Probleme zwischenmenschlicher Natur, auch die lästigen kleinen Alltagskonflikte, endlich lösen. Es stecken auch viele Erwartungen in Agilität – zum Beispiel, dass es etwas Neues sei und sich auf wenige Handgriffe reduzieren liesse."

Heisst soviel wie: wenn es keine wirkliche Vision gibt, oder die Vision nicht mit Lust an Begegnungen und am gemeinsamen Lernen von der Belegschaft gelebt wird, ist Agilität im eigenen Unternehmen nicht überlebensfähig. Agilität lässt sich nicht mit einem Top – Down Prozess im Unternehmen installieren und Agilität ist auch kein Konzept mit dem man eine schlechte Führung, Fantasielosigkeit in der digitalen Strategie oder generell Manager auffangen kann, die sich nicht für Menschen sondern ausschliesslich für theoretische Methoden interessieren. 

Auch Herr Roock hakt mit seinem Beitrag „Agilität bedeutet, dem Kontrollwahn ein Ende zu bereiten“ genau hier ein. 

„Agilität (...) schafft weder Abgrenzungen noch Kontrolle im klassischen Sinne. Agilität zu verbreiten bedeutet Mauern einzureissen. Die agilen Kernideen machen es sehr einfach:

Bilde interdisziplinäre Teams und lass sie die Probleme der Endkunden lösen. Dazu haben sie direkten Endkundenkontakt. So verstehen die Mitarbeiter die Probleme und Bedürfnisse der Kunden wirklich und liefern Lösungen direkt an sie. Die agilen Teams lösen die Probleme der Endkunden möglichst schnell und ohne Verzögerungen. Sie arbeiten dazu selbstorganisiert und autonom (keine Abhängigkeiten). Und da die heutigen Probleme nicht so einfach zu lösen sind, arbeiten die Teams in kurzen Zyklen, um Arbeitsschritt für Arbeitsschritt kontinuierlich zu lernen und zu überprüfen, wie die Lösung und der Weg zur Lösung optimal aussehen. So begeistern agile Teams sowohl ihre Endkunden wie auch die eigenen Mitarbeiter.“ Agilität braucht also Platz, Zeit und Geld und entsteht u.a. dort, wo empathische und charismatische Führungspersonen Mitarbeitende auf sympathische Weise begeistern, aufwecken und mitreissen können. Hier ist Experimentierfreudigkeit gefragt kombiniert mit der Bereitschaft, eine andere Denk- und Handlungslogik zu leben und ein offenes Ohr für die Anliegen der Kunden zu haben. Und es hilft nichts, einzelne neue Digitalisierungsabteilungen agil zu gestalten, wenn der Rest des Wagens das neue Denken nicht mitträgt und –lebt. 

So wissen wir nun also, dass Madame Agility mitunter launisch sein kann. Aber wenn sie ihr Umfeld mag und merkt, dass alle auch sie mögen, dann entwickelt sie sich zu einer regelrechten Powerlady. 

Dieser Beitrag wurde von Matthias Hungerbühler gepostet.





Quellen



Swift MX - Banken müssen jetzt handeln



Warum müssen die Swift MT Zahlungsformate nach ISO 20022 migriert werden?

Da nationale und internationale Regulatoren von den Banken immer mehr Details über Zahlungen an Personen und Firmen verlangen, gehörte es zu den primären Geschäftsaufgaben, die Einhaltung der Mandate zu gewährleisten. So verlangt zum Beispiel die Financial Action Task Force Special Recommandation (FATF) die Einbindung und den Transport von Zahler-Informationen über die ganze Zahlungskette.

In der Vergangenheit waren Finanzinstitute nicht dazu verpflichtet, die vollständigen Informationen der in einer Zahlung involvierten Parteien zur Verfügung zu stellen. Heute müssen sie den Zahlungsinitiator wie auch den Empfänger kennen und sind dafür verantwortlich, die Kontonummer, den Namen und die Adresse des Überweisenden zu melden. Zukünftig werden die Regulatoren Banken daran hindern, Transaktionen zu prozessieren, wenn die Informationen über den Begünstigten nicht validiert werden können.

Der stetig steigende Bedarf an Informationen im Zahlungsverkehr im Kampf gegen Geldwäsche und Sanktionen erhöht auch den Druck auf die vollautomatisierte Verarbeitung von Zahlungen. Ein Wandel zu einem strukturierten Format, bei dem Details wie Geburtsdatum oder Passnummer hinterlegt werden können, fördert die automatisierte Verarbeitung dort, wo diese bis anhin rein manuell ist.

Basierend auf dieser regulatorischen Zahlungsformatierungsverantwortlichkeit ist die Erwartung, dass Meldungen für die Validierung der Zahlungsinformationen ordnungsgemäss formatiert sind. Der Swift MT Zahlungsstandard ist nicht flexibel genug, um die stetig steigenden regulatorischen Erwartungen zu erfüllen. Eine zusätzliche Herausforderung bilden die limitierten Formatierungsmöglichkeiten, um die Compliance-Anforderungen einzuhalten und die vollautomatisierte Verarbeitung hochzuhalten. Dies wiederum wird dazu führen, dass manuelle Arbeitsschritte in die Transaktionsverarbeitung eingeführt werden müssen, um die Validierung sicherzustellen. Längerfristig könnte dies dazu führen, dass Regulatoren ihre eigenen Standards vorschreiben. Die Finanzindustrie benötigt ihre eigene und flexible Struktur, die es erlaubt, Informationen über den ganzen Transaktionsprozess zu übermitteln und trotzdem eine einfache Validierung zulässt – und ISO 20022 offeriert diese Lösung

Die Wahl der Finanzindustrie ist klar. Sie kann den Wandel der Zahlungsmeldungsstandards selber gestalten oder andere übernehmen dies für sie. So ist es einer gewissen Dringlichkeit geschuldet, dass die Finanzindustrie geschlossen die Migration der Zahlungsformate von Swift FIN zu ISO 20022 vorantreibt.

Gibt es neben der regulatorischen Notwendigkeit auch andere Gründe für die Dringlichkeit ISO 20022 anzunehmen?

Im Grossen und Ganzen stehen wir den typischen Problemen von Standards gegenüber. Swift startete 1977 und Swift FIN blieb für über 40 Jahre de facto, wenn auch alter, Standard. Dies überlässt die Banken dem Wettbewerb durch Herausforderer- bzw. Nicht-Banken, welche mit neueren und kostensparenden Technologien den Markt mit besseren, schnelleren und günstigeren Zahlprodukten erobern.

Ein Teil des Impulses für die Finanzindustrie auf ISO 20022 zu migrieren ist auch der gesteigerten Effizient der Zahlungssysteminfrastrukturen geschuldet. Die Annahme des ISO-20022-Standards durch Marktinfrastrukturen auf der ganzen Welt war ein guter Start. Die Zahlungssysteme in vielen Ländern weltweit setzen schon ISO 20022 voraus, sei dies SEPA, SIC in der Schweiz, Japans Zengin System, Singapurs Giro System, Chinas CNAPS2 oder auch Finnland, Griechenland, Canada und Australien. Target2 plant den Abschluss der Migration auf ISO 20022 für November 2021.

Im Weiteren bedarf das langfristige Ziel der zahlungssystemübergreifenden Interoperabilität einer eigenen Berücksichtigung. Als Beispiel sei hier PSD2 genannt, welche für zugelassene Dritte den Zugang zu Zahl- und Kontodienstleistungen verlangt. Interoperabilität zwischen den Zahlsystemen basierend auf ISO 20022 reduziert Kosten und ermöglicht Dritten einen einfacheren Weg, sich an die Zahlungssysteme anzuschliessen. Generell unterstützen einheitliche Zahlungsformate und Technologien die Wiederverwendbarkeit von Dienstleistungen rund um den Zahlungsverkehr.

Darüber hinaus besteht auch ein Zusammenhang zwischen der Konvergenz von Zahlungssystemen für Massenzahlungen bzw. Kleinbeträgen und den grenzüberschreitenden Zahlungen im Hinblick auf die Interoperabilität. Immer mehr Clearing Häuser werden den ISO 20022 Standard für den Austausch von Zahlungsanweisungen nutzen und die Abwicklungszeiten minimieren können, als Beispiele seien hier Instant Payments und Swift gpi erwähnt. Letztendlich erfordert Interoperabilität ein gemeinsames Set an Funktionen für die Ausführung von Zahlungen aller Art.

Warum muss jetzt gehandelt werden? Nichts zu tun führt meist dazu, dass andere die Kontrolle übernehmen, die möglicherweise unangemessene Zeiträume für die Implementierung und Einhaltung von Vorschriften auferlegen. Da die Umstellung auf ISO 20022 Jahre dauern wird, um in der gesamten Finanzindustrie eingesetzt werden zu können, müssen sich die Teilnehmer schon jetzt damit auseinandersetzen und nicht erst das von Swift festgelegte Zeitfenster von 2021 – 2025 abwarten. Und keine Bank kann sich da ausnehmen. Die Migration betrifft Banken jeglicher Grösse, da sie und ihre Kunden zunehmend global unterwegs sind.

Untätigkeit hat auch unmittelbare negative Auswirkungen auf kleinere und mittlere Banken, die trotz dramatischer Veränderungen weiterhin in die aktuelle Marktinfrastruktur investieren. Die Swift-Community diskutiert deshalb über eine Initiative, bei der Banken jeder Grösse entscheiden können, wie sie schon heute am besten investieren, um künftige Anforderungen zu erfüllen. Mit diesen Investitionen können sich Banken besser positionieren, um auf die steigenden Anforderungen der Firmenkunden im Zahlungsverkehr flexibler zu reagieren. Die Unternehmerseite hat schon früh als Wegbereiter der Interoperabilität auf ISO 20022 gesetzt. Und die Unternehmergemeinschaft ist trotz aller Hindernisse wie unterschiedlichen Technologien und Plattformen selbst innerhalb von komplexen Firmenstrukturen auf einem guten Wege.

Aus Sicht von PPI Schweiz sollten die Schweizer Finanzinstitute die Migration von Swift MT auf MX schon jetzt ins Auge fassen und mit deren Planung beginnen. Das fachliche Wissen rund um ISO 20022 ist aufgrund der SIC und euroSIC Migration immer noch vorhanden und kann umfassend genutzt werden. Es wäre schade und sicherlich auch sehr teuer, wenn dieses Wissen für die nächsten 2 – 3 Jahre brachliegen würde und wieder von Neuem aufgebaut werden müsste.

Dieser Beitrag wurde von René Heusser gepostet.

#ZVMigration #SwiftMX