Die Echtzeitökonomie kommt im Zahlungsverkehr an

Seit geraumer Zeit predigen wir von PPI es immer und immer wieder: Instant Payment ist eines der wichtigsten oder besser gesagt das „entscheidende“ Losungswort im Zahlungsverkehr der nahen Zukunft. Wir haben uns in vergangenen Blogs periodisch mehrfach dem Thema angenommen. Die Tendenz dazu kommunizierten wir bereits vor einigen Jahren, so zum Beispiel im Beitrag vom Juni 2016 „Behavioral Economics & Payment Industry – wie werden wir in Zukunft bezahlen?“. Später dann, im Mai 2017, wies Carsten Miehling unter dem Titel „Instant Payments - The New Normal?“ konkreter auf die Ausgestaltung des Services und auf mögliche Anwendungsfelder hin. Im Beitrag über das Frankfurter Payment Network von Februar 2018 war Instant Payment auch für die EZB und natürlich für EBA-Clearing ein ganz wichtiges Thema und wir entschieden uns zu Recht und erfolgreich, den Top Event im April 2018 unter dieses Thema zu stellen. 

Aber was macht uns so sicher, dass Instant Payment wirklich „The New Normal“ wird? Ganz einfach, die Wirtschaft liebt und verlangt Instant Payment. Warum? Weil die Kosten für die Absicherung des Ausfallrisikos beim Händler wegfallen. Weil dieser sofort nach der Transaktion über den eingegangenen Betrag verfügen kann. Weil Zwischendienstleister ausgeschaltet werden können. Weil es zu sinkenden Kosten aufgrund von mehr Wettbewerb im Zahlungsverkehr führen wird. Weil das Liquiditätsmanagement der Corporates erheblich vereinfacht wird und weil u.U. der Umsatz erhöht werden kann, wenn dadurch z.B. die Lagerzeit verkürzt und die Abläufe instant und nahtlos aufeinander abgestimmt werden können.

Für Logistiker ein Traum und für die Banken ein (Alp-)Traum?
Wie angetönt glauben wir, dass kein Weg an Instant Payment vorbeiführt. Wie bei anderen Digitalisierungsprojekten auch, müssen die Banken in ihre IT investieren und entsprechende Anpassungen im Backend vornehmen, oftmals muss dieses auch modernisiert werden. Was also ist die Motivation für Banken, wenn es eigentlich nur nach zusätzlichen Kosten aussieht? Dass diese nicht gering sein werden, liegt auch daran, dass neben den IT-Systemen auch Prozesse und Produkte im Zahlungsverkehr betroffen sein werden. Gewisse Konstellationen, die von dem Umstand der verzögerten Ausführung und den Bankwerktagen geprägt sind, fallen auf einmal weg. Betrachtet man die währungsübergreifende Zahlungsabwicklung wird die ganze Sache noch komplexer und aufwendiger.

Um das zu beantworten, müssen weitere Abhängigkeiten verstanden werden. Grosskunden springen z.B. in Deutschland auf den Zug von SEPA Inst auf. Ein Dienst, der ursprünglich für Einzelzahlungen gedacht war, wird heute bereits von Firmen wegen des Liquiditätsmanagements und des Informationsflusses für Bulk-Zahlungen genutzt. Denn die Rückmeldung, ob die Zahlung ausgeführt wurde oder nicht, ist für den Sender umgehend verfügbar. Je nach Branche und Prozess kann das eine entscheidende Information sein. Wenn ich als Grosskunde regelmässig zeitkritische Zahlungen ausführen muss, werde ich mir logischerweise eine Bank suchen, die Instant Payments kann. Auch wenn Grosskunden häufig mehrere Bankverbindungen unterhalten, ist es durchaus interessant, die Hauptbank des Kunden zu sein. 

Welche Rolle soll ich als Bank künftig im ZV spielen?
Darauf aufbauend stellt sich natürlich ganz grundlegend die Frage, welche Rolle ich als Finanzinstitut in Zukunft einnehmen möchte und ob Zahlungsverkehr aus strategischer Sicht da dazu gehört. Und wenn ja, dann bitte richtig. 

Mit SEPA Inst ist der Wettbewerb unter den Banken in Deutschland seit diesem Jahr voll im Gange. Die Hypo-Vereinsbank war die erste und bot diesen Service bereits ab November 2017 an. Im vergangenen Sommer folgte dann die Sparkassen-Finanzgruppe und bis Ende des Jahres wollen auch die Volks- und Raiffeisenbanken die technischen Voraussetzungen schaffen und ihren Kunden ab 2019 nach und nach Echtzeitüberweisungen zur Verfügung stellen. Bisher verlangen die Institute für diesen Service noch ganz unterschiedliche Gebühren, vgl. die Aufstellung hier. Aber aufgrund des starken Wettbewerbs ist mit einer baldigen Angleichung der Preise zu rechnen. Hier stellt sich die Gretchenfrage, ob solche Zahlungen mittel- und langfristig auch kostenlos sein werden. Allenfalls ist der Ansatz aus Holland gleich alle und zwar wirklich alle Zahlungen instant abzuwickeln der beste Ansatz, da dann die (kostspielige) Fallunterscheidung wegfällt.

Aus Schweizer Sicht könnte man sich nun entspannt zurücklehnen und argumentieren, dass der Anteil an Euro-Zahlungen bei uns verhältnismässig gering sei. Im Vergleich zum Volumen der Inlandzahlungen ist das wohl wahr. Doch Instant Payments machen aufgrund der aufgeführten Gründe v.a. für grosse Corporates auch im Inland Sinn und es geht mehr denn je darum, als Bank den Anschluss nicht zu verpassen. Es ist sowieso anzunehmen, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch ein Instant-Schema für den Schweizer Franken implementiert werden wird (analog den Nicht-Euro-Länder wie Polen oder Ungarn). Und wenn die hiesige Finanzindustrie sich nicht oder nur zögerlich bewegt, muss davon ausgegangen werden, dass ausländische Banken mit Niederlassungen in der Schweiz beginnen, ihren Kunden diesen Service über die Infrastruktur der Muttergesellschaft anzubieten. 

Das Wettrennen ist also auch hierzulande eröffnet und wir sind gespannt, wann die ersten richtigen Angebote der heimischen Finanzindustrie auf den Markt kommen. 

Dieser Blog wurde von Matthias Hungerbühler veröffentlicht.

#InstantPayments #Zahlungsverkehr


Das «Migrieren» geht weiter - SWIFT MX

Nach ISO 20022 ist vor ISO 20022
Nach SEPA und der Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz ist ISO 20022 nun auch beim internationalen Zahlungsverkehr angekommen. SWIFT hat anlässlich der SIBOS in diesem Herbst in Sydney nun (endlich) den Fahrplan und das Fenster für die Migration der SWIFT MT Nachrichten auf das ISO-20022-basierende MX Format bekanntgegeben. 

Für Banken bedeutet dies einen weiteren Task auf der langen Liste der anstehenden ZV-Projekte, den es zu planen und priorisieren gilt. 

Die SWIFT Plattform ist schon seit einiger Zeit ISO-20022-fähig und jeder MT Nachricht wird eine äquivalente MX Nachricht angefügt. Umgekehrt werden bei den Marktteilnehmern, welche schon ISO-20022-fähig sind, den MX Nachrichten äquivalente MT Meldungen angehängt. So stellt SWIFT sicher, dass jeder Teilnehmer die seiner Infrastruktur entsprechende Nachricht erhält.

Gründe, warum SWIFT die Migration im Zahlungsverkehr nun vorantreibt, gibt es einige:
  • ISO 20022 hat sich im Bereich Zahlungsverkehrsinfrastrukturen etabliert und wächst weiter. Ende 2022 werden die Massenzahlungssysteme für die fünf meistgehandelten Währungen auf ISO 20022 umgestellt haben.
  • Die Teilnahme an Real-Time (Instant) Payment Schemas setzt voraus, dass Banken ihre Zahlungsverarbeitungsfähigkeiten in verschiedenen Bereichen erweitern und dazu gehört auch die Unterstützung von ISO 20022.
  • Banken, welche direkt an Massenzahlungssystemen oder auch an anderen Zahlungssystemen teilnehmen, müssen ISO-20022-fähig sein.
  • ISO 20022 im Auslandzahlungsverkehr verlangt, dass Daten von einer ISO 20022 MI (Market Infrastructure) ohne das Risiko eines Datenverlustes bzw. ohne Trunkierung transportiert werden.
  • ISO 20022 bietet erhebliche Vorteile im Bereich Zahlungskonformität und Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben. So werden z.B. erweiterte Überweisungsinformationen angeboten.
  • Die Interoperabilität zwischen grenzüberschreitenden Zahlungen und inländischen Real-Time Schemas würde durch die Verwendung einer ISO-20022-Ende-zu-Ende-Zahlungsabwicklung erleichtert.

Bislang hat sich SWIFT Zeit gelassen, einen verbindlichen Migrationstermin festzulegen. Zur Terminierung und Machbarkeit dieser Migration hat SWIFT eine umfassende Marktstudie mit allen Teilnehmern erhoben. Die Studie und die dazu gewonnenen Erkenntnisse können hier eingesehen werden:

Aufgrund dieser Studie wurde nun die Migration im Zeitraum von 4 Jahren von 2021 bis 2025 definiert. Dies bedeutet, dass alle Marktteilnehmer bis 2025 ihre SWIFT Anbindung auf ISO 20022 umgestellt haben müssen.
Dies erscheint auf den ersten Blick eine lange Frist. 6 Jahre – das dauert ja noch eine Weile. Erinnern wir uns aber sowohl an die SEPA Umstellung als auch an die Harmonisierung ZV Schweiz, wo das Thema jeweils oft fast zu lange vor sich hergeschoben wurde, so wird klar, dass man das Grossprojekt MX nicht auf die lange Bank schieben sollte. 

Ein Standardwechsel bietet auch die rare Gelegenheit, suboptimale Geschäftsprozesse zu überdenken und diese durch verbesserte Abläufe zu ersetzen. Oder gar neue Lösungen ins Auge zu fassen. Als Denkanstösse seien hier nur die erweiterten Überweisungsinformationen im Gegensatz zu den bisherigen 140 Zeichen und die möglichen Verbesserungen bei der Bearbeitung von Ausnahmefällen oder Nachforschungen erwähnt. Die Erfahrungen aus den bisherigen Migrationen haben gezeigt, dass diese häufig als reine Formatwechsel betrachtet und die Optimierungspotentiale oft erst während der Umsetzung erkannt wurden. So entstanden, wenn überhaupt, Insellösungen. Die Chance auf eine systemweite Sicht und die optimierte Gestaltung von Datenhaltung und Prozessen war vertan.

In diesem Sinne bietet das Migrationsfenster von SWIFT für Zahlungen und Wertpapiere einen schönen Zeitraum, um die Prozesse rund um SWIFT Zahlungen frühzeitig und ganzheitlich zu betrachten. Und in diesem Kontext sollte auch das Zusammenspiel von SWIFT MX und SWIFT gpi sowie die sich daraus ergebenden Lösungspotentiale nicht vernachlässigt werden. Ein weiterer Grund, früh mit Analyse und Migration zu beginnen, ist, dass die ISO-20022-Kenntnisse und -Erfahrungen aus den gerade getätigten Harmonisierungen auch bei den internen Leistungsträgern noch sehr präsent sind. In zwei, drei Jahren wird dies so nicht mehr der Fall sein und das Wissen muss wieder von neuem aufgebaut werden.

Die Experten von PPI können Sie sowohl bei der Analyse Ihrer Zahlungsverkehrsinfrastruktur unterstützen, wie auch bei der Migration von SWIFT MT auf SWIFT MX begleiten.

Dieser Beitrag wurde von René Heusser verfasst.

#SWIFT #Zahlungsverkehr

Risikomanagement und IT-Regulatorik: Unsere Teilnahme an der Fachtagung im bayerischen Freising

Seit nunmehr 5 Jahren trifft sich eine Gruppe vorwiegend eigenständiger, mittelständischer deutscher Banken im oberbayerischen Freising für einen mehrtägigen Austausch rund um die Themen Gesamtbanksteuerung und Risikocontrolling, Revision und Compliance. Wissenschaftlich begleitet wird die halbjährlich stattfindende Tagung von Professor Stefan Zeranski, der ein enzyklopädisches Wissen über aktuelle regulatorische Anforderungen mit dem Sinn für’s Wesentliche kombiniert.
Für die Präsentation unserer Studienergebnisse unter Anwendung der Software cysmo aus dem Hause PPI (wir berichteten) durften wir als einzige Nicht-Bank am vertrauten Seminar teilnehmen.

Welche Anforderungen, aber auch Chancen werden von den Teilnehmern in diesen Bereichen gesehen? Unter den zahlreichen Regularien und Vorschriften, die über Bafin, EBA, EZB und andere Aufsichten gestellt werden – es handelt sich um viele hundert Seiten pro Jahr – sticht das Thema IT-Regulatorik heraus. Im Speziellen erschienen als Konkretisierung der deutschen MaRisk bzw. als Reaktion auf die EBA ICT Guidelines im vergangenen Jahr die BAIT (Bankaufsichtliche Anforderungen an die IT). Dieser kurze Text, von der Bafin als blosse Konkretisierung betrachtet und daher ohne Übergangsfrist umzusetzen, führte zu intensiven Gesprächen unter den Teilnehmenden. Einige Institute konnten schon über Erfahrungen bei der IT-Tiefenprüfung berichten, die in teils signifikanten Risiko-Aufschlägen resultierten.

Aber worum geht es in den BAIT? Der Text befasst sich detailliert mit Berechtigungsmanagement und IT-Betrieb, Informationsrisikomanagement und Auslagerungen. Eine Dokumentenflut trifft die Institute, da gezielte IT-Sicherheitsstrategien und Governance-Regeln im Einklang mit der Geschäftsstrategie zu formulieren sind. Das klingt alles reichlich formal, jedoch verdeutlicht die Intensität und Rigorosität der aufsichtlichen Prüfungen, wie ernst das Thema IT-Sicherheit genommen wird. Dabei gilt, wie eine Teilnehmerin anmerkte: „Man kann sich vorbereiten wie man will, man wird trotzdem kalt erwischt”. Oder überwacht und updated Ihr Haus regelmässig die ausgelagerten IT-Dienstleistungen und berücksichtigt diese Auslagerungsfälle im Risiko-Management? Haben Sie alle IDVs sauber dokumentiert, versioniert und Verantwortliche benannt?

Ähnliche Anforderungen gelten über die Corporate Governance- und OpRisk-Neufassungen auch immer mehr in der Schweiz. In der diesjährigen Jahresmedienkonferenz stellte Finma-Direktor Branson fest, dass Cyber-Risiken das grösste OpRisk für Banken sind. Seine deutschen Kollegen pflichten bei, dass „IT-Governance und Informationssicherheit für die Aufsicht inzwischen den gleichen Stellenwert haben wie die Ausstattung der Institute mit Kapital und Liquidität (Bafin: BAIT: BaFin veröffentlicht Anforderungen an die IT von Banken). Man ergänze gedanklich: «... und wird daher ebenso streng kontrolliert wie diese.» Gleichzeitig gelten in einer real-time economy auch immer strengere Vorschriften für Datenaggregation, -Qualität und Reporting. Es ist also anzunehmen, dass IT-Themen im Fokus der Aufsicht bleiben, selbst wenn der Zenit der regulatorischen Kreativität langsam erreicht scheint.

Das zumindest war der Konsens der anwesenden KMU-Banken. Einerseits sind deren IT-Systeme weniger fragmentiert als bei vielen grossen, andererseits fällt es besonders ihnen schwer, entsprechendes Know-How zu gewinnen. Insofern könnte die IT-Regulatorik auch als Katalysator für die Konsolidierung im Finanzsektor wirken oder zumindest als Anreiz, Kooperationen konkreter ins Auge zu fassen. Dies zeigte auch unsere Analyse mit cysmo®: Kleine Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind bedeutend besser gegen Cyber-Angriffe geschützt als gleich grosse, aber eigenständige Banken. Immer zentraler wird es auch bei den ohnehin anstehenden Modernisierungen der IT-Landschaften, Mehrwerte zu generieren. Schliesslich teilen sich die deutschen Banken bei der Eigenkapitalrendite mit Griechenland, Portugal und Zypern die letzten Plätze in der Währungsunion!

Es bleibt also spannend für die vielen mittelgrossen Banken in Deutschland, aber auch für die Konkurrenz in der Schweiz. Sehr hilfreich ist es vor diesem Hintergrund, in geschütztem Umfeld Klartext reden zu können. Wie spannend das ist konnten wir in Freising bestaunen.

Dieser Beitrag wurde von Sebastian Strub verfasst.

#Regulation #PPIonTour #cysmo

Die Frage ist nicht «ob», sondern «wann»... – PPI Frühstücks-Event SWIFT gpi

Wir freuen uns es immer wieder zu schaffen, relevante Themen des ZVs mit den richtigen Ansprechpartnern zu bearbeiten. So geschehen am 13.11. Restaurant „Au Premier“ am Zürcher
Hauptbahnhof an unserem exklusiven PPI Frühstücks-Event, diesmal zum Thema SWIFT gpi. Vertreten waren sowohl Grossbanken, als auch Kantonal- und Privatbanken verschiedenster Grösse aus der Schweiz und Liechtenstein, um bei Kafi und Gipfeli den Vorträgen zu folgen, zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. 

Nach einer bereits sehr gesprächsreichen Ankunftsphase wurde das Event offiziell mit einer Begrüssung der Teilnehmer und Vorstellung unserer Speaker Roger Inderbitzin (SWIFT) und Natalia Blatter (UBS) eingeleitet. Roger stellte daraufhin in seinem 30-minütigen Vortrag als Erstes den Service SWIFT gpi sowie dessen dazugehörigen Kernkomponenten (Tracker, Observer, Directory) inklusive deren Funktionsweise und den Hintergründen vor. Neben den Anforderungen von Corporates erklärte er hierbei auch umfassend, welche Benefits sich für den Bankensektor ergeben und warum eine Teilnahme für Banken nicht nur als «nice to have» zu sehen ist. Dass dieses Verständnis bereits im Bankensektor angekommen ist, belegte er mit imposanten Zahlen und Statistiken. So sind bereits 1 Jahr nach Einführung mehr als 85 Finanzinstitute live. Über 295, davon 49 der 50-Top-Banken, die sich zur Einführung des «neuen» Service bekannt haben. Auch die Abdeckung von 35% der grenzüberschreitenden MT103, welche bereits als gpi-Zahlungen prozessiert werden, sind für diesen doch recht kurzen Zeitraum ein sehr deutliches Signal, in welche Richtung sich der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr zukünftig bewegt. Weiterführend wurden sowohl die (zumindest auf die Rahmenbedingungen bezogen) recht simplen Teilnahmemodalitäten, nämlich die der Unterwerfung dreier Rulebooks (gCCT, gCOV und gSRP), als auch Ansätze und Möglichkeiten der Umsetzung (taktisch/strategisch) näher erläutert. Auch eigentlich ursprünglich nicht vorgesehene, zusätzliche Möglichkeiten wie beispielsweise das Tracking nationaler Zahlungen (von SWIFT als sogenanntes «domestic lag» bezeichnet) wurden hierbei hervorgehoben. 

Es folgte der Ausblick auf weitere von SWIFT geplante Services. Neben der MX Migration, gpi for Securities oder gpi for Corporates wurde besonders der Pre-Validation Service hervorgehoben. Dieser kann mittels API in den Kundenportalen eingebunden werden und bietet Kunden die Möglichkeit, Zahlungen vor Ausführung sowohl auf Korrektheit zu prüfen, als auch voraussichtliche Leitwege, Kosten und Dauer der Zahlung transparent darzustellen. Ein weiterer, gerade für kleine Banken sehr interessanter Punkt war die Vorstellung des «Tracker for all», welcher aller Voraussicht nach ab 2019 kostenfrei angeboten wird. Auch wenn die eigentlichen Mehrwerte von SWIFT gpi hierbei ausgeschlossen sein werden (lediglich «light-Version» via GUI), bietet sich dennoch die Möglichkeit, aufgrund der zukünftigen Nachverfolgbarkeit aller Zahlungen, eine vereinfachte Zahlungsrecherche durchführen zu können. Nichtsdestotrotz stellte Roger auch klar, dass SWIFT den Auftrag hat, gpi als «new norm» bzw. «the new normal» im internationalen Zahlungsverkehr zu setzen und infolgedessen auch nichtteilnehmende Banken ab voraussichtlich 2020 unter anderem Empfangs- bzw. Eingangsbestätigungsmeldungen absetzen müssen. Ein weiterer Grund sich rechtzeitig mit der Materie zu befassen und, um neben den Aufwänden auch die Potentiale nutzen zu können, über eine Einführung von SWIFT gpi nachzudenken.

Trotz der intensiven Diskussionen und Gespräche, die bereits während unserer anschliessenden kurzen Erfrischungspause entstanden sind, konnten wir unschwer die Aufmerksamkeit unseres Auditoriums auch für den zweiten Teil unserer Veranstaltung wiedergewinnen. Natalia beleuchtete in ihrem Vortrag die Erfahrungen und Gedanken, die sich UBS als erste (richtige) Schweizer Bank, welche mit gpi live gegangen ist, gemacht hat. So berichtete sie, dass das Schweizer Clearing-System (SIC) vollständig gpi kompatibel ist und erläuterte die bereits von Roger erwähnte Möglichkeit, neben dem Tracking von grenzüberschreitenden Zahlungen auch den nationalen Zahlungsverkehr durch entsprechende Meldungsabgaben und Handlungsweisen nachverfolgen zu können. Somit besteht die Möglichkeit (optional) die Vorteile von SWIFT gpi auch auf nationale Zahlungen anzuwenden. Ein Mehrwert mit riesigem Potential, welcher aber ebenfalls nur den an SWIFT gpi teilnehmenden Banken zur Verfügung steht. Auch das diesjährige, sehr umfangreiche SWIFT Standard-Release und die Vorteile, die sich hieraus für alle gpi-Banken ergeben, wurden tiefgründig beschrieben. Für Banken, welche SWIFT gpi nicht oder noch nicht umsetzen, stellt sich hierbei die Frage, ob und wie lange es sinnvoll ist Aufwände betreiben zu müssen, ohne das zugehörige Potential heben zu können. Gerade im Hinblick auf die Pläne von SWIFT, dass ab voraussichtlich 2020 jede Bank Statusmeldungen absetzen können muss (Zahlungsempfang), erreicht diese Frage ein ganz neues Niveau, denn die Umsetzung der Statusmeldungen war gemäss Natalia das Aufwendigste und Komplexeste der ganzen Einführung von SWIFT gpi. 

Ihre Ausführungen zu den Usecases und den Gründen, warum jede Bank sich ernsthaft mit der Einführung von gpi auseinandersetzen muss, resultierten recht schnell in dem klaren Ergebnis, dass sich für Banken, die diesen Markt zukünftig noch bedienen wollen, nicht mehr die Frage stellt ob sie SWIFT gpi einführen, sondern wann. Je länger man wartet, desto grösser werden der Aufwand, die Kosten und der Abstand zum «State of the Art» und damit zur Markttauglichkeit. Abschliessend stellte Natalia den aktuellen Umsetzungsstand sowie die weiteren Pläne der UBS vor und lud alle Teilnehmer ein, gemeinsam mit SWIFT gpi in die Zukunft des internationalen Zahlungsverkehrs einzusteigen.

In der folgenden Diskussions- und Fragerunde tauschten die Teilnehmer ihren aktuellen Stand zu SWIFT gpi aus. Herwig Ganz teilte in der Diskussionsrunde nochmals die Erfahrungen der kurz vor dem «going live» stehenden Crédit Suisse und bestätigte Natalia nachdrücklich in ihren Empfehlungen, sich dringend mit der Einführung auseinanderzusetzen. Alternativ bleibt eine Entscheidung zu treffen, den internationalen Zahlungsverkehr entsprechend auszulagern bzw. abzutreten, was im Übrigen ebenfalls nicht unerhebliche Aufwände und teils komplexe Fragestellungen mit sich bringt. Entscheidend für eine erfolgreiche Marktpositionierung und mit eine der grössten Schwierigkeiten ist die richtige Priorisierung und Koordination aller derzeit laufenden und anstehenden Themen im Zahlungsverkehr. Nur einer der vielen Bereiche, bei denen wir Sie unter anderem mit unserem Priorisierungsnavigator und unseren Beratungsleistungen unterstützen können.

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Es hat sich wieder mehr denn je gezeigt, wie wichtig es ist, bankübergreifend Themen zu besprechen und zu behandeln. Von der Einführung und Umsetzung von SWIFT gpi können alle Banken profitieren, somit ist es auch wenig verwunderlich, dass die bisherigen Erfahrungen der teilnehmenden bzw. umsetzenden Banken weit weg von einem Konkurrenzdenken sind. Mit gpi hat sich eine starke und eingeschworene Gemeinschaft entwickelt, welche von einem so noch nie dagewesenen Austausch und Miteinander profitiert. Eine sehr eindrückliche Erfahrung, die unsere Teilnehmer an unserem Frühstücks-Event machen durften. An dieser Stelle nochmals einen herzlichen Dank an unsere Referenten Roger Inderbitzin und Natalia Blatter sowie an unsere Teilnehmer für ein für alle sehr bereicherndes und gelungenes Event.

Dieser Beitrag wurde von David Lehr verfasst.

#SWIFTgpi #ZVFrühstück

Wenn die Kuh sich selber melkt

In unserer Reihe „Digital-Talk“ unterhalten wir uns mit Menschen, die die Digitalisierung als Chance sehen und ihr (Berufs-) Leben entsprechend verändern. Uns interessieren die Beweggründe, die aus diesen Menschen Visionäre machen. Die digitale Transformation wird dann greif- und erlebbar, wenn man sich mit den Individuen beschäftigt, die sie leben. 

Wir sind heute zu Gast auf dem Hof Hinterburg von Adrian Haggenmacher in Meilen.

Guten Tag Adrian. Dein Hof funktioniert in vielen Belangen anders als ein herkömmlicher Bauernhof. Was erwartet mich hier und was war der Auslöser, den Hof so zu gestalten wie er heute ist?
Mir wurde dieses Denken in die Wiege gelegt, schon mein Grossvater und mein Vater waren der Zeit stets etwas voraus und liessen sich von neuen Herangehensweisen oder Technologien inspirieren. Dementsprechend werden wir einen hoch technisierten Milchviehstall sehen mit diversen Robotern (lacht). 

Du hast einen Teil deiner Ausbildung in der Westschweiz genossen und warst 2 Jahre in Kanada und Australien, um Englisch zu lernen. Hat dir der Auslandaufenthalt die Augen geöffnet, wie man Landwirtschaft vielleicht auch betreiben kann?
Das war ein wesentlicher Teil. Also in der Lehre, da war ich vielleicht zu jung, da war es noch schwierig die grösseren Zusammenhänge zu verstehen. Aber vor allem Kanada und Australien haben mich intensiv geprägt. Ich erfuhr dort aus erster Hand, dass es auch anders geht. Vieles von dem, was ich dort gesehen hatte, kann ich jedoch leider nicht übernehmen. In Australien hatten wir zum Beispiel 500 Hektare mit 300 Kühen auf einem Steppenboden..., das ist eine ganz andere Landwirtschaft als bei uns. Dennoch beeindruckte mich das nachhaltig. Und es führte dazu, dass ich bis heute neugierig bin und spannende Entwicklungen in diesem Bereich interessiert verfolge. 

Du hast den Hof 2010 übernommen und 2015 mit dem Bau des neuen Milchviehstalles begonnen. Wie schwierig war es, deine Eltern und (vielleicht auch die Bank) von dem neuartigen Konzept zu überzeugen? 
Finanziell wurde ich für den Neubau von meinen Eltern unterstützt. Da war ich zum Glück unabhängig vom Goodwill einer Bank. Vom Konzept her hatten mein Vater und ich eigentlich ähnliche Vorstellungen. Diskussionen gab es aber dennoch. Ich wollte unser Konzept, dass die Kuh möglichst selber entscheiden kann, wann sie z.B. fressen, melken oder schlafen möchte, konsequenter umsetzen als er. Den grössten Konflikt hatten wir aber betreffend der Marke des Melkroboters. Es gibt zwei relevante Fabrikate auf dem Markt, die sich in Details aber massiv unterscheiden. Er wollte das andere. Über ein Jahr hinweg gab es immer wieder Wortgefechte, bis ich dann sagte: “Ich übernehme den Hof und werde die nächsten 20 Jahre damit arbeiten, also machen wir es so wie ich es will!“ (lacht). 

Mistroboter
Wenn Du nun deinen Berufsalltag von vor 2015 mit den jetzigen Abläufen auf dem Hof vergleichst, inwiefern wurde dein Leben durch die moderne Technik bequemer und gibt es evtl. auch Dinge, die du im Vergleich zu früher vermisst?
Bequemer wurde mein Leben nicht, aber entscheidend flexibler. Ich habe keine fixen Abläufe mehr, die jeden Tag genau gleich gemacht werden müssen. Ich muss nicht morgens um 06:00 Uhr und abends um 16:00 Uhr im Stall sein, sondern kann mir das freier einteilen und vielleicht auch erst um 20:00 Uhr im Stall vorbeischauen. Auch am Wochenende kann ich den Kontrollaufwand der Daten am Computer etwas reduzieren. So kann ich mir auch mal einen halben Tag freinehmen. Ich vermisse es jedoch, sicher jede Nacht durchschlafen zu können. Denn ungefähr einmal im Monat muss ich nachts um 03:00 Uhr in den Stall, um einen Roboter neu zu starten, weil das System sich aufgehängt hat oder er irgendwo dagegen gefahren ist. Das heisst, wenn du ein technisches Problem hast, das du nicht umgehend lösen kannst, dann rennst du vielleicht während einer Woche jede Nacht in den Stall. In solchen Fällen fluche ich dann schon auch gerne mal (lacht). 

Arbeitest Du heute weniger als früher? 
Die Arbeit ist vor allem anders geworden. Klar, die Technik erleichtert mir vieles und meine Arbeit ist körperlich weniger anstrengend als früher. Ich muss weniger mit der Mistgabel den Dreck wegräumen, stattdessen muss ich den Roboter neu programmieren, damit er die richtige Route abfährt. Die Technik stellt aber vor allem sicher, dass die Kühe 24/7/365 betreut und versorgt werden. So ist es nicht schlimm, wenn ich am Wochenende mal ein paar Stunden weg bin. 

Wenn du laufend digitalisierst und automatisierst, ist dein Umsatz immer stärker von der Technik abhängig. Wie hältst du es mit der IT-Sicherheit, wie stark beschäftigt dich dieses Thema? 
Ich habe hier den Vorteil, dass es niemandem was bringt, meinen Hof zu hacken, das ist eher ein kleiner Betrieb. Man könnte hier lediglich einsehen, welche Kuh wieviel Milch gibt und wie die Zusammensetzung ist. Vielleicht könntest du auch die Fahrbahn meines Mistroboters umprogrammieren. Aber mal ehrlich, was hast du davon? Ich glaube da etwas naiv an das Gute im Menschen und achte darauf, dass ich mit dem PC, mit dem ich alle Daten meines Hofes überwache, nicht im Internet surfe.

Ihr habt hier einen Hofladen und vertreibt die Produkte auch online über euren Webshop.  Einen grossen Teil des Sortimentes produziert ihr selber, aber manches stammt auch von den Höfen in der Umgebung. Wie haben deine Nachbarn auf deine Webshop-Initiative reagiert? 
Über den Webshop läuft noch sehr wenig. Das hätte ich gerne anders, aber ich konnte mich noch nicht ausreichend darum kümmern. Es kann gut sein, dass noch nicht alle meine Nachbarn hier wissen, was ich alles anbiete. Aber der Hofladen läuft gut und das Marktschwärmer-Projekt in Zürich auch. Letzteres ist eine Internetplattform, für die wir in Zürich einen Standort haben, wo die Kunden jeweils am Dienstagabend ihre Bestellungen abholen können. Die Leute bestellen und bezahlen über die Plattform und ich muss mit der Ware jeweils nur diesen einen Standort in Zürich anfahren. Wenn ich mal nicht liefern kann, weil wir die gewünschte Menge nicht verfügbar haben, dann erhalten die Käufer von der Plattform automatisch das Geld zurück. Zu mir kommen also nur die Beträge von den Waren, die ich tatsächlich ausgeliefert habe. Und weil die Zahlungsabwicklung hier ohne mein Zutun bereits im Vorfeld über die Plattform geleistet wird, gewinne ich Zeit und kann mich auch mal mit dem einen oder anderen Kunden unterhalten.  
Am Marktschwärmer darf ich auch nur selber produzierte Waren verkaufen, während ich in meinem Hofladen und im Webshop auch Produkte von anderen Bauern anbiete. Jedoch sind dies weniger Produkte von den unmittelbaren Nachbarbetrieben, sondern von etwas weiter weg. Denn oft gibt es leider Eifersucht unter den Nachbarn. Mir ist es daher vor allem wichtig, mit Kollegen zusammenzuarbeiten, die meine Visionen teilen.

Ein wichtiger Teil deines Hofes ist automatisiert und digitalisiert. Wo, glaubst du, geht die Reise in der digitalen Landwirtschaft hin resp. wo siehst du noch Entwicklungspotential?
Futterroboter
Bei mir auf dem Hof wird der nächste Schritt die Molkerei sein. Weil der Milchpreis so tief ist, muss ich einen grösseren Teil der Wertschöpfung zu mir auf den Hof holen, um langfristig existieren zu können. Lely, der Hersteller meines Melkroboters, hat vor Kurzem ein Molkereisystem auf den Markt gebracht, das es bisher weltweit so nicht gab. Die Milch fliesst direkt vom Melkroboter in die Molkerei. So kann man dann in der Flasche explizit die Milch von der Kuh Erna, Dalta oder Vreni haben. Ausserdem ist es ein Baukasten-Containersystem, in dem die Milch automatisch pasteurisiert und verarbeitet wird. Ich muss am Ende dieser Kette nur noch die abgefüllten Milchflaschen abtransportieren. Der grosse Vorteil für mich: es ist ein geschlossenes System, somit ist der ganze Prozess sehr hygienisch.
Potential sehe ich auch bei der automatischen Bestellung von Futter oder Verbrauchsmaterialien für meinen Hof. Sobald eine bestimmte kritische Menge erreicht wird, wird automatisch nachbestellt.
Darüber hinaus kann ich mir vorstellen, auf dem Feld draussen in Zukunft verstärkt mit GPS zu arbeiten. Heute überschneiden sich meine Traktorbahnen auf dem Feld zwischen 20 cm bis hin zu mehreren Metern. Wenn ich aber künftig die Bodenbearbeitung, Saat, Pflege, Düngung und Ernte mit per GPS gesteuerten Fahrzeugen machen kann, dann gibt es diese Überschneidungen nicht mehr.
Auch denke ich, dass wir wieder zu Downsizing kommen. Bisher wurden immer grössere Traktoren gebaut, jetzt merkt man aber, dass die viel zu schwer werden und den Boden beschädigen. Ich glaube, in Zukunft werden wir vielleicht einen kleinen Schwarm an autonomen Traktoren haben, die miteinander kommunizieren. Auch die Menge des Düngers und Spritzmittels kann ich mit Hilfe von Sensoren und Kameras optimieren. Der Sensor vorne am Traktor erkennt, was alles Unkraut ist und die Düse hinten am Traktor sprüht anhand dieser Informationen punktuell nur dort, wo es nötig ist. Damit kann ich 98% einsparen und zudem garantieren, dass keine Spritzmittel in die Nahrungsmittel gelangen. Solche Anwendungsfelder werden in den nächsten Jahren verstärkt beworben und ausgebaut werden, sind aber zurzeit noch nicht praxisreif. 

Sind Drohnen ein Thema für dich? 
Für die Arbeit auf dem Feld kommt das für mich hier in der Schweiz nicht in Frage, da sind Traktoren besser und effizienter. Aber wo das Sinn macht ist zum Beispiel bei der Rehkitz-Suche. Bei hohem Gras habe ich keine Chance, beim Mähen die Rehe rechtzeitig zu sehen. Im Moment ist es so, dass Jäger am Tag vor dem Mähen hohe Stöcke in die Wiese stecken. Die Rehkuh merkt die Veränderung und holt ihr Kitz über Nacht raus. Das funktioniert ganz gut, ist aber sehr aufwändig. Mit der Drohne kann man sich sehr rasch und einfach einen Überblick verschaffen und ich sehe mit 100%iger Sicherheit, wo das Kitz liegt. Ich rechne bereits im nächsten Jahr damit, dass solche Drohnen bei uns zur Anwendung kommen werden.


Adrian Haggenmacher
Ihr bietet an der virtuellen Kasse im Webshop nebst Paypal oder der Lieferung gegen Vorkasse oder Rechnung auch die Möglichkeit der Barzahlung bei Abholung an. Wie oft wird diese Option noch genutzt?
Dieser Anteil ist sehr klein, denn über den Webshop laufen gerade mal 5-10% vom Gesamtumsatz des Ladens, unabhängig welche Bezahlfunktion gewählt wird. Somit mache ich gegen 90% des Umsatzes hier vor Ort im Hofladen selber. Darum ist es mir wichtig, den Betrieb attraktiv zu machen für Besucher. Mein Ziel ist es, einen Erlebnisbauernhof mit Spielgerät für Kinder zu etablieren. So können Familien unter der Woche oder am Wochenende vorbeikommen, sich den Betrieb anschauen und hoffentlich kaufen sie dann auch im Hofladen ein. Im Moment bezahlt man dort noch bar, ich habe mir nun aber sumup zugetan. Allerdings muss ich das Lesegerät noch fertig einrichten, damit der Hofladen dann endlich bereit ist für Kartenzahlungen (lacht).

Ist Twint für dich auch eine Option?  
Das kenn ich zu wenig. Ich denke aber nicht, dass das im Moment für mich und das Geschäft ein Mehrwert ist. Ich bin froh, wenn hier erstmal die Kartenzahlung im Hofladen funktioniert. 

Ist neben dem Erlebnishof für Familien vielleicht auch der Ausbau des Webshops für dich ein erklärtes Ziel? 
Das muss ein Ziel sein, denn der Online-Einkauf ist in meinen Augen die Zukunft. Im Moment fehlt es mir aber schlicht an der Zeit und am Knowhow. Und jemanden einstellen, der mir das macht, dafür bin ich noch zu klein, das rentiert sich für mich nicht.  

Gibt es irgendeine (online-) Dienstleistung, die du dir zum Beispiel von deiner Bank für Deinen Betrieb oder das optimierte Handling wünscht? 
Ich habe ein super Treuhandbüro mit einem sehr guten Online-Programm. Ich mache alle meine Zahlungen und Buchungen über dieses Tool und bin soweit glücklich damit. Natürlich muss auch das eBanking einfach und sicher sein. Da nervt mich manchmal der umständliche und wenig benutzerfreundliche Login-Prozess. Lange hatte ich so einen Token, der mir die Tan anzeigte. Mittlerweile habe ich das auf mein Handy umgestellt. Aber den Login-Prozess kann man hier bestimmt noch verbessern (lacht). 

Lieber Adrian, ganz herzlichen Dank für dieses spannende Gespräch.

Dieser Blog wurde von Matthias Hungerbühler verfasst.

#DigitalTransformation #SmartFarming

Swiss21.org – Disruption im Segment der Business-Software

Aktuell stösst man eher noch per Zufall auf den etwas sperrigen Namen Swiss21.
Der Webauftritt ist bezüglich Informationsgehalt auch eher noch etwas schwach auf der Brust, die Ankündigung dafür umso beeindruckender. Nichts anderes als ein neues «digitales Ökosystem für Schweizer KMU» wird einem auf der Frontseite in Aussicht gestellt. Der Countdown-Zähler für den Launch zielt auf den Mittwoch, 7. November 2018 ab, wenn wir richtig gezählt haben. Was auf den ersten Augenblick so aussieht wie viele Ankündigungen von IT-Startups, welche aktuell gerade versuchen ein etabliertes Business-Modell neu zu erfinden, hat auf den zweiten Blick enormes Durchschlagspotential:
Eine Business-Software umsonst. Also kostenlos, gratis.

In der Schweiz herrscht schon seit längerer Zeit im Markt der ERP-Lösungen (Enterprise-Resource-Planning) ein harter Verdrängungswettbewerb. Auf der Branchenplattform topsoft.ch sind aktuell mehr als 2'500 Produkthersteller aufgeführt. Die Bandbreite reicht dabei von den bekannten Branchenleadern wie SAP, ABACUS oder Sage bis hin zu sehr spezifischen Nischenanbietern, welche sich z.B. auf die Organisation und das Eintreiben von Spenden für Non-Profit-Organisation spezialisiert haben. Funktionalitäten wie die Verwaltung von Kontakten, die Erfassung von Artikeln oder Leistungen für Rechnungen oder Hilfsmittel für den Online-Vertrieb gehören bei KMU-Lösungen heute zur Grundausstattung. Genau hier setzt Swiss21 an.

Für Anwender, die maximal 2’100 Kunden, 2’100 Artikel oder 2’100 Belege pro Jahr verwalten (man beachte die Analogie zu Swiss21 und 2'100), soll der Einsatz der Software kostenlos sein. Ab dieser Grenze ist dann eine Monatsgebühr von 21,00 Franken fällig. Dafür gibt es eine ausgewachsene Business-Software mit den Hauptmodulen «Rechnungen & Offerten», «Buchhaltung», «Bankanbindungen», «Online Shop», «Point of Sales» und «Kontaktverwaltung». Auch wenn man berücksichtigt, dass es sich hierbei noch um eine Ankündigung handelt (der Launch erfolgt wie gesagt in den nächsten Tagen), muss es sich für die neuen Platzhirsche von Cloud-Business-Software wie Bexio oder Run my Accounts wie eine Kriegserklärung anhören.

Man könnte das Ganze jetzt als «one of many startups»-Initiative abhaken, wären da nicht die potenten Initianten, welche in den nächsten Tagen mit wohl viel Brimborium die Lösung bekannt machen werden. Aufgrund des Renommees der beteiligten Zulieferanten (Swiss 21 spricht von Partner) haftet dem Angebot von Anfang an eine gewisse Seriosität an, da insbesondere ABACUS, Swisscom und die St. Galler Kantonalbank über viel Vertrauen im KMU-Segment verfügen. Man darf sehr gespannt sein, wie sich dieses Angebot im Markt wird durchsetzen können. Das Argument der kostenlosen Software ist natürlich radikal und fast unschlagbar. Sollte die Funktionalität auch nur im Ansatz das halten, was heute auf der Webseite angekündigt wird, dann beobachten wir gerade die Umsetzung einer weiteren Disruption mit ungeahnten Folgen für die heute etablierten Anbieter von Business-Software-Lösungen.


Dieser Blog wurde von Carsten Miehling verfasst.

#Swiss21 #Digitalisierung #ERP

PPI Schweiz Top Event - Herbst 2018

An einem wunderschönen Herbsttag in der letzten Oktoberwoche 2018 war es wieder einmal so weit. PPI Schweiz organisierte für das Who is Who im Schweizer Zahlungsverkehr den in der Zwischenzeit berühmt gewordenen PPI TopEvent. Das originelle Konzept zwischen Wissensvermittlung in Form von Kurzvorträgen mit anschliessendem ausgedehntem Networking fand im «Zunfthaus zur Hard» statt und hat am späteren Nachmittag rund hundert Branchenvertreter angelockt.

Matthias Hungerbühler moderierte den Anlass zum Thema «e-Identity».

Als ersten Redner durfte er der Gesellschaft Andrus Kaarelson, Director of State Information System of the Republic of Estonia, vorstellen. Andrus Kaarelson war und ist die treibende Kraft bei der Digitalisierung von Estland. In seinem Vortrag ging er auf die staatlichen Ziele ein und erklärte, warum auch in einem demokratischen Land gewisse Vorhaben für obligatorisch erklärt werden müssen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. So ist es in Estland jedes Bürgers Plicht, eine digitale Identität zu besitzen. Auf der anderen Seite ist der Internetzugang ein soziales Recht. Da für die Bürger ausserhalb der Ballungszentren von Estland der Weg zum Amt eher beschwerlich und zeitraubend ist, werden 99% der staatlichen Dienstleistungen online angeboten. Nur Heirat, Scheidung und Grundstückskauf müssen noch persönlich auf einem Amt getätigt werden, merkt Kaarelson augenzwinkernd an.

Die digitale Gesellschaft Estlands baut auf folgenden Punkten auf:
  • Alle Prozesse sind elektronisch / automatisiert
  • Daten werden unter den Ämtern geteilt bzw. verteilt
  • Vertrauen und Privatsphäre bauen auf Transparenz auf
Die Zuhörer lauschten gebannt den Worten von Andrus Kaarelson und ab und zu war ein erstauntes oder überraschtes «Ah» oder «Oh» zu vernehmen.

So waren denn auch alle sehr überrascht, wie schnell die Zeit verflog und Matthias Hungerbühler den zweiten Redner vorstellte. Urs Fischer, Chief Development Officer der SwissSign Group AG präsentierte das Thema «Swiss ID, die digitale Identität für die Schweiz». Im Gegensatz zu Estland ist die digitale Identität in der Schweiz kein Muss und entsprechend ist auch der Weg zur einheitlichen «Swiss ID» um einiges steiniger. Anhand des «Huhn / Ei»-Beispiels erläuterte Urs Fischer die Schwierigkeiten, sowohl Nutzer wie auch Anbieter für die «Swiss ID» zu begeistern. Für diese gibt es zu wenig Dienstleitungen, welche mit der «Swiss ID» genutzt werden können, für jene zu wenig Nutzer, um entsprechende Dienste zur Verfügung zu stellen. Nichtsdestotrotz hat sich SwissID zum Ziel gesetzt, einen vertrauenswürdigen Marktstandard für digitale Identitäten sowie identitätsnahe Attribute und Dienstleistungen zu schaffen und eine Schlüsselrolle für die digitale Privatwirtschaft und das E-Government zu übernehmen. So kann als Fazit sicherlich festgehalten werden: Die «Swiss ID» wird kommen, doch bis sie umfassend eingesetzt werden kann, sind noch einige Hürden zu überwinden.

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Im Anschluss an den Vortrag von Urs Fischer stellte Matthias Hungerbühler die Teilnehmer des Panels vor:
  • Urs Fischer, CDO, SwissSign Group AG
  • Urs Paul Holenstein, Leiter Fachbereich Rechtsinformatik, Bundesamt für Justiz
  • René Keller, Senior Consultant, PPI AG
Moderiert wurde das Panel von Carsten Miehling, CEO PPI Schweiz.

Schon bei der ersten Frage «Estland hat für die Ausbreitung der digitalen Identität den Staat beauftragt. In der Schweiz sollen es private Unternehmen übernehmen. Wo sehen Sie bei den beiden Varianten die jeweiligen Vor- und Nachteile?» entstand eine angeregte Diskussion. Allerdings wurde kein Konsens bezüglich der bevorzugten Variante gefunden. Anlässlich der zweiten Frage «Die grösseren Banken möchten ja unisono E-ID-Services anbieten. Wo liegt da eigentlich der Business Case?» lud Carsten Miehling den anwesenden Roger Huber von der ZKB zum Panel ein. Roger Huber erklärte den Anwesenden die Vorteile, welche sich aus Sicht der Banken ergeben, wobei die Bindung des Kunden klar im Vordergrund steht.Urs Paul Holenstein nahm zu Fragen bezüglich der Aktivitäten des Bundes Stellung. Auch der Bund unternehme sehr viel, um die digitale Identität voranzutreiben.René Keller erläuterte die Situation in Deutschland, welche sowohl von privaten als auch staatlichen Institutionen gefördert wird. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es im IT-Finanzmagazin eine lesenswerte siebenteilige Serie von Rudolph Linsenbarth zum Thema «Digitale Identität» gibt .Es entstand eine angeregte Diskussion unter den Panelteilnehmern, welche auch Fragen aus dem Publikum beantworteten. Es zeigte sich ein weiteres Mal, dass das Panel ein bewährtes Format ist, um mehr über die verschiedenen Anliegen und Standpunkte erfahren zu können.

Im Anschluss an den offiziellen Teil eröffnete Matthias Hungerbühler den Apéro. Und wie fast schon gewohnt, zauberte die Mannschaft des «Zunfthauses zur Hard» einen Gaumenschmaus aus der Küche. Ein herzliches Dankeschön dafür an Andreas Schober und sein Team. Während dem intensiven und abwechslungsreichen Networking wurden die Gäste mit variantenreichen, schmackhaften Häppchen und Getränken verwöhnt. Der sommerliche Abend und die guten Gespräche führten dazu, dass sich manch ein Teilnehmer erst gegen Mitternacht auf den Heimweg machte, wohl mit der festen Absicht, auch beim nächsten Anlass am 11. April 2019 wieder dabei zu sein.


Dieser Blog wurde von René Heusser verfasst.

#PPITopEvent #eID #Estland #SwissID #SwissSign