Swift MX - Banken müssen jetzt handeln



Warum müssen die Swift MT Zahlungsformate nach ISO 20022 migriert werden?

Da nationale und internationale Regulatoren von den Banken immer mehr Details über Zahlungen an Personen und Firmen verlangen, gehörte es zu den primären Geschäftsaufgaben, die Einhaltung der Mandate zu gewährleisten. So verlangt zum Beispiel die Financial Action Task Force Special Recommandation (FATF) die Einbindung und den Transport von Zahler-Informationen über die ganze Zahlungskette.

In der Vergangenheit waren Finanzinstitute nicht dazu verpflichtet, die vollständigen Informationen der in einer Zahlung involvierten Parteien zur Verfügung zu stellen. Heute müssen sie den Zahlungsinitiator wie auch den Empfänger kennen und sind dafür verantwortlich, die Kontonummer, den Namen und die Adresse des Überweisenden zu melden. Zukünftig werden die Regulatoren Banken daran hindern, Transaktionen zu prozessieren, wenn die Informationen über den Begünstigten nicht validiert werden können.

Der stetig steigende Bedarf an Informationen im Zahlungsverkehr im Kampf gegen Geldwäsche und Sanktionen erhöht auch den Druck auf die vollautomatisierte Verarbeitung von Zahlungen. Ein Wandel zu einem strukturierten Format, bei dem Details wie Geburtsdatum oder Passnummer hinterlegt werden können, fördert die automatisierte Verarbeitung dort, wo diese bis anhin rein manuell ist.

Basierend auf dieser regulatorischen Zahlungsformatierungsverantwortlichkeit ist die Erwartung, dass Meldungen für die Validierung der Zahlungsinformationen ordnungsgemäss formatiert sind. Der Swift MT Zahlungsstandard ist nicht flexibel genug, um die stetig steigenden regulatorischen Erwartungen zu erfüllen. Eine zusätzliche Herausforderung bilden die limitierten Formatierungsmöglichkeiten, um die Compliance-Anforderungen einzuhalten und die vollautomatisierte Verarbeitung hochzuhalten. Dies wiederum wird dazu führen, dass manuelle Arbeitsschritte in die Transaktionsverarbeitung eingeführt werden müssen, um die Validierung sicherzustellen. Längerfristig könnte dies dazu führen, dass Regulatoren ihre eigenen Standards vorschreiben. Die Finanzindustrie benötigt ihre eigene und flexible Struktur, die es erlaubt, Informationen über den ganzen Transaktionsprozess zu übermitteln und trotzdem eine einfache Validierung zulässt – und ISO 20022 offeriert diese Lösung

Die Wahl der Finanzindustrie ist klar. Sie kann den Wandel der Zahlungsmeldungsstandards selber gestalten oder andere übernehmen dies für sie. So ist es einer gewissen Dringlichkeit geschuldet, dass die Finanzindustrie geschlossen die Migration der Zahlungsformate von Swift FIN zu ISO 20022 vorantreibt.

Gibt es neben der regulatorischen Notwendigkeit auch andere Gründe für die Dringlichkeit ISO 20022 anzunehmen?

Im Grossen und Ganzen stehen wir den typischen Problemen von Standards gegenüber. Swift startete 1977 und Swift FIN blieb für über 40 Jahre de facto, wenn auch alter, Standard. Dies überlässt die Banken dem Wettbewerb durch Herausforderer- bzw. Nicht-Banken, welche mit neueren und kostensparenden Technologien den Markt mit besseren, schnelleren und günstigeren Zahlprodukten erobern.

Ein Teil des Impulses für die Finanzindustrie auf ISO 20022 zu migrieren ist auch der gesteigerten Effizient der Zahlungssysteminfrastrukturen geschuldet. Die Annahme des ISO-20022-Standards durch Marktinfrastrukturen auf der ganzen Welt war ein guter Start. Die Zahlungssysteme in vielen Ländern weltweit setzen schon ISO 20022 voraus, sei dies SEPA, SIC in der Schweiz, Japans Zengin System, Singapurs Giro System, Chinas CNAPS2 oder auch Finnland, Griechenland, Canada und Australien. Target2 plant den Abschluss der Migration auf ISO 20022 für November 2021.

Im Weiteren bedarf das langfristige Ziel der zahlungssystemübergreifenden Interoperabilität einer eigenen Berücksichtigung. Als Beispiel sei hier PSD2 genannt, welche für zugelassene Dritte den Zugang zu Zahl- und Kontodienstleistungen verlangt. Interoperabilität zwischen den Zahlsystemen basierend auf ISO 20022 reduziert Kosten und ermöglicht Dritten einen einfacheren Weg, sich an die Zahlungssysteme anzuschliessen. Generell unterstützen einheitliche Zahlungsformate und Technologien die Wiederverwendbarkeit von Dienstleistungen rund um den Zahlungsverkehr.

Darüber hinaus besteht auch ein Zusammenhang zwischen der Konvergenz von Zahlungssystemen für Massenzahlungen bzw. Kleinbeträgen und den grenzüberschreitenden Zahlungen im Hinblick auf die Interoperabilität. Immer mehr Clearing Häuser werden den ISO 20022 Standard für den Austausch von Zahlungsanweisungen nutzen und die Abwicklungszeiten minimieren können, als Beispiele seien hier Instant Payments und Swift gpi erwähnt. Letztendlich erfordert Interoperabilität ein gemeinsames Set an Funktionen für die Ausführung von Zahlungen aller Art.

Warum muss jetzt gehandelt werden? Nichts zu tun führt meist dazu, dass andere die Kontrolle übernehmen, die möglicherweise unangemessene Zeiträume für die Implementierung und Einhaltung von Vorschriften auferlegen. Da die Umstellung auf ISO 20022 Jahre dauern wird, um in der gesamten Finanzindustrie eingesetzt werden zu können, müssen sich die Teilnehmer schon jetzt damit auseinandersetzen und nicht erst das von Swift festgelegte Zeitfenster von 2021 – 2025 abwarten. Und keine Bank kann sich da ausnehmen. Die Migration betrifft Banken jeglicher Grösse, da sie und ihre Kunden zunehmend global unterwegs sind.

Untätigkeit hat auch unmittelbare negative Auswirkungen auf kleinere und mittlere Banken, die trotz dramatischer Veränderungen weiterhin in die aktuelle Marktinfrastruktur investieren. Die Swift-Community diskutiert deshalb über eine Initiative, bei der Banken jeder Grösse entscheiden können, wie sie schon heute am besten investieren, um künftige Anforderungen zu erfüllen. Mit diesen Investitionen können sich Banken besser positionieren, um auf die steigenden Anforderungen der Firmenkunden im Zahlungsverkehr flexibler zu reagieren. Die Unternehmerseite hat schon früh als Wegbereiter der Interoperabilität auf ISO 20022 gesetzt. Und die Unternehmergemeinschaft ist trotz aller Hindernisse wie unterschiedlichen Technologien und Plattformen selbst innerhalb von komplexen Firmenstrukturen auf einem guten Wege.

Aus Sicht von PPI Schweiz sollten die Schweizer Finanzinstitute die Migration von Swift MT auf MX schon jetzt ins Auge fassen und mit deren Planung beginnen. Das fachliche Wissen rund um ISO 20022 ist aufgrund der SIC und euroSIC Migration immer noch vorhanden und kann umfassend genutzt werden. Es wäre schade und sicherlich auch sehr teuer, wenn dieses Wissen für die nächsten 2 – 3 Jahre brachliegen würde und wieder von Neuem aufgebaut werden müsste.

Dieser Beitrag wurde von René Heusser gepostet.

#ZVMigration #SwiftMX

Extended Mind und Smartphone Banking

Im Juni 2014 entschied das US-Amerikanische Supreme Court, dass die Polizei einen richterlichen Beschluss benötigt, um das Smartphone eines Verdächtigen zu infiltrieren. Daran soll uns hier weniger der Umstand interessieren als vielmehr die Begründung. Die Richter stellten fest, dass «modern cell phones […] are now such a pervasive and insistent part of daily life that the proverbial visitor from Mars might conclude they were an important feature of human anatomy.» (https://www.law.cornell.edu/supremecourt/text/13-132). Aufgrund dessen sei der Einbruch in das Smartphone eine so tiefgreifende Verletzung der menschlichen Privatsphäre und nur mit richterlichem Beschluss zu rechtfertigen. Die Implikation dieser Metapher, nämlich der des Smartphones als wichtigem Teil unserer Anatomie, wollen wir heute nachgehen. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Tragweite von Smartphone Banking ziehen.

Das Smartphone ständig griffbereit in der Hosentasche – jeder kennt das. Die ganze digitale Welt in einem handlichen Gerät. Aus Wissen wird das Wissen-wo-es-steht. Stetig fliessen Daten vom Digitalen ins Analoge und gleichzeitig vom Analogen ins Digitale (unsere User-Daten). Ein ständiger Strom statt – wie früher – feste Grenzen zwischen Selbst und Umwelt.

Welche Auswirkungen hat diese sehr junge Entwicklung? Und zwar nicht nur auf die Gesundheit, sondern auf unsere gesamte Persönlichkeit? Einige Studien legen nahe, Smartphones schwächen die Konzentrationsfähigkeit und machen uns geistig faul – schliesslich müssen wir dank Siri & Co. immer seltener das Gehirn bemühen, um uns an Termine zu erinnern oder in einer neuen Stadt zurecht zu finden (Cherry, 2018).

Möglicherweise sind die Effekte aber noch viel tiefgehender. Berühren und streiche(l)n waren in der Evolution stets Mittel zur Herstellung von Intimität. Tatsächlich erhöhen diese haptischen Elemente Vertrauen und Risikofreudigkeit (Melumad und Pham, 2017). Nicht erst seitdem Sprachassistenten Einzug ins Smartphone erhalten haben, lagern wir immer mehr kognitive Aufgaben in das Gerät in der Hosentasche aus (Chemero und Käufer, 2018). 

Philosophen wenden daher seit einiger Zeit die sog. Extended-Mind-Hypothese (nach Clark und Chalmers, 1998) auf die Forschung über technologische Geräte an (z.B. Record und Miller, im Erscheinen). Schon viel früher, nämlich vor 91 Jahren, schrieb der deutsche Philosoph Martin Heidegger über die Zuhandenheit von Werkzeugen des täglichen unreflektierten Gebrauchs. Ein Hammer werde „zunächst und zumeist“ nicht als Gegenstand benutzt – also als etwas, dem wir gegenüber stehen – sondern ist uns viel näher und unmittelbarer gegeben. Erst wenn der Hammer nicht funktioniert, interessieren wir uns für ihn als Ding und definieren Eigenschaften (Grösse, Gewicht, etc.). Je komplexer das „Zeug“, desto weniger kennen wir die Eigenschaften und Mechanismen, sind aber gleichwohl meist zufrieden, sofern es uns im Alltag verlässliche Dienste leistet. Der Hammer als Zeug ist zuhanden, indem er uns leicht zur Hand geht, der (nicht funktionierende) Hammer als Ding ist vorhanden, liegt uns also gleichsam gegenüber und wird betrachtet und analysiert (Lynch, 2016).

Und damit wären wir beim Smartphone. Erst das Smartphone ist wirklich „handy“, also  intuitiv zu bedienen und funktioniert in aller Regel völlig anstandslos. Die iPhone-Revolution hat dazu geführt, dass das Taschengerät immer weniger Ding und immer mehr Zeug wurde. Aufgrund der haptischen Bedienung und Handlichkeit gehen wir mit dem Smartphone natürlicher und intuitiver um als mit PC oder Laptop. So konnte es immer mehr die Stellung als zentrale Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt einnehmen. Und je haptischer, intuitiver und unauffälliger die Bedienung ist, desto weniger nehmen wir diese Schnittstelle selbst noch wahr und desto besser können wir die zahlreichen Anwendungen nutzen, mit denen es uns verbindet. 

Das Smartphone ist also nicht irgendein technologisches Gadget. Die Einflüsse auf unsere Persönlichkeit und Subjektivität prägen auch die Erwartungshaltung, die wir an Smartphone Banking Lösungen haben – so zumindest die hier zur Diskussion gestellte These. Daraus folgt zunächst, dass Banken ihre App nicht nur als ein Kanal ähnlich dem e-Banking verstehen sollten, sondern als viel intimeren Kontaktpunkt zum Kunden. NeoBanken haben das begriffen und bieten oft nur noch die App-Oberfläche an.

Sie sind es auch, die den Datenschatz, den der digitale Austausch bietet, intensiv nutzen. Ausserdem setzen sie stark auf PSD2 und ähnliche Initiativen und können so den oben erwähnten stetigen, unauffälligen und selbstverständlichen Datenstrom in beide Richtungen gewährleisten. Womöglich verändert die Fluidität des Bezugs zum Digitalen auch unser Verhältnis zum Digital-Geld selbst. Revolut beispielsweise zeigt nicht nur den Kontostand an, sondern den Geldfluss – absteigend während des Monats, ansteigend am 25ten. Der exakte Betrag wird sekundär. An die Stelle der bewussten Kontrolle treten selbst definierbare Budget-Regeln. Die App warnt uns, wenn wir das gesetzte Limit erreichen. Vielleicht werden wir so durch Mobile Payments zahlungsfreudiger im Alltag?

In jedem Fall werden intelligente Banken die Befunde, dass haptische Bedienung Risikofreudigkeit und Vertrauen erhöhen, auszunützen wissen. Möglichst wenig sollte auf Tastatureingaben, möglichst viel auf Wischen, Streichen und Stupsen zurückgegriffen werden. Biometrische Authentifizierungsverfahren sind der Passworteingabe vorzuziehen. All das kann dabei helfen, eine subtile Nähe zu einer User Group aufzubauen, die der Kundenberater recht selten zu Gesicht bekommt.

Die App der Bank muss genauso einfach zu bedienen sein und fehlerfrei funktionieren wie wir das von anderen Apps gewöhnt sind. Und natürlich muss alles sofort verfügbar sein – daher die Erwartungen an Instant Payments. Dies sind hohe technische Anforderungen. Banken werden sie jedoch umsetzen müssen, wollen sie den modernen Smartphone-Menschen erreichen. Durch eine hohe Nutzerfreundlichkeit ihrer App kann sich die Bank als zentrale Schnittstelle zu den finanziellen Angelegenheiten des Kunden etablieren. Hier gibt es noch viele Möglichkeiten, sich zu differenzieren: Man denke nur an vereinfachte Einrichtung der Sprachsteuerung, an Chat-Bots, die ihre Sprachwahl an das Kundenprofil anpassen, an Schnittstellen zu Depot und Vermögensverwaltung sowie an all das, was unter Gamification rangiert (siehe unser früherer Blog). Aber auch für das Unternehmenskundengeschäft lassen sich aus diesen Überlegungen Rückschlüsse ableiten. Schliesslich benutzen Unternehmen heute Apps für ihren Zahlungsverkehr. Die verteilte elektronische Unterschrift (VEU) ist hier eine jüngere Entwicklung.

Mark Weiser, eine Koryphäe des frühen Silicon Valley, schrieb in seinem prägenden Papier The Computer for the 21st century (Weiser, 1991): «The most profound technologies are those that disappear. They weave themselves into the fabric of everyday life until they are indistinguishable from it.» Wenn wir diesem Gedanken folgen, dann müssen wir annehmen, dass Sprachassistenten und Virtual Reality Brillen nur konsequente Entwicklungsschritte sind. Und dass es vielleicht nicht mehr lange dauert, bis Smartphones durch Chips ersetzt werden, die wir unter der Haut eines Fingers tragen und mit tippen auf diesen ein- und ausschalten. Das klingt aktuell noch nach Science Fiction. Aber das hätte unser heutiger Umgang mit Smartphones vor 10 Jahren auch. Erfolgreiche Banken werden all diesen Entwicklungen nicht ablehnend oder herablassend gegenüber stehen, sondern die Chancen – etwa den engen personalisierten Kundenkontakt bei gleichzeitig niedrigem Personaleinsatz – zu nutzen wissen. Und natürlich dürfen sie bei alldem nicht die Schlussfolgerungen vergessen, die der Supreme Court zieht: die Daten auf unserem Smartphone müssen so sicher sein wie unser leibliches Wohl.


Dieser Beitrag wurde von Sebastian Strub gepostet.

#Smartphone #MobileBanking








Quellen:

Chemero, Anthony und Käufer, Stephan (2018): Pragmatism, Phenomenology, and Extended Cognition, in: Pragmatism and Embodies Cognitive Science, S. 57-72

Cherry, Kendra (2018): The Effects of Smartphones on the Brain

Clark, Andy und Chalmers, David J. (1998): The Extended Mind, Analysis 58 (1), S. 7-19

Lynch, Michael Patrick (2016): Leave my iPhone alone: why our smartphones are extensions of ourselves, The Guardian 19.02.2016

Melumad, Shiri und Pham, Michel (2017): Understanding the Psychology of Smartphone Usage: the Adult Pacifier Hypothesis, in NA - Advances in Consumer Research Volume 45, S. 25-30

Record, Isaac und Miller, Boaz (im Erscheinen) Taking iPhone Seriously: Epistemic Technologies and the Extended Mind, in: Extended Epistemology

Weiser, Mark (1991): The Computer for the 21st century, Scientific American Ubicomp Paper

Was wäre wenn Instant Payments morgen eingeführt würde?

Um dieser Frage nachgehen zu können, muss erst einmal klar sein, was Instant Payments denn eigentlich genau sind. Viele verstehen unter diesem Begriff einfach nur das Prozedere schnell Geld von A nach B überweisen zu können, doch der Begriff beinhaltet deutlich mehr. Per Definition sind Instant Payments elektronische, multikanalfähige Zahlungsverkehrslösungen, die permanent (24/7/365) zur Verfügung stehen und folgende Charakteristika aufweisen:

Zahlungen werden sofort (also innerhalb von Sekunden nach Auslösung der Zahlung)
- an den PSP des Zahlungsempfänger übermittelt
- dem Zahlungsauslöser bestätigt
- dem Konto des Zahlungsempfängers gutgeschrieben
- dem Empfänger verfügbar gemacht

Unter Beachtung dieser Parameter stellen wir schnell fest, dass Instant Payments deutlich mehr sind, als nur ein einfacher Überweisungsvorgang oder ein reines Bankprodukt. Ebenso fällt auf, dass es teilweise bereits seit Längerem Produkte und Lösungen am Markt gibt, die in die Kategorie Instant Payments fallen. Auch wenn diese in vielen Fällen bislang lediglich als geschlossenes System funktionieren, sind sie dennoch bereits heute ein Bestandteil unseres Zahlungsverkehrsalltags.

Status Quo
Mit SEPA Instant Payments und PSD2 stehen innerhalb der EU Konstrukte zur Verfügung, auf deren Basis die Einführung und Umsetzung von Instant Payments ermöglicht und vorangetrieben werden sollen. Dennoch sieht sich die Realität teilweise immer noch weit von einer umfassenden Einführung und vor allem einer Etablierung von Instant Payments entfernt. Die Gründe hierfür sind vielfältig:
Echtzeitüberweisungen sind beispielsweise nur möglich, wenn beide involvierten Banken den entsprechenden Service anbieten (was Stand heute z.B. in Deutschland auch mehr als 1 Jahr nach dem offiziellen Start noch immer nicht flächendeckend der Fall ist). Ein weiteres Hindernis ist die teils sehr differenzierte Preisgestaltung, von «im Preis inklusive» bis hin zu «vollkommen überteuert» ist hier alles mit dabei. Für Kunden stellt sich somit die Frage, wieso sie für einen Service Geld bezahlen sollen, den es bei anderen Anbietern bereits seit Jahren völlig kostenfrei und auch noch mit deutlich mehr Zusatzdiensten (bspw. Käuferschutz) gibt – Stichwort PayPal, hierbei einer der grossen Konkurrenten und «Angstgegner» der Banken. Auch das Fehlen von einheitlichen technischen Schnittstellen und standardisierten Prozessen für den Einsatz am POS, im E-Commerce und P2P-Zahlungen verhindern das Ablösen bestehender Verfahren und somit das Etablieren von Instant Payments und das damit verbundene Innovationspotential. Auch wenn es bereits verschiedenste Produkte am Markt gibt (u.a. auch von Banken), fehlt es hierbei, neben der Interoperabilität zueinander, meist auch an der entscheidenden Verbesserung gegenüber bestehenden Verfahren und Möglichkeiten (Geschwindigkeit, Usability, u.v.m.). 

Was wäre nun, wenn...
Gerade für Corporates dürften sich bezüglich der fiktiven morgigen Einführung von Instant Payments sowohl freudige Erwartung als auch gewisse Bedenken bezüglich eigener Prozesse einstellen. Neben der sehnlichst erwarteten sofortigen Zahlungsbestätigung sowie entsprechenden Möglichkeiten im Bereich Treasury, stehen diese auch vor der Herausforderung, ihre Folgeprozesse an die Geschwindigkeit der Bezahlprozesse anzupassen. Nicht nur bei Online-Einkäufen wird dann ein sofortiger bzw. taggleicher Warenversand erwartet, auch müssen z.B.  Dienstleistungen wie Prepaid-Aufladungen oder der Kauf von Aktienfonds entsprechend auf die verschiedenen Zahlungswege angepasst werden. 
Für Privatanwender dürfte sich die erste Entwicklungsstufe grundsätzlich nicht übermässig bemerkbar machen. Ein Bedarf an Echtzeitüberweisungen wird sich in der breiten Masse erst einstellen, sobald sich diese als Standard etabliert und bestehende Verfahren kostenneutral ersetzt haben. Bereits verfügbare, geschlossene P2P-Zahlungssysteme werden zwar weiter an neuen Nutzern gewinnen, jedoch ebenfalls keine bestehenden Verfahren ablösen oder Kehrtwenden herbeiführen. 
Richtig spannend wird es daher erst, sobald P2P-Anbieter die derzeit noch fehlende Interoperabilität beseitigen und damit Nutzern, auch wenn sie verschiedene P2P-Lösungen verwenden, den gegenseitigen Geldtransfer ermöglichen. Die damit geschaffene Reichweite der Mobile-Payment-fähigen Lösungen ist jetzt auch für Händler höchst interessant, denn nun kann dank der Interoperabilität mit der gleichen App auch gleich am POS bezahlt werden. Die bislang zwischengeschaltete Debitkarte und die damit verbundenen Händlergebühren können somit zukünftig umgangen werden. Auch die Integration von immer mehr Mehrwertdiensten wie beispielsweise Payback-Lösungen, Gutscheinen, Coupons oder Bonuskarten wird deutlich zunehmen und damit auch weiter die Attraktivität entsprechender Bezahllösungen steigern. 

Fazit
Instant Payments weisen einen disruptiven Charakter auf und haben somit das Potential, bestehende Technologien durch Verbesserung derer alten Strukturen zu ersetzen und diese schlussendlich zu verdrängen. Früher oder später werden alle relevanten Bezahlverfahren über Instant Payments erfolgen, denn neben den nicht zu leugnenden Effizienzgewinnen für alle Beteiligten ist gerade unsere heutige Lebensart der massgebliche Treiber von Instant Payments. Alles muss schnell, jederzeit und zu jedem Zeitpunkt überall möglich sein, angefangen bei der Informationsbeschaffung, über Kommunikation, Bestellvorgänge und schlussendlich bis hin zur Bezahlung. Auf Bankenebene ist es eher eine Frage des Geschäftsmodells und weniger der technischen Umsetzung, deren Grundlagen innerhalb der Bankenwelt mittlerweile weitestgehend geschaffen und verfügbar sind. Unsere heutige Welt ist bereits «Instant» und dorthin wird sich unweigerlich auch unser Zahlungsverkehr entwickeln. Die Frage bleibt jedoch, inwieweit sich Banken gegenüber Drittanbietern behaupten und damit ihre Ertragsquellen aus dem Zahlungsverkehr sichern können. Wieder einmal dürften Innovationskraft und Geschwindigkeit die massgebenden Faktoren für einen nachhaltigen Erfolg sein.

Dieser Beitrag wurde von David Lehr gepostet.

#InstantPayments

Ghost Banks - Banken ohne Banker?

Der Begriff «Industrie 4.0» fällt heutzutage immer häufiger in der IT- und Businesswelt. Er beschreibt die vollständige Digitalisierung der Industrie, mit dem Ziel, mit technologischen Lösungen wie Robotern den nächsten Schritt in der Automatisierung von Aufgaben zu gehen. Die Einsparpotentiale gelten als vielversprechend.
Die Industrie 4.0 umfasst dabei nicht nur Produktionsstätten, wie man aufgrund der Namensgebung evtl. vermuten könnte. Auch Unternehmungen, die keine direkte Beziehung zur Produktion haben (zum Beispiel Banken) sind betroffen.
Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Arbeitsprozesse der Banken stark. Dabei werden die menschlichen Arbeitskräfte nicht nur unterstützt, sondern immer häufiger auch ersetzt. Demzufolge stellt sich die Frage: Wird die Digitalisierung die Banker ersetzen und somit Banken ohne Banker schaffen?
Um in der gegebenen hektischen Umgebung überleben zu können, müssen sich Banken auf zwei Arten von ihrer Konkurrenz abheben: 1.) Kosten senken und Prozesse optimieren sowie 2.) Kundenerwartungen berücksichtigen, insbesondere hinsichtlich der gewünschten einfachen Kommunikation mit der Bank.
Der Weg von der analogen zur digitalen Bank ist lang und die Komplexität der Regulierungsprozesse sowie das grosse Administrationsvolumen erschweren diesen Transformationsprozess. Die Tatsache, dass die Digitalisierung kein «Kann», sondern ein «Muss» ist, zwingt die Banken, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen, um bisherige Kunden halten und die anspruchsvolle junge Generation zufriedenstellen zu können. Hier stossen wir auch auf einen sehr interessanten Begriff: Emotionelle Intelligenz. Mehr darüber kann man auch in diesem Blog lesen.
Bei der Digitalisierung stösst die Bank auf zwei zentrale Begriffe: Business Process Management (BPM) und Robotic Process Automation (RPA)
BPM umfasst alle Methoden und Werkzeuge der Modellierung, Implementation, Ausführung, Steuerung und Optimierung von Bankprozessen und bereitet so den Weg vom analogen / manuellen Zeitalter ins digitale. RPA hingegen beschleunigt die Ausführung der Prozesse durch die Automatisierung repetitiver Aufgaben und stellt ein Software-Konzept dar. Beide Konzepte ergänzen sich und ermöglichen es, die zu bewältigenden Aufgaben schnellstmöglich zu automatisieren und vorhandene Hindernisse zu umgehen.
Herausforderungen von RPA sind: Steigerung der Effizienz zwischen (un)abhängigen Teilen des Bankensystems, Reduktion manueller und Zunahme digitaler Prozesse, Fokus auf Kundenwünsche und weniger auf komplexe Prozesse, einfache und schnelle Kommunikation, höhere Transparenz zur Erleichterung der Revision sowie schnelle Verarbeitung grosser Datenmengen.
Gemäss der Studie “Erfolgreich Automatisieren im Werkzeugbau“ (Werkzeugbau Akademie und Fraunhofer IPT, 2017) sollten sich Unternehmen nicht von den hohen Investitionskosten abschrecken lassen, da sich die Produktionskosten durch Roboterautomatisierung um bis zu 50% senken lassen. In der Kombination  mit dem Fakt, dass die Bearbeitungszeiten in automatisierten Back-offices mehr als 50% sinken, könnte es möglich sein, dass Kostenersparnis bei Banken noch auf einem höheren Level liegt.
Für heutige Banken gilt festzuhalten: Wer sich früh digitalisiert, kann seine Marktposition stärken. Wir befinden uns in der Übergangsphase vom traditionellen Kunden zum Kunden der neuen Generationen. In ein paar Jahren wird das Kundenportfolio von jungen Menschen gebildet werden, mit dem Bedürfnis einer schnellen und effizienten Kommunikation mit ihrer Bank. Solche Leistungen in ganz digitaler Form bieten schon heute globale Lösungen wie Revolut oder N26. Um in diesem Wettbewerb zu bestehen, müssen traditionale Banken ihr Angebot deutlich digitaler anpassen.
Das führt uns zur wichtigsten Frage: Welche bestehenden Jobs werden durch die Digitalisierung wegfallen? Und können die Banken wirklich ganz ohne Banker erfolgreich sein? Es ist definitiv zu früh abschliessende Antworten auf diese Fragen zu liefern. Dennoch ist es absehbar, dass künftig ein höheres Technologieverständnis von den Mitarbeitenden gefordert sein wird. Wer das nicht erfüllen kann, läuft gegebenenfalls Gefahr, dass seine Arbeit durch Robotic-Prozesse ersetzt wird. 

Dieser Beitrag wurde von Katarina Racic gepostet.

#Digitalisierung #DigitalBanking


Gastblog: PostFinance lanciert Hypothekenvermittlungsplattform «Valuu»

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Mit der App «Valuu» lanciert PostFinance die erste vollständig digitale Hypothekenvermittlungsplattform. Damit erhalten Nutzerinnen und Nutzer einen einfachen, schnellen sowie zeit- und ortsunabhängigen Zugang zur passenden Hypothek verschiedener Anbieter – sei es für den Neukauf oder die Ablösung. Verschiedene Hypothekenangebote vergleichen, Finanzierungsmöglichkeiten prüfen, Dokumente einreichen und die Hypothek direkt online abschliessen oder ablösen: Mit Valuu geht das ab sofort alles in einer App.

Die Bedienung der App, die in deutscher Sprache für iOS und Android zur Verfügung steht, ist kinderleicht: In einem ersten Schritt erfassen die Nutzerinnen und Nutzer die gewünschte Immobilie für den Abschluss oder die Ablösung einer Hypothek. Sie können ihre finanziellen Möglichkeiten prüfen, erhalten passende Vorschläge von Kreditgebern wie Banken, Pensionskassen und Versicherungen und stellen anschliessend den Kreditantrag. Ein «Matching-Algorithmus» zeigt dem Nutzer nicht unbedingt das günstigste, aber das für ihn passendste Angebot an. 

Bis und mit Abschluss des Vertrags mit dem Kreditgeber können die Nutzer alle Schritte selbstständig und ohne Beratungstermin direkt in der App durchgehen. Bei jedem Schritt haben Nutzer die Möglichkeit, sich für technische Hilfe oder fachliche Auskünfte telefonisch ans Kompetenzzentrum vom Valuu zu wenden.

Mit Valuu stillt PostFinance ein neues Kundenbedürfnis. «Wir haben uns im Vorfeld intensiv damit auseinandergesetzt, welche Geschäftsmodelle erfolgreich sind», sagt Thomas Jakob, Leiter des PostFinance-Plattformgeschäfts. «Die klassische Kunde-Anbieter-Konstellation, eine 1:1-Beziehung, dürfte in Zukunft nur noch bedingt ein Kundenbedürfnis sein.» Valuu löse dieses Problem, indem die App potenzielle Nachfrager und Anbieter am gleichen Ort vereine. Anders als bereits bestehende Plattformen gehe Valuu aber noch einen Schritt weiter: Die App vereinfacht nicht nur den Angebotsvergleich, sondern den gesamten Prozess bis zum Kreditantrag. 


Direkt in der App können User ihre Unterlagen, die sie oft nur auf Papier besitzen, fotografieren. Valuu stellt für sie ein Dossier zusammen und reicht es bei der entsprechenden Bank ein. Eine Hypothek könnte künftig also quasi vom Sofa aus und auch nach Mitternacht abgeschlossen werden. Somit spricht Valuu vor allem zwei Kundengruppen an: Aufwand- und Zeitminimierer sowie Leute, die vor dem Abschluss einer Hypothek zuerst sämtliche Angebote unabhängig und übersichtlich vergleichen wollen.

Auch auf Seite Kreditgeber bringt Valuu Vorteile: Die verschiedenen Anbieter können ihr Verbreitungsgebiet erweitern, die Kosten für die Gewinnung neuer Kunden senken oder den digitalen Prozess beschleunigen. 

Thomas Jakob versichert, dass PostFinance in diesem Vermittlungsmodell ausschliesslich die «Match-Maker»-Rolle einnimmt. Dafür hat das Valuu-Team mit verschiedensten Banken, Versicherungen und Pensionskassen Verträge abgeschlossen. Um die Unabhängigkeit als Betreiberin der Plattform zu gewährleisten, werden über Valuu keine Hypotheken von PostFinance vermittelt. Die Erträge für PostFinance kommen nicht von den Kreditnehmern, also den Valuu-Usern, sondern von den Gebühren, die die Kreditgeber an PostFinance bezahlen. 


Dieser Beitrag wurde von Angela Bönzli (PostFinance) verfasst.



#valuu #hypothekenplattform #postfinance #digitalisierung

Zahlungsverkehr - Rückblick und Ausblick

Anfangs Jahr hatte ich einige Prognosen angestellt, was die Finanzindustrie in der Schweiz im 2018 beschäftigen wird. Jetzt im Dezember werfen wir traditionsgemäss einen Blick zurück, um zu reflektieren, was in diesem Jahr tatsächlich an Projekten umgesetzt wurde, was allenfalls nicht eingetreten ist oder verschoben wurde.

Der vorausgesagte Trend zu mehr Outsourcing hat gemäss unserer Wahrnehmung nur bedingt stattgefunden. Es scheint so, dass insbesondere für kleinere und mittlere Banken der Druck zu mehr Outsourcing im Zahlungsverkehr noch immer nicht gross genug ist. Obwohl es viele neue Themen zu bewältigen gibt, scheint es doch so, dass noch viele Banken die Herausforderungen selbst meistern möchten.

Standardisierung und Automatisierung ist sehr wohl ein Thema, viele sogenannte Leuchtturmprojekte der Digitalisierung adressieren jedoch in erster Linie immer noch die Kundenschnittstelle und weniger die Backend-Prozesse. Beim Vorhaben «Harmonisierung Zahlungsverkehr» wurde mit der Migration des Formates DTA auf ISO 20022 sicherlich ein grosser Meilenstein erreicht. Heute, Ende 2018, gibt es nur noch wenige Kunden, welche nicht das neue Format für die Zahlungsaufträge einliefern.

Blicken wir auf die verwandten Themen, wie detaillierte Status-Reports oder Reporting ganz generell, gibt es je nach Institut noch einige Lücken zu schliessen. Dies ist umso wichtiger, da neue Anforderungen, wie QR-Bill, eBill oder Angebote im Schweizer Open Banking bereits in den Startlöchern stehen.

Die zukünftigen Möglichkeiten rund um die elektronische Rechnung bringen uns auch gleich zum Ausblick bezüglich der Schwerpunkte im kommenden Jahr. Es ist der erklärte Wille des Finanzplatzes Schweiz bis in 10 Jahren gegen 80% des Rechnungsvolumens elektronisch abwickeln zu wollen. Damit dies gelingt, müssen für alle Akteure die Prozesse einfacher werden und auch die entsprechenden Angebote, insbesondere im Bereich B2B, im Markt etabliert werden. 

Mit der Einführung des zentralen eBill-Portals ist ein erster Schritt zur Vereinfachung vollzogen worden. Nun gilt es, das Portal für die grossen Firmenkunden mit ihren hohen Rechnungsvolumen auf der Verkäufer- und Käufer-Seite so zu gestalten, dass eine elektronische Abwicklung attraktiv, d.h. einfach und kostengünstig umgesetzt werden kann. Hier könnte die Öffnung für weitere Netzwerkpartner eine zentrale Rolle spielen. Im Prinzip sollte für den Rechnungssteller der Prozess der Rechnungseinlieferung ähnlich einfach sein, wie der heutige Lastschrift-Einzug.

Warum können beispielsweise keine elektronischen Rechnungen über das Standardprotokoll EBICS transportiert werden? Als standardisiertes Format für die Übermittlung würde sich für einfache Rechnungen eine PDF-Datei mit QR-Code und entsprechender Kennzeichnung eignen. Für komplexe Rechnungen könnte man auf den Standard ZUGFeRD zurückgreifen. Man könnte ähnlich dem Zahlungsauftrag auf der Basis einer standardisierten Kommunikation mit einem Standardformat einen grossen Schritt Richtung der angestrebten 80% elektronische Rechnungen unternehmen.

Wenn wir die nationale Optik etwas verlassen, dann stehen uns internationale Mega-Trends ins Haus. Da wäre wie bereits letztes Jahr erwähnt, die Echtzeitzahlung, auch Instant Payment genannt, 7*24*365, ein hoch relevantes Thema. Es ist zu erwarten, dass im nächsten Jahr in vielen Europäische Märkten SEPA Instant Payments «the new normal» werden wird. Der Finanzplatz Schweiz wird sich diesem Trend und den damit steigenden Anforderungen der Kunden nicht wiedersetzen können, auch wenn einige Bankvertreter noch heute behaupten, dass dies kein echtes Bedürfnis sei. Unserer Meinung nach sollte sich jede Bank die Frage stellen, was wäre, wenn in der Schweiz ein solches Angebot lanciert werden würde. Welche Produkte, Prozesse und Systeme wären von einem solchen Paradigmen-Wechsel im Zahlungsverkehr betroffen?

Seitens SWIFT, dem immer noch zentralsten weltweiten Netzwerk für die Zahlungsübermittlung, wird Instant Payments unter der Initiative SWIFT gpi subsummiert. Banken, welche heute im Auslandzahlungsverkehr Dienstleistungen anbieten, beschäftigt dieser Begriff schon seit längerem. Mit der Einführung des SWIFT gpi Trackers, des gpi Observers und dem gpi Directory wurden erste Mehrwerte für Banken und Bankkunden geschaffen. Insbesondere Asiatische Banken scheinen SWIFT gpi im grossen Stil umgesetzt zu haben. Mit weiteren angekündigten Services, wie z.B. der gpi Pre-Validation kommen zusätzliche Angebote in diesem Kontext aufs Tapet. Möchte eine Bank den Anschluss nicht verpassen, ist es jetzt höchste Zeit die entsprechenden Projekte zu lancieren.

Betrachtet man all die soeben erwähnten Initiativen im Zahlungsverkehr, so stellt sich manch einem Produktverantwortlichen die Frage, wo er seine begrenzten Ressourcen mit welcher Priorität einsetzen möchte. Es gilt zunächst die Anforderungen für das eigene Umfeld möglichst lückenlos zu erfassen und die Auswirkungen zu beschreiben. Ist diese Aufgabe erledigt, kann eine Evaluation der Lösungsszenarien vorgenommen werden. Eine mittelfristige Zahlungsverkehrs-Roadmap ist aktuell wichtiger denn je. Denn eines ist sicher: die Entwicklung auf diesem Gebiet geht auch in den nächsten Jahren noch mit steigender Geschwindigkeit weiter.

Strategisch gesehen ist so eine Roadmap ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtbetrachtung. Globale Treiber müssen entsprechend eingeordnet und bewertet werden. Zu erwähnen wären hier beispielsweise Entwicklungen, die das Transaktionsvolumen nochmals erhöhen werden, wie z.B. Internet of Things oder der kontinuierliche Rückgang von Bargeldtransaktionen. Wollen die Banken der Entwicklung wie in Asien, wo heute bereits praktisch der gesamte Retail-Zahlungsverkehr von Nichtbanken abgewickelt wird, entgegenwirken, so müssen entsprechende Strategien ausgearbeitet werden. Als Alternative steht lediglich die Aufgabe dieser Dienstleistung zur Disposition. Ein Szenario, womit sich hierzulande wohl noch kein Institut so wirklich anfreunden möchte.

Wir von PPI als Spezialisten für Zahlungsverkehrs-Produkte und -Beratungs-Services stehen den Banken zur Seite und bringen unser Know-how und unsere Erfahrung in die spezifischen Projekte gerne ein. Sei dies als Sparring-Partner bei der Strategie-Entwicklung, bei der Begleitung im Themen-Priorisierungsprozess oder auch kurzfristig für die Überbrückung von Fachressourcen-Engpässen. Wir gehen davon aus, dass auch im nächsten Jahr der Bedarf an Fachspezialisten grösser sein wird, als die Banken mit eigenen Mitarbeitern und eigenen Produktentwicklungen werden abdecken können.

In diesem Sinne wünschen wir schöne Festtage und ein erfolgreiches 2019.

Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling verfasst.

Warum ist der Auslandzahlungsverkehr so kompliziert?

Die Erfassung von Zahlungsaufträgen im Onlinebanking der Hausbank ist in der Regel keine grosse Sache, wenn es um Zahlungen in der Schweiz geht und diese im besten Fall sogar wiederkehrend sind. Mittels Vorlagen und Assistenten gelingt die korrekte Erfassung auch «Otto Normalverbraucher». Kompliziert wird es, wenn z.B. eine Zahlung an die Gastfamilie des Kindes, welches aktuell in Mexiko als Au-pair beschäftigt ist, ansteht.

Mit etwas Intuition gelangt man auf den Erfassungsteil für Auslandzahlungen. Hier wird man im Stil der 70er-Jahre aufgefordert, die jeweiligen Adressen in strukturierter Art und Weise einzugeben. Bei den Fachbegriffen IBAN, BIC und Bankcode stellen sich dem normalsterblichen Anwender wohl schon die ersten Fragen. In dieser Art geht es dann weiter, denn wer kennt schon genau den Unterschied zwischen Grund, Referenz und Buchungstext? Auch Avis ist nicht gerade ein Wort des täglichen Gebrauchs.

Bild ZV Ausland kompliziert

Im Zeitalter von Google, künstlicher Intelligenz und den viel zitierten «Customer Journeys» erscheint einem eine solch komplizierte Erfassungsmaske als ein Relikt aus der Vergangenheit. Warum gelingt es den Entwicklern von Onlinebankenlösungen nicht, die Erfassung so zu gestalten, dass der Benutzer auch ohne detailliertes Fachwissen im Zahlungsverkehr schnell und einfach seinen Auftrag erfassen kann? Ideal wäre doch ein Ansatz, wie ihn Google auch für die Suche im Internet verwendet. Radikal einfach, eine einzige Zeile.

Bild ZV Ausland einfach

Mit heutigen Mitteln müsste dies mindestens die Ambition an zukünftige Releases sein. Idealerweise wird dem Kunden dann auch noch eine Angabe über die erwartete Übermittlungszeit (in unserem Beispiel nach Mexiko) und die Kosten angezeigt. Dies ist heute bereits möglich, da sowohl für die Schweiz (SIC), Europa (SEPA) und auch weltweit (SWIFT gpi) die relevanten Informationen der Bank vorliegen. Aus Sicht PPI wäre dies ein sinnvoller Ansatz zur Weiterverfolgung, bevor das nächste Innovations-Projekt der Digitalisierung gestartet wird.

Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling verfasst.

#Simplicity #Zahlungsverkehr