#quergedacht: Die Herausforderungen von morgen

Quergedacht, 2017, Digitalisierung, PPI
Während sich die Grossbanken dem kritischen Punkt der Erfüllung der regulatorischen Auflagen immer mehr nähern, werden die Hürden für traditionelle Banken immer höher. Für viele Finanzinstitute ist die Entscheidung, gross angelegte digitale Transformationsprogramme auszuführen, zu spät gekommen und für diejenigen mit komplexen Legacy-Technologien und -Prozessen scheint die Herausforderung unüberwindbar. Noch nie sind so viele digitale Transformationsprogramme gescheitert. Oft durch die neue Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) und durch regulatorische Motive veranlasst.

Heute stehen viele Finanzinstitute vor der grossen Frage: Was tun?
  • Änderung des veralteten und antiquierten Legacy-Geschäftes? Wenn ja, tun Sie es schnell!
  • Auf der grünen Wiese eine digitale Bank entwickeln, die letztlich darauf ausgerichtet ist, das traditionelle Geschäft zu kannibalisieren?
  • Erwerb einer etablierten „Herausforderer-Bank“ und Kooperationen mit FinTechs?
2017 wird nicht das Jahr sein, das uns die Antworten auf diese Fragen offenbaren wird. Es scheint jedoch sicher zu sein, dass diese drei Strategien Diskussionen in den Führungsetagen auslösen werden. Die grösste Gefahr für etablierte Finanzinstitute ist, dass sich das bestehende Management durch Gedanken der Digitalisierung leiten lässt und eine „digitale Bank“ startet, die nur Show und ohne Substanz ist. Es müssen jedoch echte und sinnvolle digitale Veränderungen innerhalb der Bank herbeigeführt werden, damit die Kunden auch einen wirklichen Unterschied erleben.

Innerhalb der Banken wird der Strukturwandel eine Machtverschiebung unter den Führungskräften auslösen. CIOs werden nicht mehr die einflussreichsten Technologieentscheider sein und der weitere Aufstieg des „Chief Digital Officers“ und in vielen Fällen auch der des „Chief Marketing Officers“ bedeuten, dass das Unternehmen das IT-Team zunehmend in die Implementierung von "digital" in die gesamte Organisation einordnen wird. Die Position des „Chief Data Officer“ wird immer mächtiger und es wird immer deutlicher, dass eine Bank, die in einer digitalen Welt erfolgreich sein will, eine Führung haben muss, welche die Technologie verinnerlicht hat. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Rolle des Beschaffungsteams neu bewertet wird und neue Bewertungsprozesse entwickelt werden, denen Agilität und Zeit bis zur Marktreife zugrunde liegen – nicht nur Kostenverhandlungen, Lieferantenkonsolidierung und Reputation in der Industrie. 

Viel kann darüber gesagt werden, wie traditionelle Beschaffungs- und Technologieprozesse Innovationen hemmen - das Aufkommen von „Fintech Unicorns“ (Start-up Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US$ und nach 2000 gegründet) und die Einführung von Partnerschaftsprogrammen mit Inkubatoren / Acceleratoren sind Beweis genug dafür, dass die Regeln des Spiels umgeschrieben werden.
Dennoch ist es sehr wahrscheinlich, dass ein paar dieser „Einhörner“ das Jahr 2017 nicht überstehen werden, da einige, die einst die Lieblingspioniere der "Disruptiven Industrie" waren, keinen Mehrwert mehr bringen.

2017 werden mehrere bedeutende Fintech Start-ups Finanzierungen für mehr als drei bis vier Jahren erhalten und wenn sich der Markt für einen gesunden Börsengang nicht förderlich zeigt oder die Ergebnisse nicht dem enormen Potenzial entsprechen, das ursprünglich in Betracht gezogen wurde, wird es sehr wahrscheinlich sein, dass diese Geldhähne auch schnell wieder versiegen. Auch dieser Trend wird keine Überraschung sein, da die meisten Risikokapitalgeber im Technologieumfeld davon ausgehen, dass sich nur eine von zehn Investitionen auszahlen wird. Es bedeutet auch, dass die Fintech Start-up Szene und der damit verbundene Hype 2017 eine kleine Dosis Realität und Ernüchterung erleben könnte.

Auf der anderen Seite könnte das massive Vakuum von digitalen Talenten in der Finanzindustrie die dringend benötigte Erleichterung durch Neueinsteiger erhalten, die auf dem Rekrutierungsmarkt verfügbar werden. Die Anstellung von Leuten mit digitalen Fähigkeiten wird 2017 für Unternehmen, die nachhaltig auf Digital-First setzen, ein unumgängliches Gebot sein. Diese Talente zu gewinnen und auch zu behalten ist jedoch eine Herausforderung für sich selbst. Banken und Versicherungen haben es historisch gesehen schon schwer Arbeitskräfte aus der Gruppe der Gen Y, Digital Natives zu rekrutieren und werden sich mit Beschaffungsunternehmen zusammenschliessen müssen, die das  können. Im Rahmen des strukturellen Wandels der Finanzdienstleistungen, die den Kunden angeboten werden, muss sich auch der Arbeitsplatz von Banken und Versicherungen drastisch ändern. Flexible Arbeitszeiten, kreative und energetische Büroumgebungen sowie sinnvollere Arbeit werden entscheidend sein, wenn es darum geht, eine neue digitale Kultur in der gesamten Organisation zu schaffen.

„Digital“ werden bedeutet nicht nur die Veränderung der Dienstleistungen, die Sie Ihren Kunden bieten, sondern auch die Veränderung der Arbeitsmoral und der Werte Ihres Finanzunternehmens. Wir erwarten 2017 spannende Diskussionen darüber, wie Finanzinstitute beabsichtigen, den „Arbeitsplatz der Zukunft“ zu gestalten.


Quergedacht hat für Sie René Heusser.



René ist Partner bei PPI Schweiz und Experte für Digital Banking, elektronischen Zahlungsverkehr und Trade Finance.
Im Bereich Digitalisierung verfügt er über Expertise in PSD2, Access to Accounts und Open Banking. 
Als Senior Consultant arbeitet René in Kundenprojekten zur Harmonisierung Zahlungsverkehr.





#quergedacht #PSD2 #XS2A #DigitalFinance #DigitalBanking #Fintech

Willkommen in 2017

Trendstatements, Vorhersagen und Prognosen pflasterten in den letzten Wochen die Internetforen und Bloggerplattformen rund um das Thema Digitalisierung und Digital Finance. „Wird Blockchain die Finanzbranche 2017 revolutionieren?“ „Inwiefern werden neue Gesetzesregelungen aus der EU wie PSD2 die Schweizer Bankenbranche tangieren?“ „Wird mit Mobile Payment jetzt alles besser und einfacher?“ „Wie Digital werden wir und unsere Identität Ende 2017 sein?“. Viele Fragen, zu denen es genauso viele verschiedene Meinungen gibt. Die Prognosen zu den Chancen und Risiken der digitalen Finanzwelt laufen weit auseinander. Einen kleinen Ausblick in die Zukunft kann man zum Start ins neue Jahr aber dennoch wagen.

  • Sicher ist: Mit dem Launch der neuen TWINT App wird sich der Machtkampf zwischen Apple Pay und TWINT noch einmal zuspitzen. Aber wie gross wird eigentlich am Ende die Akzeptanz im Markt sein?
  • Sicher ist: Es werden weitere Schritte in Richtung Digital Identity unternommen werden. Doch wird die Konzeptstudie, die derzeitig von der UBS, Credit Suisse, Swisscom und Notakey entworfen wird, Früchte tragen – oder scheitert es am Ende an dem Vertrauen in das neue System?
  • Sicher ist: PSD2 in der EU wird eines der am stärksten florierenden Themen sein. Doch inwieweit wird sich das auf den Schweizer Markt übertragen?

Sicher ist auch: Den Digital Finance Experts Blog wird es auch 2017 weiter geben – und das ohne ein „Aber“. Wir wollen uns mehr spezialisieren, weshalb wir die Themen Mobile Payment, Digital Identity und Regularien wie PSD2 stärker in den Fokus rücken werden.

Ebenfalls werden wir unsere Blog-Reihe „Quergedacht“ weiterführen. Hier wollen wir - wie bereits 2016 – Themen, Neuerungen und Ideen hinterfragen und aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Schauen Sie doch direkt mal rein und lesen Sie unseren letzten Quergedacht-Artikel zum Thema Blockchain.



Daneben soll mit dem „Digital Finance Barometer“ eine neue Blog-Reihe etabliert werden. Hier wollen wir aufzeigen, welcher Nutzen mit den neuen digitalen Trends eigentlich verbunden sein wird, aber auch in welchem Masse sie überhaupt wahrgenommen werden. Die Artikel sollen als Steuerungshilfe für Entscheider und Strategen dienen und wir wollen Sie gerne auffordern, mit in die Diskussionen zu den neuen Themen 2017 einzusteigen.


Ihr Autoren-Team von PPI Schweiz

Wir ziehen Bilanz

Liebe Leserinnen und Leser



Die besinnliche Weihnachtszeit und das nahende Jahresende machen auch vor unserem Blog nicht halt. Warum also nicht die Gunst der Stunde nutzen und ein Resümee über unseren Blog ziehen?

Seit gut einem halben Jahr betreibt PPI Schweiz den Digital Finance Experts Blog. Ein halbes Jahr, in dem viel passiert ist. Spannende sechs Monate, die geprägt waren vom digitalen Wandel, von neuen Ideen und weitreichenden Visionen.

Es ist ein positives Resümee. Nicht nur weil wir uns über beachtliche Zugriffszahlen freuen, auch die Breite der Leserschaft hat uns überrascht. Dies bestärkt uns in unserem Tun und gibt uns den Ansporn weiterzumachen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle!



Ein Potpourri von Themen hat uns beschäftigt:

Posts über Instant Payment, Digital Identity, PSD2, RegTech und eBAM sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie gross der Einfluss des digitalen Wandels im Finanzumfeld ist und mit welcher Geschwindigkeit immer neue Themen an Bedeutung gewinnen. Die vergangenen Monate spiegeln jedoch auch Ideen wieder, die vielleicht noch lange Zeit "Ideen" bleiben bis sie konkrete Formen annehmen, auf Akzeptanz stossen oder irgendwann umgesetzt werden.

Unser Autoren-Team hat sich zum Ziel gesetzt, für Sie auch weiterhin den digitalen Wandel genau zu beobachten und zu analysieren. Wir wollen - wie bisher - neue Ideen und Lösungen beleuchten und deren Nutzen kritisch hinterfragen. Ausserdem möchten wir uns auf dieser Plattform mehr fokussieren. 

Fokussieren auf revolutionäre Ereignisse auf dem Schweizer Finanzmarkt.
Fokussieren auf Themen, die einen absehbaren Impact auf die Finanzwelt haben.
Fokussieren auf Lösungen, die dem Thema "Digital Finance" gerecht werden. 

Welche Themen das genau sind, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Wir werden in unserem nächsten Beitrag Anfang Januar den Schleier lüften.



Weihnachtszeit ist ja auch die Zeit des Wünschens. Und wir sind nicht wunschlos glücklich. So wünschen wir uns zwei bescheidene Dinge:

  • Nehmen Sie an unserer Umfrage teil und versenden Sie diese in ihrem Freundes- und Kollegenkreis. Es geht um das tägliche Bezahlen im E-Commerce und am Point of Sale, ist anonym und dauert nur wenige Minuten. Wir freuen uns auf Ihre Antworten. https://de.surveymonkey.com/r/G973C3T
  • Diskutieren Sie mit uns. Wir freuen uns über Feedbacks und Kommentare. Egal ob direkt im Blog, via E-Mail oder persönlich.

Unser Team verabschiedet sich in die Weihnachtszeit und würde sich freuen, Sie auch im nächsten Jahr zu unserer geschätzten Leserschaft zählen zu dürfen.
Unser nächster Blogbeitrag erscheint am 3. Januar 2017.


Wir wünschen Ihnen ein Frohes Fest und einen erfolgreichen Start ins Jahr 2017!



Ihr Autoren-Team von PPI Schweiz.

#DigitalFinance #Weihnachten #Bilanz #Fokus

„The Readiness Is All“ – ZV Frühstück 2016

ISO20022, Zürich, Hauptbahnhof, PPI, PPI Schweiz
Am 6. Dezember lud PPI Schweiz erneut die Schweizer Banken- und Softwarevertreter zum Frühstücksevent in das Restaurant „Au Premier“ im Hauptbahnhof Zürich ein. Bei Kafi und Gipfeli wurde in ausgewählter Runde über die neuen und aktuellen Herausforderungen im Schweizer Zahlungsverkehr gesprochen. Der Zürcher Hauptbahnhof, an dem die wichtigsten Gleise zusammenlaufen, steht auch symbolisch für die Tatsache, dass wichtige Anschlüsse verpasst werden, wenn man lange zuwartet oder gar die Weichen falsch gestellt sind. Eine Symbolik, die bei der derzeitigen laufenden Harmonisierung und Migration des Zahlungsverkehrs in der Schweiz ins Bild passt. „The Readiness Is All“, so heisst es schon bei Hamlet.

Nach der Begrüssung durch Carsten Miehling, Geschäftsführer PPI Schweiz, übernahm Florian Stade, Consultant PPI Schweiz, die Moderation und führte den Fokus eloquent auf den ersten Referenten.

Frühstücksevent, PPI, PPI Schweiz, ISO20022, Carsten Miehling, Florian Stade
Michael Hügli, Leiter Marketing und Vertrieb von TWINT, ging in seiner Präsentation der spannenden Frage nach, wer überhaupt mobile Zahlungslösungen braucht und inwiefern das Smartphone als Portemonnaie nicht nur für den Nutzer, sondern gerade auch für Banken und den Detailhandel Mehrwerte schafft. Denn TWINT bietet weit mehr als das bargeldlose Bezahlen. Der Nutzer sammelt bei jeder TWINT-Zahlung Stempel, die wiederum über Coupons gegen Gratisprodukte oder Rabatte eingelöst werden können. Während der Handel durch diese preiswerte Lösung eine innovative Marketingplattform erhält, sichert die Bank mit diesem fortschrittlichen Angebot die Kundenschnittstelle und partizipiert am Ertrag.

René Heusser, PPI Schweiz, Frühstück, ISO20022
Als zweiter Redner informierte René Heusser, Partner und Senior-Consultant PPI Schweiz, die Teilnehmenden über das Thema PSD2 und deren Umsetzung. Er ging dabei auf die wesentlichen Änderungen ein, die PSD2 mit sich bringt und analysierte die Chancen und Risiken dieser neuen regulatorischen Vorgabe. Schliesslich ging es natürlich auch darum, die Anstrengungen diesbezüglich in der Schweiz zu besprechen. Herr Heusser glaubt, dass die Schweiz sich schon allein aus Konkurrenzgründen entsprechend ausrichten wird. Die Basis dazu ist mit der aktuellen Umsetzung der ISO 20022 Standards gelegt und es gilt auch hier einmal mehr den Anschluss nicht zu verpassen, da die Geschäftsmodelle sich durch PSD2 radikal ändern werden. (Gerne verweisen wir an dieser Stelle auch auf die weiteren Blog-Beiträge zum Thema PSD2).

Nach einer Pause, die die Gäste für individuelle Networking-Gespräche nutzten, übernahm Carsten Miehling das Zepter und leitete den offenen Informationsaustausch ein. Hierbei ging es primär darum, die Migration ZV mit den Anwesenden zu beleuchten. In lockerer Atmosphäre berichteten die Banken über den jeweiligen Umsetzungsstand und darüber, was für sie momentan prioritär ist respektive worin sie die grössten Herausforderungen sehen. Auch die Softwareanbieter meldeten sich zu Wort und es war klar herauszuhören, dass die Erneuerungen im Zahlungsverkehr Schweiz für alle Beteiligten viel einfacher umzusetzen wären, wenn es sich weniger um eine Harmonisierung als vielmehr um klare, allgemeingültige Standards handeln würde, die weniger optionale Umsetzungsmöglichkeiten offen liessen. Aufgrund der in der Diskussion geäusserten Bedenken der Parteien appellieren wir von PPI Schweiz dafür, dass die Herausforderungen zeitnah angegangen werden und die Parteien mit Schulungen und dem Aufbau von Know-how ihre Belegschaft für die Mammutaufgabe der Kundenmigration fit machen. Wir unterstützen Sie gerne mit unserem Expertenwissen.

Ein paar Eindrücke sowie den kompletten Foliensatz finden Sie unter den folgenden Links:
Schliesslich möchten wir uns bei allen Teilnehmenden, vor allem aber bei den Referenten, ganz herzlich bedanken. Die interessanten Inputs lieferten die Grundlage für eine angeregte und informative Diskussion, die wir gerne auch im nächsten Jahr fortführen möchten.

#MigrationZV #ISO20022 #PSD2 #Frühstücksevent

KYC-App – Sorgfaltspflichten der Händler leicht gemacht!

Aufgrund der Empfehlungen des GAFI (FATF) setzen aktuell fast alle Europäischen Gesetzgeber eine Regulierung in Kraft, welche die Annahme von hohen Bargeldbeträgen verbietet. Basierend auf dieser Empfehlung wurde das Geldwäschereigesetz (GwG) revidiert. In einigen Ländern Europas sind bereits strenge und tiefe Obergrenzen definiert worden.
Doch wie sieht es in der Schweiz aus?
In der Schweiz können Händler, unter Berücksichtigung von erweiterten Sorgfaltspflichten, auch Beträge von über CHF 100‘000.- annehmen. Ebenso die Tranchenzahlungen (auch bekannt als Smurfing) unter dem Schwellenwert müssen erfasst werden. Leider sind noch nicht alle Händler (z. Bsp. Schmuck-, Luxusauto- oder Immobilien-Händler) über ihre Sorgfaltspflicht gut informiert. Diejenigen, die informiert sind, kennen den Papierkrieg und scheuen ihn; Ausweiskopie erstellen, Personalien aufnehmen, Formular A (wirtschaftlich Berechtigten), Formular K (bei Firmenkunden) oder Formular E (bei politisch exponierten Persönlichkeiten „PEP“ eventuell noch die Meldung an MROS). Sollte ein Geschäft ungewöhnlich erscheinen oder der Verdacht bestehen, dass die Vermögenswerte aus einem Verbrechen oder qualifizierten Steuervergehen oder gar einer kriminellen Organisation stammen, ist der Händler verpflichtet die Hintergründe des Geschäfts genauer abzuklären. Bei einem begründeten Verdacht unterliegt der Händler der Meldepflicht. Nicht zu vergessen, dass er zusätzlich einer Prüfpflicht unterliegt. Eine Revisionsstelle muss die Einhaltung der Pflichten nach GwG prüfen. Zum Schluss müssen alle Dokumente für mindestens 10 Jahre nach Abschluss eines Einzelgeschäfts oder während der ganzen Dauer einer Geschäftsbeziehung und bis 10 Jahre nach deren Beendigung aufbewahrt werden. Ein Händler, der seine Prüfpflicht nach Artikel 15 verletzt, kann mit einer Busse bis zu CHF 100'000.- bestraft werden.

Da es in der Schweiz gang und gäbe ist, dass vermögende Personen Bargeldbeträge von über CHF 100‘000.- für die Bezahlung von Luxusgüter, Immobilien sowie Dienstleistungen aus dem Gesundheitsbereich einsetzen, hat PPI eine Applikation entwickelt, welche die oben aufgeführten Anforderungen auf dem „Tablet(t)“ serviert:

  • Personalien und Geschäftsfall erfassen
  • Fotografie des Personalausweises
  • Konformitätsabfrage
  • Bonitätsprüfung
  • Archivierung der Dokumente
  • Meldung erstellen (MROS)

Ein möglicher Geschäftsfall:
"Ein Kunde möchte ein Luxusgut bar bezahlen und der Preis übersteigt CHF 100'000.-. Die Personalien müssen auf einem Formular aufgenommen werden und die Ausweiskopie (beidseitig) darf auch nicht vergessen werden. Dazu muss noch das Formula A ausgefüllt werden, welches den wirtschaftlich Berechtigten bestimmt. Dann fehlt nur noch der Kaufvertrag und ein Ordner, in dem alle Dokumente aufbewahrt werden. Diesen Papierkrieg könnte man mit dieser Applikation nicht nur verhindern, sondern auch die Aufbewahrung der Unterlagen durch das elektronische Langzeitarchiv erleichtern."

Dieser Beitrag wurde von Alfredo Filippone (PPI Schweiz) gepostet

Alfredo Filippone verfügt über ein breites Expertenwissen im Zahlungsverkehr. Er ist Spezialist in den Themen ISO 20022, EBICS, e- und Mobile Banking.
Mittlerweile verfügt Herr Filippone über mehr als 20 Jahre Bankerfahrung im Bereich Cash Management.

Beim aktuellen Projekt ist er als Testanalyst im Bereich EBICS tätig, bei welchem er zudem sein ISO 20022 Know-How einsetzen kann.

Sein Motto ist: "Wo ein Wille ist, ist ein Weg!"



#KYC #Regulierung #Digitalisierung #DigitalIdentity #RegTech

E-Banking Forum auf dem Petersberg: Europäischer Zahlungsverkehr zündet die zweite Stufe

Bereits zum zwölften Mal luden PPI AG und SIZ GmbH ins ehemalige Gästehaus der Bundesregierung auf den Petersberg bei Bonn.
Innerhalb der altehrwürdigen Mauern, mit anfangs noch nebligen Aussichten auf den Rhein und die frühere Hauptstadt Bonn, trafen sich zahlreiche Vertreter der Finanzbranche, um sich über die neuesten Entwicklungen im Zahlungsverkehr auszutauschen. 
Während zwei Jahre zuvor die Einführung von SEPA diskutiert wurde, verriet die Agenda in diesem Jahr, dass zahlreiche Neuerungen ins Haus stehen, die sowohl auf Kunden- wie auch auf IT-Seite weitreichende Auswirkungen haben werden.

Nach der Begrüssung durch Benno Rieger (SIZ) und Thorsten Völkel (PPI) gab Katja Heyder (EBA Clearing) auch gleich den Takt vor und berichtete über den Stand von SEPA Instant Payment. Die Abwicklung einer SEPA-Zahlung quer durch Europa innerhalb von wenigen Sekunden stellt nicht nur Banken vor grosse Herausforderungen. Stand heute: Es werden rund 40 Millionen Zahlungen täglich über das Clearingsystem STEP2 abgewickelt und es wird davon ausgegangen, dass bereits 2017 mehrere Millionen Zahlungen realtime ausgeführt werden. Immerhin wollen 60 Finanzinstitute an SEPA Instant Payment teilnehmen. Anbinden können sich Banken zunächst über SIA. PPI wird in Kürze eine Anbindung über EBICS zur Verfügung stellen. Mehrere EU-Länder bekunden bereits Interesse an nationalen Instant Payment Lösungen, die jedoch über EBA Clearing auch für SEPA-Zahlungen erreichbar sein sollen. Momentan wartet man auf die Finalisierung der Spezifikationen, die wegen dem neuen EPC-Rulebook angepasst werden müssen. Neben den technischen Unterlagen braucht es einen gesetzlichen Rahmen. Auch hier zeigt sich Katja Heyder zuversichtlich, dass dieser bis Mitte 2017 stehen wird.
Für Banken bedeutet die Erreichbarkeit am Instant Payments Verfahren ein Umdenken bei der Disposition von Liquidität und auch – nicht zu unterschätzen – ein Neudenken im IT-Management. Zahlungsverkehr, der rund um die Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen läuft, erlaubt keine mehrstündige oder wochenendlange Systemunterbrüche, zum Beispiel beim Einspielen neuer Releases.

Auf den Auftritt von Katja Heyder folgte Eric Waller von der SaarLB. Waller gab einen durchaus interessanten Einblick in die Lösung „Sarea flux“, mit der die SaarLB französische Kunden via EBICS anbindet. Mit 40 Prozent bilden die Franzosen einen erheblichen Anteil im Kundenbuch der Bank. Frankreich kann zwar EBICS, jedoch ist das französische EBICS, verglichen mit der deutschen Variante, erheblich einfacher. „Sarea flux“ löst dabei nicht nur die „sprachlichen Barrieren“ der beiden EBICS-Standards, sondern auch die unterschiedlich funktionierende Unterschriftsprüfung. 
Auf der anderen Seite bindet SaarLB deutsche Kunden nach dem deutschen EBICS-Standard mit seinen zahlreichen Auftragsarten an und spielt durch ihre Zweisprachigkeit nicht nur bei EBICS eine wichtige Rolle an der Grenze zu Frankreich.


Wie Firmenkunden ihre EBICS-Benutzer selbst administrieren können zeigte im Folgenden Michael Schunk von PPI.
Vielfach ist es ein langwieriger Prozess neue EBICS-Teilnehmer anzulegen, mit den nötigen Berechtigungen auszustatten und freizuschalten. Je nach Grösse der Bank sind mehrere Bankmitarbeiter ausschliesslich mit der Teilnehmerverwaltung beschäftigt. Auf der anderen Seite wünschen sich Firmenkunden mehr Selbstbestimmung bei der Vergabe von Rechten und wollen eigene organisatorische Rahmenbedingungen bezüglich der Freigabe von Zahlungen schaffen. Sie erwarten von ihren Finanzinstituten die fachlichen und technischen Voraussetzungen sowie die Abklärung der rechtlichen Vorgaben. Mit der Selbstadministrationslösung von PPI können Firmenkunden selbständig neue Teilnehmer hinzufügen, Konten zuordnen, Auftragsarten pflegen, Unterschriftsklassen und Limiten zuordnen. Selbstverständlich wird das Vier-Augen-Prinzip gewahrt. So kann die finale Freigabe entweder durch eine Zweitperson des Unternehmens oder durch einen Bankmitarbeiter erfolgen.
Die Selbstadministration spart beim Firmenkunden Zeit, ermöglicht es ihm, auch in Notsituationen flexibel seine EBICS-Teilnehmer zu verwalten und erlöst die Bank schlussendlich von personalintensiver Administrationsarbeit.


Nach den morgendlichen Nebelstunden kam zum Nachmittag die Sonne heraus und ermöglichte den Gästen auf dem Petersberg einen wunderbaren Blick auf den Rhein.
Die drei folgenden Vorträge konnten sich ebenfalls sehen lassen.
Jost Ewald, Gruppenleiter Accounting & Services von der Lufthansa startete die zweite Runde mit seinem Vortrag zum Thema "Elektronische Rückrufe aus Kundensicht". 
Vorbei ist die Zeit von Fax und Telefon – begonnen hat das Zeitalter von digitalisierten Lösungen. Eine Notwendigkeit, so Ewald, die nicht nur auf die Digitalisierungswelle zurückzuführen ist. Monatlich werden 84.000 Gehaltsüberweisungen verteilt auf 250 Sammler verarbeitet und dabei passieren Fehler. Um diese möglichst schnell und flexibel bearbeiten zu können, ohne dabei den regulären Überweisungsprozess durcheinander zu bringen, braucht es eine neue Lösung. Ortsunabhängig, skalierbar, zeitlich flexibel und schnell soll sie sein und dabei sowohl das Cash Out Risiko minimieren, also auch dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter rechtzeitig ihr Gehalt bekommen. Gerade Letzteres, der sogenannte "emotionale Faktor", ist für eine gute Zusammenarbeit und den gemeinsamen Erfolg im Unternehmen entscheidend. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank und PPI entstand eine Lösung, die genau dies ermöglicht. Eine wirkliche Success Story für alle Beteiligten.

Als Nächstes stand das Thema PSD2 auf der Tagesordnung. Hans-Peter Dünnwald, Fachgruppenleiter bei SIZ GmbH und Dr. Hubertus von Poser, Mitglied der Geschäftsleitung bei PPI nahmen sich dem Thema gemeinsam an und referierten sowohl über die Pflichten als auch die Chancen, die sich durch die neu beschlossene Richtlinie ergeben. PSD2 verpflichtet alle Banken in der EU bis Herbst 2018 die neue RTS (Regulatory Technical Standards) zu erfüllen und entsprechend eine Schnittstelle zu eröffnen, die Drittdiensten den Zugriff auf die Zahlkonten ermöglicht. Ein heiss diskutiertes Thema, wie auch die spätere Fragerunde zeigte. Wer darf nun alles auf die Konten zugreifen? Welche Prüfungen werden bei Drittdiensten durchgeführt bevor sie die Schnittstellen nutzen dürfen? Passieren die Prüfungen lokal bei den Banken oder zentral durch eine Prüfstelle und was bedeutet in diesem Zusammenhang eigentlich Dynamic Linking? Spannende Fragen, zu denen wir Ihnen auf Anfrage gerne unter info@ppi-schweiz.ch mehr Informationen zur Verfügung stellen. Spannend sind auch die Informationen über die Gremien und die Tatsache, dass die Schweiz innerhalb der DACH Working Group (Deutschland, Österreich und Schweiz) ebenfalls über die PSD2 und ihren Nutzen mitdiskutiert. Gerade der Nutzen und die Chancen sind es nämlich, die es hervorzuheben gilt. Abwehren ist nicht die richtige Strategie, so Hubertus von Poser. Viel eher sollte die neu etablierte Schnittstelle genutzt werden, um in Kooperation mit FinTech oder aus eigener Kraft heraus neue Produktideen zu entwickeln. Die Geschäftsmodelle in Europa werden sich durch die PSD2 radikal verändern. Um den Anschluss nicht zu verlieren sollten die vielen Chancen genutzt werden. Der Appell der beiden Profis: Kooperationen eingehen und die PSD2 nutzen und sich nicht dagegen sperren. Wir unterstützen Sie hierbei gerne mit Ideen und Informationen.

Der Abschluss wurde traditionell durch Dr. Clemens Engelke (PPI) durchgeführt. Mit den Schwerpunkten auf SEPA Instant Payment und Clearing wurden die "Neuen Produkte und Innovationen" von PPI vorgestellt. Lesen Sie jetzt in unserem Blog Artikel  mehr über den neuen TRAVIC Payment Hub, der mittels EBICS ein Clearing innerhalb von 1.8 Sekunden ermöglicht und dies im 7x24 Stundenbetrieb ohne jegliche Downtime. So kann eine Zahlung von Hamburg nach Lissabon und zurück in 100 Millisekunden verarbeitet werden. Daneben wurden ebenfalls die kommenden Neuerungen bei den Produkten TRAVIC Port und TRAVIC Corporate, die auch bei einigen Banken in der Schweiz im Einsatz sind, angesprochen. Neue Abholautomatismen, Self-Administration, ein kommender FinTS Anschluss für die PSD2 Schnittstelle oder die camt Engine sind nur einige der Veränderungen. 

Mit Kaffee und Kuchen sowie vielen interessanten Gesprächen und Diskussionen zu den Themen des Tages ging das 12. Petersberger Electronic Banking Forum zu Ende. Wir von PPI Schweiz freuen uns auch nächstes Jahr wieder dabei zu sein und sind gespannt auf die Themen, die uns dann erwarten werden.

Für PPI Schweiz, Marco Vosseler und Florian Stade

ZV-Frühstück Westschweiz 2016 - Lausanne, 10. November 2016

Am 10. November 2016 lud PPI Schweiz die Westschweizer Zahlungsverkehrsgemeinde zum ersten PPI-Frühstück ins Hotel „Angleterre & Résidence“ in Lausanne ein. Der bereits in der Deutschschweiz erfolgreich lancierte Anlass fand auch bei den Westschweizer Kollegen grossen Anklang. Adnan Khalfallah von PPI Schweiz, seines Zeichens Moderator des Events, durfte über 30 Teilnehmer bei Kaffee und Gebäck begrüssen und in die Vorträge zu den Themen „Migration Zahlungsverkehr“ gemäss der neuen Norm ISO 20022 und „EBICS“ (Electronic Banking Internet Communication Standard) überleiten.

 Als Referenten konnten folgende Experten gewonnen werden:
  • Michel Desponds, Senior Technical Consultant bei PostFinance führte den Teilnehmern nochmals die Wichtigkeit und Grösse des Vorhabens „Migration Zahlungsverkehr Schweiz“ vor Augen. Es war beeindruckend zu hören, wie engagiert PostFinance die Kundenmigration vorantreibt und mit welchen Grössen der Marktführer im Zahlungsverkehr agiert. PostFinance geht in der Beratung mehrstufig vor und arbeitet mit einem Pyramiden-Modell, bei der auf der untersten Stufe die Basis-Migration (technisch) steht und an der Spitze die Optimierung des Working Capital. Entgegen dem offiziellen Enddatum für die Annahme von Zahlungen im Format DTA per Mitte 2018, möchte PostFinance alle ihre Kunden per Ende 2017 migriert haben. Eine Handvoll Tipps aus der Praxis und eine kleine, aber feine Fragerunde haben den Vortrag von Michel abgerundet.
  • Patrik Giger, Verantwortlicher für die Payment Connectivity Services von UBS behandelte in seiner Rede den Kommunikationsstandard EBICS. EBICS wird bei UBS in erster Linie von Corporate Clients für die Übermittlung von Zahlungsaufträgen und für den Bezug von elektronischen Reports eingesetzt. Patrik konnte dem Plenum einen direkten Einblick in die Arbeitsgruppe EBICS geben, in der die Schweiz neben Deutschland und Frankreich als fixes Mitglied fungiert. Die Schweiz engagiert sich in dieser Arbeitsgruppe auch als Vermittler, was sich z.B. darin ausgewirkt hat, dass ab dem nächsten Jahr eine neue harmonisierte EBICS-Version mit einem einheitlichen Auftragsartenkonzept publiziert werden kann. Das Thema „Sicherheit“, ein Steckenpferd von Patrik, wurde im Zusammenhang mit EBICS als sicheres Verfahren für die Übermittlung und Signierung von elektronischen Aufträgen als abschliessendes Thema präsentiert.
An dieser Stelle möchten wir den beiden Referenten recht herzlich für ihr Engagement danken. Auch dank ihrer Präsenz war der erste Anlass in Lausanne so gut besucht. Die Vortragsfolien und die besten Fotos zum Anlass sind nachfolgend publiziert.
Fazit: Der erste Anlass in der Westschweiz zum Thema Zahlungsverkehr im Rahmen eines Frühstücks war ein voller Erfolg. Die beiden Themen „Neuer Zahlungsverkehr“ und „EBICS“ wurden kompetent übermittelt und erste Feedbacks der Teilnehmer sind Ansporn genug, einen weiteren Frühstücksanlass Anfang 2017 zu planen. Französisch sprechende ZV-Experten sind herzlich willkommen.

Für Fragen zu unserem Engagement in der Westschweiz stehen wir selbstverständlich gerne zur Verfügung. 

Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen in Lausanne oder Genf.


#EBICS #MigrationZV #ISO20022 #Frühstücksevent #Security