Top Event Interview 4: Raiffeisen

PPI Schweiz
Das vierte Interview in der Reihe unserer Top Event Interviews. Wir sprachen mit Markus Beck, Leiter vom Produktmanagement Zahlungsverkehr bei der Raiffeisen über das Thema Harmonisierung ISO Payment und Fintech.

Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz, wo steht die Raiffeisen aktuell?
Ein erster wichtiger Meilenstein konnte 2015 mit der Umstellung auf ISO 20022 für euroSIC im Interbankenbereich erreicht werden. Mit der Live-Schaltung der Raiffeisen-Firmenkundentestbank im Mai 2016 haben wir einen weiteren Meilenstein zeitgerecht erreicht. Die verbleibenden Arbeiten sind sehr weit fortgeschritten und somit planmässig.

Was ist Ihrer Meinung nach die grösste Herausforderung bei diesem Vorhaben?
Die Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz ist in erster Linie ein Kundenprojekt und erst in zweiter Linie ein technisches Projekt (Formatumstellung, Schnittstellenanpassungen etc.).

Wo stehen Ihre Firmenkunden im Vergleich zum Fahrplan der Umsetzung?
Der Stand bei den Firmenkunden ist erwartungsgemäss unterschiedlich und reicht von Firmen, die im November 2016 live gehen bis hin zu Firmen, die noch am Anfang des Prozesses stehen.

Gibt es Unterschiede bei verschiedenen Kundengruppen?
Es wäre vermessen, eine generelle Aussage zu machen, da es sehr stark auf das Setup des jeweiligen Firmenkunden ankommt. Spürbar ist, dass insbesondere kleinere Firmenkunden (mit geringeren Anforderungen) stark auf ihre Softwarepartner setzen. Bereits mittelgrosse Firmenkunden haben ein deutlich anderes Anforderungsprofil. Dementsprechend braucht es hier mehr Unterstützung.   

Wie unterstützt Raiffeisen ihre Kunden bei der Umstellung?
Raiffeisen legt grossen Wert auf die Kundenkommunikation. Es ist wichtig, den Kunden so einfach wie möglich an die für ihn teilweise komplexe Umstellung heranzuführen. Zu diesem Zweck hat Raiffeisen eine App lanciert, welche sowohl vom Firmenkundenberater als auch von den Firmenkunden selbst genutzt werden kann. In vier Schritten wird der komplexe Sachverhalt dem Kunden auf eine für ihn verständliche Weise aufgezeigt. Wir suchen zudem bewusst den persönlichen Dialog mit unseren Firmenkunden. Mit der Raiffeisen-Firmenkundentestbank bieten wir den Firmenkunden wie auch ihren Softwarepartnern eine zusätzliche Unterstützung.

Ist das Projekt innerhalb der vorgegebenen Termine zu schaffen?
Als Finanzinstitut tragen wir eine grosse Verantwortung, unseren Firmenkunden die neuen Verfahren und Formate möglichst frühzeitig zur Verfügung zu stellen. So können wir aktiv dazu beitragen, dass der Kunde von möglichst langen Übergangsfristen profitieren kann. Wie bereits erwähnt, laufen alle Aktivitäten planmässig. 

Fintech

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Standardisierung und den zahlreichen Fintech-Initiativen?
Den Zusammenhang gibt es sicher. Sei es aufgrund fehlender Standards oder den Möglichkeiten für nicht regulierte Unternehmen, sich ausserhalb von Standards bewegen zu können.

Start-ups im Fintech-Bereich: Chance oder Risiko für etablierte Banken?
Start-ups im Fintech-Bereich sind definitiv eine Bereicherung für Banken – wie für alle anderen Branchen auch.

Mobile Payments: Wohin geht die Reise, wer wird in der Schweiz dominieren?
Zahlungen werden digitaler und mobiler – daran führt kein Weg vorbei. Es wäre schlecht, wenn am Schluss eine Lösung dominieren würde. 

Crowdfunding-Plattform der BLKB, die Glarner Kantonalbank mit zahlreichen digitalen Initiativen und andere Banken mit Fintech-Expansion: Was hat Raiffeisen in diesen Bereichen vor?
Raiffeisen betreibt mit der Plattform „lokalhelden.ch" ebenfalls eine Crowdfunding Plattform. 
Mit der Online-Hypothek hat Raiffeisen unlängst eine weitere Plattform lanciert, welche die Bedürfnisse digital affiner Kunden adressiert. Digitale Initiativen sind fixer Bestandteil in der Ausrichtung der Kundenbedürfnisse.



Wir bedanken uns bei Markus Beck, 
Leiter Produktmanagement Zahlungsverkehr bei der Raiffeisen für das Interview.






Dieser Beitrag wurde für Sie von Florian Stade gepostet. 

#Raiffeisen #Harmonisierung #Digitalisierung #FinTech

„Need to Know“ als neue Herausforderung beim Testing bei der Harmonisierung ZV Schweiz

PPI SchweizMit dem Rundschreiben „2008/21 Operationelle Risiken Banken“ der FINMA kam erstmals das Prinzip „Need to Know“ auf die Agenda der Banken-IT-Verantwortlichen. Die Banken werden dadurch vor neue Herausforderungen gestellt und müssen sich nun für einen Weg entscheiden, wie sie durch das Labyrinth der neuen Anforderungen navigieren.


Unter anderem werden dort folgende Grundsätze zitiert:
  • „Die Bank muss wissen, wo CID (Client Identifying Data) gespeichert werden, von welchen Anwendungen und IT-Systemen CID verarbeitet werden und wo elektronisch auf sie zugegriffen werden kann. Der Datenzugriff muss klar geregelt werden und darf nur auf einer strikten Need to know-Basis erfolgen.“
  • „Personen dürfen nur auf diejenigen Informationen oder Funktionalitäten Zugriff haben, die für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben erforderlich sind.“
Obwohl die technischen Anforderungen zu den Sicherheitsstandards im vierten Grundsatz sehr generisch formuliert worden sind, sind sie heute in der operationellen Praxis, insbesondere bei Grossbanken, schon seit längerem organisatorisch und technisch umgesetzt. Auch die regelmässigen Audits (im Sinne von „gegenwärtigem Stand der Technik“, VDSG RS 235.11, Art. 8 Abs. 2) externer Fachspezialisten sind fixe Termine in der Agenda der Banken-CIOs.
So weit so gut, könnte man meinen.

Legen wir nun den Fokus auf das aktuelle Vorhaben Harmonisierung ZV Schweiz. Der Zahlungsverkehr ist naturgemäss ein heikles Minenfeld, wenn es um Kundendaten geht. Aus diesem Grund haben verschiedene Institute eigene Konzepte entwickelt, um mit sog. anonymisierten Daten die Testzyklen im Projekt durchzuführen. Bei der Harmonisierung ZV Schweiz ist dies insbesondere eine Herausforderung, da die gesamte ZV-Verarbeitungskette involviert ist. 

Angefangen bei der Annahme von Zahlungsaufträgen, über die Verarbeitung, Verbuchung, Archivierung und Rapportierung in Form von Kontoauszügen, soll der gesamte Datenfluss in allen Systemen keine Rückschlüsse auf effektiv existierende Kunden zulassen. Dies notabene über alle Kundensegmente, d.h. vom Privatkunden mit einem Bankkonto bis hin zum internationalen Grosskonzern mit einigen hundert Konti und den jeweiligen Stammdaten-Einstellungen.

In der Praxis zeichnen sich drei Hauptherangehensweisen ab:
  1. Komplette Anonymisierung mit Hilfe „synthetischer“ Daten
  2. Teilweise Anonymisierung unter Beibehaltung der Kontonummer als zentrales Element mit Verschleierung der restlichen Kundendaten
  3. Keine Anonymisierung, d.h. Tests mit älteren Daten aus einem Abzug aus den Produktivsystemen
Es ist selbstredend, dass die Ansatz 1 den grössten Aufwand verursacht (komplette Neuanlage von Kunden, Konti, Einstellungen, Berechtigungen in Kanälen etc.) und aus diesem Grund auch nur von den wenigsten Instituten im Testing gelebt wird.
Ansatz 2 hat sich gemäss unseren Beobachtungen zu einer Art „best practice“ entwickelt. Die Verantwortlichen sind sich bewusst, dass sie da allenfalls in einem Graubereich operieren. Sie haben jedoch das Risiko akzeptiert. Ob dieses Vorgehen in den Geschäftsleitungen transparent kommuniziert wird, ist eine andere Frage. 
Obwohl man meinen würde, dass keine Schweizer Bank den Ansatz 3 heute noch praktiziert, ist dies vor allem bei kleineren Instituten gang und gäbe. Es stellt sich die Frage, inwiefern hier Compliance-Vorgaben verletzt werden und wer schlussendlich die Verantwortung für ein solches Vorgehen trägt.

Obwohl das Thema bei jedem neuen IT-Release wieder periodisch aufpoppt, sind echte Vorgehensanpassungen die Ausnahme. Das Business-Projekt hat aktuell kein Budget für eine solche „Grossübung“ und auch in der zentralen IT oder dem Sicherheitsdepartment ist das Thema ZV-Testing nicht zuoberst in der Prioritätenliste.
Hier sind pragmatische Ansätze gefragt, die die Ressourcen der kleineren Banken berücksichtigen und dennoch einen gewissen Reifegrad bezüglich der Anonymisierung gewährleisten. Aus dem Fundus der zahlreich durchgeführten ZV-Testszenarien bei unseren Kunden ist PPI hier in der Lage Unterstützung zu leisten, damit diese „weissen Flecken“ entfernt werden können und kein CIO durchwachte Nächte deswegen mehr haben muss (mehr Infos oder konkrete Anfragen zum Thema unter info@ppi-schweiz.ch).

Dieser Beitrag wurde von Carsten Miehling gepostet.

#CID #FINMA #Harmonisierung

Top Event Interview 3: Glarner Kantonalbank

PPI Schweiz
Das dritte Interview in der Reihe unserer Top Event Interviews. Diesmal im Gespräch: Marcel Stauch von der Glarner Kantonalbank. Lesen Sie hier die Meinung zum Thema "Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz" und "Glarner Silicon Valley - Was heisst digitale Bank wirklich".

Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz, wo steht die GLKB aktuell?
Aktuell laufen Tests für die Interbanken-Kommunikation. Weitere Testfenster, insbesondere auch für die Kunde-Bank-Kommunikation, werden bis im Herbst folgen. Das Projekt setzen wir zusammen mit der Urner-, Appenzeller-, Nidwalder- und Obwaldner Kantonalbank um. Geleitet wird das Projekt vom Bankensoftwarelieferanten Finnova.

Was ist Ihrer Meinung nach die grösste Herausforderung bei diesem Vorhaben?
Dass auch kleinere Betriebe mit Nischenlösungen rechtzeitig umgestellt haben.

Wo stehen Ihre Firmenkunden im Vergleich zum Fahrplan der Umsetzung?
Projekte bei grösseren Kunden wurden bereits gestartet. Unsere Firmenkundenberater sind entsprechend informiert und mit unseren Kunden in Kontakt.

Gibt es Unterschiede bei verschiedenen Kundengruppen?
Grosse Firmen, welche Produkte von bekannten Softwarehäusern einsetzen, können auf deren Support zählen und damit rechnen, dass die Vorgaben von ISO20022 rechtzeitig umgesetzt werden. Kleinere Betriebe mit Nischenlösungen müssen das - für ihre Grösse - aufwändige Projekt wohl selbst in die Hand nehmen. Die GLKB versucht, alle Kundengruppen bei der Umstellung gleichermassen zu unterstützen.

Wie unterstützt die GLKB ihre Kunden bei der Umstellung?
Wichtig ist insbesondere die Information der Kunden, da sich der Handlungsbedarf je nach Kunde unterscheidet. Auf unserer Website steht ein Factsheet mit nützlichen Hinweisen zur Verfügung. Im persönlichen Gespräch setzen unsere Kundenberater die offizielle Broschüre von Swiss Banking ein. Eine allfällige Unterstützung wird individuell mit dem Kunden vereinbart.

Ist das Projekt innerhalb der vorgegebenen Termine zu schaffen?
Ja. Alle Teilnehmer wurden frühzeitig informiert und die Termine bzw. die Übergangsfristen wurden grosszügig angelegt. Das Projekt verläuft bisher nach Plan.

Kurze Einschätzung zu den Themen PSD2 sowie Instant Payments und Auswirkungen?
Die Öffnung der Schnittstellen im Payment ist zur Reduktion der Kosten im Zahlungsverkehr grundsätzlich zu begrüssen. Bezüglich Sicherheit dürfen aber keine Kompromisse eingegangen werden. Es ist noch offen, wann die neuen Regeln auch in der Schweiz Anwendung finden. Eine Marktöffnung könnte in der Schweiz auch neuen Marktteilnehmern den Weg bereiten.

"Glarner Silicon Valley - Was heisst digitale Bank wirklich"

Was macht den Unterschied zwischen einer „normalen“ Bank und der digitalsten Bank der Schweiz aus?
Wir sehen unseren Vorsprung darin, dass wir früh begonnen haben, uns mit dem Thema Digitalisierung zu befassen und auch schnell erste Ideen umgesetzt haben. Ausserdem haben wir die Strategie vor drei Jahren auch in unserem Organigramm mit einem eigenen Bereich Onlinevertrieb und Abwicklung umgesetzt. 

Generelle Erfahrungen mit Hypomat, Investomat, Kontomat, Risikomat?
Seit der Lancierung von hypomat.ch vor drei Jahren haben wir in der Vermarktung von Online-Finanzprodukten sehr viel gelernt. Unser Angebot haben wir auch aufgrund von Kundenfeedbacks laufend ausgebaut. Unsere Onlineprodukte überzeugen durch die einfache Bedienung und die attraktiven Konditionen. Die Kunden möchten den Kommunikationskanal mit der Bank selber wählen. Wir bieten die Möglichkeit ein Bankprodukt, unabhängig von Öffnungszeiten, schnell und einfach abzuschliessen.

Was wird der nächste ....mat der GLKB sein? 
Lassen Sie sich überraschen :o).

Vieles ist in Bewegung, bei Banken und bei Fintech Startups: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Standardisierung und den zahlreichen Fintech-Initiativen?
Fintech Startups positionieren sich oftmals in einer für sie vollautomatisierbaren Nische. Das versetzt sie dann temporär in eine Vorteilsposition gegenüber den Finanzinstituten. Diese Automatisierung geht immer eins mit einer Prozessstandardisierung, welche bei etablierten Finanzinstituten nicht oder noch nicht in derselben Konsequenz umgesetzt wurde.

Startups im Fintech-Bereich: Chance oder Risiko für etablierte Banken?
Wir glauben, dass es sich für Finanzinstitute lohnt die Augen offen zu halten, um gute Ideen in den eigenen Systemen zu adaptieren oder wenn es passt, die Lösung des Anbieters zu integrieren. Im Zentrum steht der Mehrwert für den Kunden.

Die GLKB ist seit kurzem auch Softwarehaus und Serviceanbieterin (FRIBenk/MoneyPark): Einzelinitiativen oder konkrete Strategie?
Das sind keine Einzelinitiativen. Es ist durchaus so, dass sich die Glarner Kantonalbank mit der Lizensierung und dem White-Labeling-Konzept als Software- und Serviceanbieterin aufstellt und damit die Möglichkeit wahrnimmt, unabhängig vom heutigen Kerngeschäft weitere Erträge zu erwirtschaften.

Kooperation Valora, GLKB und Additiv: Wie entwickelt sich der Bereich Finanzdienstleistungen am Kiosk? Modell mit Zukunft?
Es ist sehr spannend mit einem Partner wie Valora zusammen zu arbeiten. Valora ist kein Finanzdienstleister und bringt damit neue Sichtweisen ein. 

Robo Advisory in der Vermögensverwaltung: Haltung der GLKB zum Thema?
Mit investomat.ch haben wir im Frühling 2015 unsere eigene Robo Advisory-Lösung lanciert. Der Kunde erhält nach Erhebung seines Risikoprofils einen automatischen Anlagevorschlag. Das vorgeschlagene Portfolio basiert ausschliesslich auf Exchange Traded Funds (ETF), welche im Vergleich zu anderen Assetklassen tiefere Gebühren aufweisen. Die Anlage ist bereits ab CHF 5'000.00 möglich. Vorteil für den Kunden: Der Kunde profitiert von einem professionellen Anlagevorschlag und dies zu tiefen Gebühren. 

Mobile Payments: Wohin geht die Reise, wer wird in der Schweiz dominieren?
Mit Spannung beobachten wir den Markt und sind überzeugt, dass sich im Thema Mobile Payments in den nächsten Monaten noch einiges bewegen wird. Ausschlaggebend werden die Bedienbarkeit der Anwendung und die Verbreitung bei den Detaillisten sein.

Crowdfunding-Plattformen: Was ist die Einschätzungen der GLKB zu dem Thema?
Bisher ist das in der Schweiz über Crowdfunding abgewickelte Volumen noch gering. Wir sehen darin aber eine interessante Anwendung.

Was wird man vom Glarner Silicon Valley in Zukunft hören? Sind im digitalen Bereich weitere Projekte in Planung?
Wir haben ein gutes Team beieinander und wir sind motiviert, unseren Kunden auch zukünftig gute Produkte anzubieten. 



Wir bedanken uns bei Marcel Stauch, Bereichsleiter für Onlinevertrieb und Abwicklung und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Glarner Kantonalbank für das Interview.





#GLKB #GlarnerSiliconValley #Harmonisierung #Digitalisierung

Immer mehr QR-Code-Wildwuchs in der Schweiz

PPI Schweiz
Just verkündet die Credit Suisse, Bankomatbezüge mittels QR-Code und Smartphone zu ermöglichen. "Tolle Sache, so ein QR-Code", dachten sich wohl auch die Verantwortlichen von Paymit, die mit einem – anderen – QR-Code Zahlungen am Point of Sale ermöglichen.

Der nächste QR-Code lässt nicht mehr lange auf sich warten: Auf dem neuen Einzahlungsschein wird ebenfalls ein solcher verwendet, jedoch in einer weiteren Variante. Wer richtig gezählt hat, kommt bereits auf drei unterschiedliche QR-Code-Varianten aus den oben genannten Beispielen. 

Eines verbindet sie jedoch: In jedem Szenario wird eine Zahlung abgewickelt, also Geld von A nach B transferiert. Ist es beim Bankomatbezug eine Bargeldauszahlung, so erfolgt in den anderen beiden Fällen eine bargeldlose, elektronische Zahlung von einem Konto auf ein anderes. Da sei die kritische Frage erlaubt, ob es nicht an der Zeit ist, einen Standard-QR-Code für Zahlungen zu definieren, bevor jedes neue Zahlungssystem eine weitere Eigenkreation hervorbringt?

Mit der Definition des neuen Einzahlungsscheins mit Datencode hätte der Finanzplatz diese Chance gehabt. Angaben zu Zahlungspflichten und Zahlungsempfänger, Währung, Betrag und eine strukturierte Referenz ermöglichen es, eine Zahlung von hier nach da anzuweisen. Hätte man damals etwas über den Tellerrand herausgeblickt, wäre dieser Code auch für Mobile-Zahlungen, Point-of-Sale-Zahlungen, im E-Commerce und eben Bankomat-Bezüge konfigurierbar gewesen. Ganz nebenbei bemerkt, läuft auf dem Finanzplatz das Grossprojekt "Harmonisierung Zahlungsverkehr". Im Rahmen dieses Vorhabens wäre es sicherlich möglich, einen Standard für Zahlungs-QR-Codes zu definieren, bevor in ein paar Jahren eine Harmonisierung derselben nötig wird.


QRgedacht hat Marco Vosseler, PPI Schweiz

#DigitalBanking #Payments #Harmonisierung


Digitale Marktplätze - eine Chance für Banken?

Digital Finance Experts
Digitale Marktplätze gibt es bereits viele. Ob diese Amazon, ebay oder siroop heissen, eines haben sie alle gemeinsam: Keine Bank interessiert sich dafür. Im Gegenteil. Das Spielfeld wird weitestgehend anderen Playern wie PayPal oder SOFORT widerstandslos überlassen, um sich anschliessend über die neuen Marktteilnehmer zu ärgern, die sich plötzlich ins klassische Banking einmischen, Daten über die Kunden sammeln, Zahlungsverkehrstransaktionen abwickeln und vielleicht schon bald Mehrwertdienste anbieten, um unsere Kunden noch weiter von ihrer Hausbank zu entfernen.

Digitale Marktplätze - was ist das eigentlich?
Meistens frei zugänglich im Internet können auf diesen Marktplätzen Produkte und Dienstleistungen gegen Bezahlung angeboten werden. Verkäufer oder Käufer können Private oder Unternehmen sein. In der Regel wird ein gekauftes Produkt nach Zahlungseingang postalisch versandt. Häufigste Zahlungsweisen sind Vorauskasse (Überweisung), Kreditkartenzahlung und PayPal. Eher selten wird Kauf auf Rechnung angeboten, kaum vorhanden sind Mobile-Payment-Verfahren wie Paymit oder TWINT.

Und was hat eine Bank auf digitalen Marktplätzen verloren?
Die Antwort ist simpel und einleuchtend. Stellen wir uns einen normalen "echten" Marktplatz in einer Kleinstadt vor. Welche Marktteilnehmer trifft man dort an? Richtig, Händler, Käufer und .... Banken! 

Nun, Bankfilialen wären nicht so häufig an zentralen Plätzen anzutreffen, wenn dies nicht einen Grund hätte. So kann ein Käufer, der sich für eine Ware interessiert, Geld bei der Bank holen und dem Händler bezahlen. Dieser bringt die volle Kasse am Ende des Tages wieder zur Bank und der Kreislauf schliesst sich. Ausserdem bietet eine Kaufabsicht immer die Chance einer Finanzierung, der Verkäufer möchte vielleicht seine Einnahmen gewinnbringend anlegen.

Einverstanden - das ist etwas Old School. Heute wird immer mehr bargeldlos bezahlt. Im Internet sowieso . Also braucht es die Bank dort gar nicht? Doch! Als Bank muss ich den Kunden dort abholen, wo er gerade ist. Ist der Kunde z.B. auf siroop und kauft sich für die Fussballeuropameisterschaft eine Outdoor-Kino-Anlage, sollte ich als Bank dies wissen und bei der Bezahlung oder Finanzierung meine Kompetenzen anbieten.

Die Abwicklung von Zahlungen haben die Banken weitestgehend aus der Hand gegeben. Um den Kunden nicht vollends zu verlieren, braucht es an dieser Stelle ein Umdenken. So kann es die Hausbank sein, die dem Käufer beim Kauf eine schnelle, günstige (Teil-)Finanzierung anbietet, im Gegenzug dem Verkäufer eine Vorfinanzierung (Factoring). Oder die Bank kann Marktteilnehmer als "trusted" qualifizieren, eine Crowdlending-Lösung unterstützen, und, und, und. Einen Schritt weitergedacht: Wenn sich jemand eine Outdoor-Kino-Anlage zulegt, ist vielleicht Wohneigentum vorhanden, dessen Hypothek irgendwann einmal verlängert werden muss...

Es gilt, sich Fragen zu stellen wie zum Beispiel:
  • Wie kann ich als Bank meine Kunden (Käufer und Verkäufer, B2C und B2B) in ihren Online-Aktivitäten unterstützen?
  • Welchen Mehrwert kann ich den Marktteilnehmern auf diesen Plattformen bieten?
  • Mit welchen Bankprodukten könnte meine Bank auf einem digitalen Marktplatz agieren?
  • Welche Daten aus dem Kaufverhalten sind interessant für meine Bank, den Händler, etc.?
  • Welche Partnerschaften müsste meine Bank eingehen?
Es gilt, die sich bietenden Chancen zu nutzen und voran zu gehen. Eine frühe Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern zahlt sich am Ende aus, wenn es darum geht, Prozesse zu digitalisieren, kompetitive Lösungen im Markt zu positionieren bevor der Regulierer den Markt für Fintechs weiter öffnet.


Digitale Marktplätze

Dieser Beitrag wurde von Marco Vosseler gepostet.

#FinTech #Digitalisierung #Marktplatz

Top Event Interview 2: Sage Schweiz

PPI Schweiz
Das zweite Interview in der Reihe der Top Event Interviews. Die Antworten auf unsere Fragen von Marc Ziegler, Country Manager Sage Switzerland, finden Sie hier.

Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz, wo steht Sage aktuell?
Sage bietet für Unternehmen je nach Segment verschiedene Softwarelösungen an. Diese sind aufgrund der verschiedenen Bedürfnisse der Unternehmen unterschiedlich fortgeschritten. In allen Lösungen von Sage sind die Basis-Formate, wie beispielsweise der pain.001, enthalten. Zudem stellt Sage den neuen Standard im E-Banking, EBICS (Electronic Banking Internet Communication) zur Verfügung. Produkte, welche für grössere KMU entwickelt werden, haben natürlich weitere Formate wie den pain.008 bereits integriert. Sage ist zurzeit an der Finalisierung der Roadmap für ISO 20022 pro Produkt, welche dann unseren Kunden kommuniziert wird. Jedoch erschwert der ungleiche Umgang mit den Formaten seitens der Banken eine effiziente Umsetzung.

Schafft das Projekt der Harmonisierung für Sage Möglichkeiten zur Differenzierung und Abgrenzung zur Konkurrenz?
Die Implementierung dieser Formate gehört zu den Basisfunktionalitäten jeder Buchhaltungs-, Lohnbuchhaltungs- oder Business-Management-Solution bzw. ERP-Software. Eine Differenzierung kann durchaus mittels einer benutzerfreundlichen und mehrwertgenerierenden Umsetzung erzielt werden. Damit jedoch unsere KMU-Kunden vollumfänglich von der Harmonisierung wirklich profitieren können, müssen alle Beteiligten inklusive aller Finanzinstitute die neuen Formate unterstützen.

Spielen AOS (Additional Optional Services) im übertragenen Sinne auch für Softwarehersteller eine Rolle? Liegen hier Chancen?
Mit Additional Optional Services können Finanzinstitute ihren Kunden Mehrwerte in Form von Zusatzleistungen anbieten. Dazu muss die Software des Kunden auch mit diesen Informationen umgehen können. Mit diesen Erweiterungen besteht die Chance für den Kunden, neue flexiblere Leistungen zu schaffen. Es bestehen aber auch gewisse Gefahren, zum Beispiel wenn die Finanzinstitute AOS in Form von eigenen Insellösungen kreieren, die der Harmonisierung entgegenwirken und neue Intransparenz schaffen. Hier gilt der Ansatz „weniger ist mehr“ für unterschiedlichee Leistungen und die Abstimmung mit den Softwareherstellern.

Sehen Kunden das Projekt auch als Chance ERP und Software generell zu überprüfen, Prozesse zu optimieren – oder wird auf das Notwendige reduziert.?
Es kommt auf die Grösse und den Typ des Unternehmens an. Es gibt beispielsweise kleinere Kunden mit wenigen Zahlungstransaktionen, für die der Mehrwert noch gering ist. Gleichzeitig sieht ein Kleinkunde die Chance von Prozessoptimierungen durch eine effiziente Kontoabstimmung via camt.053 mit interner Sammelbuchungsauflösung. Hier liegt die Herausforderung zunächst darin, den Kunden zu informieren, welchen Mehrwert die Harmonisierung für ihn effektiv bietet. Denn versteht der Kunde den Inhalt der Harmonisierung, so sieht er die Chancen dahinter. Die Kunden reagieren aber oft vorsichtig, aufgrund der verschiedensten Äusserungen unterschiedlicher Finanzinstitute, die an ihn herangetragen werden.

Was ist Ihrer Meinung nach die grösste Herausforderung bei diesem Vorhaben?
Eine der grössten Herausforderungen ist die Kommunikation und das Aufzeigen des Mehrwerts für die unterschiedlichen Kundentypen. Gleichzeitig erleichtern das teilweise unterschiedliche Handling der Formate sowie die unterschiedlichen Roadmaps der Finanzinstitute die Kommunikation nur bedingt. Um die Harmonisierung für alle Beteiligten erfolgreich beschreiten zu können, ist die Transparenz bei allen Finanzinstituten über die Formatumsetzung enorm wichtig. Eine weitere Herausforderung können die AOS werden, wenn diese nicht mit Bedacht hinzugefügt werden und dadurch eine Vielzahl an Insellösungen entstehen, von welchen die Kunden nicht durchgängig profitieren können.

Wo stehen Ihre Firmenkunden im Vergleich zum Fahrplan der Umsetzung?
Dies ist pro Segment und Produkt unterschiedlich. Kleinkunden beispielsweise haben oft den Vorteil, dass sie einfache Lösungen auf nicht komplexen Umgebungen im Einsatz haben, was ein Update auf eine neue Version mit dem neuen Zahlungsverkehr erleichtert. Das heisst: Der Grossteil unserer Kunden hat einen Support- und Wartungsvertrag und somit jederzeit die Möglichkeit auf eine Version, die ISO20022 unterstützt, zu aktualisieren. Mit unserer bald fertiggestellten Roadmap werden wir unsere Kunden, welche noch nicht umgestiegen sind, nochmals über die neuen Möglichkeiten informieren.

Ist das Bewusstsein bei Kunden klar vorhanden für das Projekt und Termine? Oder verlassen sich Kunden auf Softwarehersteller und Banken?
Das Bewusstsein ist nicht bei jedem Kunden klar vorhanden. Sage sieht hier starken Handlungsbedarf, um den Kunden transparente Termine und Roadmaps aufzeigen zu können. Dazu bedarf es einer Übersicht über den Fortschritt der einzelnen Finanzinstitute in der Harmonisierung der ISO-Formate, welche zentral über die detaillierten Umsetzungsformate sowie –zeitpunkte informiert. Dies ist Bestandteil unserer Roadmap.

Wo liegen die grössten Probleme oder Stolpersteine auf Kundenseite?
Die grösste Herausforderungen für die Kunden ist, den Überblick zu bewahren. Der Kunde braucht dafür verschiedene Informationen, welche er von verschiedenen Ansprechpartnern erhält. Er muss die Roadmap für sein Finanzinstitut kennen. Wissen, welche Software diese unterstützt und verstehen, welche Formate für ihn effektiven Mehrwert generieren. Sage ist deshalb stark bemüht, Transparenz für ihre Kunden zu schaffen.

Ist das Projekt innerhalb der vorgegebenen Termine zu schaffen?
Es ist realisierbar, wenn sich alle Finanzinstitute und die Softwarehersteller über die Formate und Roadmaps wirklich einig sind und alle am gleichen Strang ziehen.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Standardisierung und den zahlreichen Fintech-Initiativen?
Wir sehen einen indirekten Zusammenhang. Banken und auch andere Branchen müssen sich stetig weiterentwickeln und sich immer wieder neu erfinden. Neue Technologien, neue Geschäftsmodelle und das Bewusstsein der Chancen der Digitalisierung fördern das Schaffen von neuen Produkten und Dienstleistungen. Durch die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs werden neue Formate eingeführt, welche mehr Informationen liefern und so auch neue Chancen bieten. Somit können Fintech-Initiativen von neuen Informationen profitieren.

Start-ups im Fintech-Bereich: Chance oder Risiko für den Finanzplatz?
Start-ups bringen nicht nur im Fintech-Bereich neue Chancen. Sie lösen oft Kundenprobleme mittels Einsatz moderner Technologien oder neuartiger Geschäftsmodelle, welche die Dynamik im Markt vorantreibt. Dies ist auch gesund und vorteilhaft für den Finanzplatz Schweiz.

Mobile Payments: Wohin geht die Reise, wer wird in der Schweiz dominieren?
Blick in die Glaskugel – wir stehen hier noch am Anfang der Reise und es sind noch nicht alle Beteiligten am Schweizer Markt angekommen. Somit kann hier noch keine Aussage gemacht werden. Die letzten Meldungen, wie beispielsweise die Zusammenführung von Twint und Paymit zeigen, wie schnell sich alles ändern kann und zeigt auch, dass gerade in der Schweiz beim Thema Mobile Payments noch Vorbehalte bei den Endkunden bestehen. Viele haben eine App von Twint bzw. Paymit installiert, nutzen sie aber noch zu wenig.

Auswirkungen auf Software-Hersteller?
Durch die Fintech-Initiativen entstehen neue Möglichkeiten, um dem Kunden Mehrwert zu schaffen und seine Probleme zu lösen. Als Softwarehersteller sind wir demzufolge sehr daran interessiert, die entstehenden Innovationen mitzutragen und attraktiven Kundennutzen bieten zu können.

Digital Finance Experts Blog



Wir bedanken uns bei Marc Ziegler, Country Manager Sage Switzerland, für das Interview.








#Sage Schweiz #Harmonisierung #Digitalisierung

Top Event Interview 1: Credit Suisse

Am Top Event geben wir Vertretern des Finanzmarktes eine Stimme. Früher in Form von Videos, werden die Interviews neu in unserem Blog schriftlich publiziert. Lesen Sie das erste Interview mit Volker Möller, zuständig für Payment Projects bei Credit Suisse.


Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz, wo steht die Credit Suisse aktuell?
Wir bieten unseren Kunden mittels Direct Link und Direct Exchange bereits seit mehreren Jahren die Möglichkeit Zahlungen nach ISO 20022 einzureichen. Auch im Hintergrund wurden unsere Zahlungsverkehrs-Systeme in den letzten Jahren grundlegend überarbeitet und auf die neuen Standards vorbereitet. Wir bauen unser ISO Angebot kontinuierlich weiter aus und sind daher sehr daran interessiert die Harmonisierung zusammen mit dem Finanzplatz Schweiz voranzutreiben. Ich denke wir als Credit Suisse sind dabei gut im Fahrplan und setzen damit ein starkes Zeichen zugunsten der Schweizer Zahlungsverkehrs-Harmonisierung.

Was ist Ihrer Meinung nach die grösste Herausforderung bei diesem Vorhaben?
Die grösste Herausforderung liegt darin, uns als Finanzplatz Schweiz gemeinsam den neuen Möglichkeiten zu stellen. Naturbedingt, müssen wir zunächst unsere bestehenden Systeme und Produkte umstellen. Dies ist aufwändig, bindet Ressourcen und fokussiert den Blick auf das Bestehende und die zugrundeliegende Technologie. Die Herausforderung liegt aber in dem Blick nach vorne und in den zu erarbeitenden neuen Möglichkeiten. Wenn wir Projekte wie LEON (Lastschrift und E-Rechnung Online Neu) oder den Neuen Einzahlungsschein ansehen, dann haben wir hier grosse Chancen das Kundenerlebnis wesentlich zu verbessern und neue Produktausprägungen zu schaffen. Diese Chancen zu nutzen ist unsere grosse Herausforderung und das gelingt nur, wenn wir als Finanzplatz Schweiz gemeinsam mit dem Blick auf die Zukunft und dem Kunden im Mittelpunkt handeln.

Wo stehen Ihre Firmenkunden im Vergleich zum Fahrplan der Umsetzung?
Auch hier zeigen sich die eben erwähnten Herausforderungen. In 2015 haben sich etwa ein Fünftel unserer Firmenkunden aktiv mit der ZV Migration Schweiz auseinandergesetzt und das zum grössten Teil aus dem Interesse an neuen ZV Dienstleistungen. Viele dieser Kunden würden den Fahrplan zur Umsetzung lieber beschleunigt sehen und stehen dementsprechend gut im Vergleich zum Fahrplan. Auf der anderen Seite stehen Kunden die mit dem Bestehenden zufrieden sind. Für diese Kunden ist eine ZV Harmonisierung primär mit Aufwand verbunden. Hier wird es unsere Herausforderung sein den Blick nach vorne zu lenken und transparent zu machen, dass dies eine Investition in die Zukunft einer mehr und mehr digitalen und automatisierten Bankenwelt ist.

Readiness: Wo steht die Branche, also Banken, im Projekt? Termine schaffbar oder mit Verzögerung, wie in Deutschland bei der SEPA-Umstellung?
Wenn wir uns als Finanzplan Schweiz gemeinsam der Herausforderung stellen, ja dann sind die Termine machbar. Wir sind bereit.

Sehen Sie sich aufgrund der immer mehr angleichenden Formate und Protokolle für die Übermittlung von Daten in Europa einer grösseren Konkurrenz ausgesetzt?
Eine interessante Frage. Natürlich sehen wir uns einer grösseren Konkurrenz ausgesetzt. Auf der anderen Seite ergibt sich hierdurch der Zugang zu einem grösseren Markt. In vielen Bereichen können wir bereits heute internationalen Kunden bessere Konditionen bieten als unsere Konkurrenten ausserhalb der Schweiz. Insbesondere haben wir bei der Credit Suisse besonderen Wert darauf gelegt unsere Kundenkanäle Direct Link und Direct Exchange, bezüglich ISO20022 mit höchstmöglicher Flexibilität auszustatten. Dies betrifft zum Beispiel die Anbindung über verschieden Kanäle als auch das Angebot unterschiedlicher nationaler, oder gar kundenspezifischer Formatvarianten. Spezialanforderungen grosser Unternehmen die früher Monate oder Jahre in der Umsetzung benötigten, lassen sich heute in Tagen und Wochen realisieren.

AOS (Additional Optional Services): Haben Sie vor besonders attraktive und innovative Angebot im Markt zu platzieren oder verfolgen Sie eher die Strategie „nur das Nötigste“?
Natürlich hat jedes Unternehmen den Wunsch attraktive und innovative Angebote im Markt zu platzieren. Von diesem Gesichtspunkt aus ist es notwendig und sinnvoll gewisse “Freiheiten“ innerhalb eines Standards zu schaffen. Ob aus einer dieser Optionen eine attraktive Innovation entsteht bestimmt der Markt. Entsprechend geht unser Bestreben über das Nötigste hinaus, obwohl wir aktuell uns sehr strikt an die Standard-Definitionen halten. Dies zu Gunsten einer gemeinsamen Zielerreichung der Banken und der Software-Partner für unsere Kunden.

Sind AOS überhaupt ein Merkmal, um Unterschiede zu schaffen, was sagt der Markt auf Seite der Firmenkunden?
Wie bereits erwähnt schaffen Freiräume Möglichkeiten. Dies gilt sicher auch für AOS. Ich denke dies ist aus Kundensicht heute noch nicht wirklich transparent. Ich sag das mal so: Wenn ich auf einem Automarkt der durch Verbrennungsmotoren dominiert wird ein Elektroauto anbieten will, dann kann ich versuchen mich durch ein besonders tolles Autoradio zu diversifizieren, der Hauptaugenmerk meines Kunden wird dennoch bei dem auffälligsten Merkmal bleiben: Dem Elektromotor. So in etwa verhält es sich heute mit den alten Formaten, ISO 20022 und AOS.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Standardisierung und den zahlreichen Fintech-Initiativen?
Eine Standardisierung wie ISO 20022 vereinfacht nicht nur den Zahlungsverkehr auf nationaler und internationaler Ebene. Sondern etwas überspitzt gesagt: ISO20022 schafft die Grundlage und Möglichkeit einer viel, viel weitergehenden Automatisierung der Bank und ihrer Kundeninteraktion. Weitergehend als dies heute im Zahlungsverkehr der Fall ist und sehr viel weitergehend als dies in anderen Bereich der Bank der Fall ist. Die Möglichkeiten die sich hieraus ergeben sind natürlich ein Nährboden für verschiedenste Fintech-Initiativen.

Startups im Fintech-Bereich: Chance oder Risiko für etablierte Banken?
Hier hat sich in den letzten Jahren viel im Bewusstsein geändert. Auf Banken Seite werden Fintech heute als Chance für neue Ideen und Produkte gesehen und auf Fintech Seite werden etablierte Banken heute nicht mehr als uninteressierte, träge Organisation angesehen. Heute fördert die Credit Suisse eine Vielzahl von Startup und Fintech-Initiativen und ist sehr aktiv in der Zusammenarbeit engagiert. Also definitiv: Chance.

Robo Advisory: Haltung der Credit Suisse zum Thema?
Der Einsatz von Technologie um schneller und exakter auf die Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen, Produkte flexibler auf Kundenwünsche oder Marktbewegungen anzupassen und Informationen schneller und detaillierter auszuwerten und bereitzustellen ist heute im Bankenumfeld selbstverständlich und wird so auch vom Kunden erwartet. Dies reflektiert sich heute schon in unseren Produkten, wie zum Beispiel „Credit Suisse Invest“ oder innerhalb unserer breiten Produkt- und Dienstleistungspalette im Bereich Strukturierte Produkte. Hier wird es in den nächsten Jahren sicherlich noch weitere Produkte geben, welche man unter den Begriff „Robo Advisory“ stellen kann.

Mobile Payments: Wohin geht die Reise, wer wird in der Schweiz dominieren?
Die Popularität von bargeldlosem Bezahlen steigt seit Jahren. Dominierend ist hier die Zahlung per Karte. Ebenso wurde es in den letzten Jahren immer einfacher bargeldlose Zahlungen technologisch zu integrieren. Dies betrifft online Zahlungen, Zahlung am Automaten oder Terminal und eben auch mittels Mobile Devices wie Smartphones. Auch ISO 20022 ist hier ein weiterer Schritt die Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen zu vereinfachen. Aus diesem Aspekt heraus denke ich, wir werden in Zukunft noch eine Reihe von neuen „Mobil Payments“ Varianten sehen. Ob unter diesen eine in der Schweiz dominieren wird möchte ich offen lassen.

Meine ganz persönlichen Kriterien für ein erfolgreiches mobiles Zahlungssystem sind:
  • Zahlungen unter 30 Franken in weniger als zwei Sekunden 
  • Grössere Zahlungen in weniger als fünfzehn Sekunden 
  • Gleiche (oder bessere) Akzeptanz wie Kartenzahlungen online wie offline, international wie national. 
Und, aus meiner Sicht, besonders wichtig:
  • Die Kooperation aller beteiligten auf dem Finanzplatz Schweiz.
Blockchain: Credit Suisse ist auch engagiert, welche Ziele werden verfolgt?
Ja Credit Suisse ist hier engagiert. Wir sind eines der neun Gründungsmitglieder von R3, haben Wissen und Technologien intern aufgebaut und eine Reihe von POCs laufen, die auf Block Chain Technologie setzen. Mittels Block Chain lassen sich Transaktionen sicher abwickeln ohne ein zentrales Verwaltungsorgan. Das hat eine grosse Bandbreite von Anwendungsmöglichkeiten in der Bank. Kryptowährungen sind, aus meiner Sicht, nicht der beste Anwendungsfall, denn gerade bei Geldtransfer möchte man (insbesondere im Konfliktfall, oder Betrug) ein unabhängiges Verwaltungsorgan welches hier sichernd eingreifen kann: Die Bank.

Credit Suisse




Wir bedanken uns bei Volker Möller, zuständig für den Bereich “Payment Projects” bei Credit Suisse, für das Interview.






#CreditSuisse #Harmonisierung #Digitalisierung