Digital Africa - ein Vorbild an Nachhaltigkeit und Startup-Spirit

Ist der Startup-Spirit von Afrika auch etwas für uns? PSD2 eröffnet nun vielen Lösungen den Zugang zu Bankkonten. Als Basis soll eine entsprechende Schnittstelle herhalten unter dem Begriff „API“. Wir berichteten.

Ist das Ganze aber nachhaltig? Verschiedene Schnittstellenbeschriebe kommen auf und wenn man nicht nur eine nationale, sondern eine internationale Lösung als PISP (Payment Initiation Service Provider) oder AISP (Account Information Service Provider) entwickeln möchte, ist man schnell von den unterschiedlichen „Standards“ überfordert. Wieviel Entwickler-Knowhow und -Schweiss muss dafür aufgewendet werden bis die Lösung entsprechend rund läuft?

Dass Afrika die digitale Welt für sich entdeckt hat, ist nichts Neues. Seit über 10 Jahren gibt es bereits M-Pesa, das Bezahlen per Handy in Afrika. Kein Wunder, da es in vielen Gegenden keine Bank gibt, geschweige denn einen Bankomaten.

Schön und gut, aber „Digital Africa“ ist heute viel mehr als vor zehn Jahren. Dies zeigt eindrücklich eine Fernsehproduktion, welche viral viel Umtrieb gemacht hat und von vielen Sendern ausgestrahlt wurde. Die vollständige Sendung kann hier eingesehen werden.

„Digital Africa“ präsentiert sich inzwischen mit vielen Startups, die eng verwoben sind mit den lokalen Problemen und versuchen, mit den wenigen vorhandenen Mitteln eine Lösung dafür zu finden. Häufig sind diese in Ballungszentren in gewissen Hubs vernetzt.

Die Liste der Lösungen ist endlos. Angefangen mit einem Beobachternetzwerk als Prävention von Gewalttaten, einem Gaszähler, der auf „geliehenen“ Gasflaschen aufgesetzt werden kann und per Handy Mikrobeträge bezahlt werden können, um sich zum Beispiel nur am Morgen eine Tasse Tee zu kochen, freies Internet in inzwischen rund 300 Bussen, über einen Bestellservice für Motorradtaxis, welche bei der allgemein hohen Unfallrate im Land den jeweiligen Fahrer anhand seines Fahrstils bewerten und die Fahrt somit sicherer wird bis zu mobilen, solarbetriebenen Ladestationen, wenn in manchen Regionen manchmal tagelang kein Strom verfügbar ist.

Gemeinsam haben all diese Lösungen, dass sie aus dem wenigen Vorhandenen etwas machen. Auch die Bildung wird unterstützt, da sehr häufig keine Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stehen. So gibt es 300 mobile Koffer mit bis zu 30 Tablets, die einen Unterrichtstag lang ohne Strom und Internet entsprechende Inhalte beibringen können.

Eine andere Lösung bietet für 11 EUR einen physikalischen Experimentierkasten mit wenigen LEDs, Kondensatoren, Widerständen und einer Batterie, um Elektroingenieurswissen zu vermitteln, welches so wichtig ist, um voranzukommen. Ziel dieser Lösung ist beispielsweise, dass jeder Schüler irgendwann ein solches Experimentierset hat, um auf dem Schulhof, zu Hause oder eben im Unterricht damit experimentieren zu können.

Wenn keine Bildung vorhanden ist, gibt es für Bauern einen Sprachservice, der Aussaat- und Düngerempfehlungen sowie Wettervorhersagen in bis zu neun lokalen Landessprachen mitteilt. So können diese Services genutzt werden, selbst wenn der Nutzer gar nicht lesen kann.

Die Nachhaltigkeit wird unter anderem gewährleistet, weil viele ausrangierte Teile wiederverwendet werden. So produziert ein Afrikaner durchschnittlich sechs Kilogramm Elektronikschrott pro Jahr. Ein Europäer bringt es in derselben Zeit auf gut das Achtfache.

Ein extremer Entwicklungsschub wird zudem durch die Nachhaltigkeit erreicht: In den 80er Jahren haben wir gelernt, dass viele Entwicklungsprojekte in Dritt-Welt-Ländern gescheitert sind, weil beispielsweise ein Gummischlauch für eine Kochgelegenheit nicht von den Bewohnern selbst hergestellt werden konnte, um wieder Gas für die Feuerstelle zu haben.

Heutzutage werden Motoren von ausrangierten Druckern verwendet, um 3D-Drucker zu bauen. Sehr häufig werden Teile für neue 3D-Drucker mit den 3D-Druckern selbst hergestellt. Man ist also nicht mehr (so stark) abhängig von einer Entwicklungshilfe und von Ersatzteillieferungen.
Die 3D-Drucker können aber auch noch mehr. Sehr häufig helfen sie Krankenhäusern, in welchen viele Dinge fehlen. So können beispielsweise Nabelschnurklemmen mit 3D-Drucker günstig hergestellt werden.

Wie konnte sich aber das „Digital Africa“ so gut entwickeln? Ein grosser Aufschwung begann 2008, als Ostafrika an internationale Unterseekabelnetze angeschlossen wurde. Andererseits hat die Technologieentwicklung auch stark dazu beigetragen. So wären viele Entwicklungen nicht ohne den 3D-Druck möglich gewesen.

Die Regierung spricht keine flächendeckende Unterstützung an Startups, aber sie baut Institutionen auf, die als Anlaufstelle dienen können und den Wissensaustausch sicherstellen.

So gehen rund 90% der entsprechenden Gelder an NGOs, wodurch die lokalen Startups, zumindest finanziell gesehen, leer ausgehen.
Die Gründerszene lässt sich dadurch aber nicht abschrecken: Viele werden selbst aktiv und warten nicht auf die Regierung. Der Wille, die Energie und die Technologie sind da. Kann damit also bald der Durchbruch erreicht werden?
Es lohnt sich auf alle Fälle in entsprechende Lösungen zu investieren.

Viele Lösungen bauen auch auf Blockchain als letzte technologische Neuerung. So gibt es Möglichkeiten, Krankenakten elektronisch und blockchain-basiert zu führen. Das ermöglicht der breiten Masse einen leichten Zugang zu Ärzten und denen jederzeitigen Zugriff auf die entsprechenden Informationen.

Was können wir aber für unser Tagesgeschäft mitnehmen? 

Derzeit tanzen wir den Eiertanz der Use Cases: Open API oder welche (wenigen) Funktionen sollen dazugenommen werden? Ergebnis: Keine so berauschenden Plattformen. Sollten wir nicht eher den Startup-Flair von Afrika aufnehmen und nachhaltige Lösungen entwickeln, bei denen Macher-Haltung und Zusammenhalt im Vordergrund steht?


Dieser Blog wurde von Frank Rebmann verfasst.


#MobilePayment #Blockchain #OpenBanking #OpenAPI



mymoria - Im Reich des digitalisierten Todes

Peter Kauz und Björn Wolff
Das Berliner Startup mymoria hat sich auf die Fahne geschrieben, den undurchsichtigen Weg der Bestattungsvorbereitung transparent zu machen und digital ins Netz zu bringen. Das Team ist jung, aufgeschlossen, bricht mit dem allgemeinen Tabuthema „Tod“ und leistet, neben all den angebotenen Services, vor allem auch eine wichtige Aufklärungsarbeit in unserer Gesellschaft. Auf der Onlineplattform kann jede Art von Bestattung, egal ob die eigene oder diejenige von verstorbenen Angehörigen, komplett geplant und auch gleich bezahlt werden. Ein Mehrwert, der nicht zu unterschätzen ist. Denn oft wohnen die Kinder nicht mehr da wo die Eltern leben und jeder Tod ist für die Hinterbliebenen eine organisatorische Herausforderung. Und genau da setzt mymoria an.
Wir haben uns mit dem Mitgründer und Geschäftsführer Björn Wolff zu unserem Digital-Talk getroffen.

Wer sich auf mymoria.de bewegt, beschäftigt sich zwangsläufig mit dem Tod. Wie kommt man als junger Mann dazu, ein solches Portal überhaupt zu erschaffen?
Erstmal danke, dass du mich als „jungen Mann” titulierst (lacht). Ich habe die Plattform mit Peter, meinem Geschäftspartner, zusammen gegründet. Und wir sind über einen Todesfall im Freundeskreis darauf gekommen uns überhaupt mit diesem Thema zu beschäftigen. Der Vater eines Freundes verstarb und die Angehörigen hatten damals das Dilemma, dass sie zum einen nicht zufrieden waren mit dem, was der Bestatter gemacht hatte und zum andern fehlten ganz einfach grundsätzliche und wichtige Informationen online. Peter und ich kamen beruflich zwar aus ganz verschiedenen Bereichen, aber wir sagten uns: „Das können wir doch besser machen“. Und dann begannen wir uns mit dem Thema zu beschäftigen. Wir merkten relativ schnell, dass der Tod ein schlimmes Tabuthema ist und die Leute nicht darüber sprechen wollen oder einfach nie die Möglichkeit dazu haben. Wenn man ihnen aber diese Möglichkeit gibt, öffnen sie sich und können auf einmal relativ gelöst über ihre Wünsche bezüglich der eigenen Bestattung reden. Und seither handeln wir nach dem Grundsatz: „Lass uns ganz viel darüber sprechen, dann können wir es vielleicht verändern“.

Beschreib doch bitte mal die Funktionsweise von mymoria. Ab wann komme ich in euren Fokus resp. muss dem zwingend ein Todesfall vorangehen? Und wie läuft das dann ab?
Ganz einfach. Wir wollten das breite Spektrum dessen was man machen muss, wenn man sich mit dem Tod beschäftigt oder beschäftigen muss, weil man das für sich selbst als Vorsorge macht oder weil man einen akuten Trauerfall hat, komplett abdecken. Das haben wir versucht. Was heisst das nun? Man kann sagen, dass sich jeder bei uns relativ schnell eine Bestattung zusammenklicken kann. Also aus verschiedenen Sachen auswählen, wie man die gerne hätte und die kann man dann bei uns buchen. Das mache ich entweder a) als Vorsorge, also für mich selbst oder jemand anderen, für den man vorsorgen will oder b) wenn man wirklich im akuten Trauerfall Hilfe braucht. Und dann gibt es eben das breite Spektrum. Diesen Prozess kann man entweder ganz autark durchschreiten, also ganz alleine, von zuhause aus, im geschützten Raum und man muss uns nicht weiter in Anspruch nehmen. Man muss mit keinem reden, wenn man das nicht möchte und kann uns einfach beauftragen und wir kümmern uns darum. Oder aber man spricht mit uns (wir haben Bestatter, die rund um die Uhr erreichbar sind). Das geschieht telefonisch und geht bis hin zu einem persönlichen Termin, wenn man das denn will. Ehrlicherweise wird dieses Angebot aber immer seltener in Anspruch genommen. Ich glaube die Leute sind eben gerade froh, nicht in ein angestaubtes Bestattungshaus gehen zu müssen und nicht zu wissen, auf wen sie da treffen. Sie können sich bei uns alle Details und Produkte in Ruhe online durchlesen und anschauen und letztlich natürlich auch gleich auswählen. Alles ganz einfach, bequem von zuhause aus, ganz transparent und auch kostentransparent.

Meine nächste Frage geht genau in die Richtung: Wenn man ja einen Trauerfall beklagt, ist man oft bereits mit der Situation, dass jemand gestorben ist, überfordert. Jetzt muss man ganz viel organisieren und kann das neuerdings bei euch per Mausklick erledigen. Du hast Bestatter am Telefon erwähnt, aber wie stellt ihr sicher, dass da die Menschlichkeit nicht verloren geht?
Wir sind in allem was wir machen so menschlich wie es nur geht. Ich glaube der erste Zugang ist schon mal nicht schlecht: Wir stellen nämlich in dem Moment, in dem der Tod eintritt, alle nötigen Informationen schon mal zur Verfügung. Das machen wir auf allen Kanälen. Egal wie man also diese Informationen abfordert, sie stehen umgehend zur Verfügung. Wenn der Kunde das ganz persönlich haben will, dann kann er das rund um die Uhr bei uns am Telefon machen. Ich denke das ist ja schon mal einzigartig. Und da sind Leute, die sind nicht einfach darauf getrimmt ein Call-Center zu sein, sondern denen ist es freigestellt, wie lange sie mit jemandem reden. Es gibt bei einem Todesfall ganz unterschiedliche Bedürfnisse und dadurch natürlich auch viele Anekdoten. Manche Leute kommen ganz aufgeräumt daher und sagen: „Passen Sie auf, ich habe das und das und das, können Sie das für mich machen? ..., ja super, ich schick Ihnen gleich den Auftrag.“ Dem gegenüber gibt es aber auch Menschen, die wissen gar nicht, was sie jetzt in die Wege leiten müssen und die nehmen wir dann an die Hand und sagen, es gibt ein paar Dinge, die sind jetzt wichtig, paar andere macht man erst später.

Und die können dann immer wieder anrufen? Die werden also durch den kompletten Vorbereitungsprozess begleitet?
Ja, klar. Du kriegst einen Ansprechpartner und der führt dich durch den Prozess und ist an deiner Seite.

Du hast vorhin Kostentransparenz angesprochen. Ihr habt eine Überschrift auf der Homepage, dass ihr bis zu 31% günstiger seid im Vergleich zu einer herkömmlich organisierten Bestattung. Wie könnt ihr diesen Preisnachlass sicherstellen – muss man euch als Amazon der Bestattungsbranche verstehen?
Also das Volumina von Amazon haben wir noch nicht ganz erreicht (lacht). Es sind ja zweierlei unterschiedliche Themen in dieser Frage. Das eine ist die Kostentransparenz. Da bieten wir was, was es zumindest in Deutschland vorher so nicht gab. Alle sprechen zwar immer über Transparenz, aber dass man die Kosten einer Bestattung im Vorfeld ganz klar ausweist und sagt: „Natürlich kannst Du andere Blumen wählen, dadurch erhört sich aber der Gesamtpreis um so und soviel“ ist einzigartig. Wir bieten somit einen Vollkostenpreis. Das heisst, wenn da EUR 2‘819.- drunter steht, dann kostet es auch genau EUR 2’819.-. Diese Kostentransparenz gefällt vermutlich bis heute vielen Markteilnehmern nicht. Aber wir sind fest davon überzeugt, dass diese Transparenz sinnvoll ist und spüren auch, dass unsere Kunden das schätzen, ja sogar einfordern. Denn wer Dienstleistungen im Internet bucht, der will genau wissen, wieviel das kostet und was er dafür bekommt.
Und die andere Frage war ja, warum können wir günstiger sein als der Ortsdurchschnitt? Das ist relativ einfach erklärt. Wir machen das deutschlandweit. Wir kaufen ganz anders ein. Dadurch können wir auch andere Preise an unsere Kunden weitergeben. Und von der Logik her muss man verstehen: Wir machen alles selbst. Wir haben Partner oder eigene Bestatter über ganz Deutschland sitzen und wir kaufen bei Partnern die Vor-Ort-Dienstleistungen ein. Das kann zum Beispiel eine Überführung oder Vor-Ort-Betreuung sein, falls nötig. Alles andere machen wir wirklich selbst. Alle Produkte kommen von uns, alle Services, die man irgendwie digitalisieren kann, machen wir selbst. Also Abmeldungen bei der Krankenkasse, bei der Rente etc., all das, worum man sich nicht kümmern mag, wenn eine nahestehende Person gestorben ist.

Und das läuft über Vollmachten? Oder wie wird das geregelt?
Ja. Am Anfang ist es so, dass wir natürlich eh eine Vollmacht für all diese Themen vom Kunden bekommen. Für die Abmeldungen, die wir gerade angesprochen haben, braucht man zum Beispiel eine Sterbeurkunde. Da gehört es bereits zu unserem Basisservice dazu, dass wir die Sterbeurkunde erwirken und damit dann auch gleich die Abmeldungen vollziehen.

Ihr bietet auch einen Vorsorgeservice an, also die Möglichkeit, dass ich mir als Lebender Gedanken darüber machen kann, wie denn meine eigene Bestattung einst aussehen und ablaufen soll.
Kann ich jedem nur empfehlen (schmunzelt).

Wenn ich für mich nun alles auf mymoria.de plane, von der Farbe der Blumen bis hin zu der Musik, die während meiner Beisetzung abgespielt werden soll - wie erfahren dann meine Angehörigen nach meinem Tod von meinem mymoria-Willen?
Gute Frage, ja. Manche Leute laden sich ein Angebot von uns herunter und sagen, das hab’ ich jetzt zu meinem Testament gelegt, dann wird es ja wohl gefunden werden. Denen erklären wir dann immer, dass das schon gefunden wird, aber häufig erst nach der Bestattung, weil das Testament meist erst danach verlesen wird.
Wir haben aber verschiedene Mechanismen, die genau dafür helfen. Das eine ist, wir hinterlegen Vertrauens- und Ansprechpersonen bei uns im System, die auch einen Zugang auf den letzten Willen, wie denn die Bestattung sein soll, bekommen. Diejenigen, die bei uns vorsorgen, bekommen so kleine Karten, die an die Vertrauenspersonen abgegeben werden können. Plus, was auch alle bekommen, ist so ein kleiner Aufkleber für die Krankenkassenkarte. Da steht dann drauf „Bestattungsvorsorge by mymoria“. Denn wenn du stirbst, das was sicher angeschaut und gebraucht wird ist deine Krankenkassenkarte. Die wird immer gezückt. Somit bleibt die Information im Jetzt, wenn du dann mal den letzten Weg gehst. Und sobald wir kontaktiert werden, können wir dann sofort übernehmen und den Wunsch umsetzen. Das beinhaltet auch die zwei Hauptpunkte, warum Menschen überhaupt selber vorsorgen wollen: Zum einen will man eigene Wünsche einbringen und zum anderen sollen die Hinterbliebenen sowohl finanziell als auch emotional entlastet werden. Die belastende Planung übernehmen wir komplett.

Dieser Blog wird mitunter von vielen Bankern gelesen. Somit ist es naheliegend, dass wir auch über Geld sprechen möchten. Ihr bietet im Vorsorgemodell an, dass man eine Einmalzahlung oder monatliche Beiträge an die eigene Bestattung leisten kann. Wo aber liegt dann dieses Geld bis zu meinem Tod, arbeitet ihr damit? Oder eröffnet ihr Extrakonten bei einer Bank? Nur, mit meinem Tod fallen ja alle meine Vermögenswerte in den Nachlass und das Geld ist somit blockiert bis die Erbschaft geregelt ist? Wie läuft das bei euch ab?
Das wäre es, wenn du keine Vorsorge machst, das stimmt. Wir sind keine Bank, wir haben keine Banklizenz und dürfen selber kein Geld zu Verwaltungszwecken annehmen. Wir können nur über Hilfskonstrukte arbeiten, zum Beispiel über Treuhandkonstrukte. Die haben den Vorteil, dass sie pfändungssicher sind. Das Geld ist dann also für die Bestattung hinterlegt und da kann auch sonst keiner darauf zugreifen. Und genauso vertreiben wir auch Bestattungsvorsorgeversicherungen. Dem Kunden ist es freigestellt, wie und wo er das Geld zurücklegen will. Wir treten lediglich als Verfügungsberechtigter auf und können das Geld erst abrufen, wenn wir die Bestattung nachweislich durchgeführt haben und in Rechnung stellen.

Manchmal wird man ja vom Tod überrascht und die Organisation der Bestattung muss schnell gehen. Würde es eure Arbeit erleichtern, wenn es die Möglichkeit von Instant Payment gäbe, wenn man also in 3 Sekunden Geld von A nach B überweisen kann?
(Überlegt). Ich glaube, das wäre bei manchen Themen gut. Man muss aber klar sehen, welche Altersschicht welche Leistungen bei uns bucht. Wo es wahnsinnig helfen würde ist bei der Vorsorge. Hier bieten wir ja den Service an, dass man die eigene Bestattung nach individuellen Wünschen zusammenstellen kann. Um diesen Service aber tatsächlich zu erwirken, muss man die Vorsorgegebühr von EUR 49.- überweisen und das dauert nach heutigem Prozess manchmal mehrere Tage. Wenn das also instant wäre, dann wüssten unsere Kunden sofort: Nach der Zahlung ist alles bei mymoria hinterlegt und sollte mir jetzt was passieren, dann wissen die, was zu tun ist.
Ich glaube aber für eine klassische Bestattung an sich macht es keinen Unterschied. Denn wir nehmen keine Anzahlung, sondern gehen selber ins Risiko und rechnen erst nach getaner Arbeit ab. Da wäre es für uns momentan noch kein Zugewinn. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Instant Payment irgendwann auch vom Kunden eingefordert wird.

Ihr stellt also ganz herkömmliche Rechnungen?  Oder kann ich bei euch auf dem Portal auch via Paypal oder Kreditkarte bezahlen?
Wir machen herkömmliche Rechnungen. Du kannst aber genauso gut per Kreditkarte bezahlen.

Im Moment gibt es mymoria in Deutschland und seit Kurzem auch in Österreich. Gibt es Bestrebungen den Service z.B. auch auf die Schweiz oder das restliche Europa auszuweiten?
Wir schauen uns die Schweiz genau an. Da ist aber wenig harmonisiert. Das heisst, die Rechtsprechung ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Die Hürde liegt hier also etwas höher (lacht). Es gibt aber auch noch ein paar andere interessante europäische Länder, die wir unter die Lupe nehmen. Bestimmt werden bald einige weitere folgen. Der Service fehlt in so vielen Ländern, dass wir davon ausgehen, auch an anderen Orten Fuss fassen zu können.

Wie viele Bestattungen habt ihr bis dato in Deutschland und Österreich durchgeführt?
Da sind wir wie die Banker, da sagen wir nichts (lacht). Das letzte Mal hatten wir Ende 2017 kommuniziert und da hatten wir weit über 1000 Bestattungen gemacht. Da waren wir aber noch nicht lange auf dem Markt.

Lieber Björn, ganz herzlichen Dank für‘s Gespräch.
Danke auch.



Dieses Interview wurde von Matthias Hungerbühler geführt.



#mymoria #Digitalisierung #eGesellschaft #FinTech


Die Schweizer Finanzindustrie wird API

Mittlerweile ist die API-Thematik auch in der Schweizer Finanzindustrie angekommen. Inspiriert durch die PSD2-Richtlinien, welche den EU-Instituten bestimmte Services vorschreiben, entstehen in der Schweiz durch die Markteilnehmer erstellte, eigene Standards.
Nachdem die SIX mit ihrem Corporate API gleich eine Plattform lanciert, hat nun auch die SFTI am letzten Donnerstag (20.09.2018) ihre Version einer API-Spezifikation veröffentlicht. In beiden Organisationen arbeiten Vertreter der Finanzdienstleister und Software-Anbieter mit.
Zeit also, die aktuellen API-Initiativen einem Vergleich zu unterziehen und herauszufinden, ob sich eine bestimmte Variante durchsetzen wird.
Und zu guter Letzt …. was bedeutet API überhaupt? (Nicht das, was Sie jetzt vielleicht grad meinen…) 

Gute Software-Architektur besteht unter anderem darin, Bedienungsoberflächen und Business- Funktionen zu trennen. Mit diesem Ansatz lassen sich unterschiedliche Applikationen generieren, welche über Schnittstellen die gleichen Business-Funktionen nutzen. Somit lassen sich Applikationen für die verschiedensten Geräte-Typen und Betriebssysteme einfacher und effektiver realisieren. 

In einem weiteren Schritt werden diese Schnittstellen extern zugänglich gemacht, sodass Dritt-Hersteller ihre eigenen Applikationen mit den Business-Funktionen eines Service Providers ergänzen können. 

Konsequent zu Ende gedacht könnte dies bedeuten, dass eine Bank gar kein eigenes e-Banking mehr betreibt, sondern lediglich die entsprechenden Funktionen mittels einer Schnittstelle verschiedenen Software-Herstellern zur Verfügung stellt.
Diese Schnittstellen sind nun also diese sogenannten APIs, Application Programming Interfaces. Gegenüber rein internen Schnittstellen, bei welchen keine Rücksicht auf externe Anbieter genommen werden muss, gelten an APIs erhöhte Anforderungen, insbesondere an die Sicherheit.

Schnittstellen unterscheiden sich unter anderem dadurch, ob sie die beteiligten Systeme eng oder lose aneinanderbinden. Eng gekoppelt bedeutet, dass die beteiligten Komponenten exakt aufeinander abgestimmt sind. Eine Anpassung in einem System hat Auswirkungen auf die Schnittstelle und das andere System. Die Wartung und Weiterentwicklung von eng gekoppelten Systemen wird daher um einiges höher. Dafür aber gewinnt man eine erhöhte Performance und eine niedrigere Komplexität der Schnittstelle. 

Lose gekoppelte Systeme haben aber entscheidende Vorteile, insbesondere denjenigen, dass die beteiligten Systeme unabhängig voneinander aktualisiert werden können. In der heutigen, schnelllebigen (agilen) Welt ist das meistens eine zwingende Anforderung. 

Das bedeutet aber auch, dass die Schnittstellen komplexer werden. Unter anderem müssen sie flexibler werden, verschiedene Versionen gleichzeitig unterstützen, plattformübergreifend funktionieren und ja, sie sollen auch schnell sein (performant). In diesem Punkt arbeitet die Zeit für die Service Provider. Mit der immensen Performance, welche uns heutzutage zur Verfügung steht, sinkt das Bedürfnis, eng gekoppelte Systeme betreiben zu müssen. Selbst ein Smartphone hat die mehrfache Leistungsfähigkeit eines früheren Super-Computers. 

Zugegeben, auf dem Cray liess es sich aber so gemütlich sitzen wie auf einem wohlig warmen Kachelofen….

Letztendlich müssen APIs auch stetige Veränderungen und Erweiterungen zulassen, ohne gleich die gesamte Schnittstellen-Struktur auf den Kopf zu stellen. Service Provider müssen in der Lage sein, ihr Angebot laufend den Bedürfnissen des Marktes anzupassen (innovativ).

Zusammengefasst ist dies die eigentliche Bedeutung von API: Agil - performant - innovativ

Alle diese Anforderungen an externe Schnittstellen haben dazu geführt, dass eine eigentliche Schnittstellen-Industrie entstanden ist. Auf dem Markt sind verschiedenste Werkzeuge und Applikationen zu finden, welche die Veröffentlichung von APIs ermöglichen oder erleichtern. Ziel dieser Lösungen (API-Gateways) ist es, dass sich der Service Provider auf die Implementation der Business-Funktionalität konzentrieren und die externe Schnittstelle (API) sehr flexibel gegen aussen zur Verfügung stellen kann. Die eingangs erwähnte Frage, welche API-Variante sich schlussendlich durchsetzen wird, rückt somit in den Hintergrund. Wenn die Business-Funktionalität vorhanden ist, können mittels API-Gateways die verschiedenen API-Varianten damit verbunden werden. Der Aufwand, eine Funktion sowohl im Rahmen des Corporate API als auch Common API im Markt anzubieten, reduziert sich daher auf ein Minimum. Selbst eine BerlinGroup-Variante kann somit relativ einfach realisiert werden.

PSD2 - BerlinGroup

Naturgemäss unterscheiden sich die API-Varianten nicht sehr stark. Das API der BerlinGroup implementiert die Anforderungen aus der PSD2-Richtlinie. Diese beinhaltet den Zugriff auf Bankkonten für die Abfrage von Salden und Transaktionen (AIS - Account Information Service) sowie die Möglichkeit, Zahlungen im Auftrag des Kontoinhabers auszulösen (PIS - Payment Initiation Service). Den dritten Service, welcher es erlaubt, für eine bestimmte Karten-Transaktion die Verfügbarkeit des benötigten Betrags zu prüfen, wird in den Schweizer Versionen nicht vorgesehen.
Als Zahlungsformate kommen JSON oder ISO20022 XML zum Einsatz, wobei keine Vorschriften gemacht werden, welches Format die Service Provider anbieten müssen. Das API der BerlinGroup unterscheidet sogenannte Payment-Products in den Ausprägungen SEPA, SEPA-Instant, Target2 und Cross-Border. Zudem werden sogenannte ”community specific payment product definitions” zugelassen, welche von Nicht-EUR-Ländern (z.B. Norwegen) genutzt werden können. Im März 2019 müssen die Finanzinstitute den Dritt-Hersteller (TPP - Third Party Providers) das Testing ermöglichen. Bereits im Oktober 2019 müssen produktive Lösungen im Markt angeboten werden.

Corporate API

Unter diesem Namen entwickelt die SIX zusammen mit Vertretern der Banken und Software-Hersteller nicht nur einen frei verfügbaren Standard, sondern gleich noch die passende Plattform dazu. Diese Plattform erlaubt eine sehr einfache Teilnahme an einem neu entstehenden Öko-System, welches Services weit über den PSD2-Rahmen (AIS, PIS) hinaus anbieten wird. Ausgerichtet ist diese Plattform auf Firmenkunden, unterstützt aber auch Lösungen im Retail-Kundensegment.
Als Formate werden JSON und ISO20022 XML angeboten. Die JSON-Variante wird dabei sehr einfach und rasch zu implementieren sein und zielt auf SW-Anbieter, welche nicht die Komplexität der ISO20022-Meldungen benötigen. Die ISO20022 XML-Variante unterstützt das gesamte Spektrum der aus der Migration ZV CH bekannten Möglichkeiten.
Bereits gegen Ende 2018 werden erste Tests mit Pilot-Banken und -Herstellern durchgeführt werden. Ungefähr Mitte 2019 werden dann die ersten Teilnehmer an dieser Plattform produktiv arbeiten.

Common API

Das Common API der SFTI lehnt sich stärker an PSD2 bzw. die Implementierung der BerlinGroup an. Gegenüber der Corporate API-Variante formuliert die Spezifikation der SFTI das API allgemeiner und überlässt die Wahl der Zielgruppe dem Service Provider. SIX hat den Entwicklungsprozess der SFTI-Spezifikation von Anfang an begleitet und wird zukünftig die Ergebnisse der SFTI-Arbeitsgruppe weiterführen.
Gut möglich also, dass sich der Entscheid ”Corporate API oder Common API” gar nicht stellt, sondern es sich als sinnvoll erweisen wird, sowohl als auch anzubieten. Mit dem passenden API-Gateway kein Ding der Unmöglichkeit.

Allen API-Initiativen gemeinsam ist die Verwendung des RESTful API. Dies bedeutet, dass Standard-HTTP-Funktionen wie GET, POST, PUT und DELETE zum Einsatz kommen. Mit dieser Technologie sind inzwischen alle SW-Hersteller vertraut, es gehört heutzutage zum Handwerk eines SW-Herstellers, Lösungen nach diesem Entwurfsmuster zu erstellen. Als Provider ist es wichtig, sein Angebot auch nach diesem Muster zu erstellen.

PPI Schweiz unterstützt Sie bei der Evaluation, Entwicklung und Implementation Ihrer API-Lösung.

Dieser Blog wurde von Rolf Zumsteg verfasst

#API #APIGateway #CorporateAPI #CommonAPI #BerlinGroup #agil #performant #innovativ #ecosystem #REST

Emotionale Attraktivität als eines der Schlüsselelemente für Kundenbindung?

Es wird Tag, es wird Nacht und nach einiger Zeit müssen auch die Junggebliebenen unweigerlich feststellen, dass man selbst und das Umfeld sich verändert haben.  Man ist älter geworden und die, die eigentlich mal ganz klein waren, stehen auf einmal mitten im Leben. Dies gilt sowohl im Privaten wie auch in der Arbeitswelt. Doch sind die „neuen Grossen“ anders als wir. Mit anderen Herangehensweisen, mit anderen Denkweisen und mit anderen Ansprüchen. Mit Blick auf den Finanzmarkt bedeutet das, dass eine neue Generation an Kundschaft angekommen ist - die Generation Z.

Die Generation Z
Die Generation Z beschreibt grob gesagt die Altersgruppe der (je nach Auslegung) ab 1995 bzw. 2000 Geborenen und stellt somit die 2. Generation der „Digital Natives“ dar. Was für die Generation X noch Atomphysik gleicht und für die Generation Y immer noch eine Art Paralleluniversum ist, ist für die Generation Z schon immer da gewesen. Sie sind die, die im Web 2.0 und damit in einer von ihnen mit Handy und Tablet gesteuerten digitalen Welt der Wischtechnik leben und aufgewachsen sind. Durch permanente Verfügbarkeit kann und wird Wissen selektiv, schnell und ohne grosse Hürden aufgebaut. In den Momenten, in denen man früher ins Lexikon schaute oder sogar den Weg in die Bücherei wagte,  helfen heute Siri und Alexa. Räumlich und zeitlich fixe Strukturen sowie ein festgelegtes Leben bieten keine Option mehr. Angetrieben durch das Verlangen immer noch ein bisschen besser zu werden und etwas zu bewegen, steht die Generation Z im Gegensatz zu dessen, was die Bankenwelt früher und auch heute meist noch darstellt.

Bank früher – Bank heute
Eine Bank war früher eine Institution. Eine Entscheidung für‘s Leben, die meistens ebenfalls auf die Kinder übertragen wurden. Die Entscheidung welcher Bank man sein Geld anvertrauen wollte, war geprägt durch Faktoren wie Nähe, Qualität, persönlichen Kontakten und Sympathie. Das Geschäft war einfach, ohne allzu viel Veränderung und Vielfalt und vor allem, es war ein „Bring Geschäft“. Wertvorstellungen, die gefühlt noch heute in den Köpfen einiger Banker und damit auch in einigen Banken vorherrschen. 

Dass dies jedoch so nicht mehr dem heutigen Bankgeschäft entspricht, lässt sich nicht abstreiten. Regulatorik, Digitalisierung, Marktöffnung und Innovation beschäftigen die Bankenwelt mehr denn je. Der späte Einstieg und die verspätete Einsicht führten bei vielen Banken dazu, dem heutigen „Standard“ immer einen Schritt hinterher zu sein. 
Trends werden heutzutage meist nicht durch Banken, sondern durch andere Player auf dem Markt gesetzt. 

Hinzu kommt, dass für viele die Modernisierung einer Bank mit der Digitalisierung und Einführung einiger Innovationen bereits umfassend abgedeckt zu sein scheint. In Zeiten, in denen jedoch FinTechs innovative und globale Finanzprodukte wie am Fliessband produzieren und eine komplette Bankbeziehung binnen Minuten gewechselt werden kann, braucht es mehr, um jüngere und zukünftige Generationen zu begeistern und zu halten. 


Emotionale Attraktivität als eines der Schlüsselelemente für Kundenbindung?
Wie schafft man es nun das für die Generation Z als steif und eingestaubt empfundene Image umzuwandeln? Ein einfaches Aufpolieren oder Digitalisieren ist wenig bedürfnisbefriedigend. Vielmehr müssen die Kernanforderungen und Ansprüche der Generation aufgenommen und umgesetzt werden.

Ein Ansatzpunkt dürfte hierbei beispielsweise unter dem Stichwort „Gamification“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Gamification) zu finden sein. Der Motivations- und Emotionsaspekt ist in der Gamification zentral und bietet gerade auch im Banking oder allgemein im Finanzbereich viele Möglichkeiten. Getreu dem Motto „alles ist ein Spiel“ gibt es bereits heute verschiedene Anwendungen, in denen z.B. die Vermögensplanung wie ein Videospiel aufgebaut ist. So lassen sich beispielsweise Aktienportfolios wie Fussballmannschaften gegeneinander antreten und Star-Investoren wie Warren Buffett in das eigene Team wählen.

Was auf den ersten Blick vielleicht etwas unseriös klingt, wird heute jedoch von diversen FinTechs erfolgreich eingesetzt. Simple Anreize können bereits über Zieldefinitionen, Fortschrittsbalken, (anonyme oder fiktive) Highscores / Ranglisten oder auch Belohnungssysteme (z.B. für Zielerreichung oder aber auch Beratungen oder Filialbesuche) generiert werden. Der Vorteil: Durch den spielerischen Zugang werden bei Kunden Emotionen geweckt und die Konsequenzen des eigenen Handelns können sichtbar gemacht werden. 

Gamification ist in diesem Sinne keine Spielerei, sondern längst ein fester Bestandteil in der Gestaltung von Online-Angeboten und - Auftritten. Für Banken bietet sich so die Möglichkeit, gerade die jungen Kundengruppen über emotionale Anreize besser an sich zu binden und auf spielerischem Weg finanzielles Knowhow zu vermitteln. 

Dennoch ist dies nicht als alleinige Lösung zu sehen, sondern vielmehr als mögliches Bindeglied zwischen den Grundbedürfnissen dieser Generation: Globalität, Vernetzung, Einfachheit, Schnelligkeit, Flexibilität und ganz besonders Wertschätzung und Sinnstiftung.
Die Kunst liegt darin, diese Bedürfnisse abzudecken und mit Motivation und emotionaler Attraktivität zu einem zukunftsfähigen Angebot zu verschmelzen.

Um den Zeitgeist zu treffen ist es jedoch elementar, dass nicht nur die digitalen Angebote und Produkte Beachtung finden, sondern auch wie man sich physisch und vor Ort verkauft. Die Zeiten sind vorbei, in denen pompöse Bauten und ein adretter Anzug mit Krawatte das Sinnbild für Kompetenz darstellten. Es braucht neue Wege, neue Konzepte und vielleicht auch bislang nicht vorstellbare Herangehensweisen, um die zu gewinnen, die wissen, dass IHNEN die Zukunft gehört. Der Weg dahin wird unweigerlich dahin gehen, junge Leute mit einzubeziehen und deren (wenn auch) unkonventionellen Konzepten offen gegenüberzustehen. Denn wer weiss besser über die Bedürfnisse, Denkweisen und Ansprüche einer Generation Bescheid, als jemand, der dieser angehört.


Dieser Blog wurde von David Lehr verfasst

#GenerationZ #Millennial #DigitalNative #Gamification #FinTech

Warum man sich als Experte im Zahlungsverkehr mit Ripple beschäftigen sollte


In diesem Blog wurde schon verschiedentlich grosse Skepsis gegenüber Blockchain-Lösungen im Zahlungsverkehr geäussert. Vor dem Hintergrund der aktuellen "Instant Payment"-Initiativen in Europa und weltweit, welche auf den klassischen Clearing- und Settlement-Systemen basieren, scheint ein auf Blockchain basierendes Zahlungsverkehrssystem aktuell nicht wirklich eine valable Alternative darzustellen (zu langsam, zu unsicher, fehlende Regulierung, mangelndes Vertrauen in Anbieter, sehr hohe Volatilität der eingesetzten Kryptowährungen etc.).

Was ist also nun anders im Fall von Ripple, respektive warum könnte Ripple tatsächlich für gewisse Anwendungsfälle eine seriöse Alternative zu den bestehenden Zahlungsverkehrsangeboten darstellen? Das offensichtlichste Unterscheidungsmerkmal gegenüber Bitcoin und Co. ist die Zusammenarbeit mit etablierten Finanzinstituten (z.B. UniCredit, Santander und Crédit Agricole), welche die Funktion des vertrauenswürdigen Gateways zwischen den Währungen wahrnehmen. Für die Schweiz wird die Grossbank UBS als Partner aufgeführt. Betrachten wir zunächst das Konstrukt Ripple als solches.

Zunächst einmal ist Ripple – XRP – eine Kryptowährung, vergleichbar mit Bitcoin, Ethereum oder Lifecoin, welche mit der für Kryptowährungen typischen hohen Volatilität im Markt gehandelt wird (aktueller Kurs ist z.B. ersichtlich auf https://www.coingecko.com/de). Daneben positioniert sich Ripple dank der Zusammenarbeit mit traditionellen Banken als verteiltes Peer-to-Peer-Zahlungsverfahren. Im Visier von Ripple sind die Angebote im internationalen grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Einem Bereich, wo Banken heute noch relativ gutes Geld verdienen.

Hinter Ripple steht auch kein typisches Open-Source Projekt, sondern die Firma Ripple Labs, Inc (www.ripple.com, ehemals Opencoin), welche das Ripple-Protokoll entwickelt. Sie wird von mehreren Investoren getragen, darunter Accenture, Andreessen Horowitz oder Google Ventures. Bei Ripple entfällt auch das typische Mining, da bereits alle XRP "premined" sind. Alle XRP-Coins sind bereits emittiert. Insgesamt wurden 100 Milliarden XRP erschaffen. Der Ertrag von Ripple besteht allein aus der erhofften Wertsteigerung der einbehaltenen XRP.

Das aus unserer Sicht interessanteste Ripple-Produkt heisst "xCurrent". Basierend auf dem sog. " Interledger Protocol" (ILP), ein (Open-Source-)Protokoll, welches das Senden von Transaktionen über verschiedene Blockchains erlaubt, betreibt Ripple unter der Marke " RippleNet" ein Netzwerk für den Austausch von Geldbeträgen unter "RippleNet"-Partner-Banken. Vereinfacht gesagt tauscht z.B. eine Bank in Europa den zu überweisenden Euro-Betrag in XRP, sendet diesen nach Amerika, wo er wiederum von XRP in Dollar umgetauscht wird. Da die ganze Transaktion nicht länger als ein paar Sekunden geht, wird das Währungsrisiko weitestgehend eliminiert.

Die eingangs erwähnte Frage nach der Compliance versucht Ripple mit einem vom "RippleNet" Advisory Board entwickelten Rulebook zu lösen. Das Rulebook gibt dabei den operativen und rechtlichen Rahmen vor. "RippleNet"-Partner verpflichten sich bei Eintritt ins Netzwerk zur Einhaltung der im Rulebook definierten Regeln. Zusammenfassend attestieren wir von PPI der Technologie (nicht der Coin XRP an sich) hinter Ripple grosses Potential, sich als "Bitcoin der Banken" im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr für Kleinbetragszahlungen als eine mögliche Alternative zu etablieren. Die Gebühren in diesem Geschäft werden mit Lösungen wie Ripple weiter unter Druck geraten. Wohl der Hauptgrund, warum Banken selbst sich aktuell so intensiv mit Ripple beschäftigen.

Dieser Blog wurde von Carsten Miehling gepostet

#Ripple #RippleNet #XRP #Blockchain #Crypto

Weist uns die Biometrie den Weg in die sichere Zukunft?

Die Biometrie hält, dank neuen und sensibleren Sensoren, seit einiger Zeit Einzug in das IT-Business, und wir möchten in dieser Ausgabe einen Blick auf existierende und vielleicht noch künftige biometrische Signatur- und Authentifizierungsmöglichkeiten werfen und die Frage aufbringen, inwiefern denn eine biometrische Authentifizierung im Bezahlvorgang Sinn macht. 

Im Retail eBanking merken die Banken schon länger, dass die Verwendung von Tan-Nummern nicht sicher genug ist um sich einzuloggen oder Zahlungen auslösen zu können, respektive keine abschliessende Sicherheit darüber gibt, welches Individuum tatsächlich hinter dem Prozess steht. Auch bei Kartenzahlungen kommt es immer wieder zu Missbrauch. Doch die Änderung des Legitimationsmittels für das Onlinebanking und bei Karten bedeutet für eine Bank oder den Kartenhersteller immer ein aufwändiges, teures, zeitintensives und alles andere als kundenfreundliches Projekt. Ein Vorgang, den man als Finanzinstitut alleine schon aus Reputationsgründen besser nicht alle paar Jahre wiederholen müssen sollte. 

Als Apple vor einigen Jahren das iPhone 5 mit der integrierten Touch-ID (https://de.wikipedia.org/wiki/Touch_ID)auf den Markt brachte, ging – unterstützt durch die Snowden-Affäre – ein Aufschrei über die Lippen der Datenschützer. Mittlerweile spricht aber kaum mehr jemand über die Touch-ID, der Prozess ist etabliert und wird auch von vielen Apps als Authentifizierungsmerkmal akzeptiert und verwendet. 

Seit es im Internet jedoch immer mehr Anleitungen gibt, wie man Fingerabdrücke fälschen und Devices und Apps damit entsperren kann, setzt Apple bei den jüngeren Ausführungen des iPhones auf die Face-ID. So bekommt der Nutzer quasi spielerisch mit einem Lächeln Zugang zu seinem Smartphone. 

Während Apple das Gesicht scannt, setzen die Banken bisher zum Identifizieren der Kunden auf eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Man kombiniert also nach Möglichkeit etwas, das der Kunde hat (z.B. eine Bankkarte) mit etwas, das er weiss (z.B. einen Code) oder neuerdings, wie eben erwähnt, auch mit etwas, das er ist (z.B. seinem Fingerabdruck). So weise ich mich also in einem herkömmlichen Zahlungsprozess mit einer Karte inkl. PIN oder wie bei Apple-Pay mit einer Karte und meinem Fingerabdruck aus. 

Oberstes Gebot dabei ist natürlich die Sicherheit. Und diese konnte in der Vergangenheit bei diversen Systemen mehrfach gehackt oder auf andere Weise ausgehebelt werden. So sind Überlegungen, wie denn die Sicherheit erhöht werden kann, durchaus legitim. Bei der Suche nach eindeutigen menschlichen und fälschungssicheren Merkmalen kommt man dabei rasch auf die weiterführende Biometrie. Der Vorteil einer biometrischen Identifikation, liegt auf der Hand: der Kunde kann mittels persönlicher, individueller Körpermerkmale eindeutig bestimmt werden – Fingerabdrücke zählen hier nicht mehr dazu aus den oben genannten Gründen. Darüber hinaus können die biometrischen Daten vom Kunden nicht vergessen oder verloren werden, was durchaus im weiteren Verlauf zu einer Aufwandsminderung auf der Bankseite führen kann. Klingt also nach einer Win-win-Situation, sowohl für die Bank wie auch für den Kunden, der an Sicherheit gewinnt. 

Was also lässt die Banken zögern, hier Nägel mit Köpfen zu machen? Erst einmal sehen sich die Finanzdienstleister der simplen Frage gegenüber, welche Art der biometrischen Authentifizierung überhaupt sicher und zur Freigabe welcher Prozesse geeignet ist. Ist es das individuelle Tipp-Verhalten des Kunden oder möchte man doch lieber das Abbild seines Ohres scannen oder vielleicht die Iris? - Wer sich inspirieren lassen möchte, soll sich bitte folgende Liste (https://www.biometricsinstitute.org/types-of-biometrics) anschauen. Selbst der Herzschlag weist offenbar individuelle Merkmale auf und lässt somit den Rückschluss auf die Person eindeutig zu. Mit welchen Devices aber sollen diese Daten erhoben und geprüft werden? Reicht es aus, sich der Sensoren in den Smartphones und vielleicht der Apple Watch zu bedienen? Oder braucht es neuartige Geräte um den Herzschlag zu prüfen oder das Gesicht auch für bankeigene Dienstleistungen zu scannen? Und macht es für die Bank Sinn, sich von Geräten und Herstellern wie Apple oder andere grossen Brands abhängig zu machen, oder anders gefragt: Welche Alternativen haben sie überhaupt?

Unabhängig von der Methode, für die sich ein Finanzdienstleister entscheiden mag, geht es in erster Linie auch darum, die Daten sicher zu verwahren und in Echtzeit verarbeiten zu können. Hierzu müssen sich die Banken wohl noch stärker digitalisieren, dynamischer werden und im IT-Bereich zukunftgerichtetes Knowhow aufbauen. 

Wer weiss, vielleicht wird es in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein, einer Zahlungssaufforderung mit dem Blick in die rechte obere Brillenecke nachzukommen, oder mittels eines Chips im Ehering, der die Echtheit unseres Herzschlages bestätigt oder uns mittels der Analyse des Körperduftes identifiziert. 

Die Technik ist heute schon so weit, dass wir solche Prozesse umsetzen können. Die Kostenstruktur wird vorläufig ein Thema bleiben, aber am Kundenwunsch nach Einfachheit und dennoch mehr Sicherheit wird sich auch künftig nichts ändern und das ist auch im Eigeninteresse der Bank. Wer simple und sichere Lösungen anbieten kann, ist vorne mit dabei. Meist gehen aber Sicherheit und ‚keep it simple’ nicht reibungslos miteinander einher. Und den Faktor, den die Entwickler gerne vergessen, ist die Gesellschaft. Sind wir grundsätzlich bereit, für mehr Sicherheit die letzten individuellen Geheimnisse zu opfern und noch gläserner zu werden? Die Zukunft wird’s zeigen, und die gestalten wir als Gesellschaft bekanntlich selber. 

Dieser Blog wurde von Matthias Hungerbühler gepostet

#Biometrie #Authentifizierung #Onlinebanking #eGesellschaft #Identifikation

Die Forderung eines Transhumanisten an seine Bank

Wir publizieren an dieser Stelle öfter Beiträge, in denen wir das Thema Payment inkl. der entsprechenden Formate aus Sicht der Banken betrachten. Heute möchten wir den Blick jedoch auf den Endnutzer legen, denn nicht nur die Banken, sondern auch deren Kunden verändern sich. Bis anhin war es den Banken und einigen Fintechs vorbehalten neue Anwendungen hervorzubringen. Die Frage ist aber, wie flexibel sind die Finanzinstitute, wenn es andersherum läuft, wenn nämlich der Kunde ein neues Anwendungsfeld fordert? 


Wir hatten das Vergnügen, uns mit dem Transhumanisten Mike Schaffner unterhalten zu können. Transhumanisten bezeichnet man in der hollywood'schen Science Fiction Terminologie auch als „Cyborgs“. Menschen also, die den eigenen Körper mit der Technik verschmelzen. Sie wollen ihre Fähigkeiten dadurch erweitern, ihren Alltag erleichtern und eines Tages vielleicht sogar dem Tod trotzen können. Mike Schaffner ist Campusleiter für hochbegabte Jugendliche, ist seinerseits selber hochbegabt, arbeitet bei mehreren Startups mit, teils als Angestellter, teils als Mitgründer, ist nebenher noch Barkeeper und verdient sich was mit Daytrading von Cryptocurrencies dazu. Einen Uniabschluss hat er nicht, aber als Hochbegabter holt er sich aus purem Interesse an der Uni einfach das Wissen, das er braucht. Dazu gehören Vorlesungen in Medizin genauso wie solche in den Fächern Mathematik, Informatik oder Physik. 

Guten Tag Herr Schaffner,  Sie wirken auf mich durchaus menschlich, was ist anders an Ihnen?
(lacht) Ich glaube im Grossen und Ganzen nicht viel, ich habe in meinen Händen im Moment vier Implantate, zwei davon sind rein für die erweiterte Wahrnehmung und zwei Mikrochips für die Drahtloskommunikation.

Den ersten Chip haben Sie sich bereits vor einigen Jahren unter die Haut setzen lassen, zwischen Daumen und Zeigefinger, inwiefern bereichert dieser Chip heute noch Ihr Leben, was können Sie damit machen?
Der erste Chip, den ich mir einsetzen lassen habe, ist im Moment noch mein Hausschlüssel. Mittlerweile hat er keine andere Funktion mehr. Ich halte also zuhause meine Hand an die Türe, das Schloss reagiert und springt auf. 

Und das können nur Sie, kann man das nicht hacken?
Man könnte das vermutlich schon hacken, es ist jedoch ein Kaba-Schloss und ich denke, dass das Hacken relativ aufwändig wäre.

Und diesen Chip haben Sie von Kaba direkt bekommen?
Nein, den habe ich von Dangerous Things aus dem Internet. Das ist einer der grossen Chiphersteller für den Menschengebrauch. Ich habe ihn mir dann zuhause am Küchentisch selber eingesetzt und danach entsprechende Applikationen gesucht, mit denen ich ihn betreiben kann. Früher nutzte ich ihn aber auch z.B. um mein Smartphone und meinen Computer zu entsperren, das war noch vor der Zeit mit Face-ID und Fingerprint. So hatte ich damit zum Beispiel Zugang auf mein grosses Passwortfile, wo sämtliche Passwörter, teilweise mit über 40 Zeichen, hinterlegt waren. Sobald ich das File mit dem Chip öffnete, wurde das registriert und das entsprechende Passwort automatisch abgefüllt. 

Also eine extreme Erleichterung im Arbeitsalltag, die man sich z.B. auch im Büro vorstellen könnte?
Absolut, ja. Im Büro kann man das natürlich easy auch über einen Badge lösen, den man auf sich trägt. Da besteht dann aber immer noch die Gefahr, dass er geklaut wird, ich ihn zuhause vergesse oder unterwegs verliere. Mit den Implantaten könnte man überhaupt alle Badges ersetzen. Der Chip ist in der Hand und ist safe. Beim Stellenwechsel wird das Implantat einfach neu überschrieben. Man kann einerseits Daten draufladen, wie z.B. die Visitenkarte, Informationen über die Blutgruppe, etc. oder man nutzt die chipeigene ID, die man in der Datenbank mit weiteren Informationen verknüpfen kann. D.h. ich kann diese ID bei der SBB, beim Arbeitgeber oder wo auch immer hinterlegen und werde darüber somit als ICH identifiziert. Ich brauche also all die Daten nicht auf dem Chip direkt, sondern die Chip-ID ersetzt das. Die Datenbank der SBB müsste somit lediglich um ein einziges Feld, das die Chip-ID enthält, erweitert werden und ich wäre im Handumdrehen GA-tauglich (lacht). So hätte ich den Swisspass immer bei mir und er könnte mit den gleichen Geräten, die die Kontrolleure heute bereits im Einsatz haben, gelesen werden.

Was war der Auslöser, dass Sie sich entschieden haben, Ihren Körper mit technischen Hilfsmitteln zu erweitern?
Das hat bei mir schon als Kind angefangen, als ich die Serie „The 6 Million Dollar Man“ gesehen hatte und völlig fasziniert war von der Idee, Mensch und Maschine zu kombinieren. Ich war grundsätzlich immer ein riesiger Comic Fan und interessierte mich seit je her für Superfähigkeiten. Schliesslich sind die Chips unter meiner Haut im Moment die einzige Möglichkeit, wie ich mich dieser Faszination nähern kann. 


Als einer von vielen tausend Transhumanisten weltweit, wie selbstverständlich ist es da, sich mit der Community auszutauschen? Suchen Sie diesen Austausch aktiv oder beantworten Sie einfach Fragen, falls jemand auf Sie zukommt?
Sowohl als auch. Ich beantworte gerne Fragen. Für mich ist es vor allem wichtig, meinen Standpunkt gegen aussen zu vertreten und erklären zu können, warum ich das Ganze mache. Andererseits gibt es innerhalb der Community auch einen sehr spannenden und regen Austausch, weil ganz unterschiedliche Sichtweisen darin vertreten sind. Da finden sich Biologen, Techniker, Mediziner, Neuroprothetiker, Enthusiasten, und und und. Viele von ihnen basteln und forschen auch selber. Dadurch ist die Community sehr aktiv. Ich selber arbeite zum Beispiel gerade an einem Blutkraftwerk, das in die Blutbahn eingesetzt werden und Strom für gewisse Anwendungen produzieren kann, damit keine Batterien verpflanzt werden müssen. Wir sprechen hier aber natürlich von ganz tiefen Stromspannungen. 

Für die kleinen Chips?
Nein, die kleinen Chips sind passiv. Gedacht ist die Stromversorgung für etwas grössere Gerätschaften wie Bluetooth- oder Wlan - fähige Anwendungen. Hier braucht es ein Minimum von 1.5 Volt Spannung.

Inwiefern machen die implantierten Chips Sie besser als uns herkömmliche Menschen? 
Ich würde nicht sagen, dass mich meine Chips besser machen, aber sie machen mein Leben etwas bequemer. Die beiden Magnete, die unter meiner Haut stecken sind ganz klar eine Sinneserweiterung. Ich besitze also einen Sinn mehr und kann damit elektrische Felder spüren. Z.B. erkenne ich damit bei mir zuhause, wie die Stromleitungen unter den Wänden verlaufen. Die Chips unter der Haut wiederum ersetzen Karten- oder Batchanwendungen und machen meinen Alltag somit bequemer, weil ich bei Bedarf nicht immer die richtige Karte hervorholen muss und sie auch nicht verlieren kann. 

Sie gestalten Ihre eigene Evolution, aber mit dem rasanten Fortschritt der Technik altern diese Chips eigentlich rascher als Sie. Ich nehme an, es gibt mittlerweile viel leistungsfähigere Chips auf dem Markt als die, die Sie unter der Haut tragen.
Ja, absolut, es gibt leistungsfähigere Chips. Die sind etwas grösser und müssen dann auch von Experten mit Skalpell eingesetzt werden. Die kleineren kann ich mir aber selber einpflanzen, das ist überhaupt kein Problem.  Ich hatte auch einen grösseren implantiert, das sieht man hier (zeigt seine Hand mit Narbe), aber den musste ich nach vier Monaten wieder entfernen. Ich vermute, dass sich nicht beim Einsetzen sondern viel später Bakterien darauf ablagern und gedeihen konnten.  Das Gewebe drum herum entzündete sich auf einmal. Diese Sepsis-Gefahr besteht, wie auch bei Piercings oder bei Ohrringen, eigentlich immer. Das Risiko ist jedoch sehr gering. Ich hatte einfach Pech, denn die Entzündung war bei mir so heftig, dass mich das fast die Hand gekostet hätte.

Das hält Sie aber nicht davon ab, weiterzumachen?
Nein im Gegenteil, als ich im Spital war, habe ich auf meinem Handy bereits nach guten Handprothesen gegoogelt (lacht). Nein, im Ernst, der nächste Chip ist bereits geplant. Ich wünsche mir einen Chip mit Bezahlfunktion. Gerade arbeiten wir daran, einen neueren Chip von Master Card zertifizieren zu lassen und ich hoffe sehr, dass uns das gelingt. Damit suchen wir dann eine Bank, die uns die Möglichkeit gibt, den Chip entsprechend als Kreditkarte einzusetzen.

Ist das eine weltweite Bestrebung oder agieren Sie hier diesbezüglich nur in der Schweiz?
Ich probiere es natürlich hier in der Schweiz. Mir ist nicht bekannt, wer das evtl. in anderen Ländern versucht. Ich muss davon ausgehen, dass der Chiphersteller auch an einer ähnlichen Lösung arbeitet, aber das geht mir zu langsam, deshalb versuche ich das selber voranzutreiben.  
Interessanter für mich wäre es jedoch, wenn ich eine Bank finden kann, die es mir erlaubt, den NFC-Chip der EC-Karte unter meine Haut zu setzen. So könnten die Einkäufe direkt dem Konto belastet werden, ohne den Umweg über das Kreditkarteninstitut. Ich war diesbezüglich mal in Kontakt mit der UBS, die hatten aber kein offenes Ohr für mein Anliegen. Ich verstehe auch nicht, warum daraus so ein riesen Ding gemacht wird. Ich bitte die Bank lediglich darum, dass sie den NFC-fähigen Chip nicht in meine EC-Karte setzen, sondern mir zukommen lassen. Dann kann ich ihn mir implantieren. Und wenn die Bank Bedenken hat wegen der Sicherheit, dann können sie mir den kontaktlosen Freibetrag von CHF 40.- gerne auf 0.- runtersetzen. So habe ich immer die 2-Faktor Identifikation und müsste jedes Mal beim Bezahlen meine PIN eingeben. Das würde ich auf mich nehmen, wenn ich dafür meine Brieftasche zuhause lassen kann. 

Können Sie sich vorstellen, dass die PIN mittelfristig ersetzt wird durch biometrische Faktoren?
Eigentlich nicht, denn Fingerabdrücke können relativ einfach gefälscht werden und es ist aufwändiger, jedes Mal an der Kasse die Iris scannen zu lassen als einfach die PIN einzugeben. Trotz Fortschritt soll der Vorgang anwenderfreundlich bleiben. 

Wo sehen Sie die Gefahr dieser Bestrebung, dass der Mensch zur Maschine wird? Wenn zum Beispiel Prothesen auf den Markt kommen, die viel stärker sind als ein herkömmlicher Arm... Wo hört das für Sie auf?
Das ist schwierig zu sagen. Ich möchte so gut wie möglich sein, d.h. wenn ich eine Prothese habe, die bessere Möglichkeiten bietet als das biologische Original, dann sehe ich rational keinen Grund an meiner Biologie festzuhalten. Ich bin sofort bereit meine Gliedmassen zu ersetzen, wenn ich dafür technisch überlegene Gerätschaften bekomme, die mir mehr Möglichkeiten bieten.  

Was glauben Sie, wie lange dauert es, bis die Neuroprothetik soweit ist? 
Es gibt heute bereits erste Matten, die ein „Gespür-Feedback“ zurück ans Hirn liefern können. Damit überziehen sie nun Prothesen. Ich gehe davon aus, dass wir bereits in ca. zehn Jahren soweit sind, dass die Prothesen der Biologie in nichts mehr nachstehen. 

Es gibt drei wichtige erklärte Ziele der Transhumanisten, die es zu erreichen gilt. Diese sind: Super Langlebigkeit, super Intelligenz und super Lebensqualität. Wann glauben Sie kann unsere Gesellschaft das erreichen?
Es wird immer Leute geben, die die Neuerungen, die unter anderem Transhumanisten anstreben, nicht mittragen. Das sieht man auch bei anderen Themen. Sobald etwas anders daherkommt als sich das die Mehrheit gewohnt ist, wird es prinzipielle erstmal abgelehnt oder seltsam angeschaut. Das braucht sehr viel Zeit um da eine Veränderung in den Köpfen herbeizuführen. Aber letztlich will niemand von uns sterben. Und wenn es uns gelingt, Möglichkeiten zu schaffen, die das Sterben hinauszögern, dann haben plötzlich alle Interesse daran, das kann dann sehr schnell gehen. Vielleicht wird dann auch die Ökologie wieder viel wichtiger werden, weil wir viel länger leben und dem Planeten Erde dadurch mehr Sorge tragen müssen. Der Planet muss dann sauber sein, weil wir viel länger hier sind. Das wiederum wird zu mehr Lebensqualität führen, was durchaus willkommen ist, wenn man einen Zeithorizont von vielleicht 200 oder sogar 400 Jahren hat. 


Zu unserer Leserschaft gehören viele Banker, wenn wir nochmal zurückgehen zu Bankdienstleistungen, wie sieht die optimale Bank für einen Transhumanisten aus?
Die optimale Bank...? Im Moment würde es –wie bereits erwähnt- sehr viele Leute, die ich kenne, glücklich machen, wenn sie sich einen Bezahlchip unter die Haut setzen könnten. Das ist schliesslich sehr naheliegend. Ich nehme aber an, dass es noch einige Möglichkeiten gibt, das Banking effizienter zu machen. Zum Beispiel gibt es ein Unternehmen in London, das mit Fiat-Währungen auf Blockchainbasis arbeitet. Sie machen damit Realtimetransaktionen möglich, resp. brauche ich kein Geld mehr zu wechseln, wenn ich ins Ausland reise, sondern kann einfach meine Kontowährung realtime in die des Ziellandes wechseln und vor Ort ganz normal mit der Karte bezahlen oder Bargeld beziehen, wie zuhause auch. Wenn das die Grossbanken adaptieren würden, wäre das sicherlich für viele Menschen ein Mehrwert. Das hat aber nicht zwingend was mit Transhumanisten zu tun. 

Könnten Sie sich auch vorstellen, Ihre Bitcoin-Wallet unter der Haut zu tragen?
(lacht) Das hatte ich bereits 2013. Damit habe ich dann in Holland bezahlt. Der Bezahlvorgang dauerte halt einige Zeit, aber es war ein lustiger Gag. Man muss jedoch anmerken, dass der Bitcoin-Kurs damals noch wesentlich tiefer lag als heute (lacht). 

Herr Schaffner, ganz herzlichen Dank für dieses Interview.  


PS: Wir von PPI Schweiz würden uns sehr freuen, wenn wir eine Bank mit Herrn Schaffner zusammenbringen könnten, die das Experiment mit dem EC-Chip unter seiner Haut mit ihm wagt oder zumindest Möglichkeiten prüft. Grosse Medienwirksamkeit und somit Gratis-PR für das Finanzinstitut wagen wir zu garantieren.


Dieses Interview wurde von Matthias Hungerbühler geführt

#TransHumanism #Cyborg #RFID #eGesellschaft

Optimierungspotenzial im Rechnungsstellungsprozess

Die Digitalisierung in der Finanzindustrie schreitet voran. Dies zeigt auch ein Blick auf die Swisscom Fintech Map, welche derzeit alleine in der Schweiz 270 Startups im Finanzbereich zählt. Wie es der Name schon vermuten lässt, treten viele dieser Fintechs im Markt als Konkurrenten der Banken und Versicherungen auf. Einige mit völlig neuen, zuvor noch nicht gesehenen Geschäftsmodellen, andere mit Offerings, die jenen der Banken zumindest sehr ähnlich, allerdings modern verpackt sind.

Eine Bank muss sich und das eigene Geschäftsmodell also stets hinterfragen und die Strategie entsprechend ausrichten. Schliesslich knabbern nicht nur die neuen Fintechs an den Margen, sondern natürlich auch die etablierte Konkurrenz, die genauso wie das eigene Institut wachsen will. In einem Verdrängungsmarkt wie der Finanzindustrie führt dies zwangsläufig zu tendenziell sinkenden Einnahmen.

Dass die Digitalisierung mit ihren Optimierungspotenzialen auch für Banken der Weg der Zukunft ist, hat man längst erkannt. Die Umsetzung dieser Digitalisierungsstrategie gestaltet sich dann aber bei jedem Finanzinstitut unterschiedlich. Während sich viele Institute mit der Automatisierung ihrer Prozesse beschäftigen, ist eine andere Möglichkeit sich deren allenfalls gar zu entledigen. So verkündete beispielsweise jüngst die Commerzbank, dass sie inskünftig den Zahlungsverkehr an Equens Worldline auslagert. Einen Schritt den auch andere Banken machen könnten, meint Michael Steinbach, CEO von Equens Worldline. Die Institute müssten in den nächsten Jahren viel in den Zahlungsverkehr investieren, da zum einen neue Inititativen wie Instant Payments anstehen und zum anderen die ZV-Infrastruktur der Banken teilweise veraltet sei. Drittanbieter wie Equens Wordline hingegen verfügten über die notwendige moderne Infrastruktur und können mit dem Gewinn von Partnerschaften, wie jene mit der Commerzbank Skaleneffekte nutzen. Die CoBa hingegen sieht den Zahlungsverkehr also nicht mehr als eine Kernkompetenz an, die man den Kunden aus eigener Hand anbieten will.

Wäre aber nicht auch der umgekehrte Weg denkbar? Dass eine Bank ihre Dienstleistungen und damit ihr Geschäftsmodell im Zuge der Digitalisierung erweitert und ihren (Firmen-)Kunden Angebote zur Verfügung stellt, die über die bisher üblichen Zahlungsverkehrsdienstleistungen hinausgehen?

Schliesslich mussten sich die Schweizer Unternehmen in den letzten Jahren im Zuge der Harmonisierung im Zahlungsverkehr mit ihren langjährig etablierten Prozessen befassen und konnten in diesem Zusammenhang idealerweise gleich weitere Optimierungspotenziale identifizieren. Man dürfte also auf offene Ohren stossen. Optimierungspotenziale sehen wir hier zum Beispiel unter anderem im Rechnungsstellungsprozess und dem damit verbundenen Debitorenmanagement. 

Eine Bank könnte sich doch nun überlegen, ob sie mit ihrem Know How aus dem Zahlungsverkehr und der Reportingerstellung ein neues Offering im Bereich der Rechnungsstellung und dem Debitorenmanagement erarbeiten kann. Mit einer effizienten und konstengünstigen Lösung in diesem Bereich könnte man die Partnerschaft zu den eigenen Kunden weiter vertiefen und diesen zusätzlich administrative Aufwände abnehmen.

Aber sehen die Unternehmen überhaupt einen Mehrwert darin einen Teil, oder gar ihren ganzen Rechnungsstellungsprozess und/oder das Debitorenmanagement auszulagern? Und falls ja, wer käme in einem solchen Fall als Partner in Frage?

Helfen Sie uns diese Frage zu beantworten und nehmen Sie sich für unsere Umfrage zu diesem Thema bitte 3-5 Minuten Zeit. Wir würden uns über eine rege Teilnahme freuen! 


Für Sie gebloggt hat Matthias Schöpp


#Digitalisierung #StartUp #FinTechs #Rechnungsstellungsprozess #Reporting #ZVInfrastruktur