„Wissen ist das Einzige was sich verdoppelt, wenn man es teilt“

Was haben die Buzz-Wörter Blockchain, Ökosystem, Crowdfunding, Crypto-Currency und Robo-Advisory gemeinsam? Sie alle werden immer wieder in Verbindung mit der FinTech und Startup Szene gebracht und gehören zum guten Ton bei jeder Veranstaltung. Um den Begriff FinTech hat sich vor allem in den letzten Jahren ein wahrer Hype entwickelt. Nicht nur im Silicon Valley oder in Singapur spriessen FinTech Unternehmungen aus dem Boden, auch die Schweiz ist in einem echten FinTech-Fieber. Die Startup Map von Swisscom und e-foresight umfasst im Oktober 297 verschiedene Startups innerhalb der Schweiz. Swissquote spricht davon, dass sich bereits 10% aller europäischen FinTech Unternehmen in der Schweiz befinden, von denen 46% allein in Zürich ansässig sind. Die Tätigkeitsfelder reichen vom Asset Management über Crowdfounding bis hin zu Payments und Insurance. 30% von allen Schweizer FinTechs bieten dabei finanzorientierte Leistung an. Es wundert daher auch nicht, dass FinTechs immer wieder als Gefahr für das traditionelle Bankengeschäft und damit die Banken definiert werden. Doch schaut man auf das berühmte Ökosystem, braucht es FinTechs genauso wie Banken.


Der Swiss FinTech Day am 16 Oktober im UBS Grünenhof hat gezeigt, wie FinTechs und Banken voneinander profitieren und in einer Co-Creation gemeinsam Erfolge erzielen können. Das Flagship Event, welches durch die Swiss Finance Startups Vereinigung organisiert wurde, präsentiert sich modern und frisch und prägt selbst in der Agenda die Koexistenz von Banken und FinTechs. Zwischen verschiedenen Vorträgen und Panels zu Themen wie eID, Corporate API und Cyber Sicherheit, präsentieren Startups in mehreren Pitch-Runden immer wieder ihre Geschäftsideen. Revolutionär und ganz neu in der Schweiz ist die Messe am Nachmittag. Neben parallellaufenden Vorträgen auf der Hauptbühne haben die Gäste die Möglichkeit in der Exhibition Area mit über 45 FinTech Ausstellern in Kontakt zu treten. Ein gelungener Anlass der ohne das „Ökosystem“ nicht möglich gewesen sei, wie Christina Kehl (Co-Founder vom Swiss Finance Startups) in ihrer Eröffnungsrede betont.

Doch was bleibt von der ersten FinTech Messe in der Schweiz?

Der Swiss FinTech Day ist nicht einfach noch eine FinTech Veranstaltung unter vielen. Er hat gezeigt, dass das Thema FinTech mehr als nur ein Hype zu verstehen ist. Hinter dem Begriff verbergen sich Ideen und Wünsche, konkrete Chancen und Möglichkeiten sowie Firmen und Charaktere, die die Finanzbranche und die Schweiz bewegen und langfristig verändern werden. Worauf man sich jetzt konzentrieren möchte, sei jedem selbst überlassen – zu vielseitig ist das Themenfeld auf das wir hier blicken – als dass man alles im Blick behält. Ich möchte daher auf drei Aussagen etwas näher eingehen, die für mich von Bedeutung waren.

"Jeder sollte eine SwissID eröffnen, weil dies die Zukunft ist " | (Markus Naef SwissSign)

Estland und Holland haben es vorgemacht und die Schweiz zieht nach und versucht nun mit der SwissID im zweiten Anlauf eine einheitliche eID zu etablieren. Doch geht das Rezept von SwissSign auf? Ist die Plattformlösung zielführend oder wäre eine Schema-Lösung wie in Holland besser geeignet? Wie können sowohl Händler als auch Nutzer überzeugt werden, sich der SwissID anzuschliessen? Wie steht es mit der Interoperabilität für die verschiedenen nationalen und weiterführend internationalen Institutionen? Ist das Vertrauen gross genug und natürlich wie stark lassen sich die eigenen Daten kontrollieren? Diese und weitere Fragen stehen im Raum und es fällt schwer klare Antworten zu geben.



Fakt ist: das Thema und SwissSign nimmt an Bedeutung zu. Markus Naef spricht von 100 Anwendungen in 2019 für die SwissID. Das beginnt beim Kauf des Computerspiels und endet mit der Signatur für die Steuererklärung. Sowohl am Digital Switzerland Day im Hauptbahnhof am 25.10, als auch später am Nachmittag beim Top Event von PPI Schweiz wird das Thema eID eine wichtige Rolle spielen. Melden Sie sich jetzt noch schnell an.


„Die Schweiz braucht ein Open API Standard“ | (Dejan Juric, SIX Group)


Nichts müssen aber alles dürfen. Das ist der Grundtenor in Bezug auf das Thema Open API. Anders als in der EU sind die Schweizer Banken nicht dazu verpflichtet eine Schnittstelle an Drittanbieter (sogenannte TTPs) anzubieten und doch liegt genau dort das Potential. Denn vor allem sind Startups, wie Christina Kehl betont, die Keimzelle für technische Innovation. Open API ist mehr als nur das technische Bindeglied zwischen Bank und FinTech, gemäss Patrick Hunger, CEO Saxo Bank, kurbelt die Öffnung der Kanäle den Wettbewerb an. Nur so kann eine Entwicklung stattfinden. Es sei in der Schweiz fast schon zwingend notwendig, dass alle Banken eine API anbieten und bestenfalls nach einem und demselben Standard, denn wenn es die Schweiz nicht schafft eine API zu entwickeln, dann macht es am Ende jemand anderes. Auch Dejan Juric von SIX Group ist dieser Meinung und betont, dass es ein Open API Standard braucht und daher auch die Common und Corporate API Initiativen miteinander harmonisieren müssen und werden. Mehr zu dem Thema Open API hatten wir vor einigen Wochen bereits bei uns im Digital Finance Experts Blog.

"Digitalisierung als Gamechanger" (Manuel Nappo, HWZ)

Manuel Nappo bringt in seiner KeyNote „Be more Alfred – die Schweiz hatte ihren Elon Musk bereits vor 150 Jahren“ wohl den wichtigsten Erfolgsfaktor in Bezug auf FinTechs und Startups zur Sprache. Die Rede ist vom Mindset – von der generellen Grundhaltung gegenüber Veränderungen – vom Mut zu sagen „YES, why not!“ anstatt „YES, BUT…“. Er sieht die Digitalisierung als Gamechanger an, die etwas was vorher knapp war, verfügbar macht, auch wenn das manchmal etwas Geduld braucht. Denn obgleich wir in einer sehr schnelllebigen Zeit sind, braucht eine solche Veränderung natürlich Zeit. Wer würde schon seiner 7-jährigen Tochter vorwerfen, dass sie den Witz oder den Sachverhalt nicht versteht? Siri ist auch nicht viel älter, aber es gilt abzuwarten was passiert, wenn Siri nach der Matura in 10 Jahren zur Uni kommt. Es sind Gedanken die richtig und wichtig sind, wenn man über Change und Digitalisierung spricht – auch wenn dabei der kleine Faktor Geld eher etwas zu kurz kommt... aber da wären wir schon wieder beim „BUT“.

Es wäre falsch, die Startup- und Fintech-Szene zu belächeln und gewisse Geschäftsideen als Spinnerei abzutun oder ihnen nachzusagen, dass diese Anwendungen niemand braucht. Protektion des alten Systems ist hier fehl am Platz. Und wer von uns was wann braucht, das entscheidet alleine der Markt und somit wir Konsumenten. Hätten Sie vor zehn Jahren vielleicht gedacht, dass ein Grossteil der Erdbewohner gerne Fotos mit der Weltgemeinschaft teilt (vgl. Instagram)? Oder dass ein digitaler Taxidienst bald für ca. 120 Milliarden Dollar an die Börse geht (vgl. Uber)? Solche Beispiele zeigen, dass es sinnvoll ist, wenn die Schweiz weiter an der Standortattraktivität für Startups und Fintechs arbeitet und die hiesigen Banken darin Chancen sehen und weiter mit den verschiedenen StartUps zusammenarbeiten.  Denn Wissen ist eben das einzige was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Dieser Blog wurde von Florian Stade gepostet.

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