Jahresrückblick 2017

Liebe Leserinnen und Leser, kein Jahresende ohne eine Art von Rückblick. Ein kurzes Reflektieren, welche Themen uns Anfang des Jahres beschäftigt haben und was daraus geworden ist.

Das Thema, das vor allem international in den letzten Tagen für Schlagzeilen sorgte, war die Kryptowährung Bitcoin, beziehungsweise deren Höhenflug zum Jahresende. Der Bitcoin begann das Jahr mit einem Kurs von CHF 986.10 und erreichte bis zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Beitrages den zwischenzeitlichen Höchstpunkt am 7. Dezember mit einem Kurs von BTC-CHF 17'191.67. Beflügelt wird der Anstieg seit Wochen vor allem durch die Ankündigung der renommierten Chicagoer Terminbörse CME, künftig Terminkontrakte für Bitcoins anzubieten. Am Montag, 10. Dezember, startete der erste Bitcoin-Future an der US-Derivatebörse CBOE. Und natürlich ruft ein solcher Kursanstieg auch all die Warner auf den Plan, die Crash, Absturz und Verluste erwarten. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung des Bitcoins und dessen Börsenprodukten.
Im Schatten von Bitcoin haben auch andere Kryptowährungen in diesem Jahr beachtliche Kursgewinne erzielt. Allen voran Ethereum, der mit einem Kurs von ETH-CHF von 12.08 startete und am 29. November seinen bisherigen Höchststand von 506.09 erreichte.

Entsprechend war Blockchain in aller Munde. Waren es zu Beginn des Jahres eher noch Ideen und Gedankenspiele, konkretisierten sich diese im Verlaufe des Jahres und es wurden Projekte, Produkte und reale Angebote daraus.
So gründete Swisscom ihre Blockchain AG (http://blockchain.swisscom.ch/)  und bietet über diese Plattform Blockchaininfrastruktur und -Lösungen Dritten an. Weitere Themen in diesem Zusammenhang sind ausserbörsliche Handelsplattformen und digitale Aktien.
Auch die UBS ist mit Batavia, ihrer zusammen mit IBM entwickelten Handelsfinanzierungsplattform auf Blockchain-Basis, einen grossen Schritt weitergekommen und hat in diesem Jahr vier weitere Banken mit an Bord holen können. Es sind dies die Bank of Montreal, die spanische CaixaBank, die Commerzbank und die in Wien ansässige und in Zentral- und Osteuropa tätige Erste Group.

Ein Thema, welches uns dieses Jahr auch beschäftigte, ist die digitale Identität. Marco Vosseler schrieb im März dazu den Blog http://digital-finance-experts.blogspot.ch/2017/03/mit-der-eid-zur-elektronischen-identitat.html. Darin ging es um die Bestrebungen des Bundes zur Schaffung der gesetzlichen Grundlagen für die elektronische Identifizierung sowie um Gedanken, wie die Akzeptanz und Verbreitung der eID gefördert werden kann.
Im November wurde nun mit der Gründung der SwissSign AG ein grosser Schritt für eine breit abgestützte Lösung gemacht. An dieser Lösung beteiligen sich Die Post und SBB, welche ihre SwissID in die SwissSign AG einbringen, sowie Swisscom, Credit Suisse, Raiffeisen, UBS, Zürcher Kantonalbank, SIX und die Schweizerische Mobiliar. Die Lösung stützt sich auf die vom Bund vorgegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen und stellt den Datenschutz und die Rechte der Anwenderinnen und Anwender ins Zentrum.

Und natürlich beschäftigten uns die Themen rund um den Zahlungsverkehr. So sieht sich der Finanzplatz noch immer in den Fängen der „Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz“, doch wie schon Marie Curie 1894 in einem Brief an ihren Bruder schrieb: „Man vergisst, was schon getan wurde, man sieht nur, was noch getan werden muss.“.
Wie die SIX in ihrer Medienmitteilung vom 6. Dezember 2017 schrieb, haben 208 Banken die Umstellung auf ISO 20022 abgeschlossen und somit sind alle Teilnehmer am SIX Interbank Clearing Zahlungssystem bereit für den nächsten Schritt. Rund 600'000 Firmen und mehrere Millionen Privathaushalte müssen aufgeklärt, begleitet und bis Ende Juni 2018 migriert werden. Technologisch ist die Kunden-Bank-Verbindung bei den meisten Banken umgesetzt und würde den Kunden zur Verfügung stehen. Allerdings sind viele Kunden noch nicht migriert, der Kundenmigrationsstand bei den meisten Banken ist erst im einstelligen Prozentbereich. In diesem Bereich muss in den nächsten Monaten mittels Kommunikation, Schulung, Begleitung und technischer Unterstützung noch einiges getan werden, sollte das Ziel 30. Juni 2018 erreicht werden.

Ein weiteres Thema, welches den Finanzplatz dieses Jahr bewegte, ist die QR-Rechnung, welche in diesem Jahr noch die eine und andere Änderung erfahren hat. So musste unter anderem die Grösse des QR-Codes vergrössert werden, um die zusätzlichen, aus der ISO-20022-Harmonisierung möglichen, Informationen aufzunehmen. Der Einzahlungsschein mit QR-Code soll ab Januar 2019 zum Einsatz kommen. Viele Banken haben sich im Rahmen ihrer Harmonisierungsprojekte in diesem Jahr dem Thema angenommen und scheinen auf gutem Wege zu sein, das Enddatum zu erreichen.

Zum Abschluss dieses Rückblicks bleibt uns noch ein Blick auf LEON. Was passierte in diesem Jahr mit dem grossen Vorhaben? Es kann sicherlich vermerkt werden, dass die E-Rechnung, neu E-Bill, eine gute Akzeptanz erfährt und stetig vorankommt. Mit LEON sollten eigentlich die bestehenden Verfahren LSV+ und BDD abgelöst werden, diese bleiben jedoch funktional bestehen und können weiterhin angeboten werden. Das heisst, die Parallelphase der alten und neuen Verfahren läuft ohne Enddatum. Und wie wir aus anderen Harmonisierungs-/Migrationsprojekten gelernt haben, ohne Enddatum lässt sich kein Druck aufbauen, um etwas zu ändern. Das bestehende Verfahren hat sich ja bewährt, funktioniert und ist im Einsatz, also ja nichts Neues einbringen. Wir sind gespannt, ob uns 2018 ein Enddatum für LSV+ und BDD bringen wird.

Nun werden Sie sich vielleicht fragen, ob da nicht noch was fehlt. Ja, TWINT könnte an dieser Stelle noch erwähnt werden. TWINT scheint zwar bankenseitig allgegenwärtig zu sein und hat einen grossen Schritt vorwärts gemacht. Wir sind jedoch gespannt, wie sich TWINT im nächsten Jahr entwickeln wird und werden im nächsten Jahresrückblick eventuell näher darauf eingehen.

Es ist vieles im Gange und grosse Themen, z.B. GDPR (General Data Protection Regulation bzw. die Europäische Datenschutzgrundverordnung) kommen in Kürze dazu. Da mag sich manch einer fragen: „Ist dies wirklich alles notwendig?“ Darauf möchten wir mit dem Zitat von Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Physiker 1742-1799, antworten: „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll“.


Das neue Jahr verspricht auf jeden Fall ein spannendes zu werden. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit und eine Verschnaufpause zwischen den Jahren.

Ihr Blog-Team von PPI Schweiz

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