Let's touch FinTech - PPI Schweiz zu Besuch in London

PPI Schweiz
Im Rahmen ihres Studiums "CAS Digital Banking" begaben sich René Heusser und Marco Vosseler von PPI Schweiz für ein paar Tage in die Finanzmetropole London, um vor Ort zu erfahren, weshalb hier neben der internationalen Finanzbranche auch der Puls internationaler FinTech-Start-Ups schneller schlägt als anderswo auf der Welt.

Als Erstes hiess uns Lutz-Peter Berg, Head of Science and Innovation an der Schweizer Botschaft, in London in der britischen Hauptstadt willkommen, die mit 8.5 Millionen Einwohnern eine grössere Population aufweist, als die Schweiz im Gesamten.

In einer spannenden Keynote beschreibt Berg, wie die Botschaft vor Ort Start-Ups unterstützt und dass die meisten Innovationen noch immer in der Schweiz geschaffen werden, wenn auch oder gerade nicht durch Start-Ups sondern durch etablierte KMU, welche ständig daran arbeiten, gut funktionierende Prozesse und Produkte noch weiter zu verbessern.

Die Gründe für die Konzentration von jungen Firmen in London sind vielfältig. Einer der wichtigsten jedoch ist sicherlich die Möglichkeit, schnell, unkompliziert und zu niedrigen Kosten ein Unternehmen zu gründen. So lässt sich eine Firma in der Rechtsform  "Limited" (Ltd.) in rund fünf Tagen gründen und kann sich online für umgerechnet rund 30 Schweizer Franken registrieren. Auch das überdurchschnittlich vorhandene Venture Capital und die steigende Anzahl an Inkubatoren macht London für FinTech unausweichlich. Daneben lockt der britische Staat mit Steuervergünstigungen reichlich Investoren an.

Nachdem wir nun genug über die Grundlagen von politischer Seite erfahren haben, besuchten wir die Vox Studio Buildings, wo ein vielfach ausgezeichneter Start-Up mit dem Namen "nutmeg" beheimatet ist. Nutmeg wurde 2011 mit der Idee der Online-Vermögensverwaltung gegründet und zählt mittlerweile mehr als 45'000 Kunden. www.nutmeg.com

Weiter ging es am nächsten Tag in der Canary Wharf, wo an One Canada Square im 39. Stock Tag und Nacht Innovationen entwickelt werden: Europas grösster FinTech-Accelerator Level 39. Entgegen unseren Erwartungen wurden wir nicht im 39. sondern im 42. Stock von Claudio Lisco, Innovation Manager bei UBS empfangen. Interessanterweise teilt sich Level 39 in die Stockwerke 24, 39 und 42 auf, wie wir erfahren durften.

Lisco gab uns einen spannenden Einblick in die Themen, mit denen sich das UBS Innovation Lab beschäftigt. Einige disruptive Begriffe, die wir uns merken sollten, sind neben dem Anspruch, möglichst vieles auf mobiler Technologie zu entwickeln, Trends wie Machine Learning, Data Analytics, Natural Language Processing und Internet of Things.

Auch Cloud Dienste und Cryptro Currencies sind keine Fremdwörter im Level 39. Im Anschluss fuhren wir dann doch noch in den "echten" Level 39 , also in den 39. Stock und erhielten von eToro Einblick in ihre Start-Up-Idee von Social-Investing. Gleich danach präsentierte sich mit Meniga ein innovativer PFM-Lösungsanbieter (PFM = Personal Finance Management).

Das Interessante an PFM, so Henri Chadwick und Gordon Harrison (beide Business Development Manager bei Meniga), ist die Nutzung von Daten für gezieltes Marketing und Cross Selling, wodurch der Konsument echtes Geld sparen kann. Die Herausforderung dabei ist das Schaffen eines digitalen Ökosystems, in dem neben Kunden und Banken auch Merchants, E-Shops, Restaurants uvm. anonymisiert Daten auswerten. Ein richtig funktionierendes PFM ist also weitaus mehr als eine webbasierte Haushaltsrechnung. Es kennt, wie das "Milchbüechli" auch, welche regelmässigen Ausgaben und Einnahmen ein Kunde hat und wofür diese Ausgaben bzw. Einnahmen stehen.

Beispielsweise gibt ein Kunde jeden Tag einen gleichen Betrag X für, sagen wir mal, Snacks aus. Diese Snacks werden täglich vom gleichen Anbieter bezogen. Ohne ein PFM würde unser Kunde, wahrscheinlich aus Gewohnheit, immer bei diesem Anbieter seine täglichen Snacks kaufen, ohne zu vergleichen, ob er dieselben Snacks vielleicht irgendwo günstiger beschaffen könnte. Ein PFM kann genau diesen Mehrwert bieten, indem es nicht nur analysiert, wo wieviel wofür ausgegeben wird, sondern auch vergleicht und den Kunden auf bessere Angebote aufmerksam macht. Es empfiehlt sich übrigens auch ein Besuch der Club Lounge 39 (clublounge39.co), wo es den mit Abstand besten Burger London's gibt. level39.co

Obwohl wir uns über das Wetter nicht beklagen konnten, führte uns die Agenda als Nächstes zum Rainmaking Loft, einem Start-Up-Bootcamp direkt neben der Towerbridge. Wir bekamen die Möglichkeit, die Räumlichkeiten zu besichtigen, wo sich zahlreiche kleine Start-Up-Firmen den knapp vorhandenen Platz teilen. rainmakingloft.com/london

Im Anschluss verschoben wir uns nach Norden zu Deloitte Digital. Dort wurde uns demonstriert, wofür 3D-Drucker genutzt werden und welche Visionen DD damit hat. Leider war diese Demo in einem Kantinenraum und daher sehr laut, so dass wir nicht alles mitbekamen. Nach der 3D-Erfahrung konnten die neuesten Erkenntnisse von DD im Bereich“ Virtual Reality“ getestet werden. Dann ging’s vom Kantinenraum doch noch in einen richtigen Präsentationsraum, wo uns vorgezeigt wurde, wie die forensische Abteilung von DD aufgrund von Blogeinträgen, Kommentaren und Ähnlichem Personenprofile erstellt. Zu unserem Erstaunen sogar ziemlich genau. http://www.deloittedigital.com/eu/

Ein weiteres Highlight war am Folgetag der Besuch bei Metrobank. Metrobank ist während der letzten 100 Jahre die einzige sogenannte High Street Bank, welche in London gegründet wurde. Das Konzept ist so einfach wie genial. Locke die Kunden in die Geschäftsstellen mit Dingen, die konventionelle Banken nicht bieten. Zum Beispiel Schalteröffnungszeiten am Sonntag, Münzwechselautomaten (gratis) oder Hundefutter für die geliebten Vierbeiner. Seit der Eröffnung der ersten Filiale im Jahr 2010 baute Metrobank ihr Filialnetz auf über 40 Geschäftsstellen aus und weist beeindruckende Zuwachsraten aus. Das Geheimnis liegt darin, die Bedürfnisse des Kunden ernst zu nehmen. So ist eine Kontoeröffnung in maximal 15 Minuten erledigt und der Kunde geht sogar mit einer funktionierenden Debitkarte und Onlinebanking nach Hause. metrobankonline.co.uk

Mit der kurzen Reise geht auch dieser Bericht zu Ende. Was wir mitgenommen haben, sind viele tiefe Einblicke in die Londoner FinTech-Szene und auch ein paar Gedanken, wie unsere Schweizer Banken davon profitieren können. Ein Dankeschön an dieser Stelle geht an die Hochschule Luzern und das Institut für Finanzdienstleistungen in Zug (IFZ) für die Organisation dieses Study Trips, sowie an die zahlreichen Unternehmen und die Swiss Embassy in London, welche uns auf so unkomplizierte Weise Einblick in ihre Arbeit gegeben haben.

Für weitere Informationen dürfen Sie uns gerne kontaktieren.

Für PPI Schweiz, Marco Vosseler und René Heusser


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